Die versunkene Kathedrale

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Sascha
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Die versunkene Kathedrale

Beitragvon Sascha » 14.02.2006, 01:21

(gelöscht)

Silentium
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Re: Die versunkene Kathedrale

Beitragvon Silentium » 14.02.2006, 16:53

Hallo Sascha!

Ich habe jetzt zum fünften Mal zu diesem post angesetzt, aber die einzelnen Dinge, die mir zu diesem Gedicht akut schreibenswert erscheinen, passen irgendwie nicht zueinander, lassen sich nicht gliedern. Um meine Nerven zu schonen, stell ich sie jetzt einfach als Feststellungen in den Raum, ungeordnet, unzusammenhängend, einfach so. Vielleicht ergibt sich dann am Schluss was zusammenhängendes.

1. Das Thema ist gut. Versunkene-Kathedralen-Texte haben grundsätzlich einen themenbedingten Symphatiebonus. Aber den braucht es eigentlich gar nicht, weil mir das ganze Gedicht gefällt. Wegen Punkt zwei.

2. Dieser eine Satz, der verästelt und verschlungen, verschachtel und gekrümmt ist, erinnert selbst ein bisschen an ein labyrinthisches Bauwerk - scheinbar aus einem einzigen Stein, mit Nischen und Gibeln, Krypten und Schatten - und Teilen, die unter Wasser liegen, also verschwimmen, spiegeln, nicht mehr genau erkennbar sind. Die Mördersyntax passt hier irgendwie, obwohl man siebenmal lesen muss, um überhaupt die Verben einmal richtig zuordnen zu können, und dann noch siebenmal, bis man begreift, welche Satzteile zusammengehören, sehr, sehr gut.

3. Ist die Frau (?) aus der ersten Zeile ("ihr nachspeit") die, die am Schluss als LD die salzigen Schenkel wäscht? Und ist das dieser "ihn" aus "ihn frühlingsblau tönt" der Mond, der durch ein frühlingsblaues Fenster fällt oder ein Mann, auf den das frühlingsblau getönte Mondlicht fällt und ihn so mitfärbt. Wenn es ein Mann wäre (obwohl ich eher auf Mond tippe), ist er dann mit dem Li aus der Letzten Zeile ident?

4.
du wuschst die salzigen Schenkel dort,
wo ich aus jener Perlenmuschel trank

Klingt nach einem Psalm. Kann ziemlich unkirchlich gelesen werden, klingt aber trotzdem psalmig. Oder ich hab da zuviel Phantasie.

5. Mir sind die Zeitebenen nicht ganz klar - zuerst Nacht, dann Rückblick, die Sonne scheint, es ist Ostern und die Kirche ist noch ungeflutet. Heißt die letzte Zeile, dass die Kirche um 15 Uhr 33 irgendwann um Ostern herum unter Wasser gesetzt wurde?
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

Sascha
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Re: Die versunkene Kathedrale

Beitragvon Sascha » 15.02.2006, 15:14

Das ist sehr klug und angemessen, was Du zu meinem Gedicht sagst. Du bemerkst tatsächlich nicht weniger als man an einem Gedicht bemerken sollte, wenn man es zugleich gerne lesen und ihm gerecht werden möchte. Deshalb bleibt mir nur folgendes zu sagen:

Du fragst nach der Zeitebene. Die Kathedrale wird anfangs zur Nachtzeit beschrieben, zu einem Zeitpunkt, da der Mond eben durch eines ihrer länglichen Chorfenster fällt; der Satz folgt bis zur Klammer diesem einfallenden Mondlicht.
In der Klammer wird dann erst das Innere dargestellt - und damit die Vergangenheit der Kathedrale, als sie noch nicht versunken war. Von hier sahen die Betenden ihre Rosette im Sonnenlicht gleißen, sobald und solange die Sonne daraufschien.
Jetzt aber, in ihrer Versunkenheit und die veränderte, natürlich ungünstigere Stellung zur Sonne, wird die Rosette nur noch einen Moment erleuchtet: "gegen halb vier im Sonnenlauf" und dann nur noch "bis 15 uhr 33". Die Erwähnung von Sonne und Tag in einem Gedicht, das nachts 'spielt', dient als nur der prägnanten Beschreibung der Kathedrale über einen (Nacht)Moment hinaus.

Mit dem "ihr" in der ersten Zeile ist nur die Kathedrale gemeint.


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