Beitragvon Hamburger » 12.12.2003, 21:46
Hallo Flocke!
Herzlich willkommen im Forum! Herzlich willkommen auch deinem Willkommensgedicht! Da ich gerade online bin, schicke ich dir jetzt gleich meine aus dem Stand formulierte Meinung.
Ich finde, das ist ein kleines nettes Gedicht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Besonders gut gefallen mir zwei Sachen, von denen ich nicht weiß, ob sie so intendiert waren. Aber ich interpretiere sie so. Zum Einen der Ausruf "oh nein", der zwischen der Aussage der ersten und zweiten Strophe steht, weil er doppeldeutig verstanden werden kann: zum Einen als Bekräftigung des in der ersten Strophe Ausgesagten, als eine Art entrüstete Bekräftigung. Zum Anderen als eine Einleitung der zweiten Strophe, indem die Aussage der anderen Person in der ersten Strophe schon einmal vorneweg abgelehnt wird.
Das wäre die inhaltliche Doppeldeutigkeit, die Formelle ist gegeben, weil der Ausruf zwischen den Strophen steht. War das so intendiert, ist es genial. War es das nicht, habe ich wohl überinterpretiert.
Zum zweiten Lob: Die zweite Strophe finde ich teilweise fies. Ich allerdings mag das. Was ich nicht mag ist der kitschige blaue Himmel mit der gelben Sonne zum Ende, wenn du verstehst was ich meine.
Es handelt sich, wie das Herz ja wohl zeigen soll, um ein Liebesgedicht. Aber nicht du betest an, sondern wirst offensichtlich angebetet. Diese Machtstellung nutzt du aus. Darüber hinaus kann die dich anbetende Person nur den Trostpreis, nämlich die Freundschaft erhalten. Ich finde den Gedanken interessant: Die Machtstellung des Angebeteten für sich auszunutzen, um Freundschaft zu erhalten. Diese Freundschaft allerdings soll dann wohl gleichberechtigt sein. ("mit mir teilt")
Tja, und wo Lob ist da ist auch immer etwas Kritik. Ich finde das Gedicht insgesamt etwas zu allgemein. Es wird geschickt gebrochen in der zweiten Strophe, insbesonders durch die Einführung des Begriffs "würdiger Gegner", aber dennoch ist es zu wenig individuell. Ich als Leser würde nun gerne wissen: Warum nur Freundschaft? Wie soll es nach den Machtspielen zur Freundschaft kommen?
Auch zu den Hintergründen würde ich gerne mehr erfahren. Aber es werden keine Charakterisierungen vorgenommen. Tja, so gehts mir immer mit solchen kleinen, netten Gedichten. Es sind tolle Appetitanreger, aber das letzte entscheidende Gewürz fehlt.
Richtig schlecht finde ich den Schluss. Für das doch sehr oberflächliche, abgedroschene Wort "Freundschaft" müsste sich doch eine Metapher finden lassen - etwas Spezifischeres, Individuelleres. Dann hätte das Gedicht auch eine Entwicklung aufzuweisen. Von der allgemeinen, eher phrasenhaften Formulierung, man solle nicht mit Gefühlen spielen hin zu dem, was speziell euch zwei verbinden soll.
So weit meine aus der Hüfte geschossene Kritik.
Hamburger
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)