
Puppenkind, eingeschnürt ... unterm Himmelsgold beten die Hände, die Augen, die Blicke gehen in alle Richtungen, Maria ohne Kehlkopf, mit Kopfputz, die Finger zum Himmel hinaufgefeilt, zwei Löffel, schräg am Auge vorbei, das Kind schwebend im Goldenen Schnitt, Sonnenheiligenschein hinterm Schädel ... gewindeltes Raupenkind, im Kokon, Vorflug-Jugendzeit, Maria betet, Maria betet immer noch. Und ... Maria schaut ... verträumt, heulnah, unterm Rock ein gemustertes Sofa, Zwergen ringsum, debattierend, Joseph verdrückt sich ins Off. Zwei Ziegel fehlen im Dach. Das macht Maria nichts, Maria betet, Maria betet immer noch. Es regnet noch nicht, noch scheint die Sonne, aber auch das kann sich ändern, auch die Engel oben im Gold des Himmels ... gehen vielleicht mal in Urlaub, lassen die Wolkensperren auf ... Ochse, Esel sehn auch, als wollten sie das Jesuskind gleich verzehren; haben es halt zum Fressen gern. Maria betet. Maria betet, wer wird bei diesem Kind nicht beten, alle würden beten, auch du würdest beten, geh in die Knie, lesend geh in die Knie. Aber schau nicht unter Marias Saum ... der Stall ist noch immer eine Hütte. Maria betet und betet. Das Kind wächst nicht, vielleicht fehlt ihm der Regen. Oder die Mutterbrust. Stillende Marien vermisst auch du?
Sein eigenes Kind anbeten, im Ernst, ist das dein Ernst? Wenns plärrt und greint und lamentiert und ... am Ende noch scheißt. Im Ernst, das ist ... holy Shit ... wirklich Heilige Scheiße.
Anbetung des Kindes, Wittingauer Meister, um 1380, Prag, Nationalgalerie


