Der Anfang des Himmels

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Glaukos
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Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 06.02.2005, 00:38

Hallo ihr Lieben!

Hier habt ihr mal eine kleine Kostprobe zu dem Romanskript, dass ich als Rohfassung in den letzten Monaten erarbeitet habe. Ich bin gerade bei der Überarbeitung, um die Manuskriptfassung zu vollenden. Da ist es natürlich nicht zu spät, noch einzugreifen. Deshalb freue ich mich über eure Anmerkungen dazu, alle sind herzlich willkommen, inhaltliche, grammatikalische etc..

Hier mal das allererste Kapitel, das Zweite folgt hoffentlich gleich ;-)






Bild




Die Romantik neuer Liebe, die Romantik der Einsamkeit, die Romantik des Objektseins, die Romantik alter Pyramiden und ferner Sterne, das sind Mittel, mit dem Geheimnis Kontakt aufzunehmen. Wenn es aber darum geht, es zu verewigen, weiß ich keinen Rat. Aber ich kann und will euch an zwei der wichtigsten Tatsachen erinnern, die ich weiß:

1. Alles gehört dazu.
2. Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben.

Tom Robbins: Buntspecht




Erster Teil:

Luca trifft Laura, und Laura verreist





1

Er trug die Fackel. Der Weg führte jetzt steil in den Berg hinein, zu beiden Seiten standen hohe Kiefern, die Luft roch nach Harz und frisch geschlagenem Holz. Sie mussten auf jeden ihrer Schritte achten, Gras und Schlamm hatten die meisten Treppenstufen zugedeckt. An der rechten Seite führte ein Geländer entlang. Als Luca sich darauf stützen wollte, knirschte es marode.
Weiter oben ersetzte eine Steinmauer das Geländer. Laura lief jetzt dicht hinter ihm. Legte ihre Hand stets an die Stelle auf der Mauer, die seine soeben verlassen hatte. Und einmal, da berührten sich ihre Hände.
Ganz kurz.
Sie waren sehr schweigsam.
In der linken Hand hielt Laura eine Flasche Weißwein, die sie von ihrer letzten Autoreise mitgebracht hatte: Frascati frisch aus Frascati. Den Korken hatten sie bereits gelöst, er saß locker im Flaschenhals.
Wind kam auf und trug den Geruch des Waldes heran. Warme, satte Düfte von Nadeln und Moos und von Erde. Nur Pilze waren keine zu riechen, der Sommer war auf seiner Höhe.
Je näher sie ihrem Ziel kamen, desto stärker wurde der Wind. Lauras nachtblauer Trenchcoat blähte sich einmal im Wind, dann wieder schlug er ihr zwischen die Beine; der Wind wechselte jetzt ständig die Seiten.
Unter dem Mantel trug Laura ein Shirt und einen knappen Rock. Der Wind legte diese Kleidungsstücke frei, so als wolle er sie so schnell als möglich entkleiden.
Laura sang ein Lied. Und sie konnte wunderbar singen:

A distant time comes back to me
The wild reeds, the salty sea
My father calling 'don´t go far'
I gathered sea glass in a jar


Luca kannte das Lied. Sie hatten die Platte auf der Herfahrt gehört. Er sah über die Schulter zurück und lächelte sie an. Gerne hätte er mitgesungen, denn dieses Duett verlangte nach einer Antwortstimme; schade, dass er sich den Text nicht gemerkt hatte.
Er beließ es bei einer Anmerkung:
-Findest du auch, dass die Stimmen der Sänger immer viel eindringlicher sind und so viel tiefer gehen, nur weil sie ein Duett singen?
Sie lächelte, und sang weiter. Laura redete nicht viel. Laura mochte die Stille.

And build a castle with a mote
As the wind blew sand in my hair
In the rustling of your over coat
Passing on the stairs


Es war Markus gewesen, der ihnen von der alten Kapelle vorgeschwärmt hatte: Die müsst ihr sehen, die ist ganz nach eurem Geschmack.
Laura hielt inne und sah ins Tal zurück. Die Hütte war hell erleuchtet, sie flackerte wie ein Lagerfeuer, Markus hatte eigens eine Lichtorgel in einem Lastwagen mitgebracht. Auch die Bässe der Boxen waren noch deutlich zu hören. Rum-dumm, rum-dumm, rum-da-dumm. Dann drehte sie sich um. Luca stand einige Stufen über ihr, die Fackel in der Hand, sein rundes Gesicht glänzte in dem flackernden Licht wie eingeölt. Schräg hinter ihm konnte sie die Ruine bereits erahnen. Ein halbierter Mond stand hoch über der Szene, er sah starr aus, so als hätte ihn ein Bühnenbildner dort angebracht.
Laura zog den Tabakbeutel aus ihrer Jackentasche und drehte eine Zigarette.
-Was war eigentlich dein erster Lieblingssong? wollte Luca wissen.
Ein Satz, um die Stille zu brechen.
-Den allerersten meine ich. Am besten einen englischen. Als du noch nicht Englisch konntest, und dich nur an der Melodie orientieren konntest!
-Beat it, von Michael Jackson.
-Hey, wie kämpferisch ...
-Ja, der Kampf, murmelte Laura. Weißt du, ich habs immer geliebt zu kämpfen. Hab gerauft mit den Jungs. Das hättest du nicht gedacht, was? Später hab ich sogar Karate trainiert ...
-Nicht schlecht. Und warum hast du aufgehört?
Laura reagierte nicht. Starrte nur trüb in die Flamme der Fackel, die Luca vor seiner Brust hielt.
Dann antwortete sie:
-Und jetzt du. Was war dein Song?
-Ich weiß nicht mehr, welcher der ältere ist. I was made for loving you von Kiss, weil die Kerle so faszinierendes Makeup auftrugen. Oder aber Sun of Jamaica ...
-Mhm, was war das noch mal für ein Lied?
-Dieser Südseesong mit dem Meeresrauschen und dem Sprechgesang am Anfang und am Ende. Das Stück fand ich so ... artifiziell.
Sie rümpfte die Nase. Entweder, sie mochte das Wort artifiziell nicht, oder sie hielt den Song für alles andere als artifiziell.
Dann setzten sie den Aufstieg fort. Sie blieben verschwiegen. Oben lagen die meisten Stufen frei, aber an einigen Stellen waren sie sehr glatt. Einmal wäre er beinahe ausgerutscht. Da spürte er ihre Hand, die seine Hüfte stützte, geschmeidig und stark zugleich.

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Surjaninov » 06.02.2005, 02:16

Hej Tolya


"Gras und Schlamm hatten die meisten Treppenstufen zugedeckt"

- Zugedeckt? Ist es das richtige Wort? Gras und schlamm hatten sich da ganz lieb auf die Stufen gelegt und diese sanft zugedeckt? So klingt es für mich.

"Flasche Weißwein"

- Man denkt sich jetzt wohin der Hase läuft.

"der Sommer war auf seiner Höhe"

- Da NOCH keine Pilze zu richen sind vielleicht etwas wie: Der Sommer NOCH auf seiner Höhe?

"so als wolle er sie so schnell als möglich entkleiden."

- Ah, der Hase läuft noch, und immer schneller...

"Tabakbeutel"

- Würde eher etwas wie Tabakpackung. Beutel sagt doch niemand.

"Da spürte er ihre Hand, die seine Hüfte stützte, geschmeidig und stark zugleich."

POTZTAUSEND Tolya, das muss ich jetzt schon hier haben. Der Hase ist fast am Ziel oder was? ;-) Das ist mir zu viel der guten Sache...

"geschmeidig"

- Durch Klamotten gespürt?

"Licht wie eingeölt"

- Hat hier irgendwie einen schlüpfrigen Charakter.



"Sie lächelte, und sang weiter. Laura redete nicht viel. Laura mochte die Stille."

- Eine schöne Stelle. Wie der ganze Absatz. Ein Duett (Auch nur angesprochen) wirkt nicht so platt wie der Wind unterm Rock.

Insgesamt finde ich die längere Unterhaltung zum Schluss am besten, wobei "I was made for loving you" schon wieder so einen Hinweis gibt.



Vielleicht trügt meine Ahnung, aber ich wäre nicht überrascht wenn nach dem Austrinken des Weins, in der romantischen nächtlichen Ruine, noch so manche Dinge geschehen.

UND: Noch ist Laura ja nicht verreist. Warten wir was da passiert.



Jeder kennt diese Szenerie, hat sie so oder ähnlich schon erlebt. Es sind schöne Momente, an die man sich gern erinnert.
Nur versuchst du hier eine platte "romantische" Stimmung aufzubauen. "Fackel" "Musik im Tal" "Mann und Frau allein im Wald" "Ruine" "Wind" "luftige Kleidung". Dann wird sich zart und wie ungewollt berührt und fast ausgerutscht und gestützt.

Ich will sagen: Da schwelge ich doch lieber in persönlicher Erinnerung, denn dieser "erste Teil" birgt nichts Neues; ist banal und platt.



Vielleicht kann man das auch an so einem kurzen Stück nicht festmachen. Warte auf eine Fortsetzung.



Achso: Hast du das "Cover" gestaltet? Es erinnert an Magritte?
Ist es ein Bild von ihm, oder hast du es selbst collagiert?
Naja, jedenfalls ist die Schrift nicht gut platziert.
Das "des" ist zu nah am rechten Rand des "Vorhangs"
Das "s" von "Himmels" stößt gar an die Kante.
Genauso wie das "n" von "Roman" an das Apfelblatt stößt.
Das würde ich vermeiden.
Das Rot vielleicht ein wenig zu knallig? Ein Spritzer mehr Braun könnte helfen.


so weit erstmal von mir
lg
Surja

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon SMID » 06.02.2005, 10:48

Hi,

ich stimme Surja zu, was die graphische Gestaltung angeht. Da geht noch was. Neben dem Apfel fehlt auch noch die Banane. Warum nur die weibliche Verlockung darstellen? Ist denn die Banane des Mannes nichts mehr wert, oder was?

Ausserdem sieht der Apfel sehr hoelzern aus.

Jetzt zum Schwerpunkt deines Anliegens.

Was Surja anmerkte, das stimmt im Grossen und Ganzen. Mir fallen da nur noch Kleinigkeiten auf:

/Nur Pilze waren keine zu riechen/. Was nicht ist, wuerde ich nicht nennen. Ausserdem ergibt der Pilz bei mir eine ekelhafte Nebenassoziation, die mehr schadet aus neugierig macht.

/Trenchcoat/ wie heisst das auf Deutsch?

und dann:
Der Wind legte diese Kleidungsstücke frei, (freilegen: ist doch mehr die Arbeit eines Archaeologen, wie waers mit aufwirbeln?)...

aber das sind ja wieder nur pimpelige Anmerkungen... sorry. Man merkt, dass bereits einige Zips eingebaut wurden, die sich spaeter erst entfalten sollen.

Aber ich bin mir noch nicht ueber die Beziehung dieser beiden klar. Ein langes Paar? Ein kurzes? Ein Abenteuer? Vielleicht verraetst du uns bald mehr.

Artifiziell ist typisch Glaukos. Niemand wuerde sich getrauen, einen solchen Schocker gleich am Anfang zu setzen. :-)

Bis dann
SMID

Glaukos
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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 08.02.2005, 02:30

Danke ihr beiden fürs lesen, hat mir sehr weiter geholfen!

Die Pilze sind draußen.
Das schlüpfrige Öl auch.

wenn mir jemand sagen kann, wie man "geschmeidig" und "stark" in einem Adjektiv unterbekommt, dann wäre ich sehr dankbar darum. Ich bin selbst nicht so glücklich mit der Wendung, andererseits will ich genau das sagen ;-)

Surja, geschmeidig kann man auch durch Kleider jemanden anfassen ... ich meine, dass eine Hand sich in so einem Fall eher anschmiegt als gegendrückt ...


Aus Schlamm wurde Erde.
Zugedeckt bleibt vorerst so ... es kann ruhig niedlich wirken.


Trenchcoat ist eigentlich, soweit ich weiß, eine Art Armeejacke, vom Wortursprung her. Es gibt nicht direkt ein Deutsches Wort dafür.


Und dann die Bemerkung, dass das vielleicht eine abgelutschte Naturromantik benutzte ... ist ja Sinn meiner Übung gewesen. Ich wollte es so. Ich wollte es, dass sich (erstmal) jeder ganz gut in der Szenerie wiederfindet.
Und wollte aber auch, dass der Leser nicht sofort genau blickt, was die beiden Figuren eigentlich verbindet, woher sie sich kennen etc..
Letzteres hat ja anscheinend ganz ordentlich funktioniert.





Das Bild ist von Magritte, gut erkannt, Surja, Freund der Malerei ;-)
Es ist nur ganz schnell hingeschludert. Es hat lediglich illustrativen Charakter, so wird das nie gedruckt werden.

Was die Banane von Smid angeht, das müssen wir Herrn Magritte vorwerfen ... ich allerdings habe meine Probleme damit, den Apfel als WEIBLICH zu kategorisieren ...
im übrigen,
DER Apfel - männlich ;-)
DIE Banane - weiblich ;-)))

Anyway ...




So, die Fortsetzung hierzu folgt sogleich, diesmal ein längeres Kapitel.

Habt noch einmal vielen Dank, eure Meinung ist mir wirklich wichtig!

Nachtgrüße aus Berlin nach Überall,

Tolya


P.S.: achja, ich werde die Texte hier auf der Forenseite nicht korrigieren, nur mein Skript. Sorry for that, aber das würde mir doch zu fieselig ...

Glaukos
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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 08.02.2005, 02:33

2


-Prost!
Laura nahm einen festen Schluck.
-Leider etwas warm.
-Aber dennoch sehr lecker ...
Aus der gleichen Weinflasche zu trinken war fast so intim wie ein Kuss.
Luca sah sie an.
Was hatte sie? Ihr Gesicht war von einem Moment zum nächsten ganz ohne Ausdruck. Weder freundlich noch unfreundlich blickte sie zur Seite, völlig unbewegt, so als hätte ein Regisseur an dieser Stelle das Bild eingefroren. Sie blinzelte nicht einmal.
Ihr Gesicht sah aus wie ein Gemälde. Zeitlos, aus einer anderen Welt. Ein kühler Wind strich ihm um die Schultern.
Seine Hände aber schwitzten.
Sie hatten sich auf die oberste Stufe des Portals gesetzt, jeder lehnte sich gegen eine Säule. Die Fackel steckte in einem Blumenkübel, und allein das flackernde Licht sorgte für etwas Bewegung in Lauras Gesicht. Auch sonst war ihre Haltung verschlossen, sie hatte ihre Beine angehockt, die Arme umfingen ihre Knie, die Finger waren halb ineinander gehakt. Sie trug noch immer ihren Trenchcoat, und auch der Wein hätte sie von innen wärmen müssen; dennoch fror sie.
-Was war deine seltsamste Eroberung?
Die Frage kam unvermittelt.
Aber Luca musste nicht lange überlegen.
-Das ist schon lange her, und meine Erinnerungen sind etwas verblasst. Es war in meinem Jahr beim Zivildienst. Mein Freund Matthias nahm mich mit auf eine Feier. Es war eine dieser Die-Eltern-sind-nicht-zu-Hause-Parties in der Vorstadt, und die meisten der Gäste zählten zu einer christlichen Gemeinschaft. Aber als sich alle im Partykeller versammelt hatten, war von Frömmigkeit nicht mehr viel zu spüren. Ich unterhielt mich mit Matthias, behielt aber immer dieses Mädchen mit den blonden Haaren im Blick. Sie sah sehr traurig aus. Anscheinend beriet sie sich gerade mit ihrer Freundin.
-Was gefiel dir an ihr?
-Hmh. Sie berührte mich auf eine ganz ungewöhnliche Weise. Es war wohl Mitleid ... aber ich kann auch nicht ausschließen, dass ich nur das getan hab, was alle Singles auf solch einer Party tun.
Er grinste.
Nahm einen festen Schluck aus der Flasche. Der Frascati schmeckte nach Wiesenblumen und perlte im Rachen wie Sekt.
-Und was wäre das bitte?
-Na, der biologische Imperativ eben!
Laura nickte ihm herausfordernd zu, indem sie den Kopf erst kurz anhob und dann wieder senkte. Nein, sie ließ nicht locker.
-Was jetzt?
-... na du weißt schon, die hübscheste Frau erobern zu wollen!
Laura schnalzte mit der Zunge. Dann strich sie sich die Locken hinters Ohr.
-Aha, die hübscheste wolltest du also! Und warum nicht die klügste?
-Ach, wir Männer sind so simpel.
-Okay, damit magst du Recht haben. Jetzt aber raus mit der Sprache: Wie hast du sie nun erobert?
-Also, das kam so: Ich saß an der Seite, sie hingegen hockte jetzt mitten im Raum. Sie hatte mir den Rücken zugewandt. Ihre Freundin war nach oben gegangen, sie saß nun ganz allein. Hielt den Rücken leicht gebeugt, und hätte ein Bildhauer sie in dieser Pose modelliert, er hätte die Skulptur wohl Die Traurigkeit genannt. Ja, ihr trauriger Rücken faszinierte mich. Ich stand auf und wollte nach oben gehen, zur Toilette. Doch als ich neben ihr angelangt war, kam etwas über mich. Eine Affekthandlung, die ich bis heute nicht verstehe. Hätte mir eine Sekunde zuvor jemand unterstellt, dass ich nun genau das tun würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Bei einem wildfremden Mädchen! Niemals! Ohne ein einziges Wort gewechselt zu haben! Nein, völlig undenkbar! Aber ich tat es. Ich ging neben ihr in die Knie und strich ihr über den traurigen Rücken. Nein, wir hatten uns zuvor noch kein einziges Mal in die Augen gesehen ... und ich, der völlig Fremde und Unbekannte, strich ihr nun wie ein guter Freund aufmunternd über den Rücken.
-Und was tat sie?
-Was hättest du getan?
Laura zog die Schultern hoch.
-Eigentlich hätte sie mir sofort eine scheuern müssen. Aber sie hats nicht getan ...
-Und dann?
-Ich weiß nicht genau. Wir werden uns wohl unterhalten haben. Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als wir in der Hausbibliothek angelangt waren. Vielleicht hatte sie mir ein Buch zeigen wollen, ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls landeten wir auf dem Orientteppich und küssten uns, bis die Sonne wieder aufging.
-Und dann?
-Es war nicht ganz einfach. Weil wir schon mit den Zärtlichkeiten angefangen hatten, mussten wir nun die Kennenlerngespräche nachholen. Aber wir waren uns sympathisch, und so begann eine kleine Romanze. Wenn ich heute an sie denke, dann denke ich sofort an ihr blondes Haar, das mich immer an Heu erinnerte, denn es roch auch so – vermutlich, weil sie eine Pferdenärrin war und in ihrer Freizeit auf einem Pferdehof arbeitete. Und ich denke an den Nachmittag draußen auf der Wiese, als ich so viel niesen musste wegen meiner Allergie. Und ...
Er hielt inne. In Lauras Blick meinte er Ungeduld zu erkennen, oder gar Missmut.
-Nun, wie auch immer ... nach ein oder zwei Monaten schließlich wollte ich mit ihr schlafen. Sie aber zögerte. Irgendwann rückte sie heraus mit der Sprache: Sie sei überzeugte Christin, und Sex sei für sie erst nach der Ehe denkbar. Denk nur, das war der einzige Heiratsantrag, den ich in meinem Leben erhalten habe!
-Warum wolltest du nicht?
-Ich war zwanzig. Ich kannte mich selbst noch kein bisschen, ich war mir fremd wie der Mond. Wie sollte ich da solch wichtige Lebensfragen entscheiden ... möglich, dass ich damals auch nur ein Schuft war, der seine Verführungskünste austesten wollte. Denn anstelle sie zu heiraten, habe ich dann einen mehr als zweifelhaften Entschluss gefasst: Nein, ich wollte sie nicht so einfach ziehen lassen. Ich setzte mir das Ziel, sie vor Begierde schier wahnsinnig zu machen. Ich glaubte nicht an den Christengott, seine Gesetze erschienen mir als schlimme Folter. Ich wähnte mich dazu berufen, dieses arme Mädchen aus seiner religiösen Knechtschaft zu befreien. Und ich würde Erfolg haben! Denn ein leidenschaftliches Mädchen war sie ohne Zweifel. Nein, sie war keineswegs verklemmt, also würde es mir gewiss gelingen, ihren dummen Vorsatz zu brechen.
Laura lächelte spöttisch, aber eine Bemerkung verkniff sie sich.
Luca aber konnte über sich selbst noch weit besser spotten, und das tat er jetzt auch ausgiebig:
-Aber damit erreichte ich natürlich das genaue Gegenteil: Nicht ich machte sie wahnsinnig nach mir, nicht sie wurde willenlos, wehrlos, formbares Wachs in meinen Händen ... nein, ich selbst war es, der nun verrückt wurde nach ihrer Liebe.
-Und habt ihr dann?
Luca jauchzte.
-Natürlich nicht!
Dann sah er zur Seite.
-Aha.
Luca schien mit seiner Geschichte am Ende zu sein. Er wirkte auf einmal verstimmt, obwohl er gerade noch Scherze gemacht hatte.
Laura erwartete, dass er sie nun nach ihrer seltsamsten Liebesgeschichte fragte. Aber Luca fragte nicht, und so musste sie von selbst damit beginnen.
-Auch ich habe einmal eine sehr sonderbare Eroberung gemacht. Ich war vierzehn und machte mit meinen Eltern Urlaub in Spanien. Wir wohnten in Ronda, im Sommerhaus von Freunden, und es waren tolle drei Wochen, die ich dort verbrachte. Eine unvergessliche Zeit, schon allein wegen der Stadt. Ronda ist atemberaubend. Man hat sie schon in Urzeiten auf diese hohen Felsen gebaut. Und zwischen ihren Stadtteilen verläuft eine mächtige Schlucht.
-Ja, ich habe einige Fotografien gesehen. Sie muss wirklich sehr eindrucksvoll sein.
-Rilke nannte sie die geträumte Stadt, und auch meine Geschichte hat etwas von einem Traum ...
-Das Gefühl kenne ich gut.
Laura strahlte.
-So, mein lieber Luca, und jetzt komm mit mir auf diese Reise in meine Vergangenheit! Als erstes denk dir bitte diese Stadt mit ihren weißen Würfelhäusern hoch droben auf dem Felsen, denk dir diese steinalte Stadt, diese ewige Stadt, den ewigen Felsen, wie ihn nur Gott selbst vor vielen tausend Jahren mit einem gewaltigen Hieb gespalten haben kann ...
Sie unterstrich ihre Worte mit der schnellen Handbewegung eines Karatekämpfers, der einen Ziegelstein durchschlägt.
Luca blinzelte sie an wie ein schläfriger Kater. Laura störte sich nicht daran.
-So, und jetzt denk dir eine dramatische Brücke über der Schlucht, denk dir den heißen spanischen Sommer, der den Fluss bis auf den letzten Tropfen ausgedörrt hat, denk dir den Wind, der den Staub von unten heraufbläst ... auf dieser Brücke nun traf ich ihn. Mittags, während die anderen Spanier Siesta hielten, setzte er sich zum Malen auf die Brücke, in die pralle Sonne. Er trug nicht einmal einen Sonnenhut, er liebte die Hitze. Ich lief auf meinen Erkundungsgängen oft an ihm vorbei, und immer warf ich dabei einen Blick auf seine Staffelei. Ich wunderte mich, dass er niemals die Brücke oder die Schlucht malte, sondern immer nur fantastische Landschaften. Irgendwann konnte ich meine Neugier nicht mehr bezähmen. Ich ging zu ihm und fragte, warum er so angestrengt in die Schlucht schaute, obwohl er in Wahrheit ganz andere Landschaften malte. Ja, das war meine erste Frage. Und er erklärte mir, dass er die Welt hinter der Brücke und der Schlucht zu malen versuche. Die Schlucht, sagte er, sei nur die Oberfläche.
-Du weißt noch so genau, was er dir sagte?
-Ja, ich kann mich sehr gut daran erinnern, weil ich sein Englisch so schwer verstand und immer noch einmal nachfragen musste ... außerdem habe ich ein sehr gutes Gedächtnis.
-Gut, dass du mich vorwarnst, scherzte Luca. Aber erzähl weiter.
-Ich habe noch nicht erwähnt, dass er schon älter war, oder? Er war Ende Vierzig, und man sah ihm an, dass er gelebt hatte. Aber auch in seinen jungen Jahren war er bestimmt keine Schönheit gewesen.
-Was reizte dich an ihm? Ich meine, er hätte dein Vater sein können!
-Er war markant. Er hatte diese strahlendgrünen Augen, mit denen er die Welt zu beherrschen schien. Hände, lang und schlank. Sein wildes Haar! Und dann natürlich seine Bilder. Ich begann, für seine Malerei zu schwärmen.
-Was malte er denn?
-Er malte fantastische Szenerien, in denen die Menschen mitten in den schönsten Landschaften platziert waren und ihren Alltagsverrichtungen nachgingen. Sie saßen nebeneinander auf unsichtbaren Stühlen, bereiteten unsichtbaren Tee zu oder fertigten hinter unsichtbaren Arbeitstischen unsichtbare Werkstücke. In dieser schönen Natur wirkten sie schrullig, ja lächerlich. Oft waren sie sogar traurig anzusehen, weil man nicht sagen konnte, was sie eigentlich taten, aber die Traurigkeit wurde von der Sonne, den Bergen, den sprudelnden Bächen überstrahlt ... mich beschäftigte das sehr. So sehr, dass ich ihn an einem der folgenden Tage fragte, ob er nicht einmal fröhliche Menschen malen wolle. Meine Frage schien ihm zu gefallen. Er stand auf, packte seine Sachen zusammen und lud mich in sein Atelier ein: Ich möchte dir etwas zeigen, sagte er. Es war später Nachmittag, und im Stadtpark traf man gerade die letzten Vorbereitungen für das Folklorefestival. Meine Eltern hatten Karten gekauft, und ich hatte versprochen, mitzukommen. Aber jetzt zählte für mich nur der Besuch bei dem Maler. Ganz vorne in seinem Geschäft war der Malerbedarf untergebracht, den er in der restlichen Zeit seines Tages verkaufte: Farben, Pinsel, Blöcke, Leinwand, alles war ordentlich aufgebaut und sah seinerseits aus wie ein Kunstwerk. Er führte mich in die Galerie, die im Hinterhaus untergebracht war. Im ersten Raum hingen die schönen Landschaften mit den traurigen Menschen, einige der Bilder kannte ich schon. Im zweiten Raum war es umgekehrt: Hier sah ich glückliche Menschen vor apokalyptischen Landschaften. Auch hier spielte er also mit dem Kontrast zwischen Mensch und Natur, Zivilisation und Wildnis. Ich hatte so viele Fragen, aber ich wagte nicht, auch nur eine einzige zu stellen. Der Maler indessen stand neben mir und betrachtete mich aufmerksam mit seinen grünen Augen ...
Da fiel ihr Luca ins Wort:
-Hast du mehr auf die Bilder geachtet, oder auf ihn?
-Auf die Bilder, doch doch. Weißt du, sie sagten mir etwas über mich selbst. Aber warum fragst du?
Luca winkte ab.
-Erzähl ruhig weiter.
-Okay. Weil ich nur dastand und nichts mehr sagte, fragte er mich: Denkst du, dass das alles ist? Ich zuckte mit den Achseln. Dann stellte ich ihm die Frage, auf die er anscheinend nur gewartet hatte: Hast du auch schöne Menschen vor schönen Landschaften gemalt? Als Antwort ließ er seine blendend weißen Zähne blitzen, so sehr freute ihn das. Aber dann war seine Freude auf einmal wie weggeblasen, und seine grünen Augen wurden ganz stumpf. Er beugte das Kreuz durch wie ein Buckliger und trottete in den nächsten Raum. Ich wusste nicht, ob ich mitkommen sollte – da winkte er mir kurz. So, wie man einem Tier winkt, diese Geste hat mir gar nicht gefallen. Widerstrebend folgte ich ihm. In diesem Raum befand sich nur ein Sofa, ein kleiner Tisch und eine Staffelei. Die Wände selbst waren kahl, kein einziges Bild war hier zu sehen. Allerdings gab es hellere und dunklere Stellen. An den helleren hatten einmal Bilder gehangen, dachte ich, und fragte ihn, warum er sie abgehängt habe. Sie hängen noch da, erklärte er, sieh genau hin. Und er sagte es so nachdrücklich, dass ich wie verzweifelt auf die Wand starrte. Hatte er dort tatsächlich etwas hingemalt, das ich blindes Huhn nicht erkannte? Ich war so verwirrt, dass ich am liebsten weglaufen wollte. Er aber fasste mich an der Schulter und flüsterte: Dich würde ich malen, als glückliche Frau vor glücklicher Landschaft. Ja, er sagte lucky. Ich weiß es genau, zweimal lucky. Und er nannte mich wife, nicht girl – das schmeichelte mir. Wann willst du mich malen?, wollte ich wissen. Warum nicht jetzt? entgegnete er. Wieder wollte ich weglaufen. Meine Eltern warteten gewiss schon auf mich. Aber er fasste mich erneut an der Schulter und führte mich nun in seine Kleiderkammer. Die meisten Kleider sahen aus wie vom Kostümverleih. Ich solle mich in aller Ruhe schön machen, er würde inzwischen die Vorbereitungen treffen. Ich fragte ihn, was ich anziehen sollte, aber er überließ mir die Wahl. Ich konnte mich lange nicht entscheiden. Dann wählte ich ein folkloristisches Kleid, an dem die Brust ausgepolstert war. Tja, damals war ich noch nicht so gesegnet wie heute ...
Sie sah selbstzufrieden an sich herab.
Dann griff sie nach der Flasche und genehmigte sich einen tiefen Schluck.
-Und rote Pumps. Zwar konnte ich in den Dingern nicht gut laufen, aber im Notfall würde ich es mir auf dem Sofa bequem machen. Ich kehrte ins Atelier zurück. Er aber beachtete mich nicht. Das verunsicherte mich. Tu so, als sei ich gar nicht da, zischte er durch die Zähne, ohne mich anzusehen. Was bezweckte er? Ich schlurfte in den Pumps über den Steinfußboden, als sei ich ein kleines Mädchen, das sich mit Mutters Schminkkasten das Gesicht verschönert hat und in deren Hochhackigen geschlüpft ist ...
Lauras Handy brummte.
Sie zog es vor und sah auf das Display. Murmelte ein Sorry und drehte sich zur Seite.
Luca nahm einen Schluck Wein. Blickte in Richtung der Hütte, aber aus dieser Perspektive war sie nicht zu sehen, hunderte Kiefern standen im Weg. Auch zu hören war nur noch wenig, dumpfe Bässe klopften einen strengen Rhythmus gegen den Berg.
Laura tippte eine Antwort, und das sanfte Lächeln, das über ihr Gesicht spielte, machte sie hübsch, begehrlich, und auch beneidenswert.
Er nahm einen Schluck vom warmen Wein.
-Sorry, aber das war wichtig, erklärte sie ihm. Wo war ich?
-Du stolpertest im Raum herum.
-Ja, genau. Ich wusste nicht, wofür das alles gut sein sollte. Unschlüssig wie ich war, suchte ich nun die Wände ab, vielleicht sah ich ja jetzt die angeblichen Bilder. Sollte er doch malen was er wollte, meinetwegen meinen Rücken, meinen Arsch, es war mir völlig egal. Ich tastete jetzt sogar die Wände ab, aber ich konnte nichts Besonderes an ihnen entdecken. Ich gab es auf. Vermutlich hatte er einmal mehr einen Scherz gemacht. Und da wurde ich auf ihn böse, sehr böse sogar. Doch die Wut kann nicht erklären, warum ich jetzt ausgerechnet das tat. Ich verstehe es so wenig, wie du die Sache mit dem Mädchen verstehst. Wieso auch immer, ich stellte mich jetzt direkt vor ihn hin und begann, Fäden aus dem schönen Kleid zu ziehen. Zuerst nur Fusseln, dann auch Fasern, die hervorstanden. Schließlich begann ich, an den Fäden und Knöpfen zu reißen, ich machte das wunderbare Kleid kaputt. Er aber lächelte nur. Erst heute ahne ich, was ihm daran so gefallen hat ...
-Ja? Was denn? wollte Luca wissen.
Aber Laura blieb eine Antwort schuldig.
-Ich provozierte ihn, aber er reagierte nicht. Also drehte ich mich weg und begann zu tanzen. Trällerte ein Liedchen, ganz sorglos. Und dieses Singen machte mich auf einmal sehr froh. Ich kanns nicht erklären, aber plötzlich war die ganze Wut wie weggeblasen, und irgendwo in mir ist ein Knopf aufgegangen. Urplötzlich waren die kahlen Wände Landschaften, ich hätte mit meinen bloßen Händen hindurchgreifen können, ja, ich hätte mitten hindurch gegen können! Und oben hatte sich die Decke geöffnet, ich sah den Himmel, einige weiße Wolken reichten direkt in das Atelierzimmer hinein.
-Wow! Hast du dir das nur gedacht, oder hast du es wirklich gesehen?
-Ich habs gesehen. Und du kannst dir denken, dass mich das ganz schön umgehauen hat! Ich kam ins Schwitzen, und das nicht nur, weil ich dieses schwere Kleid anhatte. Ich ließ mich auf das Sofa fallen. Schloss die Augen und döste weg. Als ich die Augen wieder aufmachte, war er nicht mehr im Zimmer. Die Staffelei stand jetzt dem Raum zugewandt. Luca, was ich jetzt sah, rührte mich zu Tränen. Es war Zauberei! Er hatte in Nullkommanichts ein halbes Dutzend Lauras aufgemalt, eine jede in einer anderen Position, aber alle sahen unvorstellbar glücklich aus, und sie verschmolzen geradezu mit der glänzenden Landschaft. Goldene Berge sah ich da, mit weißen Schneegipfeln, unten silberne Flüsse, links eine rote Ebene ... du findest das jetzt bestimmt kitschig, aber du hast das Bild nicht gesehen, es war ein Wunder an Schönheit ... Als er wieder zurückkam, hockte ich direkt vor der Leinwand, hatte das Gesicht und das Haar voller Farbe, und meine Fingerspitzen krallten sich in die Leinwand. Alles war verdorben: Das Bild, das Kleid, und auch ich.
Sie seufzte laut, so als wäre all das erst gestern geschehen.
-Ja, ich war die Verdorbenste von allen. Wie hatte ich das tun können? Er aber schalt mich nicht, obwohl ich es verdient gehabt hätte. Er redete mir gut zu und half mir auf. Zog sein Taschentuch hervor und wischte mir das Gesicht frei. Er tat das gewissenhaft. Putzte es, so wie man eine Fensterscheibe reinigt. Als er fertig war, nahm er meine Hand, küsste meinen Handrücken, dann drückte er mir den feuchten Handrücken an den Mund ... und dann war es so weit, er küsste mich ... ja, es war mein erster Kuss ...
Sie sah ihn schon eine ganze Weile nicht mehr an. Sah nur noch nach innen. Ihre Stimme war höher als sonst, und jetzt wurde sie sogar brüchig.
-Er küsste mich so wie ... und seither ... ich habe das nie ... nie mehr hab ich das ... so gewollt.
Eine Träne lief durch ihr Gesicht.
-Sorry, was flenne ich hier herum! Scheiße, warum habe ich mit diesem Blödsinn angefangen, was erzähle ich hier für einen Quatsch? Ist doch kindisch, diese ollen Kamellen aufzuwärmen. Sorry, Luca.
-Hey, hey.
Er strich ihr über Schulter und Arm.
Die Berührung tat gut.
-War er nicht sauer, dass du ihm das Bild versaut hattest?
-Nein. Verstehst du nicht? Die Bilder an den Wänden, die er abgehängt hat ... er wusste, wieso ... ich kann dir dieses Gefühl nicht mehr beschreiben, aber es ... es war eine unheimliche Wirkung darin. Übermäßiges Glück kann Angst machen, verstehst du? Es kann noch verheerender sein als ...
Luca aber dachte nicht an die Bilder.
Lucas Neugier lief in die andere Richtung.
-Er hat dich geküsst – und dann? Wie ging es weiter?
-Diese Küsse ... ach, diese Küsse!
Und schon sprach sie wieder wie im Fieber, aufgeregt, aufgelöst, jeder kleinste Gedanke zu noch kleineren Fetzen zerrissen.
-Andere Küsse als diese machen keinen Sinn ... weißt du ... eigentlich macht alles andere keinen Sinn ... obwohl es verkehrt ist ... völlig verkehrt ... es gibt keine größere ... aber ...
-Was redest du da?
-Luca, versteh doch! flehte sie. Es musste nicht mehr weitergehen ... das war das Beste, mehr war nicht zu haben ... natürlich hätte ich jetzt alles für ihn gemacht, ich hätte ihm nackt Modell gestanden, wenn er es verlangt hätte ... und alles andere! Aber ... er schickte mich weg ... ja, er war älter. Er wusste, was er tat, und er wusste, was richtig war. Er kannte die Gefühle.
Erneut ging ihr Handy.
Sie versuchte, es zu ignorieren, aber ihre Gedanken schweiften in diese andere Welt, die mit Luca und mit dieser Nacht unter dem halben Mond nicht viel gemein hatte.
Er sagte nichts.
Laura beruhigte sich wieder.
-Als ich ihn am nächsten Tag wieder auf der Brücke traf und Andeutungen machte, ja nach einer Fortsetzung fragte, da erklärte er mir ebenso schlicht wie resolut: Zu Lieben ist nur eine Methode, die Welt besser zu machen.
-Oh.
-Das habe ich lange nicht verstanden.
-Und jetzt verstehst du es?
-Ich denke schon. Weißt du, er war sehr politisch.
-Aha. Eigenartig nur, dass er dann immer bloß Landschaften gemalt hat.
-Stimmt, da hast du Recht, das ist eigenartig.
-Es war deine erste Liebe?
Laura feixte schon wieder, und ihre Stimme war wieder erfrischend tief und profan:
-Vielleicht sogar die einzig Richtige.
Er antwortete ihr mit einem ebenso breiten Grinsen.
-Lass uns hineingehen.
Sie zündeten vor dem Altar ein Grablicht an, dessen rote Plastikumhüllung zur Hälfte weggeschmolzen war. Wachs war ausgelaufen, aber der Docht war noch intakt.
Sie sahen ihm beim Brennen zu.
Waren unschlüssig, was sie als nächstes tun sollten. Standen Seite an Seite und schwiegen. Reichten sich wortlos die Weinflasche hin und her, so lange, bis sie leer war.
Es war Laura, die als erste hinausging.
-Ich muss mal schnell ins Gebüsch, erklärte sie und verschwand.
Luca blieb vor dem Altar stehen und versuchte sich vorzustellen, wie sie jetzt draußen unter einer Kiefer hockte, den Trenchcoat zur Seite gewickelt, den Rock heraufgerefft, den Slip herabgestreift oder streng zur Seite gehalten. In der anderen Hand aber hielt sie vermutlich das Handy, um die Botschaft zu lesen, die sie vorhin empfangen hatte.
Von wem?
Er hatte eine Vermutung, aber gänzlich beruhigen konnte sie ihn nicht. Nichts war mehr unerreichbar. Jede Sekunde konnte die ganze Welt anders sein.
Luca wollte alles wissen.

SMID
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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon SMID » 08.02.2005, 07:34

Die Frage kam unvermittelt.
Aber Luca musste nicht lange überlegen.
(Das sind diese Bruecken zwischen den Redeeinschueben, die immer fehlplaziert wirken. Da spricht immer wieder der Autor vom Hintergrund. Das nervt mich persoenlich. Aber vielleicht ist das auch nur mein persoenliches Problem.)

Es war eine dieser Die-Eltern-sind-nicht-zu-Hause-Parties in der Vorstadt, ...
(klingt wie ein Schablonensatz aus einer US-Soap opera. Wuerde das bei uns wirklich jemand so sagen?)

Ich weiß nicht genau. Wir werden uns wohl unterhalten haben. Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als wir in der Hausbibliothek angelangt waren.
(das ist ein Trick, Glaukos, mein verehrter! Du willst schummeln! Das ist alles! Erst baust du ein Bild auf, und jetzt rueckst du nicht raus mit der Sprache... :-) Ist dir hier die Puste ausgegangen, oder was?)

Luca aber konnte über sich selbst noch weit besser spotten, und das tat er jetzt auch ausgiebig:
(Dieser Satz ist eine Katastrophe.)

Hm, der Rest ist eigentlich ziemlich gut, manchmal zaeh, sorry, aber ich glaube das liegt an deiner Schreibtechnik, kann das sein? Ich wette du hast das Gespraech tatsaechlich mit jemandem so gefuehrt und aufgezeichnet, und dann im Nachhinein bearbeitet, stimmts? Denn es ist manchmal sehr lebensnah und man stellt sich wirklich vor, dass zwei Leute so miteinander reden. Aber es zieht sich eben in die Laenge. Trotzdem ist das Bild im Bild (die spanische Liebe in der deutschen Grotte) eine sehr schoene Verschachtelung.

Am Ende wirkt das /Luca wollte alles wissen/ dann so, als ob du bewusst Spannung aufbauen wolltest, das kommt etwas plump weil so leicht erkenntlich.

Wie auch immer, man liest es und kommt nicht durcheinander, der Leser bekommt alles huebsch vorgestellt und nach der Reihe erklaert. Eine Gute-Nacht Geschichte. Tiefen oder schwierige Themen kann ich bisher keine ausmachen, aber ich hoffe, das kommt noch.

Bis dann
SMID

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 08.02.2005, 12:28

Hi Smidi!

Das mit den Brücken muss ich nochmal durchdenken.
Auf die eine oder andere könnte ich gewiss auch verzichten. Ich dachte eben, sie kämen ganz gut.
Insbesondere bei einem so langen Dialog. Aber vielleicht klingt das zu sehr nach "Regieanweisungen" ;-) ?


Die-Eltern-sind-nicht-zu-Hause-Parties.
Okay, das mit der US-Soap ist ein lustiger Vergleich ... aber ich halte ihn nicht für richtig. Womöglich ersetze ich "Vorstadt". Nur wodurch?


"Ich weiß nicht genau. Wir werden uns wohl unterhalten haben."
Ein Trick, und doch kein Trick, Smid. Bitte verlange nicht, dass ich alles verrate. Insbesondere, WIE so ein Text entsteht. Ich kann dich nur beruhigen, dass mir hier nicht die Puste ausgegangen ist.


"Luca aber konnte über sich selbst noch weit besser spotten."

Was genau ist so schlimm daran? Wie könnte man einen besseren Passus finden? Machst du einen Vorschlag? Wäre nett.


"Hm, der Rest ist eigentlich ziemlich gut, manchmal zaeh, sorry, aber ich glaube das liegt an deiner Schreibtechnik, kann das sein?"

Zähe Schreibtechnik? Ähm ... Na logo, Smid, ich schreibe absichtsvoll zäh. Wo denkst du hin? Es ist nun wirklich nicht meine Intention, zäh zu schreiben. Das musst du, wenn du es kritisierst, schon ein wenig genauer ausführen.


"Ich wette du hast das Gespraech tatsaechlich mit jemandem so gefuehrt und aufgezeichnet, und dann im Nachhinein bearbeitet, stimmts?"

Wetten werden noch angenommen ;-)

Im übrigen laufe ich 24 h am Tag mit dem Diktiergerät herum und zeichne alles alles alles auf ;-))

"Denn es ist manchmal sehr lebensnah und man stellt sich wirklich vor, dass zwei Leute so miteinander reden."

Merci. Ich habe es auch versucht, mal lebensnah zu schreiben. Hab ich mir ein wenig bei Hamsun abgeguckt.

Wo du die Längen ausgemacht hast, wüsste ich gerne.


Den Schlusssatz habe ich noch zusätzlich eingefügt, auf solche nachträglichen Betonungen sollte ich womöglich verzichten. Vermutlich streiche ich ihn.

Oder:
"Luca wollte von alldem wissen?"
Nee, das ist auch nicht so doll ...



Hab vielen Dank!
Beste Grüße
Tolya

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Lene » 08.02.2005, 15:34

Hallo Tolya,

ich denke mal, du weißt, wo ich am meisten gegrinst habe, oder? ;-)

SMIDs Einwand, dass sich das Gespräch, insbesondere Lauras Erzählung, in die Länge zieht, ist m.E. berechtigt. Ich bin öfters mal ausgestiegen und habe ein paar Zeilen nur überflogen (böse Lene!). Auch finde ich, dass Lauras Gerede teilweise eher nach einer aufgeschriebenen Erzählung klingt. Liegt vielleicht an den vielen Adjektiven (das wunderbare Kleid, das schöne Kleid usw.) Mein Tipp wäre also auch: versuch was wegzulassen, und seien es nur Wörter, keine Sätze. Aber welche, das liegt doch ganz bei dir...

Was anderes noch: "als hätte ein Bühnenbildner" - das fand ich sehr schön. Aber dann kam kurz darauf "als hätte ein Regisseur" und dann "als hätte ein Bildhauer". Schon beim Regisseur fand ich es zu viel.

Ansonten deutlich, deutlich, deutlich mehr in meinem "Geschmacksspektrum" als gewisse andere Texte :-) bin gespannt, wie es weitergeht!!!

Liebe Grüße von Lene
bevor es uns einschneit für immer (Max Frisch)

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Surjaninov » 09.02.2005, 02:21

hej Tolya


in ihrer Freizeit auf einem Pferdehof arbeitete. Und ich denke an den Nachmittag draußen auf der Wiese, als ich so viel niesen musste wegen meiner Allergie.

-- Warum unbedingt ein Reiterhof? Und dann die Wiese, die Allergie.

dieses arme Mädchen aus seiner religiösen Knechtschaft zu befreien

-- Das arme arme Mädchen.

So, mein lieber Luca, und jetzt komm mit mir auf diese Reise in meine Vergangenheit!

--

wie ihn nur Gott selbst vor vielen tausend Jahren mit einem gewaltigen Hieb gespalten haben kann

--

außerdem habe ich ein sehr gutes Gedächtnis.

-- Das passt nicht wirklich. Eine plumpe Erklährung ihrerseits.

die Brust ausgepolstert war. Tja, damals war ich noch nicht so gesegnet wie heute ...

-- hmmmmm

Urplötzlich waren die kahlen Wände Landschaften

-- Plötzlich? Dann auf einmal sieht sie es auch? Also nee.

Goldene Berge sah ich da, mit weißen Schneegipfeln, unten silberne Flüsse, links eine rote Ebene

--

Und schon sprach sie wieder wie im Fieber, aufgeregt, aufgelöst, jeder kleinste Gedanke zu noch kleineren Fetzen zerrissen.

--

aber der Docht war noch intakt.

-- "intakt" das richtige Wort?


Also,
ich weiß nicht. Jetzt sind es nicht mehr diese klischeehaften Landschaftsbeschreibungen, jetzt ist es die alter Maler - junges Mädchen Geschichte.
Ein alter Hut!
(Da gibt es einige gute franz. Filme zum Thema. Kennst du welche?)
Aber warum von einem Klische in das andere springen??
Und dann dazu noch // junges Mädchen // Eltern - Urlaub // sie zieht allein durch die Stadt.
Dann trifft sie natürlich den Maler. Der sitzt grade auf der Brücke.
Malt andere Dinge. Sie versteht nicht. ...
Dann ist sie bei ihm im Atelier, usw.
Disen Hut haben sich schon einige aufgesetzt.
Da kommt hier nichts neues, nichts was nicht schon bekannt ist.

Zum Gespräch der beiden, da schließe ich mich SMIDs Meinung an:
manchmal sehr lebensnah und man stellt sich wirklich vor, dass zwei Leute so miteinander reden


lg
Surja

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 09.02.2005, 03:12

Hallo ihr Lieben,

ich versuche ein bisschen die Leseeindrücke zu sortieren.
Lene meinte, es sei langatmig in den Dialogen, keine Sprechsprache, ihr beide meint schon, es sei - zumindest manchmal (?) - sehr lebensnah. Da kann ich mir keinen rechten Reim drauf machen.

Ich werde manche Wendungen einsparen und Adjektive abschießen, das ist ja eh mein Hobby :-) Merci fürs Herausfischen von seltsamen Ausdrücken, Surja! ... ich merke, dass die meisten Anmerkungen zu Stellen kommen, die ich nachträglich bei der Zweitkorrektur eingefügt habe. Das macht mir die Überarbeitung leichter, ich muss dem Text, der schon da steht, einfach mehr vertrauen ;-)


Zum alten Hut.
Das ist ein schwerwiegender Einspruch. Ich könnte darauf verweisen, dass die Geschichte noch VIELE Situationen bereithält, die modern sind. Und die auf ihre Weise nirgends beschrieben sind. Die ersten zwei Kapitel zählen zumindest nicht dazu. (Mit Ausnahme der geistigen Absenz von Laura, dieses unvermittelte Wegdriften aus der Realität.)

Nein, ich kenne diese guten franz. Filme nicht. Ich bin auch nicht so der Freund vom franz. Kino. Daran habe ich mich also nicht inspiriert/orientiert ;-)

Den Einwand mit den Klischees nehme ich ernst. Aber ich finde auch in anderen Büchern viele Klischees. Ich erinnere nur an eines meiner Lieblingsbücher (ein Schuft aber, der meint, ich wollte mich mit ihm vergleichen!), Kunderas "Leichtigkeit". Die ist VOLL mit Klischees. Und dennoch funktioniert das Buch und ist nicht wirklich platt.

Vielleicht ist auch der Unterschied, dass ich bislang meine Erzählungen zumeist für ein sehr anspruchsvolles und gebildetes Publikum geschrieben habe, oft sogar direkt für ein akademisch-literaturwissenschaftliches Publikum.
Diesmal nun schreibe ich auf eine andere Leserschaft zu, das ist auch für mich sehr abenteuerlich ;-)
Mit dem Risiko, dass anspruchsvolle Leser es für platt halten. Da muss ich aber durch! Und wenn ich etwas Glück habe, werden diese Leser dennoch bei der Stange gehalten ... durch die (hoffentlich erzeugte) Spannung der Geschichte.
Natürlich hilft es dir nicht, Surja, wenn ich jetzt schreibe, SPÄTER kämen unerhörte Textstellen, die gewiss nicht "alte Hüte" sind. Ein guter Roman fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Das weiß ich. Also muss ich die Spannung noch mehr herausarbeiten.

Allerdings: Es ist nicht sinnvoll, bei einem Roman von 300 Seiten plötzlich eine später noch sehr wichtige Episode (ich habe ja nicht alles verraten, was Laura mit dem Maler wirklich erlebt hat) völlig umzuschreiben. Die Kapitel, so wie sie da stehen, werde ich nicht mehr vom Inhalt her umschreiben - der Maler wird nicht jünger und ein Anstreicher, und auch kein Polizist ... Ich kann solche Kapitel höchstens streichen. Sofern dadurch nicht später Lücken entstehen, weil späterer Text auf diese Stellen zurückgreift, wie in diesem Fall ... na wem schreibe ich das, ihr kennt dieses Prozedere/Dilemma ja selbst, oder?

Dennoch ist es wichtig zu erfahren, wo ihr Klischees ausmacht. So kann ich wenigstens im Kleinen noch ein bisschen was ausbügeln ;-)

In diesem Sinne,
Fortsetzung folgt,

Tolya

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Surjaninov » 09.02.2005, 04:42

hej hej

Ja, siehst du, darin liegt sicher auch ein Problem. Wenn man den Roman Kapitel für Kapitel durchgeht fehlt eben der Blick auf das Ganze. Besonders wenn man den Verlauf der Geschichte nicht kennt. Und sich nur an dem entlanghangelt was man grade gelesen hat.
Ich sage ja nicht das du deine Geschichte umschreiben sollst! Die Story wohl auf gar keinen Fall!, das könnte später Probleme geben.

Doch vielleicht schaust du dir es nochmal dahingehend an, an welchen Stellen du kürzen kannst, welche Stellen vielleicht gar überflüssig sind, die der Leser nicht braucht.

Es ist wenn ich mir besonders den ertsen Teil angucke sehr ausgeschmückt. Das "Drumherrum" nimmt viel Platz weg, das kann die Sicht auf das Wesentliche versperren.
---

"Die ersten zwei Kapitel zählen zumindest nicht dazu."

- Ha! Da sagst du es selbst!
---

Du hast geschrieben ein Roman muss von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Oder vom ersten bis zum letzten Satz?
Ich würde hier deinen ersten Satz "Er trug die Fackel" hinter den zweiten stellen. Naja, jedenfalls nicht an den Anfang.

"Der Weg führte jetzt steil in den Berg hinein, [...]" ist ein besser Anfang, wie ich finde. Denke man ist dann gleich in der Szene.
Er könnte ja auch ein Käsebrot tragen ;-) . Der zweite Satz ist stärker.
---

Die "Leichtigkeit" habe ich letztes Jahr gelesen. Leider habe ich alles, wirklich alles vergessen. Nur erinnere ich, das ich das Buch stelleinweise sehr langatmig fand. An anderen Stellen war es sehr anspruchsvoll. Aber ich muss gestehen das ich ein unaufmerksamer Leser bin.

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 09.02.2005, 15:13

Ja, Surja,
ich kürze.

Was das Drumherum anbelangt, da sind wohl die Meinungen gespalten. Der eine findet es illustrativ, dem anderen verstellt es die Sicht auf das Wesentliche.

Ich musste eben überlegen, warum ich nicht mit der "Unerhörten Neuigkeit" (<- wird nunmal von jedem neuen Buch verlangt ;-) angefangen habe. Aber ein langsames Hineingleiten schien mir sinnvoller, dann kann man nach und nach die Dosis, die Taktzahl erhöhen.
Ich wollte aber auch nicht einen narrativen Einstieg wählen, von wegen: Das ist Held A, und das ist Held B, sie kennen sich durch C, ihre Fragen sind D und E. Ich wollte gleich in die Geschichte hinein, und der Leser muss nach und nach selbst die Figuren aus der Lektüre herausarbeiten ...


Was den ersten Satz anbelangt, ich war nicht glücklich damit. Vermutlich streiche oder verschiebe ich ihn - merci, Surja.

Tja, das mit dem Käsebrot ... wenn er eine Fackel trägt, wird gezeigt, dass es Nacht ist. Wiewohl, beim rechten Überlegen, schreibe ich nicht, dass die Fackel auch brennt. Also könnte er in der Tat ein Käsebrot tragen. Herrje ;-) Die Tücke des Details. Vermutlich meinst du das? ;-)

Ich will nun nicht eröffnen mit "Es war dunkel ... und der Mond schien helle ;-)))


Beste Grüße,
Tolya

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Lene » 09.02.2005, 16:34

Tolya, z. B. zum Reiterhof: ich finde den okay, er ist einer dieser liebenswerten Details - genau wie Lucas Allergie -, die einem Text (der für das Publikum geschrieben ist, von dem du sprichst) das Fleisch um die Knochen geben.

Begrüße deine Entscheidung, Adjektive abzuschießen, und wenn du schon mal beim Schießen bist, warum erledigst du nicht auch, sozusagen im Vorübergehen, noch ein paar Konjunktionen?

LG
Lene
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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Glaukos » 09.02.2005, 16:45

warum erledigst du nicht auch, sozusagen im Vorübergehen, noch ein paar Konjunktionen?



Mein Verlagslektor soll auch noch seine Freude haben, sonst käme er sich bestimmt wertlos vor ;-)
(vorausgesetzt natürlich, jemand mag das Buch publizieren :-p )

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Re: Der Anfang des Himmels

Beitragvon Lene » 09.02.2005, 18:28

schon gut, schon gut, habe ja nie behauptet es besser zu wissen *schmoll*

:-D
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