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Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 12:57
von Patina
Bin also von der arena umgezogen. ;-)

Den ganzen Tag über hatte ich schon eine gewisse Unruhe gespürt, die ich mir nicht erklären konnte.

Es fing damit an, daß mein achtjähriger Sohn Jakob, seine brandneuen Fußballschuhe auf den Tisch stellte. Ich fegte sie mit einer schnellen Geste auf den Boden und schrie ihm entgegen:
"Schuhe auf dem Tisch bringen Ärger!"

Als wir zum Fußballplatz gingen, lief uns eine schwarze Katze über den Weg. Schwarz, ich sah nur noch schwarz.

Seit gestern fütterte Jakob einen jungen Raben mit Rosinen auf dem Balkon. Jakob nannte ihn Rabi. Der kleine Kerl war ganz zutraulich und setzte sich sogar auf Jakobs Schulter.

Das Training begann. Ich setzte mich mit einem Weißweinschorle auf die Terasse und schaute zu. Am Himmel waren Gewitterwolken.

Das Training mußte ungefähr eine halbe Stunde im Gang sein, als plötzlich der kleine Rabe im Sturzflug über den Fußballplatz fegte. Er mußte uns gefolgt sein. Aber woher wußte er wohl, daß wir hier waren? Jakob rannte aus seinem Tor und versuchte seinen Rabi zu fangen. Der Rabe setzte sich tatsächlich auf die Stange hinter dem Tor. Jakob bot seinen Arm an. Der Rabe hopste auf seine Schulter. Amüsiert schaute ich zu. Das konnte doch nicht wahr sein! Da hatte doch tatsächlich mein Söhnchen einen Raben zahm gemacht und hatte keinerlei Angst. Innerlich platzte ich vor Stolz auf meinen Sohn.

Der Rabe störte nun das Training erheblich. Die anderen Kinder ängstigten sich vor dem kleinen Kerl, der immer wieder seine Sturzflüge machte. Der Trainer sagte:
"So geht es nicht weiter. Wir hören für heute auf."

In weiter Ferne hörte man ein Donnern

Als die Kinder in der Umkleidekabine waren, setzte Rabi seine Sturzflüge auf der Terrasse fort. Aus der Dachrinne pickte er sich eine alte Zigarette. Wie der Spatz von Ulm flog er in die Bäume.

Das Donnern kam näher.

Jakob kam frisch geduscht mit naßen Haaren aus der Umkleide. Er suchte Rabi. Der Vogel mußte ihn schon von weitem gesehen haben und hopste auf die Leitung, an der die Glühbirnen aufgehängt waren. Jakob hob seinen Finger und Rabi pickte mit seinem Schnabel. Jakob sagte laut und bestimmt:
"Aber Rabi, du wirst mich doch wohl nicht picken wollen?"
Der Vogel krächzte als Antwort.

Am Himmel jetzt Blitze. Es begann zu regnen.

Jakob bot seinen Arm an und Rabi hüpfte auf seine rechte Schulter. Jakob wandte seinen Kopf zu dem Raben, aber da passierte das Unerklärliche.

Rabi hackte mit seinem Schnabel in Jakobs rechtes Auge.

Re: Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 15:55
von razorback
Hm...
Hmmmm....

Also, erstmal schön, dass du hier bist! :-) :-) :-)

Tja, diese Geschichte (?)... oder Text... was auch immer...

Du lässt mich, wie Du siehst, ein wenig ratlos. Das Ganze klingt nach einer Traumschilderung oder Parabel, wobei ich ersteres als gelungen bezeichnen würde, Letzteres nicht. Für einen Traum ist die offensichtliche, permanente Unglücks- und Bedrohungssymbolik gut. Für eine Parabel zu aufgesetzt.

Mein Hauptproblem ist, dass ich in die Geschichte nicht hineinkomme und schon wieder draußen bin, bevor ich gemerkt habe, worum es überhaupt geht. Würde ich Dich nicht kennen, würde ich das Fehlen plastischer Figuren kritisieren, die holperige Entwicklung, die etwas saftlose Schilderung. Da ich Dich kenne vermute ich, hier einen Teil aus einem größeren Zusammenhang vor mir zu haben. Allerdings hast Du diesen Ausschnitt so gewählt, dass er... tja, mich eben ratlos lässt. Sorry ;-)

Eine kleinkarierte Kritik:

Seit gestern fütterte Jakob einen jungen Raben mit Rosinen auf dem Balkon. Jakob nannte ihn Rabi. Der kleine Kerl war ganz zutraulich und setzte sich sogar auf Jakobs Schulter.


Wie alt ist Jakob? Ein Rabe, der schon fliegen kann, sieht auf der Schulter eines Kindes eher nicht aus wie ein kleiner Kerl, oder?

Hoch interessant finde ich, dass der Junge Jakob heißt - ein klassicher Rabenname. Hat es damit etwas auf sich, oder ist das Zufall?

Ach ja... wirklich schön, dass Du jetzt hier bist! :-D B-) :-))

Re: Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 17:08
von Silentium
*händereib*
(Ist zwar eigentlich gemein und schadenfroh von mir, aber als Nicht-JL-lerin hat man dann natürlich seine Freude an dem ganzen Zuzug :-) )

Zwei Sachen wundern mich ein bissl:

"Schuhe auf dem Tisch bringen Ärger!"

Für den Buben, weil das Tischtuch dreckig wird? Wenn sie aber abergläubisch ist, warum sagt sie dann "Ärger" statt "Pech"?

und

..., aber da passierte das Unerklärliche.

Der Satz wirkt auf mich unnatürlich, aus zwei Gründen:
Erstens steht die zweite Satzhälfte nicht im Widerspruch zur ersten, warum also das "aber".
Zweitens dürfte die Dame so schockiert sein, dass sie ein anderes Wort für den Angriff auf den Kleinen verwendet als "Unerklärlich".

Re: Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 17:38
von Patina
Schön, daß ich hier gelandet bin. Hoffe, ich werde mich wohlfühlen. :-)

Hallo ihr zwei,
das ist kein Ausschnitt aus etwas längerem. Man könnte es auch als Kurzprosa bezeichnen. Manchmal habe ich solche Anwandlungen und schreibe Gedankensplitter. Ich denke, unter diesem Gesichtspunkt reicht es auch aus, die Charaktere nur anzureissen.
Ein Traum ist es auch nicht direkt, denn Teile der Story habe ich erlebt. Es gab da tatsächlich diesen kleinen Raben, der Sturzflüge auf den Fußballplatz machte und sich dann tatsächlich einem der Kinder auf die Schulter setzte. Ich fand das irgendwie schrecklich unheimlich und habe mich an "Die Vögel" von Hichcock erinnert. Daraufhin habe ich dieses grausame Ende inszeniert. Ja, und der Anfang mit den Schuhen ist natürlich auch erfunden. Das kommt von meiner Mutter. Sie ist abergläubisch und Schuhe auf dem Tisch bringen nunmal Ärger.
Der Name Jakob ist rein zufällig, aber wenn er als Rabenname gilt, umso besser.
Richtig klein war der Vogel nun nicht gerade, aber immerhin kleiner als Jakob.
Bei dem letzten Satz bin auch noch am grübeln. Werds mir überlegen.
lg Patina

Re: Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 18:39
von charis
Hallo patina,

freu mich auch sehr über deinen umzug!!

zur geschichte:

  • interessant, dass es der weißweinschorle heißt. ich dachte immer dieses in unseren breiten unbekannte wort wäre weiblich.
  • hm, was mir immer aufstößt bei so rabengeschichten: offenbar weiß niemand, dass raben ganz ganz selten sind und meines wissen sogar vom aussterben bedroht sind. ich vermute also, dass die raben aus den "zahmes tier"-geschichten eigentlich in wirklichkeit krähen sind.
  • ich nehme dir das böse tier nicht ab. du führst es nicht so ein, und wenn als parallele hitchcock kommt, so fehlen hier all die bedrohlichen vorahnungen. die sachen mit den aberglauben-dingen gehen da nicht auf für mich. auch nicht der blitz&donner. und das hacken kommt völlig unvorhergesehen, als würde es ein fehler im konzept sein. klar, tiere SIND unberechenbar, aber irgendwas passt für mich eben hier ienfach nicht zusammen. der satz mit dem unerklärlichen ist fehl am platz m.e.
  • das wärs schon wieder. freu mich auf viele patina-texte!

liebgrüß
charis

Re: Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 21:10
von Surjaninov
Hallo Patina :-) :-)

"Rabi" "kleiner Kerl" - wirkt komisch auf mich. Zu gewollt. Als ob der Leser den Eindruck gewinnen soll das er hier einen kleinen, niedlichen, lieben Raben vor sich hat. Nur damit am Ende dann der Schock kommen kann.
Dieses "aber da passierte das Unerklärliche" wirkt dann etwas aufgesetzt. Die große Überraschung, niemand hätte es erwartet. Und dann noch dieses Donnern das "drohend", das Unheil fast schon verkündend, über allem liegt.
Irgendwie tritt das Konzept zu sehr hervor. Die Planen am Gerüst haben große Löcher. Man sieht was sein soll, warum dies + das. So kommt es mir vor.

Im letzten Satz dieses "Rabi" - also nee...

lg
Surja

Re: Rabi

Verfasst: 03.09.2004, 22:33
von Patina
Also, anscheinend lohnt es sich nicht, an dem Text zu arbeiten, nachdem Total veriss. Werde mir was neues überlegen.
lg Patina

Re: Rabi

Verfasst: 04.09.2004, 12:29
von charis
also nein nein nein!! das würde ich überhaupt nicht so sehen - im gegenteil!! es liegt da doch totales potential drin!

Re: Rabi

Verfasst: 04.09.2004, 13:29
von Surjaninov
Nein Patina, echt mal, die Geschichte hat wirklich Potenzial. Da kann ich charis nur Recht geben! Vielleicht kommt der Dreh.

Re: Rabi

Verfasst: 04.09.2004, 14:04
von Patina
Also gut, wenn ihr meint, dann werde ich nochmal in mich gehen und schauen, was ich aus der Geschichte machen kann. B-)