Wenn jetzt der große böse Wolf käme
Verfasst: 14.05.2005, 12:25
Während sie allein durch den finstren, finstren Wald wandelt, denkt sie an alle die Warnungen, die man ihr mitgegeben hat, die alle nur um eines kreisen, um den großen, bösen Wolf. Nimmt dich in Acht, raunten sie ihr zu, nimm dich in Acht, sagten sie und wogen bedächtig ihre Häupter, nimmt dich in Acht, sagt sie und lacht. Unter allen den grausigen Geräuschen, die diese Stille manchmal so plötzlich durchbrechen, den Rufen des Totenvogels, dem Ächzen des Holzes, wie unter Schmerzen, als würden die Äste, die sich nach ihr strecken, die Ranken, die sich um sie winden wollen, Arme sein, Arme von etwas Lebendem, Lauerndem, unter all diesen grausigen Geräuschen ist ihr Gelächter das Grausigste. Trocken ist es, bitter und brüchig - als ob der große, böse Wolf das Schlimmste wäre, was sie hier zu fürchten hätte!
Das Blätterdach lässt kein Mondlicht durch. Sie wird stolpern, fallen, sich in den Ranken verstricken, liegen bleiben und überwuchert werden. Sie wird vom Erdboden verschluckt werden. Es wird sein, als ob es sie nie gegeben hätte. Vielleicht schon bald. Sie hätte einfach gern Gesellschaft. Egal welche.
Wenn jetzt der große böse Wolf käme, denkt sie, ich würde nicht fragen: Warum hast du so große Ohren?
Zuerst hat sie es à la Dornröschen probiert, aber dann fiel ihr auf, dass sie vermodert dabei, vertrocknet und verfault. Sie macht sich auch nicht so gut in einem Glassarg wie Schneewittchen. Und das mit den Fröschen klappt nicht. Falsche Versprechungen.
Da lobt sie sich doch die Wölfe. Sie riechen streng, ihr Fell ist struppig, von ihren Lefzen tropft der Speichel und alles was sie von sich geben, ist Knurren. Für mich müsstest du keine Kreide fressen, denkt sie.
Eigentlich sind es Rudeltiere, aber manchmal heulen sie auch ganz gerne allein den Mond an. Manchmal treten sie sich Dornen ein und lassen sich pflegen. Aber eigentlich brauchen sie dich nur, um den Hunger zu stillen. Sie sind gierig. Oder auch nur sehr hungrig. Kein Wunder, sie wissen ja nicht, wonach sie so hungern. So sind sie. Und manchmal auch ein bisschen zu – dumm? nein, vielleicht.. zu getrieben? zu verloren? zum Leben, sie fallen auf die ältesten Tricks rein, sie enden öfters mit einem Bauch voller Steine in tiefen Brunnenschächten, sie sind die Underdogs im Märchen, sie wecken Beschützerinstinkte.
Sich so einen zähmen. Das wärs. Nicht nur eine Notlösung, denkt sie, wenn sie länger darüber nachdenkt, das Beste überhaupt. Aber unmöglich. Und doch, wenn dann einer in der Dunkelheit an ihren Beinen vorbei streicht, ohne sie zu bemerken - in ihrem Geruch fehlt etwas, das die Wölfe anlockt - dann kann sie sich fast nicht beherrschen, dann würde sie verzweifelt gern durch sein Fell streifen, ihn hinter den Ohren kraulen, sacht, sacht, sacht, auch wenn er sie dann wahrscheinlich beißt. Aber selbst wenn einer sich einmal streicheln lässt, es sind keinen großen, liebe Hunde. Das würde sie nie vergessen.
Wenn jetzt der große, böse Wolf käme, denkt sie, er bräuchte mir nur an die Schulter zu tippen, und ich würde ihm um den Hals fallen.
Aber in ihrem Geruch fehlt etwas, das die Wölfe anlockt.
Das Blätterdach lässt kein Mondlicht durch. Sie wird stolpern, fallen, sich in den Ranken verstricken, liegen bleiben und überwuchert werden. Sie wird vom Erdboden verschluckt werden. Es wird sein, als ob es sie nie gegeben hätte. Vielleicht schon bald. Sie hätte einfach gern Gesellschaft. Egal welche.
Wenn jetzt der große böse Wolf käme, denkt sie, ich würde nicht fragen: Warum hast du so große Ohren?
Zuerst hat sie es à la Dornröschen probiert, aber dann fiel ihr auf, dass sie vermodert dabei, vertrocknet und verfault. Sie macht sich auch nicht so gut in einem Glassarg wie Schneewittchen. Und das mit den Fröschen klappt nicht. Falsche Versprechungen.
Da lobt sie sich doch die Wölfe. Sie riechen streng, ihr Fell ist struppig, von ihren Lefzen tropft der Speichel und alles was sie von sich geben, ist Knurren. Für mich müsstest du keine Kreide fressen, denkt sie.
Eigentlich sind es Rudeltiere, aber manchmal heulen sie auch ganz gerne allein den Mond an. Manchmal treten sie sich Dornen ein und lassen sich pflegen. Aber eigentlich brauchen sie dich nur, um den Hunger zu stillen. Sie sind gierig. Oder auch nur sehr hungrig. Kein Wunder, sie wissen ja nicht, wonach sie so hungern. So sind sie. Und manchmal auch ein bisschen zu – dumm? nein, vielleicht.. zu getrieben? zu verloren? zum Leben, sie fallen auf die ältesten Tricks rein, sie enden öfters mit einem Bauch voller Steine in tiefen Brunnenschächten, sie sind die Underdogs im Märchen, sie wecken Beschützerinstinkte.
Sich so einen zähmen. Das wärs. Nicht nur eine Notlösung, denkt sie, wenn sie länger darüber nachdenkt, das Beste überhaupt. Aber unmöglich. Und doch, wenn dann einer in der Dunkelheit an ihren Beinen vorbei streicht, ohne sie zu bemerken - in ihrem Geruch fehlt etwas, das die Wölfe anlockt - dann kann sie sich fast nicht beherrschen, dann würde sie verzweifelt gern durch sein Fell streifen, ihn hinter den Ohren kraulen, sacht, sacht, sacht, auch wenn er sie dann wahrscheinlich beißt. Aber selbst wenn einer sich einmal streicheln lässt, es sind keinen großen, liebe Hunde. Das würde sie nie vergessen.
Wenn jetzt der große, böse Wolf käme, denkt sie, er bräuchte mir nur an die Schulter zu tippen, und ich würde ihm um den Hals fallen.
Aber in ihrem Geruch fehlt etwas, das die Wölfe anlockt.