Eine natürliche Begegnung zwischen Ying und Yang

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Pentzw
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Eine natürliche Begegnung zwischen Ying und Yang

Beitragvon Pentzw » 03.09.2016, 21:05

Eine junge Koreanerin aus Seoul getroffen, welche auf der Reise durch Europa war, sehr nah hatte sie die Augen am Smart Phone, Zähne, die nicht gerade gewachsen waren am Unterkiefer, tief karminrot geschminkte Lippen eines kleinen Mundes, weite Augenschlitze mit braunen, helleren Augen und schwarzen Pupillen, trippelnde kleine Schritte, sehr einfühlsame Antworten, nur Englisch sprechend, ein bisschen Französisch: der Begriff France für Frankreich in Englisch und Französisch gleich. (siehe Fußnote)
Auf der Fahrt zu ihren Bestimmungsort war sie ihm ganz nahe. Nicht abgewandt, zurück-, sondern nach vornegewendet und ihm zugetan, präsent, unmittelbar.
Sie erzählte, sie komme von Budapest, Prag und Wien, Städte, in denen er gelebt hatte, die er als die interessantesten von Europa wahrnahm und in der Übereinstimmung beim selben Geschmack sah er darin ein Zeichen der Vorsehung: der Himmel habe sie ihm geschickt und ist sein fehlendes Yang, er, der einsame Ying.
Er möge Mangas, sagte er, um das Gespräch in Fluss, Gang, Bewegung zu halten.
„Einen Moment!“, und sie blätterte in ihrem Gerät in der Hand.
„Pokemon!“, sagte er vorlaut. „Playmobil.“ Er dachte zunächst an eine Spielkonsole. Aber sie zeigte ihm legoartige Figuren, Spielzeugfiguren. „Ich liebe sie über alles. Sie werden hierzulande gemacht.“ Er wusste das nicht. Er lächelte, weil es ein Kompliment für ihn darstellen sollte.
Dann spielte sie weiter mit ihrer kleinen Maschine in der Hand.
Schon waren sie fast angekommen, wie schnell, wie ihm Fluge das ging.
Durch die Menschenmenge trippelten sie die Bahnhofstreppe hinauf und sie befand sich fast im Gleichschritt mit ihm.
Auf dem Potest oben standen Menschen, die auf Reisende warteten und auf sie herabblickten.
Ihre Tasche galant an ihrer anderen Hand gehalten und geschwenkt, hatte sich die andere bei ihm eingehängt, als klebte sie fast an seiner Seite. Sie war akkurat angezogen, ihre feminine Handtasche hing über dem Unterarm, wobei ihre freie Hand geradeaus wies. Ihr leichter Trenchcoat lag passgenau an ihr, als würde sie ihn täglich bügeln und stärken, trotzdem warf er galante Falten.
Das hatte alles Klasse.
Ihm schien, als hätten die Wartenden nur sie beide beobachtet, wie sie stolz und eng aneinander noch oben die Bahnhofstreppe hinaufgeschritten waren.
Als sie vor dem Bahnhofs-Ausgang zum Abschiednehmen dastanden, wusste er nicht, was sagen. Sie ziehen zu lassen, beklemmte ihn. Er merkte gar nicht, daß er sie unentwandt anstarrte: ihre schräg stehenden Augen schienen in Halbschlaf versunken zu sein und standen so weit auseinander wie die eines kleinen Tieres. Ein starker Zauber umgab sie.
Er wusste gar nicht, wie ihm geschah, als er sie plötzlich so frei heraus fragte: „Ich würde Ihnen gerne diese Stadt zeigen!“ Dazu beschrieb er einen Halbkreis und schwenkte die Arme aus.
„Oh, wie nett. Aber ich muss ins Hotel.“
Diesen Einwand fasste er gar nicht als Einwand auf und spontan wie vorhin kamen ihm die Worte über die Lippen: "Ich warte gerne, bis sie sich ihres Koffers entledigt und sich frisch gemacht haben.“
„Wie nett.“ Und sie verzog sämtliche Fältchen ihres Gesichtes zum Grinsen und Lächeln.
Sie vereinbarten einen Ort und einen Zeitpunkt.
Sie gingen zunächst im Park spazieren, einen, wo Seerosen, Efeu und exotische Flora war, an ihre Heimat erinnernd, was sie vielleicht beruhigen und entzücken würde. Sie war auch ausgelassen, als sie sich auf eine Bank niederließen, er zuerst, sie tanzte vor ihm hin und her, schien ihm, und er klopfte auf seine Schenkel, sagte in seiner Muttersprache, die sie nicht verstand: „Setz Dich da drauf!“, und sie ließ sich galant auf seine breiten Oberschenkel nieder, er ihre Taille umfassend und fast umklammernd, schmal genug war sie. Sie schlenkerte vergnügt mit den Beinen, als ob sie auf einer Schaukel säße. Er fühlte Erregung. Er wurde ganz steif. Das sollte es nicht sein. Was tun, um wieder locker und geschmeidig zu werden? „Allez hopp!“, sagte er und gab ihr einen Stups auf den Popo, was sie sofort verstand und von seinen Beinen heruntersprang.
Es machte sie das starke Rauch- und Kellerbier betrunken, berauscht, besetzt. Die Wirkung war erfreulich: versteinert ließ sie sich auf das flache Hotelbett fallen, wobei der kurze Rock wie ein Kleinmädchendirndl, nur bunter und asiatisch-arabesk, über ihre breiten Oberschenkeln gerutscht war. Sie lachte vergnügt. Als er in sie eindrang, merkte er, dass seine körperliche Reaktion zu ruckartig-gewalttätig und hastig gewesen war, sie hatte ihn wohlwollend-erwartungsvoll und hingebungsvoll und breit geöffnet entgegenkommend empfangen: ein hoher Seufzer gleich Messergeschleif-Tönen erschall: „Oh ja!“

Fußnote: [„la“ mit femininem Artikel hier] France (= das Frankreich) in Französisch und Englisch [hier Artikel „the“, der keinerlei Geschlecht ausdrückt] gleich.

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