Reise ins Bewusstsein (1. Reise, Tag 1-10)

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Philemon
Kerberos
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Reise ins Bewusstsein (1. Reise, Tag 1-10)

Beitragvon Philemon » 30.06.2003, 12:04

Kurze Vorbemerkung

Dies ist der Anfang einer etwas längeren Erzählung und euch wird bald auffallen, dass jene einer ganz eigenen Logik folgt, die sich erst im Laufe der Geschichte aufbaut. Ich hoffe, trotz der Länge, auf Rückmeldung, in welcher Form auch immer.

Danke.

Philemon
Kerberos
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Re: Reise ins Bewusstsein (1. Reise, Tag 1-10)

Beitragvon Philemon » 30.06.2003, 12:05

Zuerst sagen sie, diese Art von Reisen sei nichts für mich, schließlich viel zu gefährlich und nur für wirklich hartgesonnene Leute. Es hätte schon welche gegeben, die seien als andere Menschen wieder zurückgekehrt, andere, die zu schwach waren, hätten nicht einmal das geschafft. Außerdem müsste jeder den Weg alleine gehen und, was das größte Problem ist, man weiß im Grunde selbst nie genau, wo man das nächste Mal landen wird.
Doch ich halte an meinem Wunsch fest. Ich habe genug von zu Hause, genug vom Alltag und genug von dieser endlosen Leere tief in meiner Seele. Ich weiß, ich brauche etwas, dass mein Leben wieder in Bewegung bringt, es muss nicht einmal gut sein, es muss eigentlich nur anders sein, damit die Differenz zum Alltag, den nötigen Schwung setzt, um mich voran zu treiben.
Sie machen mich auf eine weitere Gefahr aufmerksam: Je öfter ich reise, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mein zu Hause und meine Freunde als Qual verstehe, nur darauf warte, endlich wieder die Segel zu spannen, um mich in neue Abenteuer zu stürzen. Außerdem kann es passieren, dass meine Persönlichkeit sich verformt, mein Verhalten sich ändert und ich mich an den Orten ausgestoßen fühle, welche mir früher Geborgenheit versprachen.
Doch auch jetzt, ändere ich meine Meinung nicht. Ich besitze weder Heimat, noch Freunde, weder eine Familie, die mir etwas bedeutet, noch eine Persönlichkeit, um die es schade wäre. Ich sage es ihnen und sie glauben mir.

Das Reisen beginnt an meist traditionellen Stellen, irgendwelchen Hausecken, Hinterhöfen, dem eigenen Zimmer, wobei man in den meisten Fällen darauf achtet, dass niemand dabei zusieht. Es wird von dem sozialdurchschnittlichen Teil des Umfeldes nicht gern gesehen, nur meistens ist das gerade der Teil, der keine Probleme hat sich durchs Leben zu schlagen. Das Gesetz verbietet Reisen dieser Art, ist aber nicht wirklich in der Lage sie einzuschränken. Ab und zu hört man entfernt von Freunden, die erwischt worden sind, aber sie stellen eine Ausnahme dar. Uns erwischt keiner.

Einer derartige Reise ist vergleichbar mit einer langen Zugfahrt, bei der man aus dem Fenster blickt und langsam merkt wie sich die Umgebung verändert, mit dem einzigen Unterschied, dass es bei uns viel schneller geht, schneller noch als ein Flugzeug fliegen kann und, dass wir in der Lage dazu sind, an Orte zu gelangen, die man mit einem konventionellen Transportmittel nicht erreichen kann. Der einzige Vorteil eines Zug- oder Flugtickets: Man weiß, wo und wie man dort ankommt. Das Wann spielt jedoch keine so große Rolle. Zeit ist nicht wichtig, sie wirkt verschwommen, ähnlich wie das Umfeld, die Atmosphäre. Die Problematik liegt hierbei darin, dass man nicht genau weiß, wann es Zeit ist umzukehren. Andererseits ist man selber sowieso nicht dazu in der Lage den Zeitpunkt der Rückkehr zu bestimmen, was einen auch daran hindert, von einem Ort zu verschwinden, der einem nicht so gut gefällt, der sogar beängstigend wirkt.
Diese Abenteuer können durchaus gefährlich werden, das streitet keiner ab.

Wir haben beschlossen, diesmal alle zusammen abzureisen, auch wenn wir wissen, dass es unwahrscheinlich ist, dass wir uns an unserem Ziel wiedertreffen. Wir tarnen das Ritual als Feier im engeren Kreise und setzen uns zusammen in den Keller eines Freundes. Zuerst reden wir noch viel über andere Dinge, wollen uns gegenseitig davon überzeugen, dass wir nicht gekommen sind um zu reisen, sondern einfach nur um Spaß zu haben. Die Tarnung als Feier gilt in Wirklichkeit nicht nur der unwissenden Außenwelt, viel mehr gilt sie noch uns selbst, da wir uns dieser Sucht nicht klar werden wollen. Nach schätzungsweise zwölf Minuten können wir nicht anders. Einer ergreift die Inititative und beschließt, dass es langsam Zeit sein würde »sich auf den Weg zu machen«. Wir stimmen zu.


Erste Reise

Ich befinde mich an einem Strand, ohne zu wissen, wie ich hierher kommen konnte. Die Wellen brechen sich an vereinzelten Felsen, Möwen bevölkern den Himmel, ein Segelboot ruht auf dem Sand, sonst nichts zu sehen. Da mir nichts besseres einfällt, schiebe ich das Boot ins Wasser, wundere mich ein wenig darüber wie leicht es mir fällt. Später beginne ich das Segel herunterzulassen. Darauf erscheint seltsamerweise ein großes Emblem, das ich nicht deuten kann. Da ich nicht weiß, was ich davon halten soll, nehme ich es also hin und sehe mich nach einem Steuerrad um. Das ganz Schiff scheint im übrigen sehr alt zu sein. Ich rate: Mittelalterepoche. Aber wie gesagt, Zeit ist nicht wichtig.
Es dauert nicht lange, da sehe ich den Strand nicht mehr und ich muss mir leider eingestehen, dass ich keinen Punkt mehr habe, an dem ich mich orientieren könnte. Aber da ich kein Ziel vor Augen habe, ist es mir gleichgültig und ich fühle mich frei, so frei wie eine Feder, die vom Wind auf und ab getragen wird, praktisch keine Kontrolle darüber hat, wo sie als nächstes hinfliegen wird. Es ist eine seltsame Art der Freiheit, für einen Menschen etwas schwerer verträglich als für eine Feder, da letztere kein zu Hause hat, dem sie sich verbunden fühlt. Wenn ich selber versuche zurückzudenken, fällt mir aber auch auf, dass das Bild von meiner eigenen Welt, von meinen Freunden, von meinem bisherigen Leben immer undeutlicher wird. Je länger ich auf dem Meer dahintreibe, umso weniger scheine ich noch über mich selbst zu wissen.
Mein Name? Doch, ich weiß noch, wer ich bin, aber ich habe Angst, bald nicht mehr zu wissen was ich bin. Es erscheint mir plötzlich mehr als nur nebensächlich, ob ich zu den fliegenden Möwen gehöre, zum Meer, zum Boot oder zu mir selbst. Mal fliege ich eine Runde am Himmel und beobachte eine kleine Gestalt am Wasser treiben, mal bin ich selber das Wasser, scheine jemanden zu tragen, ohne, dass es mir schwer fällt. Ich spiele mit den Wellen, meinen Söhnen und schicke sie mal hier mal dorthin. Dadurch entsteht ein ganz schönes Durcheinander und die Fische erzürnen sich darüber, meinen, das habe es seit Jahren nicht mehr gegeben, so ein Chaos. »Das kann js nur ein Mensch sein!«, sagen sie.
Ich höre es und finde mich augenblicklich in meinem Körper wieder, der noch immer im Boot sitzt. Aufgrund meiner Spielereien schwankt es jetzt ungemütlich umher, aber ich kann jetzt nicht wieder das Wasser spielen um die Wellen zu beruhigen. Ich bedanke mich bei den Meeresbewohnern, dass sie mich daran erinnert haben, was ich bin und fahre weiter.
Beinahe hätte ich mich in einer anderen Existenz verloren.
Ich sollte in Zukunft vorsichtiger sein.

Meine Freunde haben mir eine Gefahr scheinbar nicht deutlich genug gemacht, das weiß ich jetzt. Woher soll ich wissen, dass wenn sie von »Zeitverzögerung« sprechen, es sich um derartige Zeiträume handelt. Ich treibe schon drei Tage lang am Meer und frage mich langsam aber sicher wie das sein kann. Es existiert nämlich so etwas wie ein Rest, der an dem Ursprungsort der Reise zurückbleibt, ein Teil, der eben so wichtig ist, wie der, der auf Reisen gegangen ist, dessen Überleben entscheidend ist für den eigenen Fortbestand. In manchen Fällen kommt es vor, erfahre ich viel später, dass es schon Reisende gegeben hat, die erzählt haben sollen, dass sie von einer Reise zurückgekehrt sind und feststellen mussten, dass in ihrem zu Hause nur etwa zwölf Stunden vergangen sind, während sie glaubten, Monate nicht mehr in ihrer Welt verbracht zu haben. Seltsamerweise erschreckt es mich nicht im Geringsten, ich werde nur äußerst nachdenklich und schaue dem Meer beim Treiben zu. Ich sehe die Wellen spielen, um die Wette laufen und schließlich gegen mein Schiff stoßen.
Es gibt insgesamt drei Räume: Eine Schlafkoje (ich habe sie noch nie benützt, mir ist nicht nach Schlafen), eine Küche und einen kleinen Lagerraum, der sich täglich von selbst anfüllt, und zwar immer in den Mengen, in denen vortags etwas von mir entnommen wurde. Ich bin fasziniert, aber nicht so fasziniert wie ich es zu Hause wahrscheinlich wäre, würde es beispielsweise mit meinem Kühlschrank passieren.
Aber ich bin an diese Ungereimtheiten gewöhnt, seit meiner Ankunft und sie häufen sich, je weiter ich aufs Meer rausfahre. Ich bin darüber in keinster Weise beunruhigt oder gar schlimmeres, sehe mich gezwungen einzugestehen, dass meine Freunde Recht hatten, mit ihrem Geschwaffel über Regeln, die hier vielleicht anders liefen oder überhaupt nicht existieren.
Nun wie auch immer, ich habe das Schiff abgemessen und stelle fest, dass es gewachsen ist, wo wir schon bei der nächsten Skurrilität wären. Ich habe schon länger das Gefühl, dass mit dem Schiff irgendwas nicht stimmt, aber bewusst wird es mir erst jetzt.


Vierter Tag

Es ist jetzt bereits fünfundzwanzig Meter lang mit einem neuen Mast, der, gleich einer riesenhaften Dorne, neu aus dem Deck gewachsen ist. Ich weiß, ich brauche jetzt ein neues Segel. Ich gehe ins Lager, um dort Material aufzufinden und tatsächlich liegt hier überall Stoff herum. Jedes Stück trägt dasselbe Emblem, das ich schon auf dem ersten Segel entdeckt habe und ich muss sie nicht einmal zuschneiden. Beim Festbinden tue ich mir auch nicht schwer, obgleich ich noch nie in meinem Leben segeln war, daher auch eigentlich keinen einzigen Knoten beherrsche. Es ist wie meine Freunde gesagt haben: »Die Fähigkeiten sind nicht messbar mit den eigenen, oder kommen einem zumindest sehr fremd vor«



Wir, also ich und mein Schiff, fahren jetzt etwa doppelt so schnell wie früher. Ich fühle mich wie ein Kapitän, finde die Vorstellung interessant aber gleichzeitig unrealistisch. Der Witz dran ist, Realismus ist kein Faktor in dieser Welt. Das bedeutet, alles was sonst nicht passieren kann, ist hier möglich. Leider darf man nicht auswählen, welche Absurdität als nächstes eintreten wird.

Ich muss rauf auf den Aussichtsmast steigen, ich habe da so ein Gefühl. Seit ein paar Stunden sind nämlich vereinzelt Möwen zu sehen, woraus ich schließen kann, dass wir uns Land nähern. Es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder es existiert in diesem endlosen Meer, das keinen weltlichen Regeln zu folgen scheint, tatsächlich eine zweite Küste oder ich laufe gerade die Ursprungsküste an, die ich beim besten Willen nicht sehen will. Die Vorstellung, ich sei fünf Tage nur im Kreis gefahren, schlage ich mir aus dem Kopf. Ich habe schon mal gehört, auf dieser Welt kann man Einfluss auf die Geschehnisse haben, indem man sie durch seine Gedanken herbeiruft. Und das will ich beim besten Willen nicht.


Fünfter Tag

Ich habe mein Schiff verlassen und an einer Palme angebunden, auf welcher sich zwei Affen lauthals um die scheinbar letzte Kokosnuss streiten. Ich schaue ihnen kurz dabei zu, dann gleitet mein Blick über den Rest der Landschaft. Es dürfte eine neue Küste sein, zumindest sieht es hier wesentlich bewaldeter aus, lebendiger. Dennoch bleibe ich kurz stehen, bevor ich in den Urwald trete, der so dicht verwachsen zu sein scheint, dass ich erstmal eine Art Eingang suchen muss, der den Weg ins Innere freigibt. Ich habe Zweifel, ob es eine so gute Idee ist, völlig unbekanntes und unübersehbares Terrain zu betreten, aber es scheint keine Alternative zu geben. In meiner Erinnerung taucht wieder die Frage auf, die ich schon einmal meinen Freunden gestellt habe und die folgendermaßen beantwortet wurde: »Gefahren auf derartigen Reisen sind nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Gefahren. Es ist fast unmöglich zu sterben, dafür können schlimmere Dinge passieren. Man kann sich tatsächlich selbst auf einer Reise verlieren, wenn auch nur nach und nach, aber genau das macht die Sache so gefährlich und unvorhersehbar. Irgendwann merkt man dann, dass man sich so stark verändert hat, dass der einzig logische Schluss ist, dass man seine Persönlichkeit auf der letzten Reise verloren haben muss und jetzt dazu verplichtet ist, sie wiederzufinden. Reisende, die davon betroffen sind, werden auch »Suchende« genannt. Sie merken nicht, dass sie mit jeder Expedition, die sie unternehmen, noch mehr von ihrer Identität verlieren und keiner kann sie von ihrer kranken Idee abbringen.«
Ich denke mir: Kaum ein Mensch ist bemitleidenswerter als der, der nicht mehr weiß, wer er überhaupt ist, der auf ein Foto seiner selbst blicken kann und trotz aller Anstrengung nicht die Vorstellung erlangt, es sei er, der da abgebildet ist. Mir graust bei dem Gedanken.



Sechster Tag

Der Urwald vorher: hohe tropischanmutende Gräser und Palmen, später: noch höhere Laubbäume mit Blättern in verschiedenster Form, deshalb lässt sich keine Art bestimmen. Ich bin überrascht darüber, dass die Vegetation sich so schnell ändert, obwohl ich nur ein paar Stunden marschiert bin (oder waren es Minuten?). Schließlich stoße ich auf einen, von wahrscheinlich menschlicher
Hand angelegten Pfad, der sich gleich einem Schwert und ebenso kerzengerade, durch den Wald zieht. Ich bin eher beunruhigt als erleichtert, da ich nicht ungeheure Lust verspüre Menschen anzutreffen. Was meine Freunde über sie erzählt haben: »Menschen auf derartigen Reisen sind nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Menschen. Jeder von ihnen besitzt eine bestimmte Rolle, die ihre Existenz rechtfertigt. Meistens stirbt die Person, wenn ihre Aufgabe erfüllt und ihre Rolle vollendet ist. Leider ist sie sich ihrem unverweigerlichen Ende durch Auslebung ihrer Pflicht nicht bewusst und in den meisten Fällen erfährt sie auch nie etwas von ihrer Prädestination. Ein anderer wichtiger Punkt: Im Grunde ist jeder Mensch, den man als Reisender antrifft, der Ausüber einer bestimmten Funktion, die sich direkt auf den Reisenden bezieht. Nur sehr selten treten Nebendarsteller auf und auch wenn es einem nicht so vorkommt, vertreten sogar jene eine bestimmte Aufgabe, die man eben nicht sofort erfährt«
Ich habe Angst vor Unabänderlichem, vor Prädestination, vor Schicksal. Der Gedanke, dass es Dinge gibt, die auf alle Fälle geschehen, ohne, dass man was daran ändern kann, demonstriert unsere Machtlosigkeit gegenüber einer vorbestimmten Zukunft. Ich glaube nicht an so was.


Siebter Tag

Sieben Tage, kein Schlaf. Auch wenn es mir prophezeit wurde, überrascht es mich ein wenig. Ich fühle mich gesund, obgleich ich noch immer denselben Pfad entlang gehe, dessen Monotonie darin besteht, dass er nie von seiner Kursrichtung abweicht. Ich stapfe also dahin, glaube langsam, obwohl es verrückt klingt, dass es eigentlich nicht wichtig ist, wie viel ich von diesem Weg zurückgelegt habe, denn alles sieht hier gleich aus, jeder Meter ist ident mit dem nächsten, als würde dieser endlose Pfad erst dann sein Ziel offenbaren, wenn etwas bestimmtes geschehen ist, ein besimmtes Ereignis, das nicht durchs Marschieren herbeizurufen ist.
Ich setze mich hin, grüble nach. Sollte ich also in einer Endlosschleife hängen, müsste diese an einem Punkt durchbrochen werden. Da ich der einzige Passant dieser Straße bin - so scheint es zumindest - kann diese Veränderung nur durch mich erfolgen. Um die endlose Monotonie zu brechen, müsste etwas geschehen, das eine Eigenart besitzt, die die Funktion dieses Weges, was immer sie auch sein mag, überschreitet.
Ich springe auf und mache allerlei verrückter Dinge. Ich lege mich mit dem Rücken auf den Boden und strample mit den Füßen in der Luft wie ein versehentlich umgefallener Käfer. Ich versuche den Wald, der sich gleich einer Mauer links und rechts von mir entlangzieht, mit Schulterstößen zu durchbrechen, fühle zwar keinen Schmerz aber auch keinen Sinn in meiner Handlung. Schließlich lasse ich mich mutlos wieder fallen.
Nun gut, es sei also geklärt, dass durch physische Aktion nichts bewegt werden kann, also bleibt allein mein Gedankengut übrig. Ich versuche mich an die Ratschläge meiner Freunde zu erinnern. Einer lautete: »Gedanken auf derartigen Reisen sind nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Gedanken. Sie haben im Gegensatz zum Normalfall auch Einfluss auf die Außenwelt und kann man sie richtig einsetzen, ist man sogar dazu in der Lage Dinge absichtlich herbeizuführen, ohne einen Finger gerührt zu haben. Dabei ist aber ein etwas außergewöhnliches Verständnis der Dinge von Nöten: Alles, so sagt man, das man auf einer Reise sieht und als tatsächliche Existenz erkennt, ist nichts anderes als ein Gedanke, der durch Zufall aufgetaucht ist, sich augenblicklich vor dem inneren Auge visualisiert hat und dadurch von seinem eigenen Bewusstsein als Fakt bestätigt wird, was wiederum den Glauben daran ansteigen lässt. Es folgt eine Kettenreaktion und aus Glaube wird Wissen. Ein Objekt, das wir als solches erkennen, ist nur existent, weil wir daran glauben. Könnten wir folglich aus voller Überzeugung meinen, dass es nicht existiert, würde es augenblicklich verschwinden«
Ich versuche mich zu konzentrieren, aber es gelingt mir beim besten Willen nicht, irgendeine Veränderung herbeizuführen. Ich gehe schließlich weiter und versuche dadurch meine Gedanken auf Trab zu halten.


Achter Tag

Noch immer derselbe Weg, noch immer keine Art der Veränderung. Die Monotonie macht mir Angst und ich beginne zu rennen, bis zur Erschöpfung. Ich breche schließlich zusammen, atme schwer und unregelmäßig, muss husten und spucke Blut. Ich schließe die Augen, alles ist gut. Es ist nicht real, es sind alles nur Hirngespinnste, die auftreten, wenn man an der Klippe zum Wahnsinn steht und glaubt zu fallen. Jetzt weiß ich endlich, dass man etwas wissen kann, ohne daran zu glauben. Dabei dürfte der Glaube der Schlüssel sein, ich weiß es, aber glaube es nicht.
Nach hundert weiteren Schritten sehe ich Blutflecken am Boden. Ich weiß, sie sind von mir: Der Beweiß also, dass ich mich in einer Endlosschleife befinde.

Mir bleibts nichts anderes übrig, als es zu versuchen. Ich stelle mich auf die rötlichen Flecken, schließe die Augen, konzentriere mich ein weiteres Mal. Theoretisch müsste es funktionieren. Ich hebe einen Fuß und lasse ihn vor mir ruhen, seltsamerweise verliere ich nicht das Gleichgewicht. Jetzt kommt die Phase, in der ich mehr als nur glauben muss, ich muss wissen. Wissen, dass das alles nur eine von mir selbst produzierte, wenn auch unbeabsichtigte Lüge ist, eine Illusion, die sich rechtfertigt, indem sie als wahr angenommen wird. Ich stelle mir jetzt ein anderes Bild vor, verdränge den endlosen Weg aus meinen Gedanken. Ich denke an alles mögliche. An zu Hause, an Erlebnisse, die längst vergangen sind, an Personen, die nicht mehr wiederkehren und langsam, ganz langsam vergesse ich weshalb ich es tue und was ich damit bezwecken will.
Als es mir wieder einfällt, mache ich zuerst den Schritt nach vorne und dann die Augen auf. Ich befinde mich am Ende des Weges, wie ich erkennen kann, denn während sich hinter mir der Pfad bis zum Horizont drängt, sehe ich vor mir eine (hoffentlich nur) scheinbar endlose Wiese, vereinzelte Bäume an unregelmäßigen Stellen, Hügeln die einfach da und dort erscheinen, an Orten, die man nicht vorher hätte erraten können und Wolken, die im wunderbaren Chaos übereinanderschweben. Woher sollte ich denn wissen, dass der einfachste Weg das Vergessen der Problematik ist. Dadurch, dass ich vergesse, höre ich auf zu wissen, folglich ändert sich die Realität und erneuert sich. Mein Fehler war, dass ich, sobald ich das Problem erkannt habe, nur noch wissen wollte, wie es wohl zu lösen ist. Ich habe es also als wirkliche, faktische Schwierigkeit anerkannt und damit die Existenz gerechtfertigt, was es ihr unmöglich machte zu verschwinden.

Neuen Mutes beschreite ich die neuartige Landschaft. Nicht nur Personen spielen Rollen, weiß ich jetzt, sondern auch Wege.


Neunter Tag

Angenehm feuchtes Gras unter meinen Füßen, die keine Spuren hinterlassen, worüber ich erstaunt bin. Vieles hier scheint auf das Wesentliche beschränkt, es scheint nicht mehr wichtig, was Fakt ist, sondern eher was Fakt sein könnte. Wichtig ist nicht, dass die Sonne jetzt untergeht, sondern, dass ich glaube, dass sie das tut, dass ich den leicht rötlichen Schimmer wahrnehme, der mich sentimental stimmt und das gesamte Umfeld in ein Meer, der absonderen Kontraste zieht. Es ist schön mal die Prioritäten anders zu setzen; richtig wie ich meine. In einer Welt, wo nur man selbst existiert, gibt es keine Realität, die als solche anerkannt werden muss, es gibt nur eine Anhäufung von Vorstellungen, die durch niemanden angezweifelt werden können, da sie sich als subjektive Wahrheiten manifestieren.
So gehe ich meinen Weg, dessen Richtung nicht entscheidend ist, da ich mir sicher sein kann, dass ich an meinem Ziel ankomme, egal was passiert. Meine Route, da bin ich mir sicher, ist schon für mich vorherbestimmt, an ihr kann ich nicht rütteln, sie steht fest, einzige Problematik: Die Route ist mir nicht bekannt, nicht einmal meine nächsten Schritte. Selbst wenn ich jetzt den absurden Entschluss treffen würde, schlagartig die Richtung zu wechseln, was nicht wahrscheinlich ist, käme es so wie es kommen müsste, da nicht nur mein Weg, sondern auch all meine Gemütsspannungen und inneren Konflikte mit einberechnet sind. Das gibt mir die Bedeutung einer machtlosen kleinen Metallkugel auf einer Roulettescheibe, die von der Hand einer höheren unbekannten Instanz zum Drehen gebracht wird. Ich springe scheinbar willkürlich über die unterschiedlichsten Zahlen, kann mich nicht festlegen, springe herum, weil ich nicht will, dass ich dort lande, wo es jemand vermutet hat.
Es wird jetzt finster. Totenstille. Ich will schreien, tue es aber aus Ehrfurcht vor der Stille nicht, stelle mir vor, alles schläft, obgleich ich niemanden sehe. Ich selbst kann nicht schlafen, würde es sonst wohl auch tun. Die Frage ist: Wo kommt man hin, wenn man im Traum einschläft?
Ich habe mich unter eine einsame Eiche gesetzt. Ich fahre mit meiner Hand über die etwas rauhe und lamellenartige Rinde, spüre Leben, das sich zwar nicht rührt, aber dennoch irgendwie erkenntlich zeigt. Wodurch wird mir auch nicht klar, als ich die Hand schließlich wieder wegziehe, aus Angst ich könnte mit dem Baum zusammenwachsen, mit ihm eins werden: Lebewesen und Lebewesen – bestehen aus dem selben Element.
Die Blätter rascheln im Wind, fühlen sich sicher, bis sie plötzlich fallen und langsam zu Boden segeln. Eines landet auf meiner offenen Handläche, ich betrachte es, werde aus den Mustern nicht schlau und werfe es schließlich nieder. Ob diese Blätter wissen, dass sie Teil eines höheren Systems sind und im Grunde nicht nur zu ihrem Baum gehören, sondern zu einem riesigen natürlichen Kreislauf, der das Leben auf diesem Planeten bestimmt? Wahrscheinlich nicht. Ähnlich dürfte es mit uns Menschen sein. Dass unser Intellekt wesentlich stärker ist, spielt keine Rolle, sondern fällt unter den Begriff der Relativität. Auch ein unscheinbares Eichenblatt wie es in billionenfacher Ausführung existiert, besitzt eine gewisse Art des Bewusstseins, dem eben nunmal Grenzen gesetzt sind. Wer sagt mir also, dass unser Horizont so weit reicht, dass wir guten Gewissens meinen dürfen, alles zu kennen. Wir stellen das Universum als größtmögliches Inertialsystem auf, was aus unserer Unfähigkeit stammt, ein noch größeres festzustellen. So wie das Blatt zwischen der Existenz als Teil des Baumes und dem sicher eintretenden Fall auf den Grasboden, nicht mehr zu kennen in der Lage ist, als den Ast, auf dem es hängt oder die Luft, die es beim Fallen trägt, können wir nicht mehr kennen, als es unser Intellekt, unsere Technologie, im Allgemeinen also: unsere Entwicklung, ermöglicht.


Zehnter Tag

Ich will gerade eine Rast einlegen, da entdecke ich einen dunklen Schatten über den Himmel schweben. Er fliegt direkt zwischen mir und der Morgensonne und ich sehe anfangs nicht mehr als einen verschwommenen Fleck, während ich mit meiner linken Hand versuche das mich blendende Licht abzuschirmen.
Erschrocken stelle ich fest, dass der Schatten immer größer wird und ich schließe daraus, dass das Wesen auf mich zugeflogen kommt. Im letzten Moment lasse ich mich flach auf den Boden fallen und höre gerade noch das Saußen eines Windstoßes, welcher knapp an meinen Ohren vorbeizieht.
Von dem Schock einigermaßen erholt, richte ich mich auf und erkenne fünf Meter hinter meinem Rücken einen gestürzten Vogel mit schwarzem Federkleid, das in der Sonne glänzt, als wäre es glatt wie Stahl. Ich stelle fest, dass sein rechter Flügel verdächtig weit nach hinten ragt und sich nicht mehr bewegt, während sein linker wild zu schlagen begonnen hat.
So stehe ich hier, unwissend, was als nächstes geschehen soll und wie man sich in derartigen Situationen zu verhalten hat. Obschon ich weiß, dass ich nicht helfen kann, komme ich langsam näher, wobei ich versuche mich nicht im Blickfeld des Vogels aufzuhalten. Natürlich sieht er mich trotzdem und ohne mich direkt anzusehen, richtet er sich umständlich auf, nur um gleich darauf auf die andere Seite zu kippen. Je näher ich komme, umso größer scheint seine Angst und während sein linker Flügel weiterschlägt und dabei immer wieder gegen den Boden stößt, verliert er eine Feder nach der anderen, bis sich unter ihm ein schwarzroter Teppich gebildet hat.
Ich bleibe stehen. Man kann einem Vogel leider nicht mitteilen, dass man eigentlich nur versucht zu helfen und so gebe ich schließlich auf und drehe mich enttäuscht um, bevor ich meinen Weg fortsetze.

Später, auf einer leichten Anhöhe, blicke ich zurück und erkenne einen schwarzen leblosen Fetzen auf der sonst gänzlich grünen Ebene. Kurze Zeit glaube ich zwar, dass er sich doch noch rührt, aber ich stelle fest, dass nur ein Windstoß die Güte besessen hat, ihn kurz anzuschubsen, als wolle er sehen, ob er tatsächlich tot ist oder nur so tut.
Eine schwarze Feder lässt sich zwischen meinen Füßen nieder.
Er wäre ohnehin irgendwann gestorben, sage ich mir, es ist nicht meine Schuld.

Schon von weitem sehe ich einen Pfahl, der akribisch genau in der Mitte des Tales zu stecken scheint, als wäre hier mit Messgerät gearbeitet worden und ich frage mich, welche Funktion er wohl trägt, vermute zuerst: eine Art Sonnenuhr oder kulturelle Reliquie. Als ich dann näherkomme, entdecke ich wider Erwartung eine Gestalt, die zusammengekauert und müde, daran festgebunden ist und ähnlich wie beim schwarzen Vogel, muss ich zuerst überlegen, ob es klug ist meiner Neugierde nachzugeben oder, ob ich nicht vielleicht schon genug gesehen habe. Dann erinnere ich mich an die Worte meiner Freunde, die meinten, dass jede Person, die ich auf meiner Reise antreffen würde, eine wichtige Rolle spiele, die auch für mich von Bedeutung sein könne. Klug oder nicht, ich entscheide mich dafür.
Der glatzköpfige Mann scheint alt zu sein, aber ich traue mich nicht ein genaueres Alter zu bestimmen, da der Dreck und die teils verkrusteten Narben an seinem Körper mich über seine tatsächlich verlebten Jahre hinweg täuschen könnten. Seine Augen hält er fest verschlossen; er selbst macht den Gesichtsausdruck eines strenggläubigen Mönches, der gerade im Begriff ist zu beten. Wahrscheinlicher ist aber, dass er schläft, am wahrscheinlichsten, dass er tot ist. Er scheint außerdem von äußerst magerer Statur, völlig unterernährt und seine Haut hat sich von den unbarmherzigen Sonnenstrahlen so schlimm verfärbt, dass man seine Abstammung nicht einmal annähernd erraten könnte, sollte man dies vorhaben.
Ich überlege kurz und sehe mich um: Tatsächlich wächst kein einziges Hälmchen in diesem Tal der Einöde und die Sonne scheint hier besonders stark zu brennen, als wäre dieser Ort speziell dazu gedacht, Menschen an einen Pfahl zu schlagen und leiden zu lassen. Plötzlich entdecke ich eine kleine Metallschüssel, die dem Gefesselten zu gehören scheint. Ich drehe sie kurz in meinen Händen, um sie genauer zu betrachten, da krabbelt ein kleiner Käfer von der Schüssel in meinen rechten Hemdärmel und als ich versuche ihn wieder auszubeuteln, fliegt das Gefäß versehentlich auf den Boden und scheppert dabei ungewöhnlich laut. Der Mann erwacht, unsere Blicke treffen sich, werden groß vor Schrecken und instinktiv versuchen wir beide auf Distanz zu gehen, mit dem Unterschied, dass es mir gelingt und ihm weniger gut, da er ja an verschiedenen Stellen festgebunden ist.
So sitzen wir also eine Zeit lang schweigend, in respektvollem Abstand und langsam scheint mein Gegenüber darauf zu kommen, dass sein Gegenüber wahrscheinlich gar nicht so gefährlich ist wie er zuerst geglaubt hat. Zumindest werden seine Augenwinkeln jetzt kleiner, während sein Blick mich von oben nach unten hin abtastet, als habe er noch nie etwas derartiges gesehen. Immer wieder beginnt er mit seinem Mund Silben zu formen, doch kein Laut ist zu hören und ich fürchte schon seine Stimmbänder könnten vielleicht eingetrocknet sein, zumindest würde ich dieser Hitze so gut wie alles zutrauen.
»Keine Angst, ich will Ihnen nichts tun«, beginne ich meine Worte »Ich bin nur aus Zufall hier und werde sofort gehen, wenn Sie etwas gegen meine Anwesenheit hier haben«
Das erste Mal, denke ich darüber nach wie wahrscheinlich es wohl ist, dass Personen, die ich auf meiner Reise antreffe, meine Sprache verstehen oder gar sprechen können. Doch ich werde nicht enttäuscht und tatsächlich folgt Rückmeldung, wenn auch auf andere Art und Weise, als ich sie mir vielleicht vorgestellt hätte.
»Gib sie mir zurück, bitte, ich brauche sie . . . «
»Was brauchen Sie?«
Er zeigt auf die Metallschüssel: »Gib sie mir wieder«
»Sie meinen die Schüssel?«
Der Alte denkt kurz nach, meint dann: »Ja, Schüssel, genau . . . Gib sie mir!«
Seine Stimme klingt erschöpft und auf eine gewisse Art, die ich nicht genauer erörtern kann, auch einsam. Ich gebe ihm das Metallgefäß, das, obwohl es nur einen kurzen Moment in der Sonne gelegen hat, brennheiß geworden ist.
Der Mann nimmt die Schüssel und legt sie behutsam an seine Seite in den Schatten, dann blickt er rauf zur Sonne, kneift dabei seine Augen etwas zu. Ohne mich direkt anzusehen, meint er dann:
»Du solltest dich hier nicht aufhalten. Er könnte jeden Augenblick hier auftauchen«
Ich blicke zuerst zu der leuchtenden Kugel, dann in verschiedene Richtungen auf Horizontebene, kann aber niemanden erkennen. Dann fällt mein Blick wieder zurück auf ihn, der scheinbar teilnahmslos in seiner Metallschüssel kratzt und daraufhin die vertrockneten Reste ausleert.
»Was machen Sie eigentlich hier? Was haben Sie angestellt, dass man Sie hier festgebunden hat«
Mich interessiert es wirklich, aber der Mann lacht. Ich frage weshalb.
»Weißt du mein Freund, manchmal wird man für falsche Taten bestraft, manchmal aber auch für Rollen, die man zwar spielt, sich aber nicht selbst ausgesucht hat«
Auf die Frage, welche das in seinem Fall sei, antwortet er nicht.
Später meint er nochmal, ich sollte gehen, die Sonne stehe schon fast im Zenit und Er könnte jeden Augenblick hier sein.
Plötzlich und bevor ich fragen kann, wen genau er mit »Er« meint, bricht der vertrocknete Boden an einigen Stellen im gesamten Tal auf und der Himmel verdunkelt sich. Die Sonne verschwindet und wird von einer beängstigenden Finsternis verschluckt, die ich nicht erklären kann.
Ich richte mich auf, der Mann kniet sich umständlich hin, soweit es mit den knappen Fesseln möglich ist und ratet mir, es ihm gleich zu tun. Ich reagiere nicht sofort, bin am Überlegen, ob Wegrennen nicht klüger wäre, doch mir fällt auf, dass sich in einem regelmäßigen Abstand vom Mittelpunkt des Tales weg, wo wir sind, Schluchten zu bilden scheinen, die durch ihre Unüberwindbarket eine Flucht unmöglich machen.
Ich knie nieder, weiß nicht einmal weshalb, dann entdecke ich, dass mit einem lauten Beben, als würde man sämtliche Elemente beschwören, Wände aus den Schluchten aufsteigen, die perfekt zusammenpassen und schließlich über ein Dach miteinander verschmelzen.
Als ich mich das nächste Mal umsehe, merke ich, dass, abgesehen von dem Pfahl mit dem gefesselten Opfer, nichts gleich geblieben ist. Der Boden scheint jetzt aus regelmäßig angeordneten Granitplatten zu bestehen, die alle ein und dasselbe Muster tragen. Trotz der Komplexität dieses Musters, scheint sich jedes Stück an das andere perfekt anzupassen, obwohl kein Deut irgendeiner Symmetrie erkennbar ist. Ich bin erstaunt darüber, blicke mich dann aber weiter um, noch immer kniend, und sehe, dass wir nicht mehr alleine sind. Am vorderen Ende des auferstandenen Saales, dessen Höhe deshalb nicht abzuschätzen ist, da das Dach in absoluter Dunkelheit verschwindet, steht eine Art mittelalterlicher Thron, der aber seltsamerweise einen schwarzen Lederüberzug hat und, einem Bürosessel ähnlich, von einer drehbaren Stange gestützt wird. Davon erhebt sich eine mittelgroße Gestalt, die einen grauen Anzug am Körper und eine Zigarre im linken Mundwinkel trägt. Ich glaube sie zu kennen, kann aber nicht auf mein Gedächtnis zurückgreifen wie sonst, da alles, was vor meiner Abreise geschehen ist, eher verschwommen scheint, manches gar unrealistisch, was mich an vielen Dingen zweifeln lässt, da ich nicht mehr zwischen Einbildung und Fakt unterscheiden kann.
Was als Fakt in diesem Moment zählt ist, dass mir diese Person Angst macht, obgleich sie nicht viel größer ist als ich, keinerlei beängstigende Hässlichkeit oder Anormalität aufweisen kann. Ich werde außerdem das Gefühl nicht los, dass mir auch die Art dieser Furcht bekannt vorkommt. Möglicherweise ist es nicht einmal so lange her, aber so sehr ich mich auch anstrenge, ich werde aus den Gesichtszügen des streng dreinsehenden Mannes nicht schlau und so warte ich ab, was als nächstes geschieht.
Eine kratzige aber dennoch autoritäre Stimme ertönt im lauten Schall, der von Wand zu Wand zu springen scheint und so erklingt sie allumfassend, als spreche nicht die Person, die vor uns steht, sondern die anachronistischen Steingemäuer, auf denen, so erkenne ich jetzt, Gemälde hängen, von Schlachten und Folterszenen, auf die ich nur einen kurzen Blick werfe.
»Wen hast du uns denn da mitgebracht, König der Sklaven?«
Ich sehe mich um, weiß nicht, wen genau er mit »uns« überhaupt meint, versuche dann möglichst teilnahmslos dreinzublicken, als könne ich mich so vielleicht unsichtbar machen. Der Gefesselte antwortet zurück, leise und schwach, sodass selbst ich ihn kaum verstehen kann, obgleich ich neben ihm knie. Zu meiner großen Überraschung, scheint die Botschaft aber angekommen zu sein, denn der Mann gibt zurück: »So so, ein Reisender. Wir haben selten hier Besuch, aber es freut mich immer wieder ein neues Gesicht zu sehen«
Dieses Grinsen, voller Hohn, sodass man glaubt es könne jeden Augenblick vor giftigem Schaum übergehen. Zumindest scheint er mich nicht zu kennen, auch wenn ich noch nicht genau weiß, ob das eher gut oder schlecht zu deuten ist.
Die Schreckensfigur kommt jetzt die Treppen herunter, über welchen ein adelsroter schmaler Teppich ausgebreitet liegt. Es wäre vielleicht zum Lachen: eine Art Geschäftsmann in einem mittelalterlich anmutenden Saal, wo selbst Rüstungen stehen und Wappen aufgehängt sind wie ich erst jetzt erkenne. Doch mein Herz schlägt schnell und ich beginne schlimmer zu schwitzen als vorher, obwohl ich nicht mehr der unbarmherzigen Sonne ausgesetzt bin. Ich blicke rüber zu dem Gefesselten, der sich ausschließlich für den Boden zu interessieren scheint, zumindest ist es der Ort, wo er ständig hinblickt, als sei es für ihn nichts Neues, dass Wände aus der Erde wachsen und seltsame Gestalten auftauchen.
»Darf man fragen, woher du kommst oder wäre das zu indiskret«
Ich spüre sie, die Macht, die von dieser Person ausgeht und ich merke auch, dass ich in diesem Moment nicht mehr bin als ein Spielball, den er erst hochwirft, nur um aus Absicht zu vergessen, ihn wieder aufzufangen. Dennoch antworte ich; meine Stimme zittert, woran ich nichts ändern kann.
»Ich . . . ich komme von weit her«, sage ich schüchternd wie ein Kind, das von einem Erwachsenen ausgefragt wird und sich dabei nicht wohl fühlt.
»Achja?«, antwortet er und vergisst dabei nicht auf sein höhnisches Grinsen. Dann bläst er den Rauch seines letzten Zigarrenzuges in mein Gesicht, worauf ich husten muss.
Schließlich wendet er sich dem anderen zu, der noch immer neben mir kniet und schweigt. Er packt ihn am Kinn, welches er brutal nach oben zieht, sodass der Gefesselte ihn gezwungenermaßen ansehen muss.
»Was ist nur aus dir geworden«, meint er dann, während er ihn genau mustert, »du siehst aus wie ein Tier, aber sogar das wäre eine Beleidigung diesen wunderbaren Wesen gegenüber, den sie sind wenigstens noch in der Lage sich zu waschen. Was soll den mein Gast, von mir denken, wenn ich so schmutzige Leute in mein Heim lasse?«
Dann lässt er ihn wieder fallen, spuckt ihm noch vor die Knie, bevor er sich arrogant umdreht und zurück zu seinem Thron marschiert.
Ich nutze diese Gelegenheit und frage den Gefesselten, wer dieser Mann überhaupt ist, aber die Antwort bekomme ich nicht, wie gewünscht, von ihm, sondern von dem Geschäftsmann selbst, der seine Ohren scheinbar überall hat.
»Du willst wissen, wer ich bin?«, er lacht und ich verabscheue sein Lachen vom ersten Augenblick an, als wäre es nicht das erste Mal, dass ich es höre.
»Die Antwort auf diese Frage liegt einzig in dir, mein Freund. Ich bin niemand oder zumindest nicht mehr als ein Hirngespinnst, in deinem Kopf, vermutlich entstanden durch irgendein Trauma, dass du dir geholt hast, wie eine Erkältung, oben, in deiner wirklichen Welt, wo du auch hingehörst«
Ich verstehe kein Wort, obgleich ich weiß, dass er die Wahrheit spricht.
Meine »wirkliche Welt«? Ich versuche mich zu erinnern, aber es fällt mir schwer. Meinen Namen scheine ich noch zu kennen, auch wenn er seltsam surreal klingt, wenn ich ihn mir im Kopf laut vorsage. Ich weiß plötzlich nicht mehr, ob ich Kinder habe, Verwandte oder Freunde, aber es scheint mir auch nicht wichtig. So etwas wie Heimweh verspüre ich nicht. Man kann sich auch schwer nach etwas sehnen, dass man nicht einmal mehr zur Hälfte kennt.
»Oh, meine Zeit scheint um zu sein«, der Mann blickt auf seine Zigarre, die mittlerweile nicht mehr als ein kleiner Stumpf ist und er lässt sie auf den Boden fallen und tritt sie aus.
»Nun, vielleicht sehen wir uns ja einmal wieder Fremdling«, meint er an mich gerichtet. »Bis dahin solltest du dir deiner Rolle hier bewusst werden. Du wirst sehen, es wird dir dann einiges leichter fallen«
Ein letztes spöttisches Grinsen, dann verschwinden er und seine Gemäuer auf die gleiche Art wie sie aufgetaucht sind und die Sonne erscheint wieder und aus der Hitze der Nervosität, wird wieder die bekannte physische Hitze, die nicht viel angenehmer ist. Die Schluchten schließen sich langsam, doch hinterlassen nicht den kleinsten Spalt, als wäre das alles nicht passiert.
Der Gefesselte bringt sich jetzt wieder in eine bequemere Lage, streckt seine Beine nach vorne aus und seufzt laut hörbar.
Ich wiederhole meine Frage, bezüglich der Identität dieser Person und diesmal antwortet er selbst.
»Er ist derjenige, der für das Böse auf dieser Welt verantwortlich ist und damit Geschäfte macht. Er trägt keinen Namen und selbst wenn, würde keiner ihn aussprechen, aus Angst man könne so enden wie ich«
Ich betrachte die Fesseln genauer, entdecke nichts außergewöhnliches an ihnen und denke mir, man könnte sie sicher durchschneiden, mit einem Messer beispielsweise, doch leider habe ich nichts derartiges bei mir.
Der Mann, der scheinbar die Fähigkeit besitzt, Gedanken lesen zu können, meint:
»Glaub nicht, ich habe das nicht schon ausprobiert. Es ist schlichtweg unmöglich die Fesseln zu durchtrennen, als wären sie aus Stahl. Aber keine Sorge. Es gibt einen Augenblick in der Permanenz des Leidens, da findet man sich mit fast allem ab und die schlimmste Folter mutiert zur Gewohnheit«
Ein trauriges Leben, denke ich mir und ich frage ihn, ob ich sonst etwas für ihn tun könne. Er verneint, was ich erwartet habe.
Irgendwann schläft er dann ein und ich sehe mich gezwungen ihn alleine zu lassen, da die Hitze langsam unerträglich wird. Was ich mir aber vornehme ist, hierher zurückzukehren, irgendwann, und zu versuchen, ihn zu befreien, da meine Meinung nach noch keine Fessel erfunden wurde, die man nicht irgendwie durchtrennen kann.
Das Tal zur Gänze durchschritten, drehe ich mich noch einmal um, sehe die einsame Gestalt, die sich ihre Qual zur Gewohnheit gemacht hat und deren Gesellschaft aus einer Metallschüssel besteht, die sie in ihren eigenen Schatten stellen muss, damit sie sich nicht zu sehr erhitzt, und ich empfinde Mitleid für diese verlorene Seele.
Danach wende ich mich wieder ab, von diesem Tal des Schreckens und setze meinen Weg fort, ohne zu wissen wohin eigentlich und wer mir als Nächster begegnen wird.

Gegen Abend gelange ich an eine steinerne Mauer, die an einigen Stellen verfallen scheint, als hätte sich jahrzehntelang keiner mehr um sie gekümmert. Ich lege meinen Kopf in den Nacken: Schätzungsweise drei Meter und eindeutig viel zu hoch um sie zu erklettern. Ich zucke mit den Schultern und beginne damit, an ihr entlang zu gehen. Nach einiger Zeit fadisierten Marschierens und nachdem ich begonnen habe zu pfeifen um meine Langeweile zu vertreiben, stoße ich auf ein Loch in der Mauer, das sich hinter einem Busch vor mir verstecken wollte. Ich bahne mir einen Weg, durch das Geäst, zerkratze mir dabei meine Arme, was ich zwar nicht sofort spüre, aber schließlich sehe, allerdings erst nachdem ich bereits durchs Loch gehüpft bin und mich im Inneren des Mauerwerks wiedergefunden habe.
Müsste ich in dieser ersten Sekunde, in der ich den Blick von meinen etwas blutigen Armen abwende und mich der Landschaft vor mir widme, sagen, was mir bei dem Anblick der Gegend einfällt, die also zumindest einmal wichtig gewesen sein muss, weil sie sonst nicht ummauert wäre, so ist es sicher nicht etwa der Begriff einer Stadt, nicht einmal der eines Dorfes. Die verfallenen Gebäude, die schon teils von Moosen und Flechten eroberten wurden, machen einen so altertümlichen und verschlafenen Eindruck, dass der Schwerpunkt der Vermutung, jemand habe mal vor langer Zeit hier gelebt, eindeutig auf »lange Zeit« liegen müsse. Dass es hier noch Menschen gibt, ist sehr unwahrscheinlich. Beunruhigt bin ich über das Gefühl einer anderen Präsenz, einer, die nicht in materieller Form vor meine Füße springen kann um mir was anzutun, aber dafür eine andere Form der manifestierten Macht, die sich hier all die Jahre angesammelt haben muss und den toten Steinen eine gewisse Bedeutung einhaucht: Das Alter.

In der Mitte der Ruinenansammlung – ich schätze, es hat hier mal so etwas wie einen Stadtplatz gegeben – finde ich einen Brunnen, aus welchem man scheinbar früher mal über ein Seil und einem daran festgebundenen Kübel Wasser holen konnte. Jetzt ist er vertrocknet oder zumindest hört es sich so an, als ich einen Stein ins Tiefe fallen lasse und mir lediglich ein dumpfes Bröckeln antwortet.
Später beschließe ich in ein Haus zu gehen, das noch einigermaßen intakt aussieht und bei dem keine Einsturzgefahr mehr besteht, da das Dach schon fortgetragen wurde. Ob hier die Naturgewalten oder der Mensch selbst, der sich ja allzu oft in sein eigenes Grab stürzt, daran Schuld ist, kann ich nicht erkennen.
Innen entdecke ich einen völlig morschen Holztisch, der gefährlich knattert, wenn man ihn nur anschaut, ein kleines Gemälde an der steinernen Wand, das von einer dicken Staubschicht bedeckt ist und einen Ofen, in dem noch die verfaulten Überreste verbrannten Heizmaterials liegen. Die einzige Tür führt in einen kleinen dunklen Raum – vermutlich die Abstellkammer – in den ich nur ganz kurz einen Blick werfe, da mich ein derber Geruch davor warnt, genauer zu untersuchen, was hier aufbewahrt wurde.
Als ich wieder hinausgehen will, stolpere ich über eine kleine Schachtel aus Karton, die sich laut scheppernd darüber erzürnt wie es sein kann, dass nach so vielen Jahren absoluter Ruhe, einfach jemand kommt und zutritt, ohne Vorwarnung noch dazu. »Das kann ja nur ein Mensch sein«, höre ich ein weiteres Mal, wundere mich aber nicht mehr darüber.
Ich knie mich neben der kleinen Schachtel nieder und sehe, dass sie mit Klebeband zugeklebt ist. Wieder fehlt mir die scharfe Klinge eines Messers, aber diesmal habe ich Glück und der Klebestreifen lässt sich auch einfach so, mit der bloßen Hand lösen. Darin finde ich alte Spielsachen: Einen Teddybären, der zahlreiche Löcher aufweist, eine Spielzeuglokomotive, der ein kleines Rädchen fehlt, dann noch ein altes Bilderbuch, das ich kurz anblättere. Komischerweise sind einige Seiten einfach nur weiß, als wäre hier mal etwas gestanden, aber dann weggelöscht worden. Und auf einmal kommen mir diese ganzen Gegenstände furchtbar bekannt vor, als sei es nicht das erste Mal, dass ich sie sehe, als wären sie alle Teile einer Erinnerung, die von einer sorglosen Kindheit handeln, vielleicht sogar meiner eigenen und ich betrachte die Gegenstände ein weiteres Mal und tatsächlich bin ich nun dazu in der Lage viele von ihnen zu benennen oder zumindest Geschehnisse zu rekonstruieren, die entfernt mit ihnen zu tun haben könnten.
Ich richte mich auf und wende mich dem eingerahmten Bild zu, dass etwas schief an der Wand hängt. Daraufhin nehme ich einen Fetzen, den ich zufällig in meiner Hemdtasche finde und versuche damit vorsichtig die Oberfläche von dem Staubteppich zu befreien, der sich dort wohl all die Jahre angesammelt hat und die Sicht auf die Abbildung versperrt, wie ein Nebel, der das Erkennen einer fernen Landschaft unmöglich macht. Ich beginne oben und lege eine weiße Fläche frei, weiter unten entdecke ich erste Striche, dann eine primitive Aufschrift, die ich nur schwerlich als »Alles Gute zum Geburtstag« entziffern kann.
Schließlich sinkt mein rechter Arm nach unten, nicht etwa aus Müdigkeit, sondern eher aus tiefster Verwunderung, denn ich kenne dieses Bild, habe es sogar selber gezeichnet.
Es war der fünfundvierzigster Geburtstag meiner Mutter, ein Tag, den ich nie in meinem Leben vergessen werde, da sie nur wenige Wochen später ins Hospital geliefert werden sollte, wo sie sehr bald an Krebs starb. Ich war damals noch klein und vielleicht deshalb nicht wütend darüber geworden, dass man mich nicht über ihre Krankheit aufgeklärt hatte. Und während bei ihrem Begräbnis viele weinten, da sie eine tolle Frau gewesen war, zupfte ich lediglich am Hemdärmel meines Vaters, weil ich endlich nach Hause wollte und das nicht etwa, weil ich den inneren Schmerz nicht mehr ertrug, sondern viel mehr, weil ich es nicht erwarten konnte, die Trostgeschenke auszupacken, die mir, ihr zu Ehren, geschenkt worden waren. Ich war nicht in der Lage zu verstehen, was es bedeutete einen Menschen zu verlieren, dachte die meiste Zeit nur an mich, an Meine Gegenwart und Meine Zukunft, an Meinen Besitz und Meinen Weg, der so lange mir gehörte, wie ich auf ihm entlang ging. Da blieb wenig Zeit an die Leute zu denken, die die Ehre besaßen sich Meine Verwandte und Meine Freunde nennen zu dürfen. Es ist selbstverständlich allgemein bekannt und eine natürliche Fügung, dass viele Kinder eine sehr egoistische Veranlagung haben, aber ich war wohl ein Sonderfall in die Richtung und bin nicht gerade Stolz darauf, wenn ich jetzt daran zurückdenke. Wie auch immer, dieses Bild, so glaube ich, war tatsächlich von Herzen gekommen und somit eines der wenigen Dinge, mit denen ich anderen Menschen eine Freude bereiten wollte.
Während ich es betrachte, denke ich darüber nach, wo es jetzt in der wirklichen Welt wohl liegen oder hängen mag, aber ich fürchte, es existiert dort schon lange nicht mehr, war Opfer meiner Entwertungswut geworden, die alles verschlingt und keinen Unterschied macht, zwischen Sentimentalitäten und emotional wertloser Materie. Zumindest hängt es noch hier, im Haus meiner Erinnerungen, im letzten Widerstandslager meiner Vergangenheit und ich bin glücklich, dass ich es noch einmal zu sehen bekomme. Darauf abgebildet: eine mit Strichen angedeutete Gestalt, die ich sofort als meine Mutter wiedererkenne und plötzlich sehe ich sie vor mir, nicht etwa wie auf einem eindimensionalen flachen Abbild eines, schon hundertmal gesehenen, Fotos, sondern in unglaublich wirklicher Form, wie sie sich in unserer alten Küche von der Herdplatte umdreht und mich freundlich anlächelt, eine weiße Schürze umgehängt und einen hölzernen Kochlöffel in der Hand. Ich lächle zurück, meine Augen werden feucht und ich beginne schließlich bitterlich zu weinen, lange und hemmungslos, als müsste ich an Tränen nachholen, was ich die ganze Zeit über, in meinem selbstsüchtigen Leben, verpasst habe.

Als ich hinausgehe, fühle ich mich befreit von einer Schuld, die all die Jahre auf den schmalen Schultern meiner Seele gesessen ist, welche ich aber nie tatsächlich als Last wahrgenommen habe, weil sie eben schon so lange präsent war, dass sie schließlich ein Teil von mir werden musste, sodass schließlich ich selbst diese Schuld wurde, eine einzige Missbildung an Schuld, an Ignoranz meiner Gefühle, an Arroganz, die aus meiner Angst stammte, zu versagen.

Doch nun bin ich darüber hinaus. Nun darf meine Mutter in Ruhe weilen, denn ihr Sohn hat endlich registriert, dass er seinen liebsten Menschen verloren hat und somit die Steuer bezahlt, die all die Jahre noch ausständig war.
Selbst eine späte Erkenntnis ist ein Glücksgefühl wert und so gehe ich mit lächelndem Antlitz aus diesem Dorf der Erinnerungen und die Reise in mein Bewusstsein geht weiter, ohne, dass ich der neuen Erfahrungen müde werde.

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Re: Reise ins Bewusstsein (1. Reise, Tag 1-10)

Beitragvon gelbsucht » 03.07.2003, 00:07

Hallo Philemon!

Hier einige kritische Kommentare zu deinem Text:

Zuerst sagen sie ... Sie machen mich auf eine weitere Gefahr aufmerksam ... Ich sage es ihnen und sie glauben mir.

Wer ist "sie"?
Wir haben beschlossen, diesmal alle zusammen abzureisen, auch wenn wir wissen, dass es unwahrscheinlich ist, dass wir uns an unserem Ziel wiedertreffen. Wir tarnen das Ritual als Feier im engeren Kreise und setzen uns zusammen in den Keller eines Freundes.

Wieder die Frage: wer ist "wir"? Wer erzählt was über wen? Diese Frage sollte der Text wenigstens beantworten. Gib diesen Gespenstern, denn mehr sind sie in diesem Stadium des Textes noch nicht, Namen. Gib ihnen Gesichter und Motive. Erzähl uns etwas über sie, erzähl uns, was für Menschen es sind.
Es wird von dem sozialdurchschnittlichen Teil des Umfeldes nicht gern gesehen.

Merkwürdige Formulierung: sozialdurchschnittlich? Was bedeutet das? Der Ottonormale?
Darauf erscheint seltsamerweise ein großes Emblem, das ich nicht deuten kann. Da ich nicht weiß, was ich davon halten soll, nehme ich es also hin ...

Okay, er kann es nicht deuten. Das mag dir durchgehen. Aber, was hier fehlt ist eine Beschreibung. Der Leser will erfahren, was er sieht, wie ein Emblem ausschaut, das man (jetzt) noch nicht deuten kann, dass aber später in der Erzählung vielleicht noch von Bedeutung sein wird. Eine Deutung ist nicht immer möglich, aber eine Beschreibung sollte es sein.
Das ganz Schiff scheint im übrigen sehr alt zu sein. Ich rate: Mittelalterepoche.

Eine etwas plumpe, unzufriedenstellende Beschreibung. Hier fehlt mir etwas originelleres, überraschenderes oder besser recherchiertes. Gönne deinem Erzähler ein bisschen Wissen ... lass ihn nicht so dumme, gewöhnliche Sachen sagen, das würde ihn mir sympathischer machen. ;-)
Aber da ich kein Ziel vor Augen habe, ist es mir gleichgültig und ich fühle mich frei, so frei wie eine Feder, die vom Wind auf und ab getragen wird, praktisch keine Kontrolle darüber hat, wo sie als nächstes hinfliegen wird.

Eine, nach meinem Geschmack, viel zu naheliegende, verbrauchte Metapher, die gestrichen oder ersetzt werden sollte.
Wenn ich selber versuche zurückzudenken, fällt mir aber auch auf, dass das Bild von meiner eigenen Welt, von meinen Freunden, von meinem bisherigen Leben immer undeutlicher wird.

Bei dieser Stelle habe ich gedacht: das sagt er so direkt, aber eigentlich ist es gerade seine Aufgabe, das zu erzählen. Vielleicht hätte man also vorher dieses "bisherige", dieses alltägliche Leben ein wenig schildern und ausführen sollen, um es dann durch die Reise zu kontrastieren. So weiß der Leser über das vergangene Leben des Erzählers nichts, nada, niente. Es gibt einen Unterschied zwischen "schwatzen" und "erzählen", den sollte man sich immer vor Augen halten.
Mein Name? Doch, ich weiß noch, wer ich bin, aber ich habe Angst, bald nicht mehr zu wissen was ich bin. Es erscheint mir plötzlich mehr als nur nebensächlich, ob ich zu den fliegenden Möwen gehöre, zum Meer, zum Boot oder zu mir selbst. Mal fliege ich eine Runde am Himmel und beobachte eine kleine Gestalt am Wasser treiben, mal bin ich selber das Wasser, scheine jemanden zu tragen, ohne, dass es mir schwer fällt. Ich spiele mit den Wellen, meinen Söhnen und schicke sie mal hier mal dorthin. Dadurch entsteht ein ganz schönes Durcheinander und die Fische erzürnen sich darüber, meinen, das habe es seit Jahren nicht mehr gegeben, so ein Chaos. »Das kann js nur ein Mensch sein!«, sagen sie.
Ich höre es und finde mich augenblicklich in meinem Körper wieder, der noch immer im Boot sitzt. Aufgrund meiner Spielereien schwankt es jetzt ungemütlich umher, aber ich kann jetzt nicht wieder das Wasser spielen um die Wellen zu beruhigen. Ich bedanke mich bei den Meeresbewohnern, dass sie mich daran erinnert haben, was ich bin und fahre weiter.
Beinahe hätte ich mich in einer anderen Existenz verloren.
Ich sollte in Zukunft vorsichtiger sein.

Das ist die erste Stelle im Text, die mich wirklich mitgenommen und fasziniert hat. Das Sich-Verlieren hast du in diesen Bildern sehr schön eingefangen, aber sprachlich solltest du noch daran noch feilen. Sätze wie ...
Ich bedanke mich bei den Meeresbewohnern, ...

... wirken auf mich etwas hilflos, etwas gestelzt, etwas unnatürlich, etwas euphemistisch. Irgendwie erwarte ich hier eine eher trockenere, naivere oder derbere, eine direktere und einfachere Sprache. Das ist mein Gefühl. Eine Sprache, die der Neuartigkeit und Ungewohntheit der Situation Rechnung trägt. Eine Sprache, die an ihre Grenzen stößt, die sich an der neuen Welt verwirrt, verfranst. Und in der nicht so ein empathischer und triumphierender Ton mitschwingt.
Ich bin fasziniert, aber nicht so fasziniert wie ich es zu Hause wahrscheinlich wäre, würde es beispielsweise mit meinem Kühlschrank passieren.

Ich meine, irgendwie geht es doch hier ums Träumen, um Traumreisen oder um eine Art von Rausch. Diese Zeile hat mich wirklich geärgert, muss ich zugeben. Ich meine, wenn man weiß, dass es sich um einen Traum handelt, braucht man ihn nicht ernst nehmen ... aber warum soll ich als Leser es ernst nehmen, wenn schon der Erzähler ihm keinen Belang beimisst? Merkst du nicht, wie du mit diesen wenigen Worten, den ganzen Ausflug, die ganze Vision zur Beliebigkeit degradierst. Hier schwingen für mich die Worte mit: "Warum soll ich mich wundern ... ist doch eh alles nur ein Traum." Die besseren Träume sind die, die man für real hält. Die Aufgabe der Erzählers besteht für mich darin, mir so eine Realität und zwar eine glaubwürdige zu vermitteln. Ich meine, du willst dir doch auch keinen Film im Kino ansehen, der dich ständig darauf hinweist, dass es nur ein Film ist, dass du im Kino sitzt und, dass alles, was du zu sehen bekommst, eine Fiktion ist, kleine Fotos, die mit einer bestimmten Geschwindigkeit an eine kahle Wand projiziert werden und deinem Auge eine Bewegung vorgaukeln. Nein, du willst getäuscht werden, du bezahlst, um für zwei Stunden in eine andere Realität abzutauchen. Und eben dieses Abtauchen verhinderst du hier. Verstehst du, was ich meine?
Aber ich bin an diese Ungereimtheiten gewöhnt, seit meiner Ankunft und sie häufen sich, je weiter ich aufs Meer rausfahre. Ich bin darüber in keinster Weise beunruhigt ...

Mann, ist der Typ Stoiker oder was? Siehst du, das ist genau das, was ich meine. Also für mich ist das "schwatzen" und nicht "erzählen". Der Typ belästigt mich mit seinen Gedanken und Meinungen. "Ich bin gewöhnt ... Ich bin in keinster Weise beunruhigt." Ach, wie schön für ihn. Und wie langweilig für mich. An dieser Stelle habe ich mir zum ersten Mal gewünscht, das Boot kentert und er ertrinkt. Fine.
Es ist jetzt bereits fünfundzwanzig Meter lang mit einem neuen Mast, der, gleich einer riesenhaften Dorne, neu aus dem Deck gewachsen ist.

Das ist ein Satz, der mich entschädigt, der mich wieder etwas mit dem Text versöhnt. Sehr schön! Mehr davon!
Ich fühle mich wie ein Kapitän, finde die Vorstellung interessant aber gleichzeitig unrealistisch. Der Witz dran ist, Realismus ist kein Faktor in dieser Welt. Das bedeutet, alles was sonst nicht passieren kann, ist hier möglich.

Der Witz daran ist, ich sehe den Witz nicht. :-(
Da ich der einzige Passant dieser Straße bin - so scheint es zumindest - kann diese Veränderung nur durch mich erfolgen. Um die endlose Monotonie zu brechen, müsste etwas geschehen, das eine Eigenart besitzt, die die Funktion dieses Weges, was immer sie auch sein mag, überschreitet.

Wieder mal ein Wort zur Sprache. Ich habe diesen Satz mal wahllos herausgegriffen, er ist nicht untypisch für diesen Teil der Geschichte ("Fünfter Tag" bis "Siebenter Tag"). An dieser Stelle ist deine Sprache aus dem euphemistischen ins – wie so soll ich es sagen – ins räsonierende, ins spekulierende, ins philosophierende (es geht um Realität, um die Subjektivität der Zeit, um Vorherbestimmung und Personenidentität), ins teilweise technokratische übergegangen – der Traum wird nach seinen Traummechanismen hinterfragt. Der Erzähler begibt sich auf die Suche, die Logik des Traums zu verstehen. Das ganze dominiert jetzt die Handlung. Es klingt für mich auch wieder nicht wie eine "Erzählung", sondern wie eine Art "Abhandlung". Guck hier: der Wald. Er ist nicht real. Ich renne stundenlang hindurch, und doch vergehen vielleicht nur Minuten. Ich muss aufpassen, dass ich, wenn ich wieder draußen bin, noch derselbe bin. Ich bin real, der Wald nicht. Wenn mir jemand begegnet, ist es vielleicht ein Repräsentant meiner eigenen Persönlichkeit, eine meiner Masken. Ich bin real, also auch er? Aber der Wald nicht, auf keinen Fall der Wald. Wäre ja noch schöner, wenn der Wald nun auch noch real ist. Nein, der Wald erfüllt einfach eine Funktion. Er betreibt Photosynthese. Nein, er hält mich auf. Ich muss aufpassen, dass ich, wenn ich jemals wieder hier herauskomme, noch derselbe bin, als der ich hier hereingeraten bin. Regel 1 beim Träumen: Vorsicht vor dunklen Zimmern und Wäldern. Hier wohnt nichts gutes. Ach, wie komme ich hier nur wieder raus? Was will der Wald? Mich foppen, natürlich, das will er. Er hält mich zum Besten.
Ein Objekt, das wir als solches erkennen, ist nur existent, weil wir daran glauben.
Tja, sag das mal deinem Leser!!! :-D

Okay, bin jetzt vor "Neunter Tag" und mache erst einmal eine Pause. Ich glaube, auch wenn meine Kommentare überwiegend Nörgeleien sind, dass dein Text in jedem Fall einer der ambitioniertesten und interessantesten ist, den das Forum "Texte" bisher gesehen hat.

;-) gelbe grüsse :-)
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

Philemon
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Re: Reise ins Bewusstsein (1. Reise, Tag 1-10)

Beitragvon Philemon » 03.07.2003, 12:34

Hallo gelbsucht,

Danke für deine konstruktiven Äußerungen!
Bei einigen Punkten muss ich mich trotzdem rechtfertigen, da manche "Fehler" beabsichtigt waren und eigentlich Hintergründe haben:

Wer ist "sie"? ... wer ist "wir"? Wer erzählt was über wen?

Diese Fragen lasse ich gezielt offen. Der Leser soll sich in dieser Geschichte nicht eingeladen fühlen, da es im Grunde keine Geschichte ist, die für die Außenwelt bestimmt ist. Natürlich irgendwie schon, weil ich sie übers Netz ja Publik gemacht habe, aber aus Sicht des Protagonisten, der da denkt und nicht erzählt, gibt es keine Leser.
Eine etwas plumpe, unzufriedenstellende Beschreibung. Hier fehlt mir etwas originelleres, überraschenderes oder besser recherchiertes. Gönne deinem Erzähler ein bisschen Wissen ... lass ihn nicht so dumme, gewöhnliche Sachen sagen, das würde ihn mir sympathischer machen.

Mal überlegen wie ich dir das erklären soll... Der Protagonist befindet sich zu dem Zeitpunkt schon in einer Scheinwelt, die nicht bis ins Detail ausgearbeitet ist (auch Träume sind das nie). Es ist auch nicht wichtig, was für ein Boot es ist, es ist nicht wichtig, was für Fische im Wasser schwimmen, es ist ja schließlich auch nicht wichtig, die Möwen zu beschreiben. Diese Objekte und Wesen sind eher metaphorische Synonyme und brauchen keine genauere Bestimmung, die ihnen ganz gewiss ihre Symbolik nehmen würde.
Vielleicht hätte man also vorher dieses "bisherige", dieses alltägliche Leben ein wenig schildern und ausführen sollen, um es dann durch die Reise zu kontrastieren. So weiß der Leser über das vergangene Leben des Erzählers nichts, nada, niente. Es gibt einen Unterschied zwischen "schwatzen" und "erzählen", den sollte man sich immer vor Augen halten.

Geht aus einem ganz bestimmten Grund nicht, da der Protagonist nach der ersten Reise in seine Welt zurückkehrt und sich an viele Dinge nicht erinnern kann. Es wäre doch dumm, wenn der Leser Dinge wüsste, die der Erzähler plötzlich nicht mehr weißt (vor allem wäre so etwas schwer zu schildern in der ICH-Perspektive), besser ist, wenn man beim Lesen selber das Gefühl hat, als hätte man etwas "vergessen" ;-)
.. Ich meine, wenn man weiß, dass es sich um einen Traum handelt, braucht man ihn nicht ernst nehmen ... aber warum soll ich als Leser es ernst nehmen, wenn schon der Erzähler ihm keinen Belang beimisst? Merkst du nicht, wie du mit diesen wenigen Worten, den ganzen Ausflug, die ganze Vision zur Beliebigkeit degradierst. Hier schwingen für mich die Worte mit: "Warum soll ich mich wundern ... ist doch eh alles nur ein Traum." Die besseren Träume sind die, die man für real hält. Die Aufgabe der Erzählers besteht für mich darin, mir so eine Realität und zwar eine glaubwürdige zu vermitteln.

Es geht hier ganz gezielt nicht um Täuschung und ich versuche es deshalb auch nicht so auszubauen. Die Geschichte heißt "Reise ins Bewusstsein", der Protagonist weiß durchaus, dass es nicht die Realität ist, in der er sich befindet, also warum sollte er so tun? Das die Spannung dadurch verloren geht, kann schon sein, aber vielleicht liegen die Prioritäten auch weniger im Phantastischen, Spannenden als im Gedankenhintergrund. Sonst könnte ich ja gleich eine Fantasy-Kurzgeschichte à la Hohlbein verfassen.

Also für mich ist das "schwatzen" und nicht "erzählen". Der Typ belästigt mich mit seinen Gedanken und Meinungen. "Ich bin gewöhnt ... Ich bin in keinster Weise beunruhigt." Ach, wie schön für ihn. Und wie langweilig für mich. An dieser Stelle habe ich mir zum ersten Mal gewünscht, das Boot kentert und er ertrinkt. Fine.

Leider sind es seine Gedanken und Meinungen, die in der Geschichte entscheidend sind. Wenn sie dir nicht gefallen, rate ich dir, gar nicht erst weiterzulesen.

Der Erzähler begibt sich auf die Suche, die Logik des Traums zu verstehen. Das ganze dominiert jetzt die Handlung. Es klingt für mich auch wieder nicht wie eine "Erzählung", sondern wie eine Art "Abhandlung". Guck hier: der Wald. Er ist nicht real. Ich renne stundenlang hindurch, und doch vergehen vielleicht nur Minuten. Ich muss aufpassen, dass ich, wenn ich wieder draußen bin, noch derselbe bin. Ich bin real, der Wald nicht. Wenn mir jemand begegnet, ist es vielleicht ein Repräsentant meiner eigenen Persönlichkeit, eine meiner Masken. Ich bin real, also auch er? Aber der Wald nicht, auf keinen Fall der Wald. Wäre ja noch schöner, wenn der Wald nun auch noch real ist. Nein, der Wald erfüllt einfach eine Funktion. Er betreibt Photosynthese. Nein, er hält mich auf. Ich muss aufpassen, dass ich, wenn ich jemals wieder hier herauskomme, noch derselbe bin, als der ich hier hereingeraten bin. Regel 1 beim Träumen: Vorsicht vor dunklen Zimmern und Wäldern. Hier wohnt nichts gutes. Ach, wie komme ich hier nur wieder raus? Was will der Wald? Mich foppen, natürlich, das will er. Er hält mich zum Besten

Ohne diesen Kommentar hätte ich tatsächlich geglaubt, du hättest auch diesen Teil der Erzählung verstanden, der sicher nicht so leeres Gerede ist, wie du es hier nachzustellen versuchst.

Schade eigentlich



Trotzdem danke für die Kritik, in den meisten Punkten hast du vollkommen recht, nur diese Kleinigkeiten, musste ich etwas richtig stellen. Wie ich schon in der Vorbemerkung gemeint habe: "Dies ist der Anfang einer etwas längeren Erzählung und euch wird bald auffallen, dass jene einer ganz eigenen Logik folgt, die sich erst im Laufe der Geschichte aufbaut. "



Philemon


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