Schwer tätowiert, mit struppiger Dauerwelle und rauer Stimme vom Saufen und Rauchen – so soll sie sein: die Frau, die mir die Zukunft vorhersagt.
Keine blondlockige Esoterik-Tussi mit Traumfängerohrringen und manikürten Fingernägeln, die mir was von Jupiter im 10. Haus dahersäuselt – nein: Im April wird’s nix, und auch im Mai kannst du’s vergessen, aber ab Juni seh ich gute Chancen – so soll sie es mir sagen, mit der gleichen Sachlichkeit und Expertise, mit der ein Finanzfachmann seine Klienten berät. Unlängst hatten sie bei der Astro-Show so eine, wenn sie die doch einmal bringen, rufe ich an.
Natürlich nicht. So verzweifelt bin ich nicht. Ich verzweifle nie über meine Zweifel, denn ich bin die Großmeisterin der rettenden Distanz.
Aber ich weiß, dass sie nur geliehen ist, diese Distanz. Ein Vorschuss auf den Gleichmut des Alters. Ein Kredit. Und ich werde ihn bezahlen müssen.
L. macht sich grad Sorgen über die Zukunft, sie zweifelt an ihrer Studienwahl. Sie ist im 2. Semester und es läuft gut, sie findet es interessant, sie ist den Anforderungen gewachsen, aber: Sie studiert Medizin. Und sie möchte 3 Kinder. (Ganz schön viel, sag ich. Ich mein, okay, eins allein ist arm, aber gleich drei? – Drei sind genau richtig, sagt sie.) Das könnte ja durchaus noch klappen, später dann, wenn sie ihre eigene Praxis hat, ist sie zumindest daheim. Sie wäre da, vielleicht nicht permanent für ihre Kinder, aber sie wäre da, das ist schon viel. Bloß, hat sie sich jetzt ausgerechnet, wird es ganz schön lang dauern, bis sie ihre eigene Praxis hat. Und mit 3 Kindern in Planung, das wird knapp.
So lange sich Frauen solche Gedanken machen müssen und Männer nicht, ist es mit der Gleichberechtigung Essig, sage ich.
Aber ist es nicht irgendwie natürlich?, fragt L.
Achwas, sage ich. Warum sollten Männer nicht im gleichen Ausmaß...
Aber ich will ja selbst, sagt L.
In L’s Zimmer hängt ein Poster mit einem Baby, das noch so klein ist, dass es in einer männlichen Hand Platz findet. Eine Handvoll Mensch. Unlängst war sie auf Hospitation in einem Altersheim. Wenn ihr Freund – sie führen eine Fernbeziehung - sie anruft, sagt sie Dinge wie: Versprich mir, dass du mich nicht so lange leiden lässt, wenn es mit mir so weit kommt.
Du bist dir ganz schön sicher mit ihm, sage ich. Sie bejaht. Manchmal macht es ihr fast Angst, sagt sie, sie ist so jung und sie weiß es schon, ist das normal?
Ab wann hast du gewusst, dass er es ist?, frage ich.
Sie erzählt: Es war der erste schöne Tag im Frühling. Sie sind zum See gefahren, ihre Eltern haben dort ein Ferienhaus. Sie sind über den Zaun geklettert und zum Haus gerannt und haben sich ins Gras fallen lassen und er ist so neben ihr gelegen und sie hat ihn einfach nur angeschaut. Da hab ich gewusst: So soll es immer sein, sagt L. Ich habe gewusst, wenn er da ist, kann mir nichts passieren. So lange er da ist, kann mein Leben nicht schlecht werden.
Er ist neben ihr gelegen und sie hat ihn angeschaut und sie hat es gewusst.
Ihr glaube ich das.
Wahrscheinlich ist das sowieso ganz falsch: Sich so einen Kopf über die Zukunft zu machen, sage ich. Man sollte viel mehr im Hier und Jetzt verankert sein, und so weiter, du weißt schon.
Ich weiß nicht, sagt L. Ich denke auch gerne an die Zukunft. Es ist gut, ein Bild zu haben, das gibt Kraft.
Es ist gut, ein Bild von der Zukunft zu haben. Für mich auch?
Manchmal stelle ich mir, wie ich die alte Frau besuche. Es wird nicht freiwillig sein.
Sie hat mich herzitiert, um mich zur Rechenschaft zu ziehen und empfängt ich mich mit einem Schweigen, dem ich nur mit Schreien begegnen kann.
Was kann ich dafür, werde ich sie anschreien, dass ich mich so schwer verliebe?
Und sag jetzt ja nicht, ich sei zu verkopft, mein Kopf hat nie etwas unterdrückt, er konnte gar nicht. Weil da nichts war. Das einzige, was du ihm vorwerfen kannst, ist, dass er auch nie etwas getan hat, um da etwas zu erzeugen.
Zur Liebe muss man sich auch ent-schließen, sagt die alte Frau.
Was kann ich dafür, werde ich sie anschreien, dass ich es so furchtbar abgeschmackt finde, die Liebe zu lieben und nicht den Mensch.
Was kann ich dafür, werde ich sie anschreien, dass ich es so furchtbar abgeschmackt finde, wenn einer in seiner Jugend zuerst groß auf Revoluzzer macht, um es sich dann im Alter erst recht wieder im Establishment bequem zu machen?
Was kann ich für meine Halbherzigkeiten, wenn es mir nicht gelingt, die Widersprüche einfach auszublenden?
Was kann ich dafür, dass ich meine Grenzen zu klar sehe?
Das ist es eben, sagte die alte Frau. Du gehst immer nur bis auf Sichtweite an deine Grenzen, nie nah genug. Du sollst dir den Kopf daran blutig stoßen.
Dann mach doch du!, werde ich rufen, wenn du schon so viel klüger bist, dann mach doch! Man ist so alt, wie man sich fühlt, weißt du das nicht? Du wirst dich doch nicht von deinem Alter einengen lassen, also hopp!
Da wird mich die alte Frau lange anschauen, mit einem Blick bis auf die Knochen und dann wird sie sagen: Es gibt für alles im Leben eine Zeit.
Ich werde etwas einwenden, von wegen, sie solle mir ja vom Leib bleiben, mit dem Märchen vom richtigen Zeitpunkt, aber ich weiß, dass sie recht hat, denn sie redet von der richtigen Zeit, nicht vom richtigen Zeitpunkt. Die Enden der Zeiten sind fließende Übergänge und das sind die schlimmsten, denn ich übersehe sie ständig und Enden sind sie doch.
Es gibt für alles im Leben eine Zeit und bloß weil es eine Phrase ist, ist es noch lange nicht falsch.
Inzwischen bin ich dazu übergangen, probeweise sehenden Auges in kleinere Verderben zu rennen. Dabei schiele ich hinüber zur alten Frau.
Sie lächelt nicht.
Aber sie nickt.
Que sera sera
Que sera sera
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Que sera sera
Mög! Schön, dass Du mal wieder schreibst!
Zu der Geschichte ... oder eher - zu dem Text:
Hmmmm ... tja ... soso, lala, wie Bismarck einmal sagte. Er fängt SEHR gut an, der erste Satz ist ein toller Einstieg, auch der folgende Absatz ist grossartig. Dann folgt - wie ein Zaun - ein ziemlich schwer verständlicher Satz:
Nach dem Zaun geht es aber immer noch sehr gut weiter. Nicht ganz so grossartig wie zuvor, aber - wie gesagt - immer noch sehr gut. Was mir besonders gut gefällt, ist, dass Du trotz aller merkbaren Skepsis L. nicht denunzierst. Die meisten anderen hätten diese Figur eingeführt, um ein wenig über sie zu spotten und die eigene Weisheit zu unterstreichen. Nicht so Du. Dein LI ist skeptisch, ja, aber es beneidet L. auch um ihre Sicherheit. Das ist gut, und vor allem sehr gut und glaubwürdig beschrieben.
Danach allerdings, wenn es um das LI selbst geht, wird es zu vekopft, zu theoretisch:
Das klingt alles so ... nach einem französischen Film, in dem irgendein Mädchen mit irgendeinem Jungen irgendwo hergeht (Strände sind da gerne genommen)und ungeheuer weise tut und über das Leben und die Liebe theoretisiert, und dann ist der Film vorbei und sie hat nichts anderes gemacht als zu reden, reden, reden in Phrasen, Phrasen, Phrasen und nichts ist passiert. Das ist so öööööde.
Ganz so schlimm ist es bei Dir nicht - weil Du keine Phrasen drischst (die Projektionsfläche mal ausgenommen). Man merkt schon, dass das Gedanken sind. Aber wenn Du schon so schreiben willst, dann solltest Du entweder komplizierte Gedanken in einfache Worte kleiden, oder einfache in komplizierte, aber nicht komplizierte Gedanken in komplizierte Worte, das senkt das Lesevergnügen stark.
Diese Mitte ist schwach, sehr theoretisch und blutleer.
Dann wird es wieder besser, etwa ab dieser Stelle:
Und der Schluss ist wiederum richtig gut. Rein quantitativ sind also die guten Teile klar überwiegend, aber ich vermute, dass Dir an den Gedanken, die Du im für mich misslungenen Teil beschreibst viel liegt. Vielleicht sollte man das nicht so sehr merken
.
Ach ja:
Genau!
Sie müssen.
Zu der Geschichte ... oder eher - zu dem Text:
Hmmmm ... tja ... soso, lala, wie Bismarck einmal sagte. Er fängt SEHR gut an, der erste Satz ist ein toller Einstieg, auch der folgende Absatz ist grossartig. Dann folgt - wie ein Zaun - ein ziemlich schwer verständlicher Satz:
Natürlich nicht. So verzweifelt bin ich nicht. Ich verzweifle nie über meine Zweifel, denn ich bin die Großmeisterin der rettenden Distanz.
Nach dem Zaun geht es aber immer noch sehr gut weiter. Nicht ganz so grossartig wie zuvor, aber - wie gesagt - immer noch sehr gut. Was mir besonders gut gefällt, ist, dass Du trotz aller merkbaren Skepsis L. nicht denunzierst. Die meisten anderen hätten diese Figur eingeführt, um ein wenig über sie zu spotten und die eigene Weisheit zu unterstreichen. Nicht so Du. Dein LI ist skeptisch, ja, aber es beneidet L. auch um ihre Sicherheit. Das ist gut, und vor allem sehr gut und glaubwürdig beschrieben.
Danach allerdings, wenn es um das LI selbst geht, wird es zu vekopft, zu theoretisch:
Und sag jetzt ja nicht, ich sei zu verkopft, mein Kopf hat nie was unterdrückt, er konnte gar nicht. Weil da nichts war. Das einzige, was du ihm vorwerfen kannst, ist, dass er auch nie was getan hat, um da was zu erzeugen.
Was kann ich dafür, werde ich sie anschreien, dass ich es so furchtbar abgeschmackt finde, die Liebe zu lieben und nicht den Mensch. Ich will niemanden als Projektionsfläche meiner Sehnsüchte missbrauchen.
Was kann ich für meine Halbherzigkeiten, wenn es mir nicht gelingt, die Widersprüche einfach auszublenden?
Das klingt alles so ... nach einem französischen Film, in dem irgendein Mädchen mit irgendeinem Jungen irgendwo hergeht (Strände sind da gerne genommen)und ungeheuer weise tut und über das Leben und die Liebe theoretisiert, und dann ist der Film vorbei und sie hat nichts anderes gemacht als zu reden, reden, reden in Phrasen, Phrasen, Phrasen und nichts ist passiert. Das ist so öööööde.
Ganz so schlimm ist es bei Dir nicht - weil Du keine Phrasen drischst (die Projektionsfläche mal ausgenommen). Man merkt schon, dass das Gedanken sind. Aber wenn Du schon so schreiben willst, dann solltest Du entweder komplizierte Gedanken in einfache Worte kleiden, oder einfache in komplizierte, aber nicht komplizierte Gedanken in komplizierte Worte, das senkt das Lesevergnügen stark.
Diese Mitte ist schwach, sehr theoretisch und blutleer.
Dann wird es wieder besser, etwa ab dieser Stelle:
Das ist es eben, sagte die alte Frau. Du gehst immer nur bis auf Sichtweite an deine Grenzen, nie nah genug. Du sollst dir den Kopf daran blutig stoßen.
Und der Schluss ist wiederum richtig gut. Rein quantitativ sind also die guten Teile klar überwiegend, aber ich vermute, dass Dir an den Gedanken, die Du im für mich misslungenen Teil beschreibst viel liegt. Vielleicht sollte man das nicht so sehr merken
Ach ja:
Drei sind genau richtig, sagt sie.
Genau!
So lange sich Frauen solche Gedanken machen müssen und Männer nicht, ist es mit der Gleichberechtigung Essig, sage ich.
Sie müssen.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Que sera sera
Danke fürs das prompte Feedback, razor!
Nein, das Wichtigste sind die Gedanken nicht, aber sie gehören schon dazu.
Ich habe sie zusammengekürzt, aber rausnehmen kann ich sie nicht.
Der Mittelteil fetzt wirklich nicht.
Allerdings:
Findest du solche Überlegungen wirklich kompliziert?
Bzw: was findest du kompliziert an der Formulierung?
zB den "Zaun" zB find ich ja nun wieder glasklar. Wenn man in Distanz zu dem treten kann, was einen grad umtreibt, sprich sich nicht hineinsteigert usw., gerät man auch nicht so leicht in Verzweiflung. Wäre es nötig, diesen Zusammenhang zu erwähnen?
Das Motiv dieser geborgten Distanz ist nämlich mehr oder weniger der Kern des Textes, denn er begründet ja später auch die Situation mit der alten Frau.
Drum kann ich den Zaun auf keinen Fall abbauen.
Einfaches kompliziert ausdrücken gehört übrigens verboten, meiner Meinung nach.
(Aber was ist schon wirklich einfach..)
Außer als Witz. Wobei, das find ich in der Regel nach dem ersten Satz nur mehr mühsam. Gibt ganz wenige Ausnahmen.
Kompliziertes vereinfachen übrigens auch, unter Umständen. (Es sei denn, man weist auf die vorgenommenen Vereinfachungen hin, wie bei Modellen.) Wenn das in der Politik zu Unheil führen kann, warum nicht auch in anderen Bereichen des Lebens?
lg
mög
Nein, das Wichtigste sind die Gedanken nicht, aber sie gehören schon dazu.
Ich habe sie zusammengekürzt, aber rausnehmen kann ich sie nicht.
Der Mittelteil fetzt wirklich nicht.
Allerdings:
Findest du solche Überlegungen wirklich kompliziert?
Bzw: was findest du kompliziert an der Formulierung?
zB den "Zaun" zB find ich ja nun wieder glasklar. Wenn man in Distanz zu dem treten kann, was einen grad umtreibt, sprich sich nicht hineinsteigert usw., gerät man auch nicht so leicht in Verzweiflung. Wäre es nötig, diesen Zusammenhang zu erwähnen?
Das Motiv dieser geborgten Distanz ist nämlich mehr oder weniger der Kern des Textes, denn er begründet ja später auch die Situation mit der alten Frau.
Drum kann ich den Zaun auf keinen Fall abbauen.
Einfaches kompliziert ausdrücken gehört übrigens verboten, meiner Meinung nach.
(Aber was ist schon wirklich einfach..)
Außer als Witz. Wobei, das find ich in der Regel nach dem ersten Satz nur mehr mühsam. Gibt ganz wenige Ausnahmen.
Kompliziertes vereinfachen übrigens auch, unter Umständen. (Es sei denn, man weist auf die vorgenommenen Vereinfachungen hin, wie bei Modellen.) Wenn das in der Politik zu Unheil führen kann, warum nicht auch in anderen Bereichen des Lebens?
lg
mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Que sera sera
Nee, rausnehmen auf keinen Fall, so war das nicht gemeint. Das würde dem Text Substanz nehmen - und das Ende völlig in die leere Luft hängen.
Was das Thema kompliziert/einfach betrifft - ich meine damit nicht Vereinfachen im Sinne von Trivialisieren oder Verkomplizieren im Sinne von Aufblasen.
Ein Beispiel dafür, wie einfaches verkompliziert wird, sowohl im Leben als auch in der Literatur:
A verliebt sich in B.
A hat Angst, das B zu sagen.
A macht sich klar, dass die Angst grundlos ist, denn:
1.) Sollte B A auch lieben, ist alles in Ordnung - gemeinsamer Ritt in den Sonnenuntergang.
2.) Sollte B A nicht lieben, aber A's Liebe würdig sein, so wird B zwar ablehnen, aber doch sehr verständnis- und taktvoll reagieren und bemüht sein, A nicht zu verletzen.
3.) Sollte B gemein und verletzend reagieren, war B A's Liebe sowieso nicht würdig und A kann froh sein, dass er oder sie dieses Windei nicht am Bein hat.
(Beispiel aktuell entlehnt "Abaddon" von Sick Steve, aber selbst auch schon so gedacht und verbreitet
).
Und nun schaue man sich einmal an, was Literatur und Leben aus dieser einfachen Sache machen
. Allein aus dieser Überlegung liesse sich alle Dialoge in einem französischer Strandspaziergangfilm, wie ich ihn oben beschrieben habe stricken ...
Was das Vereinfachen von Kompliziertem angeht - das ist natürlich eine Kunst, aber die kann man lernen. Es ist nicht so schwer, wie man denkt. Ich spreche da aus der Erfahrung eines PR-Mannes, der sich schon mit Müllverbrennungsanlagen und Fußbodenklebern auseinaderzusetzen hatte. Man kann es leicht üben: Erkläre irgend jemandem, von dem Du weisst, dass er oder sie intelligent und auffassungsfähig ist einen komplizierten Sachverhalt aus einem Bereich, in dem Du Spezialistin bist, er oder sie aber nicht. Nur mit Worten, ohne Gesten und Schaubilder. Wenn er oder sie es nicht versteht, liegt es an Dir
.
Ich habe mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt, aber Du hast mich trotzdem richtig verstanden. Es sind weniger die Gedanken, als die Formulierungen. Du hast recht - sie fetzen nicht. Ich habe eine Idee, woran es liegen könnte, nehmen wir mal ein Beispiel:
Da sind zwei sehr theoretische Konstrukte mit viel Begriffsklärungsbedarf. Letztere zwar in ein Bild gekleidet, dass allerdings auch eigentlich keines mehr ist - schliesslich ist Projektion ja schon ein psychologischer und pädagogischer Fachbegriff (soziologisch vermutlich auch, die klauen ja alles :-p ).
Das ist fast eher ein wissenschaftlicher als ein literarischer Satz, Du opferst Lesbarkeit zu sehr der Genauigkeit. Vielleicht wäre es besser, hier etwas mehr mit literarischen Stilmitteln zu arbeiten, mit (neuen) Metaphern vielleicht, mit etwas mehr Dialog oder (und vorsicht, das sage ich nur einmal und zwischend den Zähnen hindurch) demeinenoderanderenbeschreibendenadjektiv .
Daher meine Vermutung, dass Dir dieser Teil so wichtig ist: Du wirst so genau, dass Du den Text aller Interpretationsfähigkeit beraubst, die nicht in den Begriffen selbst liegt. Dadurch bremst Du die Vorstellungskraft Deiner Leser, die Du zuvor sehr gut angeregt und gefüttert hast, brutal aus, und das macht den Text so schwierig.
Die Idee der geborgten Distanz finde ich übrigens hochinteressant. Aber sie geht - als eines von vielen theoretischen Gebilden (Verliebt in die Liebe sein, Verlust der Ideale, Bild der Zukunft als Motivation, etc., etc.) in den anderen unter.
Vielleicht ist der Text einfach zu komprimiert. Einfach fünf Seiten zu kurz ...
Was das Thema kompliziert/einfach betrifft - ich meine damit nicht Vereinfachen im Sinne von Trivialisieren oder Verkomplizieren im Sinne von Aufblasen.
Ein Beispiel dafür, wie einfaches verkompliziert wird, sowohl im Leben als auch in der Literatur:
A verliebt sich in B.
A hat Angst, das B zu sagen.
A macht sich klar, dass die Angst grundlos ist, denn:
1.) Sollte B A auch lieben, ist alles in Ordnung - gemeinsamer Ritt in den Sonnenuntergang.
2.) Sollte B A nicht lieben, aber A's Liebe würdig sein, so wird B zwar ablehnen, aber doch sehr verständnis- und taktvoll reagieren und bemüht sein, A nicht zu verletzen.
3.) Sollte B gemein und verletzend reagieren, war B A's Liebe sowieso nicht würdig und A kann froh sein, dass er oder sie dieses Windei nicht am Bein hat.
(Beispiel aktuell entlehnt "Abaddon" von Sick Steve, aber selbst auch schon so gedacht und verbreitet
Und nun schaue man sich einmal an, was Literatur und Leben aus dieser einfachen Sache machen
Was das Vereinfachen von Kompliziertem angeht - das ist natürlich eine Kunst, aber die kann man lernen. Es ist nicht so schwer, wie man denkt. Ich spreche da aus der Erfahrung eines PR-Mannes, der sich schon mit Müllverbrennungsanlagen und Fußbodenklebern auseinaderzusetzen hatte. Man kann es leicht üben: Erkläre irgend jemandem, von dem Du weisst, dass er oder sie intelligent und auffassungsfähig ist einen komplizierten Sachverhalt aus einem Bereich, in dem Du Spezialistin bist, er oder sie aber nicht. Nur mit Worten, ohne Gesten und Schaubilder. Wenn er oder sie es nicht versteht, liegt es an Dir
Ich habe mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt, aber Du hast mich trotzdem richtig verstanden. Es sind weniger die Gedanken, als die Formulierungen. Du hast recht - sie fetzen nicht. Ich habe eine Idee, woran es liegen könnte, nehmen wir mal ein Beispiel:
Was kann ich dafür, werde ich sie anschreien, dass ich es so furchtbar abgeschmackt finde, die Liebe zu lieben und nicht den Mensch. Ich will niemanden als Projektionsfläche meiner Sehnsüchte missbrauchen.
Da sind zwei sehr theoretische Konstrukte mit viel Begriffsklärungsbedarf. Letztere zwar in ein Bild gekleidet, dass allerdings auch eigentlich keines mehr ist - schliesslich ist Projektion ja schon ein psychologischer und pädagogischer Fachbegriff (soziologisch vermutlich auch, die klauen ja alles :-p ).
Das ist fast eher ein wissenschaftlicher als ein literarischer Satz, Du opferst Lesbarkeit zu sehr der Genauigkeit. Vielleicht wäre es besser, hier etwas mehr mit literarischen Stilmitteln zu arbeiten, mit (neuen) Metaphern vielleicht, mit etwas mehr Dialog oder (und vorsicht, das sage ich nur einmal und zwischend den Zähnen hindurch) demeinenoderanderenbeschreibendenadjektiv .
Daher meine Vermutung, dass Dir dieser Teil so wichtig ist: Du wirst so genau, dass Du den Text aller Interpretationsfähigkeit beraubst, die nicht in den Begriffen selbst liegt. Dadurch bremst Du die Vorstellungskraft Deiner Leser, die Du zuvor sehr gut angeregt und gefüttert hast, brutal aus, und das macht den Text so schwierig.
Die Idee der geborgten Distanz finde ich übrigens hochinteressant. Aber sie geht - als eines von vielen theoretischen Gebilden (Verliebt in die Liebe sein, Verlust der Ideale, Bild der Zukunft als Motivation, etc., etc.) in den anderen unter.
Vielleicht ist der Text einfach zu komprimiert. Einfach fünf Seiten zu kurz ...
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Que sera sera
ja, es wird zu explizit.
Ich muss mir noch was überlegen.
Weiß aber noch nicht, ob mir was einfällt.
danke für die Anregungen -
bremst den Leser aus, das beschreibt genau meine eigenes Unbehagen mit dem Text.
lg
mög
Ich muss mir noch was überlegen.
Weiß aber noch nicht, ob mir was einfällt.
danke für die Anregungen -
bremst den Leser aus, das beschreibt genau meine eigenes Unbehagen mit dem Text.
lg
mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 11 Gäste