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Dirk H. ?

Verfasst: 20.06.2004, 02:29
von vogel
Anmerkung 1: Ähnlichkeiten mit realexistierenden Personen sind zufällig und nich von mir beabsichtigt ! Alles rein fikitv ... OK ?

Anmerkung 2: Dieser Text stammt aus einem Projekt, dass ich im Nov. 2003 geschrieben habe um meine Ideen zusammeln, um sie nicht zu vergessen. In der zeit haben wir Jelinek gelesen und ich hatte Praktikum als ich diesen Text schreib. ich konnte immer mit wenigen Schriiten die Unterwäschabteilung von einer großen Markenfirma mit 2Buchstaben udn diesem "&" betreten und habe dies in den 14 Tagen auch öfters getan, doch nie was gekauft (kein Geld ich armer Schlucker ...) Ich finde, diesen Text an sich echt nett, doch das ende macht mir Kopfschmerzen, ich abreite echt seit nem halben Jahr drann aber es wirkt so aufgestzt so "Knall, tot ist er" .. Lest es mal, sagt mal eure Meinugn (ist dasd eine Novelle ? Ich tu mich bei meinen eigenen Textenimmer schwer das raus zu finden ... ~_~ ) und vielleicht könntihr mich ja helfen ... ?! :help:


PS: Die Kreuze sind von meiner Website, da hab isch da nämlich jetzt rauskompiert und des macht nur sinn, wenn man das ganze Projekt liest ... also nicht von bedeutung :-D

:thanx:
b ! r d y


****



in bee†wen (Projek† November 2003) : [10†h - Dirk H.]

Frei†agnachmi††ag. Die Kameras im Kaufhaus schauen sich um; beobach†en die Kunden.
Eine Kamera in der Schmuckab†eilung erfass† einen Ladendieb; die Kameras in der E†age für Jugendmode bemerken, dass die Größe 38 von Rock X zum 4. Mal von einer Kundin be†rach†e† wird.
Die Kameras an der Kasse blicken auf die Kassiererin nieder. Gu†en †ag. Das sind dann 23 Euro. Vielen Dank für ihren Einkauf, beehren sie uns bald wieder ! Immer freundlich sein.
Und ja nich†s aus der Kasse s†ibi†zen !
Ein Kameraobjek†iv rich†e† sich auf den Eingang, erfass† einen Kunden, der gerade über die †ürschwelle †ri††. Die Uhren auf den Bildschirmen zeigen 18:45:34. Die Kamera zoom† an den Kunden heran. Dirk H. Er komm† öf†ers hierher. Doch meis† zeigen die Uhren auf 16:11:23 wenn seine Füße das Kaufhaus be†re†en.
Die Kamera dreh† sich mi† ihm im Kreis. Sie beobach†e† ihn, sieh† wie er an der Kasse vorbei läuf†; die Kassiererin grü߆, so wie er es immer †u†, wenn er an manchen Frei†agen hierher komm†.
Er fähr† die Roll†reppe hoch, in den ers†en S†ock will er. Die Kamera schau† ihn nach. Das leise Summen beim unun†erbrochen Verfolgen der Kameras wird von ihm, Dirk H., und den anderen Kunden nich† vernommen. Er fähr† unbeirr† mi† der Roll†reppe wei†er; und die anderen Kunden suchen nach Kleidungss†ücken, probieren sie an; sie suchen wie immer Bera†ung, die sie hier Frei†agnachmi††ags nich† finden; sie schubsen einander an der Kasse; sie s†reifen durch Regale mi† Küchengeschirr und Bes†eck; †rampeln vorbei an †eppichen und Gardinens†angen und lassen †ausende Euro hier.
Doch so nich† Dirk H.
Manchmal kauf† er e†was. Doch immer nur für wenig Geld, manchmal sind es 30 Euro, manchmal auch ein wenig mehr. Wenn er e†was passendes gefunden ha†, fähr† er wieder mi† der Roll†reppe herun†er und geh† dor† zur Kasse, wo er die Kassiererin vom Sehen her kenn†. Sie lächel† ihn immer an, wenn er an ihr vorbeiläuf† und grü߆ auch zurück, wenn er es zuers† †u†. Er s†ell† sich hin†en an der Schlange an und war†e† geduldig, dass sie seinen Ar†ikel zum Abkassieren forder†. Er leg† die Un†erwäsche auf den Kassen†isch. Für meine Freundin. Sie nimm† eine †ü†e und pack† die schwarze Spi†ze sorgfäl†ig ein. Das wird ihr bes†imm† gefallen, sag† die Kassiererin meis† und forder† dann das Geld.
Doch heu†e will Dirk H. nich†s kaufen. Er will nur schauen, möch†e sehen, welche neuen Krea†ionen es in der Dessousab†eilung gib†. Er läuf† von dem Regal mi† den bun† bedruck†en BHs zu den schlich†en einfarbigen. Er mag schwarz.
Er zieh† sich seine Lederhandschuhe aus und s†reck† seine Hände nach einen Bügel aus. Darauf is† ein leich† schimmernder schwarzer Fe†z†en S†off befes†ig†. Die Kamera zoom† heran. 26 Euro. Dirk H. häng† den Bügel zurück.
Er mach† zwei kleine Schri††e nach links.
Eine Säule verbirg† der Kamera die Sich†. Eine andere übernimm† dafür, vergrößer† das Bild unendlich. Dirk H. ha† blaue Augen. Sie glänzen. Ebenso wie sein Brillenges†ell. Die Kamera zoom† zurück als er seinen Kopf ein wenig dreh† und die Brillengläser Lich† reflek†ieren und das Objek†iv blenden.
Zwei wie†ere Kameras rich†en sich auf Dirk H. Er be†rach†e† gespann† ein Se†, einen schneeweißer Spi†zen-BH mi† schwarzen Akzen†en und ebenso ein Slip als passendes Zubehör. Seine Finger glei†en andäch†ig über die vorgeform†en Mulden für den schönen Busen einer Frau. Dirk H. mal† vorsich†ig die schwarzen S†riche nach. Eine der Kameras schau† auf seine Finger. Sie sind gepfleg†, scheinen so als seinen sie noch nie mi† Schmu†z in Berührung gekommen. Er drück† den Slip in seinen Händen zusammen, häl† ihn dor† fes†.
Er läss† die Hände wieder lockerer, häng† das Se† wieder zurück; dor†hin wo er es hergehol† ha†.
Mi† wei†eren kleinen Schri††en geh† Dirk H. wei†er, er geh† langsam an den anderen Garni†uren vorbei; s†reif† flüch†ig über einen ro†en BH und einen blauen mi† zar† aufgedruck†en gelben Blü†enbl䆆ern. Sein Blick fäll† nochmals auf die Ecke mi† den weißen und schwarzen Dessous. Er geh† zurück.
Die Kameras sehen ihm nach.
Dirk H. be†rach†e† das Pos†er im Hin†ergrund der dünnen S†offe. Es zeig† eine Schönhei†, der Busen is† mi† schwarzem glänzendem Ma†erial bedeck†. Lack auf Leder. Sie †räg† einen knappen Rock, und darun†er bli†z† e†was hervor. Er will nich† erkennen was es is†. Dirk H. senk† den Blick.
Die Kameras hal†en inne.
Er schau† nochmals auf die S†offe. Er pus†e† gegen einen, dieser wipp†. Dirk H. heb† den Kopf, schau† sich in Ruhe wieder und wieder von wei†em die kos†baren Bekleidungss†ücke an. Dann dreh† er sich um.
Dirk H. se†z† sich in Bewegung. Er läuf† langsam, andäch†ig geh† er zu den Umkleidekabinen.
Die Augen von Oben blicken auf ihn nieder als er sich hin†er eine Frau s†ell† und wie sie war†e†, dass eine Kabine frei wird. Die Kameras schärfen die Objek†ive als er ers† eine, dann zwei wei†ere Frauen vorläss†. Sie können ruhig in diese Kabine gehen, ich habe keine Eile.
Dirk H. war†e†.
Die Kamerauhren zeigen 19:36:51.
Dirk H. war†e†.
Die Kameras suchen nach einem Bekleidungss†ück, dass er anprobieren möch†e, und deshalb bei sich †ragen soll†e; von der Decke herab †as†en fünf Einäugige ihn ab.
Er schau† in den Gang der Kabinen, alle Kameras in der Umgebung blicken auf ihn. Er mach† einen Schri†† in den Gang.
Für die Kameras is† er verschwunden. Sie wenden sie sich um 19:52:14 ab.
Er geh† auf die le†z†e Kabine im Gang zu. Eine Frau komm† Dirk H. aus dieser en†gegen. Sie lächel† ihn verlegen an. Er lächel† freundlich zurück.
Dirk H. geh† in die Kabine. Er zieh† seine Lederhandschuhe wieder an.

Ein lau†er Knall, wie ein Schuss, erschü††er† um 19:59:47 die E†age für Damenmode. Die Kameras suchen nervös die Gegend ab. Sie blicken auf die le†z†en beiden Kunden nieder, die Hand in Hand heraus eilen; doch außer ihnen finden die Augen nich†s.
Um 20:05:39 geh† das Lich† im Kaufhaus aus.

Re: Dirk H. ?

Verfasst: 13.07.2004, 22:31
von [) i r k
So! Jetzt sagt Dirk W. mal etwas zu "Dirk H." ;-)

Also, ich finde, die Geschichte hat was. Eigentlich passiert ja erst einmal nix großartig. Ein Kaufhaus, Menschen, die kommen und gehen ... aber so wie du die Geschichte schreibst, hat dieses Kaufhaus schon etwas beklemmendes und unnatürliches. Die Kameras, die jeden Winkel ausloten, jeden Mitarbeiter und jeden König Kunde im Voraus verdächtigen und verfolgen. An der Geschichte gefällt mir auch, dass erst einmal gar nicht so viel passiert, mir gefällt, dass du dir Zeit nimmst und den kleinen Handlungen viel Raum und Bedeutung gibst. Dadurch entsteht so eine subtile Spannung.
Doch meis† zeigen die Uhren auf 16:11:23 wenn seine Füße das Kaufhaus be†re†en.

Das kommt mir etwas spanisch vor. Er wird doch nicht seinen Auftritt im Kaufhaus so abpassen, dass er immer zur selben Zeit sekundengenau die Bühne betritt, oder?
Die Kameras suchen nach einem Bekleidungss†ück, dass er anprobieren möch†e, und deshalb bei sich †ragen soll†e; von der Decke herab †as†en fünf Einäugige ihn ab.

Diese Kameras sind interessant. Sie werden in deiner Geschichte fast personifiziert. Das Dahinter wird vollkommen ausgeblendet. Sie wirken auf mich fast als wären sie lebendig, wie die Augen einer Echse, die nach Beute suchen oder wie die starren, undurchdringlichen Facettenaugen einer Fliege, von denen man nicht ahnt, was dahinter vor sich geht.

Allerdings halte ich speziell die zitierte Stelle für etwas unrealistisch – ich glaube nicht, dass es ein Kaufhaus gibt, das so mit Sicherheitstechnik vollgestopft ist, dass ein Punkt im Raum gleich von fünf Kameras auf einmal überwacht werden kann. Dieser technische Aufwand erscheint mir etwas übertrieben. Und dann gibt es wahrscheinlich auch nur einen oder zwei Wachmänner, die hinter den Monitoren sitzen. Da können also nicht alle Kameras auf allen Etagen ständig herumschwenken und ran- und wegzoomen.
Ich finde, diesen Text an sich echt nett, doch das ende macht mir Kopfschmerzen, ich abreite echt seit nem halben Jahr drann aber es wirkt so aufgestzt so "Knall, tot ist er" .. Lest es mal, sagt mal eure Meinugn ... und vielleicht könntihr mich ja helfen ... ?!

Also die Geschichte ist schon stimmig. Da ist dieser einsame Typ, vielleicht ist ihm die Freundin weggelaufen oder so, und der – vielleicht als Ersatz – regelmäßig ins Kaufhaus pilgert, um seinem Fetisch nachzuhängen. Und am Ende bringt er sich halt um, warum auch immer. Das lässt die Geschichte ja offen – und das ist auch gut so! Also dieser Selbstmord im Kaufhaus mag etwas melodramatisch sein, aber das ist durchaus ein schlüssiges Ende für die Geschichte. Nicht ganz alltäglich so ein Suizid im Kaufhaus, im öffentlichen Raum, aber denkbar.

Mich stört an dem Ausgang der Story etwas ganz anderes:
Ein lau†er Knall, wie ein Schuss, erschü††er† um 19:59:47 die E†age für Damenmode. Die Kameras suchen nervös die Gegend ab. Sie blicken auf die le†z†en beiden Kunden nieder, die Hand in Hand heraus eilen; doch außer ihnen finden die Augen nich†s.
Um 20:05:39 geh† das Lich† im Kaufhaus aus.

Mich stört, dass der Schuss nicht als Schuss erkannt wird, dass der Selbstmord nicht entdeckt wird. Das erscheint mir wiederum etwas unrealistisch. Wenn in einem Kaufhaus ein Schuss fällt, dann werden sicherlich nicht nur ein paar Kameras - wie schon den ganzen Tag über – vor sich hin starren. Nein, dann werden alle im Kaufhaus aufgeschreckt durch die Gegend laufen, der Sicherheitsdienst wird die Etage betreten und man wird die Herkunft und die Ursache des lauten Knalls suchen und den Selbstmörder in seiner Umkleidekabine entdecken.

Und noch eine Kleinigkeit an dem Ende ist unrealistisch: nicht bereits fünf Minuten, nach dem die letzten Kunden das Geschäft verlassen haben, werden in einem Kaufhaus die Lichter ausgehen. Siehe "Über Fünf-Minuten-vor-Ladenschlusseinkäufer" von Muffin:

http://www.literaturforum.net/viewtopic.php?t=237

Da werden erst einmal Kassen geprüft und abgerechnet, da werden Regale und Auslagen aufgeräumt – UND AUCH die Umkleiden. ;-)
(ist das eine Novelle ? Ich tu mich bei meinen eigenen Textenimmer schwer das raus zu finden ... ~_~ )

Das ist eine Kurzgeschichte. Novellen sind a.) noch mindestens etwas länger und b.) meist etwas gebrochener und szenenreicher. Wenn du wissen willst, was Novellen sind/sein können, dann solltest du vielleicht mal "Der Rabbi von Bacherach" von Heinrich Heine oder "Rheinsberg" von Kurt Tucholsky lesen. Als bekannteste deutsche Novelle gilt "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff. Aber es gibt, soweit ich weiß, auch keine verbindliche Defintion, was jetzt eine Novelle ist und was nicht. Da streiten sich die Germanisten bis heute.

Soweit meine Meinung zu deiner Story. Zum Thema "Männer in der Abteilung Damenunterwäsche" – da hat mich deine Story beim ersten Lesen sofort an ein Liedchen eines alten Herrn erinnert. Ich glaub, das muss irgend so eine üble Zwangsstörung sein, dass ich immerzu und überall in diesem Forum Reinhard-Mey-Texte posten muss. :-D

Reinhard Mey
Neulich in der Dessous-Abteilung

Als gelernter Kavalier der alten Schule begleit‘
Ich meine Frau ins grosse Warenhaus von Zeit zu Zeit,
Und dann drück‘ ich mich auch nicht vor so heiklen Missionen
Wie dem Stöbern in diversen Dessous-Kollektionen.
Ich folge ihr diskret durch Schlüpfer und durch Mieder,
Und ich schlag‘ verwirrt errötend die Augen nieder.
In der Dessous-Abteilung, das spürst du beklommen,
Wirst du als Mann noch immer nicht so richtig angenommen.
Natürlich bin ich aufgeklärt und schwer emanzipiert,
Und trotzdem fühlst du dich als Kerl irgendwie deplaziert.

Und auch diesmal gerät der Damenunterwäschekauf
Für mich als Mitläufer zum reinsten Spiessrutenlauf.
Zwischen Hüfthaltern und Leibchen und Feinstrumpfhosen
Auf langen Plexiglasbeinen in merkwürdigen Posen,
Zwischen Stützkorsetts auf kopflosen Plastikrümpfen,
Sloggys und French Knickers auf gespreizten Körperstümpfen,
Vorbei am Unterleib mit abgetrenntem Schenkel,
Der einen Tanga trägt, nein, eigentlich mehr einen Schnürsenkel,
Bis zum liegenden Torso, der, Glitzerbody-bedeckt,
Dem Betrachter gleich das Himmelreich entgegenstreckt.

Und mich ergreifen Entsetzen und Mitgefühl zugleich:
Das muss ja schrecklich kneifen, da ist doch alles zart und weich!
Und erzähl mir nicht, dass diese winzigen sauteuren
Strings nicht ganz gewaltig in der Porille scheuern!
Und die Druckknöpfe und Haken, die an keinem Body fehlen,
Graben doch tiefe Kerben in die Familienjuwelen!
Und ich denk‘ bei mir: Wie locker, luftig, frei und lose
Hat‘s mein Südpol in meiner zeltähnlichen Feinripphose!
Und zu welcher Folter ihr euch Frau‘n versklaven lasst,
Nur weil es einem triebgestörten Modemacher passt!

Während ich noch über das Los der Frauen meditier‘,
Ist meine plötzlich weg, ich steh‘ allein im Revier.
Jetzt bin ich ganz verlor‘n, ich fang‘ nervös an zu zucken,
Mein Blick eilt starr umher, nur wohin soll ich jetzt gucken?
Seh‘ ich zu Boden, zur Decke mit unschuldiger Miene?
Oder aus dem Augenwinkel zur Umkleidekabine?
Guck‘ ich auf die Busen oder besser auf die Zwickel?
Egal wohin, gleich ha‘m sie mich als Spanner am Wickel!
Und ich spür‘, wie sich böse Blicke in meinen Rücken bohr‘n:
"Was hat der alte, geile Sacke in den Dessous verlor‘n?!"

In Panik bahne ich mir meinen Weg durch die Push-Ups,
Versteck‘ mich hinter Nachthemden, verhedder‘ mich in Straps,
Suche Halt in den BHs, die schon leer so ausseh‘n wie volle,
Ich strauch‘le - die Situation gerät ganz ausser Kontrolle:
Schon tritt ein spitzer Stöckelabsatz mich hinterlistig,
Und ein Schirm saust auf mich nieder: "Ey, du Wichser, verpiss dich!"
Also eh‘ ich mich hier von den Furien lynchen lasse,
Flücht‘ ich mit erhob‘nen Händen zu der Frau hinter der Kasse!
Ich erklär‘ ihr meinen Fall, sie lächelt mütterlich,
Flüstert was ins Telefon, und kurz drauf höre ich:

"Der kleine, grauhaarige Reinhard hat sich in unserer
Damen-Unterwäsche-Abteilung eingefunden. Er ist etwa 60 Jahre alt
und möchte jetzt an der Kasse im Ladies-World aus dem Dessous-Paradies
abgeholt werden!"

Re: Dirk H. ?

Verfasst: 14.07.2004, 17:11
von razorback
Oh, bravo, bravo, bravo, Birdy. Das nenne ich mal einen sehr gelungenen Text. Der Schluss ist gut, sehr gut sogar, allerdings ist der letzte Satz, wie Dirk schon sagte, unlogisch. Erstens gehen die Lichter nicht so früh aus, zweitens würde das Personal sicher noch einmal die Kabinen abgehen...

...oder nicht? Deine grossartige, auf und auf lobenswerte Personifizierung der Kameras gibt dem ganzen eine fast schon Dicksche Dimension (ich habe kaum ein grösseres Lob für Texte mit futuristischem Einschlag zu vergeben). In einem Laden, in dem das menschliche Personal dermassen reduzirt ist, wie Du es hier schilderst, haben Menschen vielleicht gar keine Kontrollfunktion mehr. Vielleicht kontrollieren da wirklich nur noch die Maschinen. Doch, ich bin bereit,, das so hinzunehmen.

Was aber ist das Thema dieser Geschichte? ich bin nicht sicher und ich bin glücklich, dass Du es offen lässt. Ich mag es, wie ich schon öfter bemerkt habe, wenn ich selber denken darf und mir die Autorin nicht alles vorschreibt. Ich sehe zwei mögliche Themen: Entweder dies ist ein guter Text über das verlassen werden und verlassen sein. Sehr subtil, sehr angedeutet, mit grosser Symbolik, sehr gut.
Oder aber, es ist einer der besten Texte über Voyeurismus und Fetischismus, die ich je gelesen habe. Bewundernswert in seiner Zurückgenommenheit und genauen Beobachtung. Eine fast schon unglaubliche Leistung für eine Autorin Deines Alters. Such's Dir aus, sehr gelungen ist er so oder so.

Die Atmosphäre und Personifikation der Kameras hat Dirk schon erwähnt, ich habe da wenig hinzuzufügen - klasse. Was mir auch sehr gefallen hat ist der starke gebrauch des Wortes "manchmal". Üblicherweise nur eine Verlegenheitslösung, wird "manchmal" hier zu einem zentralen Begriff, der die Atmosphäre der Ungewissheit und Hilflosigkeit trägt. Auch die Gegenüberstellung von Maschinen und Menschen, in denen die Maschinen als starker Gegensatz zu den immer schwachen Menschen erscheinen ist grossartig. Für alle Leute, die meinen ich hätte was gegen Adjektive generell: NEIN! Alleine die Art, wie Birdy hier Worte wie "verlegen", "vorrsichtig" oder "andächtig" einsetzt, sollten sich die Adjeltivinflationisten mal ganz dringend zu Gemüte führen. Wenn man es kann, sind Adjektive etwas ganz Wunderbares. Aber man muss es eben können. So wie KV.

So, ein weniig zu motzen ahbe ich aber dennnoch (wie immer ;-) ):

Doch meis† zeigen die Uhren auf 16:11:23 wenn seine Füße das Kaufhaus be†re†en.


Also... Pars pro Toto kann auch daneben gehen. Das hier klingt etwas witzig, so, als bliebe der Rest von ihm draussen.

Er fähr† die Roll†reppe hoch, in den ers†en S†ock will er. Die Kamera schau† ihn nach.


Er zieh† sich seine Lederhandschuhe aus und s†reck† seine Hände nach einen Bügel aus.


IhM und eineM, bitte!

beim unun†erbrochen Verfolgen der Kameras


Wer verfolgt denn die Kameras?

sie s†reifen durch Regale


...und niemand tut was dagegen? Sieht bestimmt lustig aus :-D

Ausserdem benutzt Du zuweilen sehr umständliche Passiv- und Genitivkonstruktionen ("wurde von...").

Aber all das ist Nebensache. Du hast hier einen verdammt, guten Text geschrieben. Vielleicht weisst Du selbst nicht, wie gut - Du scheinst Dir über all die Möglichkeiten, die er bietet selbst nicht ganz klar zu sein. Vielleicht solltest Du noch mal ganz in Ruhe darüber nachdenken und dann sehr, sehr behutsam daran arbeiten. Es könnte ein Meisterstück werden.

Re: Dirk H. ?

Verfasst: 27.07.2004, 21:21
von vogel
Hallo ihr Zwei,

euer gestresster Ferienvogel meldet sich auch mal wieder zu Wort. :-)

Also, vielleicht hat Razor echt recht. Vielleicht kann ich das potenzial dieses Textes nicht erkennen. Ich mag ihn persönlich auch sehr gern. Es war einer dieser Text, wo fast jeder Satz in meinem Hirn stand – nur am Ende klaffte ein Loch ... Ich schreibe so selten Prosa (ich habe drei Prosatexte oder ?), und irgendwie komm ich da nicht mit den Füßen auf den Boden ...

Etwas was mich unglaublich stört ist :
Lack auf Leder.
Das werde ich auf jeden Fall streichen. Das ist so abartig für mein Junges Gemüt – was hat das da zu suchen ?

Aber ansonsten. Also wenn ich hier nicht aufpasse ... Ich glaube eine Pfeile muss auch mal reichen um den Text zu verstümmeln. Und nicht die Kettensäge .... *räusper*

Das Problem ist ja auch, dass ich mir selbst nich sicher bin, ob in dieser Welt noch Menschen hinter den Bildschirmen sitzen oder irgendwelche Robots. (.... „ I, Robot “ > Wink mir dem Zaunpfahl ? Wann kommt der eigentlich ins Kino ?) Sollte ich die Kassierin auch durch nen Maschinchen ersetzen ? Aber damit hebe ich dann ganz und gar vom Boden ab .. (Mensch ich bin ein Vogel, dass muss so sein :-D )
Ich weiß selbst nicht was da abgeht. Wenn ich den Text bei Nacht lese, macht er mir auch Angst ... Scheiß Zukunftsvisionen ....

Und noch eine Kleinigkeit an dem Ende ist unrealistisch: nicht bereits fünf Minuten, nach dem die letzten Kunden das Geschäft verlassen haben, werden in einem Kaufhaus die Lichter ausgehen.
Ach, weiß ich doch. Mein Vater arbeitet schließlich im Einzelhandel und seit dem die Arschgeigen aus der Verwaltung sich eingebildet haben, dass die Deutschen auch noch bis 20.00 einkaufen dürfen, und dass von Montag bis Samstag (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!). Er ist dann also noch ne halbe Stunde in dem Puff von Laden, kommt er dann erst um 21.00 nach Hause, wenn wir mal Glück haben (er braucht 1/2 h nach hause .. ) ... Und ich muss dann mit seiner schlechten Laune leben. Inzwischen warte ich ja nur noch drauf, dass der Sonntag endlich unheilig wird. Mensch, kapieren die das denn nicht ? Wir müssen doch 7 Tage die Woche einkaufen können ! Vielleicht ändert sich das Wetter ja noch, dann brauchen wir aufm Sonntagabend noch Frischfleisch ! Und für die Suffies wärs ja auch nicht schlecht ...
:vomit:

Aber ich frage mich, will ich denn als Autor dieses Textchens denn eigentlich, dass sie den Armen Kerl finden ? Wie er da aufgequollen und von Blut umgeben auf dem Linoleum er Kabine liegt ? Auch frage ich mich, ob der Schuss nicht vielleicht zu auffällig -- generell gesehen -- ist. In mein Köpfchen bewegt sich die Frage, ob nicht was anderes Realistischer wäre ... Erhängen ist mal schlecht im Kaufhaus. Und tot trinken ist da schlecht im Kaufhaus, ebenso wie tot fahren ...Bleibt noch Pulsadern aufschneiden ?
Ich weiß nicht recht. Alles zu ungenau. In meiner ersten „Vision“ (Zu wie viel Prozent war ich Psychopath ? 54 % ? ) erschießt er sich. Ich denke dabei bleibe ich auch.
Das ist alles so kompliziert -- wenn man die Welt die man selbst erschaffen hat, nicht mal versteht .....

Das ist eine Kurzgeschichte
Ich weiß, aber es war spät und ich nicht bei Sinnen :-D In der Schule bekam meine Generation noch eingebläut was eine Novelle ist ... Ich war wegen den Kameras als Dingsymbole irritiert ...

Ich glaub, das muss irgend so eine üble Zwangsstörung sein, dass ich immerzu und überall in diesem Forum Reinhard-Mey-Texte posten muss.

Du Psychopath ! Wie war das gelb-SUCHT ?! Mein Gott, wenn meine Eltern erfahren, mit was für Menschen ich mich abgebe, die lassen mich nicht zum DLC in drei Wochen. Hoffentlich kann ich das bis dahin geheim halten ... :-D
Aber der Text ist schon geil ... :lachen:

sie s†reifen durch Regale
...und niemand tut was dagegen? Sieht bestimmt lustig aus :-D
Den versteh ich mal wieder nicht ...



Okay, meine Lieben, ich danke euch, fühlt euch ge- :herz: -t !
Greetz,


b i r d y