Erwartungen, einen Kindergeburtstag betreffend
„Nein!“
„Bitte!“
„Nein.“ Interessanterweise wirkt ein Nein mit einem Punkt dahinter viel entschiedener als ein Nein mit einem Rufzeichen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es schon das Voreilig-panische des Rufzeichens abgelegt hat und daher über eine bodenständig-solide Entschlossenheit verfügt. Dieses ganz spezielle Nein und der dazugehörige Punkt beziehen sich auf meine Mithilfe bei einem Kindergeburtstag. Welch herrlich harmloses Wort! Hat auch nur ganz zufällig gleich viele Silben wie Apokalypse.
„Wie viele hat er eingeladen?“, frage ich, nach dem der hinter dem Nein platzierte Punkt sich entfaltet und im Raum ausgebreitet hat.
„Zwölf.“
„ZWÖLF?“
„Zwölf.“
„Warum nicht zehn, so wie die Plagen?“
„Du übertreibst“, sagt Mutter. Wenn sie sagt, ich übertreibe, dann übertreibe ich ganz sicher nicht. Wenn ich nämlich übertreibe, dann ist das so offensichtlich, dass niemand extra darauf hinweisen muss. Wenn aber Mama behauptet, ich würde übertreiben, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass sie genau weiß, dass ich eine sehr konkrete Vorstellung von den zu erwartenden Schrecken habe.
„Ich übertreibe nicht“, stelle ich daher fest: „Zwölf Jünger waren okay, zwölf Monate sind auch in Ordnung, aber zwölf Monsterhobbits sind zu viel.“
„Jetzt sei nicht so.“
„Mutter, im Prinzip habe ich nichts gegen zehnjährige Buben. Solange sie unter Drogen stehen und an einem denkbar entlegenen Ort, wie beispielsweise der südlichen Sahara, gefesselt und kastriert in Meerschweinchenkäfigen aufbewahrt werden, sind sie mir herzlich willkommen. Aber hier, in diesem Haushalt, diesem Hauptschauplatz meiner Jugend, diesem Rückzugsgebiet, diesem Hort an Beschaulichkeit und Familienglück, haben dies verderbten Individuen keine Existenzberechtigung!“
Lena sitzt auf der Couch und schaut Michi zu, wie er vermittels Konsole Playstadtion-Monster hinmeuchelt. „Das kannst du nicht normal auch sagen?“
Ich ringe die Hände: „Setz mich unter Stress und ich rede geschwollen. Das ist mein Äquivalent zu aufgeplustertem Gefieder und Katzenbuckelfauchen. Reine Instinkthandlung.“
Cousinchen schaut so verächtlich, dass ein bisschen etwas von ihrem Grant mehr oder weniger in der Luft zwischen ihr und mir materialisiert und auf den Teppich bröselt.
Im Grunde ist es sowieso wurscht, ob ich mit Mama verhandle oder nicht. Am Ende gewinnt sie immer. Sogar wenn meine Argumente besser sind. Sogar wenn ich im Recht bin. Ganz wurscht. Papa lässt sich auf der argumentativen Schiene ausmanövrieren, Mama setzt auf die geballte Wucht eines Ich-bin-arm-und-verlassen-und-eine-Märtyrerin-und-werde-so-du-(Undankbare!)-nicht-tust-was-ich-so-dringend-von-dir-verlange-und-wonach-sich-mein-Herz-verzehrt-dann-werde-ich-zweifellos-aus-Gram-über-dich-und-die-Schlechtheit-der-Welt-sterben-Blick. Das ist ein Blick, der geht über drei Zeilen. Chancenlos. Weckt quasi einen umgekehrten Mutterinstinkt. Ich gebe also nach. Wundervoll. Vielleicht kann ich ja den Orangensaft vergiften..
„Welches Thema hat er sich ausgesucht?“ frage ich.
„Herr der Ringe.“
Ich bin nahe dran, zu Hyperventilieren. Es gibt Dinge, die will man sich nicht entweihen lassen. Nie. Der Herr der Ringe gehört dazu.
Vielleicht bin ich da sowieso ungebührlich egoistisch. Aber wenn ich aus einem Kinofilm komme, den ich für genial halte, will ich nicht hinter mir jemanden sagen hören: „Ja, und die eine Szene, wo er ihr, wie hat sie geheißen, wie er ihr sagt, dass der andere, der, der, der, du weißt schon, der mit der blauen Hose, des Ding da gegeben hat, die war schon geil, nicht?“
Ich will nicht, dass jemand, der „Szene“ wie „Zähne“ ausspricht und sich die Namen nicht gemerkt hat, sich über den Film auslässt und sich einbildet, er habe ein Recht dazu. Das hat der Film nicht verdient.
Schlimm: ich schau mir „Tanz der Vampire an“. Im hinausgehen, eine stark geschminkte Lady zu ihrer noch stärker geschminkten Freundin: „Du, der eine da, der hat einen Grammatikfehler gehabt!“
Grammatik?! Alfred lispelt, du blöde Kuh! Sprachfehler von mir aus, aber nicht Grammatikfehler.
Das klingt jetzt so, als ob ich jeden verabscheue, nur weil er Lispeln einen Grammatikfehler nennt. Absolut nicht. Das darf normalerweise jeder. Ist mir vielleicht auch schon mal passiert. Aber nicht, bitte nicht, wenn ich grad in einem Zustand zwischen meditativer Versenkung und quasi-religiöser Verzückung schwebe und die Welt für einen Ort reiner, unverfälschter Ästhetik halte. Dann darf da keiner so oberflächlich sein und Lispeln einen Grammatikfehler nennen.
Das absolute Horrorerlebnis in diese Richtung: Die Schule organisiert eine Fahrt nach Wien, damit wir uns dort ein Musical anschauen. Hernach sitze ich im Bus und schwelge noch still in Genialität von Musik, Text und Darstellung, gehe im Kopf noch einmal bestimmte Szenen durch und bin durch und durch glücklich. Und hinter mir kräht Lisa, die jede Fernsehserie dieser Welt kennt, Lisa, die Szene wie Zähne ausspricht, kräht also diese Lisa: „Aber der Tod hat schon einen geilen Arsch gehabt.“
Lischen, mir ist der Arsch des Todes so was von wurscht! Lischen, du hast die Aussage nicht verstanden! Lischen, Lischen, sogar wenn er dir, der Todesarsch, wirklich wichtig ist und wenn du darin den größten künstlerischen Ausdruck des Abends siehst, was ich dir ja von Herzen gönne, dann sag es nicht laut. Nicht so laut, dass ich es hören muss. Du reißt mich aus meiner Andacht!
Das will man dann schreien. Vor allem, wenn in der Sitzreihe vor mir zwei Damen anfangen, ganz, ganz falsch das Leitmotiv zu summen.
Das einzige, was noch schlimmer ist, sind die Expertengespräche. Wenn sie sich nachher laut hörbar für jeden über den Kunstgenuss auslassen und zerlegen bis ins kleinste Tremolo, um mir und allen anderen klar zu machen, dass wir keine Ahnung haben. Wenn mir dann auch noch klar wird, dass ich wirklich keine Ahnung habe, dann ist der Abend gänzlich dahin. Deswegen bin ich a) für einen IQ-Test an der Abendkassa und b) ein Schweigegebot für die Pause und den Bus. Lisa darf überhaupt nie wieder ins Musical.
Ich gebe zu: das ist eine durch und durch und durch egozentrische, egoistische und banausische Einstellung. Gut. Ich stehe dazu. Ich will nicht, dass eine Gruppe von bösartigen Gnomen, von denen nicht ein einziger das Buch gelesen hat, von denen nicht ein einziger den Unterschied zwischen der Krege- und der von-Freymann-Übersetzung kennt, die allesamt Zwerge für stärker behaarte Hobbits halten, kurz: die den Herrn der Ringe nur im Kino konsumiert haben, dieses erhabene Buch einen ganzen Tag lang in ihren kariesverseuchten Mündern führen dürfen, ohne dass ich sie dafür erschlagen darf.
Der absolute Höhepunkt: Mütterchen will eine Schnitzeljagd nach Herr-der-Ringe-Motiven.
„Ich kenn mich da nicht aus, das musst du machen“, sagt sie.
„Mutter, ich gedenke nicht, bei der Schändung der Alba Longa der fantastischen Literatur der Neuzeit zu assistieren.“ Drei Genitive. Ich bin beinahe stolz auf mich.
„Du übertreibst“, sagt Mama, womit alles geklärt ist.
Auf der Autofahrt nach Linz, wo man am Vortag letzte Einkäufe zu tätigen gedenkt, diskutieren Jo und ich mögliche Schnitzeljagd-Szenarien. Beziehungsweise: Jo diskutiert und ich versuche, ihn daran zu hindern. Jo hat das Buch nämlich auch nicht gelesen.
Jo: „Wir könnten sagen, wir veranstalten ein Orktrainingslager, da lassen wir sie dann Bogenschießen und…“
Ich: „Orktrainingslager? Bruder, das hat definitiv nicht den nötigen epischen Charakter.“
Jo: „Sicher! Was denn sonst?“
Was denn sonst? Die Liste der wieder verworfenen Überlegungen ist lang:
- Gandalf flieht vor einer Orkherde, öffnet ein Tor zwischen den Welten und landet auf unserem Dachboden. Er ist sehr geschwächt, kritzelt aber noch einen Abschiedsbrief von wegen verstecktem Schatz und stirbt. Zehn Jahre später finden wir den (künstlich gealterten) Brief und einen Knochen
-ein Zwerg flieht vor einer Orkherde, erreicht schwer verletzt unsere Haustüre, läutet, hinterlässt der öffnenden Mutter mündlich ein paar gehauchte Abschiedsworte von wegen verstecktem Schatz und stirbt.
-ein Hobbit landet bekifft vom Königskraut in unserem Blumenbeet, vergräbt dort einen Schatz, hinterlässt es schriftlich und wird von einer Orkherde verfolgt.
Das Problem: es gibt zwischen den einzelnen Ansätzen verdächtige Parallelen.
Weil ich also auch keinen vernünftigen und angemessen episch-kitschigen Ansatz anbieten kann, lenke ich Brüderchen auf ein anderes Thema, damit er den Herrn der Ringe nicht weiter blasphemisch behandeln kann. Gemeinsames Lieblingsthema? Warum wir Michis Freunde nicht ausstehen können und wie man sie töten kann.
„Wir könnten wirklich ein Bogenschießen veranstalten.“
„Ja. Wilhelm Tell.“
„Ohne Apfel.“
„Ohne Apfel geht nicht.“
„Aber wir könnten sehr kleine Äpfel verwenden.“
„Vergiftete Äpfel.“
„Aber sie haben sie ja auf dem Kopf und essen sie nicht.“
„Oh.“
„Wir könnten Halluzinogene in den Kuchen mischen.“
„Und was bringt das?“
„Es fällt ihnen nicht auf, wenn wir sie in den Keller sperren.“
„Dann hauen sie aus Versehen das Weinregal um.“
„Und? Dann können wir behaupte, dass sie sich besoffen haben.“
„Was? Zehnjährige? Erste Klasse Gymnasium? Auf einem Kindergeburtstag? Klingt das plausibel?“
„Kramer David, Gruber Stefan, Wimmer Micky.“
„Klingt plausibel.“
Exakt um zehn Minuten nach Mitternacht am heutigen Tage, kommt Michi in mein Zimmer. Ich grüble noch immer über der bescheuerten Schnitzeljagd.
Mittlerweile habe ich auch noch die Ansätze:
-eine Horde Orks hat einen Schatz versteckt und eine Spur aus Zuckerwatte und gelben Wärmeflaschen hinterlassen
-die Katze ist von einer Horde Orks enführt worden. Retten sie die Katze.
- Michi ist von einer Horde Orks enführt worden. Retten sie die Orks.
Die Orkhorde ist tatsächlich ein durchgängiges Thema. Irgendwie bin ich da fixiert.
„Was willst du, Zwergerl?“, frage ich also den Knirps. Er zeigt auf die Uhr.
„Falls du ein Geschenk für mich hast: ich habe jetzt Geburtstag. Du kannst es mir geben.“
Noble Zurückhaltung ist nicht so Michis Ding. Ich überreiche ihm sein Geschenk und schaue ihm beim Auspacken zu. Sein Gesicht wird lang. Es ist ein Buch. Eigentlich sollte er das gewöhnt sein, denn seit ich festgestellt habe, dass er über Büchergaben nicht besonders begeistert ist, schenke ich ihm nur noch Bücher, meist mit einem aufmunternd-liebevollen Kommentar auf einem Zettelchen. Dieses Mal steht da:
Gib’s auf, Süßer. Sogar ins Grab werde ich dir noch Bücher nachwerfen, wenn du nicht endlich ordentlich anfängst zu Lesen. Sogar ins Grab.
Ich fand die Grabformulierung einfach so schön eingängig. Mal sehen, ob es was bringt.
Ja, genau: ich habe übertrieben. Ich bin heute mittelspät aufgestanden, hab trotzdem problemlos die blöde Schnitzeljagd zusammengebastelt. Die Zwerge waren laut und blöd und ich hab um zwei herum eine Kopfwehtablette geschluckt, aber es ging nichts zu Bruch, die Katze lebt noch und kaum ein ungebührlicher Kommentar zum Herrn der Ringe wurde getätigt. Sie haben meine stupiden Rätsel gelöst, ihre Belohnung gefunden und Brettspiele gespielt. Sie waren enttäuschen zivilisiert und wurden pünktlich um halb sieben abgeholt. Das stört mich. Um genau zu sein: es ist eine riesige Schweinerei: ich investiere einen Haufen genial formulierter böser Vorahnungen und düsterer Prophezeiungen und mindestens ein halbes Kilo berechtigte Hysterie und dann ist das Ereignis so völlig unspektakulär, dass es sich nicht für eine Satire und ein bisschen berechtigtes Selbstmitleid eignet. Ich fühle mich geprellt.
Übertreibung
Übertreibung
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Übertreibung
Salut Silentium!
Verrat mir doch bitte eines: Ist das eine Glosse? Oder wo würdest du den Text snonst einsortieren? Ich habe da meine Zuordnungsprobleme.
Als Herr-der-Ringe-Vermeider bin ich natürlich nicht ganz qualifiziert, diesen Text zu beurteilen
Er liest sich ganz flott, aber ich vermisse das Tieferreichende. Ich denke mir da nur einen etwas eitlen und misanthropischen Typen, der seine Eitelkeiten hätschelt und auf andere Menschen eher verächtlich hinabsieht ... kurzum, mir fehlt die Botschaft, der Text erscheint mir deshalb nur als Selbstzweck.
Mal sehen, was die anderen dazu schreiben
Beste Grüße
Tolya
Verrat mir doch bitte eines: Ist das eine Glosse? Oder wo würdest du den Text snonst einsortieren? Ich habe da meine Zuordnungsprobleme.
Als Herr-der-Ringe-Vermeider bin ich natürlich nicht ganz qualifiziert, diesen Text zu beurteilen
Er liest sich ganz flott, aber ich vermisse das Tieferreichende. Ich denke mir da nur einen etwas eitlen und misanthropischen Typen, der seine Eitelkeiten hätschelt und auf andere Menschen eher verächtlich hinabsieht ... kurzum, mir fehlt die Botschaft, der Text erscheint mir deshalb nur als Selbstzweck.
Mal sehen, was die anderen dazu schreiben
Beste Grüße
Tolya
Re: Übertreibung
Also ich für meinen Teil brauche hier nichts "Tiefergehendes".
Texte können auf mehreren Ebenen funktionieren, müssen aber nicht. Dieser hier funktioniert auf einer Ebene dermaßen perfekt, dass man die anderen durchaus mal vernachlässigen kann.
Ich hab mich köstlich amüsiert! Ich wäre auch gar ich gerüstet gewesen für eventuell plötzlich auflauenernde tiefschürfendere Einsprengsel, weil viel zu beschäftigt mit Still-in-mich-Hinein-Grinsen.
Als Glosse wäre das absolut druckreif.
lg
mög
Texte können auf mehreren Ebenen funktionieren, müssen aber nicht. Dieser hier funktioniert auf einer Ebene dermaßen perfekt, dass man die anderen durchaus mal vernachlässigen kann.
Ich hab mich köstlich amüsiert! Ich wäre auch gar ich gerüstet gewesen für eventuell plötzlich auflauenernde tiefschürfendere Einsprengsel, weil viel zu beschäftigt mit Still-in-mich-Hinein-Grinsen.
Als Glosse wäre das absolut druckreif.
lg
mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Übertreibung
Achtung! Unser Server arbeitet mit einem FLOOD-CHECK mit AUTO-BAN und du bist im gelben Bereich. Also bitte nicht so wild rumklicken. Danke.
Also, irgendwie freue ich mich immer wieder über diese Meldung, die mir bei O livro neuerdings ausgespuckt wird.
Aber nun zu Deinem Text, Silentium: habe ihn gelesen und fühlte mich gut unterhalten. Punkt. Mehr baucht's für mich eigentlich auch nicht.
Mit dem letzten Absatz hast Du natürlich ein Problem, weil nicht nur die Erzählerin, sondern auch der Leser darüber enttäuscht ist, dass alles ganz ganz harmlos war. Das darf bei einem solchen Text eigentlich nicht sein.
Gruß
Spiderman
Die nette Lyrik-Spinne von nebenan!
Re: Übertreibung
Ähm, ja... ich geb zu, es ist nicht wesentlich tiefschürfender als ein ausgestopftes murmeltier. Ja. War eine reaktion auf das gütig-mitleidige Lächeln Mütterchens, als sie sagt: "Na, so schlimm war's auch wieder nicht."
Das mit dem Ende wurmt mich ungemein, wirklich. Ich bin jetzt den ganzen Abend auf dem Sofa gesessen, hab die kleinen Kröten beobachtet, pseudomäßig dazu in einem Buch gelesen und gegeiert, ob nicht irgendwas, irgendwas kommt, was sich als ende verwenden lässt. Nichts. Hundesöhne, elende, allemiteinander. :-E
Die Fehlermeldungen kenn ich noch nicht. Lustig.
Das mit dem Ende wurmt mich ungemein, wirklich. Ich bin jetzt den ganzen Abend auf dem Sofa gesessen, hab die kleinen Kröten beobachtet, pseudomäßig dazu in einem Buch gelesen und gegeiert, ob nicht irgendwas, irgendwas kommt, was sich als ende verwenden lässt. Nichts. Hundesöhne, elende, allemiteinander. :-E
Die Fehlermeldungen kenn ich noch nicht. Lustig.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Übertreibung
Na, dann erfinde doch einfach ein anderes Ende. So kann das nicht gehen. Du kannst nicht dem Leser Anarchie versprechen und ihm am Ende Büroklammern verkaufen.
Die nette Lyrik-Spinne von nebenan!
Re: Übertreibung
Na, dann erfinde doch einfach ein anderes Ende. So kann das nicht gehen. Du kannst nicht dem Leser Anarchie versprechen und ihm am Ende Büroklammern verkaufen.
Gerade das Ende fand ich dann originell. Weil es anders war als das, was man erwartet hätte.
Re: Übertreibung
Welch Amusement am frühen Morgen, Stille, einfach köstlich...!
Laß mich trotzdem ein paar Bemerkungen machen:
"...dass ein bisschen etwas von ihrem Grant mehr oder weniger in der Luft zwischen ihr und mir materialisiert und auf den Teppich bröselt." - also, entweder materialisiert sich etwas oder nichts, aber nicht ein bißchen etwas mehr oder weniger...
"Ich bin nahe dran, zu hyperventilieren."
"Sie waren enttäuschend zivilisiert..."
Schlag mich jetzt nicht, aber diese Passage würde ich komplett rausnehmen. Auch wenn ich dir das alles bis ins Detail nachfühlen kann (ich mag die tanzenden Vampire, aber keine dilettantische Kommentare...), es passt m. E. nicht zum Thema.
"-die Katze ist von einer Horde Orks enführt worden. Retten Sie die Katze/Rettet die Katze." - immerhin redest du ja nur mit Kindern oder siezt man bei euch jetzt schon die Zehnjährigen... aber die Idee ist klasse!
"- Michi ist von einer Horde Orks enführt worden. Retten Sie die Orks/Rettet die Orks.." - same problem as alredy mentioned above...
Der Schluß scheint mir noch ein bißchen zuwenig, irgendwie hab ich mit einem Knaller gerechnet, egal in welche Richtung. Es fällt gegen Ende hin ein bißchen ab und verliert seine Bissigkeit.
Aber wie besser machen? Etwas mehr beschreiben, was die Knirpse durchmachen mußten?
Amüsierte morgendliche Grüße
Flocke
Laß mich trotzdem ein paar Bemerkungen machen:
"...dass ein bisschen etwas von ihrem Grant mehr oder weniger in der Luft zwischen ihr und mir materialisiert und auf den Teppich bröselt." - also, entweder materialisiert sich etwas oder nichts, aber nicht ein bißchen etwas mehr oder weniger...
"Ich bin nahe dran, zu hyperventilieren."
"Sie waren enttäuschend zivilisiert..."
...Vielleicht bin ich da sowieso ungebührlich egoistisch. Aber wenn ich aus einem Kinofilm komme, den ich für genial halte, will ich nicht hinter mir jemanden sagen hören: „Ja, und die eine Szene, wo er ihr, wie hat sie geheißen, wie er ihr sagt, dass der andere, der, der, der, du weißt schon, der mit der blauen Hose, des Ding da gegeben hat, die war schon geil, nicht?“
Ich will nicht, dass jemand, der „Szene“ wie „Zähne“ ausspricht und sich die Namen nicht gemerkt hat, sich über den Film auslässt und sich einbildet, er habe ein Recht dazu. Das hat der Film nicht verdient.
Schlimm: ich schau mir „Tanz der Vampire an“. Im hinausgehen, eine stark geschminkte Lady zu ihrer noch stärker geschminkten Freundin: „Du, der eine da, der hat einen Grammatikfehler gehabt!“
Grammatik?! Alfred lispelt, du blöde Kuh! Sprachfehler von mir aus, aber nicht Grammatikfehler.
Das klingt jetzt so, als ob ich jeden verabscheue, nur weil er Lispeln einen Grammatikfehler nennt. Absolut nicht. Das darf normalerweise jeder. Ist mir vielleicht auch schon mal passiert. Aber nicht, bitte nicht, wenn ich grad in einem Zustand zwischen meditativer Versenkung und quasi-religiöser Verzückung schwebe und die Welt für einen Ort reiner, unverfälschter Ästhetik halte. Dann darf da keiner so oberflächlich sein und Lispeln einen Grammatikfehler nennen.
Das absolute Horrorerlebnis in diese Richtung: Die Schule organisiert eine Fahrt nach Wien, damit wir uns dort ein Musical anschauen. Hernach sitze ich im Bus und schwelge noch still in Genialität von Musik, Text und Darstellung, gehe im Kopf noch einmal bestimmte Szenen durch und bin durch und durch glücklich. Und hinter mir kräht Lisa, die jede Fernsehserie dieser Welt kennt, Lisa, die Szene wie Zähne ausspricht, kräht also diese Lisa: „Aber der Tod hat schon einen geilen Arsch gehabt.“
Lischen, mir ist der Arsch des Todes so was von wurscht! Lischen, du hast die Aussage nicht verstanden! Lischen, Lischen, sogar wenn er dir, der Todesarsch, wirklich wichtig ist und wenn du darin den größten künstlerischen Ausdruck des Abends siehst, was ich dir ja von Herzen gönne, dann sag es nicht laut. Nicht so laut, dass ich es hören muss. Du reißt mich aus meiner Andacht!
Das will man dann schreien. Vor allem, wenn in der Sitzreihe vor mir zwei Damen anfangen, ganz, ganz falsch das Leitmotiv zu summen.
Das einzige, was noch schlimmer ist, sind die Expertengespräche. Wenn sie sich nachher laut hörbar für jeden über den Kunstgenuss auslassen und zerlegen bis ins kleinste Tremolo, um mir und allen anderen klar zu machen, dass wir keine Ahnung haben. Wenn mir dann auch noch klar wird, dass ich wirklich keine Ahnung habe, dann ist der Abend gänzlich dahin. Deswegen bin ich a) für einen IQ-Test an der Abendkassa und b) ein Schweigegebot für die Pause und den Bus. Lisa darf überhaupt nie wieder ins Musical.
Ich gebe zu: das ist eine durch und durch und durch egozentrische, egoistische und banausische Einstellung. Gut. Ich stehe dazu.
Schlag mich jetzt nicht, aber diese Passage würde ich komplett rausnehmen. Auch wenn ich dir das alles bis ins Detail nachfühlen kann (ich mag die tanzenden Vampire, aber keine dilettantische Kommentare...), es passt m. E. nicht zum Thema.
"-die Katze ist von einer Horde Orks enführt worden. Retten Sie die Katze/Rettet die Katze." - immerhin redest du ja nur mit Kindern oder siezt man bei euch jetzt schon die Zehnjährigen... aber die Idee ist klasse!
"- Michi ist von einer Horde Orks enführt worden. Retten Sie die Orks/Rettet die Orks.." - same problem as alredy mentioned above...
Der Schluß scheint mir noch ein bißchen zuwenig, irgendwie hab ich mit einem Knaller gerechnet, egal in welche Richtung. Es fällt gegen Ende hin ein bißchen ab und verliert seine Bissigkeit.
Aber wie besser machen? Etwas mehr beschreiben, was die Knirpse durchmachen mußten?
Amüsierte morgendliche Grüße
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...
Re: Übertreibung
Aaalso... das Ende... das Dilemma ist, das ich nix erfinden will. Das tut man nicht, wenn es um die eigene Familie geht. Ich hab mir überlegt, ob ich einfach den gesamten letzten Absatz zugunsten einer Bemerkung wie "Und dann kamen die Orks" oder "Mein Testament finden Sie in der untersten Nachtkästchenschublade". Irgendsowas.
Dir Rechtschreibung und das "Sie": 'türlich hast du Recht, Flocke. Eines Tages werde ich sterben und statt in die Hölle werd ich allein in einer Volkschulklasse landen. Da wird dann eine Dame im Wickelrock und mit kleinen, dezenten Hörnern und Dämonenschwingen auf mich warten und sagen: "So, Sarah, das Lehrbuch der deutschen Rechtschreibung, Seite 1, aufschlagen. Wird's bald?"
Dann werde ich feststellen, das sie eine Peitsche hat.
Die Musicalpassage... stimmt. Die hat da nichts verloren, is mir rausgerutscht. Gehört raus.
Dir Rechtschreibung und das "Sie": 'türlich hast du Recht, Flocke. Eines Tages werde ich sterben und statt in die Hölle werd ich allein in einer Volkschulklasse landen. Da wird dann eine Dame im Wickelrock und mit kleinen, dezenten Hörnern und Dämonenschwingen auf mich warten und sagen: "So, Sarah, das Lehrbuch der deutschen Rechtschreibung, Seite 1, aufschlagen. Wird's bald?"
Dann werde ich feststellen, das sie eine Peitsche hat.
Die Musicalpassage... stimmt. Die hat da nichts verloren, is mir rausgerutscht. Gehört raus.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Übertreibung
ja, es stimmt wohl; die Musical-Passage gehört wirklich nicht ganz dazu, aber es wäre doch schade um sie. Vielleicht könnte man eine eigene Glosse daran aufhängen.
Das Ende find ich auch gut, gerade so wie es ist. Da wird die ganze Zeit lustvoll hemmunglos überzogen und dann verpufft alles friedlich - ist doch ein hübscher Effekt. Und irgendwie ja auch das Thema dieser Geschichte.
Und wenn ich grad schon so schamlos am Schleimen bin: Von der Pointendichte in diesem Text, können so manche, die sich damit ihr täglich Brot verdienen, nur träumen.
lg
mög
Das Ende find ich auch gut, gerade so wie es ist. Da wird die ganze Zeit lustvoll hemmunglos überzogen und dann verpufft alles friedlich - ist doch ein hübscher Effekt. Und irgendwie ja auch das Thema dieser Geschichte.
Und wenn ich grad schon so schamlos am Schleimen bin: Von der Pointendichte in diesem Text, können so manche, die sich damit ihr täglich Brot verdienen, nur träumen.
lg
mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Übertreibung
Also, Silentium, dass das mal klar ist:
a) Ich liebe Schnitzeljagden.
b) Gandalf ist unsterblich (Silmarillion nochmal aufmerksam durcharbeiten! :-p )
Und c):
Sehr schöner Text! Hat sehr, sehr viel Spaß gemacht, danke. Ich bringe den einzigen Kritikpunkt sofort, dann kann ich danach schwelgen: Der Umweg über die Banausen ist zu lang, das sehe ich genauso wie Flocke. Absolut unterhaltsam, zugegeben (der Arsch des Todes - sehr schön!) aber zu lang. Es ist das selbe Problem, dass ich vorhin schon bei Muffin angemerkt habe: Du führst mich auf eine Fährte (HDR-Party des Brüderleins) und bringst mich dann so lange von dieser Fährte ab, dass ich ungeduldig werde, obwohl diese unterhaltsame Zwischenepisode eigentlich keine Ungeduld verdient. Die selbe Empfehlung an Dich wie an Muffin: Verschwende Geist und Idee nicht hier, mach eine eigene Geschichte daraus.
Ja ansonsten - sehr gelungen. Als Tolkien-Enthusiast hatte ich natürlich besonderen Spass an der Sache, und es gelingt Dir sehr gut, eine Art Komplizenschaft mit dem Leser über die Liebe zu Tolkiens Werk aufzubauen. Und obwohl die Geschichte "Übertreibung" heisst, übertreibst Du mit keiner Formulierung, gleitest niemals in Kitsch ab, und wenn es auch nur ansatzweise klamaukig wird, holst Du es sofort mit feiner Ironie zurück - ich bin sehr erfreut!!!
Solltest Du nochmal vor der Aufgabe stehen, hätte ich ein paar Schnitzeljagetappen, die Deine Probleme mit des Bruders Posse ein für allemal lösen könnten:
1.) Eine Nacht in Bree
(Wer nicht weiss, dass man besser nicht im eigenen Bett schläft hat... Pech).
2.) Der Rothornpass
(Da lässt sich in Österreich doch sicher was organisieren
)
3.) Finde Deinen Weg aus Fangorn
(...oder eben nicht)
4.) Die Pfade der Toten
(...sollte tunlichst nur der rechtmäßige Erbe von Gondor betreten. Findet der sich unter den Freunden Deines Bruders?)
5.) Und last but not least:
Kankras Lauer
Du musst nur einen passenden Ersatz für Ungolianths Brut finden, aber Du hast ja Phantasie. ]:-)
Und wenn sie denn unbedingt alle Orks sein wollen - stell doch einfach die Verfolgung der Gefährten nach Lothlorien mit ihnen nach. :-p
a) Ich liebe Schnitzeljagden.
b) Gandalf ist unsterblich (Silmarillion nochmal aufmerksam durcharbeiten! :-p )
Und c):
Sehr schöner Text! Hat sehr, sehr viel Spaß gemacht, danke. Ich bringe den einzigen Kritikpunkt sofort, dann kann ich danach schwelgen: Der Umweg über die Banausen ist zu lang, das sehe ich genauso wie Flocke. Absolut unterhaltsam, zugegeben (der Arsch des Todes - sehr schön!) aber zu lang. Es ist das selbe Problem, dass ich vorhin schon bei Muffin angemerkt habe: Du führst mich auf eine Fährte (HDR-Party des Brüderleins) und bringst mich dann so lange von dieser Fährte ab, dass ich ungeduldig werde, obwohl diese unterhaltsame Zwischenepisode eigentlich keine Ungeduld verdient. Die selbe Empfehlung an Dich wie an Muffin: Verschwende Geist und Idee nicht hier, mach eine eigene Geschichte daraus.
Ja ansonsten - sehr gelungen. Als Tolkien-Enthusiast hatte ich natürlich besonderen Spass an der Sache, und es gelingt Dir sehr gut, eine Art Komplizenschaft mit dem Leser über die Liebe zu Tolkiens Werk aufzubauen. Und obwohl die Geschichte "Übertreibung" heisst, übertreibst Du mit keiner Formulierung, gleitest niemals in Kitsch ab, und wenn es auch nur ansatzweise klamaukig wird, holst Du es sofort mit feiner Ironie zurück - ich bin sehr erfreut!!!
Solltest Du nochmal vor der Aufgabe stehen, hätte ich ein paar Schnitzeljagetappen, die Deine Probleme mit des Bruders Posse ein für allemal lösen könnten:
1.) Eine Nacht in Bree
(Wer nicht weiss, dass man besser nicht im eigenen Bett schläft hat... Pech).
2.) Der Rothornpass
(Da lässt sich in Österreich doch sicher was organisieren
3.) Finde Deinen Weg aus Fangorn
(...oder eben nicht)
4.) Die Pfade der Toten
(...sollte tunlichst nur der rechtmäßige Erbe von Gondor betreten. Findet der sich unter den Freunden Deines Bruders?)
5.) Und last but not least:
Kankras Lauer
Du musst nur einen passenden Ersatz für Ungolianths Brut finden, aber Du hast ja Phantasie. ]:-)
Und wenn sie denn unbedingt alle Orks sein wollen - stell doch einfach die Verfolgung der Gefährten nach Lothlorien mit ihnen nach. :-p
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
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