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Cdl - Der verlorene Sohn

Verfasst: 24.08.2006, 05:19
von Chandler Buffay
17 Monate. 536 Tage. Es war eine Menge Zeit vergangen, seit dem Tag, an dem ich das letzte Mal meinen Fuß in diese Hallen der Buchstaben gesetzt habe. Mein Gehirn versucht sich an die erste und gleichzeitig einzige Begegnung mit Ludwig und Gregor zu erinnern. War ich in der Zwischenzeit ein besserer Schreiber geworden? Sicher nicht. Wie denn auch? Ich habe kaum eine Geschichte auf Papier gebracht; und wenn doch, dann landete sie schnell im Papierkorb, der ständig in der Furcht lebte nicht geleert zu werden. Empfand ich so etwas wie Angst vor dem Urteil der beiden? Besaß ich tatsächlich so wenig Selbstachtung und Rückgrat, dass ich mir vor Angst fast in die Hose machte, wenn ich auch nur den Ansatz einer Idee auf Papier brachte?
Ich schüttel mit einem innerlichen Lachen den Kopf und schaue durch ein Fenster nach draußen in die Sonne. In den letzten Monaten hatte ich mich anderen Sachen zugewandt: Der Liebe, der Politik und vermehrt auch dem Grafikdesign. Aber Schreiben? Dafür hast du doch eh kein Talent, hämmerte mir eine innere Stimme immer wieder gegen den Kopf. Also fing ich an, auf genau diese Stimme zu hören und ließ Buchstabe Buchstabe sein.
Verschenke nicht deine Kraft und Zeit an eine Sache, von der du eh keine Ahnung hast, sagte meine Mutter immer. Sie hatte Recht damit gehabt. Wie in so vielen Sachen.
Als ich hinter mir Schritte näher kommen höre, schrecke ich aus meinen Gedanken auf und drehe mich um. In einigen Meter Entfernung kommen mir zwei Männer entgegen. Zwei wohlbekannte Gesichter. Das ältere Gesicht lächelt mich an, während der jüngere mich mit einer Mischung aus Überraschung und Gleichgültigkeit mustert.
„Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt.“, sagt Ludwig in einem fast biblischen Ton.
„Mal schauen, ob er diesmal länger bleibt“, murmelt dagegen Gregor und steckt die Hände in die Hosentaschen.
Ich senke den Kopf, damit sie nicht sehen, wie ich über den Satz schmunzeln muss und sage: „Das wird die Zukunft zeigen.“

Re: Cdl - Der verlorene Sohn

Verfasst: 24.08.2006, 14:33
von Flocke
Hi, Chandler.

Hm, muß ehrlich sagen, ich weiß nicht so recht, was du mit dem Text eigentlich sagen willst? Schreibblockade überwunden? Oder eher doch nicht? Mach weiter, auch wenn alle sagen, du kannst es nicht? Ein einfaches: "Hallo, bin wieder da, Leute?"

Aber da sind ein paar kleine logische Fehler drin:

...der ständig in der Furcht lebte nicht geleert zu werden.


Du willst ihm doch nichts beibringen, oder?

Rückgrat


In einigen Meter Entfernung sehen /kommen mir zwei Männer entgegen.


Man kann zwar einer Sache entgegenstehen, aber das paßt hier sinngemäß nicht.

...murmelt dagegen Gregor und steckt die Hände in die Hosentaschen.


Er steckt doch nicht beide Hände in nur eine Tasche? Sähe ein bißchen dämlich aus.


Zweifelnde Grüße
Flocke

Re: Cdl - Der verlorene Sohn

Verfasst: 24.08.2006, 14:33
von Tuesday
Wow! Da hast du einen super Text verfasst. Mir gefällt er wirklich gut und ich kann mich so sehr mit dem Protagonisten identifizieren (auch wenn ich mich nicht der Liebe, Politik und Grafikdesign zugewandt habe :-) )! Echt super!
Greetz
Tuesday

Re: Cdl - Der verlorene Sohn

Verfasst: 07.10.2006, 11:55
von Hamburger
Hallo verlorener Sohn,

welcome back. :-)

Für eine Rückmeldung finde ich (Gregor :-) ) den Text gut. Hier das, was mir aufgefallen ist:


Mein Gehirn versucht sich an die erste und gleichzeitig einzige Begegnung mit Ludwig und Gregor zu erinnern.


Äh – und Sandra? Die verständnisvolle Sandra, die dich zur Don Stefano greifen ließ? Einfach so gestrichen! Das ist nicht nett! :-|


Wie denn auch? Ich habe kaum eine Geschichte auf Papier gebracht; und wenn doch, dann landete sie schnell im Papierkorb, der ständig in der Furcht lebte nicht geleert zu werden.


Nach der Behebung des von Flocke monierten Rechtschreibfehlers eine sehr gute und witzige Stelle. Was glaubst du, was mein Papierkorb schon alles auszuhalten hatte...


In den letzten Monaten hatte ich mich anderen Sachen zugewandt: Der Liebe, der Politik und vermehrt auch dem Grafikdesign.


Interessante Mischung. Aber verrate mir mal, wie man sich der Liebe einfach so zuwenden kann? Oh, heute wende ich mich mal der Liebe zu und schwupps bin ich verliebt?


Ich schüttel mit einem innerlichen Lachen den Kopf und schaue durch ein Fenster nach draußen in die Sonne. In den letzten Monaten hatte ich mich anderen Sachen zugewandt: Der Liebe, der Politik und vermehrt auch dem Grafikdesign. Aber Schreiben? Dafür hast du doch eh kein Talent, hämmerte mir eine innere Stimme immer wieder gegen den Kopf. Also fing ich an, auf genau diese Stimme zu hören und ließ Buchstabe Buchstabe sein
Verschenke nicht deine Kraft und Zeit an eine Sache, von der du eh keine Ahnung hast, sagte meine Mutter immer. Sie hatte Recht damit gehabt. Wie in so vielen Sachen.


Schön, dass nicht wir, sondern deine Mutter der Grund für deine zeitweilige Abkehr vom Schreiben waren. Auf die zweite Ebene der Geschichte bezogen: Gut gebrüllt, Löwe. In eine Satire gehört so was unbedingt rein.


„Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt.“, sagt Ludwig in einem fast biblischen Ton.
„Mal schauen, ob er diesmal länger bleibt“, murmelt dagegen Gregor und steckt die Hände in die Hosentaschen.
Ich senke den Kopf, damit sie nicht sehen, wie ich über den Satz schmunzeln muss und sage: „Das wird die Zukunft zeigen.“


Ebenfalls sehr gut. Ich habe mal die Geschichte eines Freundes gelesen, in welcher der Protagonist die Belehrungen seines Lehrers vordergründig demütig, jedoch vom Lehrer ungesehen mit einem abwertenden Lächeln aufnimmt. Das hat mich daran erinnert und gefällt mir.

Insgesamt finde die Geschichte wirklich in Ordnung. Dass du satirisch, gerade gegenüber uns, etwas drauf hast, beweist du hier erneut. Vor allem die beiden Ebenen (gespielte Demut deinerseits/dadurch bestätigte arrogante/elitäre Selbsteinschätzung unsererseits – deine wahre Haltung gegenüber uns) sind gut herausgearbeitet.

Allerdings finde ich das Ganze etwas kurz geraten und deshalb für eine Rückmeldung gut, für eine Geschichte „nur“ in Ordnung. Das jedoch darfst du ruhig als Kompliment (übrigens darfst du dich, wenn unsere negative Kritik dich gar nicht interessiert, jetzt konsequenterweise auch nicht freuen :-D ) betrachten. Denn: Ich hätte einfach gerne noch mehr gelesen vom verlorenen Sohn und natürlich von uns. Es wäre toll gewesen, hättest du mit dieser Qualität in der gleichen Länge an „Clube dO livro“ – meine Lieblingsgeschichte von dir gleich hinter „Vergiss Amerika“ – angeschlossen.

Fazit: Satiren zu schreiben (gerade über diesen Club und seine elitären Mitglieder B-) ) traue ich dir jederzeit unbesehen zu. Spannend wird es, wenn du dich wieder in andere Genres wagst. Du weißt ja, wir sind unerbittlich. Aber das macht dir ja nichts aus. B-)

Herzliche Grüße,

Ham