trost

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shuya
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trost

Beitragvon shuya » 29.09.2010, 00:49

pelops, vater des vom laios, vater des ödipus, vergewaltätigten chrysippos.
ich treibe.
schilf zieht an meinen armen entlang
und die sonne steht hoch.
in den bilderbüchern, durfte sie immer nur
an uns vorbei kreisen.
myrtilos, der chauffeur des oinomaos, hat mit seinem verrat an selbigem eine ordentliche kette an flüchen los gelassen.
ein paar züge tun.
dann die bewegung versacken lassen.
weiter treiben.
große wolkenherden schieben sich nach vorne
hinter den geschlossenen lidern
wird wieder schwarz
der blinde ödipus, an seinen stab geklammert
ein ruhiger bettler unter dessen zerrissenem umhang
noch ein harnisch glänzt.
das perfekte unglück, als sei da
etwas tröstliches in der übertreibung.
am ufer trockne ich mich im gras
die bewegung des wassers hallt noch in den sinnen nach
es ist ähnlich, wenn man schnell und wenn man langsam reist
hängt der geist noch ander orts fest
das raster in der mattscheibe
zerteilt den see in wundervolle ordnung
eine komposition
die ich nicht los werde, in die betrachtung später
noch mit einbaue.

ich flute den lichtschacht, den orthochromatischen film
sein grobes korn
wird das bild
aus unserer zeitrechnung befreien.

Perry
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Re: trost

Beitragvon Perry » 05.10.2010, 14:38

die Reisenachbetrachtungen am Schluss gefallen mir gut.
Die begleitenden Götter und Heldengestalten dagegen weniger, da sie mir zu beliebig aufgezählt erscheinen, was natürlich auch an meiner mangelnden Kenntnis griechischer Mythologie liegen kann. Ich vermute mal, du lässt das in seinem Weidenkörbchen ausgesetzte Kind Moses in deinen Zeilen in übertragenen Sinn zu Wort kommen.
LG
Perry

shuya
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Re: trost

Beitragvon shuya » 06.10.2010, 10:54

im "original" waren die zeilen über die griechischen götter alle in einem hellen grau
um mit der farbe zu verdeutlichen, dass es sich scheinbar um einen gedankengang des erzählers handelt.

kurzes geschichtlichtes backup

laios = vater von ödipus, verguckt sich in ein kind und vergeht sich an dem jungen namens chrysippos
pelops = vater von chrysippos, er verflucht laios nachdem er sich an seinem sohn vergeht "er solle niemals kinder bekommen, oder durch die hand seines kindes sterben"
myrtilos = der wagenlenker von könig oinomaos. myrtilos ist auch sohn des hermes. er betrügt oinomaos für pelops, welcher ihm ein halbes königreich verspricht, wenn er den wagen des oinomaos für einen wettstreit zwischen ihm und pelops sabotiert.

oinomaos stirbt durch die sabotage, verflucht myrtilos, er solle durch die hand von pelops sterben,
pelops tötet myrtilos als dieser sich an der königstochter vergehen will
//
ödipus wiederum wird geboren als sohn von laios, laios fürchtet den fluch und lässt ödipus die füße durchstechen, bezahlt jemanden ödipus in den bergen auszusetzen.
dieser jemand hat mitleid, bringt ödipus zu einer frau, die ihn in eine stadt bringt.
dort wächst er auf, in einem handgemenge tötet er seinen vater laios ohne zu wissen, dass er laios oder sein vater ist,
später besiegt er die sphinx, darauf hin bekommt er das königreich und die königin zur frau, beide wissen nicht, dass sie verwandt sind.
als es später rauskommt tötet sich die königin, ödipus nimmt zwei nadeln von ihrem gewandt und sticht sich die augen aus.
- in einer version geht er als blinder ins exil, geführt von seiner tochter
und wird später von einer bettlersgilde aufgenommen.

Es gibt noch ein paar kleine side-stories in denen so ziemlich alle irgendwie ums leben kommen
alle um am ende das "perfekte unglück" zu schaffen - also ödipus der blind und gebrochen durch die gegend stolpert.
-----------

der trost in der übertreibung ist ein gedanke zur fotografie, aber auch allen anderen modernen medien, der mir im moment im kopf rumspukt .
überall sehe ich noch heute die perfekten, perfide in einander konstruierten, übertreibungen welche zeitgleich eine nachfrage erschaffen soll - und über die nachfrage hinwegtrösten.
hochstilisierte modelle, die sich in beziehungskonstrukte stürzen die in illustrierten mit fotos, in den medien mit filmen nachgestellt und belegt werden sollen, darum wird sprache als fugenmittel für die brüchige vorstellungskraft bei der bildbetrachtung.
das alles bringt mich ein wenig zum grübeln, in der ruhigen betrachtung des schwimmers und fotografen, liegt zeitgleich die turbulente geschichte eines bildes, dass durch sein massives korn, der staub durchs entwickeln, angereichert mit vorprogrammierten dramen
den ruhigen see
in ein schlachtfeld verwandeln kann
den schwimmer
in einen erzähler, der vom schlachtfeld zurück gekehrt ist.
wenn man nur wollte
es wäre vielleicht ein trost.

Perry
Melpomene
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Re: trost

Beitragvon Perry » 08.10.2010, 15:33

Hallo Shuya,
danke für die Erläuterung. Der Ödipuskomplex sagt mir was, der Rest eher weniger.
LG
Perry


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