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Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 10.09.2005, 17:21
von Glaukos
Wir haben bei der Werkstatt Bilder textuelle nachillustriert ... hier ist das erste Ergebnis ... zugegeben, es ist im Zustand von enormen Schlafrückstand entstanden, aber das soll natürlich keine Entschuldigung sein ;-)


Bild


Puppenkind, eingeschnürt ... unterm Himmelsgold beten die Hände, die Augen, die Blicke gehen in alle Richtungen, Maria ohne Kehlkopf, mit Kopfputz, die Finger zum Himmel hinaufgefeilt, zwei Löffel, schräg am Auge vorbei, das Kind schwebend im Goldenen Schnitt, Sonnenheiligenschein hinterm Schädel ... gewindeltes Raupenkind, im Kokon, Vorflug-Jugendzeit, Maria betet, Maria betet immer noch. Und ... Maria schaut ... verträumt, heulnah, unterm Rock ein gemustertes Sofa, Zwergen ringsum, debattierend, Joseph verdrückt sich ins Off. Zwei Ziegel fehlen im Dach. Das macht Maria nichts, Maria betet, Maria betet immer noch. Es regnet noch nicht, noch scheint die Sonne, aber auch das kann sich ändern, auch die Engel oben im Gold des Himmels ... gehen vielleicht mal in Urlaub, lassen die Wolkensperren auf ... Ochse, Esel sehn auch, als wollten sie das Jesuskind gleich verzehren; haben es halt zum Fressen gern. Maria betet. Maria betet, wer wird bei diesem Kind nicht beten, alle würden beten, auch du würdest beten, geh in die Knie, lesend geh in die Knie. Aber schau nicht unter Marias Saum ... der Stall ist noch immer eine Hütte. Maria betet und betet. Das Kind wächst nicht, vielleicht fehlt ihm der Regen. Oder die Mutterbrust. Stillende Marien vermisst auch du?
Sein eigenes Kind anbeten, im Ernst, ist das dein Ernst? Wenns plärrt und greint und lamentiert und ... am Ende noch scheißt. Im Ernst, das ist ... holy Shit ... wirklich Heilige Scheiße.




Anbetung des Kindes, Wittingauer Meister, um 1380, Prag, Nationalgalerie

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 11.09.2005, 15:57
von Glaukos
achja, dies hier ist durchaus als sammelthread auch für andere bildtexte zu verstehen ... ;-)

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 11.09.2005, 17:49
von Hamburger
Erstmal,

guter Text. Verstehe gar nicht warum du in Wien meintest er sei "in eine Satire abgegegleitet" ;-) - das muss ironisch gemeint gewesen sein (oder du fällst auf deine alten Tage dem Understatement-Syndrom zum Opfer... ;-) )

Außerdem...


achja, dies hier ist durchaus als sammelthread auch für andere bildtexte zu verstehen ... ;-)


..schließe ich mich dieser Anmerkung an, bin aber selber mit meinem Text bei der Schreibübung nicht fertig geworden. Ich überlege immer noch wie ich aus diesem schwachen Anfang, an dem ich ja nichts verändere, noch etwas machen kann.

Und schliesslich...


achja, dies hier ist durchaus als sammelthread auch für andere bildtexte zu verstehen ... ;-)


...zitiere ich dich mal gleich doppelt und generalisiere deine Anmerkung.

Wien-Threads sind Sammel-Threads!

Freue mich immer noch drauf die übrigen 4 Geschichten des ersten Scheibspiels zu lesen sowie eure fertigen bzw. bald fertiggestellten Geschichten zu dieser Schreibübung...

Und, und, und...

Also gebt euch einen Ruck.

Liebe Grüße,

Ham

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 12.09.2005, 11:42
von Silentium
Also, wir sammeln das Zeug hier? Okay.

Die drei Gorgonen aus dem Fries von Klimt in der Wiener Sezession.


Bild


Drei Damen

Die Haut ist Wachs, die Mähne Teer.
Die erste schaut irr, die Augen leer,
die zweite, ängstlich, birgt ihr Gesicht,
die dritte stirbt und zeigt es nicht.
Die goldenen Bänder im Haar, dem langen,
die goldenen Bänder sind goldene Schlangen.

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 12.09.2005, 13:39
von Flocke
Technische Frage in die Runde, wie macht ihr das mit dem Bild posten?

LG
Flocke

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 12.09.2005, 14:07
von Glaukos
Hallo Flocke,

ich glaube, man muss es irgendwo im Netz online stellen ... und dann den Hyperlink dazu hier eingeben. Wenn dir das nicht möglich ist ... mail mir das Bild, ich stells bei mir auf der Webseite online, und du gibst dann hier den Link ein ... so müsste es dann klappen ...

meine mail : tolya_glaukos et yahoo.de

Liebe Grüße
Tolya

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 12.09.2005, 15:04
von Flocke
na gut, dann versuche ich das auch mal... (danke für die technische Unterstützung, Tolya :-D )


Bild


Vincent van Gogh "Starry Night"


Traumflug

Hügel Häuser mondgeduckt,
im blassblauen Wolkenwirbel
Schattenzypressen,
weißgetrübt
das Nachtaugengold

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 14.09.2005, 21:28
von [) i r k
Wenn ihr Eure Postkarten nicht behalten, sondern mir zurückgegeben habt, dann schreibt mir bitte eine Mail oder KN, damit ich dir Karte heraussuchen, einscannen und hochladen kann, um Euch den Link zur Verfügung zu stellen.

Wenn ihr die Karten mitgenommen habt, scannt das Bild bitte selber ein und schickt es mir per Mail, damit ich es Euch über die O livro Domain online zur Verfügung stellen kann, damit ihr es in euer Posting mit eurem Text direkt einbinden könnt.

MfG,
[) i r k

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 20.09.2005, 21:53
von [) i r k
So, nicht ganz aus der Textwerkstatt, obwohl es eine meiner Übungen war, aber ich habe mal etwas nachgearbeitet. Wie Flocke habe auch ich mir einen Van Gogh als Vorlage ausgewählt:


Bild

Vincent van Gogh: Wheat Field with Cypresses, 1889


Weizenfeld mit Zypressen

Farbenfeld, leuchtender Weizen,
Rote Mohntupfen, eingekeilt
In Wirbel und Wellen von Grün,
Enervierend, das Gewusel von
Dornen- und Strauchtentakeln,
Eine Zypresse mit schwarzem Fell
Ragt wie ein zotteliger Kirchturm
In weiß-blaue Wogen hinauf,
Kumulus, türkisfarben die Bäuche,
Ein Gewölbe aus Unruhe und Licht.


:-)

Grüßle,
[) i r k

Re: Wiener Textwerkstatt - Texte und Bilder

Verfasst: 18.11.2005, 15:23
von Flocke
O.k. last but not least, hier noch Sandros Werk...

Bild



Finale

Nachdem er seine Entscheidung getroffen hatte, wurde er ganz ruhig. Das Seil schlang sich um seinen Körper. Es saß fest, so fest, dass es sich bestimmt nicht lösen würde, wenn es ihn seinem Ende entgegenzog. Noch hielt er sich fest, noch lebte er, noch könnte er die einmal getroffene Wahl rückgängig machen. Doch er ließ los, ließ sich treiben von der Kraft, die am Seil zog und ihn Meter für Meter dem Ort entgegentrieb, an dem das Weiteratmen, das Weiterleben für ihn enden würde.

Dann tauchte er auf.


Gut. Das Bild heißt übrigens "Meiers Welt" und stammt von Thorsten Krahwinkel.