In den besten aller Republiken - Verteilungskämpfe nicht nur vorm Terminal 2025 bis November

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Pentzw
Pegasos
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In den besten aller Republiken - Verteilungskämpfe nicht nur vorm Terminal 2025 bis November

Beitragvon Pentzw » 30.04.2025, 17:14

24.02.2025

Symbolische Zufälle? Ich bin dazu übergegangen, das Deutschlandticket zu kaufen, als mein Hausverbot für die Bahnhofshalle Nürnberg ausgelaufen ist und ich wieder ziemlich frei gewesen wäre, für meine Mobikarte Mitfahrer acquierieren zu können.
Mittlerweile sieht man kaum mehr einen Anwerber im Bahnhof. Die Zeit der Mobikarte-Mitfahr-Geschäftsmodells ist ausgelaufen, das Deutschlandticket bindet zu viele Bahnfahrer, als dass die Mobikarte noch genügend freie Mitfahrer ansprechen könnte.
Selbst der Ägypter, der letzte, der es nötig hatte, Leute anzusprechen und sich etwas Geld zu verdienen, ist nicht mehr zu sehen.
Der aller letzte Mohikaner ist ein bärtiger Mittelfranke, der mehr herumsteht als Leute anspricht, man weiß nicht, was er überhaupt will. Er war derjenige, der mich mal angehauen hat, von wegen dass ich ein Pädophiler wäre, weil ich so gut mit jüngeren Menschen umgehen konnte, wie es den Anschein hatte. Diese Fähigkeit zeigt sich heute, in dem ich jüngeren Menschen Nachhilfeunterricht gebe. Der alte Mann, so muss ich ihn leider titulieren, hat damals schon nicht mehr die Welt verstanden, heute ist es zu offensichtlich. Interessant ist trotzdem, dass er ein höchst beachtenswertes Relikt alter Zeiten ist, habe ich ihn doch letztens total vertieft ins Zeitungslesen gesehen. Wer dies heute noch tut, ist mindestens ein Intellektueller.

10.04.2025

Immerhin habe ich meine tschechischen Rentenansprüche zugesprochen bekommen, wenn auch erst nach eigenständigem zweimaligen nachfragen. Allerdings bekomme ich nur vom Niveau der tschechischen Lebenshaltungskosten her berechnet das Entgelt, also für hierzulande sehr mau.
Je ne regrette rien.
Statt Mobikarte jetzt Deutschlandticket und jedes erreichbare Museum wird besucht. Das hat auch sein Gutes.


05.05.2025

Mittlerweile treibt es mich wieder auf die Schiene. Das liegt nicht an den Frühlingstagen. Selbst mit meinen durchschnittlich 300 Euro pro Monat zusätzlichen Honorareinnahmen durch Nachhilfe komme ich nicht mit den "costs of living" zu Potte. Ich verwende den englischen Ausdruck, um zu verdeutlichen, dass dies ein internationales Phänomen zu sein scheint. Amerikaner, angelsächsische Zufallsbekanntschaften klagen allenthalben. Wer verdient sich damit eine goldene Nase?
Vor nicht allzu langer Zeit hörte man noch reiche Mittelstands-Gutmenschen reden: "Ich bin mir sicher, dass es dem Konsumenten nichts ausmachen wird, wenn er ein paar Cent mehr für das Fleisch bezahlt, damit dies den Landwirten seinen Nutztieren zugute kommt." (Ich entschuldige mich nicht mehr für süddeutsche Grammatik!) Außerdem würde die Wurst hierzulande viel zu billig ausgepreist (sagt man das so?), bei dem, was es Kosten und Umstände verursacht (oder wonach sonst die Preise kalkuliert werden).
Diese Worte klingen mir heute wie purer Hohn im Ohr - und zwar wortwörtlich gemeint, sind sie mir inzwischen doch zum nervtötenden Ohrwurm geworden.


05.05.2025

Die letzten drei Jahre richtig gearbeitet, so dass ich nicht herumfahren musste.
Eineinhalb Jahre sogar festangestellt, sprich sozialversichert gewesen, das letzte Jahr dann Honorartätigkeit in meinem ursprünglichen Beruf, der des Lehrers, wenn auch nicht in meinem Fach, Deutsch, sondern in Mathe, für das ich völlig neuen Stoff lernen und mich vorbereiten musste. Long Life learning. Bringt auf jeden Fall Sinn ins Leben.
Wie komme ich dann wieder auf den sozusagen altbekannten Abweg?
Das erste Arbeitsverhältnis endete nach einem Jahr, in dem die Vorgesetzte den Vertrag nicht verlängert hatte. Warum nicht? Außer Acht lassend der Lügen und Vorwände wohl deshalb, weil ich mir erlaubt habe, unerlaubt einen zuständigen, wohl sehr nah am Chef posititionierten Buchhalter anzurufen, um eine Reparation zu erheben. Ich hatte eine Lieferung nach England mit über 60 Euro getätigt, die postwendend wieder zurückkam, weil falsch frankiert oder was immer. Ich war erst wenige Wochen im Dienst, als dies passierte, sprich nicht eingearbeitet und fühlte mich überrumpelt. Hätte ich gewusst, wie schwierig die Versendung nach UK werden könnte, hätte ich den Auftrag abgelehnt. Doch der Versender wollte sein Geld wieder zurückhaben, als er die Post zurückerhielt und zwar von mir. In meiner Güte gab ich ihm das Geld und in der Hoffnung, es von der Firma wieder ersetzt zu bekommen. Aber Pustekuchen, Reklamationen waren in diesem Bereich, der der Post, nur innerhalb einer Schicht des zuständigen Mitarbeiters möglich. Aber dass ich etwas falsch gemacht hatte, stellte sich erst am nächsten Tag heraus. Ergo: die Frist zur Reklamation war abgelaufen. Zum anderen konnte ich auch als Neuling noch nicht alles wissen. So forderte ich den Betrag von diesem Tschechen, einen Buchhalter und dafür zuständigen Mitarbeiter, zurück. Aber der sträubte sich wie eine Jungfrau.
Mein Vorgehen wurde der Vorgesetzten zugetragen, offenbar nichts Genaues, nur dass der hohe Mitarbeiter sich wohl pikiert gezeigt und gefühlt hatte, dass ich von ihm Entschädigung gefordert habe, was ich mir gut vorstellen konnte, schließlich war meine Rückforderung mit dem indirekten Vorwurf verbunden, dass die Firma doch dafür Haftung zu übernehmen habe und das Geld dem neuen Mitarbeiter ersetzen sollte. Aber mein Ansinnen war nun derartig abwegig, unverschämt und ehrrührig, dass es zu keiner Weiterbeschäftigung und Verlängerung meiner Beschäftigung gekommen ist.
Prekäre Arbeitsverhältnisse ist der Technicus Termminus. In diesen Arbeitsverhältnissen sind übrigens kaum Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert. (Ich befürchte, dass dies seinen Grund in der Struktur hat - ich lass diese Aussage einmal so vage und flapsig formuliert so stehen.) Das hat zur Folge, dass man sich bei Schwierigkeiten nirgendwo einen unbezahlten rechtlichen Beistand einholen könnte. Ich glaube, bei der Berufsgenossenschaft vielleicht, aber mache dies einer einmal, außer dass es eine Ochsentor darstellt, sind die Behörden und Verwaltungskonklomerate gleich welcher Art leider erfahrungsgemäß schmerzlich arbeitnehmerfeindlich. Man ist kurzum völlig auf sich selbst gestellt.
Was das heißt exemplifiziert an einem weiteren Beispiel.
Es sind ein Pack Lose geklaut worden. Offenbar vor der Nase einer kurz vor mir beschäftigten Kollegin, denn ich habe das Fehlen keine halbe Stunde angezeigt.
Nun kommen mehrere merkwürdige Umstände zum Tragen.
Es ist nun nicht klar, ob ich der Schuldige bin, gar der Dieb, oder die Kollegin. Für letztere spricht, dass vor wenigen Tagen auch in dem Wechsel einer Schicht von ihr und der dritten Kolleginnen etwas entwendet worden ist. Die Kollegin ist von daher dringend tatverdächtig. Ich glaube, sie hat schon damit gerechnet, dass sie entlassen wird, weil ihr wenige Monate vorher die Geschäftsleitung entzogen worden ist. Sie war auch die einzige, die sich gegen ungerecht empfunden Arbeitsverhältnisse gewehrt und ständig gemault hat.
Dass sie es hinwiederum nicht gewesen sein kann, spricht der Umstand, dass wenige Tage in einer anderen Filiale der gleich Diebstahl mit den Packen Losen geschehen ist.
Nun, die Chefin sagt schlicht: Ihr sei das egal, wer es geklaut hat, ich oder die Kollegin, ich solle mich mit dieser einigen. Doch diese, gar nicht dumm, informiert sich: Diebstahl müssen nicht die Beschäftigen kompensieren, sondern die Geschäftsleitung. Es ist wohl schwer anzunehmen, dass diese Rechtslage die langjährig tätige Vorgesetzte auch gewusst haben dürfte. Aber sie stellte sich dumm, wollte die Unwissenheit, Gutgläubigkeit und Harmoniebedürftigkeit der Angestellten (nämlich meiner) ausnutzen. Da die widerspenstige Kollegin jedoch auf ihr Recht pocht, muss die Geschäftsleitung für den Schaden aufkommen. Ich kenne mich nicht aus, aber wahrscheinlich ist die Firma auch gegen Diebstahl versichert. Aber wenn ein Diebstahl bei der Versicherung angezeigt wird, könnte natürlich wie bei Kfz-Versicherung die Versicherungsrate in die Höhe schnellen. Oder war es ihr zu mühselig, den erforderlichen Papierkram auszufüllen?
Jedenfalls war ich wieder arbeitslos. Aber nicht lange.
Ich bekam einen gleichen Job bei einer renovierten Tankstelle vor Ort.
Der Chef, ein rühriger, lieber Kerl, zumindest in seinem hohen Alter nun, stand auf Abruf: In wenigen Monaten würde er die Pacht der Tankstelle quittieren und in den Ruhestand gehen. Seine Frau, ebenfalls in der Filiale tätig, hütete bereits das Haus wegen eines Schlaganfalls.
Ich verstand mich mit dem Chef sehr gut, er erzählte so manche kuriose Story aus seinem relativ interessanten Leben. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen war ebenfalls exzellent, es waren ziemlich normale Menschen, was man bei den Kolleginnen der vorhergehenden Beschäftigung leider mitnichten sagen konnte. Zwischendrein, zwischen Schichtwechsel, Abendrushhour und sonstigem starken Andrang hatte man Zeit, sich mit sich selber zu beschäftigen, ein Juwel an Arbeitsplatz: Zeitungsschmökern, Rätsellösen und Bücherlesen - es hätte bis in alle Ewigkeit ruhig in diesem gemächlichen Trott weitergehen können.

Nun, mit meinem neuen Chef verstand ich mich gut.
Er hatte eine Stieftochter, die schrieb, also von Schreiben so leidlich existieren könnte, allerdings nur mit sehr freundlicher Unterstützung des gut verdienenden Schwiegervaters. Ihr Geschreibe war für mich nicht zu verdauen: meist Phantasy-Romane, von denen ich ohnehin kein Fan bin. Ein Buch in Kooperation mit einem syrischen jugendlichen Flüchtling geschrieben - ist das nicht eine zündete Idee!? - schaffte ich allerdings nicht, bis zum Ende zu lesen: pars pro toto.


07.05.2025

Herumfahren macht wieder wahnsinnig Spaß, vor allem die Bekanntschaften mit den vielen unterschiedlichen, fremdländischen Menschen. Da es meist Erwachsene sind, verbieten sich fast keine Fragen, v. or allem nicht, was meine Lieblingsbeschäftigung anbelangt: die zum kulturellem Hintergrund und insbesondere die Muttersprache. Das ist der Unterschied zu jüngeren Menschen, ich denke dabei an die Schüler, die unter einem Anpassungsdruck stehen, der ihnen gebietet, ihre Muttersprache zu kaschieren und damit nicht ihre weniger guten Deutschkenntnisse preiszugeben.
Ich habe wieder Lust, Musik zu machen - diese Leidenschaft ist mir in letzter Zeit flöten gegangen, seitdem ich vor allem Nachhilfeunterricht nonstop gegeben habe. War schon anstrengend offenbar.

08.05.2025

Gestern eine US-amerikanische Philosophieprofessorin im Zug kennengelernt. Sie würde meine Literatur-Englisch-Übersetzungen durchsehen, evtl. verbessern und sich deswegen gerne mit mir treffen. Nachdem ein Gymnasiallehrerfreund die Durchsicht dieser meiner deutsch-englischen Stories/Kürzestgeschichten mit windigen Argumenten (der Übersetzer müsse Nativ-Speaker sein) abgelehnt hatte, ist dies ein erfreulicher Lichtblick.
Sie las zuerst einmal meine auf meiner Homepage veröffentlichten dt-engl. Liebesgeschichten, bevor sie mich zu einem weiteren Treffen einlud. "Ich mag Ihre Stories, so etwas wie konzeptionelle Kunst." Ich verstand nicht, inwiefern dies zuträfe, habe überhaupt nicht verstanden, was dies sein soll, um ehrlich zu sein. sie schickte mir einen Screenshoot, das irrtümlicherweise von einer Shortstory nebeneinander zwei Versionen aufwies. Was habe ich mir dabei gedacht? Wahrscheinlich wollte ich mich meine Übersetzungsfähigkeiten prüfen oder von beiden Möglichkeiten der Übersetzung die Rosinen herauspicken, bevor ich auf halben Wege die Lust verlor. Wie auch immer. Da sieht man mal, das originelle Kunst auch auf ein Missverständnis beruhen kann.
Im Nachhinein zu diesem Treffen denke ich: Was war das für eine Akademikerin? Verstand nicht einmal das französische: Je ne regrette rien! I dont regrette musste ich ihr übersetzen. Dieses Bild der amerikanischen Professorin, Akademikerin höchsten Grades, höher geht es nicht mehr, nämlich Lehrstuhlinhaberin entspricht dem stereotypen Klischee des Amerikaners: ein Banause durch und durch. Aber, wie gesagt, das bei einer Professorin!? Mir erschien das einen Tag später sich ereignende Schiffsunglück an der Brooklynbridge symptomatisch, grins.
Höchst eigenartig fand ich, dass sie so von AI schwärmte, die die menschliche Intelligenz ersetzen könne. Vor allem auf das Phänomen "schwarze Box" referierte sie. Diese besagt, dass selbst die Software-Entwickler überrascht davon sind, was von einer AI herauskäme, also etwas Selbstständiges, Nicht-Vorhersehbares, gar Intelligenteres als der Mensch imstande ist zu generieren. Glauben jetzt die neuen Naturwissenschaftler an den Heiligen Gral, an Hexerei oder wie oder was?
Einmal sagte sie: "Die Soziologen sind wirklich nicht so intelligent wie die Naturwissenschaftler." Sie hat sich selbst aufgespießt damit, weil sie ja auch Geisteswissenschaftlerin ist, womit sie den Beweis ihrer Aussage geliefert hat.

20.05.2025

Stets musste ich sagen: „Dann haben Sie wenigstens 2.50 gespart.“ Der Betrag ist doch sehr geringfügig, fast nicht der Rede wert. Doch ich muss es erwähnen. Es beruhigt mich, mein schlechtes Gewissen, die Kunden ausgebeutet zu haben, es rechtfertigt meine hoch angesetzte Taxe (obwohl sie es nicht ist.) Außerdem und schließlich muss bedacht werden, dass die Kunden sich die Mühen der Bedienung des Terminals und dessen kryptischen Ticketmenüs gespart haben, ganz zu schweigen von der anstandslos schnellen Dienstleistung zum Gleis und zum abfahrenden Zug chauffiert worden zu sein. Aber trotzdem, ich habe doch stets ein schlechtes Gewissen! (katholische Erziehung: das schäbige Mammon!)

Exkurs zur Beschäftigung zur Nachhilfe für Schüler

26.05.2025

cogito ergo dumm

Bei der Nachhilfe bin ich gescheitert.
Meine Ungeduld war das Problem.
Es hat mich genervt und unruhig gemacht, dass die Schüler denselben Stoff über Monate wie die Kuh nach der Fütterung widergekaut haben. Ich weiß, ich bin ein guter Nachhilfelehrer, wenn es um 1 zu 1 Nachhilfeunterricht. Das wurde mir schon von vielen nachgesagt und über drei Ecken mitgeteilt. Nachhilfelehrer, Trottoir-Kehren, das ist was ich mit Sicherheit kann - lach!
Aber nun bei diesem Nachhilfe-Institut. Ein gutes Jahr ging es ja gut, aber dann habe mich gefragt und gesagt: sind sie es die Schüler nicht leid, die immer gleichen Gleichungen/Ungleichungen mit einer Variablen zu lösen? Selbst nach einem halben Jahr änderte sich weder das Niveau noch der Stoff der Aufgaben – es war zum Verzweifeln!
Ich war ja selbst ein schlechter Schüler – aber jetzt bin ich einfach zu ehrgeizig, scheint´s! Wahrscheinlich haben sich die Rahmenbedingungen der Eltern mittlerweile radikal geändert. So hat es vor noch zwanzig Jahren nicht derartig viele Nachhilfeinstitute gegeben wie mittlerweile.
Die Eltern, besonders die Mutter, steht in unserer heutzutage unter dem Druck, möglichst frühzeitig wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen, wenn sie ein Kind zur Welt gebracht hat. Nach der Geburt, spätestens nach der Elternzeit müssen die Kinder so bald wie möglich ab in die Kita. Danach Schule, die oft um 13 Uhr schon endet. Das Kind allein zuhause herumsitzen zu lassen, nein. Zudem verlorene Zeit, also zu uneffektiv. Man schickt sie in ein Nachhilfeinstitut, (Geld hat man mit der Berufstätigkeit beider Eltern genug), wo es von der Straße, dem Fernseher und dem Internet gebracht worden ist. Es ist zudem nicht mehr alleine und es lernt etwas, zumal soziale Kompetenz, wenn schon nicht Kognitives (was ich befürchte, es nicht tut). Die Nachhilfeeinrichtung steht unter kaum einen Leistungsdruck, so können die Kinder dort ihre Zeit vertrödeln - ist ja auch etwas wert. Manche kommen zwei-, dreimal die Woche dorthin, weil sie wahrscheinlich so unter Leistungsdruck stehen, dass sie sich dieser langweiligen Tour aussetzen. Besser sich langweilen statt sich schlechtes Gefühl hingeben zu müssen.
Ich weiß nicht, ob das eine beneidenswerte Jugend ist und es nicht sinnvoller und schöner wäre, da sie in dieser Einrichtung ohnehin kaum etwas lernen, in der Natur draußen herumzustreunen, mit dem Fahrrad an den nächsten Baggerweiher zu fahren oder Skateboard oder meinetwegen durch die Straßen der Stadt zu schlendern. Aber die Eltern wollen dies wohl nicht, sie bilden sich ein, wenn ihr Kind in einer solchen "Lernstätte" verweilt, wird er wohl mindestens eine Note besser nach Hause bringen.

Ich bin jetzt dazu übergegangen, weil ich noch Schüler habe, wenn auch reduziert, den Odysseus-Sirenen-Trick anzuwenden, indem ich anstelle mich ausschließlich den Schülern zu widmen, mich auf Distanz halte und Fotographien von zu malenden Sujets mit Bleistift aufs Papier zeichnet, welche ich dann mit einem Graphitistift auf eine Leinwand blaupause, um daraufhin mit Acryl oder/und Öl ein Bild zu malen. Zwei davon sind mir schon sehr gut gelungen.
Also, momentan fotographiere ich viel, kopiere die Fotos als Zeichnung auf ein DIN-A-3-Zeichenblock-Papier und dann auf Leinwand mit einem Graphitistift, um daraus Farbbilder zu machen.
Oder ich scanne sie auf den Computer, integriere es in ein Zeichen-Programm des Computers, bearbeite es damit und veröffentliche es.
Da das Abzeichnen langwierig und mir ansonsten mühselig erscheint, ich den Nerv dafür nicht aufbrächte, weil ich mir einbildete, ich könnte etwas besseres mit meiner Zeit anfangen, mache ich dies ausschließlich, wenn ich Unterricht habe. Da ich den Schülern nicht zu sehr zu viel abverlangen will und da das Zeichnen ein guter Weg ist, mich zurückzunehmen und auf Distanz gehen zu können, mache ich aus meiner Schwäche ein Stärke und betätige mich produktiv, langfristig kreativ.
Odysseus, ich liebe die Sirenen!

Meine Stellungnahme der Einrichtung gegenüber will ich hier wiedergeben, weil mich die Sache noch sehr beschäftigt und auch quasi-typische Verhaltensweisen von Schülern in Nachhilfeeinrichtungen widerspiegelt, besonders die sogenannten Lese-Schreib-Schwachen

Stellungnahme zu Schülernachhilfe

Ich übernahm vor wenigen Monaten zwei Gruppen von Frau Julia U.
Eine Gruppe bereitete in dieser ersten Stunde Schwierigkeiten. Zum einen waren sämtliche Schüler unruhig, zum anderen hatte ich mit einem besondere Schwierigkeiten. Sein Name ist Adrian X (beim Familiennamen bin ich mir nicht sicher).
Er reagierte auf alle meinen Verbesserungsvorschläge brüsk. Er wollte Englisch lernen, aber seine Schreibweise entsprach nicht der lateinischen Norm, siehe Hamburger Lateinische Schrift. Ist es egal, ob man kleines l und großes L beliebig schreibt, um eine Fremdsprache zu lernen, insbesondere Englisch? Englisch kennt keinen Unterschied zwischen Groß- und Kleinschreibung, zumindest meistens, Ausnahmen bilden Eigennamen. Darüberhinaus waren noch weitere Buchstaben nicht eindeutig schriftlich wiedergegeben. Zum Beispiel: kleines n sollte h sein. Ich versicherte mir vom Schüler, welche Bedeutung der jeweilige Buchstaben haben solle und er entsprach nicht der Norm.
Diese Fehler sind keine legasthenische, also Schreib- und Leseschwächen, sondern beruhen auf der Übereinkunft einer Norm, wie gängigerweise die Buchstaben zu schreiben sind. Der Schüler wollte jedoch meine Korrekturen partout nicht akzeptieren.
Nach Ende der Stunde erschien er mit seinem Vater in der Einrichtung. Dieser beschwerte sich, dass sich sein Sohn unrecht behandelt fühle. Ich versuchte ihn meine sachlichen Einwände darzulegen.
Der Vater: „Er muss Englisch können. Mehr will ich nicht.“
Man könne nicht eine Sprache lernen, wenn man nicht wisse, wie die Wörter geschrieben sind. Und überhaupt, müsse man die Buchstaben richtig schreiben.
Der Vater: „Das ist nicht wichtig. Nur Englisch muss er lernen.“ Außerdem, sein Sohn habe anerkannte Legasthenie, von zwei Seiten bzw. Fachpersonal der Schulbehörde attestiert.
Was immer man unter dieser Lese- und Rechtschreibeschwäche verstehen mag, Buchstaben richtig oder falsch zu schreiben, dürfte wohl darunter nicht fallen. Ich kam mit dem Vater nicht überein, er beharrte darauf, dass sein Sohn Recht habe und eine Sonderbehandlung genießen solle. Seine Schwäche signalisierte, dass er bei Anforderungen als Lehrer nicht überfordert werden wollte und es qua seiner "Schwäche", sprich Behinderung nicht können kann.
Diese gewährte ich ihm, weil er auch jeden Verbesserungsvorschlag und sogar angebotenen Lernhilfe ablehnte. Er beschäftigte sich fast ausschließlich mit sich selbst und seinen mitgebrachten Unterlagen.
Das Problem war damit aber nicht gelöst, weil er andere auffällige Verhaltensweisen zeigte. Der Schüler redete ständig und stichelte insbesondere gegen eine andere Schülerin aus dem Gymnasium, von wegen warum sie Latein lerne, diese tote Sprache bräuchte man doch nicht mehr. Darf man diese Bemerkungen dulden? (Oder sehen dies die Vertreter der Einrichtung anders?) Der Schüler konnte alles tun, was ihn beliebte oder nicht, also nicht ernsthaft lernen, er hatte schließlich den Rückhalt seines Vaters und der offiziellen Attestierung, schreib- und leseschwach zu sein.
Einträge anderer Lehrer, die mit ihm zu tun hatten, bestätigen im übrigen die Schwierigkeiten, die auch ich mit ihm hatte.
Der Vater erschien noch einmal in der Einrichtung, redete allerdings nicht mit mir, aber ich vermute, er wollte, dass sein Sohn in einen anderen Kurs verlegt bzw. einen anderen Lehrer bekäme.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich Eltern gerne von der Schulbehörde eine Lese- und Rechtschreibschwäche für ihren Schüler attestieren lassen, um sich um so besser auf Mathematik, das das goldene Fach mittlerweile ist, konzentrieren zu können. Der Schüler ist mit seiner "Schwäche" vom Schulstress entlastet, den andere aber tragen müssen.
Dass dieser Schüler zudem in der Realschule war, erkläre ich mir nur, dass er sich nicht auf das richtige Schreiben und Lesen konzentrieren musste und so die erforderlichen Noten in den anderen Fächern bekam. Von seiner Fähigkeiten her jedoch wäre er besser in einer Haupt- oder Förderschule aufgehoben gewesen. Aber die Eltern sind derartig engagiert und kümmern sich um ihren Sohn als Schüler, dass er nicht sozial deklassiert ist und vom Sozialen Status her in eine untere Schulliga absteigen muss.
Andere Bundesländer als Bayern haben diesen Legasthenie-Freifahrtschein eingeführt und wieder abgeschafft.
Ist diese Legasthenie nicht so etwas wie die soziale Hängematte des Schulsystems?

Am unangenehmsten war mir eine Schülerin, 12 Jahre alt, und Rumänin. sie akzeptierte mich von Anfang an nicht. einmal blämte sich mich mit der Aussage, die Deutschkorrektur vom letzten Mal hätte die Überprüfung ihrer Lehrerin nicht standgehalten.
Perplex wusste ich dazu nichts zu sagen.
Bei einer meiner letzten Lehrertätigkeiten, hier Erwachsene, beschwerte sich gleichfalls eine Rumänin über mich bei der Leiterin der Volkshochschule.
Das Selbe ist mir zu Anfang meiner Fremdsprachenlehrer-Laufbahn mit einer anderen, diesmal Kollegin passiert, die aus Rumänin kam. Ich würde Deutschsprache-Fehler machen. Wenn ich aber Hilfe bräuchte, dürfte ich mich gerne an sie wenden. Diejenige, die diese Fehler im Unterricht festgestellt hatte, war eine rumänische Schülerin gewesen, eine Ärztin. Bin ich da in das Zielfeuer einer rumänischen Seilschaft geraten?
Last but not least die letzte äußerste unangenehme Konfrontation mit einer Vorgesetzten Rumänin, die allerdings auf eine Intrige einer deutschen Kollegin hin, mich im hohen Bogen entlassen hatte, mit einem Stil, der äußerst unangenehm war, nämlich ohne Rücksicht auf andere, zumal Schüler und Schülerinnen. Das das auch etwas Zivilisierter geht, ohne dass einem Hören und Sehen dabei vergeht, lag offenbar weit außerhalb ihrer kulturellen Fähigkeiten.
Zwar gibt es keinerlei Gründe wegen dieser nationalen Zuschreibung beschämt und berührt zu sein - es waren nun allesamt Rumänin und natürlich es gab auch Begegnungen mit Arschlöchern anderer Hintergründe, wenn auch nicht und das ist entscheidend, im wiederholten Falle, - weil es sich nun einmal um eine Tatsache und um Fakten handelt, dennoch bin ich beschämt, dies hier aufzusetzen und aufgelistet haben zu müssen.

29.05.2025

Bekannte Gesichter.
Rollmops, der ukrainisch-deutsche Jude hat sich einen dichten, das ganze Gesicht verdeckenden Vollbart wachsen lassen, grüßt mich mittlerweile wieder, wahrscheinlich wegen des langen Zeitabstands, lebt meistens im good old Bimbam und holt sich vom Floristen an Bahnhof leere Pfandflaschen, um ein paar Kröten in die Tasche zu bekommen.
Die Volljuristin ist munter beim Flaschen sammeln und klagt über hartnäckige Konkurrenz von Bahnbediensteten gleichfalls als Zubrot Sammelnder. Werden die mittlerweile so schlecht bezahlt?
Thomas, alias Nemo, ist schwer gezeichnet, seine ehemals ranke Gestalt wirkt sehr grobschlächtig und behäbig, fast quasimodo-ähnlich, nimmt einem gar nicht mehr wahr, sobald man auf der Spielfläche erscheint. Er scheint in seiner eigenen Welt zu leben.
Der Ägypter ist auch nur noch selten zu sehen, aber noch aktiv.
Nur einer ist voll am Ball. Oberpfälzer, stets modisch bekleidet mit blond gefärbten Haaren, der gern zum lauten Sprechen neigt und während der Suche den ein oder anderen Fast-Food-Hamburger oder dergleichen verdrückt. Er wird öfter mal von Polizisten kontrolliert, aber arbeitet unverdrossen weiter - solange es nicht Sicherheitsbeamte sind, die ihn zur Anzeige bringen.

11.06.2025

Bin ich nervös bei einem nicht einschätzbaren Gast, zu Beispiel juckt es mich, zum Stift zu greifen und zu schreiben und mich hinter das Schreiben z u verstecken, meine Verlegenheit damit zu verdecken (wie jetzt!)

13.06.2025

Es ist schwierig, Kundschaft aufzutun, zumal viele paarweise zur Bergkirchweih von Bamberg nach Erlangen fahren, da gibt es schließlich ein günstigstes Hin-Rückfahrt-Ticket.
Heute passte ich einen ab, der noch auf einen Mitfahrer/Freund wartete. Obgleich die Zahlen eindeutig waren, weil er mit ihm zurückfahren wird, wäre solch ein Tagesticket entschieden günstiger, nämlich 26 Euro.
Ich machten ein Angebot von 7 Euro, klang ja nach weniger als 25, aber die Rückfahrt mussten sie auch noch berappen, die 22 Euro kosten würde und dann blechten sie nur ein paar Euro mehr. So weit so gut. Ich unterhalte mich mit dem Studenten aus Aserbaitschan fantastisch gut, weil er sechs Sprachen vorgibt zu sprechen und ich ihm da nicht nachstehe. Aber es kommt schließlich anders, als er es sich ausgerechnet hat.
Sein Freund, gleichfalls Student des Steuerrechts, allerdings deutsch, fragt mich, als wir im Zug sitzen: "Wieviel kostet es für jeden von uns?" Ich bleibe bei meinen sieben Euro. so erhalte ich 14 Euro. Der andere Steuerstudent reklamiert nicht, ich stecke das Geld erfreut ein. Steuerfrei. Die Steuerrecht-Studenten diskutieren weiter über die Theorie und Praxis des Steuerrechts. Beim Abschied wünsche ich beiden noch, viel Erfolg beim Studium. Sie haben es nötig!

20.06.2025

Am Wochenende widerstand ich der Versuchung, eine gefundene Debitkarte zu benutzen. Diese hatte ich vor einem Terminal auf dem Boden gefunden und aufgelesen.
Es ist eine ausländische gewesen, also von einer holländischen Bank.
"Wenn es eine nichtdeutsche, nicht Null-Acht-Fuffzig-Karte von der Sparkasse ist, gehört die bestimmt einem reichen Sack."
Dann wäre es gerechtfertigt, dass ich armer Schlucker sie benutze!
(Ich erinnere mich in diesen Momenten nicht an dem Vorfall, als ich mir meiner Sparkassenkarte verlustigt gegangen war. Ich hatte sie in einem Terminalschlitz stecken lassen, mich von umstehenden, meist weiblichen Passanten ablenken lassen und sie wurde mir später von der Polizei wieder zugeschickt, nachdem sie bei einem Jugendlichen in dessen Geldbörse gefunden worden ist, der sie eingesteckt hatte, vorgab sie sei die von seinem Großvater, allerdings mit einem allzu nicht-italienischen Namen, den der Junge angab oder selbst so mit Namen hieß, jedenfalls wurden die Gesetzeshüter deswegen misstrauisch und gingen der Sache näher nachg. Schließlich wurde der Jugendliche nach Jugendstrafrecht von der Justiz verwarnt, welcher sich in dem mir übergebenen Schreiben des Urteils des Jugendrichters reumütig gezeigt hatte. Ich war sehr froh, meine Karte wieder zu bekommen, ohne dass mir eine Schaden zugefügt worden wäre.)
Ich verwarf zwar diese berechtigende, beruhigende Begründung des Ich-Armer und des Anderer-Reicher nicht direkt, aber wahrscheinlich war ich einfach zu sehr geschafft, erschöpft und musste mich zu sehr mit anderen Dingen gedanklich auseinandersetzen, bilde ich mir zumindest ein, ich vergesse die Sache ganz einfach anstatt mir über die Sache klar zu werden.
Dann fällt sie mir wieder in den Blickfang, als ich bei anderer Gelegenheit meinen Geldbeutel öffnen muss.
Und es beginnen sich automatisch wieder Fragen in meinem Kopf abzuspulen. Es entsteht ein ziemlicher Wirrwarr in meinem Kopf dadurch. Letztlich komme ich zu folgendem Ergebnis: Na ja, ich könnte sie dann zunächst mal testen, ob sie noch aktiviert ist!
"Lebensmittel einkaufen, sich mit Proviant versorgen, das, was ein Mensch unbedingt braucht."
Stand nicht in der Bibel, dass Mundraub gerechtfertigt ist?
Lange Rede kurzer Sinn, ich habe dennoch nicht in die Vollen gehauen und aus der Karte herausgeholt, was ging, sondern nur einmal zugegriffen, letztlich nur aus Neugierde und mir einen Capuccino gegönnt. Ich war erstaunt, denn obwohl Stunden seit dem Fund vergangen waren, funktionierte sie immer noch. Lag es an dem Feiertag, dem Pfingstmontag? (War der heilige Geist über mich gekommen?) War die Bank nicht erreichbar? Hatte es der Besitzer noch nicht bemerkt, dass seine Bankkarte verlustig gegangen war?
Nur zu dieser Missetat habe ich mich hinreißen lassen.
Dann habe ich mich nicht weiter darum geschert und bin erst einmal meiner Wege gegangen. Ich höre jetzt eine Stimme: schön blöd! Jeder andere wäre wahrscheinlich wie von der Tarantel gestochen zum nächsten Geschäft gerannt und hätte sich etwas gekauft und zum nächsten undsoweiter.
Ich räume jedoch ein, ich war auch zu erschöpft an diesem Abend. Und überhaupt, egal was ich mache, ich lasse zwischen Erkenntnis und Tat stets eine wie ich es nenne talleryandische Pause entstehen. Talleryand ist der bedeutendste Diplomat während und um der französischen Revolution, davor und danach. Er hat bis über fünf Regimes als Außenminister und Diplomat seiner Nation überstanden. Das muss einer mal nachmachen, zumal in diesen bewegten Zeiten. Und er hatte die Angewohnheit, bevor er ein offizielle Schreiben absendete, erst etwas Zeit verstreichen zu lassen.
Es hätte mich schon gejuckt, im Discounter des Bahnhofs mir eine abendfüllende Proviantisierung zu gönnen. Doch blieb ich stark.
Am nächsten Tag wollte ich es genau wissen. Noch einmal sich einen legeren Schaumkaffee gönnen! (mit "Oberen`" wie die Österreicher sagen und ach, es gäbe doch so schöne leckere Sachen auf dieser Welt, die geniessenswert sind, nicht wahr!).
Denkste, inzwischen war die Karte abgemeldet.
Im Ernst, wen hätte es gestört? Reich wäre ich damit nicht geworden und wenn, dies hätte niemanden gestört. Womit du reich geworden bist, interessiert in dieser pragmatischen Welt niemanden, du wirst nur wegen der Tatsache deines dicken Bankkontos bewundert.
Nicht mit mir! (Ist es Dummheit, Stolz oder Stärke? Es ist Erfahrung! Aber dazu später.)

Heute Nacht geträumt, ich hätte meine Geldbörse verloren. Sämtliche meiner Klasse von der Schule (längst nicht mehr bin ich in der Penne) versammeln sich bei mir zu Hause. Ich dränge darauf, endlich aufzubrechen und meinen verlorenen Gegenstand zu suchen, doch meine Mitmenschen finden immer wieder Ausreden und rühren sich einfach nicht, die Suche zu beginnen. Ich bin ziemlich verzweifelt und enttäuscht darüber.






27.06.2025

Zwei Norweger getroffen, die sich die Relikte des Nazireiches beim Dutzendteich in Nürnberg, sprich das Collosseum (nostalgisch bewegt) angucken wollten. "Ich bin von hier, aber ich habe mir das noch nicht angesehen. Das ist das Letzte, was mich interessiert."
Die zwei Kämpen lächelnd altersschwach dazu.
Mir fällt ein, dass ich doch mal ein Edda-Gedicht mit Oddvin, einem Norweger, ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht habe (Edda-Dichtung ist einer der ältesten in germanischer Sprache). Die Publikation ziehe ich aus meinem Rucksack, wie ein Gote auf seiner Wanderschaft, wenn er Schild und Schwert hervorzieht.
Die zwei Männer aus den nördlichen Europa schauen gespannt.
Ich lese das Gedicht "Mädchenwörter", das die Veränderung der Frauen mit einem sich ständig sich drehendem Rad in der Brust vergleicht. Allerdings wegen mangelnder Sprachkenntnisse muss ich es ins Englische übersetzen.
Sie lächeln über den Inhalt des Gedichts weise dazu.
Dann zeigt mir einer auf dem Smart Phone den Namen "Edda Göring" an. Der Name von dem dicken Obernazi?
Sie lächeln zustimmend.
Ich nenne zwei der bedeutendsten norwegischen Dichter und Denker. Hamsun und Ibsen, ersterer vorschneller Nazi, zweiterer keiner, weil er vor dem Naziphänomen existent war. Die wackligen Wikinger er können nicht umhin zu betonen, dass Norwegen niemals mit den Nazis militärisch kooperiert haben, sondern mit den Alliierten.
Knut Hamsun hat mit seinem Roman "Hunger" ein 100-Muss-Lesen-Buch geschrieben, Henrik Ibsen bedeutungsvolle Dramen wie "Nora" und das "Puppenhaus", worin es letztlich um Freiheit des Individuums geht.
(Fußnote: Man darf nicht vergessen, dass dieser große Roman vor dem Hintergrund der großen Depression in der Welt und insbesondere der in den Staaten, in der Hamsun emigriert war, geschrieben worden war. Wie heißt es in manchen Geschichtsbüchern: als die Nazis/die Deutschen/der Hitler zum Krieg aufrüsteten, begann sich der Weltmarkt aus seiner eisernen Erstarrung zu lösen. Und man lese mal bei amerikanischen Autoren, welche verheerenden Auswirkungen diese auf das reiche Amerika damals hatte.)
Wenn man dagegen Nazi-Ideologie für Verherrlichung der Gesellschaft, der Masse gleichsetzt hat man etwas Apodiktisches, Kontrapunktisches und Gegensätzliches. Und dies von den zwei herausragendsten Autoren eines Landes und einer Kultur, bringe ich es auf den Punkt.
Die zwei altersschwachen Norweger lächeln weise zustimmend.
(Fußnote: Vor ein paar Wochen habe ich eine Viererschar Schotten mitgenommen. Diese waren von ihren Highlands und Wutherun Hights nach Kontinentaleuropa extra heruntergestapft, um in Ost wie West dieses unseres Fußballlandes in den Stadion die tolle Atmosphäre der Fans mitzufeiern. Einer war so leicht angezogen, obwohl es windig und kühl war, dass ich mir bei diesem Anblick einen veritablen Schnupfen eingefangen habe.)

Eine Schar bewegter Christen aufgelesen. Mit dem Leithammel, der aus Philadelphia, den Staaten, kam, habe ich Englisch gesprochen. Davon war ich beeinflusst und dachte, die ganze Meute sei aus den Staaten. Eine Frau, die zu mir sprach, redete zwar Deutsch, aber mit hartem englischem Akzent. Ich dachte, es fiele ihr die deutsche Sprache schwer und antwortete in Englisch, in das sie dann auch verfiel.
Während der ganzen Fahrt tat ich dies mit ihr und noch einer weiteren Frauen, die nicht müde waren, von Jesus in ihrer Brust zu sprechen und natürlich vom Holy Geist, der über sie gekommen sei. Immer wenn eine Pause im Gespräch entsteht, beginnt der Mechanismus der Aufziehpuppe dieser Dame zu rasseln: "Seitdem Jesus Christus zu mir spricht und der heilige Geist über mich gekommen ist..." (übersetzt)
Sie fragen auch nach meinem Glauben. Ich antworte natürlich und sie verstehen mich.
Ein jüngerer Deutscher schaltet sich ein, er spricht die beiden Deutsch an: Ich-höre-was-du-nicht hörst. Ich wundere mich. Er hat etwas bemerkt, was mir entgangen ist. Ich merke, beide antworten in Deutsch. eine gar im schwäbischen Akzent. Kann doch nicht sein, dass eine Amerikanerin so gut Schwäbisch spricht.
Am Ende der Bekenntnisse über Glauben und Religion outen sie sich als genuin deutsch.
Vielleicht kann man über die Religion und Glauben nur noch auf Englisch sprechen? Weiß der Teufel!

Heute jemanden auf der Straße in Nürnberg getroffen. Er hat mich darauf angesprochen, dass ich doch derjenige sei, der sie vor ein paar Tagen im Zug mitgenommen hätte. Ich erkannte ihn nicht. Dann sagte er, bevor er seiner Wege ging: "Du bist doch der Katholik." Es klang so, als hätte er mir die endgültige Antwort meiner Identität gegeben, nach der ich so lange schon gesucht habe. Endlich!
Dabei spielte es keine Rolle, ob ich nun praktizierender Katholik oder gar aus der Institution Kirche ausgetreten bin, einmal Religionzugehöriger, immer Religionszugehöriger (den Gläubigen nach gedacht).

06.07.2025

Gestern eine Dame mit ihrer Tochter mitgenommen. Sie waren aus Moldawien.
Ich hatte zwei Euro gesagt, die sie mir sofort gab. Wir gingen die Treppe hinauf zum Bahnsteig, als sie mir oben erneut zwei Euro aushändigte. Warum nicht, dachte ich, wenn sie will, die Fahrt kostet für sie ja auch 4EuroSiebzig. Während der Fahrt sagte sie, sie habe mir zwei Euro zu viel gegeben. Ich gab ihr die zwei Euro sofort zurück. Das war ihr peinlich, sie sagte, die Fahrt kostet ja nur 2 Euro Siebzig. Dann sagte ich, aber nein, ihre Fahrt kostet doch 4 Euro Siebzig. "Aha!", schlug sie sich auf die Stirn. "Stimmt, die Buskosten sind ja nur 2 Euro Siebzig." "Aber behalten Sie es!" "Nein, nein!" Sie legte offensichtlich gesteigerten Wert darauf, mir alles das zu geben, was es kosten würde. Es war ihr sehr peinlich, dass sie mir das nicht sofort und problemlos gegeben hatte.
Dann zeigte sie mir Fotos von Odessa, da ich erzählte, diese Stadt schon einmal besucht zu haben und sie nicht weit weg davon wohne, nur wenige Kilometer zur ukrainischen Grenze. Die Bilder zeigten sie, aber die Straßen und Plätze schienen ziemlich ausgestorben zu sein. "Heute lebt keiner mehr dort. Alles ausgestorben. Weggezogen", bemerkte sie bedauernd.
Ich verstand.
Ich verstand auch ihre Peinlichkeit wegen des Geldes.
Mutter und Tochter freuten sich wahnsinnig, dass ich ein paar Worte Rumänisch sprechen konnte. Sie waren offenbar zweisprachig, ukrainisch/russisch und rumänisch.

Das war das erste Mal, dass ich Menschen von dort unten aus dem östlichen Balkan begegnete, denen die Geldschulden peinlich waren. Es wäre ja okay gewesen, nur die Hälfte der Fahrt zu bezahlen, aber es genierte sie, dies nicht zu tun. Es mutet einen schon berührend an, wenn man sieht, dass sich diese Menschen alles andere als wohl fühlen, als Bittsteller auftreten zu müssen und sie lebten am liebsten zu Hause, das ihnen "unwirtlich" und "unmöglich" gemacht wird.

Erinnerungen kamen mir hoch bezüglich der Geldproblematik.
Die Korruption in Rumänien.
Die Kollegin, die mich dauernd auspresste, sich einladen ließ, obwohl sie das selbe verdiente.
Die rumänische Studentin, die in einem Seminar so betrübt dreinschaute und sagte, als ich sie fragte, sie habe Probleme mit ihrem Mann, der ihr Vorwürfe mache, dass sie keine deutsche Vorfahren habe, weil sie doch dann "reich" wäre und sie nun weniger Geldprobleme hätten.
Die Menschen in Ungarn oder sollte man sagen, die Korruption in Ungarn.
Das Viertel, in dem ich wohnte, das ich nach einigen Jahren wieder besuchte und auf dem Markt nun keine Pappbecher mehr ausschenkte, sondern Porzellantassen - dank Europäische Union. Und der ungarische Vermieter, der wegen Geld ein Theater machte, ein anderer mir nur die Hälfte der Kaution ausbezahlte, als ich auszog.
(Der russische Vater mit deutscher Ehefrau in Deutschland. "Wie sehen Sie den russisch-ukrainischen Krieg?" "Sie sind beide Schuld!")
Aber halt!
Die Korruption in Deutschland.
Beim hiesigen Bürgermeister, CSU-Mitglied, nun im Bundestag sitzend. "Wenn Sie einen Video professionell drehen wollen, ich kann Ihnen gerne eine Adresse eines Firma geben, mit der wir gute Erfahrungen gemacht haben." Milliarden werden bei uns verschwendet - das ist der Unterschied.

14.07.2025

Vorgestern die Volljuristin getroffen. Sie war, unüblich für sie, sehr kurzangebunden. Ich hatte ihr das letzte Mal erzählt, dass ich quasi Tagebuch führen und regelmäßig auch über unsere Begegnungen berichten würde und sie wollte wissen, wo ich dies täte. Hat sie hier die Eintragungen gelesen und als inädaquat erachtet?

18.08.2025

Offene Regale und der Zufall, der keiner ist

Seit Jahren schon speise ich vom Teller der offenen Regale mit Büchern, die hier und dort aufgestellt sind und von dem sich jeder bedienen und diesen nähren kann.
Von meinem Wissen, von keiner Zeitungskritik – und empfehlung oder Freundschaftsvorschlag geleitet lese ich Bücher mit ad libitum Themen. Dabei habe ich das Gefühl, meine brennenden Fragen, Anliegen und Neigungen werden von den Büchern aus diesen Regalen bedient.
Oft rufe ich erstaunt aus: „Das gibt es doch nicht! Danach habe ich schon lange gesucht!“ Unbewusst. Unwissentlich. Zufällig.
Doch ich halte ein Buch in der Hand, dass in der Tat genau meine derzeitigen brennensten Fragen beantworten könnte. Ja, es klingt mysteriös, abergläubisch und naiv, denn es gibt doch keinen Zufall – aber es ist so! Das ist kein Zufall mehr.

Mein Langzeitwert des Diabetes (Diabetes-Erkrankung zögere ich zu sagen, da diese einen Normwert zugrundelegt, der sich öfter mal verändert hat und von daher definitionsbedingt ist, aber Krankheit etwas Faktisches konnotiert) ist zu hoch. Kiloabnahme ist angesagt. Das wird zu Körperverwerfungen führen, genauer gesagt, dort, wo ich fett verlöre, würde die Haut herabhängen wie die einer geplatzten Blase. Ein unschöner Anblick. Durch gezielte Körperübungen an bestimmten Stellen jedoch könnte die entstehenden (überflüssigen Lappen) gedehnt, gestrafft und verschoben werden. Stretchübungen dafür wohl helfen. Das nächste Mal als ich vor der Vitrine eines Offenen Regals stehe, habe ich ein illustriertes Buch mit solchen yoga-ähnlichen Körperübungen in Händen. Es kann gut umgekehrt gewesen sein, nicht so bewusst, wie es hier niedergeschrieben steht, nämlich dass ich unversehens ein Buch mit Dehnungsübungen entdecke und sich mir die oben beschriebenen Notwendigkeiten zum körperlichen Ausgleich bewusst werden. Im Sinne:

Exkurs: Meinungsbekundung zu Büchern:
Wie verhalten sich Personen, die nicht von Wen-auch-Immer auserkoren und autorisiert sind, öffentlich ihre Meinung über ein Buch abzugeben?
Ich habe an meinem heimischen Offenen Regal ein Plakat mit der Möglichkeit, eine Bücherliste zu kreieren, aufgestellt. Auf schwarzen Karton, zwei Meter mal einem, stehen in schwarzer Schrift drei Kategorien zur Auswahl: Sehr gut, gut, so lala. Die Kategorien sind mit Fächern voneinander getrennt, so dass sie Laden bilden. Dahinein kann man dann seine ausgewählten Bücher hineinstellen, gut sichtbar für andere, so dass ein Partizipant die Möglichkeit hat, sich nach dieser Empfehlung das ein oder andere empfohlene Buch zu Gemüte zu führen.
Erster „Stellungnehmender“ ist ein älterer Herr, der gerade eigene Bücher haufreit. Ich ergreife mir eins und frage: „Ist das zu empfehlen?“ „Ja, ja. Ach, ich bin damit immer vorsichtig. Ich weiß nicht genau. Ich wage kein Urteil abzugeben.“ Es ist offenbar für manche schwierig bis unmöglich, ihre Gefühle oder Meinungen zu äußern über einen Gegenstand und seinen Inhalt namens Buch. Neutral steht man dem nicht gegenüber. Man hat Gefühle. Aber diese in die Öffentlichkeit zu verkünden, ist zu viel des Demokratie-Wagens und Meinungs-Äußern.

Natürlich beeinflusst es einem, wenn man unendlich viele Bücher in die Hand bekommt und dies gratis. Keinen eigenen Heller muss man dafür hergeben und damit sinkt der Wert dieser Ware. Verständlich?
Ich hatte bald die Angewohnheit, Bücher, die ich wie Junk Food genoss und las, weil sie mir minderwertig erschienen und erachtete nach Durchlesung, dort zu dezimieren, wo ich sie gelesen habe. Sprich, die gelesenen Seiten riss ich aus dem Buch, um mich damit zu entlasten. Wenn man einen schweren Rucksack vollbeladen mit Büchern und sonstigem unabdingbaren Zeug (Regenschirm, Mathematik-Taschenrechner, Sudelbuch etc.) mit sich herum schleppt und viel Bahn fährt, drückt einem jedes Gramm. Ich dachte, dass das Gelesene zu entbehren sei, und zwar für alle. Es ist es nicht wert, aufgehoben zu werden und sich die Mühe zu machen, es zurück in ein Regal zu stellen. Ich spürte den Druck der Bücher in meinem Rucksack hinten auf meinem Rücken und so schleppte ich oft Bücher mit mir herum, bis ich endlich die Gelegenheit hatte, sie in einem offenen Regal zu entsorgen. Es kam der Zeitpunkt, dass ich mich fragte: war es dies wert? Also schmeiss sie gleich an Ort und Stelle in die Tonne.
Jemand, der davon erfuhr, echauffierte sich darüber.
Ich bekam Gewissensbisse.
Gut, ich zerriss die Bücher nicht mehr sukzessive, ich las sie bis zum Ende, aber dann entsorgte ich sie auf dem nächstbesten Gepäckständer innerhalb eines Bahnzuges, in einem Abfallbehälter oder in der Papiertonne. Alles besser, als die Bücher schwerbeladen nach Hause zu schleppen oder den Weg und die Umstände auf sich zu nehmen, es in ein Offenes Regal zurück zu stellen.


Es ist an der Zeit, abzunehmen: ich entdecke ein Anleitung zur gesundheitlichen Gymnastik. Ich kann diese körperlichen Übungen nicht immer machen, vom Gefühl her bin ich in Zeitnot, doch in den Ferien komme ich darauf zurück.

Zur Zeit habe ich es mit Biographien zu tun.
Ich entdecke eine Einführung in die Chemie. Chemie, das einzige Fach, bei dem ich in der Schule nicht Einblick gewinnen konnte. Ich lese eine Biographie über Paul Ehrlich. Mit Naturwissenschaft habe ich nichts am Hut, ich bin aber begeistert über die Hartnäckigkeit dieser Zunft. Fragen entstehen allerdings. War es richtig, was Jenner im Zuge der Entdeckung der Pockenimpfung gemacht hat? Er hat das Leben eines Kindes mit seiner Unwissenheit aufs Spiel gesetzt – nur im Dienste der Wissenschaft.

Ein Abstecher nach Bayreuth beschenkt mich mit einer Biographie über Ludwig den II. Ich empfinde bislang Ablehnung gegenüber diesem Herrscher, mich stößt die eigenartige Liebe der Bayern zu diesem „verrückten“ Monarchen ab und fühle Haaraufrichten, wenn ich die liebevoll ausgesprochene Dialektphrase höre: "Unser Kieni." Außerdem halte ich es mit dem Braven Soldat Schweig, der sich am Anfang seines Buches fragt, nachdem ein österreichischer Thronnachfolger von serbischen Anarchisten ermordet worden ist, warum die Aufregung? Schließlich gibt es genug von diesen Adligen, sprich jeder ist ersetzbar und von wegen gleich einen Krieg anfangen ist sowieso überhaupt nicht nachvollziehbar. Heute kann man das genauso wenig mehr, ja überhaupt nicht mehr, weswegen der Erste Weltkrieg entstanden ist und der Zweite ist wegen der Reparationszahlungen des Ersten hervorgerufen worden, so dass man mit Fug und Recht sagen kann: wozu die ganze Aufregung? Wie so oft, warum Länder Kriege führen, dafür kann kein Mensch mehr aussagekräftige, wohlbegründete Dinge nennen, ohne das man sich bei allen fragt: So what?
Aber was ich in diesem Buch über Ludwig den II. lese, krempelt mein Bild von ihm total um und stellt es auf den Kopf.
Dass ich dieses Buch lese, hat unbedingt mit dem derzeitigen unseligen Erstarken des Militarismus in der BRD zu tun. Obwohl notwendige Aufrüstung nichts damit zu tun haben muss, meine ich.
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Auch ein Buch über Carla Schumann. Ich spiele selbst Klavier. Mein Bild von dieser, eine Ikone des Feminismus, entsteht neu.
viewtopic.php?f=4&t=8588


11.08. 2024

Uwe Hansen

Inzwischen einen Essay über Ludwig dem II. geschrieben: siehe http://www.literaturforum.net unter rezession

Ich weiß ich schreibe dies, weil ich ein Schuldgefühl gegenüber diesem Menschen habe.
Aber ich habe ihn getroffen, er hat gemeint, er würde sie wohl außerhalb des Discounters mit mir unterhalten, so habe ich ihn verstanden, aber als ich nach draußen kam, bin ich in mein Auto gestiegen, ich habe ihn noch herumstehen sehen und der alte Mann hat mich nicht gesehen, dann bin ich an ihm vorbeigefahren, um nach Hause zu kommen, um meine mich drückende Steuererklärung zu Ende zu machen.

zwei Stunden später

Ich habe ihn nicht richtig verstanden, vielleicht meinte er ja auch eine andere Person, die mit ihm einkaufen gewesen war. Aber da sieht man mal, Schuldgefühle.
Er heißt Uwe Hansen, das könnte eine fiktive Person sein, die vom Namen her orginär aus Norddeutschland kommt, nicht wahr, aber er kommt aus Tschechien und ist als Heimatvertriebener hin- und hergerissen. Wer schon einmal einige Zeit woanders gelebt hat, wird das verstehen können.
Er ist Schriftsteller, hat vor kurzem ein Buch von einer berühmten Schweizer Lebensgemeinschaft, Montagnola bei Lugano, in der auch Hermann Hesse lebte, geschrieben und die er seinerzeit auch besucht hat, freilich lebte H. Hesse schon nicht mehr. Als sein Buch erschienen ist, habe ich ihm gratuliert und bin zu ihm nach Hause gekommen. Ich war aber enttäuscht, dass er mir kein Exemplar gegeben hat, ein Tauschgeschäft, ein Buch von mir, eins von dir. Das er diesen Vorschlang nicht machte, er ist ja älter, fand ich ein bisschen "befremdlich", obwohl er ein total sozialer Typ ist. Er hat einmal ein Foto von mir als Kind gemacht, das hat er mir geschenkt, hat sich also die Mühe gemacht, einen Abzug zu machen und mir zukommen zu lassen.
Er war mal Schulbegleiter für Kinder, die gemobbt werden; Sozialpädagoge beim Bund, was mich aber befremdet hat, insbesondere weil er über irgend ein hohes Tier in dieser Einrichtung geschwärmt, zumindest dauernd gesprochen hat. Ich habe mich gegen diese Einrichtung distanziert, da hat er sich bemüßigt gefühlt, zu beteuern, dass er irgendwie dort gegen den Strom geschwommen sei. Aber er ist auch rassistisch, weil er meinte, dass gewisse Völker bestimmte körperliche Habitate aufwiesen, was vielleicht tendenziell stimmen mag, aber wiederum befremdlich ist. Als ich vor Jahren einmal in Hague, in Frankreich, auf einem Völkertreffen geriet, da waren polnische Mädchen und Jungen, die ihre Polkas aufgeführt haben und die waren wie Kopien voneinander, klein, blond und quirrlig. Merkwürdigerweise war ich so ziemlich der einzige, der sich das angetan hat, warum da nicht mehr in diesem Zelt gesessen haben, ist mir schleierhaft. Als ich davon berichtete, meinte er, ja, ja, die Polen sähen alles so aus. Aber ich glaube, dass dies ein Selektion bestimmter Menschen-größen,Aussehen war, um einem Typus von Mensch zu installieren, oder es war für eine Tanzgruppe eben notwendig, einigermaßen homogene Menschengestalten zu nehmen, keine Ahnung.
Kennengelernt oder wieder kennengelernt, weil als Kind hat man sich von der Straße her gekannt, habe ich ihn, als ich in der Arbeitslosigkeit bzw. nach dem Studium öfter mal an einem Baggersee baden gegangen bin und er plötzlich aus dem Gestrüpp hinter mir aufgetaucht ist, wie ein Voyeuer quasi, es war nicht der Weg, sondern der dichte, kleine Wald, aus dem er kam. Daraufhin haben wir uns in unserer Kleinstadt getroffen und uns öfter unterhalten.
Was mich zum dritten befremdet hat, war die Aussage, wohl weil ich keiner regelmäßigen Tätigkeit nachgegangen bin: "Bei dir handelt es sich um jemanden, der niemanden etwas zu leide tut.", als stehe er gerade vor einem Gericht und hielte ein Plädoyer für mich, sich bemüßigt gefühlt, mich hinsichtlich einer potentiellen Gefahr für die Allgemeinheit im Namen der Gemeinschaft abzutaxieren. Wie kommt er dazu, habe ich mich gefragt.
Wohl hat er sich als grossen Kümmerer stilisiert, weil er sich in unzähligen Gesprächen mit meinem Cousin auseinandergesetzt haben will, der einst in einer Situation war, in der er allen sozialen Halt verloren hat und definitiv aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgebrochen bzw. abgestürzt ist.

24.09.2025

Zum Aspekt: Bücher und Autoren, die einem begegnen - Zufall und Vorsehung.
Vor etlichen Monaten habe ich ein Hölderinggedichtband bekommen, in dem eine Sprache zelebriert wird, die eine andere als deutsche DeutscheSprache darstellt. Vor ein paar Monaten habe ich eine Hölderingausgabe gekriegt, die die Soldaten vom Nazi-Regime als Fußmarschzubehör in den Rucksack gesteckt bekommen haben. Heute lese ich die Biographie eines der Frankfurter-Hölderinherausgeber. Dann werde ich mich halt mal mit Hölderlin beschäftigen!

Malen:
Wellen
Berge
Wolken
Diese drei 'Dinge' zerbreche ich mir den Kopf, wie sie am besten schematisch zu malen sind. Wellen, es gibt davon hunderte Varianten, habe ich mittlerweile gelernt, zumindest etliche Formen hinzukriegen und plastisch zu malen.
Berge habe ich jüngst auch verstanden, wie man sie einfach malen kann, dass sie wie ein richtiges Phänomen, nämlich wie ein Gebirge aussehen.
Wolken - nur einen Plan habe ich: mit einem Schwamm.
Farbmalerei ist die einzige Beschäftigung, die mir Sinn und Befriedigung verschafft. Oft bin ich mit meiner Malerei unzufrieden, aber nach ein paar Tagen, Wochen, Monaten gefällt mir plötzlich das Bild. Mit anderen Worten, ich projiziere meine Unzufriedenheit auf die Bilder. Oft auch schieße ich über das Gezeichnete hinaus, werde von einer Euphorie getrieben, die unkontrolliert ist. Dann ist es gut, dies zu sehen. Denn in anderen Bereichen wäre diese Nervosität ungut gewesen.
Aber Malerei ist meine first love and only satisfaction!


Mittlerweile überschwemmen mich Angebote zur Nachhilfe, insbesondere von der Schülerhilfe, die mich ja in einer Filiale schmählichst geschasst hat. Eine Kollegin dort hat sich stets gewundert, weswegen ich von einer anderen, einer ehemaligen Versicherungsagentin, gekündigt worden bin.
Ein neuer Nachhilfe-Anbieter ist besonders hartnäckig, bietet aber einen Job an, der mit zu vielen Hürden und Härten verbunden ist: keine Fahrtkosten über die Autobahn mit Staugefahr, zwischen zwei Schülern eine Viertel Stunde unbezahlter Weg (aus einer Wohnung raus, in das Auto einsteigen, durch ein Wohngebiet fahren, aussteigen, an einer Haustür klingeln, warten womöglich im Regen, bis jemand kommt, durch mit Schuhen und Spielzeug belegten und versperrten Wohnung, womöglich eine enge Wendeltreppe hoch zum Schreibtisch des Schülers - wenn der Schüler in einem Hochhaus wohnt und der Lift nicht funktioniert zuvor über kahle Steintreppen hoch usw.).
Der Anbieter ist hartnäckig und kämpft um jeden Cent, will einfach nicht eine adäquate Bezahlung entrichten, geht nicht explizit auf meine Aspekte ein, lamentiert zudem, jetzt müssen wir das doch machen, da wir schon den Eltern zugesagt haben. Zudem macht er Schreibfehler bei seinen Anschreiben, zum Beispiel schreibt er meinen Namen
fehlerhaft. Diese Kleinteiligkeit nervt.

Pentzw
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Weitere Verteilungskämpfe ab November 2025

Beitragvon Pentzw » 02.11.2025, 21:42

10.10.2025

Es ist ein goldener Herbsttag, ich trete aus dem Haus und werfe in den blauen Himmel Blicke, die mich besänftigen. Noch ein paar letzte Tage, dann wird der eisige Wintermantel über die Erde wie eine Eisenhemd gebreitet werden – brr!
Der Blick auf die Terrasse, die ich benutzen muss, wenn ich aus meiner Wohnung nach draußen gehe, ist voller Unkraut, einige Fliesen gar kaputt. Im Winter setzt sich der Reif, der Schnee, die Nässe hier dran, ich krieg nasse Füße von den nassen Unterlage und eine nasse Stirn, wenn ich mich auf dieser darauf herumstampfen sehe. Zudem droht die weitere Zerstörung der Fliesen, wenn ín der winterlichen Kälte darüber getapst wird, zumal durch das Stampfen und Springen, wenn ich mich aufwärmen will.
Also zöger nicht, fühl dich nicht abgeschreckt davor, es zu verhindern, dass es überhaupt so weit kommen darf. Erneuer sie schnellstens! Die Fugen müssen verkittet werden, es genügt nicht mehr, nur sie zu reinigen und von Unkraut zu befreien, der nächste Frühling treibt die Wurzeln und Rückstände der selben ungehindert feuchtfröhlich wieder hervor, mindestens.
Eine größere Arbeit türmt sich vor mir auf, die mich fast erschlägt. Aber es muss angepackt werden. Ran an den ranzigen Speck, Mist aber auch, blöder.
Wer aber könnte mir helfen? Ich schaue über den Nachbarszaun - eine unnötige Geste. Dieser ist zwar Klempner, aber der wird einen Teufel tun und mir helfen, mir kleinen Fisch. Im Frühjahr schon, als ich den Wasserhahn-Kopf ersetzen musste, habe ich mich auf seinem Anrufbeantworter heißer gebittelt und gebettelt, damit er mir helfe. Okay, schließlich habe ich es selbst hingekriegt. Aber mir blieb ja nichts anderes übrig. Es war aber schon eine mühevolle Arbeit zum Verrecken. Und jetzt - für diese einen Tag Arbeit? Ich höre ihn innerlich lachen und sagen: Bin ich blöd? Nein, ich bin schließlich ein Profi. Die Arbeit rechnet sich nicht! Natürlich kenne ich die Zwänge solch eines mittelständigen Kleinunternehmers oder kleinen Handwerksbetriebs: Steuern, Auslagen und und und. Ja, jeder hat so seine Zwänge!
Während ich quasi Selbstgespräche mit dem Nachbar führe, sprich ihn mein inneren Schweinhund zu überzeugen versucht, gehe ich in den Baumarkt, um mir erst einmal Material zu besorgen. Mir graut zwar vor dem selbst zu bewältigendem Mount Everest der Fliesenleger-Arbeit, aber schaffe werde ich es schon - nach Wochen wahrscheinlich erst, wenngleich ich nächste Woche wieder ins Geschäft gehen muss - aber wen treffe ich? Einen Engel, der mir just der Himmel geschickt hat: Einen ehemaligen Schüler aus Nord-Mazedonien. Hoffnung keimt auf!
Sein ganzer untersetzter Körper, ideal für einen Ringer, ist haarig, borstig und übersät mit Haarwuchs, kaum dass die Gesichtspartien frei davon sind. Er hat makellose, stabile, große, gesunde, glänzende Zähne, die heller erscheinen als sie sind in diesem dunklen Umfeld. Ich mag ihn. Er ist mir so sympathisch, wie bei einer Liebe auf den ersten Blick. Im Gegensatz zu seinem Bruder, zu dem ich später noch kommen werde.
Betrüblich nur, dass sein Deutsch mittlerweile schlechter als besser geworden ist. Kein Wunder, ihm fehlt nicht nur ein Deutschlehrer, eigentlich geschenkt, zumindest einen normal Deutsch Sprechenden um ihn herum hätte in seinem Fall Wunder gewirkt. Erstens aber arbeitet er Schicht, an einer riesigen Maschine, wo es wahrscheinlich total lärmt und stinkt, was bekanntlich kontraproduktiv fürs Denken ist, notabene auch kaum einer seiner Kollegen richtiges Deutsch sprechen mag oder will, und zweitens lebt er in der Enklave seiner vielzähligen Sippschaft, die es zielsicher, langsam und beharrlich wie die Schildkröten zum Eierablegen an das rettende Ufer gespült hat: das Goldufer El Dorodos, vulgo Bundesrepublik Deutschland. Woher ich das weiß? Es gab da einmal eine Zeit, der einen Zeitraum von einem Jahr umfasste und in dem jeden zweiten Tag die Anfrage eines Familiennamensvettern von ihm auf meinen Sozialen Account erfolgte. Dabei zählt meines Bekannten Familie nur drei Kinder, kann ich mich sehr gut erinnern. Ihn eingeschlossen.
Ist also schon eine Steinzeit her, in der er noch halbwegs verständliche Sätze formulieren konnte, damals, als er mir hat die Küche erneuerte, mit Kabelbrand und anschließender Flucht in den Urlaub, um mich verzweifelt mit dem Problem zurückzulassen, einen Elektromeister zu motivieren, den das ganze Haus in Mitleidenschaft ziehenden Schaden zu reparieren. Naja, er ist eben der Mann für alles, sprich einer, der nicht alles kann, wenngleich sehr viel. Der sich aber, wie bald erfahren sollte, mittlerweile jede Handreichung vergolden lässt - unerbittlich. Er will jetzt halt auch reich werden, absahnen, was abzusahnen möglich ist.
Seufz! Ziemlich rücksichts- und grenzenlos.
Natürlich, nichts kriegt man geschenkt, er malocht dafür schwer. Kann man eben nicht gerade sagen, er versteht sein Handwerk, so bringt er aber die Dinge letztlich auf die Reihe. Auf Biegen und Brechen. Auf Umwegen. Aber immer ins Ziel. Und den hiesigen Handwerkern kann man erfahrungsgemäß wenig trauen, die arrogant und unverschämt bis dort hinaus sind, wenn nicht leider noch schlimmer. Daran fehlt es meinem lieben Freund aus Nord-Mazedonien zwar mittlerweile auch nicht, wie ich bald erkennen muss, er lernt schnell, aber er bringt noch den Vorteil mit, dass ich ihm über die Schultern schauen und ich bei der Arbeit etwas mitwerkeln kann und lerne.
„Wie geht’s, wie steht's?“
"So wie ein Mann, der Arbeit hat, eine Frau und ein Kind. Mehr braucht es nicht", sagt er wenig überzeugend. Ich übersetze hier ins verständliche Deutsche. Dabei zeigt er seine starken, blendend hellen, gesunden Zähne. Sie strahlen zwar nicht vor Freude, immerhin aber vor Gesundheit.
"Pass nur auf, dass du nicht zu viel arbeitest, denk an deinen Vater", beschwöre ich ihn. Jener ist frühzeitig an Herzversagen gestorben.
Dann erzähle ich von meinem Plan und er meint, er habe gerade Urlaub. "Aber ich kann Dich nicht bezahlen!" "Macht nichts. Brauchst Du nicht. Ich komme morgen mal vorbei." Na gut, gesagt getan.
Als er kommt, schaut er sich erst einmal um. Er bewundert meinen Garten, indem das Gemüse gut wächst. "Wo ich wohne, da kommt nichts heraus." "Ist wohl zu schattig dort, wo du wohnst!" "Ja, ich befürchte."
Dann schildert er in den farbigsten Tönen, was es bedeutet, die schweren Fliesen herauszunehmen und mit neuen zu ersetzen. Wenn ich ihn bezahlte, dann hilft er mir. Ach so, ich dachte, er hätte gesagt, dass er mir nur so und für umsonst helfen würde, aber was kümmert ihn das Geschwätz von gestern. Ich bin elektrifiziert, die Aussicht auf schwere körperliche Arbeit, allein zu verrichten zudem, wer weiß, wie viel Tage, Wochen und außerdem habe ich ja noch einen Job, der bedient werden muss und mir Geld einbringt, das ich brauche, kitzelt mich ganz schön. Er zeigt auf seine Knie: Dahin müsse er sich schwer niederbeugen, wenn er arbeitete, die Gewichte der Arbeit sind schwer, kurzum er spricht zunächst von 200 Euro in toto. Ich handle ihn schließlich auf 100 herunter. Innerlich qualme ich vor Wut: er verdient das Dreifache von dem, was ich verdiene. Ist das gerecht?
"Dann bis gleich!", sagt er und verschwindet.
Nach ein paar Stunden erscheint er in vollster Arbeitsmontur, sogar mit Knieschonern, so dass das Beugen auf die Knie doch kein größeres Problem darstellen und gesundheitsbeeinträchtigend sein dürfte. Eigenartigerweise, als ich mich umdrehe, sehe ich, dass er einen Besenstil zerbrochen hat, aber ignoriere dies: Er wird in seiner engagierten Arbeitswut zu arg zugegriffen haben. Keine Zeit für Geschwätz, los, die Zeit drängt, die Sonne scheint seit ein paar Tagen wieder, wer weiß wie lange, kann sich stündlich ändern und überhaupt: Time is Money, Was-Du-Heute-kannst-erledigen-verschiebe-nicht-auf-Morgen und Was-getan-ist-ist-getan!
Er riecht stark nach Duschgel, Pomade und Eux de Cologne, Rasierwasser, weiß der Geier, ich benutze so etwas nicht. Ob wohl ich zugeben muss, das hat was, er riecht nach etwas, Frische weht mich an.
Die Erinnerung erwacht: Aufgrund meiner Vermittlung hat er bei einer meiner Freundinnen gearbeitet, die ihn aber nicht ein zweites Mal haben wollte. Hat er sie angebaggert? In meiner Wohnung nebenan wohnt ein Pärchen, er kann sich natürlich nicht enthalten, zu geifern: "Oh, die Frau, die ist bestimmt geil. Hast du sie schon?" Mittlerweile hat er zwar eine Ehefrau und ein Kind, die Zeiten sind vorbei, wo er in einem Feldzug die geschiedenen Landsmännin hierzulande durchgefickt hat, aber was ein Mann ist, ist er immer bereit. Ich könnte jetzt die Klischees, die alle wahr sind, weiterspinnen, zum Beispiel sein Bruder, der von mir sich Geld leihen wollte, für den Umzug seines Bruders, das ich nie mehr wieder gesehen hätte, hat wiederum der vor mir da arbeitet über seinen eigenen Bruder gesagt. Des Bruders Tätigkeit in einem Asylheim als Security-Man, sprich Aufpasser, war hart an der Grenze zur Menschenverachtung: "Da hat die Matratze gebrannt, er hat dauernd an die Tür geklopft, weil die ja bei Männern verschlossen sein muss, aber selber schuld, wenn er die Matratze anzündet." Geifernd von Beispielen erzählt er von Helden, die für viel Geld alles tun würden. Es schwingt mit, dass auch er dazu bereit wäre. Wenn ihm jemand ein Angebot machte! Ich war arglos, bin es ja auch, aber im Nachhinein denke ich, ich hätte darauf vorbereitet sein müssen. Aber natürlich ist es ihm gelungen, auch mich anzupumpen und abzuzocken, ganz schön blöd!
Sowie wir am gleichen Tag mit dem Fliesenlegen fertig sind, überweise ich ihm stante pede den stolzen Betrag von 100 Euro, ein Stundenlohn von über 30 Euro, mehr als ich als Lehrer kriege - aber klar, ich muss nicht in die Knie gehen, so körperlich schwer ist meine Tätigkeit auch nicht, zehrt zwar nur an den Nerven, aber naja... Die Überweisung versehe ich mit dem Vermerk "bekannt", damit er keine Probleme mit dem gefürchteten Finanzamt bekommt. Es stellt sich leider bald heraus, dass ich gut einen Beleg brauchen könnte. "Mach ich nicht. Freund hat aber Firma. Kann dir schreiben eine Quittung für 500 Euro, mit Mehrwertsteuer." Huck! - Balkanmafia hat gesprochen.
Am meisten schmerzt mich aber das Bild, das ich durch ihn von mir bekomme: ich bin ein wertvoller Geldsack, den es auszurauben gilt. Du mit deiner sozialistischen Freundschaftssehnsucht und Alle-Menschen-werden-Brüder-wo-dein-sanfter-Flügel-weht!


Du hast Folgendes gesendet:
meine Schwester verkauft ihr Haus. noch interesse? Oder jemand von deinem Nordmazedonien.Clan?
gruß

Ile
Hallo werner!
Welche Haus sie verkaufen
Ich habe Interesse

Do, 14:48
Du hast Folgendes gesendet:
hallo Ile,
das Haus in Roth. brauchst nicht bei mir anrufen, wir wickeln das via Facebook ab

Ile
Hey
Und wie viel kostet Haus
Oder schreibst du tel. Nummer für deine Schwester
Schreibst du die Adresse von Haus ich hab vergessen wo ist
Danke
Ile


Do, 19:05
Du hast Folgendes gesendet:
hallo ILE,
wieviel kriege ich von dir, wenn ich dir die Addresse gebe?
Danke

Ile
5€

Do, 19:28
Du hast Folgendes gesendet:
Soll wohl ein Witz sein! Mußt mindestens wenn nicht mehr eine Null anfügen!
Gruß

Ile
Wenn ist alles ok Ich gibt dir 200€
Aber ich brahe Adrsse und Handy Nummer von deiner Schwester
Ich möchte wissen was kostet das Haus
Wenn ich kaufen ich gibt dir mehr als 200€
Danke

Du hast Folgendes gesendet:
hallo Ile,
"Ich helfe Dir beim Fliesenverlegen. Brauchst nichts bezahlen." Tja, Ile, eine Schlange, die einem gebissen hat, traut man nicht mehr. Das Haus hat eine Superlage. Meine Mutter ist 98 Jahre geworden. Gartenessen gesund gehalten. Also, Ile sag zu 200 Euro und du hast die Adresse und Telefonnummer von meiner Mutter. (Es gibt übrigens noch zwei andere interessenten.)
Danke im Voraus.
Werner


Do, 20:18
Ile
Ich bin korrekt mit der
Was ist das 100€ von fliesenlegen
Wenn kommt jemand für diese arbeiten 500€ nehmen
Aber ich kenne dich und wegen das so Preis sagen sehr günstig
Wenn mästest du kannst du schreiben die Nummer von deine Schwester nicht ( Mutter)
Und die Adresse
Und wenn ich kaufe das Haus ich gibt dir 200€
Danke

Do, 20:35
Du hast Folgendes gesendet:
Was heißt das: Du kennst mich? (Das Haus hat übrigens auch noch drei Autogaragen, das ist super.) Ich kenne dich und deinen Bruder, der mir heute noch Geld schuldet. Er hat auch etwas versprochen. Mit dieser nordmazedonischen Kultur des Täuschens und Betrügens will ich nichts zu tun haben. Du hast meine Iban-Nummer.
Machs gut

Do, 22:07
Ile
Werner wie reden mit Respekt ich will nicht Probleme machen
Du hast mich geschlagen
Hast du mir wegen Haus geschrieben?
Hab ich interessant ich habe dir Ja geschrieben.
Ich möchte das Haus anschauen wenn ist möglich ist.
Wenn mein Bruder hat schuldet bei dir das ist nicht mein Problem aber kann ich sagen von mein Bruder das geld zurück geben wie
Viel schulden er hat beim dir ober er hat vergessen ich rede mit er.
Und ich kenne nicht deine iban du hast mich überweisen geld aber ich kenne nicht deine iban
Kannst du mir jetzt helfen wenn Haus oder willst du nicht?
Ile
Vielen Dank


26.10.2025

Nun, es dauert lange, bis jemand seine Freundschaft mit mir verspielt hat, aber er hat es. Sich für alles teuer bezahlen lassen, ist wohl keine Freundschaft, und das hat er.
Er wird seinen Bruder gefragt, welcher ihm gesagt hat, er schulde mir kein Geld und ihm geglaubt haben, denn bislang hat er sich nicht mehr gerührt.

01.11.2025

Es ist ein kühler Wintertag. Ich habe eine neue Arbeitsstelle, mitten im Ort, in einem Kaufhaus. Ich nehme mir die Zigarettenpause eines Nichtrauchers und gehe zum Parkdeck hoch, um nach meinem neuen Gebrauchtwagen zu schauen. Angst treibt mich an mit der vagen Vorstellung, dass ich mich mangels öffentlichen Busverkehrs heute Abend nach Dienstschluss in der nassen, feuchten, kühlen Nacht und Dunkelheit die lang sich erstreckende Anhöhe nach Hause schleppen muss. Als ich das Auto auf dem Parkdeck abgestellt habe, ist der Motor verreckt.
Ile geht gerade am Auto vorbei. "Warte mal, ich muss mal etwas schauen. Kannst du mitschauen!" Tatsächlich, die Batterie ist kaputt gegangen. Kein Wunder, der Kälteeinbruch, das Auto, das ich erst jüngst neu von Ile übernommen habe, da habe ich keinen Einblick in die Batterie gewinnen können. Außerdem bin ich kein Fachmann und Kenner und wer kann schon in das Innere einer Batterie schauen?
Ich habe keine Zeit, um schnell eine neue besorgen zu können. Ich bitte Ile, es zu tun. Ist er nicht auch ein bisschen moralisch verpflichtet dazu, als Vorbesitzer, der es mir verhökert hat?
Er tut es, doch verlangt er für die halbstündige Tätigkeit einen Batzen Geld. Ich murre, er hat mir das Gefährt vor kurzem verkauft, es könnte durchaus als kulante Handlung angesehen werden, mir ersatzweise eine Teil zu besorgen, wo ich doch keine Zeit habe, wo er doch gerade da stand - wie man das halt bei Freunden so macht.
"Aber wer ist da, um dir zu helfen?", sagt er. Ich verstehe. Für den geringsten Handstreich muss Bares herübergereicht werden. Nun denn, das ist die Neudefinition unserer Bekanntschaft, keine Freundschaft, sondern - ja, wie soll man das bezeichnen? Schwarzarbeit, gelegentliche Handlangerdienste mit einem Stundenlohn für einen "Facharbeiter" oder Pfuscher, aber davon später.
Ich glaube nicht daran, dass es gut ist, Bekannten das Geld aus der Tasche zu ziehen, wie und wann es nur geht, man muss schauen, dass man Mensch bleibt, aber wenn er es so will - er wird zwar nicht unbedingt den Kürzeren ziehen, diese Phrase trifft es nicht, aber irgendwann wird es ihm zum Nachteil gereichen, auch wenn er es, wie er, wie alle, nicht glaubt, dass das bei ihm zutreffen werde. Alle denken, sie sind die Schlausten und werden dem Schicksal schon ein Schnippchen schlagen!
Er denkt bestimmt zudem, er könne mir mehr bieten als ich ihm und er werde den Längeren ziehen.
Jetzt hat er erst einmal die erste Tranche erhalten und er ist sich gewiss, dass viele weiterverfolgen werden.

Klar, er wird seinen Bruder gefragt haben, welcher ihm gesagt hat, er schulde mir kein Geld und ihm geglaubt haben, denn bislang hat er sich nicht mehr gerührt. Sein Bruder wird ihm mit der Aussage, er schulde mir kein Geld, nur die halbe Wahrheit mitgeteilt haben, weil ich habe für ihn etwas getan, wofür er mir ein Essen versprochen hat. Als es so weit war, hat er gemeint, dieses erhielt ich - natürlich in üppigen Portionen - wenn ich ihm noch zweimal zu Diensten sein würde, weil er so ein ominöses Essensgeschenk von McDonalds hätte. Zu weiteren Gelegenheiten, ihm behilflich zu sein, ist es nicht gekommen.
Ich habe mich über den Tisch gezogen gefühlt. Zumal es eine Information war, die dem McDonald Abteilungsleiter bei seinen monatlichen Abrechnungen sehr effektiv half - aber na gut, bin selbst schuld, dass ich mein Wissen für Nichts hergebe. Aber nur einmal, dann verlange ich auch etwas dafür. Bin ja kein heiliger Samariter!
Warum habe ich ihm nicht die Adresse meiner Schwester gegeben? Er hat ja damit noch nichts gewonnen und ich hätte nichts verloren. Tja, der schlußendliche Punkt meiner Intoleranz und Verständnislosigkeit war der Umstand, als er das letzte Mal bei mir gearbeitet hat, Werkzeug verschwunden ist. Dies ist mir noch niemals bei keinem Externen passiert.

Es ist im Hochsommer: Ile sitzt mit mir auf meiner Terrasse auf einem Stuhl und hält entsetzt in der einen Hand sein Smart Phone, auf dem Bilder von seinem schwer verbrannten Fuß zu sehen sind. Er hat starken Schmerz, aber ich glaube, in diesem Moment hat er anhand dem, was er in bunten Farben schillernd vor sich sah, erst richtig erkannt, wie "schwer" verletzt er worden ist. Er arbeitete an einer Autobahnraststätte in der Küche und hatte sich mir siedendem Öl verbrannt. Das Frikasseeöl war ihm auf das Bein gespritzt, als der Henkel eines Tiegels abgebrochen war. Aus welchen Gründen auch immer, sein Bruder, der schon länger im Land lebte und ein einigermaßen gutes Deutsch verstand, schrieb einen Brandbrief an dessen Arbeitgeber mit der Drohung: "Ich warne euch! spielt keine Spielchen mit mit meinem Bruder."

Gestern bin ich unter "Billigramsch" oder Sonderangebote in einem Discounter auf solche Gartenvlies, die mir Ile billig mitgebracht hat, gestoßen, versteht sich, dass er dafür keine Rechnung vorlegen wollte. Er hat zwei Posten für zwei Drittel dessen, was er mir berechnet hat, erhalten. Er hat einen kleinen, satten Gewinn gemacht. Dem Tüchtigen der Lohn, zweifelsohne. Dem Tüchtigen lacht das Glück. Soll es!



Ehefrau(en)

Das "Auftreten" seiner Frau, vielmehr das "Zurücktreten" war mir zeitweise ein Problem. Obwohl sie beim Bäcker um die Ecke Verkäuferin war, mich kannte, ich sie, haben wir nie ein Wort miteinander gewechselt, so zum Beispiel: "Wie geht es Ile momentan? Schon lange nicht mehr gesehen." Oder so. Es kam nie zustande. Es konnte nicht. Irgendetwas, von ihr ausgehend, blockierte.
Bei einem Grillfestchen hat sie sich wegen Überarbeitung entschuldigen lassen. Aber die Frau trat stets irgendwie in den Hintergrund. Des Mannes Anhängsel. Fast wie in orientalischen Ehebeziehung. Obwohl Ile ein entschiedener, offener Gegner der Islamisten ist, die jederzeit hier zuschlagen werden, wie er mal unkte und in dem er in jeden Asylanten das Gebaren eines ausgebildeten Soldaten erkannte. Naja, als ehemaliger Soldatenpolizist in Nordmazedonien!
Schaue ich mir allerdings deutsche Männerfreundschaften an, da haben die Frauen auch keine besonders rühmlichen Rollen gespielt. Einmal war eine Ehefrau diejenige Kraft, die unsere Männer-Freundschaft hintertrieben und ins Versanden geführt hat. Kann ich andererseits verstehen, weil ihre Ehemann einmal fremdgegangen ist, als er mich in einer anderen Stadt besucht hat. Die Ehefrau wollte daraufhin partout auch zu mir kommen, in den Raum des Ehebruchs sein, dort verweilen, sich umsehen, ihn auf sich wirken lassen, was weiß ich, warum, vielleicht den Ehebruch noch einmal erzähltechnisch angereichert an tatsächlicher Ort und Stelle induziert an sich und vor allem durch sich und ihr Herz ziehen lassen. Obwohl dieser Ehebruch ziemlich lasch war, nämlich mit Gummi und Koitus Interruptus. Aber mein Freund war ohnehin ein notorischer Fremdgänger. Sie hat allerdings auch einmal einen Ehebruch begangen. Was sie freimütig erzählte. Auch ihrem Ehemann. Das waren sozusagen eben 68iger Nachläufer-Erscheinungen.
Nach diesem denkwürdigen Verweilen der Ehefrau an dem Ort des Verbrechens, der Beziehungsschändung, kam eine nicht nachvollziehbare Retourkutsche, allerdings gegen mich, warum, weiß nur eine eifersüchtige mittelständische mittlerweile geehelichte Ehefau. Es konnte kein Zufall sein, einmal habe ich sie sogar entlarven können, als sie eine Nachricht an ihn nicht weitergeleitet hat, jedenfalls war nach dieser denkwürdigen Tag in meiner Wohnung die Beziehung zu meinem Freund tote Hose. Aber total. Nämlich bis heute. Die Beziehung hat sich nicht mehr erholt. So ist das halt mit Ehefrauen und ihren zweifelhaften Ehemänner-Freunden!
Ehefrauen! Sie sind der tot von Männerfreundschaften! (Sag ich mal so stereotyp und klischeehaft. [Ich weiß, dass ist schlapp, wenn man so etwas rhetorisch Ausgepufftes gebraucht, nur weil einem bei dem Gesagten nicht ganz koscher ist.} Es ist eigentlich nur ein konkretes Beispiel, wo die Ehefrau unsere Männerfreundschaft hintertrieben hat. Aber ein anderes Beispiel sagt, dass nachdem ein anderer Freund geheiratet hat, unsere Beziehung auch den Bach hinunter und zum Teufel gegangen ist.)

01.11.2025

Betrachtungen eines Straßengängers nach dem Besuch eines öffentlichen Raumes und Gebäudes im grauen Monat November
Oder
Unser Kanzler Friedrich Merz hat schon Recht mit seinem Horrorszenario "Stadtbild"

Natürlich müssen unsere Kinder, insbesondere unsere sensiblen Töchter vor der brutalen Männergewalt behütet werden. Soll in wenigen Minuten all unsere rücksichtsvolle Erziehungskunst der gleichgestellten, unautoritären Geschlechterrolle-Erziehung zerstört werden, die wir mühevoll in unseren deutschen kulturell-hochstehenden Familien aufgebaut haben, was uns, uns Vätern vor allem, wahrlich nicht leicht gefallen ist, immer Nicht-auf-den-Tisch-hauen-dürfen und Stets-Argumentieren-Müssen? Nein, Paschas kann man schon mal richtig rannehmen, nicht aber Cleopatras! Da hört der Spaß auf!!!
Was habe ich letzte Woche in einer der berüchtigsten Hauptbahnhöfen der Republik sehen müssen: pure Gewalt - natürlich männliche. Da hat doch so ein Stadtbildverunzierer eine Frau an der Kasse des Aldi-Discounter blöd angelabert, wohlgemerkt nicht eine Kassiererin, sondern eine unbescholtene Kundin wie ich und du, so richtig uncool, machomäßig, alkoholisiert natürlich und da hat ihn ein Security-Held von hinten am Nacken gepackt, aus dem Kassenbereich geschoben und als er aus dem Verkaufsbereich bugsiert worden ist, noch einen derartigen Schubs versetzt, dass er gegen einen großen, chromverzierten Metall-Einkaufswagen geflogen ist, was wahrlich nicht aus Pappe und schmerzhaft gewesen sein dürfte, mal abgesehen von der Demütigung der Behandlung selbst. Der Ausgestoßene hat zwar noch von wegen Idiot, Brutalo-Arschloch, etwas in der Richtung geschimpft, aber, ganz professionell der junge Held, mit Migrationshintergrund übrigens, blieb ungerührt und hat nur gesagt: „Verpiss Dich!“ „Du Missgeburt“? - ich weiß nicht, ob er das noch angefügt hat, ich glaube nicht, ich täusche mich bestimmt und phantasiere das hinzu, denn dazu war der Sicherheitsheld zu professionell.
Wenn ich mir nun vorstelle, dass derartige männliche Gewalt so behütete Mittelschichtskinderchen weiblichen Geschlechts miterleben müssen – mir war das schon zu viel und ich bin nicht gesellschaftlich gesehen im mittleren und oberen Bereich hineingeboren worden! Nein, wie gut, dass das unser Kanzler anprangert, er weiß über alles Bescheid (dank Videoüberwachung!) und lässt nichts anbrennen, was das Volkswohl schädigen könnte.
Übrigens finden diejenigen, mit denen ich über diesen negativen Ruf des Nürnberger Bahnhofs geredet habe, maßlos übertrieben und nicht nachvollziehbar, aber dieses eindrückliche und beeindruckende Beispiel eines Vorfalls am Wochenende zeigt: von nichts kommt nichts, diese üble Nachrede bestimmt nicht, kommt sie doch als offizielle Stimme und die wird doch nicht grundlos Übel beleumden, nein, was hat sie davon. Hm?!
Außerdem, was ich da mit ansehen musste, habe ich nicht geträumt und würde ich jedem, selbst höheren Töchtern und niedrigeren versteht sich von selbst, ersparen wollen, ausgesetzt zu werden. Eigentlich jedem Menschen.
Ein befreundeter Staatsdiener meinte dazu, dass das Verhalten des Sicherheitspersonals des privatwirtschaftlichen Unternehmens Aldi unprofessionell gewesen sei. Über diese überzogene Maßnahme der körperlichen Gewaltanwendung im Verkaufs- und Geschäftsbereich lässt sich vielleicht streiten und mag zumindest noch hinnehmbar sein. Aber dass der junge Sicherheitschecker eine Gewaltanwendung gemacht hat, die nicht nur unangemessen war, sondern sogar noch die Verletzung des Delinquenten in Kauf genommen hat und dies in öffentlichen Raum stattfand, nämlich der Bundesbahn und dies das Herrschaftsgebiet der Bundespolizei darstellt und diese nicht darauf reagiert hat, wo doch jeder Winkel und jedes Nischen videoüberwacht ist, kann er nicht verstehen. Er meint, es mochte wohl eine technische Störung vorgelegen haben, denn sonst nämlich, sonst sind die Beamten sofort zur Stelle, wenn sich derartige krude Szenen abspielten. Ja, wo leben wir denn!
Ja, es wird Zeit, dass der Führer seine Kettenhunde und Strafbüttel auf diese asozialen Elemente loslässt und ein für alle mal aufräumt!
Für gewaltfreie öffentliche Plätze!

06.11.2025

Natürlich fragt sich der aufmerksame Leser, wie kann er in solch einem Nachhilfeinstitut (wieder) arbeiten, das er doch als tröge Verwahranstalt von beiseitegeschobenen Kindern arbeitstätiger Väter und Söhne bezeichnet hat? Nun, die jetzigen Schüler bedürfen meistens der Nachhilfe. Es sind Schüler einer Einrichtung, in der in letzter Zeit häufige Frequenz der Lehrer geherrscht hat und von daher quasi von Null anfangen muss. Außerdem habe ich Schüler aller Fächer, zum Bleistift Englischschüler, denen ich Hörtexte vorspielen kann, die ich vor Jahrzehnten bereits aufgezeichnet und kaum eingesetzt habe. Das kitzelt natürlich mein Ego!
Zudem ist es eine ländliche Gegend, nicht etwa nur zehn Kilometer von Nürnberg entfernt und mit bester öffentlicher Verkehrsanbindung. Die Schüler sprechen richtigen fränkischen Dialekt, zum Bleistift gehten sie gestern in die Schule und/oder haben einen starken, breiten bayerischen Akzent. Letzteres sehr ungünstig für das Sprechen einer Fremdsprache wie Englisch. Mit anderen Worten: Hier kann man wirklich nachhelfen und sich nicht wie ein Schafsherdenhüter vorkommen, der noch dazu die Funktion des Hundes einnehmen muss, um die Herde zusammenzuhalten.

17.11.2025

Vorbereitungen für ein Geburtstagsfest.
Eigentlich ist das nicht üblich, dass ich Geburtstage feiere. Aber ich werde von einer Freundin dazu gedrängt.
Diese, die Kommunistin, kommt nicht mit meinem Freund dem selbstständigen Handwerkerunternehmer zurecht. Unternehmer, auch kleine Mittelstandsunternehmer, sind für sie untragbar. Dabei hat sie es so schlecht auch nicht getroffen, Haus, Wald und Bauplatz geerbt. Aber natürlich, so ein Unternehmer besitzt mehr Besitz. Dass er zudem adligen Ursprungs ist ist No-Go oder No-Meet.
Ein anderer von dieser "Sorte", FDP-Mitglied und Wirtssohn, kommt nicht mit der Gewerkschafterin zurecht. Letzterer Umstand reicht da schon aus, auch wenn er nicht weißt, dass sie bekennende Kommunistin ist.
Das bedeutet, ich muss drei Geburtstagsessen ausrichten, für die Kommunistin, für den Kleinunternehmer und den gescheiterten Wirtssohnunternehmer, seien sie namentlich genannt, das macht meine Sache einfacher: Angela Merkl, Rainer Held, und Wolfgang Scheuerlein, bei letzterem bin ich momentan nicht gewillt, mit zu treffen, weil er solch ein pedantischer Pfennigfuchser ist: an Weihnachten zum Essen eingeladen, Spaghetti mit Salat, hat er einen Obolus gefordert, wobei mir das selbe bei einem Freund geschah, der keine zwei Wohnungen hat und nichts für das Essen verlangt hat.
Meine Schwester kommt immerhin zu dem Treff ins Lokal, so auch Merkel und ihre Freundin (die mich angeblich nicht leiden kann, trotz dem sie die Einladung angenommen hat, was meine Vermutung bestätigt, dass sie von Angela nur gegen mich aufgehetzt wurde, wenn überhaupt zu bezweifeln ist, dass sie sich negativ gegen mich geäußert hat). Dann mit dem Mann meiner Schwester, der mich auch nicht mag, aber den ich auf Drängen Angelas eingeladen habe: „Er ist schließlich dein Verwandter!“. Kurzum, es ist ein Haufen versammelt, der sich erst einmal vertragen muss. Denn der Mann meiner Schwester wiederum ist mindestens rechter CSU-ler, ausländerfeindlich und industrieaffin bis dort hinaus.
Immerhin fallen auf mich die denkbar wenigsten Kosten. Angela hat vorgeschlagen, nachdem meine Schwester nach der Art eines Geburtstagsgeschenkes gefragt hat, doch einen Zweier-Essenblanko-Scheck auszustellen, woraufhin meine Schwester gemeint hat, dann könne sie das Geburtstagsessen auch selber für sich und ihren Mann bezahlen. „Ich kann damit gut leben!“ Wunderbar, braucht sie sich keine Gedanken über ein Geschenk und ich mir keine Auslagen machen, aber trotzdem ein Geschenke überreichen. Angela hat natürlich sofort den Braten gerochen und gemeint: „Na, da kannst du ihr halt eins deiner Bilder präsentieren!“, ich darüber verwundert, dass sie so hellseherisch ins Schwarze getroffen hat.
Meine eigentliche Freundin übrigens, Louise kann nicht kommen, weil sie wegen Panikattacken nicht außer Haus gehen kann. Mit ihr feiere ich an meinem eigentlichen Geburtstag alleine, eine Woche später mit den den anderen, eine weitere Woche später mit Rainer, den Handwerksmeister, dessen Handwerksunternehmen auf Halde steht, sprich zum Verkauf und er unter anderem auch wegziehen will, nach Erlangen. Das betrübt mich, denn über die Jahre war er einer derjenigen, die mir stets unter die Arme geholfen hat mit diversen Dingen wie Gitarrestühlchen, Werkzeug zum Baumrindenbeschneiden, auch mal Einladung zu einem Festchen. Er will auch nicht zum Essen eingeladen werden: „Notfalls zahl ich es selber!“, was ich wunderbar finde, denn dann kann ich ihm auch ein Bild von mir überreichen.
Nur Angela Merkl lässt sich nichts schenken, sondern freut sich darauf, ein Essen samt Trinken spendiert zu bekommen, worauf sie sich schon freue, denn dann würde sie ganz schön reinhauen und – reinschlucken, wie sie prophezeite. Weil ich ja so „geizig“ wäre. Dabei hat sie den Vorschlag mit dem Essensbon für meine Schwester gemacht, nur dass diese so reagiert, gefällt ihr nicht, weil ich damit Auslagen spare, die Neidziege (versus Neidhammel).

Erinnerung

Hassobjekte IV 2015

Sanadin würde uns verlassen, Heimatort ehemaliges Pec, [gesprochen Petsch] nunmehr Peje [gesprochen wie im Deutschen: Peje]. Er zog zurück nach Serbien. Oder Kosovo, ich wusste es nicht genau. Ich schloss aus den Ortsbezeichnungen, dass er Albaner sein müsste, denn dieser Ort wurde nun nicht mehr serbo-slawisch ausgesprochen, sondern eben so wie oben. Wir befanden uns in einem engen Kellerzimmer in einem Zweifamilien-Neubauwohnung in einer Siedlung im Süden Deutschlands. Es waren außer Senadin noch der Gastgeber, ich und ein Türke mit seinem Sohn anwesend.
Zum Abschied wurde Senadin schwer melodramatisch: „Ein Kind zu haben ist ein Segen. Aber vier wie ich, ist eine Katastrophe!“
„Wirklich? Jedes Kind soll doch ein Segen sein“, meinte ich, ein Lediger.
Sanadin strich sich die Haare aus der Stirn.
„Aber zum Glück wohnen wir jetzt in Deutschland.“ Eigenartig, dass er das sagte, wo er doch dabei war, wieder zurückzuziehen, woher er kam. Konnte auch sein, dass er gerade mit den deutschen Behörden deswegen Probleme hatte und es ein Hauen und Ziehen gab. Konnte gut möglich sein.
Deutschland – verficktes Deutschland, dachte ich. Was haben die aus dem Südosten Europas immer mit diesem Land? Was ist besser als bei Ihnen? Eigentlich eine verlogene rhetorische Frage. Ich brachte einige Jahre dort zu. Ist halt ein Unterschied, wenn man sein Leben lang dort zubringen muss oder ein paar Jährchen wie ich, und dann wieder in den warmen Schoß des heimatlichen Deutschlands zurückkehren darf. Trotzdem, Die BRD ist weiß Gott auch nicht das Paradies auf Erden ist! Oder?
„Ich verstehe nicht?“ Ich versuchte mir das stets lang und breit erklären zu lassen, sofern der Gesprächspartner dazu überhaupt sprachlich imstande war, aber mir ging es nicht in den Kopf: WAS IST SO SCHÖN AN DEUTSCHLAND?
„Na, in den Städten Serbiens, da fängt das Leben erst richtig um 22 Uhr an. Disko, Alkohol, Frauen, alle sind auf der Straße und machen Tumult!“
Dazu lacht er und schaut erwartungsvoll in die Runde. Die Reaktion ist divers. Einige nicken, andere sind ungerührt. Nun, das spräche immerhin für Serbien und gegen Deutschland. Merkwürdig!
Wollte er damit sagen, dass untertags geschlafen wurde? Nein, natürlich nicht, aber wahrscheinlich, dass man nur halbherzig und schlapp seiner tagtäglichen Arbeit nachging und das geschah meist untertags, und dass man dann ausgeschlafen von der Arbeit abends begann zu leben und auf den Putz zu hauen. Viva Jugoslawia. Oder Serbien. Oder Kosovo. Wer wusste das schon genau?
ich bilde mir ein, dies dennoch nur zu gut zu verstehen. Gerade jetzt, nachts, da hörte man in dieser kleinen Siedlung auf dem Land, ein Ort in Bayern, sogar das hohe nervtötende Piepsen der jungen Mäuse aus ihren Löchern von den angrenzenden Feldern und Wiesen her. Andererseits hörte und sah man allerdings nichts mehr faunamäßig. Kaum Vögel, kaum Rehe und Hasen, Bussarde am Himmel und was es einst sonst noch einst gegeben hatte in diesen Gefilden. Man hat hier dieses Leben ausgetrieben, endend mit der natura mortem. Der Wirtschaft Willen, der neuen Diktatur! Und dazu exportiert man Arbeitskräfte aus den neuen Bundesländer Europas oder die, die vor dem Eingangstor, besonders beliebt das der BRD, Schlange standen. Ihrer noch intakten Natur weinten diese neuen Mitbürger jedenfalls keine Träne mehr nach.
Als Senadin gegangen war, lockerten sich die Münder der Zurückgebliebenen: Seine Frau befände sich in der Psychiatrie. "Die hat es mit den Nerven."
Später, als Senadin übrigens schon in Serbien ist, lädt er mich ein, zu ihm zu kommen. "Hier kannst Du Frauen vögeln! Vor allem die Rumäninnen." Das erinnert mich an den Ausspruch eines Amerikaners: "Ich bin bereit alles zu machen für Geld. Aber nicht für die Liebe!" Als Europäer sage ich: Die obskuren Subjekten meiner Begierde mögen nicht von nationalistischen Impulsen beeinflusst werden!
Sein Sozialer Account ist vollgespickt mit religiösen Ikonen, er ist orthodoxer Christ, scheinbar ein sehr frommer. (Das erinnert mich an Lessings "Nathan der Weise" sinngemäß: ich gebe einen Fuck darauf, was du glaubst, entscheidend ist nur dein Charakter!")
Ich habe den Eindruck, dass all diese Südosteuropäer die Ordnung in Deutschland schätzen. Damit meine ich nicht nur die Straßenverkehrsordnung. Sie scheinen von ihrer Kultur des Fremdenfrauen-Nachstellens und Schwarzgeld-Steuerhinterziehens angewidert zu sein, sprich von der Korruption und der Kultur ihres Herkunftslandes. Dabei mischen sie fleißig selbst unverdrossen mit. Das saubere Deutschland bildet nur eine Projektionsfläche ihrer Scheinheiligkeit und Sentimentalität: Im Grunde sind sie von sich selbst angewidert, obwohl man nur die Korruptheit der heimischen anderen wahrnimmt und sich darüber insgeheim echauffiert. Und so bewundert man andere Kulturen, Menschen und Gesellschaften, in ihrem Blick andere Länder, die scheinbar nicht von der Pest verheert sind.

Senadin war verschwunden, dann erhob Ässat das Wort, ein Alevit und Leiter einer McDonalds-Filiale: „Wisst Ihr, Senadin bekommt über 1000 Euro monatlich, Logis und Sonstiges frei. Und ich muss für ihn Steuer bezahlen.“ Er war mit seinem Sohn hierhergekommen, um sich und ihm seine Haare von Danny, der einmal Frisör gewesen ist, die Haare schneiden zu lassen. Steuerfrei, versteht sich!
„Ist das ein Problem?“
„Und ob! Wenn Du zwei Kinder zuhause hast und eine Frau. Und ich habe die letzten 8 Tage täglich 12 Stunden durchgearbeitet...“
Er schlürfte zwischen den Pausen seiner Tirade immer wieder von dem starken Espresso, der jeden Bullen umgehauen hätte. Es war 22 Uhr nachts. Zu so später Stunde noch ein derartiges Aphetamin zu sich zu nehmen, unterstrich seinen Arbeitsdruck, unter dem er stand. Wie er das schaffte, in ein paar Stunden zum Schlafen zur Ruhe zu kommen, wussten die Götter.
„Da musst du für eine Frau und zwei Kinder und dich, der allein arbeiten kann in der Familie, 1000 Euro Steuern im Jahr zahlen. Und das bei einem monatlichen Einkommen von 3000 Euro. Ist das in Ordnung?“
Er machte einen erneuten Sipp von seinem kleinen Espresso-Täschen, den er umfing wie ein Ornothologe ein kleines Küken, das aus seinem Nest gefallen war.
„Und wie viel zahlt man Steuern in der Türkei?“
„Na, wenn du 3000 Euro brutto verdienst, bekommst du 3000 Euro netto!“
Das war natürlich das Paradies für Arbeitnehmer, der ideale Steuerstaat schlechthin!
Ein erneuter Schluck aus der Tasse. Wenn er so weiter erregte, brauchte er noch eine zweite Tasse. Ob das gut war für seine Nerven war? Nebenbei strich er über die frisch neu geschnittenen Haare seines Sohnemanns. Schön hat er es geschnitten, der Frisör aus Mazedonien, und dies zu einem Superpreis!
Mit meiner arglosen nächsten Frage sollte ich erfahren, wohin seine ersparten Steuern in der Türkei geflossen waren.
„Wo ist denn übrigens Deine kleine Tochter, die Du immer bei Dir hast?“
„In der Türkei. Sie sind gestern losgeflogen. Am Samstag fliege ich nach.“
„Solange musst Du noch arbeiten?“
„Genau, Bruder.“
„Und Deine Tochter und Deine Frau erholen sich jetzt in Deinem Haus nähe Strand von Izmir?“
Der Ort war geraten, aber ein Volltreffer.
„Genau. Es sind 500 Meter Fußmarsch bis dorthin. Aber es ist ein schönes Haus, dreistöckig.“ Naja, wenn es auch nicht die allerbeste Lage hatte, nämlich ganz nah am Strand, so ist doch schön und geräumig.
Wäre doch mal kein schlechter Aufenthalt, dachte ich gelockt.
„Für wie viel vermietest Du es denn, wenn man fragen darf?“
„Vermieten? Nein, ich mag keine fremde Leute in meinem Haus.“
Das hätte auch Mal meine Mutter sagen sollen, die jeden Quadratzentimeter ihres kleinen Häuschens vermietet hatte. Man saß dabei eng beieinander, fürwahr! Es roch zwar manchmal sehr unangenehm vom Gekoche der Untermieter und es war Fakt, besonders arg war es bei dem türkischen alten Ehepaar, am Schluss, nach dem sie alle "Sorten" von Gastarbeiter hat "durchgehabt" und ich "reif" war, sprich 19 Jahre alt, um auszuziehen und dann ich halt ausgezogen bin. Also, diese Unbill von Untermietverhältnissen kann ich nur zu gut nachvollziehen. So etwas geschah eben bei uns sehr zum Leidwesen des unmittelbar anbei wohnenden Sohnes, der manchmal fast verrückt wurde vor soviel Lärm und Gestank vom Nachbar links und vom Nachbar rechts und Nachbar oben und Nachbar unten.
Aber dieser türkische Bekannte vor mir hier brauchte dies nicht zu tun, vermieten, tzz!
Ässat also hatte das nicht nötig, während er in Deutschland malochte, hatte der Rest der weitverzweigten Familie in der Türkei den Wohnungs- und Hausschlüssel und sorgte während seiner Abwesenheit für Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit. Was wollte man mehr? Und wer von der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland konnte sich in seinen Ferien ein Haus im Mittelmeer Nähe Strand leisten?
„Nur Scheiße, dass es jetzt den Euro gibt!“
„Wieso? War wohl die DM besser?“
„Viel besser. Nach zwei Monaten konntest du dir in der Türkei ein Appartement bauen lassen, oder kaufen. Aber mit dem Euro jetzt... Schau her! Heute verdienen die Leute 1000 Euro. Und zu Zeiten der DM waren es 3000 DM.“
Beim Wechselkurs 1:2 war dies natürlich ein kapitaler Verlust, 1/3, um genau zu sein. Sehr schmerzhaft.
Hatte aber Ässat nicht seine Schäfchen im Trocknen?
„Heutzutage kommen alle die Leute aus dem Kosovo, Bulgarien, Rumänien, Serbien und kriegen das Geld nur so in den Arsch gesteckt. Und wer muss dafür zahlen? Ich!“
Das war Ässat Problem Nummer 1.
„Dann kommen diese Leute noch bis zu unserem Gartentor vors Haus und betteln.“
Problem Nummer 2: Ässat fühlte sich mittlerweile unsicher in Deutschland. Er fühlte sich von den Ärmsten bedrängt. Wird schwierig sein in Deutschland, solche Leute zu verscheuchen, denke ich mal. In der Türkei gibt es ja glücklicherweise nicht so viel Staat, da hat man freie(re) Hand.
"Betteln die um Geld?“
„Auch, aber hauptsächlich wollen sie für ihre vielen, vielen Kinder ein ausrangierten Kinderwagen oder Kinderkleider...“
„Aber das ist doch okay!“
„Naja, aber die Leute fühlen sich nicht mehr sicher.“
Das ist ein wichtiger Punkt in einer Kleinstadt, Land und „Staat“, Sicherheit und wenn die Einheimischen nicht mehr in Ruhe ihr Haupt aufs Kissen legen konnten, war etwas faul im Staate Dänemark.
„Naja, ich bin ja auch nur ein Ausländer hier in Deutschland.“
Das ist’s.
Dann meinte Ässat, während er aufbrach, dass es schade sei, dass keine Frauen hier wären. Der Gastgeber erzählte in seinem radebrecherischen bis sehr schwer verständlichen Deutsch noch ein paar heroische Anmach- und machoartige Beinah-Aufreiß-Geschichten, wozu alle anderen genüsslich lachten. Dann zog Ässat mit seinem Sohn weiter, die anderen schlossen sich an, wer weiß wohin noch die Reise ging heute Nacht, für viele wenig wahrscheinlich, dass nach Hause. Die Frauen waren noch in ihren Heimatländern. Da konnte man ein bisschen auf den Putz hauen – wozu arbeitete man schließlich so viel? Doch nicht allein für diese neuerdings dahergekommenen Ausländer aus Syrien, Irak und Türkei (nur Kurden)!

Danny, Iles Bruder, der mich übers Ohr gehauen hat, weil er mir etwas versprochen aber nicht eingehalten hat, ist immerhin ein guter Kumpel. Er schlägt mir auf die Schulter, wahrscheinlich tröstend gemeint, er merkte wohl, dass ich aus unerklärlich-evidenten Gründen sauer auf ihn war und sagt: "Du, die Tussi aus Schwabach - wenn nächstes Monat meine Freundin kommt, die ich dann heiraten werde, dann kannst du die übernehmen. Ich übergebe sie dir!", sagt er noch feierlich. ist er nicht rührend-herzlich, mein Freund aus Mazedonien? Darüber bin ich natürlich nicht deshalb alles andere als erfreut, weil diese eine Geschiedene ist. Er beabsichtigt diese Frau aus seiner Heimat zu ehelichen, weil deren Familie einen guten Ruf besitzt. Andere Frauen aus Nordmazedonien, zum Beispiel eine Geschiedene, bekommt einen entschieden weniger positiven Leumund. Sie wird von allen bekannten Nordmazedoniern in Bayern Rotationsmodus durchgevögelt. Danny zeigt Schwäche, äußert den Wunsch, sie zu heiraten, wird aber sofort zurück gepfiffen und eines Besseren belehrt: "Mach keinen Scheiß. Solch eine kriegst du an jeder Ecke wieder. Vergiss sie! Warte, bis eine Bessere deinen Weg kreuzt!" So scheint es denn zu geschehen, eine bessere kommt zu ihm: Sie kommt aus guter Familie, hat Jura studiert, offensichtlich aber keinen Arbeitsplatz gefunden und verspricht sich ein besseres Leben mit einem Landsmann, der in einem reichen Industrieland Arbeit gefunden hat.


Lehrer
- es müsste eigentlich heißen: ein bayerischer Lehrer

"Die Bücher hier sind für das ganze Bundesland gedacht", sagt der pensionierte Volksschullehrer, der zuletzt an der Realschule tätig war, als es um den Einsatz in der Schülerhilfe geht. "Das verstehen die bayerischen Schüler hier nicht." Wie erklären die andernbundeslandischen den rechten Winkel anders als die bayerischen Lehrer?
Er stammt aus dem selben Pott, selbe Kleinstadt, dirty old town, sprich ist mir ein altbekannter Rother.
In meiner Jugendzeit gab es eine große Clique, der er angehörte. Es waren praktisch alle Jugendlichen aus Roth. Immerhin gab es zwei andere noch, einer deren ich Mitglied war. Jene große Clique hatte in einem fünf Kilometer entfernten Platz bei Brunnau, wo eine Tante wohnte, ein Hütte oder kleines Häuschen gemietet. Zur Befeuerung des Hauses klauten sie aus dem Wald meiner Tante das Holz. Bei uns in der Familie berichtete sie. Aber sie zeigte sie nicht an, diese Leute, das war wohl damals nicht üblich, die reicheren Leute hatten sowieso ein Herz für ärmere. Aber ob diejenigen, die diese Hütte/Haus gemietet haben, als ärmer zu nennen sind, wage ich zu bezweifeln. Jedenfalls waren es halt Jugendliche (sprich noch Kinder). In dieser Hütte wurde gefeiert, ab und an wohnte auch ein vorbeiziehender Gammler darinnen, gerne gesehen von den Vermietern.
Als zweites ist mir dieser bayerische Lehrer in einer Kneipe, in einem Keller in der Großstadt, in Nürnberg, aufgefallen. Er war stundenlang an eine Mauer gelehnt und hat ungerührt das Treiben der Szene beobachtet.
Das dritte Mal traf ich mit ihm in einer Kneipe zusammen. Ich lebte damals schon in Rhein-Land-Pfalz, kam meine Heimatstadt manchmal besuchen. Das große Feindbild der Konservativen waren damals die Hessen, die eine fortschrittliche Bildungspolitik betrieben (es war Ende der 70ziger). Mein Gesprächspartner sagte von sich, er habe ein sonniges Gemüt und lachte. Durchaus sympathisch. Weniger sympathisch war allerdings die Einschätzung, ich weiß nicht, ob ernst oder als Joke gedacht: "Du bist doch aus Hessen!" Ich erstarrte, geriet natürlich in Wut, dachte, hörte man mir nicht meinen Dialekt und Akzent mehr an? Am meisten, aus einer politischen Ahnung heraus, empörte mich natürlich auch diese in die linke Eckenstellen. Er merkte wohl meinen Ärger und verzog sich.
Das vierte Mal erneut in der Kneipe, erzählte er, dass er permanent vom Kultusministerium Besuch erhielte, weil die meinten, er mache einen so guten, pädagogischen Unterricht. Dabei winkte er bescheiden ab und meinte: "Ach geh, das stimmt doch gar nicht." Diese Aussage wiederholte er ein paar Mal.
Das fünfte Mal traf ich auf ihn, als ich eine Filmszene in einem Villa-Umfeld machen wollte und sein Bruder vermittelte über ihn diesen Szenenort. Er half dem Besitzer nach den Dreharbeiten kameradschaftlich beim Aufräumen.
Sein Bruder war schwer abgestürzt, Alkohol hatte ihn gezeichnet, war wohnungslos und in seiner Perspektivlosigkeit in dieser Kleinstadt gestrandet, steckte also in einer Einbahnstraße fest, weil er nicht mehr weiterwusste. Er erzählte mir später, dass er nahe daran gewesen war, zu jener Zeit "es aufzugeben", "freiwillig den Löffel abzugeben" oder "ich war nahe dran, verdammt nahe". Sein Bruder, dieser Lehrer, konnte ihn wohl nicht weiter helfen, war sich aber dessen Situation in der Weise bewusst, dass offenbar sein Bruder für seine Reputation eine Schande darstellte, dass er so "fertig", "hilflos", "ziellos", "abgebrannt", was immer, war. In der Kneipe saß er neben ihm und frage ihn: "Wann verschwindest du wieder?"
Das machte ihn mir sehr, sehr unsympathisch. So etwas zu seinem eigenen Bruder zu sagen!?
Jahrzehnte später dann, ich arbeitete an einem Kiosk, kamen wir auf unseren gemeinsamen Bekannten, seinen Bruder zu sprechen, wobei er mich überraschte und nach meiner Schwester fragte. Überraschend war, dass er mich also sehr gut zuordnen konnte, obwohl ich in seinen Augen doch aus dem "roten Hessen" kommen musste. Vielleicht auch ist ihm später einmal das Licht aufgegangen, sei´s drum!
Beim Schülerhilfe-Lehrer-Weihnachts-Feiern fragte ich ihn, ob er für diese Schule auch Fahrtkosten bekäme, da ich überrascht war, dass er nicht in Hilpoltstein, sondern in Roth wohnte, im Haus seines Vaters, mit äthiopischer Frau und zwei Kindern. "Ja, ich kriege eine Pauschale." Er druckste herum und konnte nicht eindeutig sagen: "Nein, von der Einrichtung hier bekomme ich keine Fahrtkosten entrichtet." Mit anderen Worten, er schämte sich dessen, zurecht, schließlich hatte er Fahrkosten, die so hoch waren, dass er netto weniger als den Mindest-Stundenlohn bekam. Welcher Arbeitnehmer tut dies? Jeder Beschäftigte, der in einem Minijob arbeitet, bekommt die Fahrtkosten, wenn sie über fünf Kilometer sind, ersetzt. Er aber nicht. Der pensionierte bayerische Lehrer. Er brauchte das wohl auch nicht.
Er erzählte noch, dass er einmal mit einem mir noch bekannten Schulkameraden eine Eisenbahntour als Rucksacktourist durch Indien gemacht hatte. Solch eine Reise in den Orient war in den Siebzigern, Achtzigern, für diejenigen, die es sich leisten konnten, Mode, Richtung Afghanistan, Indien, Goa, Hippieziele eben. Ich sagte, ich wäre immerhin in Afrika gewesen, nicht als Tourist, sondern hätte vier Wochen in einer afrikanischen Familie gelebt, genauso wie die Einheimischen dort lebten. Heute würde ich mir dies aber nicht mehr zutrauen, so beschwerlich sei dies gewesen.
Als ich ihn das erste Mal in der Schülerhilfe entgegentrat, war ich schockiert. Er erinnerte mich an seinen alkoholkranken Bruder, zitternd und Lücken in den Zähnen. Man merkte ihm deutlich seinen Lebenswandel an. Sympathisch ist eine Eigenheit: das Lachen. Es ist kein besserwisserisches, erhabenes Lehrerlachen, eher spontan und etwas irre, vielleicht wie ein Alkoholiker, aber vielleicht auch nicht, ich glaube dieses Lachen hatte er in jungen Jahren. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ihn das in den Augen von Schülern sympathisch erscheinen lässt, welcher Lehrer bringt schon ein echtes Lachen zustande? Mich eingeschlossen (wenngleich ich nur ein Lehrer bin, der halt mal in die Klassenzimmer nur reingeschleckt hat).


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