número dos
Verfasst: 19.01.2004, 16:24
Nacktschneckenkuss
Sollen wir Freund spielen?, fragt er - und das an der Grenze zwischen Nacht und Tag, in der Stunde des Wolfes. Mit Partyresten beklebte Gesichter werden ans Licht gezerrt. Die Nacht haben sie zu Jazz vertanzt; ihre Schritte jetzt nunmehr eine Improvisation auf dem Asphalt. In den Bars wird es hell; Müllsäcke vor den Türen, die Türen geschlossen. Weichgezeichnete Fassaden am Rande der Stadt. In einem Hauseingang dann die Tänzer; sie sehen zwielichtig aus, und das gefällt ihnen.
Sie sind zu alt für Ich muss nach Hause und nicht groß genug für Zu dir oder zu mir?
Sie raucht nachdenklich; sie kann auch ironisch oder herablassend rauchen, versteht es, sich ganz und gar in eine Zigarette zu packen. Sie weiß, dass sie schön ist beim Rauchen und raucht nie allein.
Ihre Lippen sind zerküsst, Spuren anderer Hauseingänge.
Vielleicht merkt er mir das an, so wie Wölfe läufige Wölfinnen riechen.
Rauch und Schweiß machen den Hauseingang enger. Da fragt er noch einmal, und sie hat keine Zigaretten mehr.
Ausgerechnet jetzt, am Rand, und diese Frage im Hauseingang, man muss doch die Grenzen kennen, Tag und Nacht nicht verwechseln, denkt sie und sagt: Die Art, wie du fragst, ich mag das nicht.
Ihre Finger spielen mit dem Feuerzeug, sie verbrennt sich, lächelt gelangweilt und wendet das Gesicht ab. Er verfehlt ihre Lippen und küsst stattdessen das Ohr, versucht daran zu knabbern. Darüber hinaus: das Klirren seiner Zähne auf ihrem Ohrring.
Vor dem Hauseingang verliert sich die Nacht. Zwiespälte sind nicht erwünscht zu dieser Zeit, schnelle Entscheidungen von Vorteil. Verpasste Chancen lächeln um jede Straßenecke. In einem Hauseingang sind zerküsste Lippen kein Störfaktor, solange der Hauseingang selbst keiner ist. Mit heruntergelassener Jeans und der Wand im Rücken stemmt sie die Arme gegen seine Brust. Das hält ja kein Mensch aus, sagt sie laut, ihre Stimme prallt an den Wänden ab. Es ist lächerlich, in der Stunde des Wolfes den Mond anzuheulen.
Du hast mich angetanzt, nicht umgekehrt, sagt er.
Zieh die Nacht nicht in den Tag hinein. Ihre Stimme verdünnt sich: So weit kann es doch nicht kommen, nur weil wir nicht wissen wohin, bis es hell wird.
Zerredest du das Ficken immer so?, fragt er.
Heutzutage sagt doch keiner mehr Nein. Gähnen macht nicht wacher und Weinen nicht glücklicher.
Halt die Fresse.
Rede nicht so mit mir. Du bist irgendwer.
Und du sonderbar.
In Hauseingängen trifft man immer nur auf besondere. Das muss wohl so sein, sagt sie leise. Es kommt mir alles zu verwegen vor, will sie hinzufügen, aber er hört nicht, und sie sehnt sich nach Zigaretten, weil Rauch eine Wand im Rücken erträglicher macht.
Er muss verstehen, was im Dunkeln begonnen wurde, hat bei Tag keine Chance, hässlich wird es. Ich trage doch kein Zu verkaufen--Schild. Hauseingänge können unmöglich gesund sein. Sie dreht sich um, ihr Gesicht berührt die Wand, sie flüstert: Hör auf, meine Lippen zu zerküssen.
Was?
Ich sage, hör auf, meine Lippen zu zerküssen. Es wird gleich hell. Die Schlampen sind müde.
Morgenlicht fällt in den Hauseingang, und sie ziehen sich an, hören in der Ferne ein Flugzeug landen. Wahrscheinlich landen die ganze Zeit Flugzeuge, Nachtschleicher wie wir, wen interessiert das schon?
Geh jetzt.
Er schreibt seine Nummer auf. Sie wirft den Zettel in die nach Pisse stinkende Ecke. Die Tänzer treten hinaus auf die Straße, und er kauft Zigaretten für sie.
Ich nehme dich mit nach Schweden, sagt er, dort ist die Luft anders.
Sie sieht ihn nicht an.
Auch dort lauern Hauseingänge, sagt sie schließlich und rennt davon.
Sollen wir Freund spielen?, fragt er - und das an der Grenze zwischen Nacht und Tag, in der Stunde des Wolfes. Mit Partyresten beklebte Gesichter werden ans Licht gezerrt. Die Nacht haben sie zu Jazz vertanzt; ihre Schritte jetzt nunmehr eine Improvisation auf dem Asphalt. In den Bars wird es hell; Müllsäcke vor den Türen, die Türen geschlossen. Weichgezeichnete Fassaden am Rande der Stadt. In einem Hauseingang dann die Tänzer; sie sehen zwielichtig aus, und das gefällt ihnen.
Sie sind zu alt für Ich muss nach Hause und nicht groß genug für Zu dir oder zu mir?
Sie raucht nachdenklich; sie kann auch ironisch oder herablassend rauchen, versteht es, sich ganz und gar in eine Zigarette zu packen. Sie weiß, dass sie schön ist beim Rauchen und raucht nie allein.
Ihre Lippen sind zerküsst, Spuren anderer Hauseingänge.
Vielleicht merkt er mir das an, so wie Wölfe läufige Wölfinnen riechen.
Rauch und Schweiß machen den Hauseingang enger. Da fragt er noch einmal, und sie hat keine Zigaretten mehr.
Ausgerechnet jetzt, am Rand, und diese Frage im Hauseingang, man muss doch die Grenzen kennen, Tag und Nacht nicht verwechseln, denkt sie und sagt: Die Art, wie du fragst, ich mag das nicht.
Ihre Finger spielen mit dem Feuerzeug, sie verbrennt sich, lächelt gelangweilt und wendet das Gesicht ab. Er verfehlt ihre Lippen und küsst stattdessen das Ohr, versucht daran zu knabbern. Darüber hinaus: das Klirren seiner Zähne auf ihrem Ohrring.
Vor dem Hauseingang verliert sich die Nacht. Zwiespälte sind nicht erwünscht zu dieser Zeit, schnelle Entscheidungen von Vorteil. Verpasste Chancen lächeln um jede Straßenecke. In einem Hauseingang sind zerküsste Lippen kein Störfaktor, solange der Hauseingang selbst keiner ist. Mit heruntergelassener Jeans und der Wand im Rücken stemmt sie die Arme gegen seine Brust. Das hält ja kein Mensch aus, sagt sie laut, ihre Stimme prallt an den Wänden ab. Es ist lächerlich, in der Stunde des Wolfes den Mond anzuheulen.
Du hast mich angetanzt, nicht umgekehrt, sagt er.
Zieh die Nacht nicht in den Tag hinein. Ihre Stimme verdünnt sich: So weit kann es doch nicht kommen, nur weil wir nicht wissen wohin, bis es hell wird.
Zerredest du das Ficken immer so?, fragt er.
Heutzutage sagt doch keiner mehr Nein. Gähnen macht nicht wacher und Weinen nicht glücklicher.
Halt die Fresse.
Rede nicht so mit mir. Du bist irgendwer.
Und du sonderbar.
In Hauseingängen trifft man immer nur auf besondere. Das muss wohl so sein, sagt sie leise. Es kommt mir alles zu verwegen vor, will sie hinzufügen, aber er hört nicht, und sie sehnt sich nach Zigaretten, weil Rauch eine Wand im Rücken erträglicher macht.
Er muss verstehen, was im Dunkeln begonnen wurde, hat bei Tag keine Chance, hässlich wird es. Ich trage doch kein Zu verkaufen--Schild. Hauseingänge können unmöglich gesund sein. Sie dreht sich um, ihr Gesicht berührt die Wand, sie flüstert: Hör auf, meine Lippen zu zerküssen.
Was?
Ich sage, hör auf, meine Lippen zu zerküssen. Es wird gleich hell. Die Schlampen sind müde.
Morgenlicht fällt in den Hauseingang, und sie ziehen sich an, hören in der Ferne ein Flugzeug landen. Wahrscheinlich landen die ganze Zeit Flugzeuge, Nachtschleicher wie wir, wen interessiert das schon?
Geh jetzt.
Er schreibt seine Nummer auf. Sie wirft den Zettel in die nach Pisse stinkende Ecke. Die Tänzer treten hinaus auf die Straße, und er kauft Zigaretten für sie.
Ich nehme dich mit nach Schweden, sagt er, dort ist die Luft anders.
Sie sieht ihn nicht an.
Auch dort lauern Hauseingänge, sagt sie schließlich und rennt davon.