17. November
Meine lieber Freund,
in Ihrem letzten Brief stellten Sie die Behauptung auf, meist sei die Angst vor dem Tod tödlicher als die zu befürchtende Todesursache. Zufälligerweise saß ich nun gestern mit einigen Freunden beisammen und wir kamen auf dieses Thema. Unter unserer Tischrunde befanden sich auch zwei Ärzte, von denen einer folgende Anekdote erzählte:
Einer seiner Patienten, ein dicklicher, etwas einfältiger Bauer aus der näheren Umgebung, litt an rätselhaften Verdauungsbeschwerden. Sicherheitshalber schickte mein Bekannter ihn zur Darmspiegelung ins Krankenhaus. Einige Tage darauf erhielt er den Befund, der negativ war. Das Bäuerlein erfreute sich bester Gesundheit. Anstatt jedoch zur Befundnachbesprechung wieder bei meinem Bekannten zu erscheinen, blieb der Patient aus. Den Arzt beunruhigte das nicht sonderlich, ging er doch davon aus, man habe dem Bauern schon im Krankenhaus seinen erfreulichen Gesundheitszustand mitgeteilt. Als der Patient drei Monate darauf in seiner Praxis erschien, war er über die Maße erschrocken. Der ehemals rundliche Bauer war abgezehrt, bleich, mager, die Haut wächsern.
„Himmel!“, rief mein Bekannter „Was ist denn mit Ihnen passiert?“
Wie sich herausstellte, hatte eine der Schwestern, als sie das Röntgenbild betrachtete, gemurmelt: „Mein Gott, wie schaut es denn da aus?“ Der Patient, der das zufällig gehört hatte, hatte daraus geschlossen, dass er an Darmkrebs litt und somit todkrank war. Er aß nicht mehr, sonderte sich ab und legte sich jeden Abend die Schrotflinte zurecht, wagte es dann aber nie, sich umzubringen. Was die Schwester in Wirklichkeit zu ihrer Bemerkung veranlasste, war allerdings kein bösartiges Geschwür gewesen, sondern die Tatsache, dass der Darm zum Zeitpunkt der Spiegelung noch nicht vollständig entleert gewesen war.
Der Arzt brauchte nur ein Telefonat, um diesen Irrtum aufzuklären. Der Patient ging als sehr, sehr erleichterter Mensch nach Hause und war nach weiteren drei Monaten wieder so dick wie zuvor.
Der zweite Mediziner unserer Runde wusste von einem ähnlichen Fall zu berichten, der allerdings um einiges weniger heiter ausging. Ein junger Mann, dem man ein Karzinom zwischen den Rippen entfernt hatte und der als geheilt galt, hatte sich soweit in seine Angst hineingesteigert, dass er weiterhin kaum aß und sich zurückzog. Er magerte ab und verging innerhalb weniger Monate, allen ärztlichen Bemühungen zum Trotz. Der Mediziner schwor uns hoch und heilig, nicht die Krankheit sondern die Angst davor habe den Patienten dahingerafft.
Was bei diesem Gespräch noch erwähnt wurde und was Sie interessieren dürfte: am Freitag, den 22 November um 20 Uhr, hält ein gewisser Professor K. einen wissenschaftlichen Vortrag zu eben diesem Thema im Gebäude des alten Stiftgymnasiums. Was hielten Sie davon, wenn wir gemeinsam diese Veranstaltung besuchten?
bis dahin verbleibe ich,
H.
19. November
Meine liebe Freundin,
wissen Sie, woran mich diese beiden Krankengeschichen erinnern?
Als die Engländer erste Kolonien in Australien gründeten – Sträflingskolonien– gab es unter den Eingeborenen, den Aborigenes, ein paar Kollaborateure. Dies galt unter der restlichen Urbevölkerung als todeswürdiges Verbrechen, sie wurden von Stammesgerichten zum Tod verurteilt. Die Exekution geschah, indem jemand, meist der Medizinmann, die Ahnentafel des Verurteilten zerbrach und ihm vor die Hütte warf. Innerhalb dreier Tage starben diese, ganz egal, was die Engländer dagegen zu unternehmen versuchten. Sie starben in Schutzhaft, sie starben unter Hypnose. So stark war ihr Wissen um ihren bevorstehenden Tod.
Interessant, finde ich.
Was den Vortrag angeht: ich werde Sie um 19 Uhr 30 abholen.
Mit Grüßen,
B.
23. November
Mein lieber Freund,
ich gestehe, dass auch mich die Geschehnisse des vergangenen Abends verblüfft haben, fand Ihre Reaktion aber leicht übertrieben. So unsäglich schauderhaft, wie Sie die Vorgänge offensichtlich empfanden, war es nicht. Zudem waren nicht Sie, sondern ich es, die bei diesem Experiment teilnahm. Erklären Sie mir doch, warum es Sie so echauffiert hat!
Das Herz schlägt im Übrigen noch immer munter.
Zuversichtlich, dass Sie sich mittlerweile beruhigt haben,
H.
24. November
Meine liebe Freundin,
„Echauffiert“ ist wohl das falsche Wort. Ich war – und bin – entsetzt, befremdet und zutiefst verwirrt. Sie haben das alles mit derselben selbstverständlichen Faszination untersucht und erlebt, die sie auch zeigten, als wir beispielsweise gemeinsam bei Museumsbesuchen die Bilder von Bosch betrachteten. Verzeihen Sie mir, wenn mir selbst solche Gelassenheit nicht zueigen ist, denn ich fürchte um Sie und fühle mich in einem grotesken Traum gefangen.
B.
auch noch 24. November
Mein lieber Freund,
Sie übertreiben! Mir geht es gut und das Herz schlägt. Vielleicht sind sie aber so freundlich und schreiben ihre Variante des Geschehens nieder, damit ich sie mit meinen eigenen Erinnerungen vergleichen kann? Teile dieser Nacht sind mir nur noch sehr verschwommen gegenwärtig.
Mit liebem Gruß,
H.
25. November, 1 Uhr Morgens
Teuerste,
was soll ich Ihnen denn beschreiben? Den ganzen Tag über war ich damit beschäftigt, Erkundigungen über besagten Doktor K. einzuholen und musste dabei feststellen, dass er offensichtlich nicht existiert. Weiters bin ich auf der Suche nach Fachleuten und Ärzten, die sich des Problems annehmen könnten und muss auch hier eingestehen, erfolglos gewesen zu sein.
Zu besagter Nacht also:
Als ich Sie zur vereinbarten Zeit abholte, fragte ich Sie, ob Ihnen nicht wohl sei, da Ihr Gesicht blasser war als gewöhnlich. Sie aber verneinten und sagten, Sie hätten nur schlecht geschlafen. Es war sechs Uhr Abends, also überzeugte mich diese Erklärung nicht vollends. Ich beließ es jedoch dabei, da ich Angst hatte, Sie würden sonst meine Besorgnis um Sie als aufdringlich empfinden.
Die Vorführung fand im alten Stiftsgymnasium statt, das eigentlich leer steht, was nicht gerade dazu angetan war, meinen Argwohn zu zerstreuen. Als ich unter den in der Aula Wartenden weder kein bekanntes Gesicht erblickte, war ich bereit, die Flucht anzutreten. Noch dazu, wo mir die Kleidung der Umstehenden sonderbar altmodisch erschien, nicht wirklich antik, aber doch schon seit zehn, zwanzig Jahren aus der Mode. Eine Tür wurde geöffnet, die anderen drängten in diese Richtung und Sie mit ihnen. Was blieb mir also übrig, als Ihnen zu folgen?
Es war ein Physiksaal mit in konzentrischen Kreisen aufgestellten Schulbänken und einer Versuchsfläche in der Mitte. Dort hatte man am Boden ein kompliziertes Geflecht aus Drähten, Säcken, Kisten, Lämpchen und diverser Apparaturen aufgebaut. Die Apparate piepsten und blinkten und schienen aus teilweise recht eigentümlichen Bestandteilen zusammengesetzt zu sein. So meinte ich in etwa, in einer zylindrischen Milchglasröhre, die zu einem quadratischen, surrenden Kasten gehörte, die Umrisse eines Katzenkadavers auszumachen. Ich wies Sie darauf hin, Sie lachten mich aus und meinten, meine Fantasie ginge mit mir durch. Sie eroberten uns einen Platz in der ersten Reihe und ignorierten meine dringliche Bitte nach sofortigem Aufbruch.
Nachdem ein jeder sich niedergelassen hatte, betraten drei Männer und zwei Frauen in weißen Kitteln die Bankreihenmitte unter allgemeinem Applaus. Sie schienen mir alle noch recht jung und der Begriff „Aktionskunst“ begann in meinem Hinterkopf Gestalt anzunehmen. Ich war erleichtert – und wurde sofort enttäuscht. Einer der Männer, eine schmächtige Gestalt mit dicker, verstaubter Brille und wirrem Haar zog ein Einmachglas aus seiner Kitteltasche und hielt es hoch, damit es jeder sehen konnte. Darin schwamm in Alkohol eingelegt ein Herz, von dem ich hoffte, dass es einmal einem Schwein gehört habe.
„Meine Damen und Herren!“, begann der Mann und es wurde still. Seine Stimme war eine Spur zu schrill, aber nicht unangenehm.
„Hier haben wir ein menschliches Herz.“ – Falls ich erwartet hatte, zumindest ein Raunen würde durch die Zuschauerschaft gehen, hatte ich mich geirrt. Alle, auch Sie, meine Liebe, beobachteten ihn gespannt. Es folgte eine halbe Stunde Vortrag über das Herz an sich, Herzkrankheiten und die Bedeutung des Herzens in verschiedenen Kulturkreisen. Ich begann, mich zu entspannen. Zwar war mir die gespannte Stimmung der Zuschauer und die Begeisterung, mit der Sie lauschten, unverständlich, dennoch – es gab schlimmeres als einen medizinischen Vortrag. Auch wenn ich beim besten Willen nicht verstand, wie die Anatomie des Herzens mit dem angekündigten Vortragsthema zu vereinbaren wäre. Ich döste ein wenig vor mich hin und versenkte mich dabei – ich gesteh’s! – in die Betrachtung Ihres Profils. Ich fand die feine Röte, die Ihre Wangen wegen der Kälte im ungeheizten Physiksaal langsam überzog, ganz reizend, wenn Sie mir diese profane Bemerkung verzeihen.
„Einen Freiwilligen!“, rief der Mann, der gerade noch über Herzerkrankungen referiert hatte, mit einem mal. Ich schrak auf und fiel beinahe vom Stuhl, als er das Einmachglas mit dem Herz direkt vor mir auf den Tisch knallte.
„Einen Freiwilligen!“
„Wofür?“, fragte ich, ehe ich mich bremsen konnte.
Er lächelte mich mitleidig an. „Es wird wieder schlagen.“
„Wie?!“, quiekte ich.
Sie drehten sich in meine Richtung, legten den Kopf schief und maßen das Einmachglas mit einem nachdenklichen Blick. Dann zeigten Sie, zu meinem panischen Schrecken, artig wie ein Schulmädchen auf. „Ich melde mich.“
„Fabelhaft!“ Der Referent klatschte in die Hände, ergriff die Ihren und Sie standen auf.
„Bedenken Sie jedoch“, sagte er zu Ihnen „dass Ihr Herz dafür zu schlagen aufhören wird. Für ein paar Minuten natürlich nur, danach werden wir das Experiment beenden. Aber in dieser Zeit…“
„Das klingt interessant.“, antworteten Sie und ließen sich willig in die Mitte der aufgebauten Apparatur führen.
Ich sprang auf, eilte Ihnen nach und versuchte, Sie zu ihrem Platz zurück zu drängen.
Ich beschwor Sie, erinnern Sie sich? Ich verwendete die Worte „gefährlich“ und verrückt“, doch sie kicherten nur und ich musste mich gegen meinen empörten Protest von den anderen beiden Männern in Klinikkleidung an den Armen zur Seite schleifen lassen. Ich fluchte und wehrte mich vergebens gegen ihren Griff. Man rollte meinen rechten Hemdärmel hoch und ich sah machtlos zu, wie eine der Frauen eine farblose Flüssigkeit in die Vene in meiner Armbeuge injizierte. Augenblicklich gaben meine Muskeln nach und die beiden Männer ließen mich in einen Sessel sinken. Der Referent klopfte mir mit fröhlichem Lächeln auf die Schultern und sagte irgendetwas Aufmunterndes in Richtung „Entspannen Sie sich“. Er hielt weitere fünf Minuten Vortrag, erklärte das weitere Vorgehen und die Funktionsweise seiner Apparatur. Die Bedeutung seiner Worte verschwamm in meinem Geist und ich hatte erhebliche Mühe, wach zu bleiben. Darum weiß ich nicht, wie es geschah, ich weiß nur, was geschah. Irgendetwas hatte es mit den Apparaten zu tun, irgendetwas mit dem Referent und seinen Gehilfen. Ich jedoch sah nur Sie, konzentrierte das bisschen Wahrnehmung, das ich aufrecht erhalten konnte, auf Ihre Gestalt. Sie waren umgeben von Drähten, standen in der Mitte des Saals und hielten das Einmachglas mit dem Herz in der Hand. Ich hörte Ihren Herzschlag, ich hörte ihn! Ihr Herz pochte langsam und gleichmäßig. Dann setzte es einmal aus. Dann schlug es wieder. Und setzte wieder aus. Dieses mal meinte ich, ein Zucken im Glas wahrgenommen zu haben. Es schlug! Jedes Mal, wenn Ihr Herz aussetze, schlug das Ding im Glas! Die Häufigkeiten verschoben sich und zuletzt hatte das Ihre ganz aufgehört zu schlagen, das Einmachglasherz pulste dafür regelmäßig. Sie jedoch schienen sich nicht daran zu stören. Sie schwankten vielleicht leicht, Ihre Blässe nahm noch zu. Doch sie blieben stehen. Fast war ich dankbar über die Substanz in meinem Blut, die verhinderte, dass ich die Szene begreifen konnte. Ich wäre sonst vor Angst um Sie und vor Grauen wahnsinnig geworden. Sie drehten den Kopf zu mir um und lächelten.
„Es ist angenehm.“, sagten Sie „Seltsam, aber ruhig.“
Applaus.
Der Referent verbeugte sich und bedankte sich bei Ihnen und ich begriff, dass die Vorstellung endlich ein Ende haben würde. Endlich!
Dann ging etwas schief.
Der Referent machte ein besorgtes Gesicht und Sie schienen verwirrt. Die Zuschauern begannen zu flüstern.
Ich verlor endgültig das Bewusstsein.
Als ich wieder aufwachte, saß ich auf einer Bank im Park, der in der Nähe des Schulhauses lag. Sie saßen neben mir und der Mond schien.
„Beruhigt?“, fragten Sie mich.
Ich antwortete nicht, denn ich war zu erleichtert. Sie lebten, Ihr Herz schlug wieder und ich hatte diese seltsame Zusammenkunft nur geträumt. Statt zu antwortet tat ich etwas, dass ich sonst nie gewagt hätte. Ich hob die Hand und legte sie an Ihre Brust, um mir selbst zu versichern, dass alles so… ich schrie auf und sie legten mir die Hand auf den Mund, um mich daran zu hindern.
„Psst! Beruhigen Sie sich!“, flüsterten sie eindringlich und hielten mir das Einmachglas vor die Nase. Darin schlug das tote Herz.
„Es schlägt für mich! Sie konnten es nicht rückgängig machen, aber offenbar schadet es mir nicht. Ist das nicht interessant?“ Sie klangen nur eine Spur verunsichert, hauptsächlich waren sie aber entzückt von der neuen Erfahrung.
Ich stotterte herum und sie lachten mich zum wiederholten Male aus.
Ich weiß nicht mehr, was wir daraufhin gesprochen haben, ich weiß nur noch, dass in Ihrer Brust… aber sie lebten! Das war das einzige, das für mich zählte. Es entzieht sich auch meiner Kenntnis, wie ich dann nach Hause gelangt bin. Heute, um sechs Uhr etwa, erwachte ich in meinem Bett, sah Ihr schlagendes Herz auf meiner Kommode. Ich war im alten Schulgebäude, fand dort keine Spuren mehr vom vorgefallenen außer einem kleinen Stück Draht, das man unter einem Tisch vergessen hatte.
Bitte, bitte, sagen Sie mir, dass ich mir dies alles eingebildet habe, dass dieses ganze schauerliche Erlebnis einzig und allein eine Ausgeburt meiner wirren Gedanken ist.
Ich verbleibe in tiefster Besorgnis,
B.
25. November
Mein teuerer Freund,
ich muss Sie enttäuschen: nichts von dem, was Sie geschildert haben, entspringt Ihrer Phantasie. Ich gestehe: ein wenig war ich zuerst geängstigt, mittlerweile jedoch bin ich nur noch fasziniert. Es geschieht selten, dass man den eigenen Herzschlag so unmittelbar beobachten kann. Es amüsiert mich irgendwie.
Dennoch: Ihre Sorge rührt mich und ich halte es für angebracht, Ihnen das mit Vertrauen zu vergelten. Sicher haben Sie schon erraten, was im Karton ist, dem dieses Schreiben anbei liegt? Ich schenke Ihnen, wenn Sie mir erlauben, es so auszudrücken, mein Herz.
Meinen liebsten Gruß,
H.
Notiz, gefunden von der Polizei in der Jackentasche B.s:
Als ich den Karton öffnete, waren meine Hände klamm und feucht. Ich zitterte und mir entglitt das Glas. Als ich Ihr Haus erreichte, begannen Sie schon, zu erkalten.
Stilübung mit Herzen
Stilübung mit Herzen
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
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Auf Eulen Schwingen
- Sphinx
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Re: Stilübung mit Herzen
Ja sag mal, Du E.T.A.- und Mesmerismus-Spezialist
Denke manchmal
ich brauch keine neuen Formen.
Ich stehe auf alten.
Denke manchmal
ich brauch keine neuen Formen.
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aes
(auf!eulen schwingen)
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Re: Stilübung mit Herzen
Silentio Dicta
(a)
Real verlorene Traditon ist nicht ästhetisch zu surrogieren.
(Adorno über verfehlte Surrogate/Ersatzmittel in der lyrischen Kunst und Kunst überhaupt)
(b)
Der Lyriker und der Prosaiker sucht sich im Steinbruch der Vergangenheit die Sätze, Formen, Töne, Stimmungen zusammen, die er braucht - es gibt keinen Kanon der verbindlich festgelegten Regeln mehr - um sie, in Konfrontation mit gegenwärtig Erfahrenem, ein Stück weiterzuschreiben.
(Michael Buselmeier über zeremonielle Wortmetze mit Faible für Altes)
(c)
Von jetzt an (...) Der Synkretismus des Durcheinanders aller Stile und Möglichkeiten, das Posthistoire.
(Gehlen über die Postmoderne. 1965)
(d)
Wo die Krisenerfahrungen der poetischen Moderne beharrlich ignoriert werden,
führt die taditionalistische Orientierung zum schlechten Klassizismus, zur Selbstentmündigung des Gedichtes.
(Michael Braun über die Nachahmung von und Anlehnung an klassische Vorbilder)
(e)
Warum sich mit der Wiederaufbereitung ausgebrannten Materials begnügen,
warum Gefahr laufen, im Recycling alle Standards der Vorlagen zu unterbieten?
(Hans Magnus Enzensberger über Kindervielfalt und Gnadenkraft im Schoß der Literatur)
(f)
Denke manchmal,
ich brauch keine neuen Formen.
Ich stehe auf alten.
Aber nicht nur.
(Willibald L.Taubenflaum zum Verdikt über traditionalistische Maulfäule)
(g)
Das Alte sollen wir verehren, das Neue aber lieben.
Den über kurz oder lang wird es das Alte sein.
(Theodor Fontane)
(a)
Real verlorene Traditon ist nicht ästhetisch zu surrogieren.
(Adorno über verfehlte Surrogate/Ersatzmittel in der lyrischen Kunst und Kunst überhaupt)
(b)
Der Lyriker und der Prosaiker sucht sich im Steinbruch der Vergangenheit die Sätze, Formen, Töne, Stimmungen zusammen, die er braucht - es gibt keinen Kanon der verbindlich festgelegten Regeln mehr - um sie, in Konfrontation mit gegenwärtig Erfahrenem, ein Stück weiterzuschreiben.
(Michael Buselmeier über zeremonielle Wortmetze mit Faible für Altes)
(c)
Von jetzt an (...) Der Synkretismus des Durcheinanders aller Stile und Möglichkeiten, das Posthistoire.
(Gehlen über die Postmoderne. 1965)
(d)
Wo die Krisenerfahrungen der poetischen Moderne beharrlich ignoriert werden,
führt die taditionalistische Orientierung zum schlechten Klassizismus, zur Selbstentmündigung des Gedichtes.
(Michael Braun über die Nachahmung von und Anlehnung an klassische Vorbilder)
(e)
Warum sich mit der Wiederaufbereitung ausgebrannten Materials begnügen,
warum Gefahr laufen, im Recycling alle Standards der Vorlagen zu unterbieten?
(Hans Magnus Enzensberger über Kindervielfalt und Gnadenkraft im Schoß der Literatur)
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Denke manchmal,
ich brauch keine neuen Formen.
Ich stehe auf alten.
Aber nicht nur.
(Willibald L.Taubenflaum zum Verdikt über traditionalistische Maulfäule)
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