Dies ist nicht mehr das Land, die Stadt, in der ich geboren wurde; nur noch ein düsterer Vorhof zur Hölle, wo ein Heer aus Narren auf die Verdammnis wartet. Ein dumpfes Mausoleum aus schwarzem Stein und Grauem; Grau in tausend Schattierungen und die Menschen auch grau, die durch die Kammern und Grüfte treiben, eilig, als gäbe es etwas zu tun. Die Glücklichen drängen die weniger Glücklichen zur Seite, wo sie in Ecken sitzen mit Schildern, auf denen „Arbeitslos“ steht oder irgendwas in fremden Sprachen.
Hier stehen Paläste. Glas wechselt mit dem Stein; hinter dem Glas falsche Schätze und Tand. Oben im Licht, und unter der Erde, künstlich beleuchtet, als würde sich mancher schämen, seinen billigen Ramsch im Sonnenlicht anzubieten.
Hier stehe ich an einem der Orte, wo für meine Rasse das Futter ausgegeben wird, mit einer Tüte Tomaten in der Hand, die ich zu kaufen wünsche. Vor mir in der Schlange drei Männer in meinem Alter oder wenig älter. Sie kennen sich wohl nicht, aber sie Teilen das gleiche Schicksal, kaufen braune und grüne Flaschen. Einer trinkt die Hälfte seines Einkaufs gleich hier in der Warteschlange. Kräuterliesel, die preiswerte Alternative zum Kuemmerling.
Wieder am Licht. Ist auch grau, wie alles. Rechts der Penner im Rollstuhl, ohne Beine. Der ist öfter hier, mal mehr, mal weniger bei Sinnen. Heute hat er sich in die Hose gepisst und weint, es tropft vom Stuhl und fliesst über den Bürgersteig zum Rinnstein. Die Passanten steigen drüber weg, angewidert.
Im Hintergrund der Kölner Dom. Da sind die Christen.
Gedanken zur Mittagspause
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Sick Steve
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