[) i r k: Also der Prozess setzt sich auch in Strophe 4 fort.
[) i r k: Wir haben jetzt einen Vollmond ("kreislicht").
[) i r k: Er "lasert risse … in die fensternetzthaut"
[) i r k: klingt ein bisschen nach Augen-Op.
[) i r k: Und dann erleben wir, wie die Schwarzbewohner ausbrechen ...
[) i r k: Wenn die Fenster den Augen entsprächen,
[) i r k: dann wären die Schwarzbewohner "böse Blicke"?
[) i r k: Okay, das ist jetzt nicht ganz ernst gemeint.
[) i r k: Hier kommen auf jeden Fall das erste Mal "Fenster" ins Spiel.
[) i r k: Bisher war ja nur von festen Wänden
[) i r k: (entweder stahlverbrämt oder aus Porzellan) die Rede.
[) i r k: Putzstaub sammelt sich in den Ecken? Wie deutet man das?
[) i r k: Irgendwie wird die Fassade immer bröseliger und zerkrümelt.
[) i r k: Und die Schwarzbewohner wären auch noch weiter zu spezifizieren,
[) i r k: "Dunkle Kräfte" oder "dunkles Land" ist mir jedenfalls noch viel zu vage.
[) i r k: Das kriegen wir noch besser hin!
Silentium: Über Schwarzbewohner hab ich ja
Silentium: ziemlich weit am Anfang schon gefaselt.
Silentium: Für mich sind die entweder die Charakterzüge,
Silentium: die das LI die ganze Zeit zu verstecken versucht hat,
Silentium: oder es sind böse Erinnerungen, die erst dann,
Silentium: wenn die inneren Barrieren niederbrechen,
Silentium: (Mist, klingt das vielleicht pathetisch!)
Silentium: wieder hochkommen und fröhlich
Silentium: in ihrem Bewusstsein Ringelrein tanzen.
Silentium: Bei den Fenstern wird das Haus zum ersten Mal wirklich Körperlich,
Silentium: aber da ich mir nicht vorstellen kann, das Mondlicht
Silentium: – wie auch immer wir es interpretieren –
Silentium: Löcher in echte Netzhäute schneidet, glaube ich eher,
Silentium: dass das so etwas wie die verletzlichsten Stellen des LIs sind,
Silentium: wunde Punkte der Psyche eben, bei denen sich
Silentium: die zunehmende Aufmerksamkeit besonders niederschlägt,
Silentium: und das Durchbrechen der Schwarzbewohner
Silentium: – die sie unterdrücken wollte – bewirken kann.
Hamburger: Sprachlich finde ich die ersten zwei Zeilen ziemlich herrausragend,
Hamburger: ich meine, das ganze Gedicht ist handwerklich 1A,
Hamburger: aber das sticht noch heraus. Dieses Lasern,
Hamburger: das ist wie ein regelrechter Aufriss der Netzhaut,
Hamburger: wirkt sehr schön beklemmend.
Hamburger: Inhaltlich hatten wir ja gesagt,
Hamburger: dass die gesamte Persönlichkeit des LIs das Haus ist und
Hamburger: die Fensternetzhaut hatten wir als die Augen angesehen.
Hamburger: War jedenfalls mal eine Deutung.
Hamburger: Wenn wir das beibehalten, so verliert das LI nun die Kontrolle,
Hamburger: da es Risse in seinen Augen bekommt.
Hamburger: Die "schwarzbewohner", die ausbrechen, sind nun,
Hamburger: da sie an der Hauswand entlang klettern,
Hamburger: erstmal für die "außenaugen" sichtbar.
Hamburger: Und nicht nur das, sie sind auch angriffsbereit,
Hamburger: so würde ich dieses "scharren krallen" deuten.
Hamburger: Interessant finde ich hier eine vielleicht nur von mir
Hamburger: gesehene Doppeldeutigkeit: Wen greifen sie an?
Hamburger: Richtet sich der Angriff nach außen,
Hamburger: gegen die "außenaugen", also andere,
Hamburger: oder aber gegen das Haus,
Hamburger: also soll die Persönlichkeit zum Einsturz kommen?
Hamburger: Die "schwarzbewohner" selbst sind für mich
Hamburger: auch verdrängte psychologische Anteile,
Hamburger: so was wie Ängste, aufwühlende Erfahrungen etc.
Hamburger: da bin ich jetzt vielleicht etwas unpräzise.
Hamburger: Letzter Satz bzw. Frage: Was ist Putzstaub?
Hamburger: Wenn man putzt, sammelt sich dann wirklich Staub in den Ecken?
Hamburger: Worauf soll das hindeuten, vielleicht darauf, dass das LI
Hamburger: die Sorgen die ganze Zeit eh nur in die Ecken verdrängt hat?
[) i r k: Putzstaub leitet sich, denke ich, nicht von Putzen,
[) i r k: sondern von Putz ab. Das, womit das Haus, verputzt ist.
Hamburger: Ah, guter Ansatz.
[) i r k: Fertig?
Hamburger: Ja.
[) i r k: Dann Katharina1
[) i r k: !
Hamburger: Katharina die 1.
[) i r k: Obwohl mög ist viel niedlicher.
[) i r k: Ich mag den Namen und Rike übrigens auch.
mög: Danke sehr.
mög: Also ehrlich gesagt, ich hab nichts Neues beizutragen.
mög: Ich find es übrigens okay, wenn die Schattenbewohner
mög: nicht bis ins letztes Detail festgelegt werden.
Silentium: Du hast das Pech, dass eine der blödesten Ziegen,
Silentium: die ich je kennen gelernt habe, auch Katharina heißt.
Silentium: Quasi vorbelastet.
Hamburger: Katharina die 1. wäre übrigens heroischer
mög: Autsch, das kenn ich.
mög: Einmal negativ geprägt, ist der Name kaputt.
Hamburger: Aber ich find Katharina auch toll
mög: Ich bin eh lieber niedlich. Heroisch steht mir nicht.
mög: Niedlich auch nicht, aber macht ja nix.
Silentium: Na ja, du arbeitest daran, ihn rein zu waschen.
Silentium: "Die Reine".
[) i r k: So, jetzt will ich was Inhaltliches sagen!
[) i r k: Ich glaube, wenn Angriff,
[) i r k: dann richtet es sich eher gegen das Haus,
[) i r k: die Barriere selbst, deswegen auch der Putz-Staub
[) i r k: Das scheint mir so was wie eine Kettenreaktion zu sein.
[) i r k: Ich finde, die Interpretation sehr schön, so wie wir sie bisher haben.
[) i r k: Gibt es noch Widersprüchlichkeiten
[) i r k: Sind wir uns irgendwo uneins?
[) i r k: Obwohl, ich habe aber noch etwas, eine Frage:
[) i r k: Hier sind die "schwarzbewohner" die Fassaden- und Fensterklettrer.
[) i r k: In der letzten Strophe wird das LI selbst zu einem Fassadenkletterer?
[) i r k: Warum? Was hat das zu bedeuten?
Hamburger: Ja, das Problem hatte ich ja am Anfang schon,
Hamburger: ist mir auch unklar.
Silentium: Vielleicht – sobald sie diese verdrängten Dinger zulässt,
Silentium: nehmen sie überhand, werden quasi ein integraler Teil von ihr?
mög: Naja, es muss auch an der Fassade rumklettern, um die Kanten zu glätten.
Silentium: Guter Punkt, mög.
[) i r k: Ja, das finde ich auch.
Hamburger: Einwand.
[) i r k: Mög, das war keine gute Idee, dich zum Poetrychat einzuladen:
[) i r k: Du stiehlst uns die Show. :-p
[) i r k: Ich meine das natürlich nicht so,
[) i r k: aber du bist wirklich sehr gut ... ich bin ...
[) i r k: ein bisschen beeindruckt!
mög: Wahnsinn, was ich heute für Komplimente abcashe!
[) i r k: Vor allem deine Spontandeutung am Anfang hat mich beeindruckt.
[) i r k: So, genug mit den Schmeicheleien!
Hamburger: Auch von mir ein Lob an mög, ganz große Leistung
Silentium: *anschließ*
mög: Ach, ihr macht mich noch ganz verlegen. So jetzt Mirko:
Hamburger: Kann sein, dass es nur mir so geht, aber die Gleichung
Hamburger: Fensterklettrer = Fassadenglätter kommt mir irgendwie
Hamburger: unpassend vor. Ich hätte die alleine nie gezogen.
Hamburger: Gerade nach der Schilderung der Schwarzbewohner
Hamburger: in der Zeile davor nicht.
[) i r k: Wenn das LI die Fassaden glätten will,
[) i r k: dann muss es ebenso wie die Schwarzbewohner
[) i r k: (die keine Glätter sind) an der Fassade herumklettern!?
[) i r k: So hab ich es verstanden.
mög: Was ich auch so sehr schön finde:
mög: diese klangliche Ähnlichkeit von Klettern und Glätten.
Hamburger: Ja, so hab ich das auch verstanden,
Hamburger: aber ich wollte nur klar machen, dass das Wort
Hamburger: "fensterklettrer" auf mich nicht diese Wirkung hatte
Hamburger: und noch immer nicht hat.
Hamburger: Es verbindet sich (für mich) nicht mit Fassadenglätter.
Hamburger: Weder im Kontext des Gedichtes, noch überhaupt.
Silentium: Melde höflichst, ich geh da eher mit mög d'accord.
Silentium: Fensterkletterer = Fassadenglätter gibt für mich schon Sinn.
[) i r k: So wie ich
Hamburger: 3:1 für mög, aber meine Gegenstimme bleibt.
[) i r k: Aber jetzt mal rein technisch betrachtet, Mirko:
[) i r k: Du hast ein Haus und da sind Ecken und Löcher in der Fassade.
[) i r k: Wie gehst du vor, wenn du die Fassade ausbessern/glätten willst?
[) i r k: Das geht doch nicht von innen heraus ... deswegen,
[) i r k: denke ich, wird man automatisch zum Fassadenkletterer.
[) i r k: Oder man braucht ein Gerüst!
Hamburger: Eben. Das sind, wie gesagt, gleich mehrere Punkte,
Hamburger: weshalb es für mich anders wirkt.
Hamburger: Jemand, der Fassaden ausbessert,
Hamburger: steht für mich auf einem Gerüst,
Hamburger: ich würde so jemanden nie als "fensterklettrer" bezeichnen,
Hamburger: und im Kontext mit den "schwarzbewohnern",
Hamburger: die vorher fensterklettrer sind, wirkt das verwirrend.
[) i r k: Ja, mich hat genau das am Anfang auch verwirrt
Hamburger: Ich glaube sogar, dass eure Deutung
Hamburger: Rikes Intention nahe kommt bzw. übereinstimmt,
Hamburger: aber für mich ist diese Stelle ein Schwachpunkt des Gedichtes,
Hamburger: sie hat mir den Zugang komplett verschlossen.
[) i r k: Aber es klingt doch irgendwie in der Abfolge logisch:
[) i r k: Bleib ich Doppelweltlerin,
[) i r k: bleib ich Kantenglätter,
[) i r k: bleib ich Fensterkletterer.
Hamburger: Na klar, klingt das, logisch,
Hamburger: aber das Problem ist ja bei einer Interpretation alleine,
Hamburger: dass ich in eine bestimmte Richtung schaue,
Hamburger: also, dass ich z.B. am Anfang festlege, wer das LI wohl ist
Hamburger: und mich nicht umfassend 7 Stunden damit beschäftigen kann
Hamburger: wie wir hier heute,
Hamburger: und da ist, da bleibe ich dabei, die Stelle zu verwirrend.
Hamburger: Oder – und das ist auch wahrscheinlich –
Hamburger: ich bin eben einfach zu… ungeübt bei solchen Interpretationen?
Hamburger: Wie auch immer: meine Gegenstimme bleibt hier.
Hamburger: Ich mag die Stelle nicht.
Silentium: Dein Problem. . :-p
[) i r k: Das ist okay.
Hamburger: Ist doch kein Problem, ist doch okay
Hamburger: und ich freu mich ja, das kommt dann im Schlusswort noch mal,
Hamburger: dass ihr mir den Kosmos dieses Gedichtes geöffnet habt.
[) i r k: Wir betreiben hier ja auch keine Gleichmacherei der Meinungen,
[) i r k: sondern Interpretation und da dürfen auch gern
[) i r k: verschiedene Interpretationsansätze nebeneinander stehen.
[) i r k: Und auch Kritik dabei sein.
Hamburger: *aufdiekniefall*
[) i r k: Und ich sage es noch mal und ich habe es auch bereits am Anfang gesagt:
[) i r k: Ich fand die Stelle auch sehr verwirrend!
mög: Es stimmt schon, irgendeinen Grund muss es geben, dass die
mög: die Dichterin zuerst die Doppelwelterlin an die Kantenglätterin knüpft
mög: und dann an die Fensterkletterin.
[) i r k: Gibt es noch etwas zu Strophe 4?
Hamburger: Von mir nicht.
Silentium: Nope.
[) i r k: Mög?
mög: Nee.
Hamburger: Doch von mir.
[) i r k: Okay, dann die letzte Runde.
Hamburger: Von mir gibt's noch was …
[) i r k: Grrrrrrr
Silentium: Knurr.
Hamburger: 'tschuldigung
[) i r k: Okay, schieß los!
Hamburger: Ein "fensterklettrer" braucht Kanten,
Hamburger: wenn er die alle lättet, bringt er sich selber um seinen Job.
Silentium: lättet? Da is er nacher lättiert, oder?