Salut Patina,
also ich melde mal meinen Einspruch an.
Zuerst, was mir sehr gut gefällt: Der Perspektivwechsel, der hat etwas.
Aber sonst ist mir das zu "niedlich" und "larmoyant".
Viele Bücher beginnen mit etwas Neuem. Wo sich ein Leben plötzlich ändert. Das ist auch hier so - aber eine Richtung kann ich nicht erkennen, wohin es eigentlich gehen soll.
Hier habe ich eine grundsätzliche Frage: Wenn du einen Text beginnst, hast du dann eine Vorstellung, wie es weitergehen soll? Wie es enden soll? Wie lange es ungefähr werden soll?
Oder entwickelst du es einfach aus einem Ideenanfang immer weiter?
Ich will nicht sagen, das eine sei besser als das andere. Mich würde nur interessieren, wie du das machst.
Ich selbst finde das "Drauflosschreiben" problematisch.
Was nun stört mich an dem Text? Es muss der Tonfall sein. Die HeldInnen sind irgendwie "jämmerlich", aber nicht so, dass man darüber sich amüsieren könnte, sondern ich fühle mich durch die Erzählhaltung selbst in diese "Denke", "Fühle" hineingezwängt. Jämmerlichkeit kann man schön schildern, wenn man es mit auktorialer, vielleicht ironischer Distanz tut.
Dass der Leser Figuren bedauern soll, ist das deine Intention? Ich jedenfalls habe mich weit über sie erhoben, vielleicht liegt es auch daran, dass ich diese Art von "Haltung" nicht akzeptieren will: "Etwas muss sich ändern, irgendwas läuft verkehrt, ich weiß nicht was, ich weiß auch nicht, ob es je richtig laufen wird, die Gegenwart ist ziemlich blöd, früher wars schön (o, hätte ich das wenigstens damals gewusst!

, vor der Zukunft hab ich einfach nur Angst; mal sehen, was so passiert, demnächst.
Vielleicht möchtest du diese Fragen in dem Text noch beantworten, dann war das eine vorschnelle Kritik.
Im übrigen: Ich schreib ja ganz gerne von selbstbewussten Lara-Croft-Frauen, will dich hier aber nicht nötigen, auch solche Frauen zu zeichnen, im Gegenteil. Diese Wehmut aber wird dir wohl nur eine kleine Leserschaft erschließbar machen.
Ein Freund sagte mir mal, als ich eine krasse, selbst erlebte Geschichte überlegte, als Roman zu notieren, mit aller Gefühlsschwere - hey, Tolya, warte mal ein halbes, ein ganzes Jahr oder noch länger: Und dann schreib es nicht mehr als Bekenntnis, sondern als Satire

Beste Grüße,
Tolya
P.S.: Sprachlich wie immer gut gearbeitet! Außer den sporadischen "ß", die "ss" sein sollten
