Paulas Depressionen
Paulas Depressionen feierten ihren zwölften Geburtstag. So ungefähr wenigstens, ein genaues Datum ließ sich im Nachhinein nicht mehr so ganz genau bestimmen – schon gar nicht von Paula selbst, die nichts von dem Jubiläum ihrer kleinen Mitbewohner wusste – und hätte man sie von Selbigem unterrichtet, so hätte sie das Ganze wohl als lächerlich abgetan.
Folglich hatte sie also auch keinen Kuchen gebacken, keine pessimistischen Geschenke besorgt und natürlich auch keine Gäste eingeladen, die ihren Depressionen hätte gratulieren können. Wahrscheinlich aber ist diese konsequente Ignoranz gerade das, was sich alle Depressionen insgeheim zu ihrem Geburtstag wünschen, denn gerade das Nichtbeachtetwerden liefert ihnen einen ganz hervorragenden Vorwand, stillschweigend in sich selbst aufzugehen, in wehmütigen Erinnerungen zu versinken und sich in menschenverachtenden Betrachtungen der Außenwelt zu ergehen.
Das aber hätten Paulas Depressionen sich selbst niemals eingestanden, denn das wäre schließlich in höchstem Maße kontraproduktiv gewesen, Selbsterkenntnis hätte sie irgendwie sinnlos und überflüssig erscheinen lassen und sich somit selbst aufgehoben – nein, Paulas Depressionen waren auf ihre Irrationalität angewiesen, diese war für sie genauso lebensnotwendig wie für Paula die Luft zum Atmen.
Nichtsdestotrotz hatten Paula und ihre Depressionen mit der Zeit gelernt, sich einen Körper zu teilen und sich leidlich miteinander zu arrangieren.
Zu Beginn hatte es zwischen den beiden eine Menge Probleme gegeben – ganz wie ein menschliches Baby hatten die damals noch jungen Depressionen ständig gequengelt, um Aufmerksamkeit zu erheischen, ihre Daseinsberechtigung einzufordern und letztendlich ging es vor allem auch darum, von Paula als eigenständiger Teil ihres Innenlebens anerkannt zu werden. Wer oder was genau ihr Vater war, der-, die-, oder dasjenige also, der, die oder das den Samen der Depression in Paulas Inneres gesät hatte, war mit der Zeit unklar geworden und selbst Paula konnte sich nicht mehr an ihn oder sie oder es erinnern; fest steht nur, dass diese Angelegenheit von Paula als ziemlich peinlich empfunden worden war, denn andererseits hätte sie wohl ihre Depressionen der Außenwelt gegenüber nicht so konsequent verleugnet und sich beharrlich geweigert, ihre Existenz zu akzeptieren.
Irgendwann waren die Kleinen dann aber groß und stark genug gewesen, um Paula von Selbiger zu überzeugen, und eines einsamen Abends rebellierten ihre Depressionen so voll vom Übermut der Jugend, dass sich Paula ihrer nicht mehr erwehren konnte und die Erkenntnis überkam sie siedendheiß, lief als kalter Schauer ihren Rücken hinunter, gelangte dann auf unerklärlichen Umwegen plötzlich in ihr Gehirn, und das alles kam so unverhofft und heftig, dass sie ihren Mund nicht mehr daran hindern konnte, die Worte „Mein Gott, sie existieren – ich habe Depressionen!“ laut auszurufen, woraufhin sie sich erst mal erschrocken die Hand vor den Mund schlug, was aber gar nicht notwendig gewesen wäre, denn sie war schließlich ganz alleine und auch Freunde besaß sie, nebenbei bemerkt, keinen einzigen.
Fest stand auf jeden Fall, dass sich das Verhalten ihren Depressionen gegenüber ändern musste, und so begann Paula, sich sehr intensiv mit diesen zu beschäftigen, als diese etwa ein knappes halbes Jahr bei ihr weilten. Dieser Veränderungsprozess verlangte einerseits eine strikt schwarze Kleidung, düstere Musik und die Auseinandersetzung mit Nietzsche, Schopenhauer und dergleichen Gesellen, andererseits wurde auch die Zeit, die sie ganz alleine mit sich und ihren neuen Freunden verbrachte, immer mehr.
Dies alles war natürlich genau nach dem Geschmack ihrer Depressionen, die allmählich begannen, sich Paula, jede für sich, ganz persönlich vorzustellen, und in Paulas Gehirn begann sich ganz langsam der Glaube zu manifestieren, sie sei schizophren – was ihr aber auch nicht weiter schlimm erschien.
Es waren insgesamt fünf Persönlichkeiten, zwischen denen Paula zu differenzieren lernte: da war einmal natürlich Paula, die in etwa ihrem früheren Selbstverständnis von ihr selbst glich. Die vier Depressionen trugen die Namen Rainer, Otto, Lou und Klara, die alle sehr unterschiedliche Charakterzüge besaßen, aber mit Ausnahme der Namen hatte Paula bis zu deren zwölften Geburtstag alles verdrängt, was sie einmal über ihre Bewohner gewusst hatte. Auch vergessen hatte sie, dass sich zwischen ihr und den anderen schon sehr bald ein heftiges Liebesverhältnis entwickelt hatte, und alle fünf sich schließlich feierlich geschworen hatten, den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen und den Kontakt zur Außenwelt so weit als möglich abzubrechen, denn sie waren sich selbst genug. Natürlich mussten sie ab und zu mal einkaufen gehen, um sich ernähren zu können, und gemeinsam standen sie auch die schweren, langwierigen Besuche von Paulas Eltern durch, die auch nur ertragen wurden, weil sie von diesen finanziell abhängig waren. (Nebenbei sei noch angemerkt, dass man nicht davon sprechen kann, dass das gemeinsame Leben der fünf auch nur bei einem von ihnen glückhafte Gefühle hervorgerufen hätte, denn eine glückliche Depression würde sich schließlich selbst hinfällig und überflüssig machen; vielmehr wussten alle Beteiligten tief in ihrem Innersten, dass sie irgendwie miteinander verbunden waren und niemand von ihnen, nicht einmal Paula, alleine lebensfähig gewesen wäre. Obwohl diese Form der Koexistenz vielleicht das intimste Band ist, das zwischen Individuen überhaupt geknüpft werden kann, war das Verhältnis der fünf zueinander wohl am besten mit dem Begriff „Zweckgemeinschaft“ zu beschreiben.)
Die übrige Zeit wurde es ihnen nicht langweilig, zu fünft in Paulas Bett zu liegen, zu kuscheln und lange Gespräche über den Tod zu führen. Rainer, Otto, Lou und Klara waren im Übrigen ohnehin von der Idee begeistert, möglichst bald zu sterben, und nur Paula war da etwas anderer Ansicht, was zu langen Diskussionen und zum ersten Mal in ihrer noch jungen Beziehung auch zu Streit führte.
Sie beschlossen also, nach den Prinzipien der Demokratie über ihren kollektiven Selbstmord abzustimmen. Nach einer geheimen Wahl kam es schließlich wie es kommen musste: vier Pro- und eine Contrastimme. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es wohl Paula gewesen, die dagegen votiert hatte, aber da sie noch nie eine große Kämpferin und Individualistin gewesen war, und ihr von ihren Eltern gepredigt worden war, sich Mehrheitsbeschlüssen zu beugen, fügte sie sich auch diesmal widerstandslos der getroffenen Entscheidung.
Also hatte sie kurz darauf ein Küchenmesser in die Hand genommen und damit begonnen, sich die Pulsadern aufzuschneiden, wobei die anderen sie mit Wohlwollen und guten Ratschlägen unterstützten, und genaue Anweisungen gaben, wie und wo Paula genau schneiden musste, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Schließlich war das Werk vollendet, Paulas Blut lief in Strömen über ihr Bett, und hätten ihre vier Freunde nicht plötzlich zu kichern begonnen, dann wäre sie wohl kurz darauf in eine neue und unbekannte Ebene ihres Bewusstseins vorgedrungen, oder aber hätte, einer anderen Theorie zufolge, ihrer Wiedergeburt entgegengestrebt, oder auch schlicht und einfach aufgehört zu existieren.
Tatsächlich kam es Paula so vor, als hätten Rainer, Otto, Lou und Klara begonnen, hämisch zu kichern, und sie damit auszulachen, zu verhöhnen, und für einen Moment glaubte Paula ernsthaft, ihre Freunde wollten ihr schaden und sich ihrer entledigen – man darf aber nicht die Möglichkeit außer Acht lassen, dass Paulas Wahrnehmung in diesem Moment höchst subjektiv gewesen ist und stattdessen überlegen, ob ihre Depressionen sich nicht vielleicht nur in Erwartung des gemeinschaftlichen Todes freuten und also aus lauter Vorfreude zu lachen begonnen hatten.
Wie dem auch sei – es kam letztlich dazu, dass Paula blutüberströmt aus ihrer Wohnung lief und draußen auf der Straße zusammenbrach.
Dort wurde sie dann von zwei Passanten, einem glücklichen, jungen Liebespärchen gefunden, und schnellstmöglich in das nächste Krankenhaus gebracht, wo sie mittels einiger Nadelstiche und einer Reihe von Bluttransfusionen dem beinahe schon erreichten Zustand des Todes entrissen, und langsam wiederhergestellt wurde.
Als sie wieder zu sich kam und gewohnheitsmäßig mit ihren Depressionen reden wollte, wurde Paula bald klar, dass diese ihren Fehltritt nicht verziehen, und das einstmals tiefe Vertrauensverhältnis zwischen ihr und den anderen ein für alle Mal zerstört war.
Von den Ärzten dazu gezwungen, musste Paula sich fortan einer langen und schmerzhaften psychiatrischen Behandlung unterziehen. Der genaue Ablauf der Therapie soll an dieser Stelle nicht dargestellt werden, wichtig ist nur, dass Paula sich zunehmends von der eigentümlichen Idee des behandelnden Psychiaters überzeugen ließ, Rainer, Otto, Lou und Klara existierten überhaupt nicht real, und irgendwann (es dauerte etwa drei Jahre) vertrat auch Paula mit Nachdruck diese abstruse Position. – Konkret sah das so aus, dass sie mit der Zeit lernte, die mittlerweile sehr bösen und aufgebrachten Stimmen ihrer Depressionen zu ignorieren, die Gefallen daran gefunden hatten, Paula in einem vierstimmigen Chor (Sopran, Alt, Tenor und Bass) ohne Unterlass zu beleidigen. Aber – wie bereits erwähnt – irgendwann hatte sich Paula so sehr an die nimmermüden Quälgeister gewöhnt, dass sie ihr gar nicht mehr auffielen, und ihr Psychiater hatte sie dann auch noch glauben gemacht, die Depressionen bestünden gar nicht mehr.
So fühlte Paula sich dann geheilt, beendete ihr Studium, bekam eine gute Stelle und ein ordentliches Gehalt, ja, zum ersten Mal in ihrem Leben fand sie sogar einen richtigen Freundeskreis und gesellschaftliche Anerkennung – ihren Depressionen jedoch entsann sie sich kaum mehr, sie hatte sie beinahe gänzlich vergessen und glaubte nicht mehr im Geringsten an sie.
Paulas Depressionen aber waren alleine gelassen worden, und ihre Wut, Einsamkeit und Trauer hatten sie schnell altern lassen; und so saßen Rainer, Otto, Lou und Klara an ihrem zwölften Geburtstag alleine zusammen und gaben sich, unbeachtet von der Außenwelt, dem Trübsal hin, wissend, dass sie ihren Tod und ihre Ruhe nun erst finden würden, wenn Paula, ihr Wirt, eines natürlichen Todes stürbe – und dieses Wissen um ihre unglückselige Zukunft machte sie vielleicht zu depressiveren und überzeugenderen Depressionen, als sie es jemals zuvor gewesen waren.
Paulas Depressionen
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Der Zeitgeist
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Paulas Depressionen
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Re: Paulas Depressionen
Hallo Zeitgeist.
Zuallererst habe ich eine Verständnisfrage : Paula, wie alt ist sie ? hat sie seit 12 Jahren eine unentdeckte Depression, oder ist sie erst 12 ? Letzters wiederlegt sich mit :
Das ist irgendwie unrealistisch in meinen Augen. Man stellt nicht einfach so fest: Huppala ich bin depressiv (es sei denn sie is Pyschologe, u/o hat alles über diese Krankheit gelesen .. ansonsten denke ich eher an den Verdrängungsfacktor und : "Mich trifft es nicht"). Wenn sie wirklich schon seit 12 Jahren depressiv wäre, dann erst recht nicht. Da können die depressiven Ausbrüche noch so krass sein, es gäbe immer einen Grund auf das man es schieben könnte.
(Ebenso das mit der Szisophrenie, sie stellt es einfach so fest)
Auch dass man schwarze Kleidung trägt, nur weil man depressiv ist, halte ich für sehr unglaubwürdig. Dann wäre ja jeder Goth niedergeschlagen. Aber haben diese nicht viel mehr ne schwarze Ansicht von der Welt, als dass sie auf einmal grundlos traurig werden, wie es nun mal bei Depressionen der Fall ist ?
Ansonsten weiß ich auch nicht. An o.g. genannten Stellen ist es mir nicht schlüssig; Zwecks äußeres einer Depression. Textkritik kann ich ansonsten nicht üben, das ist nicht mein Metie.
Ich finde es aber ganz schön krass : depressiv sein, und noch Sziopren. Mich würde jetzt einfach interesiieren : gibt es für den Text einen bestimmten Auslöser, eine Intention ?
MfG,
Madeleine
Nachsatz :
PS : Müsste es nicht "delendam" heißen ? Ich als nichtlateiner ...
Zuallererst habe ich eine Verständnisfrage : Paula, wie alt ist sie ? hat sie seit 12 Jahren eine unentdeckte Depression, oder ist sie erst 12 ? Letzters wiederlegt sich mit :
Sowie den Elternbesuchen. Auch dass sie dann Studium abschließt, etc.Natürlich mussten sie ab und zu mal einkaufen gehen,
lief als kalter Schauer ihren Rücken hinunter, gelangte dann auf unerklärlichen Umwegen plötzlich in ihr Gehirn, und das alles kam so unverhofft und heftig, dass sie ihren Mund nicht mehr daran hindern konnte, die Worte „Mein Gott, sie existieren – ich habe Depressionen!“ laut auszurufen,
Das ist irgendwie unrealistisch in meinen Augen. Man stellt nicht einfach so fest: Huppala ich bin depressiv (es sei denn sie is Pyschologe, u/o hat alles über diese Krankheit gelesen .. ansonsten denke ich eher an den Verdrängungsfacktor und : "Mich trifft es nicht"). Wenn sie wirklich schon seit 12 Jahren depressiv wäre, dann erst recht nicht. Da können die depressiven Ausbrüche noch so krass sein, es gäbe immer einen Grund auf das man es schieben könnte.
(Ebenso das mit der Szisophrenie, sie stellt es einfach so fest)
Auch dass man schwarze Kleidung trägt, nur weil man depressiv ist, halte ich für sehr unglaubwürdig. Dann wäre ja jeder Goth niedergeschlagen. Aber haben diese nicht viel mehr ne schwarze Ansicht von der Welt, als dass sie auf einmal grundlos traurig werden, wie es nun mal bei Depressionen der Fall ist ?
Was ? Wie ? Wo ? Hm, wie kann sich denn ein Liebesverhältnis zwischen einer Person und einem einem unerklärlichem negativem Gefühl, dass dich grundsätzlich lämt eine Bzg entstehen. Viele Depressive sagen : Ein Gefühl, als hätte man kein Gefühl. Taubheit im Körper. Das heftig kann ich zwar nachvollziehen (auf Grund dieser taubheit, man haut halt doller zu, wenn die Hand eingeschlafen ist, als wäre sie wach ..), aber Liebesverhältnis. Sollte man es so interpretieren, dass Paula ihre Depression akzeptiert und nichts gegen tut .. Hm ..ein heftiges Liebesverhältnis entwickelt hatte,
Hm, liest sich das merkwürdig.Aller Wahrscheinlichkeit nach war es wohl Paula gewesen, die dagegen votiert hatte,
Ansonsten weiß ich auch nicht. An o.g. genannten Stellen ist es mir nicht schlüssig; Zwecks äußeres einer Depression. Textkritik kann ich ansonsten nicht üben, das ist nicht mein Metie.
Ich finde es aber ganz schön krass : depressiv sein, und noch Sziopren. Mich würde jetzt einfach interesiieren : gibt es für den Text einen bestimmten Auslöser, eine Intention ?
MfG,
Madeleine
Nachsatz :
Ich glaube, eine einfache Depression reicht, die muss nich noch depressiver sein ...depressiveren und überzeugenderen Depressionen
PS : Müsste es nicht "delendam" heißen ? Ich als nichtlateiner ...
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Der Zeitgeist
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Re: Paulas Depressionen
Hallo, Madelaine!
Nimm doch erst mal alles nicht so furchtbar ernst, was du liest. Ich denke, es ist eigentlich unverkennbar, dass der Text ziemlich ironisch ist. Ich denke, das ist (im Gegensatz zu "Die Fremde", wo ich mit Edekire über eine Intention des Autors gesprochen habe und sie durchaus recht hat, wenn sie sagt, dass jeder Leser für sich eine Intention entnehmen muss, die sich nicht zwangsläufig mit der des Autors decken muss) doch wirklich unübersehbar.
Aber der Reihe nach:
Paula muss (du hast es selbst eigentlich schon beantwortet) älter sein als zwölf Jahre. Sie wohnt alleine etc. Wer seinen zwölften Geburtstag feiert, sind ihre personifizierten Depressionen.
Die nächste Passage: Die Schilderung von Paulas Erkenntnis, dass sie wohl depressiv ist, kann so natürlich nicht realistisch gemeint sein, sondern vielmehr unterhalten. Dies ist selbstverständlich keine normale Reaktion eines Menschen, der sich plötzlich seine Depressionen eingesteht, soll lediglich (es ist schließlich von einem auktorialen Erzähler geschrieben) zum Delectare beitragen und sich schön in den unterhaltsamen Stil der Erzählung einfügen - der keineswegs angemessen wäre in einem ernsthaften Text mit dieser Problematik. Ich denke, gerade durch dieses offensichtliche Nicht-Allzu-Ernst-Nehmens Paulas, erzielt der Erzähler damit eine Wirkung, die in Richtung boshaft-sarkastisch geht. Genauso sind natürlich die Klischee-Beschreibungen (schwarze Kleidung, Nietzsche, Schopenhauer, düstere Musik, keine Freunde) Teil dieser beabsichtigten Übertreibung.
Nächster Punkt: Das Liebesverhältnis zwischen Paula und ihren Depressionen. Einmal kannst du auch dies zu den ironischen Stilmitteln zählen, andererseits denke ich sehr wohl, dass es eine gewisse selbstverliebte Art der Depression gibt - sie mag einerseits natürlich störend sein, andererseits kann man sich wunderbar in ihr verkriechen und sie als Vorwand benutzen, dem eigentlichen Leben und der Alltagsbewältigung aus dem Weg zu gehen. Du schreibst, sie täte gar nichts gegen ihre Depressionen - damit liegt sie auch voll im Trend!!! Depressionen gehören zu den am häufigsten nicht erkannten (und nicht behandelten) Krankheiten.
"Aller Wahrscheinlichkeit war es wohl Paula gewesen, die dagegen votiert hatte". Du schreibst, das liest sich komisch. Auch hier wieder der Verweis auf den ironischen Erzähler.
Zu dem Punkt, dass Paula depressiv UND schizophren ist. Viele psychischen Krankheiten (u.a. auch die Schizophrenie) weisen eine Komorbidität mit Depressionen auf (Komorbidität = hast du die eine Krankheit, ist es wahrscheinlich, dass die andere auch dazu kommt).
"Eine einfache Depression reicht" - auch hier wieder Übertreibung und die Intention, etwas wie Mitleid zu erwecken für die "armen, kleinen" Depressionen, die niemand lieb hat. Am Ende wird klar, dass es nicht um Paula geht, sondern um ihre Depressionen, sie sind die eigentlichen Verlierer der Geschichte, die von niemandem wahr genommen werden... Traurig, oder?
Zu den eigenen Intentionen: Habe selbst oft genug in Depressionen geschwelgt - sie erscheinen so lächerlich angesichts der Tatsache, dass sie vergangen sind und mein heutiges Leben komplett anders aussieht.
Nimm´ die Geschichte nicht ernst, kann ich nur noch einmal betonen, sie soll lediglich unterhaltsam (und gerade dadurch irgendwie böse und sarkastisch) sein!!!
Ciao!!
Nimm doch erst mal alles nicht so furchtbar ernst, was du liest. Ich denke, es ist eigentlich unverkennbar, dass der Text ziemlich ironisch ist. Ich denke, das ist (im Gegensatz zu "Die Fremde", wo ich mit Edekire über eine Intention des Autors gesprochen habe und sie durchaus recht hat, wenn sie sagt, dass jeder Leser für sich eine Intention entnehmen muss, die sich nicht zwangsläufig mit der des Autors decken muss) doch wirklich unübersehbar.
Aber der Reihe nach:
Paula muss (du hast es selbst eigentlich schon beantwortet) älter sein als zwölf Jahre. Sie wohnt alleine etc. Wer seinen zwölften Geburtstag feiert, sind ihre personifizierten Depressionen.
Die nächste Passage: Die Schilderung von Paulas Erkenntnis, dass sie wohl depressiv ist, kann so natürlich nicht realistisch gemeint sein, sondern vielmehr unterhalten. Dies ist selbstverständlich keine normale Reaktion eines Menschen, der sich plötzlich seine Depressionen eingesteht, soll lediglich (es ist schließlich von einem auktorialen Erzähler geschrieben) zum Delectare beitragen und sich schön in den unterhaltsamen Stil der Erzählung einfügen - der keineswegs angemessen wäre in einem ernsthaften Text mit dieser Problematik. Ich denke, gerade durch dieses offensichtliche Nicht-Allzu-Ernst-Nehmens Paulas, erzielt der Erzähler damit eine Wirkung, die in Richtung boshaft-sarkastisch geht. Genauso sind natürlich die Klischee-Beschreibungen (schwarze Kleidung, Nietzsche, Schopenhauer, düstere Musik, keine Freunde) Teil dieser beabsichtigten Übertreibung.
Nächster Punkt: Das Liebesverhältnis zwischen Paula und ihren Depressionen. Einmal kannst du auch dies zu den ironischen Stilmitteln zählen, andererseits denke ich sehr wohl, dass es eine gewisse selbstverliebte Art der Depression gibt - sie mag einerseits natürlich störend sein, andererseits kann man sich wunderbar in ihr verkriechen und sie als Vorwand benutzen, dem eigentlichen Leben und der Alltagsbewältigung aus dem Weg zu gehen. Du schreibst, sie täte gar nichts gegen ihre Depressionen - damit liegt sie auch voll im Trend!!! Depressionen gehören zu den am häufigsten nicht erkannten (und nicht behandelten) Krankheiten.
"Aller Wahrscheinlichkeit war es wohl Paula gewesen, die dagegen votiert hatte". Du schreibst, das liest sich komisch. Auch hier wieder der Verweis auf den ironischen Erzähler.
Zu dem Punkt, dass Paula depressiv UND schizophren ist. Viele psychischen Krankheiten (u.a. auch die Schizophrenie) weisen eine Komorbidität mit Depressionen auf (Komorbidität = hast du die eine Krankheit, ist es wahrscheinlich, dass die andere auch dazu kommt).
"Eine einfache Depression reicht" - auch hier wieder Übertreibung und die Intention, etwas wie Mitleid zu erwecken für die "armen, kleinen" Depressionen, die niemand lieb hat. Am Ende wird klar, dass es nicht um Paula geht, sondern um ihre Depressionen, sie sind die eigentlichen Verlierer der Geschichte, die von niemandem wahr genommen werden... Traurig, oder?
Zu den eigenen Intentionen: Habe selbst oft genug in Depressionen geschwelgt - sie erscheinen so lächerlich angesichts der Tatsache, dass sie vergangen sind und mein heutiges Leben komplett anders aussieht.
Nimm´ die Geschichte nicht ernst, kann ich nur noch einmal betonen, sie soll lediglich unterhaltsam (und gerade dadurch irgendwie böse und sarkastisch) sein!!!
Ciao!!
Cetero censeo, Carthaginem esse delendam.
Re: Paulas Depressionen
Schön schräger Text! Hübsche Vorstellung: da sitzen dann in Paulas Kopf vier frustrierte Gestalten an einem grauweißen Klapptisch, spielen Karten und saufen sich zu.
Meine Lieblingsstelle:
Meine Lieblingsstelle:
Rainer, Otto, Lou und Klara waren im Übrigen ohnehin von der Idee begeistert, möglichst bald zu sterben, und nur Paula war da etwas anderer Ansicht, was zu langen Diskussionen und zum ersten Mal in ihrer noch jungen Beziehung auch zu Streit führte.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Paulas Depressionen
Hm, Zeitgeist, die Ironie scheint irgendwie an mir vorbeigerauscht. Daher habe ich dann wohl den ganzen Text mehr als missverstanden. Verzeih ..
Re: Paulas Depressionen
ich hatte ja danach verlangt nicht wahr? Jetzt muss ich auch was sagen, auch wenn es gedauert hat durch einwöchige Abwesenheit.
Ich muss sagen ich stimme der Stillen zu: schön schräg. Böse und Böse ist immer gut
ich habe auch gar nichts intelligentes zu kritteln und halte deshalb auch einfach den Mund.
Lg
Edekire
Ich muss sagen ich stimme der Stillen zu: schön schräg. Böse und Böse ist immer gut
ich habe auch gar nichts intelligentes zu kritteln und halte deshalb auch einfach den Mund.
Lg
Edekire
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
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