Das wäre ja der erste Sexfilm ohne Sex!

Moderne Literatur heißt: Kino, Theater und Oper nicht vergessen. Welcher Film ist sehenswert? Welche Inszenierung gelungen?
andres
Sphinx
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Das wäre ja der erste Sexfilm ohne Sex!

Beitragvon andres » 01.11.2007, 17:04

Pornorama oder Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts

Deutschland 2007
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Benno Fürmann, Tom Schilling, Karoline Herfurth, Elke Winkens, Michael Gwisdek, Dieter Landuris, Valentina Lodovini, Lisa Maria Potthoff, Martin Glade, Sandra Ferrara
FSK: ab 12

Erster bzw. spontaner Gedanke : Da hat doch wieder einer das äußerst innovative Prinzip „Sex sells“ zum Filmtitel gemacht. Nach dem Motto: Nackte Tatsachen, derbe Witze, schlechte Story, aber unterm Strich kommt doch genug in die Kasse.

Zweiter Gedanke: Warum zwingt mich Hollywood immer zu solch schrecklichen Vorurteilen?

Zuerst eine kurze Inhaltsangabe:
Der 20-jährige Polizeianwärter Benjamin "Bennie" Köpke (Tom Schilling) verliebt sich während eines Observierungs-Einsatzes unsterblich in die hübsche Kommunardin Luzi (Karoline Herfurth). Gleichzeitig überredet ihn sein lebenslustiger, aber ständig in Geldnöten steckender älterer Bruder Freddie (Benno Fürmann), die Regie bei einem von ihm geplanten Filmprojekt zu übernehmen – dabei handelt es sich ausgerechnet um einen "Aufklärungsfilm", die in dieser Zeit die Kinosäle füllten. Freddies Motto: Das können wir auch ...
(Quelle: http://www.pornorama.film.de)

Also: Sehenswert oder nicht? Meine Antwort für Kurzentschlossene: Ja, reingehen!

Pornorama basiert nämlich nicht auf dem oben genannten Prinzip, obwohl die attraktive Karoline Herfurth (Mirabellenmädchen aus „das Parfüm“) eine Hauptrolle spielt.
Der Film versetzt uns in die fast schon sprichwörtliche Zeit der 60er. Jeder anständige Student genehmigt sich morgens eins Bier und eine grüne Zigarette. Neben einer nackten Studentin (sexuelle Revolution!) wird dann die politische Weltrevolution nach leninistischem Modell diskutiert und vorbereitet. Unser „Bennie“ kommt aus einem bürgerlichen Elternhaus, ist Polizist und steht somit ideologisch auf der falschen Seite. Jedenfalls lässt ihn das ein Hormonschub, ausgelöst durch die Studentin Luzie glauben.

Ein weiteres großes Thema ist die radikale Aufklärung, die aus heutiger Sicht schon bizarr wirkt. Einige Ausschnitte aus zeitgenössischen Aufklärungsfilmen sorgen somit für Gelächter und/oder Kopfschütteln. Zudem begleitet der Zuschauer eine chaotische Filmtruppe bei ihren Dreharbeiten. Ihr Ziel ist das große Geld mit dem Sex. Hierbei geht (Überraschung!) nicht alles gut.

Marc Rothemund schafft es die Dynamik, den Charme und Witz der 60er einzufangen und dem Publikum zu präsentieren. Wir sehen eine Liebesgeschichte, die zwar auf altbekannte Elemente zurückgreift, deshalb aber trotzdem mitfühlen lässt. Wir sehen einen jungen Polizeianwärter, der ideologische, hormonelle und finanzielle Kämpfe durchsteht und zum Schluss...in Tarantino-Manier die Welt verlässt? Nein, doch seht selbst.

Noch ein TiPP: Der Trailer zum Film gibt nen kleinen Vorgeschmack und eine gute Orientierung für Unschlüssige.

In diesem Sinne:


Wir haben ein Recht auf Orgasmus!
werden.

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