Ein Ausschnitt
Verfasst: 12.01.2005, 19:06
Hi,
hier ein Ausschnitt aus einem Text, an dem ich gerade schreibe.
...
Unauffällig. Mit dieser Eigenschaft war Sabine wahrscheinlich schon zur Welt gekommen. Vielleicht trifft unscheinbar es eher. Ihre Mutter jedenfalls hatte sie immer als pflegeleicht und brav beschrieben. Sie prahlte damit, dass sie als Baby selten geschrieen hat, nie Schwierigkeiten in der Schule hatte. Immer brav. Immer folgsam. Ein ruhiges Kind, mit dem es nie Ärger gab.
(In einer Zimmerecke kauernd hält sie ihre zitternden Arme vor ihr Gesicht, während er wieder und immer wieder mit dem Ledergürtel auf sie einschlägt – sie weint lautlos, unterdrückt den Aufschrei, beisst die Zähne fest zusammen. Vater mag keinen Lärm. Mutter kocht heute Gulasch und neue Kartoffeln)
Einmal, als sie sieben war, erzählte sie ihrer Mutter vom Sohn der Nachbarin, die sie alle Oma Schmitt nannten. Klaus. Mit Mitte vierzig wohnte der noch bei seiner Mutter. Und er beobachtete sie regelmäßig, wenn sie draußen spielte. Er öffnete dann das Fenster und flüsterte ihr Worte zu, die sie nicht zuordnen konnte. Muschi und Gebärmutter, und dazwischen nannte er sie immer flüsternd Mama. Er verbarg sich halb hinter einem geöffneten Fenster, sein Gesichtsausdruck war seltsam entrückt und eine glitschige Haarsträne hing ihm quer über das verschwitzte Gesicht, während sein rechter Arm sich hektisch im Verborgenen bewegte. Sabine versuchte jedes Mal, das ungute Gefühl zu ignorieren und einfach weiter zu spielen, bis er irgendwann anfing, sie im Hausflur abzufangen, sie an sich zu drücken und zu reiben. Sie ekelte sich vor seinem Geruch nach billigem Haarwasser und seinem harten Geschlechtsteil, das er gegen ihren Bauch drückte.
Dieses Haarwasser, dass sie immer noch roch, wenn sie abends im Bett lag und sich an ihre Katze klammerte, die sie heimlich mit ins Kinderzimmer nahm. Ihre Mutter hasste es, wenn sie die Katze mit ins Bett nahm.
Sie erzählte ihrer Mutter nicht alles. Nur dass er sie an sich gedrückt hatte und immer so komische Sachen zu ihr sagte.
Ihre Mutter verbot ihr, so etwas zu erzählen. Sie sah Verunsicherung und Angst in Sabines Gesicht, strich sie ihr sanft übers Haar und beruhigte sie. „Er tut dir doch nichts. Solange er dir nicht weh tut, lass ihn doch....Er kann nichts dafür. Er ist krank. Ich möchte seiner Mutter keinen Kummer machen, verstehst Du? Sie ist doch so eine nette alte Dame. Schon genug gestraft mit diesem Sohn.“
Die nächsten drei Jahre ließ Sabine es über sich ergehen, dass er ihr aus halb geöffneten Fenstern zukeuchte und sie bei Gelegenheit gewaltsam an sich presste und in ihr Ohr stöhnte, bis sie sich windend befreien konnte. Und sie erzählte niemandem mehr davon, obwohl sie sehr wohl mitbekam, dass auch andere Kinder der Nachbarschaft betroffen waren. Doch es war eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass darüber nicht gesprochen wurde. Auf seltsame Weise schienen sich hier alle Nachbarn und sogar die Kinder einig zu sein. Und sie hielt den Mund, als eines Tages die Hausfrauen der Nachbarschaft die Verhaftung von Klaus beklagten. Diese neue Familie, die kürzlich eingezogen ist. Haben ihn angezeigt, haben behauptet, er hätte ihre vierjährige Tochter unsittlich berührt. Bis jetzt war doch so was nie passiert! Die Tatsache, dass Klaus am nächsten Tag wieder zu Hause war, bestätigte ihnen, dass rein gar nichts an diesen Anschuldigungen dran war. Die neue Familie wurde gemieden wie die Pest. Ein halbes Jahr später zogen sie aus und alles ging seinen gewohnten Gang.
(Geschrei in der Nacht. Sabine schleicht zum Treppenabsatz. Mutter weint. Vater schreit und reißt ihr Bluse und BH vom Leib. Boxt ihr ins Gesicht. Sie blutet, doch das kümmert ihn nicht. Verdammte Hure, verfluchtes Schwein, schreit er. Sabine zieht sich leise zurück in ihr Zimmer. Die Katze verlangt maunzend herausgelassen zu werden und kratzt verängstigt am Kinderzimmerfenster. Sabine öffnet es und lässt sie hinaus. Blickt ihr neidisch nach. Dann verkriecht sie sich tief unter ihrer Bettdecke und versucht, so leise wie möglich zu atmen. Am nächsten Tag erschrickt sie, als sie das geschwollene Gesicht ihrer Mutter sieht. Doch Mutter sagt, dass es nicht schlimm ist, und dass sie ja schließlich selbst schuld ist. Warum muss sie ihn auch immer provozieren? Sie lacht und streicht Sabine über die Wange.)
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hier ein Ausschnitt aus einem Text, an dem ich gerade schreibe.
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Unauffällig. Mit dieser Eigenschaft war Sabine wahrscheinlich schon zur Welt gekommen. Vielleicht trifft unscheinbar es eher. Ihre Mutter jedenfalls hatte sie immer als pflegeleicht und brav beschrieben. Sie prahlte damit, dass sie als Baby selten geschrieen hat, nie Schwierigkeiten in der Schule hatte. Immer brav. Immer folgsam. Ein ruhiges Kind, mit dem es nie Ärger gab.
(In einer Zimmerecke kauernd hält sie ihre zitternden Arme vor ihr Gesicht, während er wieder und immer wieder mit dem Ledergürtel auf sie einschlägt – sie weint lautlos, unterdrückt den Aufschrei, beisst die Zähne fest zusammen. Vater mag keinen Lärm. Mutter kocht heute Gulasch und neue Kartoffeln)
Einmal, als sie sieben war, erzählte sie ihrer Mutter vom Sohn der Nachbarin, die sie alle Oma Schmitt nannten. Klaus. Mit Mitte vierzig wohnte der noch bei seiner Mutter. Und er beobachtete sie regelmäßig, wenn sie draußen spielte. Er öffnete dann das Fenster und flüsterte ihr Worte zu, die sie nicht zuordnen konnte. Muschi und Gebärmutter, und dazwischen nannte er sie immer flüsternd Mama. Er verbarg sich halb hinter einem geöffneten Fenster, sein Gesichtsausdruck war seltsam entrückt und eine glitschige Haarsträne hing ihm quer über das verschwitzte Gesicht, während sein rechter Arm sich hektisch im Verborgenen bewegte. Sabine versuchte jedes Mal, das ungute Gefühl zu ignorieren und einfach weiter zu spielen, bis er irgendwann anfing, sie im Hausflur abzufangen, sie an sich zu drücken und zu reiben. Sie ekelte sich vor seinem Geruch nach billigem Haarwasser und seinem harten Geschlechtsteil, das er gegen ihren Bauch drückte.
Dieses Haarwasser, dass sie immer noch roch, wenn sie abends im Bett lag und sich an ihre Katze klammerte, die sie heimlich mit ins Kinderzimmer nahm. Ihre Mutter hasste es, wenn sie die Katze mit ins Bett nahm.
Sie erzählte ihrer Mutter nicht alles. Nur dass er sie an sich gedrückt hatte und immer so komische Sachen zu ihr sagte.
Ihre Mutter verbot ihr, so etwas zu erzählen. Sie sah Verunsicherung und Angst in Sabines Gesicht, strich sie ihr sanft übers Haar und beruhigte sie. „Er tut dir doch nichts. Solange er dir nicht weh tut, lass ihn doch....Er kann nichts dafür. Er ist krank. Ich möchte seiner Mutter keinen Kummer machen, verstehst Du? Sie ist doch so eine nette alte Dame. Schon genug gestraft mit diesem Sohn.“
Die nächsten drei Jahre ließ Sabine es über sich ergehen, dass er ihr aus halb geöffneten Fenstern zukeuchte und sie bei Gelegenheit gewaltsam an sich presste und in ihr Ohr stöhnte, bis sie sich windend befreien konnte. Und sie erzählte niemandem mehr davon, obwohl sie sehr wohl mitbekam, dass auch andere Kinder der Nachbarschaft betroffen waren. Doch es war eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass darüber nicht gesprochen wurde. Auf seltsame Weise schienen sich hier alle Nachbarn und sogar die Kinder einig zu sein. Und sie hielt den Mund, als eines Tages die Hausfrauen der Nachbarschaft die Verhaftung von Klaus beklagten. Diese neue Familie, die kürzlich eingezogen ist. Haben ihn angezeigt, haben behauptet, er hätte ihre vierjährige Tochter unsittlich berührt. Bis jetzt war doch so was nie passiert! Die Tatsache, dass Klaus am nächsten Tag wieder zu Hause war, bestätigte ihnen, dass rein gar nichts an diesen Anschuldigungen dran war. Die neue Familie wurde gemieden wie die Pest. Ein halbes Jahr später zogen sie aus und alles ging seinen gewohnten Gang.
(Geschrei in der Nacht. Sabine schleicht zum Treppenabsatz. Mutter weint. Vater schreit und reißt ihr Bluse und BH vom Leib. Boxt ihr ins Gesicht. Sie blutet, doch das kümmert ihn nicht. Verdammte Hure, verfluchtes Schwein, schreit er. Sabine zieht sich leise zurück in ihr Zimmer. Die Katze verlangt maunzend herausgelassen zu werden und kratzt verängstigt am Kinderzimmerfenster. Sabine öffnet es und lässt sie hinaus. Blickt ihr neidisch nach. Dann verkriecht sie sich tief unter ihrer Bettdecke und versucht, so leise wie möglich zu atmen. Am nächsten Tag erschrickt sie, als sie das geschwollene Gesicht ihrer Mutter sieht. Doch Mutter sagt, dass es nicht schlimm ist, und dass sie ja schließlich selbst schuld ist. Warum muss sie ihn auch immer provozieren? Sie lacht und streicht Sabine über die Wange.)
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