Hallo HHer!
Erst kommt wochenlang gar nichts und dann gleich soviel *g*
Sorry, habe leider nur wenig Zeit und äußere mich erstmal kurz.
Du scheinst nicht begriffen zu haben, dass seine Frau bereits tot ist. Komischerweise bist Du der Erste, der darüber nicht gestolpert ist (habe die Geschichte noch woanders veröffentlicht, je mehr Kritiken, desto besser *g*)
Wie gesagt, ich werde auf Deine Analyse noch weiter eingehen und mir bestimmt auch einige Dinge zu Herzen nehmen.
Vielen Dank für Deine Mühe und herzliche Grüße,
San.
Am Fenster
Re: Am Fenster
Hallo San,
diese kurze Geschichte ist keine besonders Gelungene, wie ich finde. Das liegt zuerst eben an ihrer Kürze. Die Hauptfigur kommt mir in diesem Abriss nicht richtig nahe. Dazu passiert einfach zu wenig sowohl an innerer als auch an äußerer Handlung. Äußere Handlung: Der Mann sitzt da und ab und zu kommt seine Frau vorbei.
Innere Handlung: Er hat das Gefühl nicht mehr in die Zeit zu passen, freut sich aber wenn seine Frau ihm Neuigkeiten erzählt. Grob gesagt ist es das.
Zudem verdunkeln einige weitere Punkte das Gesamtbild:
1. Viermal die Wendung "am Fenster neben dem Apfelbaum" in 36 Zeilen. San, das ist ziemlich einfallslos. Die schöne melancholische Grundstimmung kehrt sich dadurch spätestens ab der dritten Verwendung ins Melodramatische. Hier wäre weniger mehr gewesen.
2. Außerdem: Wie kann eigentlich ein Apfelbaum neben dem Fenster stehen? Also entweder steht dieser vor dem Fenster oder seitlich vom Fenster versetzt ein paar Meter entfernt. Aber daneben? Vielleicht steht er ja auch im Haus oder direkt neben dem Haus und der Mann kann durch die Wand schauen...oder es handelt sich um einen Fenstervorsprung...keine Ahnung, ist wahrscheinlich Haarspalterei, aber wenn du schon viermal die gleiche Wendung benutzt, dann sollte die nicht so unscharf konturiert sein (so wie du es beschrieben hast, nämlich Fenster neben Baum, hört es sich unfreiwillig komisch an - sag mir ruhig, wenn das zu korinthenkakerisch war)
3. Warum trifft er seine Frau eigentlich heimlich? Das erscheint mir reichlich albern. Kein noch so auf Ruhe des Patienten bedachter Arzt würde diesem den Besuch seiner Herzallerliebsten verbieten.
4. Den Schluss deute ich so, dass der Mann verstorben ist. Sie kann ihn ja schlecht mit nach Hause genommen haben, wenn er gleichzeitig schlafend im Stuhl am Fenster, wo auch ein Apfelbaum in welcher Lage auch immer diesem nahe steht :-p , sitzt. Allerdings: Was hat sie denn dann mit heim genommen? Die Seele des Mannes? Sorry, das fände ich reichlich kitschig.
Dagegen würde die Variante, dass ihn immer nur der Geist seiner Frau besucht hat zwar gleich zwei Kritikpunkte (3 und 4) ausmerzen, käme mir aber nicht minder kitschig vor. Allerdings wäre der Schluss dann immerhin überraschend. Ach, immer dieses Für und Wider...
Nun zu den zweifelsfrei gelungenen Passagen und Gedanken.
1.
Das ist gut, das hat was, die Hauptfigur erhält Konturen. Nach diesem zweiten Satz war ich sehr gespannt.
2.
Das macht mir den Mann symphatischer. Kein verbitterter Griesgram, der rumheult, das die Kinder ihn vergessen haben. Gut so!
3. Obwohl ich`s kritisiert habe: Der Gedanke, dass seine seit 50 Jahren geliebte Frau sich heimlich des Nachts zu ihm reinschleicht hat was Berührendes. Sähe man das in einem Film würde man wahrscheinlich erst lachen und dann sagen:"Guck mal, wie süß."
Sähe man den Geist der Frau würde man sagen:"Guck mal, X Faktor."
Fazit betreffend des gesamten Textes: Du solltest den Leser ein bisschen mehr überraschen und deiner Hauptfigur mehr Präsenz verschaffen. Insgesamt fand ich, dass diese ziemlich blass bleibt. Und beim nächsten Text lass ich dir das nicht mehr durchgehen, dass ich nach der Lektüre nicht genau weiß, wo Fenster und Apfelbaum, Kirschbaum und Erdbeerbeet sind, alles klar?
diese kurze Geschichte ist keine besonders Gelungene, wie ich finde. Das liegt zuerst eben an ihrer Kürze. Die Hauptfigur kommt mir in diesem Abriss nicht richtig nahe. Dazu passiert einfach zu wenig sowohl an innerer als auch an äußerer Handlung. Äußere Handlung: Der Mann sitzt da und ab und zu kommt seine Frau vorbei.
Innere Handlung: Er hat das Gefühl nicht mehr in die Zeit zu passen, freut sich aber wenn seine Frau ihm Neuigkeiten erzählt. Grob gesagt ist es das.
Zudem verdunkeln einige weitere Punkte das Gesamtbild:
1. Viermal die Wendung "am Fenster neben dem Apfelbaum" in 36 Zeilen. San, das ist ziemlich einfallslos. Die schöne melancholische Grundstimmung kehrt sich dadurch spätestens ab der dritten Verwendung ins Melodramatische. Hier wäre weniger mehr gewesen.
2. Außerdem: Wie kann eigentlich ein Apfelbaum neben dem Fenster stehen? Also entweder steht dieser vor dem Fenster oder seitlich vom Fenster versetzt ein paar Meter entfernt. Aber daneben? Vielleicht steht er ja auch im Haus oder direkt neben dem Haus und der Mann kann durch die Wand schauen...oder es handelt sich um einen Fenstervorsprung...keine Ahnung, ist wahrscheinlich Haarspalterei, aber wenn du schon viermal die gleiche Wendung benutzt, dann sollte die nicht so unscharf konturiert sein (so wie du es beschrieben hast, nämlich Fenster neben Baum, hört es sich unfreiwillig komisch an - sag mir ruhig, wenn das zu korinthenkakerisch war)
3. Warum trifft er seine Frau eigentlich heimlich? Das erscheint mir reichlich albern. Kein noch so auf Ruhe des Patienten bedachter Arzt würde diesem den Besuch seiner Herzallerliebsten verbieten.
4. Den Schluss deute ich so, dass der Mann verstorben ist. Sie kann ihn ja schlecht mit nach Hause genommen haben, wenn er gleichzeitig schlafend im Stuhl am Fenster, wo auch ein Apfelbaum in welcher Lage auch immer diesem nahe steht :-p , sitzt. Allerdings: Was hat sie denn dann mit heim genommen? Die Seele des Mannes? Sorry, das fände ich reichlich kitschig.
Dagegen würde die Variante, dass ihn immer nur der Geist seiner Frau besucht hat zwar gleich zwei Kritikpunkte (3 und 4) ausmerzen, käme mir aber nicht minder kitschig vor. Allerdings wäre der Schluss dann immerhin überraschend. Ach, immer dieses Für und Wider...
Nun zu den zweifelsfrei gelungenen Passagen und Gedanken.
1.
seine Finger zu einer Melodie wippend, die nur er hören kann.
Das ist gut, das hat was, die Hauptfigur erhält Konturen. Nach diesem zweiten Satz war ich sehr gespannt.
2.
Die Kinder kommen schon lange nicht mehr, das Leben ist schnell geworden, das Geld knapp, er versteht das.
Das macht mir den Mann symphatischer. Kein verbitterter Griesgram, der rumheult, das die Kinder ihn vergessen haben. Gut so!
3. Obwohl ich`s kritisiert habe: Der Gedanke, dass seine seit 50 Jahren geliebte Frau sich heimlich des Nachts zu ihm reinschleicht hat was Berührendes. Sähe man das in einem Film würde man wahrscheinlich erst lachen und dann sagen:"Guck mal, wie süß."
Sähe man den Geist der Frau würde man sagen:"Guck mal, X Faktor."
Fazit betreffend des gesamten Textes: Du solltest den Leser ein bisschen mehr überraschen und deiner Hauptfigur mehr Präsenz verschaffen. Insgesamt fand ich, dass diese ziemlich blass bleibt. Und beim nächsten Text lass ich dir das nicht mehr durchgehen, dass ich nach der Lektüre nicht genau weiß, wo Fenster und Apfelbaum, Kirschbaum und Erdbeerbeet sind, alles klar?
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Am Fenster
Moin Hamburger!
Erst kommt tagelang gar nichts und dann gleich soviel *g*
Sorry, leider kann ich nur kurz antworten, aber Du scheinst nicht begriffen zu haben, dass seine Frau bereits tot ist.
Komischerweise bist Du auch der erste, der darüber nicht gestoplert ist (habe die Geschichte noch in anderen Foren veröffentlich, je mehr Kritiken, desto besser *g*).
Deiner Analyse werde ich mich noch genauer widmen, bisher habe ich sie nur überflogen, mir scheint aber, dass Du eher mit dem Kopf gelesen hast.
Herzliche Grüße und danke für die Mühe,
San.
Erst kommt tagelang gar nichts und dann gleich soviel *g*
Sorry, leider kann ich nur kurz antworten, aber Du scheinst nicht begriffen zu haben, dass seine Frau bereits tot ist.
Komischerweise bist Du auch der erste, der darüber nicht gestoplert ist (habe die Geschichte noch in anderen Foren veröffentlich, je mehr Kritiken, desto besser *g*).
Deiner Analyse werde ich mich noch genauer widmen, bisher habe ich sie nur überflogen, mir scheint aber, dass Du eher mit dem Kopf gelesen hast.
Herzliche Grüße und danke für die Mühe,
San.
Re: Am Fenster
Hallo San,
Wie kommst du darauf? Ich schrieb doch...
+
Und wenn nur noch der Geist kommen kann ist die Frau natürlich tot. Sogar kritisiert habe ich diese Variante schon...
Natürlich kannst du jetzt sagen: Es kommt nicht mal der Geist. Er stellt sich die Frau nur vor. Aber ob das Eine (Geist) oder das Andere (reine Vorstellung) gilt kann man aus der Geschichte nicht schliessen, selbst aus dem überraschenden Schluss nicht.
Na ja, ich will auch nicht alles besser wissen, wollte halt nur sagen dass du mit dieser ersten Kritik am Kritiker nicht ganz richtig liegst :-&
Bin gespannt auf deine ausführliche Antwort.
Bis denn,
Hamburger
P.S.: Wieso habe ich jetzt deine Antwort zweimal, die Geschichte aber gar nicht mehr auf meinem Bildschirm? Spinnt mein Computer oder hast du versehentlich deinen eigenen Text gelöscht?
Sorry, leider kann ich nur kurz antworten, aber Du scheinst nicht begriffen zu haben, dass seine Frau bereits tot ist.
Wie kommst du darauf? Ich schrieb doch...
Dagegen würde die Variante, dass ihn immer nur der Geist seiner Frau besucht hat zwar gleich zwei Kritikpunkte (3 und 4) ausmerzen
+
Sähe man den Geist der Frau würde man sagen:"Guck mal, X Faktor."
Und wenn nur noch der Geist kommen kann ist die Frau natürlich tot. Sogar kritisiert habe ich diese Variante schon...
käme mir aber nicht minder kitschig vor. Allerdings wäre der Schluss dann immerhin überraschend. Ach, immer dieses Für und Wider...
Natürlich kannst du jetzt sagen: Es kommt nicht mal der Geist. Er stellt sich die Frau nur vor. Aber ob das Eine (Geist) oder das Andere (reine Vorstellung) gilt kann man aus der Geschichte nicht schliessen, selbst aus dem überraschenden Schluss nicht.
Na ja, ich will auch nicht alles besser wissen, wollte halt nur sagen dass du mit dieser ersten Kritik am Kritiker nicht ganz richtig liegst :-&
Bin gespannt auf deine ausführliche Antwort.
Bis denn,
Hamburger
P.S.: Wieso habe ich jetzt deine Antwort zweimal, die Geschichte aber gar nicht mehr auf meinem Bildschirm? Spinnt mein Computer oder hast du versehentlich deinen eigenen Text gelöscht?
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
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