Familientherapie
Verfasst: 08.12.2005, 01:42
Der Mond spiegelte sich in der Donau wie eine Taschenlampe hinter Seidenpapier, in den Bäumen hingen ein paar tote Blätter wir Fische in schwarzen Korallen und die Straße war eisig.
„Könnten die Damen eventuell das Keifen einstellen?“, keifte Herr Treisler: „Ich versuche hier, uns sicher heimzubringen.“
„Nein!“ antworteten Gattin und Tochter unisono und stritten weiter.
„Deine Großmutter ist eine alte Wahnsinnige, Isabella. Aber das heißt noch lange nicht, dass man ihr das auch sagen darf.“
„Hab ich das?“
„Ja. Vor allen Verwandten. Du hast die Familienweihnachtsfeier versaut. Tante Gertraud musste sich sogar hinlegen.“
„Tante Gertraud war schon den ganzen Abend besoffen.“
„Isabella!“
„Mama!“
„Könntet ihr beide die Klappe halten? Ich muss mich aufs Fahren konzentrieren!“
„Paul, misch dich nicht ein.“
„Und warum nicht? Immerhin ist es meine Tochter, die meine Mutter vor versammeltem Clan ein geistesgestörtes Auslaufmodell genannt hat.“
„Erst, als sie gefragt hat, ob mein Freund Arier ist.“
„Na und? Sie lebt eben in der Vergangenheit. Lass ihr die Freude.“
„Mama, du hast gestern gesagt, dass es auch nicht schaden würde, wenn sie in der Vergangenheit tot wäre.“ Paul Treisler sog scharf Luft ein: „Margarete, hast du dich so über meine Mutter geäußert?“
„Und wenn es so wäre?“
„Das… das… meine Mutter!“
„Ist ein geistesgestörtes Auslaufmodell, Paul.“
„Sag ich doch!“
„Isabella, halt die Klappe!“
„Ich…“
„Klappe!“
„Mama!“
„Isabella!“
„Paul!“
„Haltet. Endlich. Die. Klappe!“, brüllte Herr Treisler und bremste scharf. Das war dumm. Die Straße war nämlich, wie eingangs erwähnt, eisig, was dann in einem direkten kausalen Zusammenhang damit stand, dass das Auto außer Kontrolle geriet, von der Straße abkam, in der Donau landete und sofort zu versinken begann. Die ganze Familie Treisler schrie und war sich sogar ausnahmsweise einig, weshalb.
„Mach die Fenster auf!“
„Dann kommt Wasser herein!“
„Die Türen klemmen!“
„Weil die Fenster zu sind!“
„Fenster einschlagen!“
„Ich versuch’s ja!“
„Gebt mir was zum Einschlagen!“
„Was denn!“
„Da vorne kommt Wasser rein!“
„Beeilt euch!“
„Margarete!“
„Es ist so kalt!“
„Tu was, Paul!“
„Mama, Papa…“
„Luft anhalten!“
„Margarete!“
„Tu doch was!“
„Margarete, bitte…“
„Was?“
Paul Treisler lehnte sich in zurück und versuchte ruhig zu atmen und stellte fest, dass das gar nicht mehr nötig war.
„Margarete, krieg jetzt bitte keinen Hysterischen, aber…“
„Keinen Hysterischen? Wir werden sterben, wenn du…“
„Schon passiert.“
„Du gibst uns auf?“
„Dreh dich um.“
„Was?“
„Dreh dich um und schau auf den verdammten Sitz!“
Margarete gehorchte und schaute sich selbst in die Augen. Ihr blondiertes Haar hatte sich aus dem Knoten gelöst und trieb wie ein Schleier um ihr Gesicht und der Lippenstift war verschmiert. Dass sie den Lippenstiftstatus ohne einen Spiegel prüfen konnte, war eine Neuheit.
„Scheiße, was?“, erkundigte sich Paul und versuchte, die Brille auf der Nase seiner Leiche zurechtzurücken, seine durchsichtigen Finger fanden aber keinen Halt. Isabella war auf dem Rücksitz so weit wie möglich von ihrem Körper abgerückt und schluchzte.
Aus dem schlammig-braunen Wasser glotzte ein erstaunter Karpfen durch die Windschutzscheibe zu ihnen herein, dann gaben die Scheinwerfer auf und Schwärze umhüllte sie.
Sie saßen lange im Dunkeln und schwiegen entsetzt. Mit dem Körper verliert man auch die innere Uhr und so dauerte ihre Stille beinahe ein Jahr. In der Zwischenzeit gab die Polizei die Suche auf, die Restfamilie fand sich damit ab und stritt sich um Margaretes Kristallglassammlung, Pauls Mutter wurde bei ihrem Sonntagsspaziergang von einem blonden, blauäugigen Alkoholiker totgefahren und Isabellas Schulfreundinnen erwähnten sie in freundschaftlicher Erinnerung in der Maturazeitung und führten dabei neben den üblichen Kategorien „Ehemalige Mitschüler: Schulwechsel“, „Ehemalige Mitschüler: Durchgefallen“, auch noch „Ehemalige Mitschüler: Verschollen“ ein.
Schließlich sagte Margarete: „Wenn wir wirklich tot sind… sollten wir dann nicht in den Himmel auffahren?“
„Eigentlich schon.“
„Schwachsinn“, knurrte Isabella: „Ich bin Atheistin! Ich glaube nicht an den Himmel!“
„Das ist Pech“, antwortete ihr Vater liebenswürdig: „Ich glaube nicht an Geister. Was machen wir jetzt?“
Isabella seufzte auf die Dein-Argument-ist-zwar-nicht-schlecht- aber-ich-bin-moralische-Siegerin-dieses -Wortwechsels-denn-ich-bin-eine-zynische -Jugendliche-und-damit- abgeklärter-als- du-Weise.
„Probieren wir’s einfach“, knurrte sie.
Also probierten sie es einfach und stellten fest, dass die Himmelfahrt schon daran scheiterte, dass sie das Autowrack nicht verlassen konnten. Beziehungsweise: sie schafften es mühelos, durch die Fensterscheiben hindurch zu gleiten, in schönster Geistermanier, wurden auch, obwohl körperlos, von der Strömung ergriffen und einige Meter mitgetragen, dann schnellten sie aber an metaphysischen Gummibändern auf die in der Auflösung begriffenen Autositze zurück. Die Erkenntnis, dass sie anscheinend an ihre Leichen – oder an den Ort ihres Todes, oder an das Auto ihres Todes oder sonst etwas Sterbensrelevantes – gefesselt waren, führte bei allen drei zu verschieden lange dauernden Anfällen von Klaustrophobie, Panik, Abscheu und noch mehr Klaustrophobie. Sie schlugen mit nicht existierenden Fäusten auf’s Armaturenbrett, Autotüren und die Dunkelheit ein, schrieen, heulten und gaben sich gegenseitig die Schuld an allem.
„Du hast uns Umgebracht!“
„Wenn ihr nicht gestritten hättet, dann…!“
„Wer wollte denn zur Weihnachtsfeier!“
„Wer wollte meine Mutter umbringen?“
„Ich habe nur gesagt, dass…“
„Ich hasse euch, ich hasse euch, ich hasse euch!“
„Für die postpubertäre Abnabelungsphase ist es ein wenig spät, findest du nicht, Schatz?“
Irgendwann taten ihnen die nicht mehr vorhandenen Kehlen vom Schreien weh und sie versanken für einen weiteren Monat in Schweigen.
Dann begannen sie plötzlich, wieder etwas zu sehen, ganz so, als würden physikalische Kleinigkeiten wie das Licht mit zunehmendem Zerfall ihrer Körper immer unwichtiger. Das -Ganze war zwar einerseits erfreulich, weil sie sich nun immerhin die Zeit damit vertreiben konnten, vorbeikommende Wassermänner zu beobachten, andererseits konnten sie nun auch andere Dinge erkennen.
„Ich habe kein Gesicht mehr! Gott, mein Gesicht!“
„Kleine Fische, Liebling. Wir haben keine Heckscheibe mehr, da kommen sie herein.“
„Mein Gesicht!“
„Sei froh, dass du keines mehr hast, Mama“, sagte Isabella tonlos und betrachtete ihr eigenes. Paul versuchte noch einmal, seine Brille gerade zu rücken und fasste ihre Beobachtungen dann prägnant zusammen: „Wasserleichen sind unschön.“
Um sich vom Anblick des eigenen Zerfalls abzulenken, begannen sie Listen zu erstellen. Isabella zählte flüsternd auf, was im Leben in Ordnung gewesen war und freute sich, als ihren Eltern auffiel, dass sie nicht vorkamen. Zum Ausgleich gestand Margarete Isabella, dass sie das Ergebnis eines Seitensprunges war und dass man ihren Vater zwei Jahre nach ihrer Geburt wegen vierfachen Mordes verurteilt hatte. Paul, von der Entwicklung der Dinge überrascht, schilderte daraufhin sämtliche Liebschaften im Zeitraum Hochzeit-Tod und die Vorzüge der jeweiligen Damen gegenüber seiner Frau. Da er bei seiner Berichterstattung sehr ins Detail ging, waren sie immerhin abgelenkt, bis nur noch Knochen übrig waren und auch die begannen, einer nach dem anderen, von der Strömung davongetragen zu werden. Dann schwiegen sie wieder lange Zeit und schauten zu, wie das Auto um sie herum verrostete und sich auflöste.
„Spürt ihr das?“, fragte Isabella plötzlich.
„Was?“
„Die Strömung. Sie zieht auf einmal so stark.“
„Tatsächlich. Ich habe das Gefühl…“ Margarete trieb durch die verrostete Autotür, ihr Gatte und ihre Tochter folgen ihr. Diesesmal zog sie nichts zurück.
„Wir sind… frei, scheint es“, sagte Margarete.
Paul ballte triumphierend eine Faust: „Wunderbar! Jetzt bin ich euch… ich meine….“
„Uns los? Gleichfalls“, antwortete seine Frau. „Endlich.“
„Wurde auch Zeit“, knurrte Isabella. „Mama, Papa, hat mich gefreut, wir sehen uns beim Jüngsten Gericht.“
Ihre Blicke trafen sich über einen Hecht hinweg.
„Auf Wiedersehen“, sagte Margarete leise.
Gleichzeitig streckten sie die Arme aus, doch ihre Hände waren nur noch Wasser und die Strömung trug sie auseinander.
„Könnten die Damen eventuell das Keifen einstellen?“, keifte Herr Treisler: „Ich versuche hier, uns sicher heimzubringen.“
„Nein!“ antworteten Gattin und Tochter unisono und stritten weiter.
„Deine Großmutter ist eine alte Wahnsinnige, Isabella. Aber das heißt noch lange nicht, dass man ihr das auch sagen darf.“
„Hab ich das?“
„Ja. Vor allen Verwandten. Du hast die Familienweihnachtsfeier versaut. Tante Gertraud musste sich sogar hinlegen.“
„Tante Gertraud war schon den ganzen Abend besoffen.“
„Isabella!“
„Mama!“
„Könntet ihr beide die Klappe halten? Ich muss mich aufs Fahren konzentrieren!“
„Paul, misch dich nicht ein.“
„Und warum nicht? Immerhin ist es meine Tochter, die meine Mutter vor versammeltem Clan ein geistesgestörtes Auslaufmodell genannt hat.“
„Erst, als sie gefragt hat, ob mein Freund Arier ist.“
„Na und? Sie lebt eben in der Vergangenheit. Lass ihr die Freude.“
„Mama, du hast gestern gesagt, dass es auch nicht schaden würde, wenn sie in der Vergangenheit tot wäre.“ Paul Treisler sog scharf Luft ein: „Margarete, hast du dich so über meine Mutter geäußert?“
„Und wenn es so wäre?“
„Das… das… meine Mutter!“
„Ist ein geistesgestörtes Auslaufmodell, Paul.“
„Sag ich doch!“
„Isabella, halt die Klappe!“
„Ich…“
„Klappe!“
„Mama!“
„Isabella!“
„Paul!“
„Haltet. Endlich. Die. Klappe!“, brüllte Herr Treisler und bremste scharf. Das war dumm. Die Straße war nämlich, wie eingangs erwähnt, eisig, was dann in einem direkten kausalen Zusammenhang damit stand, dass das Auto außer Kontrolle geriet, von der Straße abkam, in der Donau landete und sofort zu versinken begann. Die ganze Familie Treisler schrie und war sich sogar ausnahmsweise einig, weshalb.
„Mach die Fenster auf!“
„Dann kommt Wasser herein!“
„Die Türen klemmen!“
„Weil die Fenster zu sind!“
„Fenster einschlagen!“
„Ich versuch’s ja!“
„Gebt mir was zum Einschlagen!“
„Was denn!“
„Da vorne kommt Wasser rein!“
„Beeilt euch!“
„Margarete!“
„Es ist so kalt!“
„Tu was, Paul!“
„Mama, Papa…“
„Luft anhalten!“
„Margarete!“
„Tu doch was!“
„Margarete, bitte…“
„Was?“
Paul Treisler lehnte sich in zurück und versuchte ruhig zu atmen und stellte fest, dass das gar nicht mehr nötig war.
„Margarete, krieg jetzt bitte keinen Hysterischen, aber…“
„Keinen Hysterischen? Wir werden sterben, wenn du…“
„Schon passiert.“
„Du gibst uns auf?“
„Dreh dich um.“
„Was?“
„Dreh dich um und schau auf den verdammten Sitz!“
Margarete gehorchte und schaute sich selbst in die Augen. Ihr blondiertes Haar hatte sich aus dem Knoten gelöst und trieb wie ein Schleier um ihr Gesicht und der Lippenstift war verschmiert. Dass sie den Lippenstiftstatus ohne einen Spiegel prüfen konnte, war eine Neuheit.
„Scheiße, was?“, erkundigte sich Paul und versuchte, die Brille auf der Nase seiner Leiche zurechtzurücken, seine durchsichtigen Finger fanden aber keinen Halt. Isabella war auf dem Rücksitz so weit wie möglich von ihrem Körper abgerückt und schluchzte.
Aus dem schlammig-braunen Wasser glotzte ein erstaunter Karpfen durch die Windschutzscheibe zu ihnen herein, dann gaben die Scheinwerfer auf und Schwärze umhüllte sie.
Sie saßen lange im Dunkeln und schwiegen entsetzt. Mit dem Körper verliert man auch die innere Uhr und so dauerte ihre Stille beinahe ein Jahr. In der Zwischenzeit gab die Polizei die Suche auf, die Restfamilie fand sich damit ab und stritt sich um Margaretes Kristallglassammlung, Pauls Mutter wurde bei ihrem Sonntagsspaziergang von einem blonden, blauäugigen Alkoholiker totgefahren und Isabellas Schulfreundinnen erwähnten sie in freundschaftlicher Erinnerung in der Maturazeitung und führten dabei neben den üblichen Kategorien „Ehemalige Mitschüler: Schulwechsel“, „Ehemalige Mitschüler: Durchgefallen“, auch noch „Ehemalige Mitschüler: Verschollen“ ein.
Schließlich sagte Margarete: „Wenn wir wirklich tot sind… sollten wir dann nicht in den Himmel auffahren?“
„Eigentlich schon.“
„Schwachsinn“, knurrte Isabella: „Ich bin Atheistin! Ich glaube nicht an den Himmel!“
„Das ist Pech“, antwortete ihr Vater liebenswürdig: „Ich glaube nicht an Geister. Was machen wir jetzt?“
Isabella seufzte auf die Dein-Argument-ist-zwar-nicht-schlecht- aber-ich-bin-moralische-Siegerin-dieses -Wortwechsels-denn-ich-bin-eine-zynische -Jugendliche-und-damit- abgeklärter-als- du-Weise.
„Probieren wir’s einfach“, knurrte sie.
Also probierten sie es einfach und stellten fest, dass die Himmelfahrt schon daran scheiterte, dass sie das Autowrack nicht verlassen konnten. Beziehungsweise: sie schafften es mühelos, durch die Fensterscheiben hindurch zu gleiten, in schönster Geistermanier, wurden auch, obwohl körperlos, von der Strömung ergriffen und einige Meter mitgetragen, dann schnellten sie aber an metaphysischen Gummibändern auf die in der Auflösung begriffenen Autositze zurück. Die Erkenntnis, dass sie anscheinend an ihre Leichen – oder an den Ort ihres Todes, oder an das Auto ihres Todes oder sonst etwas Sterbensrelevantes – gefesselt waren, führte bei allen drei zu verschieden lange dauernden Anfällen von Klaustrophobie, Panik, Abscheu und noch mehr Klaustrophobie. Sie schlugen mit nicht existierenden Fäusten auf’s Armaturenbrett, Autotüren und die Dunkelheit ein, schrieen, heulten und gaben sich gegenseitig die Schuld an allem.
„Du hast uns Umgebracht!“
„Wenn ihr nicht gestritten hättet, dann…!“
„Wer wollte denn zur Weihnachtsfeier!“
„Wer wollte meine Mutter umbringen?“
„Ich habe nur gesagt, dass…“
„Ich hasse euch, ich hasse euch, ich hasse euch!“
„Für die postpubertäre Abnabelungsphase ist es ein wenig spät, findest du nicht, Schatz?“
Irgendwann taten ihnen die nicht mehr vorhandenen Kehlen vom Schreien weh und sie versanken für einen weiteren Monat in Schweigen.
Dann begannen sie plötzlich, wieder etwas zu sehen, ganz so, als würden physikalische Kleinigkeiten wie das Licht mit zunehmendem Zerfall ihrer Körper immer unwichtiger. Das -Ganze war zwar einerseits erfreulich, weil sie sich nun immerhin die Zeit damit vertreiben konnten, vorbeikommende Wassermänner zu beobachten, andererseits konnten sie nun auch andere Dinge erkennen.
„Ich habe kein Gesicht mehr! Gott, mein Gesicht!“
„Kleine Fische, Liebling. Wir haben keine Heckscheibe mehr, da kommen sie herein.“
„Mein Gesicht!“
„Sei froh, dass du keines mehr hast, Mama“, sagte Isabella tonlos und betrachtete ihr eigenes. Paul versuchte noch einmal, seine Brille gerade zu rücken und fasste ihre Beobachtungen dann prägnant zusammen: „Wasserleichen sind unschön.“
Um sich vom Anblick des eigenen Zerfalls abzulenken, begannen sie Listen zu erstellen. Isabella zählte flüsternd auf, was im Leben in Ordnung gewesen war und freute sich, als ihren Eltern auffiel, dass sie nicht vorkamen. Zum Ausgleich gestand Margarete Isabella, dass sie das Ergebnis eines Seitensprunges war und dass man ihren Vater zwei Jahre nach ihrer Geburt wegen vierfachen Mordes verurteilt hatte. Paul, von der Entwicklung der Dinge überrascht, schilderte daraufhin sämtliche Liebschaften im Zeitraum Hochzeit-Tod und die Vorzüge der jeweiligen Damen gegenüber seiner Frau. Da er bei seiner Berichterstattung sehr ins Detail ging, waren sie immerhin abgelenkt, bis nur noch Knochen übrig waren und auch die begannen, einer nach dem anderen, von der Strömung davongetragen zu werden. Dann schwiegen sie wieder lange Zeit und schauten zu, wie das Auto um sie herum verrostete und sich auflöste.
„Spürt ihr das?“, fragte Isabella plötzlich.
„Was?“
„Die Strömung. Sie zieht auf einmal so stark.“
„Tatsächlich. Ich habe das Gefühl…“ Margarete trieb durch die verrostete Autotür, ihr Gatte und ihre Tochter folgen ihr. Diesesmal zog sie nichts zurück.
„Wir sind… frei, scheint es“, sagte Margarete.
Paul ballte triumphierend eine Faust: „Wunderbar! Jetzt bin ich euch… ich meine….“
„Uns los? Gleichfalls“, antwortete seine Frau. „Endlich.“
„Wurde auch Zeit“, knurrte Isabella. „Mama, Papa, hat mich gefreut, wir sehen uns beim Jüngsten Gericht.“
Ihre Blicke trafen sich über einen Hecht hinweg.
„Auf Wiedersehen“, sagte Margarete leise.
Gleichzeitig streckten sie die Arme aus, doch ihre Hände waren nur noch Wasser und die Strömung trug sie auseinander.