Hausbesuch

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[) i r k
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Re: Hausbesuch

Beitragvon [) i r k » 08.12.2005, 03:26

8. Von Glätterin zu Kletterin


[) i r k: Also der Prozess setzt sich auch in Strophe 4 fort.
[) i r k: Wir haben jetzt einen Vollmond ("kreislicht").
[) i r k: Er "lasert risse … in die fensternetzthaut"
[) i r k: klingt ein bisschen nach Augen-Op.
[) i r k: Und dann erleben wir, wie die Schwarzbewohner ausbrechen ...
[) i r k: Wenn die Fenster den Augen entsprächen,
[) i r k: dann wären die Schwarzbewohner "böse Blicke"?
[) i r k: Okay, das ist jetzt nicht ganz ernst gemeint. :-)
[) i r k: Hier kommen auf jeden Fall das erste Mal "Fenster" ins Spiel.
[) i r k: Bisher war ja nur von festen Wänden
[) i r k: (entweder stahlverbrämt oder aus Porzellan) die Rede.
[) i r k: Putzstaub sammelt sich in den Ecken? Wie deutet man das?
[) i r k: Irgendwie wird die Fassade immer bröseliger und zerkrümelt.
[) i r k: Und die Schwarzbewohner wären auch noch weiter zu spezifizieren,
[) i r k: "Dunkle Kräfte" oder "dunkles Land" ist mir jedenfalls noch viel zu vage.
[) i r k: Das kriegen wir noch besser hin!
Silentium: Über Schwarzbewohner hab ich ja
Silentium: ziemlich weit am Anfang schon gefaselt.
Silentium: Für mich sind die entweder die Charakterzüge,
Silentium: die das LI die ganze Zeit zu verstecken versucht hat,
Silentium: oder es sind böse Erinnerungen, die erst dann,
Silentium: wenn die inneren Barrieren niederbrechen,
Silentium: (Mist, klingt das vielleicht pathetisch!)
Silentium: wieder hochkommen und fröhlich
Silentium: in ihrem Bewusstsein Ringelrein tanzen.
Silentium: Bei den Fenstern wird das Haus zum ersten Mal wirklich Körperlich,
Silentium: aber da ich mir nicht vorstellen kann, das Mondlicht
Silentium: – wie auch immer wir es interpretieren –
Silentium: Löcher in echte Netzhäute schneidet, glaube ich eher,
Silentium: dass das so etwas wie die verletzlichsten Stellen des LIs sind,
Silentium: wunde Punkte der Psyche eben, bei denen sich
Silentium: die zunehmende Aufmerksamkeit besonders niederschlägt,
Silentium: und das Durchbrechen der Schwarzbewohner
Silentium: – die sie unterdrücken wollte – bewirken kann.
Hamburger: Sprachlich finde ich die ersten zwei Zeilen ziemlich herrausragend,
Hamburger: ich meine, das ganze Gedicht ist handwerklich 1A,
Hamburger: aber das sticht noch heraus. Dieses Lasern,
Hamburger: das ist wie ein regelrechter Aufriss der Netzhaut,
Hamburger: wirkt sehr schön beklemmend.
Hamburger: Inhaltlich hatten wir ja gesagt,
Hamburger: dass die gesamte Persönlichkeit des LIs das Haus ist und
Hamburger: die Fensternetzhaut hatten wir als die Augen angesehen.
Hamburger: War jedenfalls mal eine Deutung.
Hamburger: Wenn wir das beibehalten, so verliert das LI nun die Kontrolle,
Hamburger: da es Risse in seinen Augen bekommt.
Hamburger: Die "schwarzbewohner", die ausbrechen, sind nun,
Hamburger: da sie an der Hauswand entlang klettern,
Hamburger: erstmal für die "außenaugen" sichtbar.
Hamburger: Und nicht nur das, sie sind auch angriffsbereit,
Hamburger: so würde ich dieses "scharren krallen" deuten.
Hamburger: Interessant finde ich hier eine vielleicht nur von mir
Hamburger: gesehene Doppeldeutigkeit: Wen greifen sie an?
Hamburger: Richtet sich der Angriff nach außen,
Hamburger: gegen die "außenaugen", also andere,
Hamburger: oder aber gegen das Haus,
Hamburger: also soll die Persönlichkeit zum Einsturz kommen?
Hamburger: Die "schwarzbewohner" selbst sind für mich
Hamburger: auch verdrängte psychologische Anteile,
Hamburger: so was wie Ängste, aufwühlende Erfahrungen etc.
Hamburger: da bin ich jetzt vielleicht etwas unpräzise.
Hamburger: Letzter Satz bzw. Frage: Was ist Putzstaub?
Hamburger: Wenn man putzt, sammelt sich dann wirklich Staub in den Ecken?
Hamburger: Worauf soll das hindeuten, vielleicht darauf, dass das LI
Hamburger: die Sorgen die ganze Zeit eh nur in die Ecken verdrängt hat?
[) i r k: Putzstaub leitet sich, denke ich, nicht von Putzen,
[) i r k: sondern von Putz ab. Das, womit das Haus, verputzt ist.
Hamburger: Ah, guter Ansatz.
[) i r k: Fertig?
Hamburger: Ja.
[) i r k: Dann Katharina1
[) i r k: !
Hamburger: Katharina die 1. :-)
[) i r k: Obwohl mög ist viel niedlicher.
[) i r k: Ich mag den Namen und Rike übrigens auch.
mög: Danke sehr.
mög: Also ehrlich gesagt, ich hab nichts Neues beizutragen.
mög: Ich find es übrigens okay, wenn die Schattenbewohner
mög: nicht bis ins letztes Detail festgelegt werden.
Silentium: Du hast das Pech, dass eine der blödesten Ziegen,
Silentium: die ich je kennen gelernt habe, auch Katharina heißt.
Silentium: Quasi vorbelastet.
Hamburger: Katharina die 1. wäre übrigens heroischer :-)
mög: Autsch, das kenn ich.
mög: Einmal negativ geprägt, ist der Name kaputt.
Hamburger: Aber ich find Katharina auch toll :-)
mög: Ich bin eh lieber niedlich. Heroisch steht mir nicht.
mög: Niedlich auch nicht, aber macht ja nix.
Silentium: Na ja, du arbeitest daran, ihn rein zu waschen.
Silentium: "Die Reine".
[) i r k: So, jetzt will ich was Inhaltliches sagen!
[) i r k: Ich glaube, wenn Angriff,
[) i r k: dann richtet es sich eher gegen das Haus,
[) i r k: die Barriere selbst, deswegen auch der Putz-Staub
[) i r k: Das scheint mir so was wie eine Kettenreaktion zu sein.
[) i r k: Ich finde, die Interpretation sehr schön, so wie wir sie bisher haben.
[) i r k: Gibt es noch Widersprüchlichkeiten
[) i r k: Sind wir uns irgendwo uneins?
[) i r k: Obwohl, ich habe aber noch etwas, eine Frage:
[) i r k: Hier sind die "schwarzbewohner" die Fassaden- und Fensterklettrer.
[) i r k: In der letzten Strophe wird das LI selbst zu einem Fassadenkletterer?
[) i r k: Warum? Was hat das zu bedeuten?
Hamburger: Ja, das Problem hatte ich ja am Anfang schon,
Hamburger: ist mir auch unklar.
Silentium: Vielleicht – sobald sie diese verdrängten Dinger zulässt,
Silentium: nehmen sie überhand, werden quasi ein integraler Teil von ihr?
mög: Naja, es muss auch an der Fassade rumklettern, um die Kanten zu glätten.
Silentium: Guter Punkt, mög.
[) i r k: Ja, das finde ich auch.
Hamburger: Einwand.
[) i r k: Mög, das war keine gute Idee, dich zum Poetrychat einzuladen:
[) i r k: Du stiehlst uns die Show. :-p
[) i r k: Ich meine das natürlich nicht so,
[) i r k: aber du bist wirklich sehr gut ... ich bin ...
[) i r k: ein bisschen beeindruckt! :-)
mög: Wahnsinn, was ich heute für Komplimente abcashe!
[) i r k: Vor allem deine Spontandeutung am Anfang hat mich beeindruckt.
[) i r k: So, genug mit den Schmeicheleien!
Hamburger: Auch von mir ein Lob an mög, ganz große Leistung :-)
Silentium: *anschließ*
mög: Ach, ihr macht mich noch ganz verlegen. So jetzt Mirko:
Hamburger: Kann sein, dass es nur mir so geht, aber die Gleichung
Hamburger: Fensterklettrer = Fassadenglätter kommt mir irgendwie
Hamburger: unpassend vor. Ich hätte die alleine nie gezogen.
Hamburger: Gerade nach der Schilderung der Schwarzbewohner
Hamburger: in der Zeile davor nicht.
[) i r k: Wenn das LI die Fassaden glätten will,
[) i r k: dann muss es ebenso wie die Schwarzbewohner
[) i r k: (die keine Glätter sind) an der Fassade herumklettern!?
[) i r k: So hab ich es verstanden.
mög: Was ich auch so sehr schön finde:
mög: diese klangliche Ähnlichkeit von Klettern und Glätten.
Hamburger: Ja, so hab ich das auch verstanden,
Hamburger: aber ich wollte nur klar machen, dass das Wort
Hamburger: "fensterklettrer" auf mich nicht diese Wirkung hatte
Hamburger: und noch immer nicht hat.
Hamburger: Es verbindet sich (für mich) nicht mit Fassadenglätter.
Hamburger: Weder im Kontext des Gedichtes, noch überhaupt.
Silentium: Melde höflichst, ich geh da eher mit mög d'accord.
Silentium: Fensterkletterer = Fassadenglätter gibt für mich schon Sinn.
[) i r k: So wie ich
Hamburger: 3:1 für mög, aber meine Gegenstimme bleibt.
[) i r k: Aber jetzt mal rein technisch betrachtet, Mirko:
[) i r k: Du hast ein Haus und da sind Ecken und Löcher in der Fassade.
[) i r k: Wie gehst du vor, wenn du die Fassade ausbessern/glätten willst?
[) i r k: Das geht doch nicht von innen heraus ... deswegen,
[) i r k: denke ich, wird man automatisch zum Fassadenkletterer.
[) i r k: Oder man braucht ein Gerüst! :-D
Hamburger: Eben. Das sind, wie gesagt, gleich mehrere Punkte,
Hamburger: weshalb es für mich anders wirkt.
Hamburger: Jemand, der Fassaden ausbessert,
Hamburger: steht für mich auf einem Gerüst,
Hamburger: ich würde so jemanden nie als "fensterklettrer" bezeichnen,
Hamburger: und im Kontext mit den "schwarzbewohnern",
Hamburger: die vorher fensterklettrer sind, wirkt das verwirrend.
[) i r k: Ja, mich hat genau das am Anfang auch verwirrt
Hamburger: Ich glaube sogar, dass eure Deutung
Hamburger: Rikes Intention nahe kommt bzw. übereinstimmt,
Hamburger: aber für mich ist diese Stelle ein Schwachpunkt des Gedichtes,
Hamburger: sie hat mir den Zugang komplett verschlossen.
[) i r k: Aber es klingt doch irgendwie in der Abfolge logisch:
[) i r k: Bleib ich Doppelweltlerin,
[) i r k: bleib ich Kantenglätter,
[) i r k: bleib ich Fensterkletterer.
Hamburger: Na klar, klingt das, logisch,
Hamburger: aber das Problem ist ja bei einer Interpretation alleine,
Hamburger: dass ich in eine bestimmte Richtung schaue,
Hamburger: also, dass ich z.B. am Anfang festlege, wer das LI wohl ist
Hamburger: und mich nicht umfassend 7 Stunden damit beschäftigen kann
Hamburger: wie wir hier heute,
Hamburger: und da ist, da bleibe ich dabei, die Stelle zu verwirrend.
Hamburger: Oder – und das ist auch wahrscheinlich –
Hamburger: ich bin eben einfach zu… ungeübt bei solchen Interpretationen?
Hamburger: Wie auch immer: meine Gegenstimme bleibt hier.
Hamburger: Ich mag die Stelle nicht. :-D
Silentium: Dein Problem. . :-p
[) i r k: Das ist okay.
Hamburger: Ist doch kein Problem, ist doch okay
Hamburger: und ich freu mich ja, das kommt dann im Schlusswort noch mal,
Hamburger: dass ihr mir den Kosmos dieses Gedichtes geöffnet habt. :-)
[) i r k: Wir betreiben hier ja auch keine Gleichmacherei der Meinungen,
[) i r k: sondern Interpretation und da dürfen auch gern
[) i r k: verschiedene Interpretationsansätze nebeneinander stehen.
[) i r k: Und auch Kritik dabei sein.
Hamburger: *aufdiekniefall*
[) i r k: Und ich sage es noch mal und ich habe es auch bereits am Anfang gesagt:
[) i r k: Ich fand die Stelle auch sehr verwirrend!
mög: Es stimmt schon, irgendeinen Grund muss es geben, dass die
mög: die Dichterin zuerst die Doppelwelterlin an die Kantenglätterin knüpft
mög: und dann an die Fensterkletterin.
[) i r k: Gibt es noch etwas zu Strophe 4?
Hamburger: Von mir nicht.
Silentium: Nope.
[) i r k: Mög?
mög: Nee.
Hamburger: Doch von mir.
[) i r k: Okay, dann die letzte Runde.
Hamburger: Von mir gibt's noch was …
[) i r k: Grrrrrrr
Silentium: Knurr.
Hamburger: 'tschuldigung
[) i r k: Okay, schieß los!
Hamburger: Ein "fensterklettrer" braucht Kanten,
Hamburger: wenn er die alle lättet, bringt er sich selber um seinen Job. :-D
Silentium: lättet? Da is er nacher lättiert, oder?
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

[) i r k
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Re: Hausbesuch

Beitragvon [) i r k » 08.12.2005, 03:26

9. Zu Besuch beim LI


[) i r k: Okay, letzte Strophe!!!
[) i r k: Mög, fällt dir noch was Kluges,
[) i r k: mit dem du uns beeindrucken kannst, zu Strophe 5 ein?
mög: Okay, ich denke, auch zur letzten Strophe
mög: wurde das Wesentliche bereits gesagt:
mög: Der Zusammenhang zwischen Fensterkletterin und Doppelwelterin
mög: und, warum der Mond nicht abnimmt,
mög: warum der Prozess nicht umkehrbar ist.
mög: Ich finde übrigens, der Widerspruch, den Ham eben aufgezeigt hat,
mög: ist einer der interessantesten Aspekte des Gedichtes.
mög: Vielleicht geht's sogar genau darum.
[) i r k: Wenn alles glatt wäre, gäbe es auch keinen Halt zum Klettern.
mög: Wenn's "zu glatt" ist, kann das Li nicht raus,
mög: wird's rissig, hat's nichts Eiligeres zu tun, als zu glätten.
Hamburger: *mirselbstaufdieschulterklopf*
[) i r k: Mal so abschließend auch zu dieser Strophe gefragt:
[) i r k: Ist die "Doppelweltlerin" in diesem Gedicht für euch
[) i r k: ein eher positiv oder eher negativ besetzter Begriff?
Silentium: Ambivalent, oder?
Silentium: Sie will's nicht unbedingt sein,
Silentium: könnte aber auch gar nicht anders.
Silentium: Genau so wenig, wie "Ich bin Mensch"
Silentium: nur positiv oder nur negativ besetzt sein könnte.
[) i r k: Okay, Silly, guter Punkt, dann mach mal gleich weiter.
Silentium: Ähm, ehrlich gesagt, es ist ja wirklich schon
Silentium: alles gesagt, was es zu sagen gibt.
Silentium: Wir haben uns halbwegs darauf geeinigt,
Silentium: warum sie "fensterklettrer" bleiben muss
Silentium: und warum der Mond sich nimmer rührt.
Silentium: Ich möcht jetzt nicht krampfhaft eine Frage hoch zerren,
Silentium: die ich eigentlich gar nicht mehr habe.
Hamburger: Also für mich bedingt ja das Doppelweltlerinnentum
Hamburger: das Kantenglätten und nicht umgekehrt.
Hamburger: Deshalb hätte ich gern in der letzten Strophe
Hamburger: die ersten beiden Zeilen vertauscht.
Hamburger: Meine Kritik zum "fensterklettrer" habe ich hinreichend dargestellt.
Hamburger: Mit dem Mond bin ich nicht ganz zufrieden,
Hamburger: weil wir doch einige Deutungen hatten,
Hamburger: andererseits bleibt's so schön vieldeutig und
Hamburger: immerhin haben wir den abgeschlossenen Prozess festgelegt.
Hamburger: Mehr habe ich nicht zu Strophe 5!
[) i r k: Wir haben einen unumkehrbaren Prozess,
[) i r k: in Strophe 5 ist der Endzustand ...
[) i r k: Endzustand, kann man das sagen?
Hamburger: Ja.
Hamburger: Ich habe noch was zum Titel.
Hamburger: Den möchte ich noch loben, in höchsten Tönen, wenn ich darf?
[) i r k: Ja, genau zum Titel, da haben wir noch gar nichts gesagt.
Hamburger: Der Titel ist mindestens doppeldeutig, eher schon dreideutig.
Hamburger: Zum einen gibt es ja einen Hausbesuch in dem Gedicht,
Hamburger: der wirklich vorkommt: die Schwarzbewohner.
[) i r k: Aber die Schwarzbewohner kommen AUS dem Haus, oder?
[) i r k: Sie besuchen nicht das Haus ...
Hamburger: Zum Zweiten besuchen wir als Leser quasi das LI,
Hamburger: das gesamte Haus, welches die Persönlichkeit des LI darstellt,
Hamburger: und zum Dritten erkundet das LI sich selbst als "fensterklettrer".
Hamburger: Also das LI ist quasi auch sein eigener Hausbesuch.
Hamburger: Zu dem Einwand: da sie aus dem Haus kommen,
Hamburger: waren sie ja vorher drinnen.
Hamburger: Also so was wie ein dauerhafter "Besuch",
Hamburger: wenn man den Titel bitter liest.
Hamburger: Also noch mal großes Lob für den klasse Titel.
[) i r k: Aber darum sind es ja BEWOHNER und nicht BESUCHER!
Hamburger: Ich sagte ja, wenn man es sozusagen zynisch liest,
Hamburger: als dauerhaften BESUCH –
Hamburger: magst du aber überinterpretiert finden, kann ich verstehen.
[) i r k: Die anderen zum Titel?
Silentium: Ich würde mich im großen und ganzen Ham anschließen:
Silentium: Mehrdeutig und etwas fies,
Silentium: sich selbst, gezwungenermaßen, auf ewig besuchend.
Silentium: Titel gut, Punkt.
mög: Ja klar, Titel spitze, mehr kann ich nicht dazu sagen.
[) i r k: Auf jeden Fall scheinen wir es in unseren Poetry-Chats
[) i r k: häufiger mit maroden Häusern zu tun zu haben. :-D
[) i r k: Ich finde den Titel sehr passend und ich wüsste auch
[) i r k: nichts zu ergänzen, du hast das schon sehr treffend formuliert.
[) i r k: Nur den einen Punkt sehe ich eben etwas anders.
[) i r k: Besuch deute ich aber auch als:
[) i r k: Die "außenaugen" können auch diesen Besuch darstellen,
[) i r k: nicht nur das LI selbst, aber das meintest du sicherlich auch.
Hamburger: Yepp, meinte ich.
[) i r k: Ich meine, weil in Punkt 1 ging es bei dir um die Schwarzbewohner,
[) i r k: Und in Punkt 2 und 3 ums LI selbst.
Hamburger: Ja, aber ich schrieb ja auch, wir als Leser besuchen das LI
Hamburger: und damit meinte ich implizit auch die "außenaugen".
[) i r k: Ich wollte nur noch mal betonen, dass die Außenwelt
[) i r k: in diesem Gedicht auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
[) i r k: Ja, dann gibt es vielleicht sogar vier Deutungsebenen
Hamburger: Stimmt, fällt mir auch gerade auf.
[) i r k: Wir, die Leser & "die außenaugen" im Gedicht,
[) i r k: die auch sehr vieles sein können.
Hamburger: Ob Rike die alle intendiert hat?
[) i r k: Mit Sicherheit! ;-)
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

[) i r k
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Re: Hausbesuch

Beitragvon [) i r k » 08.12.2005, 03:27

10. Ein bisschen im Hirn herumbrausen


[) i r k: Abschlussdiskussion
[) i r k: Unser Gast, in diesem Fall bist du das mög, hat das letzte Wort.
Hamburger: Moment vor den Schlussworten sollten wir mög nun einweihen
Hamburger: in die Zeremonie des Rührseligkeitsphase. Darf ich das machen?
[) i r k: NEIN!
Hamburger: Och, menno.
mög: Nein, bitte zuerst einweihen.
Hamburger: Keine Dauerumarmungen wie letztes mal?
[) i r k: Keine Rührseligkeiten heute.
[) i r k: Nur knallharte Fakten.
Hamburger: Doch ich will aber, mög ist auch dafür.
[) i r k: 4 Stühle, keine Meinung!
Hamburger: Silly? Trau dich und sag was falsches, Silly. :-D
Silentium: Kitschnudel!
Hamburger: Na, dann nicht. Bäh.
Hamburger: Ihr seid doof.
Silentium: :-p
Hamburger: Ich mag euch nicht mehr.
Hamburger: Alle doof.
[) i r k: Jetzt ist er gekränkt, der Ham.
Hamburger: Nur mög nicht doof.
[) i r k: Wir haben dich auch gern
Silentium: Sollen wir ihn trösten?
[) i r k: Mist, jetzt haben wir den Salat.
Hamburger: Ja, tröstet mich, das beabsichtige ich ja nur.
Hamburger: Hihi. :-)
Silentium: Ego angeknackst, braucht wochenlang Tröstung.
Silentium: Schrecklich. Wie Einkleinkind.
Hamburger: Ich bin so was von gekränkt!
Silentium: *prust*
Silentium: Kommen wir zum Schluss, Leute, mein Aufsatz droht.
Hamburger: Ach, ich hab euch wieder lieb.
Hamburger: *umarm umarm*
Silentium: *mirkoauchumarm*
Hamburger: :-)
Hamburger: *sillyzurückumarm*
[) i r k: Also mög hat das letzte Wort …
mög: Also, ich werd mich jetzt erstmal artig, für die Einladung bedanken.
mög: Ich hab mich sehr geehrt gefühlt,
mög: in diesen erlesenen Zirkel aufgenommen zu werden und hab
mög: diese vielen Stunden mit euch heute auch sehr angenehm verbracht.
mög: Zu kitschig? Kitschig genug?
[) i r k: Stopp, mög, du bist noch gar nicht dran!
mög: 6 Stunden und ich hab's immer noch nicht geschnallt…
mög: Ich bin, glaub ich, unbelehrbar…
[) i r k: Davor kommen: Silly, ich und Mirko (in der Reihenfolge).
Silentium: Okay. Das Gedicht ist grandios, aber das wusste ich auch schon vorher.
Silentium: Normalerweise bin ich mir nach einem Poetry-Chat halbwegs sicher,
Silentium: worum es im Text überhaupt ging, jetzt weiß ich es gar nichts mehr,
Silentium: aber habe ungefähr tausend verschiedene Interpretationsrichtungen
Silentium: im Kopf, was auch nicht schlecht ist.
Silentium: Gilt das?
Hamburger: *umarm* :-)
[) i r k: Irgendwie wollt ihr euch heute sehr billig hier rausschleichen,
[) i r k: habe ich langsam das Gefühl.
[) i r k: Aber Sentimentalitäten ziehen bei mir nicht, ich bin ein eiskalter Tyrann.
[) i r k: :-)
Hamburger: Noch mal von vorne, Silly, bisschen ausführlicher.
Silentium: Zweiter Ansatz: Das Gedicht ist grandios, hab ich ja schon gesagt.
Silentium: Ich hatte zuvor eine völlig andere Vorstellung von dem,
Silentium: was drin steht, fast so,
Silentium: als hätte ich zuvor ein ganz anderes Gedicht gekannt.
Silentium: Das blöde ist, diese eine, anscheinend falsche
Silentium: Vorstellung von dem, was drin ist,
Silentium: ist jetzt von einem Konglomerat von verschiedenen
Silentium: Ideen und Deutungen ersetzt worden,
Silentium: die mir alle eigentlich zusagen,
Silentium: aber ein bisschen im Hirn herumbrausen.
Silentium: Außerdem haben wir uns heute, find ich, recht zivilisiert benommen.
Silentium: Keiner ist jetzt tödlich beleidigt und keiner weint.
Silentium: Und wir haben nur eine Stunde gebraucht, um anfangen zu können,
Silentium: was eh recht gut für uns im Schnitt ist.
Silentium: Außerdem wird Rike mal berühmt.
Silentium: So, jetzt aber echt Punkt.
[) i r k: Ich?
Silentium: Du.
[) i r k: Okay, also ich freue mich,
[) i r k: dass wir diesen Chat doch noch zustande gebracht haben.
[) i r k: War ein tolles Gedicht, ist ein tolles Gedicht
[) i r k: und ist auch nach diesem Poetry-Chat immer noch
[) i r k: mein absolutes Lieblingsgedicht von Rike.
[) i r k: Vielleicht mal abgesehen von "Für jemanden" :-)
[) i r k: Mög, ich fand's toll, dass du da warst.
[) i r k: War wirklich eine Bereicherung und ich fand auch gut,
[) i r k: dass wir uns außerhalb des Forums mal gesprochen haben, denn
[) i r k: irgendwie hatte ich bisher nicht so die Gelegenheit dich kennen zu lernen.
[) i r k: Ich lese zwar deine Geschichten, aber kommentiere sie nie ...
[) i r k: weil ich doch eher der Lyrikfreak bin.
[) i r k: Was die Deutungen angeht ... mir ist das Gedicht schon klarer als vorher,
[) i r k: vor allem der Schluss ist mir jetzt klarer und
[) i r k: die Entwicklung mit dem Mond habe ich vorher auch nicht gesehen.
[) i r k: Aber dann ist es auch so, dass nicht alles ganz konsistent ist,
[) i r k: eben wie eine löchrige Fassade.
[) i r k: Aber das ist okay, ist ja schließlich ein Gedicht.
[) i r k: Und wie mög schon ganz richtig sagte und ihr auch,
[) i r k: es ist doch eigentlich eher ein Plus für ein Gedicht,
[) i r k: wenn am Ende immer noch etwas offen bleibt,
[) i r k: wenn es nicht ganz so klar und glatt und schlüssig ist,
[) i r k: wie eine Doktorarbeit oder was weiß ich.
[) i r k: Ich freue mich, dass ihr da wart. Immer wieder gerne.
Hamburger: Also, liebe Langschläferin und liebe pünktlich Erwachende,
Hamburger: es war mein zweiter Poetry-Chat und er hat mir
Hamburger: mindestens genauso viel Spaß gebracht wie der Erste.
Hamburger: Ich möchte mich zunächst dem Lob für mög anschließen:
Hamburger: Ich fand, du warst eine enorme Bereicherung
Hamburger: und hast sehr viele sehr gute Sachen gesagt.
Hamburger: Das Gedicht selbst habe ich
Hamburger: vorher nicht als so großartig empfunden wie ihr,
Hamburger: ich fand es handwerklich top, wie eigentlich immer bei Rike,
Hamburger: aber inhaltlich sprach es mich nicht an.
Hamburger: Das hat sich nun geändert,
Hamburger: wobei ich es immer wieder interessant finde,
Hamburger: wie weit sich der Kosmos der Gedichtinterpretation öffnet
Hamburger: und welche Wirkung Lyrik entfalten kann,
Hamburger: wenn man erstmal einen Zugang zum Gedicht hat, den Schlüssel.
Hamburger: In diesem Falle die Interpretation dessen, was das LI ist,
Hamburger: die ich wegen einem "fensterklettrer" nicht fand.
Hamburger: Ich bin auch jederzeit bereit, wieder mitzumachen
Hamburger: und hoffe, ihr hattet mit mir soviel Spaß wie ich mit euch.
Hamburger: Nun übergebe ich an unseren Ehrengast für die letzten Worte.
[) i r k: Mög macht's spannend ...
mög: Ich hab einen so langen Text geschrieben,
mög: dass das System ihn nicht genommen hat.
mög: Also erstmal möcht ich mich noch mal entschuldigen für die Verspätung
mög: und bedanken für die Einladung und die Komplimente.
mög: Ich hatte ja zuerst gar keinen Eindruck vom Gedicht,
mög: weil ich in meiner Schnarchnasigkeit das falsche rausgesucht habe.
mög: Ich fand aber auf Anhieb Gefallen daran
mög: und auch relativ schnell einen Zugang dazu –
mög: Zum Glück, ich hatte nämlich vorher ziemlich Panik,
mög: dass ich hier nur sehr sinnlos wäre,
mög: weil ich nämlich auch keine Erfahrung hab im Gedichte Interpretieren.
mög: Die große Erleuchtung im Verlauf des Chats war für mich
mög: die Sache mit dem Mond, mit dem unumkehrbaren Prozess.
mög: Für mich geht jetzt eigentlich alles ziemlich gut auf,
mög: die Widersprüche die bleiben, stören mich nicht weiter.
mög: Ich finde auch, das liegt in der Natur der Sache.
mög: Innere Abgründe... da passt eben viel rein
mög: und gerade das Diffuse verstärkt die bedrohliche Wirkung.
mög: Und gerade die Widersprüche, das Paradoxe macht
mög: das Gedicht für mich sogar noch plausibler;
mög: Selbstwahrnehmung/Selbstdarstellung/Hoffnungen/Ängste,
mög: das sind eben Dinge, in denen wir uns widersprüchlich verhalten.
mög: Ich könnte mir kaum bessere Möglichkeiten vorstellen,
mög: einen solchen Nachmittag zu verbringen
mög: und bin wirklich froh, dass ich mitmachen durfte.
mög: Also tolles Gedicht und toller Poetry-Chat
mög: und ein besseres Schlusswort fällt mir leider nicht ein.
mög: Punkt.
[04.12.2005 18:47] SESSION END
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

Edekire
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Re: Hausbesuch

Beitragvon Edekire » 08.12.2005, 21:33

So, meine Damen und Herren chatter,

ich habe mich soeben durch ihren Chat gelesen und mus sihn wohl ein weiteres mal lesen um alles zu verstehen, was ihr geschrieben hat. Auf einiges bin ich bisher noch nicht gekommen :-D

Was mich besonders gefreut hat, das es interprtierbar ist. Sogar spontan, wie das mög getan hat. Das ist etwas was mich freut, weil es mir zeigt, das das Gedicht wirklich funktionieren kann. Nicht muss, aber kann und daher nicht nur wortspielerei ist. ich denke das ich auch gedichte geschrieben habe, für die das nicht möglich ist.
Ich muss mich auch noch mla damit beschäftigen, was ich dachte als ich es schrieb- das ist ja nun schon eine nicht unerheblicher zeit her. ich denke aber, schon aus meiner eher flüchtigen lektüre, das viel von dem was ich gedacht habe aufgetaucht ist.
ich werde es euch jetzt nicht antun zu sagen: da hattet ihr recht, da nicht, sondern euch statt dessen für diese interessanten einsichten und die viele Zeit, die ihr geopfert habt zu danken.

Alles Liebe

Edekire alias Rike
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane


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