Wittgensteins legitime Erbin
Verfasst: 24.02.2005, 16:03
„Wenn Schweine fliegen können, dann besteht der Mond aus grünem Käse. Fliegende Schweine sind in dieser Welt subjunktionstechnisch, unter der bereits erwähnten Antezedens-Voraussetzung, immer und absolut gedeckt.“
Julia und ich sahen erstaunt aus dem Fenster. Es nieselte Bindfäden. Hamburger Wetter eben. Niklas bemerkte unsere Irritation und ging umgehend darauf ein: “Irgendwas unklar?“, fragte er rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden.
Julia wandte sich ihm zu und brachte ein unsicheres „Ja“ hervor.
„Na dann frag, frag, frag. Immer gleich fragen. Nicht staunen, wissen.“
Diese forsche Aufforderung, durchaus nicht Usus bei den meisten Tutoren dieser Universität, sorgte endgültig für Julias Schweigen. Einige Arme um mich herum hoben und senkten sich zuckend, der alten Schülerunsitte folgend sich immer dann zu melden, wenn der Blick des Lehrers nicht auf ihnen ruhte, die Meldung jedoch bei Blickkontakt im Verzug blitzschnell zurückzuziehen und ein nachdenkliches Gesicht zu machen – ein Gesicht, dass signalisiert: Ich überlege noch. Es liegt mir so was von auf der Zunge, das ist eigentlich schon ein + im Notizbuch wert…
Ich sprang mit dem entschlossenen Mut eines Studenten, der um seine Unvollkommenheit weiß, ein: „Fliegende Schweine? Aber Schweine können nicht fliegen. Wie kann der Satz dann wahr sein?“
Julia nickte unmerklich während Niklas mich eindringlich musterte: “Mirko, was liegt hier vor?“
„Ein Aussagesatz.“
„Gut, was noch?“
„Eine…hm…eine Subjunktion?“
„Eben. Und wann wird eine Subjunktion immer wahr?“
Ein kurzes "Ahhh" erfüllte den kleinen Tutoriumsraum 1072. Freitag, 12 Uhr 35, Anfang November 2004 – und die Welt wieder um ein paar verständige Menschen reicher.
Niklas grinste kurz und sagte betont locker: “Alles schon mal gelernt. Alles schon mal gehabt. Denkt dran: So was
(abwertende Handbewegung) muss sitzen…“
Während wir uns danach ehrfürchtig an die ersten Theoreme wagten warf ich ein paar verstohlene Blicke zu Julia. Sie war circa 160 cm groß und trug ein schwarzes Lederhalsband mit Nieten und einem deutlich vorstehenden Ring, dazu Piercings auf der Zunge, auf den Lippen und an beiden Augenbrauen. Ihre Nägel waren mehr gepunktet denn lackiert und ihre Haare ein einziges Gewuschel. Was ihre Kleidung anging, so trug sie meistens Plateau-Schuhe, eine durchsichtige oder eine in Rechtecksmustern durchlöcherte Strumpfhose sowie einen kurzen Lederrock und eine Lederjacke (beides schwarz), die ihr bis knapp über ihre Brüste abgeschnittenes T-Shirt samt dazugehörigen angenähten Schulterhaltern bedeckte. Die Lederjacke war mit einer Unmenge von mit Edding aufgemalten Sprüchen bedeckt. „Nazis raus“ war eindeutig dominierend.
Ich ertappte mich dabei meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können. Ich wusste natürlich darum welch schwaches Licht diese Frage auf mich werfen würde. Nachdem wir einige angenehme Theoreme gebildet, formalisiert und abgeleitet hatten
(“Dieser Tisch ist eine Tür oder ich bin Gott und wenn dieser Tisch keine Tür ist dann bin ich Gott.") war es dann soweit. Die Gelegenheit ergab sich am Aufzug: “Sag mal“, sagte ich und bemühte mich sehr um einen beiläufigen Tonfall, „warum studiert jemand wie du eigentlich Logik?“
Sie schaute mich verwundert an: “Brauch halt den Schein.“
„Hm, aber du studierst doch Hauptfach, oder? Da brauchst du doch nicht gerade diesen Einführungsschein.“
„Stimmt. Aber ich will ihn.“
„Warum?“
„Ich war immer schlecht in Mathe“, sagte sie mit dem beiläufigen Tonfall den ich nicht gefunden hatte und stieg in den Aufzug.
In den folgenden Wochen dachte ich kaum noch über Julia nach. Sie verhielt sich vor und in den Tutoriumssitzungen ruhig und in sich gekehrt. Manchmal las sie, meistens schaute sie mit unbewegter Miene Löcher in die Luft, während mich, der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war, die Faszination der Logik packte. Auch den meisten anderen Studenten ging das so. Wir erzählten uns oft vor den Sitzungen glucksend und kichernd wie kleine Kinder, wie wir langsam aber sicher begannen unser Denken umzustellen und unseren Alltag logischer zu gestalten. Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen.
So hatte Mirjam-Maria neulich eine Bundestagsrede verfolgt und sich einen Spass daraus gemacht diese, wie sie es nannte, zu „entkernen“,: „Stellt euch vor, wischt man den ganzen rhetorischen Kleister weg, so bleiben einem nach 12 Minuten Redezeit ganze 6 Argument-Schema übrig. Davon drei valide, also wahr auf Grund falscher Prämissen, zwei definitiv falsch und eines richtig, aber Allgemeingut.“
Tobias hatte es sich dagegen zur Angewohnheit gemacht in den entscheidenden Phasen von Diskussionen, und er war ein sehr diskussionswilliger, geradezu ein diskussionswütiger Mensch, dem Konterpart kühl in die Augen zu blicken und sich der Tatsache, aus einer Kontradiktion formal alles folgern zu können, zu erinnern. Er deklamierte dann altersweise und hintergründig: “Schon die alten Griechen wussten, wie es so ist im Leben: Du läufst und du läufst auch doch wieder nicht, und (starke Betonung) EBEN DESHALB liegst du falsch mit deiner Ansicht, dass X...denk mal drüber nach.“
Auch ich hatte meinen Weg gefunden, mein kleines Baby hieß RAA (Reductio ad absurdum). Dabei handelt es sich um eine Annahme, die das exakte Gegenteil dessen ist, was man letztgültig schlussfolgern will. Gelingt es, aus anderen Annahmen und Schlussfolgerungen eine Kontradiktion abzuleiten, die in Abhängigkeit zur zu Beginn gemachten RAA-Annahme steht, so kann ich diese negieren – schon habe ich den Beweis geführt den ich führen wollte. Kühl kalkuliert begann ich also, seit das kleine, zuckersüße RAA in mein Leben trat, Diskussionen grundsätzlich damit, meinem Gegenüber erstmal ausführlich zu versichern wie unzweifelhaft korrekt seine Sicht der Dinge doch sei. Aber es gäbe da eben leider einen kleinen Haken…
Schliesslich kam der Tag der Klausur. Ich saß im oberen Drittel der Bankreihen im Philhörsaal D und beobachtete Julia. Noch 10 Minuten bis zur Klausur und sie wirkte still und konzentriert.
Ich war immer schlecht in Mathe schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Aber wenn sie den Schein als Bestätigung für ihr Ego brauchte, warum hatte sie dann den Kurs bis hierhin so schwer genommen? Sie war nach Anfangsschwierigkeiten offensichtlich gut mitgekommen. Besser als ich. An ihren Hausaufgaben hatte Niklas kaum je etwas zu kritisieren gehabt. Gerade der Spaß eine Welt, vor der man sich jahrelang ekelte, deren Kontakt man mied und der man sich nicht gewachsen fühlte nach und nach zu begreifen musste doch beflügeln. Und daraus ließ sich doch ein Kreislauf machen: Spaß am Begreifen = Motivation mehr zu lernen = Spaß daran noch mehr zu begreifen…
Naturell, dachte ich, einige können ihre Faszination nicht einfach so zeigen…
„Willst du nicht anfangen?“, flüsterte mein Banknachbar kaum hörbar und gab mir einen Knuff. Ich drehte mich panisch um. 14 Uhr 20. Nun gut, ich hatte nur 5 Minuten verloren. Ich begann die 21 Fragen zu bearbeiten.
Die Klausur lief gut und mit der festen Überzeugung glanzvoll bestanden zu haben fuhr ich heim. In gelöster Stimmung machte ich mir witzige Gedanken. Gerhard Schröder mutierte zu einem außerirdischen Blumenkübel oder er war der Bundeskanzler dieser Republik. Nur eine von beiden Aussagen in dieser Disjunktion musste stimmen. Ich wog die Vor- und Nachteile ab, entschied mich dann aber letztlich eine Haltestelle vor meinem Zuhause doch für Ersteres und deckte die Behauptung durch die fliegenden Schweine.
Daheim angekommen beschloss ich meine Mutter zu informieren wie die Klausur gelaufen war. Als ich den Hörer abnahm und zu wählen beginnen wollte fiel mein Blick auf die Pinnwand direkt über dem Telefon. Da hang die Mailing/Telefon-Liste unseres Phil-Tutoriums. Ich zögerte kurz, dann wählte ich entschlossen Julias Nummer.
Es tutete irre lange (bestimmt achtmal), dann hörte ich ein mir wohlbekanntes „Ja“.
„Hallo…äh…Julia..hier ist Mirko.“
„Hi.“
„Ich wollte, also, eigentlich nur wissen wie die Klausur bei dir gelaufen ist. Wir sehen uns ja jetzt nicht mehr, glaub ich und, na ja, wollte ich daher…“
„Danke gut.“
Schweigen. Langes Schweigen.
Dann plötzlich Julias Stimme: “Mirko, was gibt’s noch? Ist es das was ich denke?“
„Was denkst du dir denn?“
„Dass du etwas wissen möchtest.“
„Das stimmt.“
„Logisch sein heißt nicht im Recht zu sein.“, sagte sie tonlos und hängte auf.
Damit war alles gesagt.
Julia und ich sahen erstaunt aus dem Fenster. Es nieselte Bindfäden. Hamburger Wetter eben. Niklas bemerkte unsere Irritation und ging umgehend darauf ein: “Irgendwas unklar?“, fragte er rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden.
Julia wandte sich ihm zu und brachte ein unsicheres „Ja“ hervor.
„Na dann frag, frag, frag. Immer gleich fragen. Nicht staunen, wissen.“
Diese forsche Aufforderung, durchaus nicht Usus bei den meisten Tutoren dieser Universität, sorgte endgültig für Julias Schweigen. Einige Arme um mich herum hoben und senkten sich zuckend, der alten Schülerunsitte folgend sich immer dann zu melden, wenn der Blick des Lehrers nicht auf ihnen ruhte, die Meldung jedoch bei Blickkontakt im Verzug blitzschnell zurückzuziehen und ein nachdenkliches Gesicht zu machen – ein Gesicht, dass signalisiert: Ich überlege noch. Es liegt mir so was von auf der Zunge, das ist eigentlich schon ein + im Notizbuch wert…
Ich sprang mit dem entschlossenen Mut eines Studenten, der um seine Unvollkommenheit weiß, ein: „Fliegende Schweine? Aber Schweine können nicht fliegen. Wie kann der Satz dann wahr sein?“
Julia nickte unmerklich während Niklas mich eindringlich musterte: “Mirko, was liegt hier vor?“
„Ein Aussagesatz.“
„Gut, was noch?“
„Eine…hm…eine Subjunktion?“
„Eben. Und wann wird eine Subjunktion immer wahr?“
Ein kurzes "Ahhh" erfüllte den kleinen Tutoriumsraum 1072. Freitag, 12 Uhr 35, Anfang November 2004 – und die Welt wieder um ein paar verständige Menschen reicher.
Niklas grinste kurz und sagte betont locker: “Alles schon mal gelernt. Alles schon mal gehabt. Denkt dran: So was
(abwertende Handbewegung) muss sitzen…“
Während wir uns danach ehrfürchtig an die ersten Theoreme wagten warf ich ein paar verstohlene Blicke zu Julia. Sie war circa 160 cm groß und trug ein schwarzes Lederhalsband mit Nieten und einem deutlich vorstehenden Ring, dazu Piercings auf der Zunge, auf den Lippen und an beiden Augenbrauen. Ihre Nägel waren mehr gepunktet denn lackiert und ihre Haare ein einziges Gewuschel. Was ihre Kleidung anging, so trug sie meistens Plateau-Schuhe, eine durchsichtige oder eine in Rechtecksmustern durchlöcherte Strumpfhose sowie einen kurzen Lederrock und eine Lederjacke (beides schwarz), die ihr bis knapp über ihre Brüste abgeschnittenes T-Shirt samt dazugehörigen angenähten Schulterhaltern bedeckte. Die Lederjacke war mit einer Unmenge von mit Edding aufgemalten Sprüchen bedeckt. „Nazis raus“ war eindeutig dominierend.
Ich ertappte mich dabei meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können. Ich wusste natürlich darum welch schwaches Licht diese Frage auf mich werfen würde. Nachdem wir einige angenehme Theoreme gebildet, formalisiert und abgeleitet hatten
(“Dieser Tisch ist eine Tür oder ich bin Gott und wenn dieser Tisch keine Tür ist dann bin ich Gott.") war es dann soweit. Die Gelegenheit ergab sich am Aufzug: “Sag mal“, sagte ich und bemühte mich sehr um einen beiläufigen Tonfall, „warum studiert jemand wie du eigentlich Logik?“
Sie schaute mich verwundert an: “Brauch halt den Schein.“
„Hm, aber du studierst doch Hauptfach, oder? Da brauchst du doch nicht gerade diesen Einführungsschein.“
„Stimmt. Aber ich will ihn.“
„Warum?“
„Ich war immer schlecht in Mathe“, sagte sie mit dem beiläufigen Tonfall den ich nicht gefunden hatte und stieg in den Aufzug.
In den folgenden Wochen dachte ich kaum noch über Julia nach. Sie verhielt sich vor und in den Tutoriumssitzungen ruhig und in sich gekehrt. Manchmal las sie, meistens schaute sie mit unbewegter Miene Löcher in die Luft, während mich, der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war, die Faszination der Logik packte. Auch den meisten anderen Studenten ging das so. Wir erzählten uns oft vor den Sitzungen glucksend und kichernd wie kleine Kinder, wie wir langsam aber sicher begannen unser Denken umzustellen und unseren Alltag logischer zu gestalten. Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen.
So hatte Mirjam-Maria neulich eine Bundestagsrede verfolgt und sich einen Spass daraus gemacht diese, wie sie es nannte, zu „entkernen“,: „Stellt euch vor, wischt man den ganzen rhetorischen Kleister weg, so bleiben einem nach 12 Minuten Redezeit ganze 6 Argument-Schema übrig. Davon drei valide, also wahr auf Grund falscher Prämissen, zwei definitiv falsch und eines richtig, aber Allgemeingut.“
Tobias hatte es sich dagegen zur Angewohnheit gemacht in den entscheidenden Phasen von Diskussionen, und er war ein sehr diskussionswilliger, geradezu ein diskussionswütiger Mensch, dem Konterpart kühl in die Augen zu blicken und sich der Tatsache, aus einer Kontradiktion formal alles folgern zu können, zu erinnern. Er deklamierte dann altersweise und hintergründig: “Schon die alten Griechen wussten, wie es so ist im Leben: Du läufst und du läufst auch doch wieder nicht, und (starke Betonung) EBEN DESHALB liegst du falsch mit deiner Ansicht, dass X...denk mal drüber nach.“
Auch ich hatte meinen Weg gefunden, mein kleines Baby hieß RAA (Reductio ad absurdum). Dabei handelt es sich um eine Annahme, die das exakte Gegenteil dessen ist, was man letztgültig schlussfolgern will. Gelingt es, aus anderen Annahmen und Schlussfolgerungen eine Kontradiktion abzuleiten, die in Abhängigkeit zur zu Beginn gemachten RAA-Annahme steht, so kann ich diese negieren – schon habe ich den Beweis geführt den ich führen wollte. Kühl kalkuliert begann ich also, seit das kleine, zuckersüße RAA in mein Leben trat, Diskussionen grundsätzlich damit, meinem Gegenüber erstmal ausführlich zu versichern wie unzweifelhaft korrekt seine Sicht der Dinge doch sei. Aber es gäbe da eben leider einen kleinen Haken…
Schliesslich kam der Tag der Klausur. Ich saß im oberen Drittel der Bankreihen im Philhörsaal D und beobachtete Julia. Noch 10 Minuten bis zur Klausur und sie wirkte still und konzentriert.
Ich war immer schlecht in Mathe schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Aber wenn sie den Schein als Bestätigung für ihr Ego brauchte, warum hatte sie dann den Kurs bis hierhin so schwer genommen? Sie war nach Anfangsschwierigkeiten offensichtlich gut mitgekommen. Besser als ich. An ihren Hausaufgaben hatte Niklas kaum je etwas zu kritisieren gehabt. Gerade der Spaß eine Welt, vor der man sich jahrelang ekelte, deren Kontakt man mied und der man sich nicht gewachsen fühlte nach und nach zu begreifen musste doch beflügeln. Und daraus ließ sich doch ein Kreislauf machen: Spaß am Begreifen = Motivation mehr zu lernen = Spaß daran noch mehr zu begreifen…
Naturell, dachte ich, einige können ihre Faszination nicht einfach so zeigen…
„Willst du nicht anfangen?“, flüsterte mein Banknachbar kaum hörbar und gab mir einen Knuff. Ich drehte mich panisch um. 14 Uhr 20. Nun gut, ich hatte nur 5 Minuten verloren. Ich begann die 21 Fragen zu bearbeiten.
Die Klausur lief gut und mit der festen Überzeugung glanzvoll bestanden zu haben fuhr ich heim. In gelöster Stimmung machte ich mir witzige Gedanken. Gerhard Schröder mutierte zu einem außerirdischen Blumenkübel oder er war der Bundeskanzler dieser Republik. Nur eine von beiden Aussagen in dieser Disjunktion musste stimmen. Ich wog die Vor- und Nachteile ab, entschied mich dann aber letztlich eine Haltestelle vor meinem Zuhause doch für Ersteres und deckte die Behauptung durch die fliegenden Schweine.
Daheim angekommen beschloss ich meine Mutter zu informieren wie die Klausur gelaufen war. Als ich den Hörer abnahm und zu wählen beginnen wollte fiel mein Blick auf die Pinnwand direkt über dem Telefon. Da hang die Mailing/Telefon-Liste unseres Phil-Tutoriums. Ich zögerte kurz, dann wählte ich entschlossen Julias Nummer.
Es tutete irre lange (bestimmt achtmal), dann hörte ich ein mir wohlbekanntes „Ja“.
„Hallo…äh…Julia..hier ist Mirko.“
„Hi.“
„Ich wollte, also, eigentlich nur wissen wie die Klausur bei dir gelaufen ist. Wir sehen uns ja jetzt nicht mehr, glaub ich und, na ja, wollte ich daher…“
„Danke gut.“
Schweigen. Langes Schweigen.
Dann plötzlich Julias Stimme: “Mirko, was gibt’s noch? Ist es das was ich denke?“
„Was denkst du dir denn?“
„Dass du etwas wissen möchtest.“
„Das stimmt.“
„Logisch sein heißt nicht im Recht zu sein.“, sagte sie tonlos und hängte auf.
Damit war alles gesagt.