... ein Auszug aus meinem Roman

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Glaukos
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... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 10.12.2009, 00:54

Ich schlussüberarbeite derzeit mein Manuskript, und dieses Kapitel ist auch eigenständig lesbar ... viel Spaß ;)




Merde. Manchmal will ich nur ausbrechen. So richtig ausbrechen und nicht nur ein bisschen. Ich weiß, solche Sätze erwartet niemand aus meinem Mund. Ausgerechnet du? Hast du nicht stets einen Kult daraus gemacht, die unmöglichsten Geschichten zu realisieren? Hast du nicht alle Moden und Moralvorstellungen missachtet? Die Spielregeln gedehnt, wo es möglich war? Deine Gefühle solange gekitzelt, bis du wund warst und vor Schmerz nur noch schreien wolltest? Deinen Körper mit extremen Exzessen gegeißelt? Dein Bewusstsein durch die Dschungel der Hysterie geführt, um jenseits der Wüsten der Angst und Erschöpfung die mystischen Zustände zu erreichen, an deren Oasen du dich noch einmal ausruhen konntest für den letzten Weg, zum Rand der Bewusstlosigkeit, zum Ende unserer sinnlich erfahrbaren Welt? Ist Stimulanz nicht dein Lieblingswort? Ausgerechnet du, der König der Gewohnheitsausbrecher, willst aus deinem turbulenten Leben ausbrechen? Aber wo bitteschön willst du noch hin? Ins gänzlich Banale vielleicht?
Es stimmt, ich habe Experimentierfreude bewiesen. Und dank meiner Neugier habe ich heute das Wissen erlangt, das ich stets begehrt habe. Über mich, über die Menschen, über den Lauf der Welt; über die Mechaniken und Treibstoffe, die unser Weltrad in Gang halten. Unter enormen Anstrengungen habe ich meinen Blick geschult, die äußerste Erfahrung war stets meine ultima ratio. Doch die Mühen zahlten sich aus, ich habe mein Ziel erreicht, und das weit vor der Zeit, wenn der Tod anklopft und sogar den dümmsten Idioten im Schnellkurs weise werden lässt: Die Welt liegt splitternackt unter mir, und ich sage euch, sie sieht längst nicht so sexy aus, wie ihr sie euch in euren verdunkelten Schlafzimmern erträumt und erstöhnt. Es tut mir Leid, euch eine liebgewonnene Illusion zu rauben – aber eure Finger liegen völlig grundlos Nacht für Nacht am Abzug eures Geschlechts.
Ja, dieses Wissen ist teuer erkauft. Ein Dreckswissen, um genau zu sein. Warum? Weil es voraussetzt, dass ich mein Schicksal nicht mehr in der Hand habe, kein bisschen. Es ist gemacht. Drei Worte, die für diesen Sachverhalt wirklich ausreichen: Ja, es ist gemacht. Ich bin mir bewusst, dass nur den wenigsten diese Worte gefallen.
Warum?
Weil die Illusionen doch so viel süßer schmecken! Auch für mich selbst ist diese Erkenntnis eine bittere Medizin!
Ich muss seither damit leben, dass man mich als Zyniker oder Provokateur abstempelt; im besten Fall lobt man meine rhetorischen Fähigkeiten …
Das Leben nur gemacht? Du entsetzlicher Fatalist! Ist das nicht unmoralisch? Und undemokratisch! Öffnet es nicht der Beliebigkeit Tür und Tor? Reden sich nicht alle Mörder damit heraus: Ich konnte nicht anders?
Vielleicht sollte ich schweigen. Andererseits spüre ich, dass du dennoch wissen möchtest, wie ich zu diesem seltsamen Schluss gekommen bin! Du bist neugierig, aber ob das gut ist für dich? Nun, ich will es dir nicht verschweigen: Ich lebe in einem großen Gefängnis – und nicht nur ich, wir alle wandern diesen Jakobsweg entlang! Erinnerst du dich noch, was ich dir damals von den Büßern des Mittelalters erzählt habe, die unter der heißen spanischen Sonne ihre Strafe abwandern mussten? Heute ist die ganze Welt solch ein Gefängnis.
Doch nur die wenigsten spüren die Ketten. In diesem Riesenknast ist für ausreichend Auslauf und Ablenkung gesorgt. Wieso sollte sich ein Provinzler, der jahrein jahraus in seinem idyllischen Heidi-Dorf lebt, die Welt nicht als unendlich vorstellen? Schon die kleinsten Exkursionen geben ihm das Gefühl grenzenloser Freiheit! Natürlich, auch hier ist die Perspektive entscheidend. Wer wie ich mit Weitwinkel durchs Leben geht, muss in der Verhauskatzung des Menschen die größte Schmach ausmachen. Ich spreche hier nicht von Fernreisen, nein. Ich meine das kritiklose Einnischen in der fixen Kultur, die uns vorgegeben ist. Wir sind Haustiere geworden, haben unsere Instinkte dem Wohlstand geopfert und begnügen uns mit kleinen Streifzügen in die Welt des Abenteuers. Sind eingesperrt in die wohlbeheizte Kultur, werden vom Vater Staat gefüttert und gestreichelt, wir schnurren, wenn die Glotze uns mit ihrem romantischen Lagerfeuer einlullt.
Ich hingegen, der die Angstlust und Glückspanik bis an ihre Grenzen gedehnt hat, spüre die Enge dieser Welt auch heute noch überdeutlich. Das ist mein Schicksal, ich teile es mit all den anderen chronisch Neugierigen, den Exzessjunkies. Nur noch eine Grenzerfahrung scheint diese Klaustrophobie besiegen zu können: Der Tod. Ich gebe zu, die Vorstellung, im Moment des Sterbens alle Grenzen auf einmal aufzuheben, verlockte mich sehr. Aber es war nur ein koketter Gedanke; mein Gefühl hingegen lästerte schon längst über so viel Devotheit und sprach von Kapitulation. Mit Recht! Auch ich fand, dass der Selbstmörder auf der Skala des Extremfühlens nach unten durchbrach. Ich hingegen wollte einen Weg suchen, um noch weiter nach oben durchzubrechen!
Und irgendwann kam ich auf eine Lösung, die mich zufrieden stellte. Ich begann, mich auf das wirklich Andere zu konzentrieren, das, was völlig von der Norm abweicht. Ich habe die absurdesten Selbstversuche gestartet! Eine sehr reizvolle Methode war die Inszenierung des Gegenteils. Das, was ich im Moment für unverzichtbar und richtig hielt – habe ich durch das krasse Gegenteil zerschlagen!
Das mag wie Wahnsinn klingen, doch ich betrieb diesen Wahn mit Kalkül. Ich, der ich japanisches Essen auf den Tod hasse, begann mich mit diesem schrecklichen Zeug bis zum Rand zuzustopfen! Natürlich wurde mir speiübel dabei. Doch irgendwann – nicht möglich! Ich gewöhnte mich an diesen Fraß! Fand es spannend, wie variantenreich die Schlitzaugen dieses qualvolle Essen zubereiten konnten! Merde, wie wunderbar diese Momente des Umklappens sein können, wenn der Ekel sich binnen Millisekunden in Lust verwandelt!
Aber auch mit meinen Mitmenschen verfuhr ich nach diesem Muster. Wenn ich einen Menschen kennen lernte, der mir auf Anhieb sympathisch war und dessen Freundschaft mir erstrebenswert schien – provozierte ich ihn gerne bis aufs Blut, indem ich mir das Gegenteil seiner Überzeugungen zu eigen machte. Ich war neugierig, seine Reaktion zu erfahren! Mochte er mich noch, wenn ich ihm offen widersprach? Was mochte er an mir, meine Meinung, mein Wesen – oder wie ich aussah, mich bewegte, mich anderen Leuten gegenüber verhielt? Wie ging er mit Menschen um, die nicht mit ihm konform gingen? Anschließend schwenkte ich wieder auf seine Linie zurück! Eine Achterbahnfahrt, gewiss. Aber so erlebt man etwas ganz Neues! Man konfrontiert sich so lange mit dem Fremden, bis es vertraut ist.
Je mehr Werbung ich für meine neue Methode machte, desto deutlicher wurde mir Selbstquälerei oder Flirt mit dem Wahnsinn vorgeworfen. Kaum einer verstand, dass ich durch das Ablehnen meiner billigen Wünsche oder Abneigungen eine ungeheure Macht verspürte. Ich beherrschte mich, war erhaben über die automatischen Gedanken, die vorschnellen Instinkte, die augenfälligen Ästhetiken.
Wie geil das war!
Entsetzlich geil …
… aber letztlich auch kindisch. Auch diese Methode erschöpfte sich über kurz oder lang. Ich hatte die wichtigsten Vorlieben und Abneigungen dekliniert, war reicher geworden als je zu vor. Aber was sollte ich mit diesem Reichtum anfangen? Erst jetzt wurde mir der Haken an dieser Geschichte so richtig bewusst. Wer das Edle gegen das Schändliche eintauscht, mag glauben, dem Sklaventreiber Schicksal endlich eine lange Nase zu drehen. Beim genaueren Hinsehen aber erschrak ich. Potzblitz! Selbst in meiner Totalopposition hatte ich erneut bloß eine Vorschrift befolgt: Die des Andersmachens und Schicksalsaustricksens.
Und woher konnte ich wissen, ob mir das Schicksal nicht klammheimlich diese schräge Idee des Schicksalsaustricksen eingeflüstert hatte? So ein Schicksal kann schrecklich raffiniert sein und auch gemein, und wie alle eitle Kleingeister achtet es penibel darauf, immer eine Treppenstufe höher zu stehen als man selbst!
Und schon wieder war dieses Leben von fremder Hand vorgeformt worden, schon wieder steckte ich in einem Gefängnis. Oh, ich strampelte wie ein Ertrinkender, wehrte mich mit allen Leibeskräften gegen das Unvermeidbare! Was soll man denn bitteschön von einem Leben halten, in dem alles vorgegeben ist, weil du schön oder hässlich, klug oder dumm, reich oder arm geboren bist?
… nur Idioten glauben an ihre Freiheit!
Irgendwann hatte ich schließlich das Prinzip kapiert: Der eigene Wille ist nicht der Schlüssel, der dich aus deinem Gefängnis befreien kann – er ist das Schloss, das dich einsperrt! Er macht dich zum Gott deiner selbst. Mit neuem Elan versuchte ich nun, diesen Willen zu vernichten. Ja, ich wollte diese heilige Kuh des Individualismus schlachten! Das demokratische Urgestein zerschlagen! Indem ich das strikte Gegenteil meines Willens ausführte, hatte ich nur opponiert – das Schicksal hingegen hatte sich über diese Einfalt fast totgelacht! Nein, um die Heiligkeit des Lebens wirklich in Reinform genießen zu können, war ein noch subtilerer Winkelzug vonnöten. Die Tyrannei des Geistes (und des Geistes der Menschheit, ihrer Moral) zu stürzen, das war die große Herausforderung.
Und hier stehe ich heute. Ich habe mich mit meinem Schicksal ausgesöhnt – habe ich kapituliert? Nein. Ich bin guter Dinge, auf diesem Weg endlich das Gefängnis sprengen zu können. Wie? Indem ich meine Zukunft auswürfle. Mich zum Zufallsautomaten mache, brutal und kompromisslos dem Diktat des Würfels unterwerfe … weil das endlich die Freiheit darstellt, die ich akzeptieren kann. Eine Freiheit von den eigenen Wünschen, Gedanken, Ambitionen, Strategien: Jedes Denken ist hier überflüssig! Ich habe dieses ewige Abwägen und Optimieren satt, es erschöpft mich.
Du runzelst die Stirn? Ich weiß, du fragst dich, wieso ausgerechnet der Würfel das Schicksal besiegen können soll? Doch der Würfel hat eine wunderbare Eigenschaft: Er kann den Willen auslöschen. Jener Wille, den alle als den großen Zampano verehren, ist für mich die gemeinste Geißel der Menschheit! Dieses Phantom inszeniert das Gaukelspiel, welches die Menschheit seit ihren Anfängen im Holozän hypnotisiert. Aber wie wäre es, statt der Kalkulation die Diskalkulation, statt der Berechenbarkeit unseres Lebens einmal die Unberechenbarkeit zu wagen? Sich wie Proteus mal in eine Wolke, mal in ein Feuer, mal in ein Tier zu verwandeln? Denk nur, wie viele neue Erfahrungen sich dadurch ergeben?!
Was hieltest du von diesem Spiel: Dass ein anderer Mensch eine Zeitlang für dich alle wichtigen Entscheidungen trifft? Wenn du ihm vertrauen kannst – wärst du unter seiner Führung dann nicht wahrhaftig frei? Würde dann nicht die Unbeschwertheit deiner Kinderzeit zurückkehren? Liegt in der idealen Hingabe nicht die größtmögliche Unabhängigkeit? Du hättest den Blick frei für die wesentlichen Dinge. Müsstest dich nicht zergrämen mit dem ewigen Abwägen und Auswerten, könntest dir die Manöverkritik sparen, wenn die Geschichte schlecht lief. Und auch die Reue oder Pein nach einer falschen Entscheidung bliebe dir erspart, du könntest dich ganz auf deine Seele, dein Fühlen konzentrieren!
Ich jedenfalls bin froh, meine neue Lebensrichtung gefunden zu haben: Ich will ein Roboter sein, der Seele hat – denn das hat es auf Erden noch nicht gegeben.

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 14.12.2009, 02:31

Hallo Glaukos,

wenn du willst, argumentiere ich demnächst mal gegen den Ich-Erzähler, was dieser wahrscheinlich, wenn ich richtig verstanden habe, gar nicht mal so schlecht finden kann ...
verzwickte Sache :-D

Allerdings kann eine Gegenargumentation natürlich auch völlig am Ziel vorbei führen, denn, obwohl sich dieses Kapitel, da hast du Recht, schon eigenständig lesen lässt, erzählt es mir ja nichts über Ausgangslagen, über die Rolle des Ich-Erzählers im Roman.
Ich wüsste auch gar nicht, wo ich dieses Kapitel einzuordnen hätte. Bisher erweckt es in mir den Eindruck eines Prologs.
Was ich damit eigentlich sagen will:
Der Ich-Erzähler kann sich ja auch widersprechen müssen, quasi als Habitus seines Wesens und dieses Kapitel deshalb in dieser Form absolut zwingend sein.
In einem solchen Fall könnte ich zum Inhalt eh nichts sagen, allenfalls an der Sprache entlang argumentieren.


Also, nur wenn du willst, kommt mal eine Gegenargumentation.

:-)

lg
hginsomnia

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 14.12.2009, 03:07

hi hginsomnia,

also für einen prolog kommt das chapter doch relativ spät ;)
es ist eigentlich kürzbar, aber andererseits verfolgte ich bei der niederschrift des romans gelegentlich das prinzip unvermittelter brüche/perspektivwechsel; vielleicht, um den leser aus dem vermeintlichen lesetrott zu bringen.

du kannst alles dazu schreiben, was du möchtest: inhaltlich, logisch, stilistisch, auch parodistisch ... wonach auch immer dir sein sollte ...

ich finde im übrigen das darin abgehandelte thema nach wie vor sehr spannend, seit einigen jahren lässt es mich kaum los. (dieser text hier entstand vor etwa 2,5 jahren, also eher am anfang meiner überlegungen zu diesem thema ...)


lg
tolya

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 14.12.2009, 04:16

Thema finde ich auch spannend,

okay, dann werde ich mich demnächst mal dran machen :-)

Glaukos
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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 14.12.2009, 13:10

fein, ich bin gespannt ;)

hginsomnia
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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 21.12.2009, 22:20

Hallo Glaukos,

gut, dann starte ich mein Experiment, das haste jetzt davon :-p .
Ich werde deinen Text überarbeitet in blauer Schrift darstellen, um nicht ständig mit Zitaten alles unübersichtlich zu machen (- ich habe absatzweise gearbeitet, heißt, dort, wo ich einen Absatz sehe, wechselt der Dialogpartner). Du wirst sehen, dass ich an einigen Stellen bereits gekürzt oder umformuliert habe. Das ist dann jeweils mein Vorschlag zur Veränderung.
Den bitte nicht bierernst zu verstehenden Kommentator werde ich mal 'Angry Guy' nennen. Seine Parts werden in roter Schrift erscheinen, der Rest des Kommentars dann wie immer :-) .


Ich Erzähler:

Manchmal will ich nur ausbrechen, komplett ausbrechen und ja, das gerade ich das sage, erwartet niemand von mir. Ausgerechnet du? Hast du es nicht stets kultiviert, die unmöglichsten Geschichten zu realisieren? Hast du nicht alle Trends missachtet, die Spielregeln gedehnt, wo es möglich war, deine Gefühle solange gekitzelt, bis du wund warst und nur noch schreien wolltest vor Schmerzen, deinen Körper mit Exzessen gegeißelt, dein Bewusstsein durch den Dschungel der Hysterie geführt, um jenseits der Wüsten aus Angst und Erschöpfung die mystischen Zustände zu erreichen, an deren Oasen du dich noch einmal ausruhen konntest für den letzten Weg zum Rand des Bewusstseins. Ausgerechnet du willst ausbrechen? Aber wo willst du hin?

Angry Guy:

So du willst also ausbrechen, obwohl du schon augebrochen bist? Scheiße, preiset den Wohlstand, dass einer noch aubrechen kann ... und will. Ich will auch ausbrechen. Mein Essen. Ja, ja, der alte Valentin, der Fuchs: "Mögen hätten wir schon wollen, aber trauen haben wir uns nicht dürfen." Und wieviel ich will, zum Beispiel dir die Frage stellen, warum ich dich irgendetwas fragen sollen wollte. Wo willst du hin? Na ja, wie ein alter Schulfreund von mir sagte: "Scheiße, das weiß ich nicht, das brauche ich auch gar nicht zu weißen."

Ich-Erzähler:

Es stimmt, ich habe Experimentierfreude bewiesen, und Dank meiner Neugier habe ich heute das Wissen erlangt, das ich stets begehrt habe, über mich, über die Menschen, über die Mechaniken und Treibstoffe, die unser Weltrad in Gang halten. Unter enormen Anstrengungen habe ich meinen Blick geschult. Die äußerste Erfahrung war stets meine ultima ratio. Die Mühen zahlten sich aus. Ich habe mein Ziel erreicht und das weit vor der Zeit, dann, wenn der Tod anklopft und sogar den letzten Idioten mit Weisheit beschenkt. Die Welt liegt splitternackt unter mir, und ich sage euch, sie sieht längst nicht so sexy aus, wie ihr sie euch in euren verdunkelten Schlafzimmer erträumt und erstöhnt. Es tut mir leid, euch eine Illusion zur rauben, aber eure Finger liegen völlig grundlos von Nacht zu Nacht am Abzug eures Geschlechts.

Angry Guy:

Oh, ein Allwissender spricht zu mir. Zu viel Houellebecq gelesen oder was? Die bösen, bösen Illusionen: Ich weiß auch, dass Schokolade Karies macht und dick und esse sie trotzdem. Scheiße und natürlich will ich mir 'ne ganze Menge erträumen und noch viel mehr erstöhnen. Ist's deswegen weniger Illusion? Nein, aber weiß ich deswegen weniger, dass es eine Illusion ist? Auch nein. Die Illusion kann doch gar nicht geraubt werden. Sie macht sich doch klar als Illusion erkennbar und das bereits etliche Jahre vor dem Tod, der ja auch nichts ist, also nichts weiter als Illusion. Toll, dass mir mal einer erzählt, es benötige viel Kraft, diese Erkenntnis zu erlangen. Dann bin ich also der letzte Idiot oder was? Toll auch, dass ich im wir sein soll, also euch, also du nicht. Okay, dann bin nicht ich der letzte Idiot, sondern wir, weil wir nur eine Person sind.

Ich-Erzähler:

Ja, dieses Wissen ist teuer erkauft, ein Dreckswissen, ehrlich gesagt. Warum? Weil es voraussetzt, dass ich mein Schicksal nicht mehr in der Hand habe. Es ist gemacht. Drei Worte, die reichen: Ja, es ist gemacht. Ich bin mir bewusst, dass das nur den wenigsten gefallen kann, weil die Illusionen doch so viel süßer schmecken. Auch für mich ist die Erkenntnis ein bitteres Getränk. Ich muss seither damit leben, dass man mich als Zyniker oder Provokateur abstempelt, im besten Fall noch meine Rhetorik lobt.

Angry Guy:

Ach, du armer, armer Mensch!

Ich-Erzähler:

Das leben nur gemacht? Du entsetzlicher Fatalist! Ist das nicht unmoralisch und undemokratisch? Öffnet es nicht der Beliebigkeit Tür und Tor? Reden sich nicht alle Mörder damit heraus: "Ich konnte nicht anders"?

Angry Guy:

Toll, wie du dir den Gegenpol zum Idioten machst. Ich stelle andere Fragen. Wer redet sich denn raus? Undemokratisch ist es, na und? Unmoralisch kann es gar nicht sein, wenn es fatalistisch ist.

Ich-Erzähler:

Vielleicht sollte ich schweigen. Andererseits spüre ich, dass du dennoch wissen willst, wie ich zu diesem seltsamen Schluss gekommen bin. Du bist neugierig, aber ob das gut ist für dich? Nun, ich will es dir nicht verschweigen: Ich lebe in einem Gefängnis, wir alle leben darin! Erinnerst du dich noch, was ich dir damals von den Büßern im Mittelalter erzählt habe, die unter der heißen Sonne Spaniens ihre Strafe abwandern mussten? Heute ist die ganze Welt eine Anstalt, doch nur die wenigsten spüren die Ketten. In diesem Riesenknast ist für ausreichend Auslauf und Ablenkung gesorgt. Wieso sollte sich ein Provinzler, der jahrein jahraus in seinem idyllischen Dorf lebt, die Welt nicht als unendlich vorstellen? Schon die kleinsten Exkursionen geben ihm das Gefühl grenzenloser Freiheit. Natürlich, auch hier ist die Perspektive entscheidend. Wer wie ich mit Weitwinkel durchs leben geht, muss in der Domestizierung des Menschen die größte Schmach ausmachen. Ich spreche hier nicht von Fernreisen, nein, ich meine das kritiklose Einnisten in in der fixen Kultur, die uns vorgegeben ist. Wir haben unsere Instinkte dem Wohlstand geopfert und begnügen uns mit kleinen Streifzügen durch die Welt des Abenteuers, liegen in der beheizten Kultur, werden vom Staat gefüttert und von der Glotze gestreichelt.

Angry Guy:

"They built another prison, they built another prison for you and me to live in" haben schon System of a Down gebrüllt, ja, aber scheiße, das ist klar und wo ist mein 'wir' geblieben? Ich hatte mich so daran gewöhnt, aber bin jetzt nur noch 'du' oder auch nicht, wer weiß ... ach da ist dis ja wieder, scheiße, jetzt haste dich ja mit reingenommem! Ja, wir Ignoranten, wir! Schämendes 'wir' oder Wir-Scham oder Schwarm-Scham ..., nein Schwamm-Scham, das passt! Gesellschaftskritik auf Augenhöhe mit dem Kritisierten, heißt, irgendwo zwischen Gras und Grab. Scheiße noch eins! Ich gehöre in eine Talk-Show!

Ich-Erzähler:

Ich hingegen, der die Angstlust und Glückspanik bis an ihre Grenzen ausgedehnt hat, spüre die Enge dieser Welt auch heute noch überdeutlich. Das ist mein Schicksal. Ich teile es mit all den anderen chronisch Neugierigen, den Exzessjunkies. Nur noch eine einzige Grenzerfahrung scheint diese Klaustrophobie besiegen zu können: Der Tod. Ich gebe zu, die Vorstellung, im Moment des Sterbens alle Grenzen auf einmal aufzuheben, verlockte mich sehr. Aber es war nur ein koketter Gedanke. Mein Gefühl hingegen lästerte schon längst über soviel Devotheit und Sprach von Kapitulation. Mit Recht! Auch ich fand, dass der Selbstmörder auf der Skala des Extremfühlens nach unten durchbricht. Ich aber wollte einen Weg finden, noch weiter nach oben durchzubrechen

Angry Guy:

Scheiße, auch noch zuviel Camus gelesen, wah? Ich lehne mich zurück und an, an Tocotronic: "Kapitulation, oohoohoo!" Kann doch auch schön sein, ist aber anders gemeint. Immer der Weg ohne Konfuzius ist gar nix, sondern halt nur immer der Weg, aber eben ohne Konfuzius, also nur noch der Nicht-Weg, so 'ne Scheiße, also nur noch nix.

Ich-Erzähler:

Und irgendwann kam ich auf eine Lösung, die mich zufriedenstellte: Ich begann, mich auf das wirklich Andere zu konzentrieren, das, was völlig von der Norm abweicht. Ich habe die absurdesten Selbstversuche gestartet. Eine sehr reizvolle Methode war die Inszenierung des Gegenteils. Das, was ich im Moment für unverzichtbar und richtig hielt, habe ich durch das krasse Gegenteil zerschlagen. Das mag wahnsinnig klingen, doch ich betrieb diesen Wahn mit Kalkül. Ich, der ich japanisches Essen auf den Tod hasste, begann mich mit diesem schrecklichen Zeug bis zum Rand vollzustopfen. Natürlich wurde mir speiübel dabei, doch irgendwann ... - nicht möglich! Ich gewöhnte mich an diesen Fraß, fand es spannend, wie variabel die Schlitzaugen dieses qualvolle Essen zubereiten konnten. Merde, wie wunderbar diese Momente des Umkippens sein können, wenn der Ekel sich binnen Millisekunden in Lust verwandelt! Aber auch mit Mitmenschen verfuhr ich nach diesem Muster. Wenn ich einen Menschen kennenlernte, der mir auf Anhieb sympathisch war und dessen Freundschaft mir erstrebenswert schien, provozierte ich ihn bis auf's Blut, indem ich mir das Gegenteil seiner Überzeugungen zu eigen machte. Ich war neugierig, seine Reaktionen zu erfahren. Mochte er mich noch, wenn ich ihm offen widersprach? Was mochte er an mir; meine Meinung, mein Wesen oder wie ich aussah, mich bewegte, mich anderen Leuten gegenüber verhielt? Wie ging er mit Menschen um, die nicht mit ihm konform gingen? Anschließend schwenkte ich wieder auf seine Linie zurück. Eine Achterbahnfahrt, gewiss, aber so erlebt man etwas ganz Neues! Man konfrontiert sich so lange mit dem Fremden, bis es vertraut ist. Je mehr ich meine neue Methode bewarb, desto deutlicher wurde mir Masochismus oder Flirt mit dem Wahnsinn vorgeworfen. Kaum jemand verstand, dass ich durch das Ablehnen meiner billigen Wünsche oder Abneigungne eine ungeheure Macht verspürte. Ich beherrschte mich, war erhaben über die automatischen Gedanken, die vorschnellen Instinkte, die augenfälligen Ästhetiken. Wie geil das war! Entsetzlich geil.

Angry Guy:

Hah, die Schlitzaugen, um ja nicht politisch korrekt zu klingen und dann Camus, scheiße, sag' ich ja. Die Erfahrungen des Absurden oder, wenn man das absurde Leben als solches erkennt, zählt die Quantität und nicht die Qualität der Erfahrungen, die man macht. Tja, so isses! Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, fuck, vielleicht Hals über oder Land unter! Was ist schon Norm-al?

Ich-Erzähler:

... aber letztlich auch kindisch. Auch diese Methode erschöpft sich über kurz oder lang. Ich hatte die wichtigsten Vorlieben und Abneigungen dekliniert, war reicher geworden als je zuvor. Aber was sollte ich mit diesem Reichtum anfangen? Erst jetzt wurde mir der Haken an dieser Geschichte so richtig bewusst. Wer das Edle gegen das Schändliche eintauscht, mag denken, dem Sklaventreiber Schicksal endlich eine lange Nase zu drehen. Bei genauerer Betrachtung allerdings erschrak ich. Merde! Selbst in meiner Totalopposition hatte ich bloß eine Vorschrift befolgt, die der konstanten Widersprüchlichkeit, den Vorsatz, das Schicksal auszutricksen. Nur woher konnte ich wissen, ob mir das Schicksal nicht klammheimlich diese Schräge Idee, es austricksen zu wollen, eingeflüstert hatte? Und schon wieder wäre mein Leben von fremder Hand geformt worden, ein Gefängis, ein Ozean, gegen dessen Wellen ich als Ertrinkender anstrampelte. Was soll man denn von einem Leben halten, in dem alles vorgegben ist, weil du schön oder hässlich, dumm oder klug, reich oder arm geboren bist? Nur Idioten glauben an ihre Freiheit!

Angry Guy:

Ach, da isser wieder weg, der olle Camus, fast jedenfalls, so schnell wie er gekommen war und Hoeullebecq betritt wieder die Kampfzone, tritt in Ärsche, tritt dem Club Albee bei. Ich trete aus, nicht nur zum pissen. Da ist die Nacht, die Nacht, die Nacht. Die Nacht ist Tag - das ist das Leben. Wir frieren. Welt ohne G. Nur ist das allen so erbärmlch klar, dass der, der aus der oberen Seite klagt, Ekel erzeugt, weil er Individuum in einer Masse sein will, die eine andere Masse tötet. Quergedacht? Tja, Scheiße, Fehlermeldung! Was hast du nur immer mit dem Schicksal zu schaffen? Habt ihr ein Verhältnis?

Ich-Erzähler:

Irgendwann hatte ich schließlich das Prinzip kapiert: Der eigene Wille ist nicht der Schlüssel, der dich aus deinem Gefängnis befreien kann - er ist das Schloss, das dich einsperrt! Er macht dich zum Gott deiner selbst. Mit neuem Elan versuchte ich nun, diesen Willen zu vernichten. Ja, ich wollte diese heilige Kuh des Individualismus schlachten, das demokratische Urgestein zerschlagen. Indem ich das strikte Gegenteil meines Willens ausführte, hatte ich nur opponiert. Das Schicksal hingegen hatte sich über diese Einfalt fast totgelacht. Nein, um die Heiligkeit des Lebens wirklich in Reinform genießen zu können, war ein anderer Winkelzug von Nöten. Die Tyrannei des Geistes zu stürzen, das war die große Herausforderung.

Angry Guy:

Hah, ich lach' mich auch tot. Scheiße, das ist mit Sicherheit die anmaßendste, egoistischste, ja, die individualistischste Form der Auflehnung, von der ich je gehört habe. Vor allem ist es eins: Nicht von dieser Welt!

Ich-Erzähler:

Und hier stehe ich heute! Ich habe mich mit meinem Schicksal versöhnt. Habe ich kapituliert? Nein! Ich bin guter Dinge, auf diesem Weg das Gefängnis sprengen zu können. Wie? Indem ich meine Zukunft aufwürfle, mich zum Zufallsgenerator moche, brutal und kompromisslos dem ausgewürfelten Diktat unterwerfe, weil das endlich die Freiheit darstellt, die ich akzeptieren kann. Jedes Denken ist hier überflüssig! Ich habe dieses ewige Abwägen und Optimieren satt, es erschöpft mich. Du runzelst die Stirn? Ich weiß, du fragst dich, wieso ausgerechnet der Würfel dieses Schicksal besiegen können soll? Doch der Würfel hat eine wunderbare Eigenschaft: Er kann den Willen auslöschen, jenen Willen, den alle als den großen Zampano verehren, dieses Phantom, welches das Gaukelspiel inszeniert, welches die Menschheit seit ihren Anfängen im Holozän hypnotisiert. Aber wie wäre es, statt der Kapitulation die Diskalkulation, statt der Berechenbarkeit unseres Lebens einmal die Unberechenbarkeit zu wagen? Sich wie Proteus mal in eine Wolke, mal in ein Feuer, mal in ein Tier zu verwandeln? Denk nur, wie viele neue Erfahrungen sich dadurch ergeben!

Angry Guy:

Rilke würde heulen, weil du seinen Panther killst oder kotzen, wenn Rilke noch kotzen könnte. Ich könnte auch kotzen, aber aus anderen Gründen. Das hier ist viel näher an der Vorstellung des ultimativen Individualismus, des gottgleichen Status, als jede Willensvorstellung. Der Wille kann dich gefühlt zum Gott machen, scheiße, is' klar, aber er kann dich auch signifikant davon unterscheiden. Sich auszuwürfeln heißt Gott spielen! Das Gedärm der Menschheit steht und fällt mit dem Fehler, den der Willen ihr eintrichtert! Der Arsch der Menschheit akzeptiert den Willen nicht! Salut: Schüsse! ... oder halt wieder olle Valentin. Würg.

Ich-Erzähler:

Was hieltest du von diesem Spiel, dass ein anderer Mensch die Entscheidungen für dich trifft? Wenn du ihm vertrauen kannst, wärst du unter seiner Führung nicht wahrhaftig frei? Würde dann nicht die Unbeschwertheit deiner Kinderzeit zurückkehren? Liegt in der idealen Hingabe nicht die größtmögliche Unabhängigkeit? Du hättest den Blick frei für die wesentlichen Dinge, müsstest dich nicht zergrämen mit dem ewigen Abwegen und Auswerten, könntest dir die Manöverkritik sparen, wenn die Geschichte schlecht läuft. Und auch die Reue oder die Pein nach einer falschen Entscheidung bliebe dir erspart. Du könntest dich ganz auf deine Seele, dein Fühlen konzentrieren. Ich bin jedenfalls froh, meine neue Lebensrichtung gefunden zu haben: Ich will ein Roboter sein, der Seele hat, denn das hat es auf Erden noch nicht gegeben.

Angry Guy:

Hallo, bist du's noch?... fuck, ja hier steht ja: "Fuck what you've heared". Antwort: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, ... scheiße, da ist's wieder, der Führer, dem man vertraut, es müsste ja eigentlich der Unvertraute sein. Bleibt alles anders! Bist du ein anderer als vorher? Plötzlich ist wieder alles Willen, alles Gott. alles Ich, nix anderes, was zählt außer mich und mich möchte sich auskotzen - michse dichse Würfelzauber! Der Würfel ist gefallen! Hah, kein Latein, mein Latein am Ende!




Oha, da muss ich aber später noch 'ne ganze Menge erklären. Ich will aber das jetzt so erstmal wirken lassen, dir dann erst den Schlüssel geben und kritische, vor allem selbstkritische Töne mit einfließen lassen. :-)
Ich bin im Übrigen nicht für das verantwortlich zu machen, was der wütende Typ da so sagt.
;-)

lg
hginsomnia

Glaukos
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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 21.12.2009, 22:45

... joh, danke schön, angry typ ;)

nur wo blieben toastojewski, sloti, fritz n.? wellbeckness und dr.camuse in ähren, aber ...

immerhin hat dieser text ja ein paar assoziationen an mehroderweniger bekannte herren aus dem angryman herausgeschlagen. kann man durchaus als kompliment lesen, sollte ich glatt tun & auch das Text-Ich sollte sich dem anschließen.

und: stimmt, fatalismus und unmoral schließen sich aus, das weiß das Text-Ich auch, aber die leutz werfen solchen "Text-Ichs" eben sachen vor, die sich summa summarum ausschließen. also, n guter tipp: niemals versuchen, die äußerungen der mitmenschen und damit der mitwelt als logisch konsistent verstehen zu wollen. sie widersprechen sich so gut wie immer.


aber mein allerhöchster respekt gilt: der farbgestaltung der lettern. das habe ich hier noch nie so hübsch gelöst gesehen. ein freudenfest fürs auge. ebenso sachlich wie luzide ...

... nein, das war jetzt gemein.
wo ich beim thema bin/wäre: das nächste mal schreibe ich eine geschichte über einen zwangslügner. notorische wahrheitssager sind ja dankbare opfer, sofort durchschaubar, traurig bis zum abwinken. und ihr scheitern megarührend.

aber immer zu lügen - das ist in etwa genausoschwer wie ständig zu würfeln.
was ist schon gelogen: es gibt vermutlich verschiedene grade der lüge/wahrheit. man frage nur barschel, kohl, schäuble ... tiger woods.

und so ists mit der würfelei: welche alternativen lässt man überhaupt zu? die auswahl ist schon ... mhm ... chauvinistisch.
und so bleibts wohl dabei:

ICH KANN NICHT ANDERS ALS ICH KANN.
ALLEIN, ICH MUSS.
ACH WAS,
ICH TUS.
ICH TUS. ICH TUS.

oder, gemäß schopenhauer/einstein: "ich kann tun, was ich will, aber nicht wollen, was ich will."


frohes fest ;)
tolya

ps.: was für einen schlüssel? ich werde nie vergessen, wie ich mich als knabe im bad einsperrte und die tür nicht mehr aufbekam. schlüsselpanik. steht bei den persönlichen worstcase-charts ganz weit oben ... vor einem theaterpublikum mit dem schlüssel eine tür aufsperren zu müssen, und es ist keine komödie ... das wäre ... (schweigen)

hginsomnia
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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 21.12.2009, 23:07

Hallo,

dein Kommentar lässt mich noch etwas unschlüssig zurück.

Erstmal: Ich mag deinen Text, ich mag ihn sogar sehr :-) .

Die eigentliche Textarbeit von mir findet sich ja auch in Blau wieder.

Ich habe nur gedacht, wenn ich jetzt eine Exegese aus dem Ärmel schüttel, ähm, als ob ich das könnte, also wenn ich hier eine Gegenposition entwerfen will, dann auch stilistisch, sozusagen das radikale Runterbrechen.
Das ist auch ein Gag, natürlich! ;-)

Ich werde aber noch (ernsthaft) einige Dinge dazu sagen.
Mit dem Einstieg und dem Ende hat nicht nur der komische Typ auf rot Probleme ;-) .

lg
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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 21.12.2009, 23:31

oh, to be honest, ich mag ihn selbst nicht allzusehr, den text.
... die einsprengsel sind deshalb vermutlich zu freundlich gewesen. *smile.

und angrys "kritik" ist auch angekommen, allerdings nicht beim ICH, sondern bei mir, dem "verzapfer". am besten lassen wir die beiden mal auf ihrem level zurück und gucken das ganze von außen an, dann wird es leichter.

tja, den leser ansprechen, das geht heute anscheinend gar nicht mehr. aber warum? rabelais hat das wunderbarst gelöst, nur wenn heute kundera oder marias das machen, dann ... hagelts kritik. die herren seien eitle säcke. die ironie bzw. selbstironie wird gar nicht gelesen. der leser von heute, scheints, mag den autor gar nicht im text haben. dafür aber gerne im TV oder als vorleser.
zumindest ist diese frage aufgetaucht, als ich die roten comments las.

im konkreten text gehts durchaus darum, die leser gegen das Text-Ich aufzubringen.
da helfen auch nicht dessen floskeln wie "es tut mir leid".
das hat was vom TV-killer, der seinem opfer lang und breit erklärt, warum und wie er ihn nun morden wird (das tun alle TV-killer, vielleicht ist das in realität gar nicht so? okay, führt vom thema fort ...) ... und dass es ihm leid tut, dass er das opfer nun töten müsse, aber ... man muss eier zerklatschen fürs omelett, sagte schon condi rice, und die muss es ja wissen.

das Text-Ich zeigt, dass es sich anstrengt, mehr als andere. das mag man als herablassend empfinden, aber es kann auch wahr sein. vielleicht strengt sich roger federer auch mehr an als die meisten anderen?
anstrengung allein ist natürlich noch kein sinn.
und sinn oder erkenntnis immer subjektiv.

aber sollte das Text-Ich schmierig-säuselnd daherkommen? vorsichtig, mäusespitzbübisch - und der leser ist die katze, die ihn fressen soll?
"ich habs kapiert und ihr seid idioten" - na und? nur idioten regen sich darüber auf. einer, der selbst weiß, lächelt da nur drüber und denkt: okay, und als nächste lektion lernst du, dein wissen dezent einzusetzen. du wirst dann: suggestiv, manipulativ. du sagst dann sätze wie: "ich bin mit mir im reinen und ich fände es schön, wenn ich anderen auch ins reine verhelfen könnte, so sie dies wünschen."
das klingt natürlich super, und nen gruß an den dalai lama ;)

das Text-Ich hat aber erst seinen weg abgeschlossen, er ist emotional davon ergriffen. daher seine etwas nassforsche direktheit. das einschleimen lernt er schon noch ...


also das fiele mir jetzt ad hoc dazu ein ...


hab vielen dank für die rotschrift, ich fand sie vergnüglich, wenn auch leider nicht vergnügt - die figur des angryguy ist ja ihrerseits keine 100pro ... stop. ich will ja nicht ablenken ...

montagsgruß
vom
t.

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 22.12.2009, 00:46

Du kannst das ruhig sagen. Ich gebe dir Recht. Als fiktive Person unbrauchbar. Der würde wohl nicht Tocotronic hören u.s.w.


Glaukos hat geschrieben:tja, den leser ansprechen, das geht heute anscheinend gar nicht mehr. aber warum? rabelais hat das wunderbarst gelöst, nur wenn heute kundera oder marias das machen, dann ... hagelts kritik. die herren seien eitle säcke. die ironie bzw. selbstironie wird gar nicht gelesen. der leser von heute, scheints, mag den autor gar nicht im text haben. dafür aber gerne im TV oder als vorleser.
zumindest ist diese frage aufgetaucht, als ich die roten comments las.


Ist wohl eine Folge der Auslassungen von Roland Barthes ("Der Autor ist tot"). Mich stört das gar nicht so. Angry dafür umso mehr, aber der fühlt sich ja auch angesprochen ;-) . Nein, mal im Ernst: Deswegen ja auch Houellebecq (bei dem ich immer wieder schauen muss, wie man ihn schreibt :-)) ) - Der hat das ja auch gemacht, jedenfalls in "Ausweitung der Kampfzone". Klar darf der Autor das, ich finde es auch schön, wenn das Text-Ich mal anmaßend wird, sich zum Erklärer macht. Warum nicht? Das kennen wir doch alle.

Glaukos hat geschrieben:aber sollte das Text-Ich schmierig-säuselnd daherkommen? vorsichtig, mäusespitzbübisch - und der leser ist die katze, die ihn fressen soll?


Nein, bitte nicht. Der Leser muss egal sein, da hast du Recht.

Glaukos hat geschrieben:das Text-Ich hat aber erst seinen weg abgeschlossen, er ist emotional davon ergriffen. daher seine etwas nassforsche direktheit. das einschleimen lernt er schon noch .


Ich weiß ja nicht, wo dieses Ich im Roman steht, kann ja nur den Text hier zur Grundlage machen.
Sprachlich würde ich hier und da kürzen, den Text etwas zackiger gestalten. Ein paar Vorschläge habe ich dazu ja gemacht.

Inhaltlich stören mich der Anfang und das Ende,
der Anfang, weil das Text-Ich etwas über einen Ausbruch erzählt, von dem ich später weiß, dass dieser bereits stattgefunden hat. Da fehlt mir Präzision,
das Ende, weil ich die Schlussfolgerung, sich einem anderen Menschen gefügig zu machen, schlichtweg nicht nachvollziehen kann, sie sogar durch die Argumentation des Text-Ichs widerlegt finde (vielleicht soll das ja so sein).

lg
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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 22.12.2009, 01:13

kürzen hier und da, ja ja ja ... ich kann das nur selten.
habe mir den roman vorgeknöpft, wollte etwas platz schaffen, und jetzt, nachdem ich fertig bin, ist er genausolang ... okay, das druckbild ist lockerer, ein paar zeichen mögen schon weniger sein ... aber das ist nur optik.

wirklich kürzen könnte wohl nur ein lektor. ich formuliere meist um. was einmal dasteht, einfach so wegknipsen? ich denke, ich schließe dieses buch erstmal als directors cut ab, und wenns mal jemanden interessiert zwecks vermarktung, kann er es auf verlagstechnische 250-300 seiten heruntermassakrieren. das ist dann ein eigenes buch.

das soll nicht heißen, dass ich das "einkürzen" nicht als sinnvoll erachtete.
... rein theoretisch ;)


(wellbeck, ja, was für ein name. ich schreibe ihn in lautschrift, das is
t einfacher)

das mit dem gefügigmachen ist ein bisschen zu kurz geraten ... <- da siehst du es, nix mit kürzen, ich will es dann erst recht deutlich machen.
aber womöglich lässt sich die passage wirklich herausknipsen, weil sie ablenkt.

das mit dem freiwerden in der sklaverei ist vermutlich ein eigenes thema. ich empfehle die "geschichte der o" - das buch habe ich vor einigen wochen gelesen und war angetan. (ich meine nicht die kleistsche "o" ;)
es ist durchaus genussbringend, die verantwortung abzulegen. man wird wieder kindhafter dadurch. man kann den moment stärker genießen. gewiss ist man auch ausgeliefert, wie kinder ausgeliefert sind ... und sie hassen das gewiss nicht selten. ich wollte z.b. als kind immer schon auch (!) erwachsen sein. (oder wahlweise GOTT, das hätte mich auch gereizt ...)

im prinzip aber, philosophisch besehen, ist der strikte determinist ein roboter, und als roboter auch ein sklave. er braucht nicht unbedingt einen herren, einen gott, es reicht schon eine naturgesetzliche formel, die sein dasein festlegt. auch er hat keine verantwortung. er ist ein sklave: er schaut sich selbst beim leben und auch beim handeln zu.

das Text-Ich hier ist meines erachtens: erschöpft.
auch: satt.
an ein ende gelangt.
an ihm könnte man sehen, dass großer liberalismus/individualismus, wenn man ihn ins extrem treibt, in die beliebigkeit führt.

oder täusche ich mich?

lg
tolya

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 22.12.2009, 01:54

Glaukos hat geschrieben:das Text-Ich hier ist meines erachtens: erschöpft.
auch: satt.
an ein ende gelangt.
an ihm könnte man sehen, dass großer liberalismus/individualismus, wenn man ihn ins extrem treibt, in die beliebigkeit führt.


Ja, ich war mir nur nicht so sicher, ob ich damit auf der richtigen Fährte war. :-)

Glaukos hat geschrieben:das mit dem freiwerden in der sklaverei ist vermutlich ein eigenes thema. ich empfehle die "geschichte der o" - das buch habe ich vor einigen wochen gelesen und war angetan. (ich meine nicht die kleistsche "o" ;)
es ist durchaus genussbringend, die verantwortung abzulegen. man wird wieder kindhafter dadurch. man kann den moment stärker genießen. gewiss ist man auch ausgeliefert, wie kinder ausgeliefert sind ... und sie hassen das gewiss nicht selten. ich wollte z.b. als kind immer schon auch (!) erwachsen sein. (oder wahlweise GOTT, das hätte mich auch gereizt ...)


Dann ist das in der Tat, so jedenfalls meine Einschätzung, hier zu verkürzt dargestellt. Meine Kürzungsvorschläge beziehen sich weniger auf den Inhalt (natürlich auch immer etwas, da jeder Satz ja Inhalt trägt), sondern mehr auf sprachliche Redundanzen.
Oh, 'o' noch nicht gelesen. Wollte ich immer mal. :-)

Da ich am Entschlüsseln bin: Camus' "Der Mythos des Sisyphos" scheint mir hier eine große Rolle als philosophische Grundlage gespielt zu haben, so sehr lebt das Text-Ich die Absurdität in der Quantität aus, jedenfalls in meiner Wahrnehmung.

Ich kann mich natürlich auch täuschen. :-))

lg
hginsomnia

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 22.12.2009, 02:06

well well, geneigter fährtensucher,

jedes wort, jeder satz, jede passage ist optimierbar d'accord.
nur endet man womöglich ihm wahnsinn, wenn man nicht irgendwann damit aufhört, den perfekten (lang)text abzuliefern. bei kurzen texten ist das eher möglich. würde ich diesen text als völlig freistehend ansehen, wäre es anders - der ist als geschlossene form überschaubarer.
ich denke, der sklaverei-absatz fliegt raus, wenn das nichts ist ;)

zu camus:
ich mag sein denken - nach wie vor.
den sisyphos habe ich wohl als jüngling gelesen, seither nie wieder. camus' philosophischen oder auch essaiistischen texte fand ich weniger erhellend. ich staunte zwar über seine vorlieben - nietzsche, was ich nie für möglich gehalten hätte (warum eigentlich?), kafka ...
camus war für mich nie ein "absurder", schon gar nicht ein auswegloser.
ich habe seine prosa immer als "erfüllt" angesehen. klar gibt es auch mangel, die figuren begehren, also leiden sie unter mangel. aber selbst der mangel ist erfüllt.
camus mag auch fatalistische gedanken gehabt haben. 'der fremde' tötet weniger, weil er es möchte, als aus MUSS - so erklärt er es zumindest. es war "die sonne" ... also "gott"?
und er stirbt mit einer inneren sicherheit, die menschen wie mich erstaunen muss ...

nun, wenn ich mich recht entsinne, meinte er in 'sisyphos', auch das schicksalshaft-schlechte müsse mit einem lächeln bewältigt werden, selbst ein sisyphos solle glücklich gedacht werden. das ist dann meinem eigenen wunsch tatsächlich nahe: erfüllt zu ein.
(von glück will ich lieber nicht unbedingt sprechen ... da ist mir zu ... obszön ;))

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon Glaukos » 22.12.2009, 02:07

... wie liest du den sisyphos?

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Re: ... ein Auszug aus meinem Roman

Beitragvon hginsomnia » 22.12.2009, 09:00

Juten Morgen,

ich bin gestern (also heute :-)) ) übrigens fast vor dem PC eingeschlafen, was nichts mit der Diskussion zu tun hat, vielmehr etwas mit meinem Usernamen ;-) . Ein Glück: Urlaub!

Glaukos hat geschrieben:camus war für mich nie ein "absurder", schon gar nicht ein auswegloser


Für mich auch nicht. Ich bin mal anmaßend, wie es mir die morgendliche Trunkenheit so häufig einflüstert, und behaupte, beim 'Sisyphos' handelt es sich um eine Abhandlung, eine Positionierung, ein Stellungsspiel, jedenfalls um etwas, das Camus selbst sicherlich nicht mit der absoluten Kraft seines Herzens durchsetzen wollte.
Aber gerade das gefällt mir. Camus bezeichnet im 'Sisyphos' die Absurdität, er schreibt sie aus, er spielt mit ihr, ohne, dass er z.B., und das ist unzweifelhaft, die absurde Stringenz in seinen fiktiven Texten verfolgt, also ohne sich in eine Ideologie des Absurden verstricken lassen zu wollen.
Und ausweglos ist er ja auch im 'Sisyphos' nicht. Vielmehr empfinde ich dieses philosophische Essay als äußerst lebensbejahend, in die Richtung (natürlich hier bis zur Unkenntlichkeit verkürzt): Das Leben ist also absurd. Na, denn: Lass es uns leben!

Glaukos hat geschrieben:nun, wenn ich mich recht entsinne, meinte er in 'sisyphos', auch das schicksalshaft-schlechte müsse mit einem lächeln bewältigt werden, selbst ein sisyphos solle glücklich gedacht werden


Ja, das ist richtig entsonnt ;-) !
Sicherlich ist das eine der Kernaussagen. Das Glück gefällt mir auch nicht, also als Begriff jetzt. Sisyphos soll man sich als glücklich denken, weil er eine Aufgabe hat, eine Erfahrungswelt, die, auch wenn sie schmerzhaft ist, ihn am Leben hält. Er ist das Beispiel für alle schmerzhaften Aufgaben, für alle Erfahrungen, die gespürt werden in der kalten Zone Leben.

(Alles sehr stark verkürzt dargestell natürlich!)

Es ist jetzt recht genau drei Jahre her, dass ich den 'Mythos des Sisyphos' gelesen habe. Als ich deinen Text las, kam er mir schlagartig wieder in den Sinn, zum einen aufgrund der Auslassungen zum Selbstmord, zum anderen wegen der Beschreibungen zur Totalopposition.

Im 'Sisyphos' spielt auch der Selbstmord, vielmehr die Frage, ob jemand aufgrund des sich als absurden Menschen Begreifens Selbstmord begehen würde, kann und darf, eine große Rolle. Camus belegt zunächst einmal, dass die meisten Selbstmörder sich aus einer negativen Erfahrung oder allgemeiner aus einer Verzweiflung am Leben , wie es gelaufen ist, heraus in den Tod stürzen, nicht aber aufgrund der Erkenntnis, das das Leben an sich absurd ist, nicht also aus dem Willen, die letzte Erfahrung zu machen, eine letzte Gewissheit zu bekommen.
Später beschreibt Camus wie hier das Text-Ich auch, dass diese Erfahrung ja eine zu kommende ist, daher nur in einem (das sagt Camus so nicht, aber ähnlich - Ich will halt den Bogen spannen) Gefühlsausbruch nach unten zustande kommen kann, der aber kein Erkenntnisergebnis sein kann, sondern nur Kapitulation.
Daher, so Camus, müsse der wahrlich absurde Mensch sich auf die Quantität seiner Erfahrungswelt stürzen, um letztlich alles mitzunehmen (salopp formuliert), was geht.
Hier bin ich dann genau bei deinem Text-Ich, dass in seiner Totalopposition die eigenen Schmerzen auslotet, das Glück, die Lust, die Freude u.s.w., also keinen Wert auf die Qualität der Erfahrung legt (Qualität bezieht sich bei Camus auf die Erfahrungen, nach denen sich der nicht-absurde Mensch sehnt).

Soweit erstmal:
I'll brew some coffee!

lg
hginsomnia


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