Der Mann der mal eben Zigaretten holen ging.
Es war ein Sonntag wie jeder Sonntag, es regnete draußen, die Luft, nun gut reden wir einige Minuten über die Luft, obwohl, was weiß ich schon über die Luft, die Luft war atemraubend das war selbstverständlich Unsinn, die Luft nahm den Geruch von lange getragenen Socken, an, das gefällt mir schon besser.
Die Luft war wichtig, ohne Luft konnte man nicht atmen und aus irgendeinem Grunde wollte er atmen, wollte er noch Leben, ohne Atem konnte man nämlich nicht leben und ohne Leben war das Leben sinnlos. Aber manchmal kam ihm das Leben auch mit Atem sinnlos vor, in all den Stunden die er damit verbrachte mit seiner Frau „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen, zumal wenn er verlor, hatte er stets das Gefühl, das Leben ist eine hundsgemeine Sache und man sei nur auf der Welt um sich zu ärgern.
Er war Dachbretterverkäufer in einem Supermarkt und seine Frau verkaufte Löschpapier und Kreideplätzchen, beide arbeiteten in der selben Filiale. Es ist leicht zu erraten wo sie sich kennen gelernt hatten, natürlich auf einer dieser lustigen Weihnachtsfeiern. Damals ging es der Firma noch gut, das bedeutete der Chef gab ordentlich Bier aus, hätte er das nicht getan, hätte sie sich nie vollaufen lassen und wäre nie mit ihm in seine Wohnung.
Das war lustig. Sie hatten noch ein paar kalte Pommes von der Weihnachtsfeier mitgenommen und die aufs Bett geworfen, dann hatten sie sich gegenseitig ausgezogen, na ja und der rest ist bekannt und wer sich damit nicht auskennt soll sich glücklich schätzen, denn nur wer es nicht weiß, glaubt es sei noch etwas besonderes.
Sie zogen zusammen, heirateten und machten eine Fotokopie von der Heiratsurkunde, das konnte man immer gebrauchen, dachten sie.
Aber nun hatte er sich aus dem Staub gemacht, er wollte irgendwo anders sein, irgendwo wo es nach Hafen roch, nach Lichtern, nach Stränden, nach Sonne, nach Licht, nach dem Leben eben.
Er ging durch die Strassen und lernte dort Marie kennen. Mit Marie war alles ganz einfach, sie arbeitete als Verkäuferin in einem Supermarkt, sie hatten eine menge miteinander zu reden, sie spielten auch nicht Mensch ärgere Dich nicht, sondern Mau-Mau. Marie hatte ein Kätzchen das hieß Pulmi und Pulmi war eines abends abgehauen, die beiden machten sich große Sorgen, aber dann war Pulmi wieder da und die Freude war groß, aber am nächsten tag war Pulmi wieder abgehauen, wieder machten sie sich große Sorgen, ja die Sorgen wurden noch größer, aber dann tauchte Pulmi wieder auf und die Sorgen waren weg. Aber am nächsten Tag war es dann ganz schlimm, sie konnten beinah gar nicht zur Arbeit fahren, aber dann sind sie doch zur Arbeit, haben aber ständig an Pulmi gedacht, ja das waren echte Sorgen, aber dann kam Pulmi wieder und alles war gut, am nächsten Tag aber war sie wieder verschwunden und das war entsetzlich, an diesem Tag brauchten sie nicht zur Arbeit gehen, denn es war Sonntag.
Es war ein schlimmer Tag, weil Pulmi die ganze Zeit verschwunden war, zuerst hatten sie es gar nicht bemerkt, aber dann, dann bemerkten sie es und es war schlimm, ich meine dass sie verschwunden war, sie suchten überall, sie riefen sogar ihren Namen, aber nichts, sie vergingen fast vor Angst und Trauer, ja im Gedanken begruben sie Pulmi schon, das war echt grausam, weil sie sich vorstellten wie traurig alles war ohne Pulmi, obwohl sie Pulmi fast nie sahen, obwohl Pulmi eigentlich immer weg war und sie gar nicht mehr so sicher waren, ob Pulmi überhaupt eine Katze war, vielleicht war Pulmi auch ein Wachhund und bewachte draussen das Tor, immer nur das Tor, wehe es wollte einer das Tor wegnehmen, dann aber zack zack, da wurde echt gebissen und zwar bis zur Tollwut, später musste Pulmi dann tatsächlich einmal ins Krankenhaus gebracht werden, weil sie eine Lebensmittelvergiftung hatte, da war sie ganz schön sauer auf ihn, weil er dem Hund nämlich eine Frikadelle gegeben hatte und das war echt nicht in Ordnung, weil Pulmi nur Hühnerfleisch aß und das auch nur gegerbt.
Aber dann ging wieder alles gut und sie kauften sich den Zauberberg von Thomas Mann. Sie wollten ihn in den kalten Winterabenden lesen, aber dann kam alles anders, weil er nämlich plötzlich von seiner Frau einen Brief bekam, in dem sie sich frage, warum er nicht wieder nach hause komme.
Die selbe Frage stellte er sich dann auch und dann ging er tatsächlich wieder nach Hause.
Der Mann der mal eben Zigaretten holen ging.
Der Mann der mal eben Zigaretten holen ging.
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?
Re: Der Mann der mal eben Zigaretten holen ging.
Hallo Hilbi,
der Text hat so einen Unterton, der mir gut gefällt. Nennt man sowas vielleicht Ironie.
Ich fand nur den Absatz mit Pulmi etwas langatmig. Etwas weniger weg wäre vielleicht besser. Was meinst?
lg Patina
der Text hat so einen Unterton, der mir gut gefällt. Nennt man sowas vielleicht Ironie.
Ich fand nur den Absatz mit Pulmi etwas langatmig. Etwas weniger weg wäre vielleicht besser. Was meinst?
lg Patina
Re: Der Mann der mal eben Zigaretten holen ging.
Ach Du meine Güte jetzt habe ich dieses Thema abonniert ohne es zu wollen, könnt ihr euch eigentlich noch ein Leben ohne Internet vorstellen?
Nun zu dem Tier, von dem ich nicht wirklich sicher bin ob es ein Tier ist, vielleicht ist es ihr Mann gewesen, deshalb geht der andere ja auch wieder zurück, ich weiß nicht, ich werde aus der Geschichte nicht klug
Nun zu dem Tier, von dem ich nicht wirklich sicher bin ob es ein Tier ist, vielleicht ist es ihr Mann gewesen, deshalb geht der andere ja auch wieder zurück, ich weiß nicht, ich werde aus der Geschichte nicht klug
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