abgesang
ich grabe in der dunkelheit
und liebe ist ein wort
es liegt im schnee, eingeschneit
verrußt, verquer, verdorrt
ich züchte ein viehleicht
es wächst, wenn es zerbricht
zum schweren, das nie reicht
verhext, verkopft, verzicht
Ab
-
Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Ab
and all the lousy little poets coming round ...
-
Jack Swallow
- Sphinx
- Beiträge: 108
- Registriert: 18.11.2007, 14:15
Re: Ab
Ganz spontan irritiert mich das "viehleicht". Ist das neue Rechtschreibung, künstlerische Freiheit oder soll es eher "vielleicht" heißen...?
(Zum Inhaltlichen sage ich was, wenn sich der erste Eindruck gesetzt hat. Ist ja auch schon spät...)
Grüße
(Zum Inhaltlichen sage ich was, wenn sich der erste Eindruck gesetzt hat. Ist ja auch schon spät...)
Grüße
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)
Re: Ab
Hi Herbert ^^,
ich glaube, ich mische mich mal wieder unters Volk, dieses stumpfe Proletariat.. So lasset uns diskutieren.
Ein Rechtschreibfehler? Finde ich unwahrscheinlich, da das h recht entfernt vom l ist.... Und was isses Heiter? ^^
Aber davon mal abgesehen.
In meinem Kopf entsteht eindeutig ein Bild. Es ist ein "Wortbild". Also kein Bild im normalen Sinne (Methaper, Vergleich). Es ist eher ein Sinnbild.
Ich kann spüren, was das LI sagt.
Natürlich frage ich mich: warum gräbt das LI in der Dunkelheit UND Liebe ist ein Wort. Somit steht Liebe als Wort in Abhängigkeit zur Dunkelheit. Ohne Dunkelheit (aka Tage) ist Liebe mehr als ein Wort.
Das Bild mit dem Schnee ist wiederum ein wunderbares Bild. Boah, ich liebe es. En wunderbare Methapher. Diese Verstärkung, mit dem EIngeschneit. Dann dieses Kontrast des Verußten..
Entschuldigt meinen Enthusiasmus.. Aber ich finde das Gedicht sehr Auratisch... Ich finde, es bedarf genauerer Interpretation (PC?)
Doch Herbert, ich mag dieses Gedicht.
vogel
PS: Warum ist der Threadtitel "Ab"?
PS2: Man Könnte das Gedicht auch gesellschaftskritisch lesen *Muahahah, oder? :-&
ich glaube, ich mische mich mal wieder unters Volk, dieses stumpfe Proletariat.. So lasset uns diskutieren.
Ich dachte dabei zuerst an Vieh, also an Tiere, landwirtschaftlich genutzt und domestieziert. Obwohl, es ein "leicht Vieh" ist, war es eine Kuh dir mir in den Sinn kam. Das wohl bekannteste Vieh, denke ich.ich züchte ein viehleicht
Ein Rechtschreibfehler? Finde ich unwahrscheinlich, da das h recht entfernt vom l ist.... Und was isses Heiter? ^^
Aber davon mal abgesehen.
In meinem Kopf entsteht eindeutig ein Bild. Es ist ein "Wortbild". Also kein Bild im normalen Sinne (Methaper, Vergleich). Es ist eher ein Sinnbild.
Ich kann spüren, was das LI sagt.
Natürlich frage ich mich: warum gräbt das LI in der Dunkelheit UND Liebe ist ein Wort. Somit steht Liebe als Wort in Abhängigkeit zur Dunkelheit. Ohne Dunkelheit (aka Tage) ist Liebe mehr als ein Wort.
Das Bild mit dem Schnee ist wiederum ein wunderbares Bild. Boah, ich liebe es. En wunderbare Methapher. Diese Verstärkung, mit dem EIngeschneit. Dann dieses Kontrast des Verußten..
Entschuldigt meinen Enthusiasmus.. Aber ich finde das Gedicht sehr Auratisch... Ich finde, es bedarf genauerer Interpretation (PC?)
Doch Herbert, ich mag dieses Gedicht.
vogel
PS: Warum ist der Threadtitel "Ab"?
PS2: Man Könnte das Gedicht auch gesellschaftskritisch lesen *Muahahah, oder? :-&
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.
-
Jack Swallow
- Sphinx
- Beiträge: 108
- Registriert: 18.11.2007, 14:15
Re: Ab
Nochmal ganz spontan, würde ich stark pointiert sagen, daß es sich bei dem lyrischen Ich um einen Verstandesmenschen handelt, der auf der Suche nach Liebe ist.
Die erste Strophe drückt Resignation aus...
Die Dunkelheit des Ungewissen umgibt ihn. Liebe als Gefühl dagegen zeugt von Gewissheit, die aber relativiert, zerrissen, hinterfragt, totdiskutiert wurde. Was übrigeblieben ist, ist ein "wort", eine Hülse, deren lebendige Bedeutung fehlt.
In der zweiten Strophe kommt der Realtivismus des "Kopfmenschen" zum Vorschein... Was kann ich wissen, was ist Wahrheit , wo bin ich überhaupt usw. usw.
Er züchtet ein "viehleicht". Es kann keine Gewissheit geben nur Konfusion, "es wächst, wenn es zerbricht"...
Dieses totale Hinterfragen, die in die Konfusion führt, ist angetrieben von der Suche nach etwas "Schwerem", etwas das bleibt. Woran man sich festhalten kann...
Doch kommt der Protagonist niemals zu einem endgültigen Ergebnis.
Die Liebe ist ja nicht nur Wort...
Grund des Scheiterns und "vieHleicht" auch des Aufgebens, ist das verhext "Verkopfte", das zum "Verzicht" von Liebe führt.
Oder umgangssprachlich ausgedrückt:
Der Intellektuelle hat kein Sex, er fiktivitiert lieber darüber nach...
Die erste Strophe drückt Resignation aus...
Die Dunkelheit des Ungewissen umgibt ihn. Liebe als Gefühl dagegen zeugt von Gewissheit, die aber relativiert, zerrissen, hinterfragt, totdiskutiert wurde. Was übrigeblieben ist, ist ein "wort", eine Hülse, deren lebendige Bedeutung fehlt.
In der zweiten Strophe kommt der Realtivismus des "Kopfmenschen" zum Vorschein... Was kann ich wissen, was ist Wahrheit , wo bin ich überhaupt usw. usw.
Er züchtet ein "viehleicht". Es kann keine Gewissheit geben nur Konfusion, "es wächst, wenn es zerbricht"...
Dieses totale Hinterfragen, die in die Konfusion führt, ist angetrieben von der Suche nach etwas "Schwerem", etwas das bleibt. Woran man sich festhalten kann...
Doch kommt der Protagonist niemals zu einem endgültigen Ergebnis.
Die Liebe ist ja nicht nur Wort...
Grund des Scheiterns und "vieHleicht" auch des Aufgebens, ist das verhext "Verkopfte", das zum "Verzicht" von Liebe führt.
Oder umgangssprachlich ausgedrückt:
Der Intellektuelle hat kein Sex, er fiktivitiert lieber darüber nach...
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)
-
Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: Ab
Guten Abend.
Zwei sehr interessante Interpretationen - und mir scheint, obwohl sie einen ähnlichen Ansatz haben, schlagen sie doch zwei sehr unterschiedliche Richtungen ein. Diese Doppelbödigkeit beruhigt mich. Danke.
Ich kann dazu nicht mehr sagen, als: Das ist kein Fehler.
Was ist "auratisch"?
Danke, Fräulein Vogel. Ihre Interpretation beleuchtet meinen Tag.
Haben Sie sich schon mal an etwas festgehalten, "das nie reicht"? Danach sucht man nicht.
Ach, wenn es nur Sex wäre - wie banal wäre die Lösung.
Meinen verbindlichsten Gruß,
H. Eiter
Zwei sehr interessante Interpretationen - und mir scheint, obwohl sie einen ähnlichen Ansatz haben, schlagen sie doch zwei sehr unterschiedliche Richtungen ein. Diese Doppelbödigkeit beruhigt mich. Danke.
Ganz spontan irritiert mich das "viehleicht". Ist das neue Rechtschreibung, künstlerische Freiheit oder soll es eher "vielleicht" heißen...?
Ich kann dazu nicht mehr sagen, als: Das ist kein Fehler.
In meinem Kopf entsteht eindeutig ein Bild. Es ist ein "Wortbild". Also kein Bild im normalen Sinne (Methaper, Vergleich). Es ist eher ein Sinnbild.
Entschuldigt meinen Enthusiasmus.. Aber ich finde das Gedicht sehr Auratisch...
Was ist "auratisch"?
Doch Herbert, ich mag dieses Gedicht.
Danke, Fräulein Vogel. Ihre Interpretation beleuchtet meinen Tag.
Dieses totale Hinterfragen, die in die Konfusion führt, ist angetrieben von der Suche nach etwas "Schwerem", etwas das bleibt. Woran man sich festhalten kann...
Haben Sie sich schon mal an etwas festgehalten, "das nie reicht"? Danach sucht man nicht.
Der Intellektuelle hat kein Sex, er fiktivitiert lieber darüber nach...![]()
Ach, wenn es nur Sex wäre - wie banal wäre die Lösung.
Meinen verbindlichsten Gruß,
H. Eiter
and all the lousy little poets coming round ...
-
Jack Swallow
- Sphinx
- Beiträge: 108
- Registriert: 18.11.2007, 14:15
Re: Ab
Haben Sie sich schon mal an etwas festgehalten, "das nie reicht"? Danach sucht man nicht.
Stimmt, Herr Eiter, der Intellektuelle sucht nicht, denn er hat es ja schon. Deswegen hat er wahrscheinlich auch keine Fragen mehr an Gott und die Welt. Bodenständige Einstellung.
Ach, wenn es nur Sex wäre - wie banal wäre die Lösung.
Es gibt also doch ein Suchen? Aber schön, daß sie das Zwinkern zu Kenntnis genommen haben...
Grüße
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)
Re: Ab
Guten Abend,
Auratisch geht auf Walter Benjamin zurück. Er sagt, dass wenn man z. B. vor einem Gemälde steht, ergriffen ist: das schimpft sich Aura ( = das Bild ist auratisch). Im Zuge der größeren technisierung und medialistierung geht uns diese Aura verloren. Ein Gemälde als Reproduktion ist nicht mehr so auratisch wie das orginal, da ich jederzeit und überall darauf zurückgreifen kann..
Mir kam das halt nur so in den Sinn, da ich obwohl ich das Gedicht am Bildschirm mir selbst vorgelesen habe, doch sehr ergriffen war. Dieses Gefühl habe ich im Moment nicht oft. M. E. würde man eine "richtige" Aura vorallem bei einer Lesung erzeugen können..
Und daher gefällt er mir noch mehr
Trotzdem frage ich mich noch immer, warum der Thread "Ab" heißt.
Liebe Nächtliche Grüße,
vogel
Auratisch geht auf Walter Benjamin zurück. Er sagt, dass wenn man z. B. vor einem Gemälde steht, ergriffen ist: das schimpft sich Aura ( = das Bild ist auratisch). Im Zuge der größeren technisierung und medialistierung geht uns diese Aura verloren. Ein Gemälde als Reproduktion ist nicht mehr so auratisch wie das orginal, da ich jederzeit und überall darauf zurückgreifen kann..
Mir kam das halt nur so in den Sinn, da ich obwohl ich das Gedicht am Bildschirm mir selbst vorgelesen habe, doch sehr ergriffen war. Dieses Gefühl habe ich im Moment nicht oft. M. E. würde man eine "richtige" Aura vorallem bei einer Lesung erzeugen können..
Ja, das scheint sinnig. Da der Text ja doch recht "künstlich" (siehe "vieHleicht") geschaffen ist, er ist also wohlbedacht in seiner Wortwahl. Ja, das worüber er inhaltlich schreibt, ist er auch formal. Das ünterstützt es die Wirkung sehr.Der Intellektuelle hat kein Sex, er fiktivitiert lieber darüber nach...
Und daher gefällt er mir noch mehr
Trotzdem frage ich mich noch immer, warum der Thread "Ab" heißt.
Liebe Nächtliche Grüße,
vogel
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.
-
Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: Ab
Guten Abend.
Ein Intellektueller ohne Fragen ist wie ein Orakel ohne Antworten. Aber, danke noch mal für deinen Blickwinkel, das war sehr hilfreich. Ich denke, das hat mich überzeugt, dass ich vor allem die letzte Zeile noch mal überarbeiten muss - und dabei dann auch einen Ersatz für "verkopft" brauche.
Auratisch ist mein neues Lieblingswort. Jetzt bin ich mir erst der Ausmaße des hohen Lobes bewusst. :erbleichen:
Hier zehn Gründe, warum das Thread so heißen könnte:
1. Reimschema (abab)
2. Wer A sagt...
3. Notwendigkeit (a->b)
4. Dramaturgie (a->b)
5. (Ich gr)ab(e in der Dunkelheit)
6. Ab(stand)
7. Ab(lösung)
8. Ab(trennen)
9. Ab(schied)
10. Ab(gesang)
Vorweihnachtliche Grüße,
H. Eiter
Deswegen hat er wahrscheinlich auch keine Fragen mehr an Gott und die Welt.
Ein Intellektueller ohne Fragen ist wie ein Orakel ohne Antworten. Aber, danke noch mal für deinen Blickwinkel, das war sehr hilfreich. Ich denke, das hat mich überzeugt, dass ich vor allem die letzte Zeile noch mal überarbeiten muss - und dabei dann auch einen Ersatz für "verkopft" brauche.
Auratisch geht auf Walter Benjamin zurück...
Auratisch ist mein neues Lieblingswort. Jetzt bin ich mir erst der Ausmaße des hohen Lobes bewusst. :erbleichen:
Trotzdem frage ich mich noch immer, warum der Thread "Ab" heißt.
Hier zehn Gründe, warum das Thread so heißen könnte:
1. Reimschema (abab)
2. Wer A sagt...
3. Notwendigkeit (a->b)
4. Dramaturgie (a->b)
5. (Ich gr)ab(e in der Dunkelheit)
6. Ab(stand)
7. Ab(lösung)
8. Ab(trennen)
9. Ab(schied)
10. Ab(gesang)
Vorweihnachtliche Grüße,
H. Eiter
and all the lousy little poets coming round ...
Re: Ab
Könnte verleiht dem Ganzen eine gewisse Möglichkeit. Ich glaube, ich verstehe. Vielen Dank :thanx:
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Baidu [Spider], Bing [Bot] und 12 Gäste