die tür mal wieder zugemacht. das ist wichtig zu weilen, der schlüssel liegt auf dem kleiderschrank, um nicht vergessen zu werden. eine CD eingelegt und zu laut gedreht für die nachbarn. was soll das auch schon, ich muss verhindern das die luft gerinnt. es kann aber sein das tut sie nur für mich, jeder muss hier besser atmen können, dabei ist es doch meine tür, meine tür, mein schlüssel auch. zumindest die innenseite, die ist weiß, strukturlos.
ich werde nicht anrufen, diesmal nicht, ist ja nicht meine schuld, ich bin nicht dein kindermädchen, mach das nicht, aber ich habe dir ja nichts zu befehlen, will ich gar nicht, auch nichts wissen, vielleicht, aber ich, doch, eigentlich immer. das telefonkabel, wie eine falle, gewunden durch das zimmer. du rufst ja auch nie an, erzähl mir nicht das du keine zeit hast, das weiß ich selber, als hätte ich nichts zu tun. Ich rufe nicht an.
neben dem bett stapeln sich bücher, in einem der kästchen auf dem nachttisch: briefe. überwortet alles, hinter der tür, gedanken zurück auf farben und bilder schalten, weil es dann keine erklärungen mehr geben muss. einfach rauswerfen die gemusterten zettel, aber auch das will erklärt werden, anlass für blicke im 60 grad winkel. deshalb liegt auch der schlüssel auf dem schrank, und man läuft nicht häufig vor die tür.
ich sollte das kabel aus der dose ziehen, wechsle schon vorbeugend die Cd, radiohead, Kid A. ich werde nicht anrufen, werde nicht mal das telefon in die hand nehmen. heute darf es mich nicht doppelt geben, simpel, nur für mich. ich will auch nicht zum essen runtergehen wenn ich gerufen werde, aber besser ich öffne die tür als umgekehrt. nur das kinn parallele zum boden, der normalenvektor des parketts muss gerade aus dem oberen schädelpunkt hinuasstechen. augenbrauen halte ich leicht gehoben, einfach. ich werde nicht anrufen, ich mache mich unsichtbar, das ist einfacher, eingeübt.
der erker ist von der tür aus nicht einzusehen, gut zum in der ecke sitzen, ein dumpfes geräusch hallt hier nur nach über den balkon. da steht das keyboard auf dem boden, die Cd aus, destruktiv. stetiger wechsel zwischen sekunden, septimen, rechtshändig, in hoher lage. das gesicht überhitzt. spontan aufgestanden, das fenster aufgerissen. es friert. festgefroren, kontinuierlich fällt die aussenluft in die ecke herab. energieverschwendung, die heizung legt klappernd beschwerde ein.
tut gar nicht weh, hallt nur mein hirn leer. draußen sind noch schneereste, im krankenhaus betäuben sie kleine schnitte mit eis. ich sollte das fenster zumachen, sollte ich, aber vielleicht friert ja das kabel und bricht. das ist ja auch gummi, ich habe schon gummisplitter in den händen gehalten, was friert splittert. ich dann auch, vorher vermutlich, aber ist ja niemand da der mich zerschmeist, schon gar nicht auf dem teppichboden, sowieso viel zu schwer. ich werde das nicht in die hand nehmen, ich werde nicht anrufen, bestimmt nicht, einmal entschlusstreu, zur abwechslung. ich wollte das kabel aus der wand ziehen, aber die wand ist hinter mir noch warm. steh schon auf, mach das fenster zu.
die topfpflanzen zurechtgeschoben, die blätter zittern in der aufsteigenden wärme. auf dem bett die decke, auf dem nachttisch, bücher, briefe und kästchen. glatt und hölzern das eine, lehr. das andere: ein sechseck. geöffnet. armreif über die hand geschoben, zu eng. die kruste von der schramme am daumengrundgelenk geblättert. langsam zurückbewegt. mit einer bewegung hinters bett geworfen. in den raum gedreht, schwarz schlingt sich das kabel über den hellen teppich. die tür ist geschlossen.
was soll das, ich werde sowieso nicht anrufen, blut schmeckt gar nicht salzig, ich mag salz, ich habe hier kein pflaster. runtergehen ist überflüssig, ist ja nur ein macke und es ist schon fast halb acht, werde bestimmt bald gerufen, wo sind der nur taschentücher, sollte mal aufräumen. ich werde das nicht sagen, ist ja sinnlos, du hörst vermutlich zu, was solls, aber ich habe keine erklärungen. du hast immer erklärungen, lösungen, ich hab weder noch, deshalb gibt es mich nicht, oder doch nur zweimal, denn ich brauche keine gründe und meine projektion muss nicht mal denken. was ist ist, heute bleibe ich einfach, ich werde nicht anrufen, einmal entschieden bleiben.
musik wieder angeschaltet. die tür schallschluckend, nur der boden vibrierend. den raum durchzirkelt, mit den füßen blind zwischen zetteln, anderem kram. die tür ist geschlossen.
vielleicht wartest du ja drauf, das der doppelgänger dich anruft, kann sein. ich werde nicht anrufen. ich kann machen was ich will, fällt sowieso niemandem auf. eigentlich bin ich selber schuld, wenn mich wer fragt hab ich immer schon nein gesagt, bevor ich nur gedacht habe. ich kann bestimmt zu gut lügen, mir glaubt jeder, sogar ich glaube mir dann. jetzt will ich mir nicht glauben müssen, nein, wenn ich so weiter mache falle ich noch über das kabel.
schnee auf dem fensterbrett, das fenster geöffnet, kurz und gelenk hineingelegt, bissig, momentan, dann taub. der schlüssel liegt auf dem schrank, eine packung billiger rasierer auf der kommode. den schlüssel vom schrank geangelt, rechtshändig, tür geschlossen.
die wären bestimmt scharf genug für das kabel, aber dann krieg ich nur ärger, will keine fragen gestellt bekommen, kann auch den stecker ziehen. die klinge ist auch zu kurz bestimmt, ich könnte eine rausbrechen, sieht mich niemand, tür geschlossen, ist ja billiges plastik, ich packe den rest einfach unter die papiere, sieht schon keiner, ich sollte das nicht machen, weiß ich ja, ich kann machen was ich will. wenn nur das telefon nicht klingelt, oder ich gerufen werde.
aus der tüte gegriffen, plastik hochgebogen, mit der schere. plötzlich gebrochen und klinge davongesprungen, auf den boden. die klinge gefunden, beim tasten leicht hineingegriffen. das blut vorsichtig abgeleckt und die reste im papierkorb vergraben. klinge in der hand, der linke arm noch leicht taub.
sollte ich auch wegschmeißen, was soll ich damit? jetzt muss ich ein pflaster holen, woran habe ich mich geschnitten sag ich? an papier vielleicht, ja das stimmt, hier ist es kalt, ich werde gerufen. wohin damit?
tür aufgeschlossen, leise, „moment“ die treppe runter. noch mal ins zimmer gelaufen, dann runter. im kästchen auf dem nachttisch: metall.
geschlossene tür
geschlossene tür
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: geschlossene tür
Hi, Edekire.
Es geht mir ein bißchen wie beim Übersetzen. Ich lese und verstehe, während ich lese, aber hinterher kann ich nicht sagen, was ich verstand. Ist das jetzt gut oder schlecht? Auf jeden Fall berührt mich der Text, stecke drin wie in einem Puzzle, wo man noch nicht jedes Teil an seinem Platz hat.
Das nur mal die Dinge, die mir auffielen...
Einmal mehr in Ehrfurcht grübelnd
Flocke
Es geht mir ein bißchen wie beim Übersetzen. Ich lese und verstehe, während ich lese, aber hinterher kann ich nicht sagen, was ich verstand. Ist das jetzt gut oder schlecht? Auf jeden Fall berührt mich der Text, stecke drin wie in einem Puzzle, wo man noch nicht jedes Teil an seinem Platz hat.
...das ist wichtig zuweilen
- eine CD eingelegt und zu laut gedreht für die nachbarn. was soll das auch schon, ich muss verhindern das die luft gerinnt. es kann aber sein das tut sie nur für mich - das Stück ist klasse!
du rufst ja auch nie an, erzähl mir nicht dass du keine zeit hast...
-neben dem bett stapeln sich bücher, in einem der kästchen auf dem nachttisch: briefe. überwortet alles, hinter der tür, gedanken zurück auf farben und bilder schalten, weil es dann keine erklärungen mehr geben muss.- genauso Klasse!
der normalenvektor des parketts muss gerade aus dem oberen schädelpunkt hinausstechen.
niemand da der mich zerschmeisst, schon gar nicht auf dem teppichboden,
glatt und hölzern das eine, leer. das andere: ein sechseck. geöffnet.
,wo sind denn nur taschentücher, sollte mal aufräumen.
Das nur mal die Dinge, die mir auffielen...
Einmal mehr in Ehrfurcht grübelnd
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste