Clube dO livro - Vergiss Amerika
Verfasst: 27.12.2004, 16:51
Alexander schaute seinen Gegenüber mit freudiger Miene an und tippelte mit den Füßen auf den Boden. „Und? Und? Wie findest du es?“
Ludwig legte die Blätter auf den Tisch und nippte an seinem Kaffee. „Die Grammatik ist sehr gut. Aber die Thematik, mein lieber Alexander.“
Alexander schaute ihn verständnislos an. „Was stimmt damit nicht? Das ist doch ein gutes Thema. Das...“
„Ich bitte dich!“, schnitt ihm Ludwig das Wort ab. „In deinen Geschichten geht’s meistens um eine Sache: Sex. Dazu kommt noch deine ausgeprägte Schwäche für die USA. Warst du schon mal dort?“
„Nein. Aber...“, stotterte Alexander überrascht.
„Kein ‚Aber’. Kannst du nicht mal eine Geschichte ohne Sex schreiben? Eine Geschichte, die in Deutschland spielt?“
Robert schaute einen Augenblick an Ludwig vorbei. „Aber New York z. B. ist eine so tolle Stadt. Dort passiert viel mehr als hier in Köln. Ich mag die amerikanische Lebensart.“
Ludwig war einige Jahre älter als Alexander. Vielleicht hatte er damit auch eine weniger naive Sichtweise auf die Dinge. „New York ist also eine tolle Stadt. Was hat den New York, was wir in Köln nicht haben? Sag mir das bitte.“
„Die Freiheitsstatue.“
„Wir haben den Dom.“
„Die Amerikaner haben eine bessere Politik“
Jetzt musste Ludwig laut anfangen zu lachen und wurde von einem jungen Paar am Nebentisch böse angeschaut. „Bist du wirklich so naiv, Alexander? Politik ist doch meistens überall gleich: Die Regierung baut Mist, und der normale Bürger muss die Suppe auslöffeln. Das ist in Berlin nicht ganz anders, als in Washington. Ich vermute sogar, dass es die Amis schlechter haben mit Ihrer Regierung als wir. Unsere lügt uns zwar auch an, aber was soll’s.“
„Die Amerikaner haben ein besseres Gesundheitswesen.“
Ludwig zuckte mit den Schultern. „Dass kann ich ehrlich nicht beantworten. Ich kenne mich mit dem Gesundheitswesen nicht aus. Das einzige was ich weiß, dass man fast alles selber bezahlen muss. Auch Operationen. Weil die alle privat versichert sind. Bei uns gibt’s wenigstens noch die Krankenkassen. Also wieder ein Punkt an Deutschland. Weiter!“
Die Kellnerin kam an den Tisch und stellte einen neuen Korb mit Brot drauf. „Darf ich Ihnen noch etwas bringen?“ „Bringen Sie mir noch einen Kaffee.“, antworte Ludwig. Als die Kellnerin weg war, schaute er wieder zu Alexander. „Denkst du wirklich, hinter jeder Kellnerin verbirgt sich einen arme Studentin, die sich durch das Kellnerin das Jura-Studium finanziert? Das ist ein blödes Klischee. Außerdem....“ Er nahm sich eine Scheibe Brot. „.... haben wir besseres Brot als die Amerikaner. Nicht immer dieses wabblige Weißbrot. Wusstest du, dass man für europäisches Brot in Feinkostläden gehen muss?“
Alexander ließ sich nicht beirren. „Die Amerikaner haben die besseren Literaten.“
„Goethe, Schiller, von Droste-Hülshoff, Fontane, Böll, die Familie Mann, Grass, Hesse. Soll ich weiter machen?“
Die Kellnerin kam wieder zurück und stellte den Kaffee vor Ludwig hin. „Ist das eigentlich nur ein Nebenjob?“, fragte er die Kellnerin. „Ja. Ich finanziere damit mein Jura-Studium.“
Mit diesen Worten verließ sie den Tisch und ließ Ludwig mit einem grinsenden Alexander zurück. „Klischee, äh? Der Punkt geht dann wohl an mich.“
„Ich wollte dich nicht vernichtend schlagen. Aber der Punkt ist der, dass du nicht ständig über Sex und Amerika schreiben sollst. Schreibe eine Geschichte über das Leben einer Familie auf einem Bauernhof in Westfalen; oder so was in der Art. Schreibe etwas Bodenständiges, womit sich die Leute identifizieren können. Wo sie nach der Lektüre sagen: Ja, dass könnte hier passiert sein. Was interessiert uns schon die USA? Du könntest unser Gespräch niederschreiben. Was hältst du davon?“
Alexander lächelte leicht und stützte das Kinn auf die Hände. „Und der Titel?“
„Vergiss Amerika.“, antworte Ludwig und nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse.
Ludwig legte die Blätter auf den Tisch und nippte an seinem Kaffee. „Die Grammatik ist sehr gut. Aber die Thematik, mein lieber Alexander.“
Alexander schaute ihn verständnislos an. „Was stimmt damit nicht? Das ist doch ein gutes Thema. Das...“
„Ich bitte dich!“, schnitt ihm Ludwig das Wort ab. „In deinen Geschichten geht’s meistens um eine Sache: Sex. Dazu kommt noch deine ausgeprägte Schwäche für die USA. Warst du schon mal dort?“
„Nein. Aber...“, stotterte Alexander überrascht.
„Kein ‚Aber’. Kannst du nicht mal eine Geschichte ohne Sex schreiben? Eine Geschichte, die in Deutschland spielt?“
Robert schaute einen Augenblick an Ludwig vorbei. „Aber New York z. B. ist eine so tolle Stadt. Dort passiert viel mehr als hier in Köln. Ich mag die amerikanische Lebensart.“
Ludwig war einige Jahre älter als Alexander. Vielleicht hatte er damit auch eine weniger naive Sichtweise auf die Dinge. „New York ist also eine tolle Stadt. Was hat den New York, was wir in Köln nicht haben? Sag mir das bitte.“
„Die Freiheitsstatue.“
„Wir haben den Dom.“
„Die Amerikaner haben eine bessere Politik“
Jetzt musste Ludwig laut anfangen zu lachen und wurde von einem jungen Paar am Nebentisch böse angeschaut. „Bist du wirklich so naiv, Alexander? Politik ist doch meistens überall gleich: Die Regierung baut Mist, und der normale Bürger muss die Suppe auslöffeln. Das ist in Berlin nicht ganz anders, als in Washington. Ich vermute sogar, dass es die Amis schlechter haben mit Ihrer Regierung als wir. Unsere lügt uns zwar auch an, aber was soll’s.“
„Die Amerikaner haben ein besseres Gesundheitswesen.“
Ludwig zuckte mit den Schultern. „Dass kann ich ehrlich nicht beantworten. Ich kenne mich mit dem Gesundheitswesen nicht aus. Das einzige was ich weiß, dass man fast alles selber bezahlen muss. Auch Operationen. Weil die alle privat versichert sind. Bei uns gibt’s wenigstens noch die Krankenkassen. Also wieder ein Punkt an Deutschland. Weiter!“
Die Kellnerin kam an den Tisch und stellte einen neuen Korb mit Brot drauf. „Darf ich Ihnen noch etwas bringen?“ „Bringen Sie mir noch einen Kaffee.“, antworte Ludwig. Als die Kellnerin weg war, schaute er wieder zu Alexander. „Denkst du wirklich, hinter jeder Kellnerin verbirgt sich einen arme Studentin, die sich durch das Kellnerin das Jura-Studium finanziert? Das ist ein blödes Klischee. Außerdem....“ Er nahm sich eine Scheibe Brot. „.... haben wir besseres Brot als die Amerikaner. Nicht immer dieses wabblige Weißbrot. Wusstest du, dass man für europäisches Brot in Feinkostläden gehen muss?“
Alexander ließ sich nicht beirren. „Die Amerikaner haben die besseren Literaten.“
„Goethe, Schiller, von Droste-Hülshoff, Fontane, Böll, die Familie Mann, Grass, Hesse. Soll ich weiter machen?“
Die Kellnerin kam wieder zurück und stellte den Kaffee vor Ludwig hin. „Ist das eigentlich nur ein Nebenjob?“, fragte er die Kellnerin. „Ja. Ich finanziere damit mein Jura-Studium.“
Mit diesen Worten verließ sie den Tisch und ließ Ludwig mit einem grinsenden Alexander zurück. „Klischee, äh? Der Punkt geht dann wohl an mich.“
„Ich wollte dich nicht vernichtend schlagen. Aber der Punkt ist der, dass du nicht ständig über Sex und Amerika schreiben sollst. Schreibe eine Geschichte über das Leben einer Familie auf einem Bauernhof in Westfalen; oder so was in der Art. Schreibe etwas Bodenständiges, womit sich die Leute identifizieren können. Wo sie nach der Lektüre sagen: Ja, dass könnte hier passiert sein. Was interessiert uns schon die USA? Du könntest unser Gespräch niederschreiben. Was hältst du davon?“
Alexander lächelte leicht und stützte das Kinn auf die Hände. „Und der Titel?“
„Vergiss Amerika.“, antworte Ludwig und nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse.