Ein kleine Geschichte, aber dafür ist sie ja auch kurz. Mir wurde gesagt, es würde zu viel erklärt. Naja, Einstieg über Reflexionen ist nie ganz so fetzig, aber kann man das nicht trotzdem machen?
Als ich im Zug nach Graz saß, überfiel mich so etwas wie Euphorie. Eine kleinere, mutwillige Verwandte, die nicht wie die Wahre, die Erhabene, großmächtig auf einen einflutetet, sondern einem hinterrücks ins Genick springt, wie eine Zecke und einen beißt, sich aber nicht festsaugt. Man greift nach hinten und tastet danach, das ist sie aber schon weg und die Frage, was zum Teufel das jetzt wieder war, bleibt ohne befriedigende Antwort. Vielleicht so etwas wie Euphorie. Das ist alles, was sich vermuten lässt. Und doch: Für einen Moment glaubte ich, dass mich das tatsächlich glücklich machen kann, dass mich das immer glücklich machen könnte, diese Rückkehr nach längerer Abwesenheit, so wie man als Kind glaubt, dass einen Weihnachten immer glücklich machen kann.
Noch ist es eher Aufbruch als Heimkehr, und das ist gut, denn ich führe ein Leben allzu arm an Aufbrüchen. Ich führe ein Leben um mich herum, eine Kruste aus wiederholten Situationen. Da müsste mehr aufgebrochen werden, ich müsste öfter aufbrechen. Jetzt ist eine gute Zeit dazu, ein Beginn, das passt zu Aufbrüchen; ich rechne ja immer noch in Schuljahren. Eine solche Zeitrechnung hat den Vorteil, dass der Übergang sanfter ist: Keine überreizte, mit Vorsätzen und Rückblicken überfrachtete Silvesternacht, sondern der friedliche Fluss der Ferien, auf dem man sich erst einmal treiben lassen kann, bevor man das neue Ufer ins Auge fassen muss. Jetzt aber ist das neue Ufer in Sichtweite und ich bin dafür bereit. Ich war noch jedes Mal bereit.
Vor allem die Leute. Wenn man in den Ferien zu wenig unter die Leute geht, wird man ganz ausgehungert nach Menschen.
Es ist allerdings nicht ohne Schrecken, dort anzukommen, wo niemand auf einen wartet. Das heißt nicht, dass es nicht jemanden gibt, der sich durchaus freut, wenn man sich überraschend meldet und genau das ist das erste, was ich tue. Ein paar solcher Telefonate besänftigen den Schrecken.
Und dann gibt es noch die Möglichkeit, zufällig jemanden zu treffen.
Auf der anderen Straßenseite kommt mir M. entgegen. Er lacht mir zu. Hast du Zeit? Klar, hab ich, gegenüber ist auch gleich ein Café. Und ich lass mir also eine halbe Stunde berichten, von M.'s. Husarenstücken, von denen ich letztes Semester live nicht viel mitbekommen habe, weil wir nie die selben Kurse hatten, lasse mir also berichten, wie er sich vier Tage vorher spontan für eine Prüfung angemeldet hat, vor der wir uns alle in die Hose scheißen, und dann nicht einmal durchgefallen ist, von seinem Wahnsinnsprogramm für sein neues Semester und davon, wie er durch Chuzpe und Glück beim Hasardieren auf eine Semesterstundenzahl kommt, von der ich nur träumen kann. Und ich bin nicht so schlecht unterwegs. Ich höre zu und mache an den entsprechende Stellen die passenden Geräusche des Erstaunens und sage Dinge wie: Nein, aber nicht wirklich! Also so was! Du bist mir ja einer. Es ist nicht geheuchelt. Auch nicht mein Lob für seine Effizienz und seine guten Nerven. Wenn sie mit solch kindlicher Kunstlosigkeit eingefordert wird, gewähre ich Bewunderung bereitwillig. Eine halbe Stunde kündet mir M. von seinen Taten, dann muss er zum Friseur und für diese eine halbe Stunde unterhält mich sein Geplauder ganz vorzüglich.
Im Park treffe ich L, die mir winkt. Sie liegt auf einer Decke und lernt für eine Prüfung, die sie im Oktober unbedingt bestehen muss und die ich schon habe. Wir plauschen ein wenig, sie macht mir Platz auf der Decke. Gelegentlich fragt sie mich etwas zum Stoff, wir reden über gemeinsame Bekannte und natürlich wieder über den Stundenplan; sie erzählt mir zwischendurch, dass sie mittlerweile ein bisschen schwarz sieht mit der Liebe, wegen diverser enttäuschender Erfahrungen, dass sie aber doch halbwegs zuversichtlich ist, was ihren Neuen betrifft. Ich erzähle ihr dafür, dass ich von Herzen etwas anderes studieren wollte und jetzt doch sehr zufrieden bin mit meiner Entscheidung. Dann kommen zwei Freunde von ihr vorbei, um sie abzuholen und ich muss eigentlich noch in die Stadt.
Spätestens in einem Monat werde ich wieder befinden, dass mir das im Grunde doch nichts bringt und wenn M. oder L. mir zunicken, werde ich kurz zurücknicken. Aber heute macht es mich glücklich, M. und L. begegnet zu sein.
Und das ist vielleicht der eigentliche Zauber des Semesterbeginnes.
Semesterbeginn
Semesterbeginn
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Semesterbeginn
Hallo mög,
ein Text zu dem ich aus eigener studentischer Erfahrung etwas sagen kann: Fein, fein!
Insgesamt gefällt er mir, da ich in meinen mittlerweile 10 Semestern ähnliche Erfahrungen gemacht und Dutzende solcher Gespräche geführt habe. Außerdem sprichst du mir mit dem zweiten Absatz besonders aus der Seele – diesen Absatz habe ich besonders genossen, das kann ich sehr gut in meinem eigenen Leben nachfühlen und hier unterstreiche ich dementsprechend jedes einzelne Wort.
Dennoch hat der Text seine Schwächen:
1) Die beiden Schreibfehler am Anfang...
...sind ärgerlich, weil sie gleich den Lesefluss empfindlich stören.
2) Du erklärst an zwei Stellen in der Tat zu viel. Im ersten Absatz finde ich diese Reflexion…
…zu langatmig. Außerdem liest sich der Satz durch das dreimalige „dass“ nicht so schön. Diese Reflexion würde ich deutlich kürzen ohne den Sinn zu entstellen. Vielleicht so etwas wie: „Und doch: Für einen Moment glaubte ich diese Rückkehr nach längerer Abwesenheit könne mir ein ewiges kindliches Weihnachtsgefühl bescheren“ – ist keine tolle Alternative, aber irgendwie so ein Bild in der Art.
Den vorletzten Absatz würde ich komplett rauslassen. Denn…
…das soll der Leser bitte selbst rausfinden. Lies den Text mal ohne diesen Absatz. Du wirst sehen, er klappt genauso gut.
3) Eine Kleinigkeit noch, dieser Einschub…
ist seltsam.
Die Netzwerke habe ich beim Lesen instinktiv erstmal auf M`s Husarenstücke bezogen von denen er lang und breit berichtet, auf sein Hasardieren.
Hier aber sieht es so aus als wäre der Bezug der zu deinen schönen Augen, sprich M. habe über Netzwerke erfahren das LI könne mit ihren Augen Männer abhängig machen. Erstere Deutung wird falsch sein, andernfalls müssten die Netzwerke in der Klammer vorne stehen, letztere Deutung bringt aber auch ein Problem mit sich, denn diese Fähigkeit passt irgendwie nicht zum vorgestellten LI. Wenn es durch wenige Blicke so was vermag wieso sollte es ausgehungert nach Menschen sein und so ein Leben führen wie du es beschreibst?
Gebe zu, mit diesem Kritikpunkt bin ich mir nicht sicher - hier bin ich vielleicht zu pedantisch.
Noch ein Lob: M. und L. als Abkürzungen – das ist eine schöne Illustration der Oberflächlichkeit. Wenn du es auf die Spitze treiben willst, dann lass dich in einem der beiden Dialoge von einem der Beiden doch mit „Hallo K.“ begrüßen – das wäre eine richtig schöne Spitze, aber ist nur eine Idee.
Liebe Grüße,
Hamburger
ein Text zu dem ich aus eigener studentischer Erfahrung etwas sagen kann: Fein, fein!
Insgesamt gefällt er mir, da ich in meinen mittlerweile 10 Semestern ähnliche Erfahrungen gemacht und Dutzende solcher Gespräche geführt habe. Außerdem sprichst du mir mit dem zweiten Absatz besonders aus der Seele – diesen Absatz habe ich besonders genossen, das kann ich sehr gut in meinem eigenen Leben nachfühlen und hier unterstreiche ich dementsprechend jedes einzelne Wort.
Dennoch hat der Text seine Schwächen:
1) Die beiden Schreibfehler am Anfang...
auf einen einflutetet
das ist sie aber schon weg
...sind ärgerlich, weil sie gleich den Lesefluss empfindlich stören.
2) Du erklärst an zwei Stellen in der Tat zu viel. Im ersten Absatz finde ich diese Reflexion…
Und doch: Für einen Moment glaubte ich, dass mich das tatsächlich glücklich machen kann, dass mich das immer glücklich machen könnte, diese Rückkehr nach längerer Abwesenheit, so wie man als Kind glaubt, dass einen Weihnachten immer glücklich machen kann.
…zu langatmig. Außerdem liest sich der Satz durch das dreimalige „dass“ nicht so schön. Diese Reflexion würde ich deutlich kürzen ohne den Sinn zu entstellen. Vielleicht so etwas wie: „Und doch: Für einen Moment glaubte ich diese Rückkehr nach längerer Abwesenheit könne mir ein ewiges kindliches Weihnachtsgefühl bescheren“ – ist keine tolle Alternative, aber irgendwie so ein Bild in der Art.
Den vorletzten Absatz würde ich komplett rauslassen. Denn…
Das ist nämlich auch wichtig: Zur Schönheit von flüchtigen, oberflächlichen Begegnungen, die man zu schätzen lernt, wenn man lang genug niemanden begegnet ist, gehört nicht nur ein natürliches, windverwehtes Aufeinandertreffen, sondern auch ein natürliches, windverwehtes Auseinandergehen. Auf keinen Fall darf das Treffen über Gebühr ausgedehnt werden. Ja, die Frage, ob man das vielleicht tun sollte, darf gar nicht erst aufkommen. Ein natürliche Ende durch höhere Mächte wie etwa Friseurtermine oder plötzlich auftauchende eigentliche Verabredungen ist ideal.
…das soll der Leser bitte selbst rausfinden. Lies den Text mal ohne diesen Absatz. Du wirst sehen, er klappt genauso gut.
3) Eine Kleinigkeit noch, dieser Einschub…
(Wegen meiner schönen Augen sitzt er mir nicht gegenüber. Netzwerke, Baby!).
ist seltsam.
Die Netzwerke habe ich beim Lesen instinktiv erstmal auf M`s Husarenstücke bezogen von denen er lang und breit berichtet, auf sein Hasardieren.
Hier aber sieht es so aus als wäre der Bezug der zu deinen schönen Augen, sprich M. habe über Netzwerke erfahren das LI könne mit ihren Augen Männer abhängig machen. Erstere Deutung wird falsch sein, andernfalls müssten die Netzwerke in der Klammer vorne stehen, letztere Deutung bringt aber auch ein Problem mit sich, denn diese Fähigkeit passt irgendwie nicht zum vorgestellten LI. Wenn es durch wenige Blicke so was vermag wieso sollte es ausgehungert nach Menschen sein und so ein Leben führen wie du es beschreibst?
Gebe zu, mit diesem Kritikpunkt bin ich mir nicht sicher - hier bin ich vielleicht zu pedantisch.
Noch ein Lob: M. und L. als Abkürzungen – das ist eine schöne Illustration der Oberflächlichkeit. Wenn du es auf die Spitze treiben willst, dann lass dich in einem der beiden Dialoge von einem der Beiden doch mit „Hallo K.“ begrüßen – das wäre eine richtig schöne Spitze, aber ist nur eine Idee.
Liebe Grüße,
Hamburger
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Semesterbeginn
Danke. Ja, genau dieser Satz ist unter anderem beanstandet worden. Gerade der hat mir seltsamerweise beim Schreiben besonders gefallen.
"Für einen Moment glaubte ich, dass mich das immer glücklich machen könnte, diese Rückkehr nach längerer Abwesenheit, so wie man als Kind glaubt, dass einen Weihnachten immer glücklich machen kann."
Nicht wesentlich weniger langatmig, aber vielleicht ein bisschen besser?
Das mit den Netzwerken war wirklich ganz anders gemeint. Ich nehm das raus, das ist sowieso blöd und nicht so relevant.
lg
Mög
"Für einen Moment glaubte ich, dass mich das immer glücklich machen könnte, diese Rückkehr nach längerer Abwesenheit, so wie man als Kind glaubt, dass einen Weihnachten immer glücklich machen kann."
Nicht wesentlich weniger langatmig, aber vielleicht ein bisschen besser?
Das mit den Netzwerken war wirklich ganz anders gemeint. Ich nehm das raus, das ist sowieso blöd und nicht so relevant.
lg
Mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Semesterbeginn
Hallo mög,
dein jetziger Vorschlag ist besser, gefällt mir aber immer noch nicht so richtig.
Wichtiger finde ich aber eh - ich weise nochmal mit pedantischer Piefke-Gründlichkeit darauf hin
- dass du mal prüfst ob du den vorletzten Absatz wirklich brauchst. Ich habe die Geschichte einmal gänzlich ohne diesen Absatz gelesen und finde sie dann gleich eine ganze Klasse besser.
Vor allem wäre der Übergang von dem vorzüglich unterhaltenden Geplauder zu der Erkenntnis, dass solche Gespräche nichts bringen wirklich sehr gelungen und alles, was du im vorletzten Absatz sagst stünde zwischen den Zeilen...
Erneut liebe Grüße,
Hamburger
dein jetziger Vorschlag ist besser, gefällt mir aber immer noch nicht so richtig.
Wichtiger finde ich aber eh - ich weise nochmal mit pedantischer Piefke-Gründlichkeit darauf hin
Vor allem wäre der Übergang von dem vorzüglich unterhaltenden Geplauder zu der Erkenntnis, dass solche Gespräche nichts bringen wirklich sehr gelungen und alles, was du im vorletzten Absatz sagst stünde zwischen den Zeilen...
Erneut liebe Grüße,
Hamburger
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Semesterbeginn
Oh, sehe gerade du HAST ihn schon rausgenommen - Sorry für die Piefke-Gründlichkeit, hatte ich im letzten Posting gar nicht bemerkt. B-)
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Semesterbeginn
finde auch gut, dass dieser Absatz weg ist...! sonst: an sich ja nette kleine Geschichte, aber es ist mir auch zuviel erklärt, ich würde überhaupt weitgehend ALLE deutungen außer einer themen-einführung zu beginn rigide rausnehmen, sondern die handlung selbst erklären lassen, dass M und L nur heute von interesse sind - den letzten satz mit dem zauber würd ich dagegen lassen.
das zecken-bild geht für mich nicht auf. euphorieähnliches muss m.e. immer luftig leicht schwebend sein, niemals aber aggressiv-bissig-hinterhältig... und außerdem SAUGEN zecken sich ja gerade fest. warum der vergleich der "hartnäckigkeit", wenn es diese euphorie wiederum nicht tut ...?

das zecken-bild geht für mich nicht auf. euphorieähnliches muss m.e. immer luftig leicht schwebend sein, niemals aber aggressiv-bissig-hinterhältig... und außerdem SAUGEN zecken sich ja gerade fest. warum der vergleich der "hartnäckigkeit", wenn es diese euphorie wiederum nicht tut ...?
ach ist das denn nicht so?so wie man als Kind glaubt, dass einen Weihnachten immer glücklich machen kann.
Re: Semesterbeginn
das zecken-bild geht für mich nicht auf. euphorieähnliches muss m.e. immer luftig leicht schwebend sein, niemals aber aggressiv-bissig-hinterhältig... und außerdem SAUGEN zecken sich ja gerade fest. warum der vergleich der "hartnäckigkeit", wenn es diese euphorie wiederum nicht tut ...?
Hmmm, einerseits stimmt das, charis. Euphorie und Zecken - schwierige, scheinbar unmögliche Verbindung.
Andererseits ging das Bild bei mir dann auf, weil es so schön das `Euphorieähnliche Etwas` beschreibt - schön lose eben. So ein kurzes Gefühl, kaum versucht man es zu fassen, ist es schon wieder weg.
Würde man den Halbsatz...
und die Frage, was zum Teufel das jetzt wieder war, bleibt ohne befriedigende Antwort.
...weglassen, könnte man in dem Bild sogar eine Prognose sehen, das dieses `Euphorieähnliche Etwas` das LI nicht wirklich glücklich machen wird und das das LI dies auch weiß.
Aber ich will das Bild nicht mit Gewalt verteidigen. Deiner grundsätzlichen Kritik gebe ich recht, das hatte ich bisher noch gar nicht so gesehen.
Liebe Grüße,
Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Semesterbeginn
So ein kurzes Gefühl, kaum versucht man es zu fassen, ist es schon wieder weg.
Ja - aber, genau das TUN Zecken ja nicht!!
Re: Semesterbeginn
Danke auch dir, Charis.
Wegen der Zecken: Da hängt jetzt nicht wirklich mein Herz dran. Gibt es vielleicht andere kleine Tiere, die einen beissen, sich aber nicht festsaugen?
Wäre vielleicht ein Bienenstich oder sowas besser? Ich bin da offen für Alternativen, mir fällt bloß selbst nichts ein.
lg
mög
Wegen der Zecken: Da hängt jetzt nicht wirklich mein Herz dran. Gibt es vielleicht andere kleine Tiere, die einen beissen, sich aber nicht festsaugen?
Wäre vielleicht ein Bienenstich oder sowas besser? Ich bin da offen für Alternativen, mir fällt bloß selbst nichts ein.
lg
mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Semesterbeginn
Hallo mög!
Also, zunächst zum ersten Absatz: Der erste Satz ist gut, aber dann KANN es nicht funktionieren, egal, welches Tier Du nimmst. Denn von einem Tier gestochen, angesprungen, ausgesaugt oder was auch immer zu werden ist extrem unangenehm, eklig und rührt an Urängste. Das ist einfach kein Bild für Euphorie.
Ansonsten finde ich die Geschichte im Grunde ziemlich gut, mit einem einzigen Problem: Du gleitest in unfreiwillige Komik, wo Du den Zusammenhang zu groß machst. Dein LI spricht davon, sein Leben sei zu arm an Aufbrüchen und sagt im nächsten Atemzug, dass es immer noch in Schuljahren rechnet. Ich glaube, da braucht es wenig bis keine Altersarroganz, um ins Schmunzeln zu kommen. Wenn Du Dein LI nicht auf eine ganz bestimmte Weise charakterisieren willst (der Typ, der seinen Hang zu falschen Perspektiven dadurch beweist, dass er ein Abi-Motto wie "endlich frei" oder "die Welt gehört uns" oder ähnliches wählt
) solltest Du ihm nicht solche Sätze in den Mund legen.
Also, zunächst zum ersten Absatz: Der erste Satz ist gut, aber dann KANN es nicht funktionieren, egal, welches Tier Du nimmst. Denn von einem Tier gestochen, angesprungen, ausgesaugt oder was auch immer zu werden ist extrem unangenehm, eklig und rührt an Urängste. Das ist einfach kein Bild für Euphorie.
Ansonsten finde ich die Geschichte im Grunde ziemlich gut, mit einem einzigen Problem: Du gleitest in unfreiwillige Komik, wo Du den Zusammenhang zu groß machst. Dein LI spricht davon, sein Leben sei zu arm an Aufbrüchen und sagt im nächsten Atemzug, dass es immer noch in Schuljahren rechnet. Ich glaube, da braucht es wenig bis keine Altersarroganz, um ins Schmunzeln zu kommen. Wenn Du Dein LI nicht auf eine ganz bestimmte Weise charakterisieren willst (der Typ, der seinen Hang zu falschen Perspektiven dadurch beweist, dass er ein Abi-Motto wie "endlich frei" oder "die Welt gehört uns" oder ähnliches wählt
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Semesterbeginn
Mir ging es bei dem Bild um das Überfallsartige und auch durchaus darum, dass so ein Anfall von Euphorie sogar etwas Ambivalentes, weil Aufrüttelndes/Aufstörendes haben kann. Aber es ist wahrscheinlich wirklich zu schief.
"Dein LI spricht davon, sein Leben sei zu arm an Aufbrüchen und sagt im nächsten Atemzug, dass es immer noch in Schuljahren rechnet."
Nein, ich sehe da keinen Widerspruch. Wobei: in Österreich deckt sich das Uni-Jahr auch ziemlich mit dem Schuljahr (die Semesterferien sind etwas länger, aber das war's auch schon), deshalb macht eine Rechnung in Schuljahren eigentlich das ganze Studium über Sinn und das kann schon sein, dass sich doch inzwischen ein Bedürfnis nach Aufbrüchen regt. Es gibt auch Leute, die mit 15 schon von zu Hause ausziehn usw., also insofern haben Aufbrüche jetzt nicht sooo viel mit dem Alter zu tun, ganz allgemein.
"Dein LI spricht davon, sein Leben sei zu arm an Aufbrüchen und sagt im nächsten Atemzug, dass es immer noch in Schuljahren rechnet."
Nein, ich sehe da keinen Widerspruch. Wobei: in Österreich deckt sich das Uni-Jahr auch ziemlich mit dem Schuljahr (die Semesterferien sind etwas länger, aber das war's auch schon), deshalb macht eine Rechnung in Schuljahren eigentlich das ganze Studium über Sinn und das kann schon sein, dass sich doch inzwischen ein Bedürfnis nach Aufbrüchen regt. Es gibt auch Leute, die mit 15 schon von zu Hause ausziehn usw., also insofern haben Aufbrüche jetzt nicht sooo viel mit dem Alter zu tun, ganz allgemein.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Semesterbeginn
Okay, ich präzisiere:
Selbstverständlich gibt es Leute, die schon mit 15 aufbrechen, und es gibt Leute, die mit 18 schon eine reiche Aufbruchsgeschichte hinter sich haben. Meist sind das übrigens nicht sehr glückliche Leute.
Was ich meine ist: Da Dein LI immer noch in Schuljahren rechnet (und noch nicht das studentenspezifische Wort dafür - in Deutschland wäre es, je nachdem, Semester oder Trimester - übernommen hat), schätze ich es auf Anfang 20, und ziemlich am Beginn seines Studiums. Es hat also zunächst mal einen großen Aufbruch hinter sich (Ende der Schule, Beginn des Studiums). Und schon spricht es von einer Kruste, einem Leben arm an Aufbrüchen und davon, wie einem etwas in der Kindheit erschienen ist (mich macht Weihnachten übrigens immer noch glücklich
).
Ich will einer 20jährigen keineswegs das Recht darauf absprechen, das eigene bisherige Leben in einer Gesamtperspektive zu sehen. Aber die Häufung dieser Lebensbetrachtungssätze, verbunden mit der Forderung nach einem großen Aufbruch alle zwei Monate (ich weiß, ich übertreibe etwas
) klingt ein wenig lustig.
Solltest Du eine Figur kreieren wollen, die rastlos ist, die den ständigen Wechsel braucht, müsstest Du noch ein paar mehr Indizien dafür einstreuen - zum Beispiel aus der Geschichte dieser Figur. Auch wäre dann die Reaktion auf die Studienkameraden etwas unglaubhaft. Einer so rastlosen Figur müssten sie fast schon wieder über sein.
Deinem LI, so wie es in derGeschichte erscheint, sind diese Betrachtungen - vor allem in der Masse - einfach nicht angemessen, man bekommt den Eindruck einer Figur, die innerhalb eines sehr engen Horizontes weitschweifige Betrachtungen anstellt.
Und - nur damit das klar ist - ich verwechsele Dein LI nicht mit Dir! Selbst wenn die Geschichte autobiographisch sein sollte (ich betone immer gerne, das mich nicht interessiert, ob sie es ist) bleibt das LI eine verdichtete Version von Dir. Mir ist immer relativ wichtig, da nicht missverstanden zu werden.
Selbstverständlich gibt es Leute, die schon mit 15 aufbrechen, und es gibt Leute, die mit 18 schon eine reiche Aufbruchsgeschichte hinter sich haben. Meist sind das übrigens nicht sehr glückliche Leute.
Was ich meine ist: Da Dein LI immer noch in Schuljahren rechnet (und noch nicht das studentenspezifische Wort dafür - in Deutschland wäre es, je nachdem, Semester oder Trimester - übernommen hat), schätze ich es auf Anfang 20, und ziemlich am Beginn seines Studiums. Es hat also zunächst mal einen großen Aufbruch hinter sich (Ende der Schule, Beginn des Studiums). Und schon spricht es von einer Kruste, einem Leben arm an Aufbrüchen und davon, wie einem etwas in der Kindheit erschienen ist (mich macht Weihnachten übrigens immer noch glücklich
Ich will einer 20jährigen keineswegs das Recht darauf absprechen, das eigene bisherige Leben in einer Gesamtperspektive zu sehen. Aber die Häufung dieser Lebensbetrachtungssätze, verbunden mit der Forderung nach einem großen Aufbruch alle zwei Monate (ich weiß, ich übertreibe etwas
Solltest Du eine Figur kreieren wollen, die rastlos ist, die den ständigen Wechsel braucht, müsstest Du noch ein paar mehr Indizien dafür einstreuen - zum Beispiel aus der Geschichte dieser Figur. Auch wäre dann die Reaktion auf die Studienkameraden etwas unglaubhaft. Einer so rastlosen Figur müssten sie fast schon wieder über sein.
Deinem LI, so wie es in derGeschichte erscheint, sind diese Betrachtungen - vor allem in der Masse - einfach nicht angemessen, man bekommt den Eindruck einer Figur, die innerhalb eines sehr engen Horizontes weitschweifige Betrachtungen anstellt.
Und - nur damit das klar ist - ich verwechsele Dein LI nicht mit Dir! Selbst wenn die Geschichte autobiographisch sein sollte (ich betone immer gerne, das mich nicht interessiert, ob sie es ist) bleibt das LI eine verdichtete Version von Dir. Mir ist immer relativ wichtig, da nicht missverstanden zu werden.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
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Re: Semesterbeginn
Nein, schon klar. Passt schon. (Jetzt wegend er LI = Autor oder eben nicht-Sache)
Nein, ich finde Semester nicht so treffend. Weil die Semesterferien trotzdem nur eine Pause sind, ein Zwischenspiel - zu kurz, als das das Darauffolgende etwas wirklich Neues wäre.
So rastlos, dass sie den ständigen Wechsel braucht usw. - Das wollte ich eigentlich überhaupt nicht ausdrücken. Das mit dem Beginn des Studiums als großen Aufbruch, tja, das sollte man meinen, nicht? Bitter bloß, wenn's dann doch nicht so ein Aufbrauch war, wie man sich das vorstellt und man das Gefühl hat, dass der eigentliche große Aufbruch, der ja in dieser Lebensphase wirklich mal fällig wird und der offenbar doch nicht so einfach durch eine bloße Umstellung der äußeren Lebensumstände zu erreichen ist, immer noch ausständig ist. Das ist das eigentliche Problem, aber das ist wohl in dem Text nicht, bzw. zu wenig angelegt.
Nein, ich finde Semester nicht so treffend. Weil die Semesterferien trotzdem nur eine Pause sind, ein Zwischenspiel - zu kurz, als das das Darauffolgende etwas wirklich Neues wäre.
So rastlos, dass sie den ständigen Wechsel braucht usw. - Das wollte ich eigentlich überhaupt nicht ausdrücken. Das mit dem Beginn des Studiums als großen Aufbruch, tja, das sollte man meinen, nicht? Bitter bloß, wenn's dann doch nicht so ein Aufbrauch war, wie man sich das vorstellt und man das Gefühl hat, dass der eigentliche große Aufbruch, der ja in dieser Lebensphase wirklich mal fällig wird und der offenbar doch nicht so einfach durch eine bloße Umstellung der äußeren Lebensumstände zu erreichen ist, immer noch ausständig ist. Das ist das eigentliche Problem, aber das ist wohl in dem Text nicht, bzw. zu wenig angelegt.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Semesterbeginn
Nein, schon klar. Passt schon. (Jetzt wegend er LI = Autor oder eben nicht-Sache)
Nein, ich finde Semester nicht so treffend. Weil die Semesterferien trotzdem nur eine Pause sind, ein Zwischenspiel - zu kurz, als das das Darauffolgende etwas wirklich Neues wäre.
So rastlos, dass sie den ständigen Wechsel braucht usw. - Das wollte ich eigentlich überhaupt nicht ausdrücken. Das mit dem Beginn des Studiums als großen Aufbruch, tja, das sollte man meinen, nicht? Bitter bloß, wenn's dann doch nicht so ein Aufbrauch war, wie man sich das vorstellt und man das Gefühl hat, dass der eigentliche große Aufbruch, der ja in dieser Lebensphase wirklich mal fällig wird und der offenbar doch nicht so einfach durch eine bloße Umstellung der äußeren Lebensumstände zu erreichen ist, immer noch ausständig ist. Das ist das eigentliche Problem, aber das ist wohl in dem Text nicht, bzw. zu wenig angelegt.
Nein, ich finde Semester nicht so treffend. Weil die Semesterferien trotzdem nur eine Pause sind, ein Zwischenspiel - zu kurz, als das das Darauffolgende etwas wirklich Neues wäre.
So rastlos, dass sie den ständigen Wechsel braucht usw. - Das wollte ich eigentlich überhaupt nicht ausdrücken. Das mit dem Beginn des Studiums als großen Aufbruch, tja, das sollte man meinen, nicht? Bitter bloß, wenn's dann doch nicht so ein Aufbrauch war, wie man sich das vorstellt und man das Gefühl hat, dass der eigentliche große Aufbruch, der ja in dieser Lebensphase wirklich mal fällig wird und der offenbar doch nicht so einfach durch eine bloße Umstellung der äußeren Lebensumstände zu erreichen ist, immer noch ausständig ist. Das ist das eigentliche Problem, aber das ist wohl in dem Text nicht, bzw. zu wenig angelegt.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
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