Down with the Sickness
Verfasst: 24.01.2007, 23:10
Sol ich mal sagen, was ich an der heutigen Konsumgesellschaft so liebe? Gefällt dir ein Geschenk nicht, dann tausche es einfach um und erzähle der Person, von der du es bekommen hast, dein Hund/ein Einbrecher/dein kleiner Sohn hat es gefressen/geklaut/zuerst geklaut und dann gefressen. Bei Verwandten, die die 60 bereits überschritten haben, funktioniert das ganz wunderbar. Auf diese Art und Weise sind bei mir schon eine Menge Fuß- und Handwärmer (natürlich selbst gestrickt und in Regenbogenfarben... REGENBOGENFARBEN!)... ähm.... verschwunden. Aber jeder normale Mensch weiß, dass die innerhalb von maximal 48 Stunden, je nachdem wie lange die Verwandtschaft einem die Haare vom Kopf frisst, wieder im Laden sind.
Und ich liebe klassische Musik. Okay, eigentlich liebe ich nur klassische Musik von Bach und Wagner. Der Rest kann mir gestohlen bleiben. Oder im Falle der meisten berühmten Komponisten: Die können gerne in ihren Gräbern verrotten. Meine Frau kam also auf diese grandiose Idee mir eine 10-teilige CD-Sammlung zu schenken. Nein, natürlich nicht von Bach! Sondern von Mozart! Richtig: Der Wunderknaben aus Wien, der später in einem Armengrab verscharrt wurde. Da bekomme ich nur beim Zuhören Bauchkrämpfe und alles mögliche. Leider wusste das mein geliebtes Eheweib nicht und schenkte mir fast alle Mozartstücke auf CD. Natürlich konnte ich nicht sofort in den Laden gehen und das Geschenk umtauschen. Schon alleine deswegen, dass am Heiligen Abend um 18:05 keine Geschäfte mehr aufhaben. Also wartete ich bis zum 28.12 und musste mir bis dahin so einige Ausreden einfallen lassen, warum ich die Box nicht aus ihrer durchsichtigen Verpackung nehme. Richtig: Wegen der Umtauschgarantie.
Mit der Box bewaffnet stand ich also vor dem Haupteingang des Kaufhauses und brauchte eigentlich nur noch einen langen Gang bis zur Rolltreppe nach unten entlang zu gehen. Ein kurzer Blick nach links zu den Dessous (Was würde wohl meiner Frau am besten davon stehen?) und den Süßigkeiten (Was würde wohl meiner Frau am besten davon schmecken?) war es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt bis auf die Rolltreppe nach unten in die wahre Konsumhölle.
Eigentlich! Denn ich wurde von einem Drehkreuz aufgehalten. Die Unternehmen denken wirklich nur noch an ihre Gewinnmaximierung, denn jeder Kunde musste erst mal 50 Cent einwerfen, um überhaupt durchzukommen. Murrend bezahlte ich, das Kreuz drehte sich und ich fuhr nach unten. Ein Wunder, dass mich unten nicht noch ein weiteres erwartete. Aber vielleicht bauten die es später noch auf. Elende Profitgeier!
Mit schnellen Schritten ging ich den direkten Weg über die DVD-, HDTV-, Computer-, Autoradio- und Spieleabteilung zur Musikabteilung und stellte mich dort an den Tresen. Nachdem ich mich erst mal laut räuspern musste, bevor mich der Verkäufer überhaupt registrierte, entwickelte sich folgender Dialog:
„Was haben Sie denn?“
„Ich würde gerne diese Box gegen Bares oder einen Gutschein umtauschen.“
„Warum?“
„Weil Sie mir nicht gefällt?“
„Haben Sie ‚ne Quittung?“
Nachdem ich ihm die Quittung reichte, schaute er mich an und kaute dabei seelenruhig auf seinem Kaugummi.
„Sorry Man. Aber das kann ich nicht wieder zurücknehmen.“
„Was? Warum denn nicht?“
„Nicht mehr in der Originalverpackung.“
„Natürlich! Die habe ich gar nicht entfernt, weil ich wusste, dass ich sie umtausche. Verdammt noch mal! Halten Sie mich für beschauert?“
Und dann machte er etwas, was ich mir selbst in den kühnsten Träumen nicht vorstellen haben könnte: Er nahm die Box, riss mit einem lauten Geräusch die dünne, silbrige Verpackung herunter und schmiss die kleine Kugel in den Mülleimer.
„Sehen Sie? Nicht mehr in der Verpackung. Ergo: Keine Umtauschmöglichkeit. Tut mir wirklich leid.“
Ich war den Tränen nahe und stammelte nur noch ein „Aber... aber...“ Und dann explodierte ich. „Sie blöder Schwanzlutscher! Wollen Sie mich eigentlich verarschen? Sie haben doch...“ Weiter kam ich leider nicht, denn plötzlich wurde ich von einem Schatten umgeben und als ich mich umdrehte, schaute ich auf den Brustkorb eines 2-Meter-Berg von einem Mann der mich grimmig von oben anschaute. Verdammtes Sicherheitspersonal!
„Haben Sie ein Problem?“
Ich verneinte, schnappte mir die Box und marschierte wütend in Richtung Ausgang. Ich bekam noch aus den Augenwinkel mit, wie man dabei war, auch den Weg nach oben mit einem Drehkreuz zu versperren und quetschte mich gerade noch so hindurch. Ah! Dieses Mal könnten Sie mich mal mit ihren 50 Cents! Ich rannte die Rolltreppe nach oben und sprang, wie damals im Sportunterricht über die Böcke, über das letzte Drehkreuz und machte mich so schnell wie nur möglich auf nach draußen.
Als ich draußen die Box in der Hand hielt und eingehend betrachtete, wusste ich, dass ich meiner Frau endlich sagen musste, was ich mir für Geschenke wünschte und dass ich den Kapitalismus eben um 50 Cent beschissen hatte. Und komischweise freute ich mich darüber; ein wenig.
Und ich liebe klassische Musik. Okay, eigentlich liebe ich nur klassische Musik von Bach und Wagner. Der Rest kann mir gestohlen bleiben. Oder im Falle der meisten berühmten Komponisten: Die können gerne in ihren Gräbern verrotten. Meine Frau kam also auf diese grandiose Idee mir eine 10-teilige CD-Sammlung zu schenken. Nein, natürlich nicht von Bach! Sondern von Mozart! Richtig: Der Wunderknaben aus Wien, der später in einem Armengrab verscharrt wurde. Da bekomme ich nur beim Zuhören Bauchkrämpfe und alles mögliche. Leider wusste das mein geliebtes Eheweib nicht und schenkte mir fast alle Mozartstücke auf CD. Natürlich konnte ich nicht sofort in den Laden gehen und das Geschenk umtauschen. Schon alleine deswegen, dass am Heiligen Abend um 18:05 keine Geschäfte mehr aufhaben. Also wartete ich bis zum 28.12 und musste mir bis dahin so einige Ausreden einfallen lassen, warum ich die Box nicht aus ihrer durchsichtigen Verpackung nehme. Richtig: Wegen der Umtauschgarantie.
Mit der Box bewaffnet stand ich also vor dem Haupteingang des Kaufhauses und brauchte eigentlich nur noch einen langen Gang bis zur Rolltreppe nach unten entlang zu gehen. Ein kurzer Blick nach links zu den Dessous (Was würde wohl meiner Frau am besten davon stehen?) und den Süßigkeiten (Was würde wohl meiner Frau am besten davon schmecken?) war es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt bis auf die Rolltreppe nach unten in die wahre Konsumhölle.
Eigentlich! Denn ich wurde von einem Drehkreuz aufgehalten. Die Unternehmen denken wirklich nur noch an ihre Gewinnmaximierung, denn jeder Kunde musste erst mal 50 Cent einwerfen, um überhaupt durchzukommen. Murrend bezahlte ich, das Kreuz drehte sich und ich fuhr nach unten. Ein Wunder, dass mich unten nicht noch ein weiteres erwartete. Aber vielleicht bauten die es später noch auf. Elende Profitgeier!
Mit schnellen Schritten ging ich den direkten Weg über die DVD-, HDTV-, Computer-, Autoradio- und Spieleabteilung zur Musikabteilung und stellte mich dort an den Tresen. Nachdem ich mich erst mal laut räuspern musste, bevor mich der Verkäufer überhaupt registrierte, entwickelte sich folgender Dialog:
„Was haben Sie denn?“
„Ich würde gerne diese Box gegen Bares oder einen Gutschein umtauschen.“
„Warum?“
„Weil Sie mir nicht gefällt?“
„Haben Sie ‚ne Quittung?“
Nachdem ich ihm die Quittung reichte, schaute er mich an und kaute dabei seelenruhig auf seinem Kaugummi.
„Sorry Man. Aber das kann ich nicht wieder zurücknehmen.“
„Was? Warum denn nicht?“
„Nicht mehr in der Originalverpackung.“
„Natürlich! Die habe ich gar nicht entfernt, weil ich wusste, dass ich sie umtausche. Verdammt noch mal! Halten Sie mich für beschauert?“
Und dann machte er etwas, was ich mir selbst in den kühnsten Träumen nicht vorstellen haben könnte: Er nahm die Box, riss mit einem lauten Geräusch die dünne, silbrige Verpackung herunter und schmiss die kleine Kugel in den Mülleimer.
„Sehen Sie? Nicht mehr in der Verpackung. Ergo: Keine Umtauschmöglichkeit. Tut mir wirklich leid.“
Ich war den Tränen nahe und stammelte nur noch ein „Aber... aber...“ Und dann explodierte ich. „Sie blöder Schwanzlutscher! Wollen Sie mich eigentlich verarschen? Sie haben doch...“ Weiter kam ich leider nicht, denn plötzlich wurde ich von einem Schatten umgeben und als ich mich umdrehte, schaute ich auf den Brustkorb eines 2-Meter-Berg von einem Mann der mich grimmig von oben anschaute. Verdammtes Sicherheitspersonal!
„Haben Sie ein Problem?“
Ich verneinte, schnappte mir die Box und marschierte wütend in Richtung Ausgang. Ich bekam noch aus den Augenwinkel mit, wie man dabei war, auch den Weg nach oben mit einem Drehkreuz zu versperren und quetschte mich gerade noch so hindurch. Ah! Dieses Mal könnten Sie mich mal mit ihren 50 Cents! Ich rannte die Rolltreppe nach oben und sprang, wie damals im Sportunterricht über die Böcke, über das letzte Drehkreuz und machte mich so schnell wie nur möglich auf nach draußen.
Als ich draußen die Box in der Hand hielt und eingehend betrachtete, wusste ich, dass ich meiner Frau endlich sagen musste, was ich mir für Geschenke wünschte und dass ich den Kapitalismus eben um 50 Cent beschissen hatte. Und komischweise freute ich mich darüber; ein wenig.