Meine Fresse, hat der Jesus wat gelitten
Verfasst: 20.03.2004, 04:27
Ja, diese blasphemische Überschrift verheißt nichts Gutes. Man ahnt schon, worum es geht:
The Passion of the Christ
Regie: Mel Gibson
Mit: James Caviezel, Monica Bellucci, Maia Morgenstern, Mattia Sbragia, Hristo Shopov
Jesus ist tot. Soviel kann sicher gesagt werden. Wie er gelebt hat und unter welchen Umständen er gestorben ist, das ist weitestgehend der Phantasie überlassen. So wie in diesem Film. Mel Gibson konzentriert sich in seiner neuesten Regiearbeit auf die letzten 12 Stunden des Menschensohnes, der, das wird immer wieder gern betont, für unser aller Sünden gestorben ist. Also, ihr Sünder, hört gut zu, der arme Mann hat wirklich einiges durchgemacht, damit wir selisch sind. Vor allem hat er geblutet, wenn man diesem Streifen Glauben schenken mag. Wenn ich richtig informiert bin, hat so ein Menschenkörper zwischen 6 bis 7 Liter Blut intus. Aber nicht dieser Aramäer, der vor circa 2000 Jahren mal einen Ausflug nach Jerusalem machen wollte und dabei - naja, sagen wir es so - unter die Räder gekommen ist. Jesus also, in seiner Sprache Jeshua genannt, blutet wie ein Schwein. Entschuldigung, aber wenn es doch wahr ist!? Ich schätze, da fließen so zwischen 20 bis 40 Liter dieser roten Substanz aus den 666 Wunden, die man ihm beigebracht hat. Und das herausfließende Blut, das ist ein nicht unerheblicher Teil der Handlung: Es fließt, es spritzt, es tropft, es wird abgetupft, es wird aufgewischt ... und so weiter und so fort. Tja, Wunder gibt es immer wieder - und hat nicht er höchstselbst gesagt: "Nehmet hin, das ist mein Blut!" Also nehmen wir es hin. Was soll man auch sonst tun, man hat ja schließlich acht Euro dafür berappt.
Sehr schön auch die Szene, wo er geißelt wird. Die wunderbarsten Foltereffekte und die Kamera hält immer richtig schön druff, wenn das Blut spritzt und die Widerhaken das Fleisch aus dem Rücken reißen. Ja, da macht Kino so richtig Spaß. Nicht zu verachten sind auch die Augen von Jesus. Die machen auch einiges her, wie sie undefinierbar orange (nämlich tricktechnisch nachgefärbt) vor sich hinglimmen und bedeutungsvoll in der Gegend umherstarren. Wenn man mich fragt, grün hätte ihm besser gestanden, aber naja, man kann ja nicht alles haben. Schließlich noch die gelähmt-traurigen Gesichter von Maria, Maria-Magdalena, Johannes und noch einigen anderen vom Jesus-Anhang. Natürlich: Tränen en masse und Verzweiflung pur. Der Höhepunkt des Films ist der Kreuzgang, der in aller Ausführlichkeit geschildert wird. So circa 20 bis 25 Minuten, die sich unendlich hinziehen, während immer wieder auf den ohnehin schon halbtoten Menschen eingeprügelt wird. Dann fällt Jesus auch noch vier oder fünfmal sehr theatralisch hin - einmal über das Kreuz, einmal unter das Kreuz, einmal vor das Kreuz, einmal neben das Kreuz. Alles, was man sehen will. Slapstick vom allerfeinsten. Besonders angetan haben es mir die besoffenen Römer, denen das alles sichtlich Spass macht. Da kann die bleiche Maria schauspieltechnisch leider nicht mithalten mit ihrem mitleidig-apathischem Hollywoodmuttergehabe. Kurz vorm Exitus küsst resp. leckt sie ihm noch das Blut vom Fuß. Als der Sohnemann dann endlich (endlich-endlich) stirbt, herrje, muss natürlich auch noch der Himmel grollen und die Erde beben. Wer's glaubt! Und damit es auch noch der letzte Idiot versteht, der vielleicht (und vielleicht nicht ganz zu Unrecht) dachte, das wäre so ein blöder Splatterfilm und die Handlung wäre eh wurscht, tut sich dann noch die Erde auf und spaltet den Thron von Kaiphas, dem alten Giftbart.
Also, Leute erspart euch diesen Film. Ich schau mir ja sonst schon ganz gerne so melodramatische Bibelverfilmungen an, ist halt so eine Schrulle, aber dieser Film ist wirklich überflüssig. Nichts, nada, niente an der Story ist neu, außer der Bestialität der Darstellung. Ein ruhiger Abend, gute Musik, ein Glas Pfefferminztee und dann ein bisschen in der Bibel schmökern (oder im Qu-rân oder in den Upanishaden etc.), da hat man definitiv mehr von. Mensch, dabei hatte ich mir von diesem Film durchaus etwas mehr erwartet, die Regiearbeit, die Mel Gibson mit "Braveheart" abgeliefert hat, habe ich immer noch in guter Erinnerung.
Okay, das ganze in Aramäisch und Vulgärlatein zu inszenieren und mit Untertiteln ins Kino zu bringen, das hat schon seinen Reiz, ach, wenn es doch nur ein bisschen realistischer, trockener und weniger sentimental-pathetisch gewesen wäre. Herrgottnochmal, warum ist es nur so schwül am Pazifik, dass die immer so dick auftragen müssen? Ein anderer minimaler Pluspunkt, den man eingestehen kann, ist die Darstellung des Teufels, die mir ganz gut gefallen hat. So ein apart-androgyner Typ, dem gleich am Anfang ein Gewürm von einem Nasenloch ins andere kriecht.
Ja, Jesus ist tot. Den Rest des Märchens verdanken wir den dramarturgischen Ausschmückungen von Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Paulus ... und Onkel Mel. Wenn man sich's genau überlegt, es ist doch eine absolut hirnrissige und unglaubwürdige Geschichte, eine zweitausend Jahre anhaltende Massenpsychose, die sich während der Dekadenz und des Zerfalls des römischen Reiches erst so richtig epidemisch ausgebreitet hat. Ist doch immer wieder erschreckend, wenn man sich klar macht, worauf die Kultur des Abendlandes eigentlich fußt. Auf Sophismen, Wortspielen, Mythen, Märchen und Psychosen.
The Passion of the Christ
Regie: Mel Gibson
Mit: James Caviezel, Monica Bellucci, Maia Morgenstern, Mattia Sbragia, Hristo Shopov
Jesus ist tot. Soviel kann sicher gesagt werden. Wie er gelebt hat und unter welchen Umständen er gestorben ist, das ist weitestgehend der Phantasie überlassen. So wie in diesem Film. Mel Gibson konzentriert sich in seiner neuesten Regiearbeit auf die letzten 12 Stunden des Menschensohnes, der, das wird immer wieder gern betont, für unser aller Sünden gestorben ist. Also, ihr Sünder, hört gut zu, der arme Mann hat wirklich einiges durchgemacht, damit wir selisch sind. Vor allem hat er geblutet, wenn man diesem Streifen Glauben schenken mag. Wenn ich richtig informiert bin, hat so ein Menschenkörper zwischen 6 bis 7 Liter Blut intus. Aber nicht dieser Aramäer, der vor circa 2000 Jahren mal einen Ausflug nach Jerusalem machen wollte und dabei - naja, sagen wir es so - unter die Räder gekommen ist. Jesus also, in seiner Sprache Jeshua genannt, blutet wie ein Schwein. Entschuldigung, aber wenn es doch wahr ist!? Ich schätze, da fließen so zwischen 20 bis 40 Liter dieser roten Substanz aus den 666 Wunden, die man ihm beigebracht hat. Und das herausfließende Blut, das ist ein nicht unerheblicher Teil der Handlung: Es fließt, es spritzt, es tropft, es wird abgetupft, es wird aufgewischt ... und so weiter und so fort. Tja, Wunder gibt es immer wieder - und hat nicht er höchstselbst gesagt: "Nehmet hin, das ist mein Blut!" Also nehmen wir es hin. Was soll man auch sonst tun, man hat ja schließlich acht Euro dafür berappt.
Sehr schön auch die Szene, wo er geißelt wird. Die wunderbarsten Foltereffekte und die Kamera hält immer richtig schön druff, wenn das Blut spritzt und die Widerhaken das Fleisch aus dem Rücken reißen. Ja, da macht Kino so richtig Spaß. Nicht zu verachten sind auch die Augen von Jesus. Die machen auch einiges her, wie sie undefinierbar orange (nämlich tricktechnisch nachgefärbt) vor sich hinglimmen und bedeutungsvoll in der Gegend umherstarren. Wenn man mich fragt, grün hätte ihm besser gestanden, aber naja, man kann ja nicht alles haben. Schließlich noch die gelähmt-traurigen Gesichter von Maria, Maria-Magdalena, Johannes und noch einigen anderen vom Jesus-Anhang. Natürlich: Tränen en masse und Verzweiflung pur. Der Höhepunkt des Films ist der Kreuzgang, der in aller Ausführlichkeit geschildert wird. So circa 20 bis 25 Minuten, die sich unendlich hinziehen, während immer wieder auf den ohnehin schon halbtoten Menschen eingeprügelt wird. Dann fällt Jesus auch noch vier oder fünfmal sehr theatralisch hin - einmal über das Kreuz, einmal unter das Kreuz, einmal vor das Kreuz, einmal neben das Kreuz. Alles, was man sehen will. Slapstick vom allerfeinsten. Besonders angetan haben es mir die besoffenen Römer, denen das alles sichtlich Spass macht. Da kann die bleiche Maria schauspieltechnisch leider nicht mithalten mit ihrem mitleidig-apathischem Hollywoodmuttergehabe. Kurz vorm Exitus küsst resp. leckt sie ihm noch das Blut vom Fuß. Als der Sohnemann dann endlich (endlich-endlich) stirbt, herrje, muss natürlich auch noch der Himmel grollen und die Erde beben. Wer's glaubt! Und damit es auch noch der letzte Idiot versteht, der vielleicht (und vielleicht nicht ganz zu Unrecht) dachte, das wäre so ein blöder Splatterfilm und die Handlung wäre eh wurscht, tut sich dann noch die Erde auf und spaltet den Thron von Kaiphas, dem alten Giftbart.
Also, Leute erspart euch diesen Film. Ich schau mir ja sonst schon ganz gerne so melodramatische Bibelverfilmungen an, ist halt so eine Schrulle, aber dieser Film ist wirklich überflüssig. Nichts, nada, niente an der Story ist neu, außer der Bestialität der Darstellung. Ein ruhiger Abend, gute Musik, ein Glas Pfefferminztee und dann ein bisschen in der Bibel schmökern (oder im Qu-rân oder in den Upanishaden etc.), da hat man definitiv mehr von. Mensch, dabei hatte ich mir von diesem Film durchaus etwas mehr erwartet, die Regiearbeit, die Mel Gibson mit "Braveheart" abgeliefert hat, habe ich immer noch in guter Erinnerung.
Okay, das ganze in Aramäisch und Vulgärlatein zu inszenieren und mit Untertiteln ins Kino zu bringen, das hat schon seinen Reiz, ach, wenn es doch nur ein bisschen realistischer, trockener und weniger sentimental-pathetisch gewesen wäre. Herrgottnochmal, warum ist es nur so schwül am Pazifik, dass die immer so dick auftragen müssen? Ein anderer minimaler Pluspunkt, den man eingestehen kann, ist die Darstellung des Teufels, die mir ganz gut gefallen hat. So ein apart-androgyner Typ, dem gleich am Anfang ein Gewürm von einem Nasenloch ins andere kriecht.
Ja, Jesus ist tot. Den Rest des Märchens verdanken wir den dramarturgischen Ausschmückungen von Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Paulus ... und Onkel Mel. Wenn man sich's genau überlegt, es ist doch eine absolut hirnrissige und unglaubwürdige Geschichte, eine zweitausend Jahre anhaltende Massenpsychose, die sich während der Dekadenz und des Zerfalls des römischen Reiches erst so richtig epidemisch ausgebreitet hat. Ist doch immer wieder erschreckend, wenn man sich klar macht, worauf die Kultur des Abendlandes eigentlich fußt. Auf Sophismen, Wortspielen, Mythen, Märchen und Psychosen.