Ein Bild

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
DerBaum
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Ein Bild

Beitragvon DerBaum » 26.11.2007, 21:24

einen großen spiegel kann ich erkennen
eine tapete mit hand und fuß
drei bilder
wer weiß von wem
sie kann ich erkennen
die haare weit ausgestreckt
ihre augen...............
drei postkarten kann ich erkennen
was mag dort draufstehen
und woher kamen sie
und wie hieß der briefträger der sie einwarf
und was macht er danach
sitzt er noch in einer dieser briefträgerkneipen und dichtet
ihre augen kann ich erkennen
wie weit sie entfernt sind
wie schön dass sie zwei davon hat
(eine große vase; zwei rote kissen; ein tisch; drei stühle; auf einem sitzt sie; eine schwarze stoffjacke; oder ein pullover; vielleicht gestrickt von einem
einsamen der sie eines tages sah und wieder anfing zu stricken; oder von einer großmutter; irgendwo in mostar; sie hat überhaupt nichts mit ihr zu tun und trotzdem ist sie in diesem gedicht und lächelt sie an)
ich kann ihr haar erkennen
der länge nach ausgestreckt
ich verspreche mir nichts von diesem blick
aber ich schreibe ein gedicht
stell mir vor
ich wäre der briefträger der die postkarten in ihre hände legt ohne dass sie das bemerkt
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter

andres
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Re: Ein Bild

Beitragvon andres » 27.11.2007, 00:40

Ein Mindestlohn für Briefträger wäre dann ja was für dich! ((Hoffentlich setzt sich die SPD durch.))
werden.

Jack Swallow
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Re: Ein Bild

Beitragvon Jack Swallow » 27.11.2007, 13:00

Schwierig zu verstehen...

Ist dein Protagonist nun so eine Art Spanner, der durch ein Fenster blickt?

Oder finden die Bilder, die der Protagonist sieht, in seinem Kopf statt, während er ein Gedicht schreibt?

Ist das, wie mir scheint, unfreiwillig Komische freiwillig beabsichtigt (sofern das überhaupt machbar ist "kratzamkopf")?
Bsp.:
ihre augen kann ich erkennen
wie weit sie entfernt sind
wie schön dass sie zwei davon hat


Gibt es Briefträgerkneipen?
Ich denke, ich habe mindestens genausoviele Fragen zum Inhalt deines Gedichts, wie dein Protagonist in deinem Gedicht zu was auch immer...

Ist dein Gedicht überhaupt ein Gedicht? Oder ist es nicht vielmehr eine Art Gedankenmonolog...
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

Jack Swallow
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Re: Ein Bild

Beitragvon Jack Swallow » 27.11.2007, 13:22

Ach, beim Klabautermann...

Der Protagonist schaut sich ein Bild an und denkt darüber nach und möchte darin die Briefträgerrolle übernehmen.

Ich glaube, jetzt hab ich's auch verstanden
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

Jack Swallow
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Re: Ein Bild

Beitragvon Jack Swallow » 27.11.2007, 20:44

Wenn ich's mir genauer überlege...
neee, hab's doch nicht verstanden...
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

mög
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Re: Ein Bild

Beitragvon mög » 27.11.2007, 21:28

Die Betrachtete muss ein besonderer Mensch sein. Sie kann einsame Menschen dazu bringen, wieder zu stricken anzufangen. Wer weiß, vielleicht ist sie es auch, die den Briefträger zu seinen Gedichten in der Briefträgerkneipe inspiriert? Die Betrachtete setzt also kreative Kräfte frei, ganz gleich, ob sie in Pullover fließen oder in Briefträgerkneipengedichte oder in dieses Gedicht.

Ich finde es auch schön, dass sie zwei Augen hat, und dass man dass sehr einfach sehr schön findet, auch wenn sie so weit entfernt sind.

Es geht vielleicht ein bisschen auch um Verehrung?, nein besser: Zuneigung aus der Ferne, aber nicht nur, und das ist gut. Überhaupt gefällt mir diese Art von Betrachtung aus der Ferne in dieser Form besser, als sie sonst oft abläuft. (Dass man sich nichts von dem Blick verspricht, das ist wichtig, aber noch nicht ausreichend). Hier gibt es auch Platz für andere Menschen, für einen Briefträger und eine Großmutter. Gerade die Großmutter ist ein ungemein liebevolles Detail.

So ein Briefträger würde ich auch lieber sein wollen und auch in Brieträgerkneipen lieber solche Gedichte schreiben.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)


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