Schwarz
Der große Krieg ist zu Ende. Alle haben sich gegenseitig vernichtet. Der Himmel ist schlammig-grau.
Langsam segeln vier weiße Fallschirme herab. Vier Männer landen auf der Felsscholle im Eis, an deren Rand noch ein paar Baracken stehen. Es ist ein alter Außenposten: verlassen, verwahrlost – militärisches Niemandsland.
Die Männer sind hünenhaft. Stumpfes blondes Haar fällt in ihre Gesichter, die kantig und ausdruckslos sind. Sie wissen, dass es hier nichts zu Essen gibt. Einer, der Kommandant, trägt eine Fahne. Es ist eine weiße Fahne mit einem glühenden roten Kreis in der Mitte. Sie wollen sie zum Südpol bringen…
Der Kommandant beugt sich hinter einer Pipeline auf den Boden. Dort, im Schlick, fließt ein kleines Rinnsal. Es ist eine Woche nach der Landung – oder zwei. Keiner seiner Männer ist mehr bei ihm.
Als er sich aufrichtet steht ein Geschöpf hinter ihm und schaut ihn aus schwarzen Augen an. Es steht auf zwei Beinen, aber seine Füße sind breit und haben dunkle Schwimmhäute zwischen den Gliedern. Das ganze Gesicht ist hinter einem zottigen Fell und Bart verborgen. In den Augen funkelt Neugier. Es spricht. Der Chip im Kopf des Kommandanten übersetzt die fremden Laute und blendet die Worte als Untertitel im unteren Gesichtsfeld ein:
In den Höhlen könne niemand mehr leben, alles sei verseucht mit den Kreaturen. Er müsse mit zur Brücke kommen…
Da sieht er es zum ersten Mal im Schlick: Schwarz und glatt und gar nicht wie ein Insekt. Es sieht aus wie ein Stück Lakritz, das sich von selbst bewegt.
„Sie fressen alles“, sagt das Geschöpf neben ihm: „Holz, Keramik, Emaille, Fleisch.“
Er flüchtet…
Als er wieder zur Besinnung kommt, ist er in einem verlassenen Krankenhaus. Es gibt keine Fenster. Die Wände sind mit weißen Kacheln gefliest. Zerschlagene Gegenstände liegen auf dem Boden. An der Wand ist ein Waschbecken und daran klebt ein schwarzer Klumpen, der sich langsam bewegt. Am Boden noch ein anderer, schneller. Der Kommandant bewegt sich zur Tür, langsam.
Plötzlich springt ihn etwas an. Er stürzt vorwärts, schlägt mit dem Kopf gegen einen Gegenstand. Er sucht mit den Händen nach Halt.
Dann Dämmerung…
Langsam richtet er sich auf. Er kann nichts sehen. Er hat Durst, unsäglichen Durst. Eine schwarze Zunge entrollt sich aus seinem Mund. Sie ist dreißig Zentimeter lang und gespalten.
Schwarz.
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Hugo Homunkulus
- Minotauros
- Beiträge: 52
- Registriert: 04.03.2008, 00:00
- Wohnort: Glaskolben
Schwarz.
Mit seltsamen Gebärden
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.
(Johann Wolfgang von Goethe)
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