Das Mondkalb ist betrunken

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Das Lyrische Glied
Medusa
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Das Mondkalb ist betrunken

Beitragvon Das Lyrische Glied » 06.02.2005, 20:57

Werter Leser, die meinige Aufgabe ist es, das Gespenst von Bad Orb und den dreckigen Satinhemdenverkäufer einzuführen. Zum Einführen sind Medikamente ganz wunderbar geeignet. Medikamente kriegt man für viel Geld in der Apotheke und im Reformhaus, manche auch schon bei Schlecker und solchen fragwürdigen Institutionen. Drogerien nennt man das. Benennen kann man aber auch Personen und andere hübsche Dinge. Aber die Kohärenz, ich merke es schon, die fehlt mal wieder. Also. Einführen. Dazu eignet sich am besten der Geschlechtsverkehr. So führe ich dann also zu Beginn das Gespenst von Bad Orb in den dreckigen Satinhemdenverkäufer, und diesen wiederum in ersteren, also den bereits genannten (s.o. Zeile 1 und 7) ein.

Dies sei nun geschehen. Nun sei erzählt vom Mondkalb, wie es nächtens in seiner Kammer saß und weinte, da unerschöpfliche Langeweile sein Herz, kälbisch sondergleichen, bedrückte und ihm das Atmen gar schwer machte. ?Ei?, dachte sich das Mondkalb, ?dreckig besaufen muß ich mich mal wieder!? Aus seinem Mondstübchen heraus blickte es daraufhin nach drunten auf die grausige blaue Mutter Erde und sinnierte darüber, wo denn wohl am besten Wein zu besorgen sei, oder Likör, denn hochprozentig dürfte es ruhig auch sein, was es sich zu drinken würde genehmigen müssen. Bald schon schwang es sich mit entsetzlichem Schwung hinunter auf die blaue Mutter Erde, die bei seinem Aufprall beträchtlich stöhnte. Dann wanderte es durch die Straßen der Stadt Butzbach auf der Suche nach gutem Trank.

So passierte denn es auch die Stelle, an welcher Gespenst und Satinhemdenverkäufer gerade am allerschönsten Korpulieren waren, und obwohl das Mondkalb zuerst dachte ?Ei, gar garstig ist es, diesem wollüstigen, gotteslästerlichen Treiben zuzuschauen?, beschloß es bald, das Widerwärtige mit dem Nützlichen zu verbinden und versuchte deren beider Säfte, wovon ihm ganz seltsam im Kopfe wurde, aber alkoholhaltig war dieser Trank ja nun wirklich nicht. Nun war guter Rat teuer.

Mit einem traurigen Kopfschütteln über die verrohten Zeiten, in welchen sie lebte, blickte sich Spitz die Maus, die ihr Quartier im Satinhemdenverkaufsladen des dreckigen Satinhemdenverkäufers hatte, dieses garstige pornographische Schauspiel an, konnte aber nicht umhin, beim Anblick der beiden Wollüstigen und des gierig schlürfenden Mondkalbes eine gewisse Erregung zu verspüren, welche ihr die Schamesröte ins Gesicht trieb.

Das nüchterne Mondkalb wandte sich an die beiden putzigen Gesellen und fragte: ?Wohlan denn, meine Herren, guten Abend. Ich hätte da eine Begierde zu melden.? Und als die beiden Freunde es mit großen Kulleraugen erwartungsvoll anstierten, fügte es hinzu: ?Ich bin auf der Suche nach Alkoholika. Könnten Sie mir vielleicht weiterhelfen?? Die beiden kicherten aber nur hämisch, der Satinhemdenverkäufer setzte sich rittlings auf das Mondkalb, das Gespenst auf den Satinhemdenverkäufer und, um nichts zu verpassen, sprang auch Spitz die Maus, noch unbemerkt auf den formlosen Kopf des Gespenstes; der Ritt konnte beginnen.

Nicht wissend, was es von dem unverschämten Gebaren der beiden Lustbolzen halten sollte, trabte das Mondkalb, wie vom Blitz getroffen, davon. Der Ritt ging durch vom Monde, seiner bereits sehnsüchtig vermißten Heimat, beschienene Felder, auf welchen das Getreide in voller Ähre stand, durch verlassen Städte und bis in die Wolken am Horizont. Spitz die Maus bekam bald Mitleid mit dem verstörten Mondkalb und stieg hinunter zu ihm und kletterte ihm ins Ohr. :-E :-E :-E
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