Sommerglück
Verfasst: 19.07.2005, 17:09
Sommerglück
Ich steckte die Nase aus dem Fenster und schnupperte. Es roch nach Süden. Nach dieser Mischung aus Meeresluft, sonnenverbrannter Wiese, Sonnencreme und frischen Brötchen.
Die Sonne schien warm vom bauen Himmel und ihre Strahlen glitzerten, wenn sie auf die Oberfläche des Teiches trafen und sich in den sanften Welle der Strömung brachen. Im Wasser zogen die Goldfische ihre endlosen Kreise, in der Luft surrten alle möglichen und unmöglichen Insekten. Eine Libelle setzte sich auf einen Schilfhalm und ließ die Flügel in der Sonne funkeln. Im kleinen Bachlauf, der sich munter plätschernd durch das Meer an farbenfrohen Blumen schlängelte, planschten Meisen vergnügt mit den kleinen Flügeln schlagend. Eine Katze schlich durch den Garten. Ihr Blick war nach oben gerichtet auf die unzähligen Vögel in den Bäumen. Die Vögel zwitscherten und pfiffen munter weiter, als würden sie die Katze fröhlich winkend auslachen. Die Luft war voller herrlichem Vogelzwitschern und summte in der emsiger Geschäftigkeit der Bienen und Hummel.
Nichts könnte diese Idylle stören.
„Hossa!“
Ich sah mich um.
Noch einmal „Hossa!“
Jetzt konnte man es hören. Es war ein rhythmisches Stampfen und Klatschen und es wurde lauter. Folkloremusik und zwar von der aller übelsten Sorte!
Die Musik wurde immer noch lauter. Die Vögel hörten erschrocken auf zu singen. Ich sah nach links und rechts, darauf hoffend den zu finden, der meine wohlverdiente Idylle störte. Ein Männerchor hob an zu singen. Oh nein, die kannte ich, die Schwarzmeer Kosaken und sie waren gut in Form. Sie dröhnten aus den Lautsprechern des Fernsehers meiner Nachbarin.
Meine schöne Idylle, zerstört von den Schwarzmeer Kosaken. Ich war entsetzt.
Ich versuchte die Musik zu überhören, schloss die Augen und summte.
Aber wie konnte ich etwas überhören, das so laut und so aufdringlich war, das selbst die Fische im Teich anfingen zu schielen und sich um die eigene Achse zu drehen. Ich schwöre, dass eine Biene, die sich zu nah ans offene Fenster der Nachbarin gewagt hatte, vor meinen Augen, mitten im Flug zur nächsten Blume, abgestürzt ist. Wahrscheinlich hat auch sie geschielt.
Ich bemerkte ja bei mir schon erste Anzeichen. Mein linkes Auge versuchte gerade das Rechte zu sehen. Es hätte es auch geschafft, aber die Nase war im Weg.
Ich musste etwas unternehmen.
Ich könnte natürlich meinerseits Musik spielen. Vielleicht in einer ähnlichen Lautstärke, aber genau das wollte ich ja nicht, ich wollte Stille. Schade, dass man nicht Stille so laut anmachen konnte, dass man nichts mehr hört. Ja, genau eine CD auf der nichts drauf ist als… auf der nichts drauf ist.
Ohrestöpsel waren auch nicht so gut. Ich wollte ja nicht gar nichts mehr hören, ich wollte die Vögel noch hören und den Wind und die Bienen.
Ich kann mich daran erinnern, als Kind die Schwarzmeer Kosaken mal live gesehen zu haben. Sie hatten mich damals sehr beeindruckt. Große, dicke, dunkle Männer, alle mit Bart und so komisch gekleidet. Im Dunkeln will ich denen nicht begegnen. Vor allem nicht wenn sie singen.
Das Lied das sie jetzt schmetterten kannte ich sogar. Ich kann den Text nicht, aber es kam ziemlich oft „Kalinka“ vor.
Mein Bruder kam und beruhigte mich. „Keine Angst“, sagte er. „Die alte Hexe von Gegenüber ruft bestimmt gleich die Polizei.“
Die Alte von Gegenüber holte aber nicht die Polizei. Wenn wir im Garten auch nur Piep sagen, ruft sie die Polizei und jetzt… Auf nichts kann man sich hier verlassen.
Vielleicht steht sie ja auf Schwarzmeer Kosaken.
„Vielleicht sitz sie gar nicht vorm Fernseher“, vermutete meine Mutter, als sie zurückkam. „Vielleicht hat sie nur so laut gedreht, damit sie in der Küche auch was hört.“
„In der Küche?“ erwidere ich, fast schreiend um die Musik zu übertönen. „Das hört man ja noch zehn Häuser weiter. Ich geh gleich hin und reparier ihre Fernbedienung in dem ich sie aus dem Fenster…“
Ich unterbrach mit abrupt. Es war weg. Ein wenig Klatschen noch und dann war es vorbei. Natürlich hatte ich nicht so schnell stoppen können und hatte die letzten drei Worte in völlige Stille geschrieen. Unsere Nachbarin schloss daraufhin das Fenster, aber die Alte von Gegenüber öffnete ihrs und steckte den Kopf raus. „Was soll denn dieses Herumgegröle!“ schrie sie.
Ich steckte die Nase aus dem Fenster und schnupperte. Es roch nach Süden. Nach dieser Mischung aus Meeresluft, sonnenverbrannter Wiese, Sonnencreme und frischen Brötchen.
Die Sonne schien warm vom bauen Himmel und ihre Strahlen glitzerten, wenn sie auf die Oberfläche des Teiches trafen und sich in den sanften Welle der Strömung brachen. Im Wasser zogen die Goldfische ihre endlosen Kreise, in der Luft surrten alle möglichen und unmöglichen Insekten. Eine Libelle setzte sich auf einen Schilfhalm und ließ die Flügel in der Sonne funkeln. Im kleinen Bachlauf, der sich munter plätschernd durch das Meer an farbenfrohen Blumen schlängelte, planschten Meisen vergnügt mit den kleinen Flügeln schlagend. Eine Katze schlich durch den Garten. Ihr Blick war nach oben gerichtet auf die unzähligen Vögel in den Bäumen. Die Vögel zwitscherten und pfiffen munter weiter, als würden sie die Katze fröhlich winkend auslachen. Die Luft war voller herrlichem Vogelzwitschern und summte in der emsiger Geschäftigkeit der Bienen und Hummel.
Nichts könnte diese Idylle stören.
„Hossa!“
Ich sah mich um.
Noch einmal „Hossa!“
Jetzt konnte man es hören. Es war ein rhythmisches Stampfen und Klatschen und es wurde lauter. Folkloremusik und zwar von der aller übelsten Sorte!
Die Musik wurde immer noch lauter. Die Vögel hörten erschrocken auf zu singen. Ich sah nach links und rechts, darauf hoffend den zu finden, der meine wohlverdiente Idylle störte. Ein Männerchor hob an zu singen. Oh nein, die kannte ich, die Schwarzmeer Kosaken und sie waren gut in Form. Sie dröhnten aus den Lautsprechern des Fernsehers meiner Nachbarin.
Meine schöne Idylle, zerstört von den Schwarzmeer Kosaken. Ich war entsetzt.
Ich versuchte die Musik zu überhören, schloss die Augen und summte.
Aber wie konnte ich etwas überhören, das so laut und so aufdringlich war, das selbst die Fische im Teich anfingen zu schielen und sich um die eigene Achse zu drehen. Ich schwöre, dass eine Biene, die sich zu nah ans offene Fenster der Nachbarin gewagt hatte, vor meinen Augen, mitten im Flug zur nächsten Blume, abgestürzt ist. Wahrscheinlich hat auch sie geschielt.
Ich bemerkte ja bei mir schon erste Anzeichen. Mein linkes Auge versuchte gerade das Rechte zu sehen. Es hätte es auch geschafft, aber die Nase war im Weg.
Ich musste etwas unternehmen.
Ich könnte natürlich meinerseits Musik spielen. Vielleicht in einer ähnlichen Lautstärke, aber genau das wollte ich ja nicht, ich wollte Stille. Schade, dass man nicht Stille so laut anmachen konnte, dass man nichts mehr hört. Ja, genau eine CD auf der nichts drauf ist als… auf der nichts drauf ist.
Ohrestöpsel waren auch nicht so gut. Ich wollte ja nicht gar nichts mehr hören, ich wollte die Vögel noch hören und den Wind und die Bienen.
Ich kann mich daran erinnern, als Kind die Schwarzmeer Kosaken mal live gesehen zu haben. Sie hatten mich damals sehr beeindruckt. Große, dicke, dunkle Männer, alle mit Bart und so komisch gekleidet. Im Dunkeln will ich denen nicht begegnen. Vor allem nicht wenn sie singen.
Das Lied das sie jetzt schmetterten kannte ich sogar. Ich kann den Text nicht, aber es kam ziemlich oft „Kalinka“ vor.
Mein Bruder kam und beruhigte mich. „Keine Angst“, sagte er. „Die alte Hexe von Gegenüber ruft bestimmt gleich die Polizei.“
Die Alte von Gegenüber holte aber nicht die Polizei. Wenn wir im Garten auch nur Piep sagen, ruft sie die Polizei und jetzt… Auf nichts kann man sich hier verlassen.
Vielleicht steht sie ja auf Schwarzmeer Kosaken.
„Vielleicht sitz sie gar nicht vorm Fernseher“, vermutete meine Mutter, als sie zurückkam. „Vielleicht hat sie nur so laut gedreht, damit sie in der Küche auch was hört.“
„In der Küche?“ erwidere ich, fast schreiend um die Musik zu übertönen. „Das hört man ja noch zehn Häuser weiter. Ich geh gleich hin und reparier ihre Fernbedienung in dem ich sie aus dem Fenster…“
Ich unterbrach mit abrupt. Es war weg. Ein wenig Klatschen noch und dann war es vorbei. Natürlich hatte ich nicht so schnell stoppen können und hatte die letzten drei Worte in völlige Stille geschrieen. Unsere Nachbarin schloss daraufhin das Fenster, aber die Alte von Gegenüber öffnete ihrs und steckte den Kopf raus. „Was soll denn dieses Herumgegröle!“ schrie sie.