Ich schreibe das hier, damit ich mir der Lächerlichkeit meiner Gedanken bewusst werde. Lächerlich aus verschiedenen Gründen: Zum einen führen sie mich nirgendwo hin. Ich denke und denke und doch komme ich an kein Ziel. Es kommt mir beinahe so vor, als denke ich des Denkens wegen. Denken um seiner selbst Willen – wozu?
Zum anderen sind die Art der Gedanken recht trivial: Liebeskummer, wenn man es denn so nennen darf. Alltäglicher, wiederkehrender und dennoch immer wieder neuer Liebeskummer. Ein Liebeskummer, der mich auffressen möchte, aber das lasse ich nicht zu.
Erst einmal: Warum Liebeskummer, geht es gar um Liebe? Nein, es geht um Bekanntschaften mit gelegentlichen körperlichen Techtelmechteln. Szenen, wie sie auf der Welt jeden Tag, jede Stunde hundertfach durchgespielt werden. Das macht sie vielleicht nicht einfacher zu überstehen, aber sie zeigen, und darauf kommt es mir wie gesagt an, die Lächerlichkeit. Meine Bekanntschaft, um zum Punkt zu kommen, ist ein Herr, ein Student, ein Akademiker, ein Intellektueller. Jemand, der andere mitreißen und unterhalten, der sich selbst für nichts zu schade und trotz dem erwähnten Wissen auf dem Boden geblieben ist. Perfekt? Nun ja, dazu kennt man ihn nicht gut genug und selbst wenn man das täte, der Makel des Lebenssüchtigen, der unter anderen Umständen wohl als positiv zu bezeichnen wäre, zwingt sich bei näherer Betrachtung auf. Aber was nenne ich nähere Betrachtung? Ein Spiele-Abend mit Übernachtung, eine peinlich schweigsame Abendsgesellschaft – die einzige, bei der wir allein waren – und ein an eine Orgie anmutende Nacht, deren bruchstückhafte Fragmente in meinem Gedächtnis wohl kaum dazu gedacht sind, sie für diese Art von Überlegungen zu verwenden.
Wie war er – zu mir (versteht sich)? Stets freundlich, zuvorkommend, geradezu hilfsbereit. Gut? Na ja, man betrachte es als das, was es ist: ein recht freundschaftliches Verhalten. Freundschaftlich hat nur entfernt etwas mit Liebe zu tun – daher auch der Kummer. Aber halt mal, sagte ich nicht Orgie – Ja! Die hat aber wiederum nichts mit großer Gefühlsduselei zu tun, da sie durch Alkohol ausgelöst beinahe zu einem Dreier geworden wäre und weiterhin durch pures körperliches Verlangen gekennzeichnet war. Keine Leidenschaft – das verhinderte wohl auch der Alkohol – keine Zärtlichkeit; nur angesprochene Tugenden, die man schon von ihm gewohnt ist.
Man trifft sich am Wochenende; unter der Woche habe man zuviel zu tun – beide – was nicht mal gelogen ist. Und doch bleibt ein metallener Nachgeschmack: Wer will, der kann auch! Dann wollen wir also nicht? Was er will, weiß ich nicht – was ich nicht will: nerven.
Bin ich feige? Ja! Warum? Ich fühle mich unterlegen, komme mir vor wie Gesprächspartner Stein höchstpersönlich – nicht in Person sondern in Substanz. So bin ich nicht! Und doch, mir will sich nichts Schlaues entringen.
Was will ich überhaupt? Diese Leere, diesen Sinusrhythmus meiner Gefühle loswerden, verbannen, aussperren – ob der fehlenden Notwendigkeit beider Dinge! Das geht wohl nur alleine...oder?
Trivial
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste