Vor der großen Reise

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
XL
Erinye
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Vor der großen Reise

Beitragvon XL » 11.07.2006, 17:03

Ich liebe es,
dass du da bist,
wie du dasitzt,
aus wundergrünen Augen,
mit funkelweißen Zähnen,
mich verschmitzt anblitzt
und dir Denkmäler
in meiner Seele errichtest.

Wenn du bald verreist,
will ich dass du weißt,
dass meine Liebe
nicht dasteht
und zusieht
wie du gehst,
aber auf immer
mit dir sei,
wohin dich der Wind
auch weht.

Ich bleib derweil
hier zugegen
um deine Denkmäler
zu pflegen.
Das Leben ist
aus dem Nichts
etwas zu erschaffen
im großen Alles.
Der Tod ist
aus dem großen Alles
ins Nichts zu gehen
und Etwas
zurückzulassen.

Flocke
Kalliope
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Re: Vor der großen Reise

Beitragvon Flocke » 12.07.2006, 14:31

Liebe(r) XL,

hm, habe es jetzt ein paar Mal gelesen und bin etwas zerrissen. Ein Teil gefällt mir sehr gut, der andere nicht. Dein Text könnte ein schönes Liebesgedicht werden, wenn er ein bißchen entpathetisiert würde.

Erstmal finde ich die Idee mit den Denkmäler sehr schön, zumal es ja anscheinend um Trennung geht. Allerdings, warum errichtet der/die Abreisende die Denkmäler? Normalerweise tut das doch derjenige, der sich erinnern möchte. Habe noch nie gehört, dass sich jemand Berühmtes selbst ein Denkmal errichtet hätte, also im physischen Sinne. Im übertragenen Sinne ist es was anderes. Und wenn letzteres der Fall ist, scheint mir nur das Anblitzen mit den Augen/Zähnen ein bißchen wenig Verdienst.

Zum zweiten erstickt der mittlere Teil des Gedichts im Pathos, was mir persönlich gar nicht gefällt. Das Bild von der Liebe, die überall mit hingeht und so ist ziemlich abgegriffen. Klar meint der/diejenige das so, aber vielleicht kannst du es irgendwie anders ausdrücken? Weniger direkt?

"wohin dich der Wind auch weht" klingt mir sehr nach Reise ohne Rückkehr, nach endgültiger Trennung, Tod?

Dann finde ich Worte wie "Seele" und "Liebe" ein bißchen groß für ein Gedicht. Denke, ein Liebesgedicht kann auch ohne auskommen und trotzdem als solches erkannt werden.

Ich hab mal ein bißchen rumgespielt, den zweiten Teil solltest du allerdings selbst überarbeiten, da ich nicht genau weiß, welche Art Reise du letztendlich meinst...
Das kursiv geschriebene würde ich rausnehmen, das brauchst du m.E. nach nicht.

Ich liebe es,
dass du da bist,
wie du dasitzt,
aus wundergrünen Augen,
mit funkelweißen Zähnen,
mich verschmitzt anblitzt
und dir Denkmäler
in meiner Seele (besser: in mir?) errichtest.

[Wenn du bald verreist,
will ich dass du weißt,
dass meine Liebe
nicht dasteht
und zusieht
wie du gehst,
aber auf immer
mit dir sei, (altmodischer Ausdruck, besser: mit dir ist? wegen der Zeitform)
wohin dich der Wind
auch weht.]

Ich bleib derweil
hier zugegen
(auch ein ziemlich altmodischer Ausdruck)
um deine Denkmäler
zu pflegen.


Ach ja, ist der Reim am Schluß Absicht? Falls ja, solltest du lieber das ganze in Reimform schreiben. Falls nicht, würde ich ihn rausnehmen, vielleicht, indem du den angemerkten Ausdruck modernisierst?


Noch ein bißchen grübelnd
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...


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