bleib ich doppelweltlerin
bleib ich kantenglätter
im neumond hat das haus zu glatte wände
stahlverbrähmt für aussenaugen
porzellan für mich im endeffekt
beim halbsichelhimmel
splittert das in fremdlandmesser
überzieh ich mit gewohnheitsmustern
für aussenaugen die abbruchkanten
kreislicht lasert risse mir
in die fensternetzhaut
das nutzen die schwarzbewohner
zu ausflügen sie klettern
die hauswand entlang
scharren krallen
sammelt sich putzstaub in den ecken
muss ich fensterklettrer bleiben
bleib ich doppelweltlerin
denn der mond nimmt hier nicht ab
steht sogar tags verblasst und unverrückt
Hausbesuch
Hausbesuch
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: Hausbesuch
Ich wusste gar nicht, dass ich die Erinnerung noch irgendwo hab und dann kommst du daher! Lang vergessenes weckst du, gute Frau... Besuch bei Bekannten meiner Eltern, muss vier oder fünf gewesen sein. Gespräche fad und nicht Kindgerecht, Kind schlecht gelaunt, hat sich in den Garten verdrückt. Das Haus war weiß gestrichen, Mond schien, Schatten von einem recht großen Garten rundherum. Irgendwie schön, irgendwie düster und recht beeindruckend für ein Zwergerl.
Gefällt mir extrem gut. Ich habe eigentlich die Neigung, mich in Gedichtfragen sofort dem Urteil der anderen hier zu beugen, aber wenn hier jetzt einer was anderes sagt als was positives, hüpf ich ihm an den Hals.
Einzig vielleicht...
Zuerst eine weibliche Endung, dann eine männliche. Das wirkt ein wenig ungrad, vielleicht solltest du dich da entscheiden?
Gefällt mir extrem gut. Ich habe eigentlich die Neigung, mich in Gedichtfragen sofort dem Urteil der anderen hier zu beugen, aber wenn hier jetzt einer was anderes sagt als was positives, hüpf ich ihm an den Hals.
Einzig vielleicht...
bleib ich doppelweltlerin
bleib ich kantenglätter
Zuerst eine weibliche Endung, dann eine männliche. Das wirkt ein wenig ungrad, vielleicht solltest du dich da entscheiden?
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
-
Surjaninov
- Klio
- Beiträge: 542
- Registriert: 20.12.2003, 21:06
Re: Hausbesuch
Hello Ede
Ich bin geteiler Meinung was dein Gedicht angeht. Auch auf die Gefahr hin, daß ich jetzt Prügel von der Stillen bekomme...
Um gleich mal auf Silentiums Einwand zurück zu kommen: Ich finde es gar nicht so schlimm mit den nicht gleichgeschlechtlichen Endungen bei:
"bleib ich doppelweltlerin
bleib ich kantenglätter"
Es ist mir erst aufgefallen als ich`s bei Ihr gelesen habe. Aber ich finde das so schöner ist. Das passt für mich besser zur Stimmung des Gedichts.
"im neumond hat das haus zu glatte wände
stahlverbrähmt für aussenaugen
porzellan für mich im endeffekt"
"muss ich fensterklettrer bleiben
bleib ich doppelweltlerin
denn der mond nimmt hier nicht ab
steht sogar tags verblasst und unverrückt"
- Der (fast) Anfang und das Ende hier gefallen mir wirklich gut. Beide klingen so schön abgeklärt, und lassen sich gut lesen. Auch die Wortschöpfungen sind schön.
ABER, das ist dann auch mein größter Kritikpunkt. Deine Wortschöpfungen scheinen hier kein Ende zu nehmen, sprudeln nur so. Das wird auf die Länge des Gedichts dann doch sehr platt und Effektheischend. Jedenfalls wirkt es so auf mich.
Ich würde das in der Mitte etwas glätten, und ein paar rausnehmen. Dann musst du warscheinlich auch kürzen.
Aber auf die Länge hin, da ist es dann fast nur noch eine Aneinanderreiung, eine Aufzählung.
Ansonsten gefällt es mir gut. Wie gesagt. Nur...
@ Stille - was sagst du dazu? Sind es dir nicht zu viele dieser "Wortschöpfungen"???
lg
Surja
Ich bin geteiler Meinung was dein Gedicht angeht. Auch auf die Gefahr hin, daß ich jetzt Prügel von der Stillen bekomme...
Um gleich mal auf Silentiums Einwand zurück zu kommen: Ich finde es gar nicht so schlimm mit den nicht gleichgeschlechtlichen Endungen bei:
"bleib ich doppelweltlerin
bleib ich kantenglätter"
Es ist mir erst aufgefallen als ich`s bei Ihr gelesen habe. Aber ich finde das so schöner ist. Das passt für mich besser zur Stimmung des Gedichts.
"im neumond hat das haus zu glatte wände
stahlverbrähmt für aussenaugen
porzellan für mich im endeffekt"
"muss ich fensterklettrer bleiben
bleib ich doppelweltlerin
denn der mond nimmt hier nicht ab
steht sogar tags verblasst und unverrückt"
- Der (fast) Anfang und das Ende hier gefallen mir wirklich gut. Beide klingen so schön abgeklärt, und lassen sich gut lesen. Auch die Wortschöpfungen sind schön.
ABER, das ist dann auch mein größter Kritikpunkt. Deine Wortschöpfungen scheinen hier kein Ende zu nehmen, sprudeln nur so. Das wird auf die Länge des Gedichts dann doch sehr platt und Effektheischend. Jedenfalls wirkt es so auf mich.
Ich würde das in der Mitte etwas glätten, und ein paar rausnehmen. Dann musst du warscheinlich auch kürzen.
Aber auf die Länge hin, da ist es dann fast nur noch eine Aneinanderreiung, eine Aufzählung.
Ansonsten gefällt es mir gut. Wie gesagt. Nur...
@ Stille - was sagst du dazu? Sind es dir nicht zu viele dieser "Wortschöpfungen"???
lg
Surja
Re: Hausbesuch
Näh. Grad die Wortschöpfungen sind das schöne. Weil sich das bei Ede ja durch alle Gedichte durchzieht, bei ihr dazugehört. Außerdem kann ich mir unter jedem Wort mehr vorstellen, als sie in einem Satz unterbringen würde.
Wenn er's so haben will:
:boxing:
Wenn er's so haben will:
:boxing:
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- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Hausbesuch
Ach Stille
:kiss:
das ist aber lieb von dir
Ich weiß ja das ist faul einfach mal so dem rechtzugeben, der mich lobt aber naja.
Ich fürchte nur wenn ich das sehr entschärfe klinge ich irgenwann nicht mehr sehr nach mir...
aber ich finde es auch gar nicht so extrem, in den ersten beiden ja, aber z.B die dritte Strophe enthält nur drei die auffällig hausgemacht sind,in der zweiten ist es schon ganz schön heftig, vor allem stehen sie alle am ende, viellcith hilft es ja auch wenn ich einfach die Wortstellung verändere. Dann klingt das nciht so gelichförmig....Ich weiß du magst meine Wortmacherei nicht so, aber vielfach umgehe ich damit die von mir verabscheuten Adjektive, oder Vergleiche. Ich denke es würde nicht kürzer sondern länger werden, weil weniger komprimiert.
Vielleicht auch etwas leichter zugänglich...
Zu der verschiedengeschlechtlichkeit...ich muss da noch mal drüber nachdenken, es ist ein bisschen seltsam, aber ich will doppelweltlerin unbedingt feminin lassen, aber kantenglätter klingt weiblich komisch.
Ich muss sagen, das mir das ansonsten nicht ganz so wichtig ist.
Aber Kantenglätterin??
und dann sind auch noch beide Zeilen so gleich....
Auf jeden Fall, vielen Dank euch beiden für die schnellen Reaktionen
lg
Edekire
so ein nachtrag:
Kann es sein, das dieses mal wieder ziemlich unverständlich ist?
:kiss:
das ist aber lieb von dir
Ich weiß ja das ist faul einfach mal so dem rechtzugeben, der mich lobt aber naja.
Ich fürchte nur wenn ich das sehr entschärfe klinge ich irgenwann nicht mehr sehr nach mir...
aber ich finde es auch gar nicht so extrem, in den ersten beiden ja, aber z.B die dritte Strophe enthält nur drei die auffällig hausgemacht sind,in der zweiten ist es schon ganz schön heftig, vor allem stehen sie alle am ende, viellcith hilft es ja auch wenn ich einfach die Wortstellung verändere. Dann klingt das nciht so gelichförmig....Ich weiß du magst meine Wortmacherei nicht so, aber vielfach umgehe ich damit die von mir verabscheuten Adjektive, oder Vergleiche. Ich denke es würde nicht kürzer sondern länger werden, weil weniger komprimiert.
Vielleicht auch etwas leichter zugänglich...
Zu der verschiedengeschlechtlichkeit...ich muss da noch mal drüber nachdenken, es ist ein bisschen seltsam, aber ich will doppelweltlerin unbedingt feminin lassen, aber kantenglätter klingt weiblich komisch.
Ich muss sagen, das mir das ansonsten nicht ganz so wichtig ist.
Aber Kantenglätterin??
und dann sind auch noch beide Zeilen so gleich....
Auf jeden Fall, vielen Dank euch beiden für die schnellen Reaktionen
lg
Edekire
so ein nachtrag:
Kann es sein, das dieses mal wieder ziemlich unverständlich ist?
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: Hausbesuch
Guten Morgen, Frl. Ede.
Also, nur ein kurzes Statement, da ich noch nicht dazu kam, es in seiner Gänze zu entschlüsseln...
Erster Eindruck positiv, sehr dicht und düster, schöne Bilder, die ich nicht als zuviel empfinde. Noch nicht.
Den Einstieg finde ich gut so, ich würde es mit beiden Geschlechtern stehen lassen, denn ich habe das "kantenglätter" als Adjektiv gelesen und da gibt es ja keine weibliche Form in dem Sinne.
O.k., später mehr, wenn ich Zeit habe.
Gruß
Flocke
Also, nur ein kurzes Statement, da ich noch nicht dazu kam, es in seiner Gänze zu entschlüsseln...
Erster Eindruck positiv, sehr dicht und düster, schöne Bilder, die ich nicht als zuviel empfinde. Noch nicht.
Den Einstieg finde ich gut so, ich würde es mit beiden Geschlechtern stehen lassen, denn ich habe das "kantenglätter" als Adjektiv gelesen und da gibt es ja keine weibliche Form in dem Sinne.
O.k., später mehr, wenn ich Zeit habe.
Gruß
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...
Re: Hausbesuch
Hallo Fräulein Ede,
hier kommt deine verspätete Nikolausüberraschung.
Am letzten Sonntag trafen sich Mög, Hamburger, Silentium und ich in einer virtuellen Räumlichkeit, um dein Gedicht "Hausbesuch" in einer neuen Ausgabe des Poetry-Chats zu besprechen. Auch diesmal ging es hoch her und dein Gedicht hat uns einen spannenden, kontroversen Sonntag beschert. Fast acht Stunden hielt uns dein Gedicht im Bann und am Ende hatten wir ein Chat-Protokoll, das, in Word kopiert, 64 Seiten umfasste. Wir sind wahnsinnig, keine Frage.
Nun, weißt du selbst sehr gut, wie so ein Poetry-Chat abläuft, hast du ja selbst bereits an solchen Runden teilgenommen. Aber jetzt kommst du auch das erste Mal in den Genuss des Ergebnisses.
Viel Spass beim Lesen!
hier kommt deine verspätete Nikolausüberraschung.
Am letzten Sonntag trafen sich Mög, Hamburger, Silentium und ich in einer virtuellen Räumlichkeit, um dein Gedicht "Hausbesuch" in einer neuen Ausgabe des Poetry-Chats zu besprechen. Auch diesmal ging es hoch her und dein Gedicht hat uns einen spannenden, kontroversen Sonntag beschert. Fast acht Stunden hielt uns dein Gedicht im Bann und am Ende hatten wir ein Chat-Protokoll, das, in Word kopiert, 64 Seiten umfasste. Wir sind wahnsinnig, keine Frage.
Nun, weißt du selbst sehr gut, wie so ein Poetry-Chat abläuft, hast du ja selbst bereits an solchen Runden teilgenommen. Aber jetzt kommst du auch das erste Mal in den Genuss des Ergebnisses.
Viel Spass beim Lesen!
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
Inhaltsverzeichnis:
1. Keep you save from poetry chats! (Vorspiel)
2. Eine Art Gollum, Eidechse, Schlafwandlerin oder sowas
3. Diese Schattenviehcher
4. Platzen wird er ja nicht
5. Die Fassade ist Notwendigkeit
6. Zeigen vs. verstecken, offenbaren vs. schützen
7. Typen, die fremdes Land vermessen
8. Von Glätterin zu Kletterin
9. Zu Besuch beim LI
10. Ein bisschen im Hirn herumbrausen
1. Keep you save from poetry chats! (Vorspiel)
2. Eine Art Gollum, Eidechse, Schlafwandlerin oder sowas
3. Diese Schattenviehcher
4. Platzen wird er ja nicht
5. Die Fassade ist Notwendigkeit
6. Zeigen vs. verstecken, offenbaren vs. schützen
7. Typen, die fremdes Land vermessen
8. Von Glätterin zu Kletterin
9. Zu Besuch beim LI
10. Ein bisschen im Hirn herumbrausen
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
1. Keep you save from poetry chats!
[04.12.2005 10:48] SESSION START
Chat System sagt zu dir: Hallo Gast71546!
Chat System sagt zu dir: Du bist in Lobby
Chat System sagt zu dir: Super-Operator Status aktiviert.
Chat System sagt zu dir: Reservierter Name gefunden. Passwort OK.
Chat System sagt zu dir: Du, allzeit bekannt als Gast71546, wirst fortan
auf den Namen [) i r k hören.
[) i r k: Moin
[) i r k: Hallo Mirko!
[) i r k: Mirko ... bist du da?
Hamburger: Morgen, hab gerade telefoniert
Hamburger: und bei Wikipedia nach Mondphasen geguckt.
[) i r k: Wie geht's? Ausgeschlafen?
[) i r k: Nach Mondphasen?
Hamburger: Ne, war gestern beim Hallenturnier,
Hamburger: seit Ewigkeiten mal wieder eins gespielt.
Hamburger: Bin ziemlich fertig.
[) i r k: Und wie war das Turnier? Wie weit seid ihr gekommen?
Hamburger: Es war eine 8er-Gruppe, jeder 7 Spiele, jeder gegen jeden.
Hamburger: Wir haben 4 gewonnen und 3 verloren.
Hamburger: 3. Platz
[) i r k: Das ist gut
Hamburger: Ja, find ich auch. Nur jetzt tut mir alles weh.
[) i r k: Aber den Poetry-Chat schaffst du trotzdem noch, oder?
Hamburger: Ja, wird schon
Hamburger: Wie geht's dir?
[) i r k: Mir geht's prima
[) i r k: Hab gestern meine Eltern und meinen Bruder gesehen
[) i r k: Und meine Mutti hat mir ein Fresspaket mitgebracht
[) i r k: Mit selbstgebackenen Keksen,
[) i r k: Äpfeln aus dem eigenen Garten
[) i r k: und echter Ossi-Wurst.
Hamburger: Cool.
[) i r k: Damit der Junge nicht verhungert.
Hamburger: Das kenn ich.
[) i r k: Süß diese Mütter!
[) i r k: Glaubt immer noch, dass sich ihr bald 30jähriger Sohn nicht selbst versorgen kann!
Hamburger: Das hängt nicht vom Alter ab - auch wenn du 55 bist wird das so sein.
Hamburger: Das sind Mütter!
[) i r k: Und freust du dich aufs nächste Wochenende?
Hamburger: Aufs nächste Wochenende freue ich mich sehr
Hamburger: Besonders auf die Fahrt mit Made und Rike
[) i r k: Sarah ist bei MSN online, Moment.
[) i r k: Komisch.
[) i r k: Ich weiß nicht, ob sie meine Nachricht erhalten hat.
[) i r k: War auf einmal wieder wech.
Hamburger: Na ja, das sind die traditionellen Schwierigkeiten beim Poetry-Chat.
Hamburger: Würde mich wundern, wenn's diesmal anders läuft.
[) i r k: Jupp, irgendwie ist so ein Poetry-Chat-Anfang sowieso immer chaotisch!
Chat System: Gast71617 betritt Lobby.
[) i r k: Hallo, wen haben wir denn da?
[) i r k: Sarah bist du das?
Gast71617: Jepp
Gast71617: Moment, ich muss das mit dem Namen noch ...
Hamburger: Morgen Sarah
Chat System: Benutzer Gast71617 heißt ab sofort Silentium
Silentium: Jetzt funktioniert's.
Hamburger: Sehr schön, wenn das bei mög jetzt noch klappt, wäre es ein Wunder.
Silentium: Dann ist es wahrscheinlich nicht mög,
Silentium: sondern ein Alien, dass ihren Platz eingenommen hat.
[) i r k: Nun, Wunder gibt es immer wieder.
[) i r k: Alter Schlager, glaube ich ...
Hamburger: Dieser Schlager wurde gespielt,
Hamburger: als Pauli Bayern 2:1 schlug, direkt nach dem Spiel.
Hamburger: Tolles Lied von Katja Ebstein.
Silentium: Komm gleich wieder, die Katze will raus.
[) i r k: In "Broken Flowers" gab es auch eine Frau, die mit Katzen reden konnte.
Silentium: Sooo... Vieh draußen.
Hamburger: "Vieh"?
Hamburger: Schäm dich!
[) i r k: Und die Katze meinte zu Bill Murray, "er führe was im Schilde".
Silentium: Liebes Vieh.
Silentium: Dirk, du musst mir noch gach eine Garantie geben.
Silentium: Ich bin hier an einem Ordinationscomputer
Silentium: und da ist Papa ein bissi heikel.
Silentium: Also dieser Chat ist definitiv eine gaaaanz sichere Sache
Silentium: so dass nicht auf einmal tausende Patientendaten futsch sind?
[) i r k: Ähm, natürlich! Da passiert nix! Versprochen!
Silentium: Ich beruf mich dann auf dich.
[) i r k: Mach das!
[) i r k: Das ist nur ein HTML-Chat meine Wissens.
Hamburger: Einige Daten bleiben erhalten,
Hamburger: nicht alle werden am Schluss futsch sein!
Silentium: :-p
[) i r k: Tja, ich bin weiter bei MSN online, aber ... noch nix.
Silentium: Das MSN ist eh glück für mich, dass das momentan nicht geht
Hamburger: Wieso?
Silentium: Nämlich das dürfte ich an einem Ordicomputer echt nicht installieren
Silentium: und der meiner Brüder tut momentan so:
Silentium: "Internet, kenn ich nicht, was ist denn das?"
Silentium: Miststück, elendes.
Hamburger: Ah, die traditionelle Bruderschelte.
Silentium: Also hat MSN mich davor bewahrt, wieder mal auszuflippen.
Silentium: Ja, die Kröten haben grad wieder irgendein Mafiaspielchen installiert,
Silentium: wo sie zwar der große Don sind,
Silentium: aber dem alten Kasten tuts nicht gut.
[) i r k: Du und deine Brüder,
[) i r k: vielleicht solltest du mal ein Buch über deine Brüder schreiben, wenn du ausgezogen bist ...
Silentium: Hab ich vor...
Silentium: Mit Altersbeschränkung.
Silentium: Wegen der vielen unanständigen Wörter, die vorkommen müssen.
[) i r k: 50 böse Geschichten über deine Family
Silentium: Jo ist ja momentan gaaanz lustig drauf
Silentium: und will die Damen seiner Klasse anbraten,
[) i r k: Was will er?
Silentium: eher anbacken, weil er doch neulich glatt
Silentium: einen selbstgemachten Mohn-Birnen-Kuchen mitgebracht hat.
Hamburger: Süß
Silentium: Und auf positive Resonanz gehofft hat,
Silentium: vor allem seitens einer gewissen Marlene...
Silentium: aber das gibt er natürlich nicht zu –
Silentium: Weil er eh weiß, dass diese Marlene ne hohle Nuss ist,
Hamburger: die aber leider eine Mohn-Birnen-Kuchen-Allergie hat?
Silentium: Allergie nicht, aber OBERweite.
Silentium: In Großbuchstaben.
[) i r k: Ist "anbraten" ein Ausdruck bei euch für "anbaggern"?
Silentium: Habt ihr den Ausdruck nicht?
Hamburger: Nö, aber ich find den Ausdruck cool.
[) i r k: Made ist online
[) i r k: Und Michael auch
[) i r k: Großes O livro Treffen
Hamburger: Und mög nicht
[) i r k: Not yet
Silentium: Notfalls holen wir eben Made und Razor dazu.
Silentium: Die würden schauen. So in die Richtung:
Silentium: "Erinnerst du dich, da gab's mal dieses Gedicht,
Silentium: sag mal schnell was dazu!"
Hamburger: Bitte einen halbstündigen Interpretationsinput
Hamburger: Hey, das ist ein schönes Wort: Interpretationsinput
Silentium: Wär das nicht eher ein Interpretationsoutput?
Hamburger: Nein, weil es ein Input in unsere Gruppe wäre,
Hamburger: in ein anderes System.
Hamburger: Ein Input für uns, aus unserer Sicht.
[) i r k: Sag mal Mirko, wie hast du es eigentlich geschafft,
[) i r k: dich in diesem Chat gleich zum Operator hoch zu schwingen?
[) i r k: Habe gerade gesehen, dass ein @ vor deinem Nick hast
Silentium: Von vornherein machtgeile Tendenzen, das hat der Chat gespürt.
Hamburger: Wieso, du hast zwei @
[) i r k: Ich bin ja auch der Dirktator
Hamburger: Und machtgeil? Ich? Niemals
Silentium: Wer redet denn dauernd vom Putsch?
Hamburger: Du!
Silentium: Tsssss...
[) i r k: So mögilein, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt ... Viertel nach.
Hamburger: Haben wir die Telefonnummer von mög?
[) i r k: Ich habe keine Nr. von ihr
[) i r k: Ich guck noch mal ins Postfach und ins Forum.
Silentium: Ich auch nicht.
Silentium: Allerdings ist sie Leondingerin, oder?
Silentium: Das heißt, ich könnte einfach im Telefonbuch nachschauen.
Hamburger: warten wir noch ein paar Minuten und dann schau ruhig mal nach.
[) i r k: Nix
Hamburger: Wieso "nix"?
[) i r k: Keine KN, keine Mail, meine ich.
Hamburger: Ach so, ich dachte schon du verbietest Silly sie anzurufen
[) i r k: Wie könnte ich ... finde ich eine gute Idee mit dem Anrufen ...
[) i r k: St******** oder so heißt sie.
Hamburger: yepp
Hamburger: Katharina St********
Silentium: Shit!
Hamburger: Shit?
Silentium: 12 St********s im Bereich Leonding.
Silentium: Die alle durchrufen könnte peinlich werden.
Hamburger: Hm, die haben sicher Verständnis, wenn du sie beim Sonntagsfrühstück störst.
Silentium: 12 Familien?
Hamburger: Klar, du rufst an, fragst:
Silentium: "Entschuldigen Sie bitte, haben sie eine Katharina?"
Hamburger: Genau
[) i r k: Das könnte etwas dauern ...
Hamburger: Oder du fängst geheimnisvoll an:
Hamburger: "Wissen Sie was ein Poetry-Chat ist?"
Hamburger: "Nein? Also dann hören Sie mal zu. Das geht so..."
Hamburger: (dann umfangreiche Erläuterung)
[) i r k: Dann sitzen wir nächste Woche noch hier.
Hamburger: Dann die Frage: "Und haben Sie eine Tochter?"
Hamburger: "Nicht? Schade, aber immerhin haben Sie was gelernt."
Hamburger: "Schließlich sind auch sie ein gesellschaftlicher Multiplikator. Wiedersehen!"
Silentium: Das kannst aber dann du machen.
[) i r k: Ich glaube, Silly ruft wirklich an …
Silentium: Ich denke ja nicht dran!
Hamburger: Wieso nicht? Das sind doch deine geliebten Landsleute
Hamburger: und du hast so eine natürliche, einmalige Art.
Hamburger: *schmeichel*
[) i r k: Wie lange wollen wir noch warten, ansonsten legen wir allein los, würde ich sagen ...
Hamburger: Nein!
Hamburger: Ich schlage vor:
[) i r k: Grrrrrrrrrrr
Hamburger: Wir warten noch ein bisschen, bis 11 Uhr 30
[) i r k: Ich habe doch gefragt: Wie lange wollen wir noch warten!?
[) i r k: 11:30 ist okay
Hamburger: Und wenn sie dann nicht da ist, übernimmt jeder 4 Anrufe
Hamburger: Und zwar mit der simplen Frage: "Könnte ich bitte Katharina sprechen?"
Hamburger: Ich meine, das ist ja wohl nicht so schwer und ich will mög dabei haben.
Silentium: Sag mal, weißt du wie GRANTIG alte Österreicher reagieren,
Silentium: wenn man früh bei ihnen anruft? Oder anklopft?
Hamburger: Nö, weiß ich nicht Silly, aber ich hör die ja dann nie wieder.
Silentium: Oder zu spät anruft?
Hamburger: Ach, das is mir egal.
Silentium: Ich bin mal bei der Polizei gemeldet worden,
Silentium: weil ich um 9 Uhr Abends noch bei einem
Silentium: solch älteren Baujahr geläutet hatte.
[) i r k: Du Verbrecherin!
Silentium: Lange, peinliche Geschichte.
Hamburger: Und? Knast? Geldstrafe? Verwarnung?
Silentium: Und Leonding ist eben ein Kuhkaff.
Silentium: Nein. Die Polizisten haben sich halb tot gelacht,
Silentium: weil die Alte Frau Matzal eh ortsbekannt ist.
Silentium: Nur mir und meiner Tante war sie nicht bekannt.
[) i r k: Aber die stehen doch bestimmt schon um 5 Uhr auf!
Silentium: Ja, eh, und darum wollte sie früh schlafen gehen.
Hamburger: Also halb zwölf sind die da ja wohl wach …
Silentium: Und weil meine Tante eher dunkle Haut hat
Silentium: und 'ne Arabisch geformte Nase, da dachte sie,
Silentium: wir sind zwei Zigeuner, die ihr was klauen wollen.
Hamburger: Ehrlich, es können ja tausend Sachen sein:
Hamburger: PC läuft nicht
Hamburger: Internet-Explorer geht nicht, wasweißich,
Hamburger: da würde ich jetzt ungern zu Dritt anfangen.
Silentium: Ich auch.
[) i r k: Ich weiß trotzdem nicht, ob das mit dem Hinterhertelefonieren eine so gute Idee ist.
[) i r k: Ich will das eigentlich nicht.
Silentium: Ich auch nicht.
Hamburger: Warum nicht?
[) i r k: Nicht, weil ich mir das nicht traue,
[) i r k: sondern weil ich keine Lust habe, jemanden hinterherzulaufen.
Silentium: Das kann wer SO schnell in den falschen Hals kriegen.
Silentium: Weil der Sonntag den Österreichern heilig ist.
Silentium: Glaub mir, ich weiß das.
Hamburger: Aber was macht das dann? Dann ist irgendwer,
Hamburger: den du nicht kennst, sauer auf dich, Silly?
Silentium: Ich bin ein höflicher Mensch.
Silentium: Sagt mal, haben wir noch irgendwelche Anhaltspunkte?
Silentium: Hat sie irgendwann man den Namen ihrer Eltern erwähnt?
Hamburger: Du bist eher ein bissel feig, sorry!
Silentium: Ja, ich bin feig,
Silentium: ein gebranntes Kind.
Silentium: Außerdem wart ich grad gespannt, ob meine GW-Lehrerin mich tötet
Silentium: wenn sei den Maturazeitungsartikel über sich selbst liest.
Silentium: Also will ich nicht unbedingt noch mehr Leute verärgern.
Silentium: Immer einen Kleinkrieg zu seiner Zeit.
Silentium: Ähm... wo waren wir?
Silentium: Abgesehen von meiner Telefonphobie?
Silentium: Wartet mal... vielleicht...
Hamburger: Vielleicht?
[) i r k: Ich hab mög gerade eine kurze Mail geschickt!
[) i r k: Warum müssen diese Poetry-Chats immer so chaotisch anfangen?
[) i r k: Ist das irgendwie ein Naturgesetz?
Hamburger: Ja, das sagte ich doch schon zu Beginn, bevor Sarah kam.
Hamburger: Das wird immer so sein
Hamburger: Wir sollten gar nichts mehr planen:
Hamburger: Welcher Raum und so … ist eh sinnlos!
Silentium: 's Leben ist hart.
[) i r k: Eines der härtesten.
Hamburger: Max hätte jetzt den perfekten Kommentar dafür gehabt:
Hamburger: "Das doof!"
[) i r k: Die Leute in Afrika haben gar keine Ahnung,
[) i r k: wie hart das Leben in Good Old Europe so is!
Silentium: Stimmt.
Hamburger: Genau, wenn wüssten mit welchen Zivilisationskrankheiten
Hamburger: wir uns rumschlagen müssen
Silentium: Stellt dir vor, du gehst zu einem Aidskranken in seinen letzten Zügen,
Silentium: tätschelst ihm die Hand und sagst:
Silentium: "At least, Buddy, now God will keep you save from poetry chats!"
[) i r k: Das wird ihn sicher sehr trösten!
Silentium: Ungeheuer.
Hamburger: Au, der ist bitter.
Silentium: Ich weiß.
Hamburger: Überhaupt eine tolle Idee einem Toten auf dem Sterbebett
Hamburger: die Vorteile seines baldigen Dahinscheidens zu erläutern
Hamburger: "Denken Sie an den ganzen Ärger, den sie in ihrem Leben hatten."
Silentium: Einem Toten erläuterst du gar nichts mehr.
Hamburger: Sorry, einem Sterbenden
Hamburger: "Nie wieder Stress mit der Familie!"
Hamburger: "Und immer diese Politiker!"
Hamburger: "Sie sind wahrlich bald erlöst!"
Silentium: Und der war jetzt nicht fies?
Hamburger: Doch natürlich, ich hatte das "Au, der ist bitter" auch positiv gemeint
Hamburger: Schön bitter.
[) i r k: Es ist halb durch… es ist ärgerlich, aber
[) i r k: "Wollen wir anfangen?
[) i r k: Ich habe keine Lust mehr zu warten
Hamburger: Wirklich anfangen - ohne mög?
Hamburger: Obwohl irgendwas mit dem PC oder so sein könnte?
Silentium: Ich hab grad versucht per Internetrecherche
Silentium: die Telefonnummern ein bisserl einzuschränken,
Silentium: aber das haut nicht so hin, wie ich will.
Hamburger: Schade
Silentium: Drei hab ich aussortieren können.
Hamburger: Wie das?
Silentium: Weil die schon so nah an Linz liegen,
Silentium: dass sie nicht mehr diese rurale Umgebung haben
Silentium: die sie in ihren Kurzgeschichten beschreibt.
[) i r k: Was machen wir jetzt? Chaten oder Hinterhertelefonieren?
[) i r k: Bitte um Abstimmung!
Hamburger: Ich bin für Hinterhertelefonieren?
Hamburger: Ich meine: ich bin für Hinterhertelefonieren!
[) i r k: Ich bin dagegen!
Silentium: Ich auch.
[) i r k: Okay, dann lasst uns anfangen!
Hamburger:
[) i r k: Mirko, bitte akzeptier jetzt unsere Abstimmung und lass uns anfangen.
Hamburger: Na gut.
Silentium: Mei, sind wir ein Chaotenhaufen.
Silentium: Vielleicht taucht sie ja noch auf.
Silentium: Dann sagen wir ihr einfach, was passiert ist bis dahin.
[) i r k: Silly, wer von uns beiden soll moderieren?
Silentium: Magst du?
[) i r k: Okay
Silentium: Weil's ja deine Ede is.
Silentium: Ist dir eigentlich aufgefallen,
Silentium: wie sehr wir uns alle bemüht haben,
Silentium: keine gemeinen Witze zu reißen?
Silentium: Obwohls soooo verlockend war?
Hamburger: Gemeinen Witze?
[) i r k: Welche gemeinen Witze???
Silentium: Ach, vergesst es.
Silentium: Fangen wir an!
Hamburger: Nee, das will ich jetzt wissen!
[) i r k: Denk dran, das steht hinterher alles im Protokoll ...
Hamburger: Na so steht ne Andeutung im Protokoll.
Silentium: Ich mache mich sonst immer grundsätzlich
Silentium: über Liebespaare in meiner Umgebung lustig.
Silentium: Und bei Dirk und Ede hab ich mich echt zusammengerissen.
Hamburger: Ach so – in Wien?
Silentium: Das mein ich.
Silentium: Naja, Wien... da hat sie ihn ja dauernd gehaut,
Silentium: da war er eh schon arm genug, nicht wahr?
Hamburger: Stimmt, vor allem, weil ihn ja noch jemand gehaut hat.
Silentium: Aber nur einmal.
Silentium: Und da hatte er's verdient.
Hamburger: Aber feste!
[) i r k: Okay, Silly, ich weiß deine Zurückhaltung sehr zu schätzen!
Silentium: Ich recherchier im Hintergrund grad mög
Silentium: und es ist zum aus der Haut fahren.
[) i r k: Lass es jetzt sein Silly ... bitte
Hamburger: Und was sagt die Recherche?
Silentium: Sie hat haufenweise regionale Preise gewonnen
Silentium: und ist in etlichen Foren vertreten.
Hamburger: Was ist daran schlimm?
Silentium: Aber ihre Eltern werden nicht erwähnt. Das mein ich.
Hamburger: Ach so.
[) i r k: Lass uns jetzt auf das Gedicht konzentrieren.
Silentium: Okay, gehen wir zum Gedicht,
Silentium: weil der Diktator schon so arm klingt.
[) i r k: Zuerst hätte ich gern von jedem einen ersten "Eindruck" vom Gedicht.
[) i r k: Unkommentiert von den anderen, wobei ihr auch
[) i r k: schon Fragen und ersten Interpretationsansätze einbringen könnt.
[) i r k: Du fängst an, Sarah.
Silentium: Oookay...
[) i r k: "Hausbesuch" heißt das Gedicht
Silentium: Echt?
Silentium: Gut, dass du das sagst.
Silentium: Ich dachte, wir interpretieren hier die Todesfuge!
Silentium: Also damals, als Ede "Hausbesuch" gepostet hat,
Silentium: hab ich schon gesagt,
Silentium: dass es mich vor allem an eine Kindheitserinnerung
Silentium: "erinnert" hätt' ich jetzt fast gesagt, aber
Silentium: an eine "Erinnerung erinnern" is ja deppert.
[) i r k: Hab ich gelesen!
Silentium: Ähm... dann muss ich's ja nicht noch mal erzählen.
[) i r k: Hm, ich weiß nicht, ob's Mirko auch gelesen hat!
Silentium: Also für mich hat es irgendwie ein bisschen was unwirkliches,
Silentium: so, als würde ein kleines Wesen aus dem Zwielicht
Silentium: so was Gollummäßiges –
Hamburger: Moment mal, eine Anmerkung:
Hamburger: Bitte nicht unterbrechen, Dirk!
Hamburger: Es hieß: unkommentiert von den anderen.
Hamburger: Silly darf jetzt, bis Silly fertig ist.
[) i r k: Stimmt, du hast Recht
Hamburger: Entschuldigung für die Unterbrechung
[) i r k: Okay, ich bin ruhig
[) i r k: Mög ist online!
Silentium: Yeha!
Hamburger: Wow, eine gute Nachricht!
Silentium: Prima, dann kann ich ja kurz verschwinden und mir Tempo holen.
[) i r k: Sie hat verschlafen.
Hamburger:
Chat System: Gast71808 betritt Lobby.
Hamburger: Hi mög
[) i r k: Hey!
Gast71808: Hi, spät aber doch!
Gast71808: Tut mir Leid für die Verspätung.
[) i r k: Langschläferin!
Hamburger: Samstagabend-keine-Party-Auslasserin!
Silentium: Wär mir heut auch fast passiert.
Silentium: Verschlafen, mein ich.
[) i r k: Du hast noch nicht viel verpasst
[) i r k: Wir wollten gerade anfangen!
Silentium: Lös mal das Rätsel:
Silentium: Wir haben überlegt, ob wir dich anrufen sollen,
Silentium: aber der Herold listet 12 St********s in Leonding
Silentium: und wir wussten die Vornamen deiner Eltern nicht
Silentium: und zwölf Leute Sonntagvormittags anrufen kam uns
Silentium: ein bissi komisch vor.
Hamburger: Den Beiden! Ich wollte es tun!
Silentium: Stimmt.
Gast71808: Hätt auch nichts gebracht, bin grad in Graz.
Gast71808: Hätt sich auch nicht ausgezahlt wegen mir.
Silentium: Siehst du, Ham, wäre total in die Hose gegangen!
Hamburger: Na und? Wär trotzdem lustig gewesen.
Silentium: Du hast eine perverse Vorstellung von Spaß.
Hamburger: Hätte dich auch im Knast besucht, Silly, wenn sie dich
Hamburger: als Wiederholungstäterin gemeldet hätten.
Gast71808: Meine Verwandtschaft hätt sich gefreut.
Silentium: Sind die ALLE mit dir Verwandt?
[) i r k: Ähm, wenn du auf "Benutzer" und dann auf "Namen" klickst,
[) i r k: kannst du einen Nickname festlegen ...
[) i r k: Ihr seid sowieso alle Verbrecher, das ist doch eh klar!
Hamburger: Ihr? Du nicht?
[) i r k: Nein, ich bin Dirktator – das heißt, ich habe das Recht auf meiner Seite.
Silentium: Klar, er will mal wieder ne Extrawurst.
Hamburger: Wie kann ER den Begriff "RECHT" verwenden?
Silentium: Mirko und ich sind illegal,
Silentium: aber er, der große Dirktator,
Silentium: der darf natürlich alles.
Chat System: Benutzer Gast71808 heißt ab sofort mög
Hamburger: Ein weiteres Mal würde sich Kant im Grabe umdrehen.
Hamburger: Hobbes würde aber vielleicht applaudieren
Silentium: Zu Dirkis, dem Tyrannen, schlich
Silentium: Mirkon, die Tasten im Gewande
[) i r k: :rofl:
Hamburger: Die Silly, den Dolch im Gewande
Silentium: "Was willst du mit den Tasten, sprich!"
Silentium: fragt ihn gelblich der Wüterich.
Silentium: "Das Netz vom Dirktator befreien!"
Hamburger: Was willst du mit dem Dolche sprich
Hamburger: "Diesmal bleibt's nicht bei einem Schlag, verstehst du mich?"
Hamburger:
Silentium: "Das sollst im Chate du bereuen."
[) i r k: Das ist gut ...
Silentium: Nicht bei einem Schlag?
Silentium: Hast du Dirk schon mal gehaut?
[) i r k: So, jetzt sind wir ja startklar!
mög: Na ja, ich hoffe, die Aggressionen, die sich hier Bahn brechen,
mög: sind nicht meine Schuld. Tyrannen, Mord, ts.
Silentium: Nö, wieso? Das ist doch für uns schon ganz gutes Klima?
Hamburger: Nein, in meiner Version schleichst doch DU zu Dirkis!
Silentium: Aber du klingst, als würdest du aus Erfahrung sprechen.
[) i r k: Liebe Tyrannenmörder und Bändiger! Attentione!
mög: Ich les einfach mal ne weile friedlich mit und klink mich dann ein.
Hamburger: Ich hab ihn einmal geschubst, aber nur gaaaaaaaaaaaaaanz leicht
Hamburger: Sanft
Hamburger: Geradezu sachte
Silentium: und er ist in der Wand gepickt?
[) i r k: Er hat mich mal geschubst, aber da waren wir noch keine Freunde
Hamburger: Genau, das war in der Feindeszeit
[) i r k: Der Ost- Westkonflikt!
Hamburger: In der Wand gepickt?
Silentium: An der Wand geklebt.
Silentium: Stell ich mir witzig vor.
Hamburger: Nein, ich hab ihn ja kaum berührt.
[) i r k: Leute, kommen wir zu dem Gedicht!
Hamburger: Also, Dirkis, erkläre mög, wie so ein Poetry-Chat abläuft!
[) i r k: Okay, mög, wir machen zuerst eine Runde, bei der jeder
[) i r k: ... unkommentiert von den anderen ...
[) i r k: seine ersten Eindrücke zu dem Gedicht schildern kann.
[) i r k: Oder Fragen oder erste Interpretationsideen, Probleme, ganz nach Belieben
mög: Bevor wir starten, noch mal zur Absicherung:
mög: Das, worum es geht, heißt "Überlastungserscheinungen"?
mög: Das ist nämlich gekommen, als ich in der Suche "Hausbesuch" eingegeben hab.
Hamburger: Nein, es geht um "Hausbesuch".
mög: Oje.
Hamburger: Gib mal "doppelweltlerin" ein!
Hamburger: Ähm, hast du dich jetzt auf "überlastungserscheinungen" vorbereitet?
mög: Dann bring ich euch ja momentan genau gar nix,
mög: zu dem hab ich mir nämlich noch nichts überlegt.
Hamburger: Also so richtig viel vorbereitet?
mög: Nein, so richtig viel vorbereitet auch wieder nicht.
mög: Aber immerhin ein bisschen mehr als beim anderen.
Hamburger: Egal, dann such dir das Gedicht bei O livro raus
Hamburger: und lies es und du bist dann am Besten die Letzte
Hamburger: die ihren ersten Eindruck schildert
mög: Ja, hab's schon gefunden.
Hamburger: Dann hast du noch etwas Zeit dich einzufuchsen
[04.12.2005 10:48] SESSION START
Chat System sagt zu dir: Hallo Gast71546!
Chat System sagt zu dir: Du bist in Lobby
Chat System sagt zu dir: Super-Operator Status aktiviert.
Chat System sagt zu dir: Reservierter Name gefunden. Passwort OK.
Chat System sagt zu dir: Du, allzeit bekannt als Gast71546, wirst fortan
auf den Namen [) i r k hören.
[) i r k: Moin
[) i r k: Hallo Mirko!
[) i r k: Mirko ... bist du da?
Hamburger: Morgen, hab gerade telefoniert
Hamburger: und bei Wikipedia nach Mondphasen geguckt.
[) i r k: Wie geht's? Ausgeschlafen?
[) i r k: Nach Mondphasen?
Hamburger: Ne, war gestern beim Hallenturnier,
Hamburger: seit Ewigkeiten mal wieder eins gespielt.
Hamburger: Bin ziemlich fertig.
[) i r k: Und wie war das Turnier? Wie weit seid ihr gekommen?
Hamburger: Es war eine 8er-Gruppe, jeder 7 Spiele, jeder gegen jeden.
Hamburger: Wir haben 4 gewonnen und 3 verloren.
Hamburger: 3. Platz
[) i r k: Das ist gut
Hamburger: Ja, find ich auch. Nur jetzt tut mir alles weh.
[) i r k: Aber den Poetry-Chat schaffst du trotzdem noch, oder?
Hamburger: Ja, wird schon
Hamburger: Wie geht's dir?
[) i r k: Mir geht's prima
[) i r k: Hab gestern meine Eltern und meinen Bruder gesehen
[) i r k: Und meine Mutti hat mir ein Fresspaket mitgebracht
[) i r k: Mit selbstgebackenen Keksen,
[) i r k: Äpfeln aus dem eigenen Garten
[) i r k: und echter Ossi-Wurst.
Hamburger: Cool.
[) i r k: Damit der Junge nicht verhungert.
Hamburger: Das kenn ich.
[) i r k: Süß diese Mütter!
[) i r k: Glaubt immer noch, dass sich ihr bald 30jähriger Sohn nicht selbst versorgen kann!
Hamburger: Das hängt nicht vom Alter ab - auch wenn du 55 bist wird das so sein.
Hamburger: Das sind Mütter!
[) i r k: Und freust du dich aufs nächste Wochenende?
Hamburger: Aufs nächste Wochenende freue ich mich sehr
Hamburger: Besonders auf die Fahrt mit Made und Rike
[) i r k: Sarah ist bei MSN online, Moment.
[) i r k: Komisch.
[) i r k: Ich weiß nicht, ob sie meine Nachricht erhalten hat.
[) i r k: War auf einmal wieder wech.
Hamburger: Na ja, das sind die traditionellen Schwierigkeiten beim Poetry-Chat.
Hamburger: Würde mich wundern, wenn's diesmal anders läuft.
[) i r k: Jupp, irgendwie ist so ein Poetry-Chat-Anfang sowieso immer chaotisch!
Chat System: Gast71617 betritt Lobby.
[) i r k: Hallo, wen haben wir denn da?
[) i r k: Sarah bist du das?
Gast71617: Jepp
Gast71617: Moment, ich muss das mit dem Namen noch ...
Hamburger: Morgen Sarah
Chat System: Benutzer Gast71617 heißt ab sofort Silentium
Silentium: Jetzt funktioniert's.
Hamburger: Sehr schön, wenn das bei mög jetzt noch klappt, wäre es ein Wunder.
Silentium: Dann ist es wahrscheinlich nicht mög,
Silentium: sondern ein Alien, dass ihren Platz eingenommen hat.
[) i r k: Nun, Wunder gibt es immer wieder.
[) i r k: Alter Schlager, glaube ich ...
Hamburger: Dieser Schlager wurde gespielt,
Hamburger: als Pauli Bayern 2:1 schlug, direkt nach dem Spiel.
Hamburger: Tolles Lied von Katja Ebstein.
Silentium: Komm gleich wieder, die Katze will raus.
[) i r k: In "Broken Flowers" gab es auch eine Frau, die mit Katzen reden konnte.
Silentium: Sooo... Vieh draußen.
Hamburger: "Vieh"?
Hamburger: Schäm dich!
[) i r k: Und die Katze meinte zu Bill Murray, "er führe was im Schilde".
Silentium: Liebes Vieh.
Silentium: Dirk, du musst mir noch gach eine Garantie geben.
Silentium: Ich bin hier an einem Ordinationscomputer
Silentium: und da ist Papa ein bissi heikel.
Silentium: Also dieser Chat ist definitiv eine gaaaanz sichere Sache
Silentium: so dass nicht auf einmal tausende Patientendaten futsch sind?
[) i r k: Ähm, natürlich! Da passiert nix! Versprochen!
Silentium: Ich beruf mich dann auf dich.
[) i r k: Mach das!
[) i r k: Das ist nur ein HTML-Chat meine Wissens.
Hamburger: Einige Daten bleiben erhalten,
Hamburger: nicht alle werden am Schluss futsch sein!
Silentium: :-p
[) i r k: Tja, ich bin weiter bei MSN online, aber ... noch nix.
Silentium: Das MSN ist eh glück für mich, dass das momentan nicht geht
Hamburger: Wieso?
Silentium: Nämlich das dürfte ich an einem Ordicomputer echt nicht installieren
Silentium: und der meiner Brüder tut momentan so:
Silentium: "Internet, kenn ich nicht, was ist denn das?"
Silentium: Miststück, elendes.
Hamburger: Ah, die traditionelle Bruderschelte.
Silentium: Also hat MSN mich davor bewahrt, wieder mal auszuflippen.
Silentium: Ja, die Kröten haben grad wieder irgendein Mafiaspielchen installiert,
Silentium: wo sie zwar der große Don sind,
Silentium: aber dem alten Kasten tuts nicht gut.
[) i r k: Du und deine Brüder,
[) i r k: vielleicht solltest du mal ein Buch über deine Brüder schreiben, wenn du ausgezogen bist ...
Silentium: Hab ich vor...
Silentium: Mit Altersbeschränkung.
Silentium: Wegen der vielen unanständigen Wörter, die vorkommen müssen.
[) i r k: 50 böse Geschichten über deine Family
Silentium: Jo ist ja momentan gaaanz lustig drauf
Silentium: und will die Damen seiner Klasse anbraten,
[) i r k: Was will er?
Silentium: eher anbacken, weil er doch neulich glatt
Silentium: einen selbstgemachten Mohn-Birnen-Kuchen mitgebracht hat.
Hamburger: Süß
Silentium: Und auf positive Resonanz gehofft hat,
Silentium: vor allem seitens einer gewissen Marlene...
Silentium: aber das gibt er natürlich nicht zu –
Silentium: Weil er eh weiß, dass diese Marlene ne hohle Nuss ist,
Hamburger: die aber leider eine Mohn-Birnen-Kuchen-Allergie hat?
Silentium: Allergie nicht, aber OBERweite.
Silentium: In Großbuchstaben.
[) i r k: Ist "anbraten" ein Ausdruck bei euch für "anbaggern"?
Silentium: Habt ihr den Ausdruck nicht?
Hamburger: Nö, aber ich find den Ausdruck cool.
[) i r k: Made ist online
[) i r k: Und Michael auch
[) i r k: Großes O livro Treffen
Hamburger: Und mög nicht
[) i r k: Not yet
Silentium: Notfalls holen wir eben Made und Razor dazu.
Silentium: Die würden schauen. So in die Richtung:
Silentium: "Erinnerst du dich, da gab's mal dieses Gedicht,
Silentium: sag mal schnell was dazu!"
Hamburger: Bitte einen halbstündigen Interpretationsinput
Hamburger: Hey, das ist ein schönes Wort: Interpretationsinput
Silentium: Wär das nicht eher ein Interpretationsoutput?
Hamburger: Nein, weil es ein Input in unsere Gruppe wäre,
Hamburger: in ein anderes System.
Hamburger: Ein Input für uns, aus unserer Sicht.
[) i r k: Sag mal Mirko, wie hast du es eigentlich geschafft,
[) i r k: dich in diesem Chat gleich zum Operator hoch zu schwingen?
[) i r k: Habe gerade gesehen, dass ein @ vor deinem Nick hast
Silentium: Von vornherein machtgeile Tendenzen, das hat der Chat gespürt.
Hamburger: Wieso, du hast zwei @
[) i r k: Ich bin ja auch der Dirktator
Hamburger: Und machtgeil? Ich? Niemals
Silentium: Wer redet denn dauernd vom Putsch?
Hamburger: Du!
Silentium: Tsssss...
[) i r k: So mögilein, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt ... Viertel nach.
Hamburger: Haben wir die Telefonnummer von mög?
[) i r k: Ich habe keine Nr. von ihr
[) i r k: Ich guck noch mal ins Postfach und ins Forum.
Silentium: Ich auch nicht.
Silentium: Allerdings ist sie Leondingerin, oder?
Silentium: Das heißt, ich könnte einfach im Telefonbuch nachschauen.
Hamburger: warten wir noch ein paar Minuten und dann schau ruhig mal nach.
[) i r k: Nix
Hamburger: Wieso "nix"?
[) i r k: Keine KN, keine Mail, meine ich.
Hamburger: Ach so, ich dachte schon du verbietest Silly sie anzurufen
[) i r k: Wie könnte ich ... finde ich eine gute Idee mit dem Anrufen ...
[) i r k: St******** oder so heißt sie.
Hamburger: yepp
Hamburger: Katharina St********
Silentium: Shit!
Hamburger: Shit?
Silentium: 12 St********s im Bereich Leonding.
Silentium: Die alle durchrufen könnte peinlich werden.
Hamburger: Hm, die haben sicher Verständnis, wenn du sie beim Sonntagsfrühstück störst.
Silentium: 12 Familien?
Hamburger: Klar, du rufst an, fragst:
Silentium: "Entschuldigen Sie bitte, haben sie eine Katharina?"
Hamburger: Genau
[) i r k: Das könnte etwas dauern ...
Hamburger: Oder du fängst geheimnisvoll an:
Hamburger: "Wissen Sie was ein Poetry-Chat ist?"
Hamburger: "Nein? Also dann hören Sie mal zu. Das geht so..."
Hamburger: (dann umfangreiche Erläuterung)
[) i r k: Dann sitzen wir nächste Woche noch hier.
Hamburger: Dann die Frage: "Und haben Sie eine Tochter?"
Hamburger: "Nicht? Schade, aber immerhin haben Sie was gelernt."
Hamburger: "Schließlich sind auch sie ein gesellschaftlicher Multiplikator. Wiedersehen!"
Silentium: Das kannst aber dann du machen.
[) i r k: Ich glaube, Silly ruft wirklich an …
Silentium: Ich denke ja nicht dran!
Hamburger: Wieso nicht? Das sind doch deine geliebten Landsleute
Hamburger: und du hast so eine natürliche, einmalige Art.
Hamburger: *schmeichel*
[) i r k: Wie lange wollen wir noch warten, ansonsten legen wir allein los, würde ich sagen ...
Hamburger: Nein!
Hamburger: Ich schlage vor:
[) i r k: Grrrrrrrrrrr
Hamburger: Wir warten noch ein bisschen, bis 11 Uhr 30
[) i r k: Ich habe doch gefragt: Wie lange wollen wir noch warten!?
[) i r k: 11:30 ist okay
Hamburger: Und wenn sie dann nicht da ist, übernimmt jeder 4 Anrufe
Hamburger: Und zwar mit der simplen Frage: "Könnte ich bitte Katharina sprechen?"
Hamburger: Ich meine, das ist ja wohl nicht so schwer und ich will mög dabei haben.
Silentium: Sag mal, weißt du wie GRANTIG alte Österreicher reagieren,
Silentium: wenn man früh bei ihnen anruft? Oder anklopft?
Hamburger: Nö, weiß ich nicht Silly, aber ich hör die ja dann nie wieder.
Silentium: Oder zu spät anruft?
Hamburger: Ach, das is mir egal.
Silentium: Ich bin mal bei der Polizei gemeldet worden,
Silentium: weil ich um 9 Uhr Abends noch bei einem
Silentium: solch älteren Baujahr geläutet hatte.
[) i r k: Du Verbrecherin!
Silentium: Lange, peinliche Geschichte.
Hamburger: Und? Knast? Geldstrafe? Verwarnung?
Silentium: Und Leonding ist eben ein Kuhkaff.
Silentium: Nein. Die Polizisten haben sich halb tot gelacht,
Silentium: weil die Alte Frau Matzal eh ortsbekannt ist.
Silentium: Nur mir und meiner Tante war sie nicht bekannt.
[) i r k: Aber die stehen doch bestimmt schon um 5 Uhr auf!
Silentium: Ja, eh, und darum wollte sie früh schlafen gehen.
Hamburger: Also halb zwölf sind die da ja wohl wach …
Silentium: Und weil meine Tante eher dunkle Haut hat
Silentium: und 'ne Arabisch geformte Nase, da dachte sie,
Silentium: wir sind zwei Zigeuner, die ihr was klauen wollen.
Hamburger: Ehrlich, es können ja tausend Sachen sein:
Hamburger: PC läuft nicht
Hamburger: Internet-Explorer geht nicht, wasweißich,
Hamburger: da würde ich jetzt ungern zu Dritt anfangen.
Silentium: Ich auch.
[) i r k: Ich weiß trotzdem nicht, ob das mit dem Hinterhertelefonieren eine so gute Idee ist.
[) i r k: Ich will das eigentlich nicht.
Silentium: Ich auch nicht.
Hamburger: Warum nicht?
[) i r k: Nicht, weil ich mir das nicht traue,
[) i r k: sondern weil ich keine Lust habe, jemanden hinterherzulaufen.
Silentium: Das kann wer SO schnell in den falschen Hals kriegen.
Silentium: Weil der Sonntag den Österreichern heilig ist.
Silentium: Glaub mir, ich weiß das.
Hamburger: Aber was macht das dann? Dann ist irgendwer,
Hamburger: den du nicht kennst, sauer auf dich, Silly?
Silentium: Ich bin ein höflicher Mensch.
Silentium: Sagt mal, haben wir noch irgendwelche Anhaltspunkte?
Silentium: Hat sie irgendwann man den Namen ihrer Eltern erwähnt?
Hamburger: Du bist eher ein bissel feig, sorry!
Silentium: Ja, ich bin feig,
Silentium: ein gebranntes Kind.
Silentium: Außerdem wart ich grad gespannt, ob meine GW-Lehrerin mich tötet
Silentium: wenn sei den Maturazeitungsartikel über sich selbst liest.
Silentium: Also will ich nicht unbedingt noch mehr Leute verärgern.
Silentium: Immer einen Kleinkrieg zu seiner Zeit.
Silentium: Ähm... wo waren wir?
Silentium: Abgesehen von meiner Telefonphobie?
Silentium: Wartet mal... vielleicht...
Hamburger: Vielleicht?
[) i r k: Ich hab mög gerade eine kurze Mail geschickt!
[) i r k: Warum müssen diese Poetry-Chats immer so chaotisch anfangen?
[) i r k: Ist das irgendwie ein Naturgesetz?
Hamburger: Ja, das sagte ich doch schon zu Beginn, bevor Sarah kam.
Hamburger: Das wird immer so sein
Hamburger: Wir sollten gar nichts mehr planen:
Hamburger: Welcher Raum und so … ist eh sinnlos!
Silentium: 's Leben ist hart.
[) i r k: Eines der härtesten.
Hamburger: Max hätte jetzt den perfekten Kommentar dafür gehabt:
Hamburger: "Das doof!"
[) i r k: Die Leute in Afrika haben gar keine Ahnung,
[) i r k: wie hart das Leben in Good Old Europe so is!
Silentium: Stimmt.
Hamburger: Genau, wenn wüssten mit welchen Zivilisationskrankheiten
Hamburger: wir uns rumschlagen müssen
Silentium: Stellt dir vor, du gehst zu einem Aidskranken in seinen letzten Zügen,
Silentium: tätschelst ihm die Hand und sagst:
Silentium: "At least, Buddy, now God will keep you save from poetry chats!"
[) i r k: Das wird ihn sicher sehr trösten!
Silentium: Ungeheuer.
Hamburger: Au, der ist bitter.
Silentium: Ich weiß.
Hamburger: Überhaupt eine tolle Idee einem Toten auf dem Sterbebett
Hamburger: die Vorteile seines baldigen Dahinscheidens zu erläutern
Hamburger: "Denken Sie an den ganzen Ärger, den sie in ihrem Leben hatten."
Silentium: Einem Toten erläuterst du gar nichts mehr.
Hamburger: Sorry, einem Sterbenden
Hamburger: "Nie wieder Stress mit der Familie!"
Hamburger: "Und immer diese Politiker!"
Hamburger: "Sie sind wahrlich bald erlöst!"
Silentium: Und der war jetzt nicht fies?
Hamburger: Doch natürlich, ich hatte das "Au, der ist bitter" auch positiv gemeint
Hamburger: Schön bitter.
[) i r k: Es ist halb durch… es ist ärgerlich, aber
[) i r k: "Wollen wir anfangen?
[) i r k: Ich habe keine Lust mehr zu warten
Hamburger: Wirklich anfangen - ohne mög?
Hamburger: Obwohl irgendwas mit dem PC oder so sein könnte?
Silentium: Ich hab grad versucht per Internetrecherche
Silentium: die Telefonnummern ein bisserl einzuschränken,
Silentium: aber das haut nicht so hin, wie ich will.
Hamburger: Schade
Silentium: Drei hab ich aussortieren können.
Hamburger: Wie das?
Silentium: Weil die schon so nah an Linz liegen,
Silentium: dass sie nicht mehr diese rurale Umgebung haben
Silentium: die sie in ihren Kurzgeschichten beschreibt.
[) i r k: Was machen wir jetzt? Chaten oder Hinterhertelefonieren?
[) i r k: Bitte um Abstimmung!
Hamburger: Ich bin für Hinterhertelefonieren?
Hamburger: Ich meine: ich bin für Hinterhertelefonieren!
[) i r k: Ich bin dagegen!
Silentium: Ich auch.
[) i r k: Okay, dann lasst uns anfangen!
Hamburger:
[) i r k: Mirko, bitte akzeptier jetzt unsere Abstimmung und lass uns anfangen.
Hamburger: Na gut.
Silentium: Mei, sind wir ein Chaotenhaufen.
Silentium: Vielleicht taucht sie ja noch auf.
Silentium: Dann sagen wir ihr einfach, was passiert ist bis dahin.
[) i r k: Silly, wer von uns beiden soll moderieren?
Silentium: Magst du?
[) i r k: Okay
Silentium: Weil's ja deine Ede is.
Silentium: Ist dir eigentlich aufgefallen,
Silentium: wie sehr wir uns alle bemüht haben,
Silentium: keine gemeinen Witze zu reißen?
Silentium: Obwohls soooo verlockend war?
Hamburger: Gemeinen Witze?
[) i r k: Welche gemeinen Witze???
Silentium: Ach, vergesst es.
Silentium: Fangen wir an!
Hamburger: Nee, das will ich jetzt wissen!
[) i r k: Denk dran, das steht hinterher alles im Protokoll ...
Hamburger: Na so steht ne Andeutung im Protokoll.
Silentium: Ich mache mich sonst immer grundsätzlich
Silentium: über Liebespaare in meiner Umgebung lustig.
Silentium: Und bei Dirk und Ede hab ich mich echt zusammengerissen.
Hamburger: Ach so – in Wien?
Silentium: Das mein ich.
Silentium: Naja, Wien... da hat sie ihn ja dauernd gehaut,
Silentium: da war er eh schon arm genug, nicht wahr?
Hamburger: Stimmt, vor allem, weil ihn ja noch jemand gehaut hat.
Silentium: Aber nur einmal.
Silentium: Und da hatte er's verdient.
Hamburger: Aber feste!
[) i r k: Okay, Silly, ich weiß deine Zurückhaltung sehr zu schätzen!
Silentium: Ich recherchier im Hintergrund grad mög
Silentium: und es ist zum aus der Haut fahren.
[) i r k: Lass es jetzt sein Silly ... bitte
Hamburger: Und was sagt die Recherche?
Silentium: Sie hat haufenweise regionale Preise gewonnen
Silentium: und ist in etlichen Foren vertreten.
Hamburger: Was ist daran schlimm?
Silentium: Aber ihre Eltern werden nicht erwähnt. Das mein ich.
Hamburger: Ach so.
[) i r k: Lass uns jetzt auf das Gedicht konzentrieren.
Silentium: Okay, gehen wir zum Gedicht,
Silentium: weil der Diktator schon so arm klingt.
[) i r k: Zuerst hätte ich gern von jedem einen ersten "Eindruck" vom Gedicht.
[) i r k: Unkommentiert von den anderen, wobei ihr auch
[) i r k: schon Fragen und ersten Interpretationsansätze einbringen könnt.
[) i r k: Du fängst an, Sarah.
Silentium: Oookay...
[) i r k: "Hausbesuch" heißt das Gedicht
Silentium: Echt?
Silentium: Gut, dass du das sagst.
Silentium: Ich dachte, wir interpretieren hier die Todesfuge!
Silentium: Also damals, als Ede "Hausbesuch" gepostet hat,
Silentium: hab ich schon gesagt,
Silentium: dass es mich vor allem an eine Kindheitserinnerung
Silentium: "erinnert" hätt' ich jetzt fast gesagt, aber
Silentium: an eine "Erinnerung erinnern" is ja deppert.
[) i r k: Hab ich gelesen!
Silentium: Ähm... dann muss ich's ja nicht noch mal erzählen.
[) i r k: Hm, ich weiß nicht, ob's Mirko auch gelesen hat!
Silentium: Also für mich hat es irgendwie ein bisschen was unwirkliches,
Silentium: so, als würde ein kleines Wesen aus dem Zwielicht
Silentium: so was Gollummäßiges –
Hamburger: Moment mal, eine Anmerkung:
Hamburger: Bitte nicht unterbrechen, Dirk!
Hamburger: Es hieß: unkommentiert von den anderen.
Hamburger: Silly darf jetzt, bis Silly fertig ist.
[) i r k: Stimmt, du hast Recht
Hamburger: Entschuldigung für die Unterbrechung
[) i r k: Okay, ich bin ruhig
[) i r k: Mög ist online!
Silentium: Yeha!
Hamburger: Wow, eine gute Nachricht!
Silentium: Prima, dann kann ich ja kurz verschwinden und mir Tempo holen.
[) i r k: Sie hat verschlafen.
Hamburger:
Chat System: Gast71808 betritt Lobby.
Hamburger: Hi mög
[) i r k: Hey!
Gast71808: Hi, spät aber doch!
Gast71808: Tut mir Leid für die Verspätung.
[) i r k: Langschläferin!
Hamburger: Samstagabend-keine-Party-Auslasserin!
Silentium: Wär mir heut auch fast passiert.
Silentium: Verschlafen, mein ich.
[) i r k: Du hast noch nicht viel verpasst
[) i r k: Wir wollten gerade anfangen!
Silentium: Lös mal das Rätsel:
Silentium: Wir haben überlegt, ob wir dich anrufen sollen,
Silentium: aber der Herold listet 12 St********s in Leonding
Silentium: und wir wussten die Vornamen deiner Eltern nicht
Silentium: und zwölf Leute Sonntagvormittags anrufen kam uns
Silentium: ein bissi komisch vor.
Hamburger: Den Beiden! Ich wollte es tun!
Silentium: Stimmt.
Gast71808: Hätt auch nichts gebracht, bin grad in Graz.
Gast71808: Hätt sich auch nicht ausgezahlt wegen mir.
Silentium: Siehst du, Ham, wäre total in die Hose gegangen!
Hamburger: Na und? Wär trotzdem lustig gewesen.
Silentium: Du hast eine perverse Vorstellung von Spaß.
Hamburger: Hätte dich auch im Knast besucht, Silly, wenn sie dich
Hamburger: als Wiederholungstäterin gemeldet hätten.
Gast71808: Meine Verwandtschaft hätt sich gefreut.
Silentium: Sind die ALLE mit dir Verwandt?
[) i r k: Ähm, wenn du auf "Benutzer" und dann auf "Namen" klickst,
[) i r k: kannst du einen Nickname festlegen ...
[) i r k: Ihr seid sowieso alle Verbrecher, das ist doch eh klar!
Hamburger: Ihr? Du nicht?
[) i r k: Nein, ich bin Dirktator – das heißt, ich habe das Recht auf meiner Seite.
Silentium: Klar, er will mal wieder ne Extrawurst.
Hamburger: Wie kann ER den Begriff "RECHT" verwenden?
Silentium: Mirko und ich sind illegal,
Silentium: aber er, der große Dirktator,
Silentium: der darf natürlich alles.
Chat System: Benutzer Gast71808 heißt ab sofort mög
Hamburger: Ein weiteres Mal würde sich Kant im Grabe umdrehen.
Hamburger: Hobbes würde aber vielleicht applaudieren
Silentium: Zu Dirkis, dem Tyrannen, schlich
Silentium: Mirkon, die Tasten im Gewande
[) i r k: :rofl:
Hamburger: Die Silly, den Dolch im Gewande
Silentium: "Was willst du mit den Tasten, sprich!"
Silentium: fragt ihn gelblich der Wüterich.
Silentium: "Das Netz vom Dirktator befreien!"
Hamburger: Was willst du mit dem Dolche sprich
Hamburger: "Diesmal bleibt's nicht bei einem Schlag, verstehst du mich?"
Hamburger:
Silentium: "Das sollst im Chate du bereuen."
[) i r k: Das ist gut ...
Silentium: Nicht bei einem Schlag?
Silentium: Hast du Dirk schon mal gehaut?
[) i r k: So, jetzt sind wir ja startklar!
mög: Na ja, ich hoffe, die Aggressionen, die sich hier Bahn brechen,
mög: sind nicht meine Schuld. Tyrannen, Mord, ts.
Silentium: Nö, wieso? Das ist doch für uns schon ganz gutes Klima?
Hamburger: Nein, in meiner Version schleichst doch DU zu Dirkis!
Silentium: Aber du klingst, als würdest du aus Erfahrung sprechen.
[) i r k: Liebe Tyrannenmörder und Bändiger! Attentione!
mög: Ich les einfach mal ne weile friedlich mit und klink mich dann ein.
Hamburger: Ich hab ihn einmal geschubst, aber nur gaaaaaaaaaaaaaanz leicht
Hamburger: Sanft
Hamburger: Geradezu sachte
Silentium: und er ist in der Wand gepickt?
[) i r k: Er hat mich mal geschubst, aber da waren wir noch keine Freunde
Hamburger: Genau, das war in der Feindeszeit
[) i r k: Der Ost- Westkonflikt!
Hamburger: In der Wand gepickt?
Silentium: An der Wand geklebt.
Silentium: Stell ich mir witzig vor.
Hamburger: Nein, ich hab ihn ja kaum berührt.
[) i r k: Leute, kommen wir zu dem Gedicht!
Hamburger: Also, Dirkis, erkläre mög, wie so ein Poetry-Chat abläuft!
[) i r k: Okay, mög, wir machen zuerst eine Runde, bei der jeder
[) i r k: ... unkommentiert von den anderen ...
[) i r k: seine ersten Eindrücke zu dem Gedicht schildern kann.
[) i r k: Oder Fragen oder erste Interpretationsideen, Probleme, ganz nach Belieben
mög: Bevor wir starten, noch mal zur Absicherung:
mög: Das, worum es geht, heißt "Überlastungserscheinungen"?
mög: Das ist nämlich gekommen, als ich in der Suche "Hausbesuch" eingegeben hab.
Hamburger: Nein, es geht um "Hausbesuch".
mög: Oje.
Hamburger: Gib mal "doppelweltlerin" ein!
Hamburger: Ähm, hast du dich jetzt auf "überlastungserscheinungen" vorbereitet?
mög: Dann bring ich euch ja momentan genau gar nix,
mög: zu dem hab ich mir nämlich noch nichts überlegt.
Hamburger: Also so richtig viel vorbereitet?
mög: Nein, so richtig viel vorbereitet auch wieder nicht.
mög: Aber immerhin ein bisschen mehr als beim anderen.
Hamburger: Egal, dann such dir das Gedicht bei O livro raus
Hamburger: und lies es und du bist dann am Besten die Letzte
Hamburger: die ihren ersten Eindruck schildert
mög: Ja, hab's schon gefunden.
Hamburger: Dann hast du noch etwas Zeit dich einzufuchsen
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
2. Eine Art Gollum, Eidechse, Schlafwandlerin oder sowas
[) i r k: Okay, Silly, dann leg du doch schon mal los ... wir haben es jetzt 5
nach 12.
Silentium: Dann sind wir ja gut in der Zeit.
Silentium: Also, ich hatte den Eindruck, dass das LI
Silentium: eine Art Gollum oder sowas ist,
Silentium: ein Zwielichtwesen halt.
Silentium: Habt ihr Dracula gelesen?
Hamburger: Nein.
[) i r k: (Ich darf nicht unterbrechen)
Silentium: Schande über dich und deine Familie!
Hamburger: Bäh
Silentium: Auf jeden Fall gibt es da diese Szene, in der
Silentium: Jonathan Harker im Schloss des Grafen aus dem Fenster schaut
Silentium: und im Mondlicht sieht er, wie der nette, höfliche Graf
Silentium: mal eben eine senkrechte Wand entlang krabbelt.
Silentium: So ähnlich klingt's im Gedicht auch.
Silentium: Als sei dass LI eine Mischung zwischen Eidechse und Vampir,
Silentium: irgendwie vom Mondlicht abhängig, wenn man sich die letzten Zeilen anschaut
Silentium: dass des nachts an Hauswänden entlang klettert,
Silentium: Vielleicht hinein will, ohne wirklichen Sinn,
Silentium: ein bisschen sehr unglücklich dabei.
Silentium: Eine Art Wer-Wesen.
Silentium: Und Neumonds, das sagt es ja in der zweiten Strophe
Silentium: da schaut die Fassade noch glatter aus, weil's so dunkel ist,
Silentium: und für das Wesen wird das Klettern noch schwieriger.
Silentium: Okay, klingt bescheuert, geb ich zu.
[) i r k: Die Kategorie "bescheuert" gibts im Poetry-Chat nicht!
Silentium: Belämmert?
Silentium: Deppert?
Silentium: Unlogsich?
Silentium: Was darf ich sagen?
Hamburger: Klärt mal kurz die Kategorie …
mög: Wartet erst mal auf meine Interpretation!
mög: Dann werden sich euch wahrscheinlich
mög: erst die wahren Dimensionen von "bescheuert" erschließen …
Hamburger: Also, was darf Silly jetzt sagen?
[) i r k: Keine Ahnung, aber "bescheuert" nicht
Silentium: Ich darf sagen: Mirko, sag endlich was!
Hamburger: Aaaaaaaaaaaalso, das könnte jetzt etwas länger werden,
Hamburger: was aber nicht heißt, dass es gut ist, aber mir fällt doch ein wenig was ein.
Hamburger: Erstmal ist das so ein typisches Gedicht von Rike,
Hamburger: auf das meine Aussage in Wien zu ihrem Text "2 Brüder" zutrifft.
Hamburger: Ich wusste nach dem ersten Lesen überhaupt nicht, worum's geht,
Hamburger: trotzdem gefiel es mir, irgendwie und ich fand es handwerklich perfekt.
Hamburger: Allerdings hat das Gedicht in mir nichts Besonderes ausgelöst
Hamburger: und ich hätte mich sehr schwer getan, mich damit zu beschäftigen,
Hamburger: ich meine: alleine zu beschäftigen.
Hamburger: Soviel zur Vorrede!
Hamburger: Inhaltlich habe ich das LI als sehr traurig empfunden,
Hamburger: vielleicht auch als ein bisschen verstört,
Hamburger: was ja keine große Interpretationskunst ist,
Hamburger: wenn man den traurigen Smiley sieht, mit dem sie das gepostet hat.
Hamburger: Bei der "doppelweltlerin" habe ich zuerst in Verbindung
Hamburger: mit den Mondphasen an eine Art Schlafwandlerin gedacht.
Hamburger: Allerdings ist diese Interpretation wohl schwach,
Hamburger: denn eine Schlafwandlerin weiß ja nicht, dass sie eine Schlafwandlerin ist,
Hamburger: kann darüber also kein Gedicht schreiben.
Hamburger: Die Abhängigkeit vom Mond in den letzten Zeilen ist unverkennbar
Hamburger: und es scheint eine Abhängigkeit zu sein,
Hamburger: die dem LI überhaupt nicht behagt.
Hamburger: Dafür spricht das "muss".
Hamburger: Um dann noch auf Sillys Interpretation einzugehen,
Hamburger: weil das auch mein erster Gedanke war, dass das LI selbst klettert:
Hamburger: Als ich es das erste Mal las,
Hamburger: war ich da sehr irritiert von den "schwarzbewohnern".
Hamburger: Die "schwarzbewohner" machen Ausflüge
Hamburger: – wer das sein soll, keine Ahnung.
Hamburger: Das brachte mich davon weg, dass das LI selbst die ganze Zeit klettert.
Hamburger: Wenngleich es sich selbst am Schluss als "fensterkletterer" bezeichnet.
Hamburger: Tolle Wortschöpfungen: "kantenglätter" etc. sehr gut
[) i r k: Mög bist du so weit?
mög: Yep.
mög: Bitte bedenkt aber, dass ich nicht sehr viel Zeit hatte,
mög: mir das jetzt zusammen zu reimen.
mög: Also, ich denke: Das LI ist das Haus bzw. der bewusste Teil davon.
mög: Das Haus ist die gesamte Persönlichkeit.
mög: Mit einer Fassade für die "außenaugen"
mög: und den "schwarzbewohnern" für die inneren Abgründe.
mög: Manchmal scheint die Fassade glatt, manchmal wird sie rissig,
mög: der bewusste Teil muss glätten, für die "außenaugen".
mög: Und beide Zustände sind ja irgendwie nicht so wünschenswert,
mög: aber eben zwangsläufig mit dem Mond verbunden.
mög: Und der geht ja blöderweise nicht weg,
mög: weswegen keine Hoffnung besteht, dass es anderes wird.
mög: Das macht dieses Gedicht für mich so traurig.
mög: Ein Verständnisproblem:
mög: Wenn der Mond nie abnimmt, wie kann's dann Neumond werden?
mög: Ich dachte Neumond sei, wenn man überhaupt keinen Mond sieht?
mög: Ist der Widerspruch beabsichtigt?
mög: Die Fassade ist also eigentlich eh nie glatt, sondern immer rissig?
mög: Gut, ergäbe irgendwie Sinn: Wenn die Fassade glatt wäre,
mög: müsste das LI nicht raus und glätten,
mög: könnte drinnen bleiben und müsste keine Doppelweltlerin sein.
mög: Das Ganze ist natürlich atmosphärisch sehr dicht,
mög: mir gefallen auch die Wortschöpfungen sehr gut.
mög: Alles wunderschön verdichtet, wie sich das gehört für ein Gedicht.
mög: So, fertig!
[) i r k: Zuerst möcht ich dir, mög, ein Kompliment machen.
[) i r k: Ich mache mir seit über einem Jahr zu diesem Gedicht meine Gedanken,
[) i r k: denn es ist mein Lieblingsgedicht von Edekire.
[) i r k: Und, wenn dein Interpretationsansatz jetzt wirklich
[) i r k: so aus der Hüfte geschossen ist, ist er umso genialer,
[) i r k: weil er wirklich gut ist und sehr in die Nähe von dem kommt,
[) i r k: was ich zu dem Gedicht denke!
mög: Wow, danke.
[) i r k: Ich glaube auch, dass das Haus die Persönlichkeit des LIs als Ganzes darstellt.
[) i r k: "Doppelweltlerin" bedeutet für mich den Gegensatz der Persönlichkeit von
[) i r k: 1. Wie stelle ich mich nach außen dar,
[) i r k: wie gebe ich mich, welche Rolle spiele ich in der Welt, zu
[) i r k: 2. Wie bin ich wirklich, was geht tief im Innersten (im Haus) in mir vor,
[) i r k: mit all den Dämonen, die es dort gibt:
[) i r k: Traurigkeit, Angst, Ärger, Wut etc. (die "schwarzbewohner")
[) i r k: Und die nur selten nach Außen dringen ... nur, nachts,
[) i r k: wenn es dunkel ist und kein anderes Auge auf das Haus "scheint".
[) i r k: Ich glaube auch, dass der Mond eine Schlüsselrolle in dem Gedicht spielt.
[) i r k: Ein Mond, der nie abnimmt, der auch tags verblasst und unverrückt steht,
[) i r k: das ist kein Mond.
[) i r k: Vielleicht ist es das Auge der anderen, das immer auf uns ruht?
[) i r k: (Aber da bin ich mir noch nicht so sicher.)
[) i r k: Ich habe auf jeden Fall noch viele Fragen zu dem Gedicht ...
[) i r k: Ein sehr schönes Gedicht, ich mag es sprachlich sehr.
[) i r k: Ist, wie ich ja schon sagte, mein Lieblingsgedicht von meiner Freundin!
[) i r k: So, spontane Kommentare?
Silentium: Stimme dir zu, was die vielen Fragen angeht
Silentium: und stimme dir zu, dass es sehr schön ist,
Silentium: extrem schön.
[) i r k: Okay, Silly, dann leg du doch schon mal los ... wir haben es jetzt 5
nach 12.
Silentium: Dann sind wir ja gut in der Zeit.
Silentium: Also, ich hatte den Eindruck, dass das LI
Silentium: eine Art Gollum oder sowas ist,
Silentium: ein Zwielichtwesen halt.
Silentium: Habt ihr Dracula gelesen?
Hamburger: Nein.
[) i r k: (Ich darf nicht unterbrechen)
Silentium: Schande über dich und deine Familie!
Hamburger: Bäh
Silentium: Auf jeden Fall gibt es da diese Szene, in der
Silentium: Jonathan Harker im Schloss des Grafen aus dem Fenster schaut
Silentium: und im Mondlicht sieht er, wie der nette, höfliche Graf
Silentium: mal eben eine senkrechte Wand entlang krabbelt.
Silentium: So ähnlich klingt's im Gedicht auch.
Silentium: Als sei dass LI eine Mischung zwischen Eidechse und Vampir,
Silentium: irgendwie vom Mondlicht abhängig, wenn man sich die letzten Zeilen anschaut
Silentium: dass des nachts an Hauswänden entlang klettert,
Silentium: Vielleicht hinein will, ohne wirklichen Sinn,
Silentium: ein bisschen sehr unglücklich dabei.
Silentium: Eine Art Wer-Wesen.
Silentium: Und Neumonds, das sagt es ja in der zweiten Strophe
Silentium: da schaut die Fassade noch glatter aus, weil's so dunkel ist,
Silentium: und für das Wesen wird das Klettern noch schwieriger.
Silentium: Okay, klingt bescheuert, geb ich zu.
[) i r k: Die Kategorie "bescheuert" gibts im Poetry-Chat nicht!
Silentium: Belämmert?
Silentium: Deppert?
Silentium: Unlogsich?
Silentium: Was darf ich sagen?
Hamburger: Klärt mal kurz die Kategorie …
mög: Wartet erst mal auf meine Interpretation!
mög: Dann werden sich euch wahrscheinlich
mög: erst die wahren Dimensionen von "bescheuert" erschließen …
Hamburger: Also, was darf Silly jetzt sagen?
[) i r k: Keine Ahnung, aber "bescheuert" nicht
Silentium: Ich darf sagen: Mirko, sag endlich was!
Hamburger: Aaaaaaaaaaaalso, das könnte jetzt etwas länger werden,
Hamburger: was aber nicht heißt, dass es gut ist, aber mir fällt doch ein wenig was ein.
Hamburger: Erstmal ist das so ein typisches Gedicht von Rike,
Hamburger: auf das meine Aussage in Wien zu ihrem Text "2 Brüder" zutrifft.
Hamburger: Ich wusste nach dem ersten Lesen überhaupt nicht, worum's geht,
Hamburger: trotzdem gefiel es mir, irgendwie und ich fand es handwerklich perfekt.
Hamburger: Allerdings hat das Gedicht in mir nichts Besonderes ausgelöst
Hamburger: und ich hätte mich sehr schwer getan, mich damit zu beschäftigen,
Hamburger: ich meine: alleine zu beschäftigen.
Hamburger: Soviel zur Vorrede!
Hamburger: Inhaltlich habe ich das LI als sehr traurig empfunden,
Hamburger: vielleicht auch als ein bisschen verstört,
Hamburger: was ja keine große Interpretationskunst ist,
Hamburger: wenn man den traurigen Smiley sieht, mit dem sie das gepostet hat.
Hamburger: Bei der "doppelweltlerin" habe ich zuerst in Verbindung
Hamburger: mit den Mondphasen an eine Art Schlafwandlerin gedacht.
Hamburger: Allerdings ist diese Interpretation wohl schwach,
Hamburger: denn eine Schlafwandlerin weiß ja nicht, dass sie eine Schlafwandlerin ist,
Hamburger: kann darüber also kein Gedicht schreiben.
Hamburger: Die Abhängigkeit vom Mond in den letzten Zeilen ist unverkennbar
Hamburger: und es scheint eine Abhängigkeit zu sein,
Hamburger: die dem LI überhaupt nicht behagt.
Hamburger: Dafür spricht das "muss".
Hamburger: Um dann noch auf Sillys Interpretation einzugehen,
Hamburger: weil das auch mein erster Gedanke war, dass das LI selbst klettert:
Hamburger: Als ich es das erste Mal las,
Hamburger: war ich da sehr irritiert von den "schwarzbewohnern".
Hamburger: Die "schwarzbewohner" machen Ausflüge
Hamburger: – wer das sein soll, keine Ahnung.
Hamburger: Das brachte mich davon weg, dass das LI selbst die ganze Zeit klettert.
Hamburger: Wenngleich es sich selbst am Schluss als "fensterkletterer" bezeichnet.
Hamburger: Tolle Wortschöpfungen: "kantenglätter" etc. sehr gut
[) i r k: Mög bist du so weit?
mög: Yep.
mög: Bitte bedenkt aber, dass ich nicht sehr viel Zeit hatte,
mög: mir das jetzt zusammen zu reimen.
mög: Also, ich denke: Das LI ist das Haus bzw. der bewusste Teil davon.
mög: Das Haus ist die gesamte Persönlichkeit.
mög: Mit einer Fassade für die "außenaugen"
mög: und den "schwarzbewohnern" für die inneren Abgründe.
mög: Manchmal scheint die Fassade glatt, manchmal wird sie rissig,
mög: der bewusste Teil muss glätten, für die "außenaugen".
mög: Und beide Zustände sind ja irgendwie nicht so wünschenswert,
mög: aber eben zwangsläufig mit dem Mond verbunden.
mög: Und der geht ja blöderweise nicht weg,
mög: weswegen keine Hoffnung besteht, dass es anderes wird.
mög: Das macht dieses Gedicht für mich so traurig.
mög: Ein Verständnisproblem:
mög: Wenn der Mond nie abnimmt, wie kann's dann Neumond werden?
mög: Ich dachte Neumond sei, wenn man überhaupt keinen Mond sieht?
mög: Ist der Widerspruch beabsichtigt?
mög: Die Fassade ist also eigentlich eh nie glatt, sondern immer rissig?
mög: Gut, ergäbe irgendwie Sinn: Wenn die Fassade glatt wäre,
mög: müsste das LI nicht raus und glätten,
mög: könnte drinnen bleiben und müsste keine Doppelweltlerin sein.
mög: Das Ganze ist natürlich atmosphärisch sehr dicht,
mög: mir gefallen auch die Wortschöpfungen sehr gut.
mög: Alles wunderschön verdichtet, wie sich das gehört für ein Gedicht.
mög: So, fertig!
[) i r k: Zuerst möcht ich dir, mög, ein Kompliment machen.
[) i r k: Ich mache mir seit über einem Jahr zu diesem Gedicht meine Gedanken,
[) i r k: denn es ist mein Lieblingsgedicht von Edekire.
[) i r k: Und, wenn dein Interpretationsansatz jetzt wirklich
[) i r k: so aus der Hüfte geschossen ist, ist er umso genialer,
[) i r k: weil er wirklich gut ist und sehr in die Nähe von dem kommt,
[) i r k: was ich zu dem Gedicht denke!
mög: Wow, danke.
[) i r k: Ich glaube auch, dass das Haus die Persönlichkeit des LIs als Ganzes darstellt.
[) i r k: "Doppelweltlerin" bedeutet für mich den Gegensatz der Persönlichkeit von
[) i r k: 1. Wie stelle ich mich nach außen dar,
[) i r k: wie gebe ich mich, welche Rolle spiele ich in der Welt, zu
[) i r k: 2. Wie bin ich wirklich, was geht tief im Innersten (im Haus) in mir vor,
[) i r k: mit all den Dämonen, die es dort gibt:
[) i r k: Traurigkeit, Angst, Ärger, Wut etc. (die "schwarzbewohner")
[) i r k: Und die nur selten nach Außen dringen ... nur, nachts,
[) i r k: wenn es dunkel ist und kein anderes Auge auf das Haus "scheint".
[) i r k: Ich glaube auch, dass der Mond eine Schlüsselrolle in dem Gedicht spielt.
[) i r k: Ein Mond, der nie abnimmt, der auch tags verblasst und unverrückt steht,
[) i r k: das ist kein Mond.
[) i r k: Vielleicht ist es das Auge der anderen, das immer auf uns ruht?
[) i r k: (Aber da bin ich mir noch nicht so sicher.)
[) i r k: Ich habe auf jeden Fall noch viele Fragen zu dem Gedicht ...
[) i r k: Ein sehr schönes Gedicht, ich mag es sprachlich sehr.
[) i r k: Ist, wie ich ja schon sagte, mein Lieblingsgedicht von meiner Freundin!
[) i r k: So, spontane Kommentare?
Silentium: Stimme dir zu, was die vielen Fragen angeht
Silentium: und stimme dir zu, dass es sehr schön ist,
Silentium: extrem schön.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
3. Diese Schattenviehcher
mög: Ich glaube auch, der Mond ist der Schlüssel.
mög: Aber ich muss zuerst mein Neumond vs. nie abnehmender Mond-Problem klären,
mög: also eigentlich immer Vollmond, auch nie wirklich Halbsichelmond.
Hamburger: Also ich finde den Interpretationsansatz,
Hamburger: dass das Haus die Persönlichkeit des LI darstellt wirklich gut,
Hamburger: allerdings ist mir dann der Schluss unklar.
[) i r k: Der Schluss ist mir auch sehr unklar
Hamburger: Ich kann mir vorstellen,
Hamburger: dass ein Haus sich in Verbindung bringen lässt
Hamburger: mit der "doppelweltlerin" und dem "kantenglätter".
Hamburger: Aber "fensterklettrer"?
Hamburger: Dieses "fensterklettrer" hat mich immer eine Distanz
Hamburger: zwischen Haus und LI spüren lassen,
[) i r k: Mich auch!
Hamburger: deshalb wäre ich nie auf diesen Interpretationsansatz gekommen.
Silentium: Dito.
[) i r k: Der "fensterklettrer" passt auch für mich nicht ganz.
mög: Ja, aber man hat doch oft auch eine gewisse Distanz zu sich selbst,
mög: Man ist nicht immer "ganz bei sich selbst" – schön wärs ja!
Hamburger: Sicher, aber es muss ja im Gedicht vom Bild her auch stimmig sein,
Hamburger: und ein Haus, das ein "fensterklettrer" ist … finde ich unpassend.
mög: Ich finde das Bild stimmig.
Hamburger: Wie klettert denn ein Haus an seinen eigenen Fenstern hoch?
mög: Wie gesagt: der Fensterkletterer ist vielleicht
mög: weniger die Persönlichkeit, sondern mehr das Bewusst-sein.
mög: So ein Ich ist ja nicht ein Ganzes.
Silentium: Das ganze ergibt ja nur Sinn, wenn man's als Haus interpretiert,
Silentium: wenn die kletternden Wesen, die "schwarzbewohner",
Silentium: Teil des Hauses selbst sind.
Silentium: So in die Richtung, wie der Minotaurus
Silentium: irgendwann zum Labyrinth gehörte wie eine Wand.
Hamburger: mög, kannst du diese Aufspaltung
Hamburger: zwischen Persönlichkeit und Bewusstsein
Hamburger: noch ein bisschen erläutern?
mög: Ach Mist, ich kenn mich ja leider überhaupt nicht aus mit Psychologie.
mög: Aber mich erinnerte auch das mit dem "Glätten" sofort an Freuds Theorie,
mög: (zumindest, die Rudimente, die in die Populärpsychologie übergegangen sind),
mög: vom Es und Über-Ich und dem Ich, dass sich die Ganze Zeit halberst,
mög: zerspragelt um zwischen Über-Ich und Es zu vermitteln.
mög: Ja, also wie gesagt, wir machen uns ja nicht ständig
mög: all unsere Persönlichkeitsanteile bewusst, oder geht's nur mir so?
[) i r k: Suggestivfrage? Nein, mir geht's auch so!
Hamburger: Mir auch, weiter bitte
Hamburger: Silly geht's auch so
mög: Und da gibt es die paar Merkmale, die wir also fürs erste
mög: zu unserem "Ich" zusammengefasst haben,
mög: zum Bild unserer eigenen Persönlichkeit.
mög: Das bewusste "Ich" eben. Das, was ich für "Ich" halte.
mög: Wobei ich hoffe und fürchte, dass eben manchmal mehr dahinter steckt.
mög: Eher fürchte, muss ich sagen, und das scheint auch im Gedicht so zu sein.
mög: Und dieses Bild vom "Ich",
mög: diese Arbeitshypothese vom "Ich", mit der wir leben,
mög: das ist der Fensterkletterer.
mög: Und das Haus umfasst alles.
[) i r k: Okay, ich sehe das nicht ganz so psychologisch,
[) i r k: auch wenn mir das einleuchtet.
[) i r k: Also ich sehe das Haus auch als das Ganze,
[) i r k: und das bewusste ICH ist so was wie ein Bewohner,
[) i r k: der die Fassade sauber hält und die Abbruchkanten glättet.
[) i r k: Es passieren also Dinge in dem Haus,
[) i r k: die nicht der Kontrolle des "ICH" unterstehen,
[) i r k: Aber es versucht sie zu kontrollieren bzw.
[) i r k: wenn es sie nicht kontrollieren kann,
[) i r k: sie zu kaschieren, sie zu glätten,
[) i r k: nach außen hin zu verbergen, die Risse zu stopfen.
[) i r k: Aber das gelingt mehr schlecht als recht.
[) i r k: Jeder von uns fühlt sich ein bisschen wie ein Regisseur
[) i r k: und unser Leben ist so was wie ein Film
[) i r k: (ist ein doofer Vergleich, ich weiß)
[) i r k: und wir versuchen halt den Film zu drehen, den wir wollen.
[) i r k: Aber im Endeffekt gibt es halt so viele innere, wie äußere Faktoren,
[) i r k: die wir nicht kontrollieren können,
[) i r k: obgleich wir uns wünschten, wir könnten,
[) i r k: und es kommt uns manchmal so vor,
[) i r k: als wäre es eigentlich ganz umgekehrt:
[) i r k: Als wären wir der Film und das Leben selbst führt Regie.
[) i r k:
mög: Also ich denke auch, das kommt hin.
mög: Die externen Faktoren könnten z.B. durch den Mond symbolisiert werden.
mög: Und ich habe ein Indiz gefunden, warum das LI und das Haus
mög: ganz offenbar doch ziemlich viel miteinander am Hut haben.
mög: Im Gedicht selbst, nämlich:
mög: "kreislicht lasert risse mir in die fensternetzhaut"
mög: Da dachte ich nämlich sofort an die Netzhaut der Augen.
mög: Die Fenster wären also praktisch die Augen des Ich.
mög: Ich finde es okay, dass hier die Grenzen verschwimmen,
mög: das ist ja bei Ich- und Rest-Ich auch in der Wirklichkeit so.
[) i r k: Das ist gut!
mög: Danke sehr.
Silentium: Okay, ich versuch mal mit einem Riesenumweg hinzukommen.
Silentium: Also, bei uns im Ort gibt es ein altes Haus,
Silentium: so eines Ende 19 Jahrhundert.
Silentium: Mit Türmchen und allem drum und dran.
Silentium: Früher hat eine alte Frau drin gewohnt, heute steht es leer.
Silentium: Und als kleines Kind hat's mich irgendwie gegruselt
Silentium: wenn ich vorbeigegangen bin, weil ich mir vorgestellt hab,
Silentium: was ein Haus so tut, wenn man es ganz alleine lässt
Silentium: und dass es ja witzig wäre, wenn die Schatten,
Silentium: von denen es in so einem Haus ja so viele gibt, lebendig würden.
Silentium: Wobei ich, Zwutschgerl, das ich war,
Silentium: nie restlos mit mir geklärt hab,
Silentium: ob die Schatten jetzt Erinnerungen sind,
Silentium: also Abdrücke von Menschen, die mal drin gelebt haben,
Silentium: die jetzt noch immer drin herumgeistern,
Silentium: oder ganz ordinäre, physikalische Schatten, wie der einer Lampe oder so.
Silentium: Daran haben mich die "schwarzbewohner" irgendwie erinnert.
Silentium: Also so eine Art amorphe Kreatur, ein Gebilde aus
Silentium: Leerstehendes-Haus-Düsterkeit und bitteren Erinnerungen,
Silentium: die das Haus selbst hervorbringt,
Silentium: die Geschöpfe des Hauses sind und die zu ihm gehören
Silentium: wie eben eine Leber o.ä. zum Menschen.
Silentium: Wenn das LI also ein Haus wäre, wären die Schattenbewohner
Silentium: demnach der düstere Teil seiner Psyche
Silentium: oder eben, und da kann ich mich nicht wirklich entscheiden,
Silentium: ein Konglomerat aus Erinnerungen und Gefühlen,
Silentium: also etwas, das nicht mehr wirklich zum Menschen gehört,
Silentium: quasi kein ureigenster Teil von ihm ist,
Silentium: sondern etwas, das er irgendwann mal als Input gekriegt hat
Silentium: und das jetzt immer noch in seinem Inneren
Silentium: brodelt und gramuliert, sich windet und lebendig wird.
Silentium: Wie eine böse Erfahrung eben, über die man zu lange nachdenkt,
Silentium: die man dann verdrängt.
Silentium: Insofern wären die Mondphasen quasi die Außeneinflüsse.
Silentium: Solange es Neumond ist, fällt es dem Haus noch relativ leicht
Silentium: diese Schattenwesen – was sie jetzt sind – zu unterdrücken,
Silentium: sobald es aber heller wird, ist es vom Mondlicht
Silentium: (das "kreislicht" ist der Vollmond?)
Silentium: entweder abgelenkt oder geblendet,
Silentium: dass es sich nicht mehr darauf konzentrieren kann,
Silentium: diese Schattenviecher in seinen Zimmern eingesperrt zu halten.
Silentium: Ähm, Mirko, sag du mal was.
Hamburger: Ich habe mir hier jetzt ne ganze Menge notiert.
Hamburger: Zunächst mal das Wichtigste:
Hamburger: Mir gefällt ja dieses Bild des "fensterklettrers" immer noch nicht.
Hamburger: Mög hat eine psychologische Deutung vorgelegt.
Hamburger: Ich kenne mich jetzt mit Freud nur rudimentär aus,
Hamburger: also mit Über-Ich (ich glaube, gesellschaftliche Anforderungen),
Hamburger: Ich (Vermittler) und Es (Triebe),
Hamburger: aber ich habe vielleicht eine Lösung für den "fensterklettrer".
Hamburger: Und zwar: wenn er das Ich ist, sozusagen der Vermittler,
Hamburger: dann habe ich mich die ganze Zeit gefragt,
Hamburger: was ein "fensterklettrer" eigentlich macht?
mög: Na, Fassaden glätten! (tschuldigung)
Hamburger: Eine Idee wäre, ziemlich simpel: Durch die Fenster
Hamburger: ins Haus schauen, in die gesamte Persönlichkeit.
Hamburger: Also unter "fensterklettrer" habe ich keinen
Hamburger: Fassaden glättenden Menschen verstanden,
Hamburger: aber vielleicht passen auch beide Bilder, immerhin
Hamburger: das lässt sich, glaube ich, nicht von der Hand weisen,
Hamburger: wird er durch die Fenster schauen, also ins Haus.
mög: Ja, natürlich, das mit dem ins Haus schauen passt auch.
mög: Nur, man wagt sich nicht ganz hinein, zu seinen Dämonen,
mög: man wagt nur einen zaghaften Blick,
mög: man sieht sich quasi selbst von außen (geht z.B. mir oft so).
[) i r k: Nein, das mit dem Ins-Haus-Schauen passt nicht,
[) i r k: wenn die Fenster die Augen sind!
mög: Ach ja, Mist, jetzt hab ich meine eigene Interpretation kaputt gemacht.
Hamburger: Stimmt, dann passt es nicht, aber sind alle Fenster die Augen?
Silentium: Ähm, wenn die einen Öffnungen Augen sind, will ich gar nicht wissen,
Silentium: was die anderen Fenster sind, wenn nicht Augen.
Hamburger: Jetzt habe ich noch was zu mög und was zu Silly.
Hamburger: Zu mög: Mir ist das mit "Ich" und "Rest-Ich" noch nicht so ganz klar.
Hamburger: Die Stelle mit der Fensternetzhaut.
Hamburger: Das hätte ich gerne noch konkreter,
Hamburger: auch weil ich mit dem Begriff Rest-Ich nix anfangen kann.
Hamburger: Zu Silly: Du hattest gesagt, dass die Schatten,
Hamburger: von denen du sprachst (die "schwarzbewohner"),
Hamburger: entweder der dunkle Teil der Psyche sind
Hamburger: ODER Erinnerungen und Gefühle,
Hamburger: also etwas das nicht zum ureigentümlichen des Menschen gehört.
Hamburger: Da sehe ich aber eher eine Verbindung und keinen Widerspruch.
Hamburger: Denn der dunkle Teil der Psyche wird durch die Sozialisation,
Hamburger: wo zwangsläufig Erfahrungen und Gefühle mit sich gebracht
Hamburger: und abgespeichert werden, bedingt.
Hamburger: Also würde ich das nicht so trennen, oder?
Silentium: Widerspruch nicht, aber Unterschied.
Silentium: Ursache und Wirkung, quasi.
Hamburger: Stimmt, Ursache und Wirkung.
Hamburger: Das Oder störte mich
mög: Ja, aber die verschwimmenden Grenzen?
mög: Das war nämlich genau das, was ich auch noch zu Silly anmerken wollte.
Silentium: Eine böse Erinnerung ist etwas, das gärt und keine Ruhe lässt,
Silentium: beziehungsweise verdrängt wird.
Silentium: Also eine böse Erinnerung ist etwas mehr oder weniger abgeschlossenes,
Silentium: eine kleine Geschichte, ein paar Bilder,
Silentium: die man gespeichert hat, die einen quälen.
Silentium: Diese Erinnerungen können dann Auswirkungen auf die Psyche haben,
Silentium: uns formen, unsere Psyche in eine bestimmte Richtung treiben
Silentium: (ich weiß zum Beispiel noch genau, warum ich nach 21 Uhr
Silentium: nicht mehr an fremde Haustüren klopfe),
Silentium: nur ist diese Erinnerung, dieses Gemisch aus Bildern,
Silentium: Sprachfetzen und den damit verbundenen Emotionen
Silentium: eben nicht dasselbe wie der Charakterzug, den sie geprägt hat.
Silentium: Da ist schon ein Unterschied, würde ich sagen.
Silentium: Aber ich mein, ich hab's nicht studiert.
mög: Ich hab's auch nicht studiert.
mög: (ad Ham: Das mit Rest-Ich war jetzt auch nur so ein Hilfsbegriff von mir,
mög: ich meinte die verdrängten Anteile.)
Hamburger: (Dann ist es mir klar, danke.)
Silentium: (ad alle: Wisst's eh, sogar wenn man's in klammern setzt, ist es noch Reinreden
)
mög: (Ja, aber es wirkt irgendwie dezenter.)
Hamburger: (ad alle: stimmt und jetzt mög)
[) i r k: (
)
Silentium: (Findest du? Schon irgendwie, ja)
[) i r k: (Dies ist ein (Kommentar im) Kommentar)
Silentium: (((prust)))
[) i r k: Was meint ihr, wie toll das erst in Java ist mit den Klammern!
mög: Also, Silly hat schon recht, das kommt als Input von außen.
mög: Aber so ne Persönlichkeit ist ja ein offenes System, stell ich mir vor.
mög: Das nimmt den Input auf, wandelt ihn und macht ihn zu etwas Eigenem.
Hamburger: (mög, wir sind ganz Auge
)
[) i r k: Ich ergreife mal das Ruder, mög, du warst fertig, oder?
mög: Ja, also ich war eh schon wieder fertig.
[) i r k: Ich denke, wir haben für's erste einen interessanten Interpretationsansatz
[) i r k: Und noch jede Menge Fragen
[) i r k: Ich denke, die könnten wir jetzt besser klären, wenn wir
[) i r k: uns den Text noch ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen.
[) i r k: Seid ihr bereit?
mög: Ich glaube auch, der Mond ist der Schlüssel.
mög: Aber ich muss zuerst mein Neumond vs. nie abnehmender Mond-Problem klären,
mög: also eigentlich immer Vollmond, auch nie wirklich Halbsichelmond.
Hamburger: Also ich finde den Interpretationsansatz,
Hamburger: dass das Haus die Persönlichkeit des LI darstellt wirklich gut,
Hamburger: allerdings ist mir dann der Schluss unklar.
[) i r k: Der Schluss ist mir auch sehr unklar
Hamburger: Ich kann mir vorstellen,
Hamburger: dass ein Haus sich in Verbindung bringen lässt
Hamburger: mit der "doppelweltlerin" und dem "kantenglätter".
Hamburger: Aber "fensterklettrer"?
Hamburger: Dieses "fensterklettrer" hat mich immer eine Distanz
Hamburger: zwischen Haus und LI spüren lassen,
[) i r k: Mich auch!
Hamburger: deshalb wäre ich nie auf diesen Interpretationsansatz gekommen.
Silentium: Dito.
[) i r k: Der "fensterklettrer" passt auch für mich nicht ganz.
mög: Ja, aber man hat doch oft auch eine gewisse Distanz zu sich selbst,
mög: Man ist nicht immer "ganz bei sich selbst" – schön wärs ja!
Hamburger: Sicher, aber es muss ja im Gedicht vom Bild her auch stimmig sein,
Hamburger: und ein Haus, das ein "fensterklettrer" ist … finde ich unpassend.
mög: Ich finde das Bild stimmig.
Hamburger: Wie klettert denn ein Haus an seinen eigenen Fenstern hoch?
mög: Wie gesagt: der Fensterkletterer ist vielleicht
mög: weniger die Persönlichkeit, sondern mehr das Bewusst-sein.
mög: So ein Ich ist ja nicht ein Ganzes.
Silentium: Das ganze ergibt ja nur Sinn, wenn man's als Haus interpretiert,
Silentium: wenn die kletternden Wesen, die "schwarzbewohner",
Silentium: Teil des Hauses selbst sind.
Silentium: So in die Richtung, wie der Minotaurus
Silentium: irgendwann zum Labyrinth gehörte wie eine Wand.
Hamburger: mög, kannst du diese Aufspaltung
Hamburger: zwischen Persönlichkeit und Bewusstsein
Hamburger: noch ein bisschen erläutern?
mög: Ach Mist, ich kenn mich ja leider überhaupt nicht aus mit Psychologie.
mög: Aber mich erinnerte auch das mit dem "Glätten" sofort an Freuds Theorie,
mög: (zumindest, die Rudimente, die in die Populärpsychologie übergegangen sind),
mög: vom Es und Über-Ich und dem Ich, dass sich die Ganze Zeit halberst,
mög: zerspragelt um zwischen Über-Ich und Es zu vermitteln.
mög: Ja, also wie gesagt, wir machen uns ja nicht ständig
mög: all unsere Persönlichkeitsanteile bewusst, oder geht's nur mir so?
[) i r k: Suggestivfrage? Nein, mir geht's auch so!
Hamburger: Mir auch, weiter bitte
Hamburger: Silly geht's auch so
mög: Und da gibt es die paar Merkmale, die wir also fürs erste
mög: zu unserem "Ich" zusammengefasst haben,
mög: zum Bild unserer eigenen Persönlichkeit.
mög: Das bewusste "Ich" eben. Das, was ich für "Ich" halte.
mög: Wobei ich hoffe und fürchte, dass eben manchmal mehr dahinter steckt.
mög: Eher fürchte, muss ich sagen, und das scheint auch im Gedicht so zu sein.
mög: Und dieses Bild vom "Ich",
mög: diese Arbeitshypothese vom "Ich", mit der wir leben,
mög: das ist der Fensterkletterer.
mög: Und das Haus umfasst alles.
[) i r k: Okay, ich sehe das nicht ganz so psychologisch,
[) i r k: auch wenn mir das einleuchtet.
[) i r k: Also ich sehe das Haus auch als das Ganze,
[) i r k: und das bewusste ICH ist so was wie ein Bewohner,
[) i r k: der die Fassade sauber hält und die Abbruchkanten glättet.
[) i r k: Es passieren also Dinge in dem Haus,
[) i r k: die nicht der Kontrolle des "ICH" unterstehen,
[) i r k: Aber es versucht sie zu kontrollieren bzw.
[) i r k: wenn es sie nicht kontrollieren kann,
[) i r k: sie zu kaschieren, sie zu glätten,
[) i r k: nach außen hin zu verbergen, die Risse zu stopfen.
[) i r k: Aber das gelingt mehr schlecht als recht.
[) i r k: Jeder von uns fühlt sich ein bisschen wie ein Regisseur
[) i r k: und unser Leben ist so was wie ein Film
[) i r k: (ist ein doofer Vergleich, ich weiß)
[) i r k: und wir versuchen halt den Film zu drehen, den wir wollen.
[) i r k: Aber im Endeffekt gibt es halt so viele innere, wie äußere Faktoren,
[) i r k: die wir nicht kontrollieren können,
[) i r k: obgleich wir uns wünschten, wir könnten,
[) i r k: und es kommt uns manchmal so vor,
[) i r k: als wäre es eigentlich ganz umgekehrt:
[) i r k: Als wären wir der Film und das Leben selbst führt Regie.
[) i r k:
mög: Also ich denke auch, das kommt hin.
mög: Die externen Faktoren könnten z.B. durch den Mond symbolisiert werden.
mög: Und ich habe ein Indiz gefunden, warum das LI und das Haus
mög: ganz offenbar doch ziemlich viel miteinander am Hut haben.
mög: Im Gedicht selbst, nämlich:
mög: "kreislicht lasert risse mir in die fensternetzhaut"
mög: Da dachte ich nämlich sofort an die Netzhaut der Augen.
mög: Die Fenster wären also praktisch die Augen des Ich.
mög: Ich finde es okay, dass hier die Grenzen verschwimmen,
mög: das ist ja bei Ich- und Rest-Ich auch in der Wirklichkeit so.
[) i r k: Das ist gut!
mög: Danke sehr.
Silentium: Okay, ich versuch mal mit einem Riesenumweg hinzukommen.
Silentium: Also, bei uns im Ort gibt es ein altes Haus,
Silentium: so eines Ende 19 Jahrhundert.
Silentium: Mit Türmchen und allem drum und dran.
Silentium: Früher hat eine alte Frau drin gewohnt, heute steht es leer.
Silentium: Und als kleines Kind hat's mich irgendwie gegruselt
Silentium: wenn ich vorbeigegangen bin, weil ich mir vorgestellt hab,
Silentium: was ein Haus so tut, wenn man es ganz alleine lässt
Silentium: und dass es ja witzig wäre, wenn die Schatten,
Silentium: von denen es in so einem Haus ja so viele gibt, lebendig würden.
Silentium: Wobei ich, Zwutschgerl, das ich war,
Silentium: nie restlos mit mir geklärt hab,
Silentium: ob die Schatten jetzt Erinnerungen sind,
Silentium: also Abdrücke von Menschen, die mal drin gelebt haben,
Silentium: die jetzt noch immer drin herumgeistern,
Silentium: oder ganz ordinäre, physikalische Schatten, wie der einer Lampe oder so.
Silentium: Daran haben mich die "schwarzbewohner" irgendwie erinnert.
Silentium: Also so eine Art amorphe Kreatur, ein Gebilde aus
Silentium: Leerstehendes-Haus-Düsterkeit und bitteren Erinnerungen,
Silentium: die das Haus selbst hervorbringt,
Silentium: die Geschöpfe des Hauses sind und die zu ihm gehören
Silentium: wie eben eine Leber o.ä. zum Menschen.
Silentium: Wenn das LI also ein Haus wäre, wären die Schattenbewohner
Silentium: demnach der düstere Teil seiner Psyche
Silentium: oder eben, und da kann ich mich nicht wirklich entscheiden,
Silentium: ein Konglomerat aus Erinnerungen und Gefühlen,
Silentium: also etwas, das nicht mehr wirklich zum Menschen gehört,
Silentium: quasi kein ureigenster Teil von ihm ist,
Silentium: sondern etwas, das er irgendwann mal als Input gekriegt hat
Silentium: und das jetzt immer noch in seinem Inneren
Silentium: brodelt und gramuliert, sich windet und lebendig wird.
Silentium: Wie eine böse Erfahrung eben, über die man zu lange nachdenkt,
Silentium: die man dann verdrängt.
Silentium: Insofern wären die Mondphasen quasi die Außeneinflüsse.
Silentium: Solange es Neumond ist, fällt es dem Haus noch relativ leicht
Silentium: diese Schattenwesen – was sie jetzt sind – zu unterdrücken,
Silentium: sobald es aber heller wird, ist es vom Mondlicht
Silentium: (das "kreislicht" ist der Vollmond?)
Silentium: entweder abgelenkt oder geblendet,
Silentium: dass es sich nicht mehr darauf konzentrieren kann,
Silentium: diese Schattenviecher in seinen Zimmern eingesperrt zu halten.
Silentium: Ähm, Mirko, sag du mal was.
Hamburger: Ich habe mir hier jetzt ne ganze Menge notiert.
Hamburger: Zunächst mal das Wichtigste:
Hamburger: Mir gefällt ja dieses Bild des "fensterklettrers" immer noch nicht.
Hamburger: Mög hat eine psychologische Deutung vorgelegt.
Hamburger: Ich kenne mich jetzt mit Freud nur rudimentär aus,
Hamburger: also mit Über-Ich (ich glaube, gesellschaftliche Anforderungen),
Hamburger: Ich (Vermittler) und Es (Triebe),
Hamburger: aber ich habe vielleicht eine Lösung für den "fensterklettrer".
Hamburger: Und zwar: wenn er das Ich ist, sozusagen der Vermittler,
Hamburger: dann habe ich mich die ganze Zeit gefragt,
Hamburger: was ein "fensterklettrer" eigentlich macht?
mög: Na, Fassaden glätten! (tschuldigung)
Hamburger: Eine Idee wäre, ziemlich simpel: Durch die Fenster
Hamburger: ins Haus schauen, in die gesamte Persönlichkeit.
Hamburger: Also unter "fensterklettrer" habe ich keinen
Hamburger: Fassaden glättenden Menschen verstanden,
Hamburger: aber vielleicht passen auch beide Bilder, immerhin
Hamburger: das lässt sich, glaube ich, nicht von der Hand weisen,
Hamburger: wird er durch die Fenster schauen, also ins Haus.
mög: Ja, natürlich, das mit dem ins Haus schauen passt auch.
mög: Nur, man wagt sich nicht ganz hinein, zu seinen Dämonen,
mög: man wagt nur einen zaghaften Blick,
mög: man sieht sich quasi selbst von außen (geht z.B. mir oft so).
[) i r k: Nein, das mit dem Ins-Haus-Schauen passt nicht,
[) i r k: wenn die Fenster die Augen sind!
mög: Ach ja, Mist, jetzt hab ich meine eigene Interpretation kaputt gemacht.
Hamburger: Stimmt, dann passt es nicht, aber sind alle Fenster die Augen?
Silentium: Ähm, wenn die einen Öffnungen Augen sind, will ich gar nicht wissen,
Silentium: was die anderen Fenster sind, wenn nicht Augen.
Hamburger: Jetzt habe ich noch was zu mög und was zu Silly.
Hamburger: Zu mög: Mir ist das mit "Ich" und "Rest-Ich" noch nicht so ganz klar.
Hamburger: Die Stelle mit der Fensternetzhaut.
Hamburger: Das hätte ich gerne noch konkreter,
Hamburger: auch weil ich mit dem Begriff Rest-Ich nix anfangen kann.
Hamburger: Zu Silly: Du hattest gesagt, dass die Schatten,
Hamburger: von denen du sprachst (die "schwarzbewohner"),
Hamburger: entweder der dunkle Teil der Psyche sind
Hamburger: ODER Erinnerungen und Gefühle,
Hamburger: also etwas das nicht zum ureigentümlichen des Menschen gehört.
Hamburger: Da sehe ich aber eher eine Verbindung und keinen Widerspruch.
Hamburger: Denn der dunkle Teil der Psyche wird durch die Sozialisation,
Hamburger: wo zwangsläufig Erfahrungen und Gefühle mit sich gebracht
Hamburger: und abgespeichert werden, bedingt.
Hamburger: Also würde ich das nicht so trennen, oder?
Silentium: Widerspruch nicht, aber Unterschied.
Silentium: Ursache und Wirkung, quasi.
Hamburger: Stimmt, Ursache und Wirkung.
Hamburger: Das Oder störte mich
mög: Ja, aber die verschwimmenden Grenzen?
mög: Das war nämlich genau das, was ich auch noch zu Silly anmerken wollte.
Silentium: Eine böse Erinnerung ist etwas, das gärt und keine Ruhe lässt,
Silentium: beziehungsweise verdrängt wird.
Silentium: Also eine böse Erinnerung ist etwas mehr oder weniger abgeschlossenes,
Silentium: eine kleine Geschichte, ein paar Bilder,
Silentium: die man gespeichert hat, die einen quälen.
Silentium: Diese Erinnerungen können dann Auswirkungen auf die Psyche haben,
Silentium: uns formen, unsere Psyche in eine bestimmte Richtung treiben
Silentium: (ich weiß zum Beispiel noch genau, warum ich nach 21 Uhr
Silentium: nicht mehr an fremde Haustüren klopfe),
Silentium: nur ist diese Erinnerung, dieses Gemisch aus Bildern,
Silentium: Sprachfetzen und den damit verbundenen Emotionen
Silentium: eben nicht dasselbe wie der Charakterzug, den sie geprägt hat.
Silentium: Da ist schon ein Unterschied, würde ich sagen.
Silentium: Aber ich mein, ich hab's nicht studiert.
mög: Ich hab's auch nicht studiert.
mög: (ad Ham: Das mit Rest-Ich war jetzt auch nur so ein Hilfsbegriff von mir,
mög: ich meinte die verdrängten Anteile.)
Hamburger: (Dann ist es mir klar, danke.)
Silentium: (ad alle: Wisst's eh, sogar wenn man's in klammern setzt, ist es noch Reinreden
mög: (Ja, aber es wirkt irgendwie dezenter.)
Hamburger: (ad alle: stimmt und jetzt mög)
[) i r k: (
Silentium: (Findest du? Schon irgendwie, ja)
[) i r k: (Dies ist ein (Kommentar im) Kommentar)
Silentium: (((prust)))
[) i r k: Was meint ihr, wie toll das erst in Java ist mit den Klammern!
mög: Also, Silly hat schon recht, das kommt als Input von außen.
mög: Aber so ne Persönlichkeit ist ja ein offenes System, stell ich mir vor.
mög: Das nimmt den Input auf, wandelt ihn und macht ihn zu etwas Eigenem.
Hamburger: (mög, wir sind ganz Auge
[) i r k: Ich ergreife mal das Ruder, mög, du warst fertig, oder?
mög: Ja, also ich war eh schon wieder fertig.
[) i r k: Ich denke, wir haben für's erste einen interessanten Interpretationsansatz
[) i r k: Und noch jede Menge Fragen
[) i r k: Ich denke, die könnten wir jetzt besser klären, wenn wir
[) i r k: uns den Text noch ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen.
[) i r k: Seid ihr bereit?
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
4. Platzen wird er ja nicht
mög: Ja, und können wir bitte als erstes mein Mond-Problem klären?
mög: Ich bin ja die einzige, die es hat.
mög: Also jetzt das mit dem Neumond und dem Abnehmen.
mög: Noch nicht die höhere Deutung, sondern
mög: erstmal bloß, nimmt er jetzt ab oder nicht?
Silentium: Er nimmt ab und zu, würd ich sagen
[) i r k: Okay, holen wir uns mal alle Mond- und Lichtaussagen zusammen.
mög: Für mich wär's wichtig, weil der Mond zieht sich durch
mög: und ich kann mir das einfach noch nicht richtig vorstellen.
Silentium: Wie ein Hermes Phettberg auf Diät,
Silentium: nur untergehen tut er nicht.
[) i r k: Also du wolltest wissen, ob er ab- oder zunimmt?
mög: Es steht eindeutig: denn der Mond nimmt hier nicht ab.
mög: Müsste also dann nicht ständig Vollmond sein?
[) i r k: Okay, ich sage mal als erster was dazu:
[) i r k: Zweite Strophe: "im neumond".
[) i r k: Dritte Strophe: "beim halbsichelhimmel".
[) i r k: Vierte Strophe: "kreislicht lasert risse mir".
[) i r k: Ich lese hier, in Strophe 2-4, einen zunehmenden Mond.
[) i r k: Am Anfang der Neumond, dann der Halbmond, und dann der kreisrunde Mond
[) i r k: In der letzten Strophe: "denn der mond nimmt hier nicht ab",
[) i r k: "steht sogar tags verblasst und unverrückt"
[) i r k: Das ist dann meiner Meinung nach überhaupt kein Mond mehr,
[) i r k: weil er sich a.) nicht bewegt ("steht unverrückt")
[) i r k: Und b.) nicht mehr ab- und zunimmt.
mög: Hm, ja so könnt's gehen. Das ganze beschreibt einen Ablauf,
mög: keinen Kreislauf, so wie ich's zuerst gelesen habe.
mög: Rückkehr zum ersten Stadium ist nicht mehr möglich.
mög: Es ist also ein Prozess, der irgendwann eingesetzt hat
mög: und nicht mehr umkehrbar ist.
mög: Die Frage die sich mir dann stellt, wann und warum
mög: hat dieser Prozess des nur mehr Abnehmens eingesetzt?
Silentium: Was ist, wenn nicht nur der Mond stehen bleibt?
Silentium: Was ist, wenn der unverrückbare, verblasste,
Silentium: ewige Vollmond nur ein Anzeichen dafür ist,
Silentium: dass die Gesamte Zeit stehen geblieben ist?
mög: Ja, das ist ein guter Ansatz!
Silentium: Dass das Haus - oder das LI oder die Schwarzbewohner
Silentium: zu ewigem Stillstand gezwungen sind?
[) i r k: Würde zur Strophe passen, denn
[) i r k: es wird ein Zustand des "Bleibens" beschrieben,
[) i r k: "muss ich … bleiben" heißt es ja.
Hamburger: Also was den Mond anbetrifft, würde ich auch wie Dirk sagen,
Hamburger: es ist ein Ablauf in den Strophen 2-4 erkennbar
Hamburger: und der Prozess ist jetzt irgendwie zum Stillstand gekommen.
Hamburger: Aber zu mögs Frage: Wieso schreibst du:
Hamburger: "dieser Prozess des nur mehr Abnehmens"?
Hamburger: Des "nie mehr Abnehmens", oder?
mög: Oje, hab mich vertan. Nur mehr Zunehmens meinte ich.
Hamburger: Ah!
mög: Aber das mit dem Stillstand ist plausibler,
mög: nach Vollmond gibt's ja nix mehr.
mög: Platzen wird er ja nicht.
Silentium: Wär aber lustig, das Platzen.
mög: Und womöglich eine Erlösung fürs LI.
[) i r k: Okay, hätten wir das geklärt ... ?
Hamburger: Okay, ist geklärt.
[) i r k: Mög, reicht dir das fürs Erste?
mög: Also, ich seh das mit Mond jetzt klarer.
mög: Die Stillstand-Theorie hat mich überzeugt.
mög: Mein Problem war nur, dass ich nicht erkannt habe,
mög: dass die letzte Aussage eben nicht allgemeingültig ist,
mög: es ist erst jetzt so, es war nicht immer so.
mög: Überzeugt.
[) i r k: Schön
mög: Ja, und können wir bitte als erstes mein Mond-Problem klären?
mög: Ich bin ja die einzige, die es hat.
mög: Also jetzt das mit dem Neumond und dem Abnehmen.
mög: Noch nicht die höhere Deutung, sondern
mög: erstmal bloß, nimmt er jetzt ab oder nicht?
Silentium: Er nimmt ab und zu, würd ich sagen
[) i r k: Okay, holen wir uns mal alle Mond- und Lichtaussagen zusammen.
mög: Für mich wär's wichtig, weil der Mond zieht sich durch
mög: und ich kann mir das einfach noch nicht richtig vorstellen.
Silentium: Wie ein Hermes Phettberg auf Diät,
Silentium: nur untergehen tut er nicht.
[) i r k: Also du wolltest wissen, ob er ab- oder zunimmt?
mög: Es steht eindeutig: denn der Mond nimmt hier nicht ab.
mög: Müsste also dann nicht ständig Vollmond sein?
[) i r k: Okay, ich sage mal als erster was dazu:
[) i r k: Zweite Strophe: "im neumond".
[) i r k: Dritte Strophe: "beim halbsichelhimmel".
[) i r k: Vierte Strophe: "kreislicht lasert risse mir".
[) i r k: Ich lese hier, in Strophe 2-4, einen zunehmenden Mond.
[) i r k: Am Anfang der Neumond, dann der Halbmond, und dann der kreisrunde Mond
[) i r k: In der letzten Strophe: "denn der mond nimmt hier nicht ab",
[) i r k: "steht sogar tags verblasst und unverrückt"
[) i r k: Das ist dann meiner Meinung nach überhaupt kein Mond mehr,
[) i r k: weil er sich a.) nicht bewegt ("steht unverrückt")
[) i r k: Und b.) nicht mehr ab- und zunimmt.
mög: Hm, ja so könnt's gehen. Das ganze beschreibt einen Ablauf,
mög: keinen Kreislauf, so wie ich's zuerst gelesen habe.
mög: Rückkehr zum ersten Stadium ist nicht mehr möglich.
mög: Es ist also ein Prozess, der irgendwann eingesetzt hat
mög: und nicht mehr umkehrbar ist.
mög: Die Frage die sich mir dann stellt, wann und warum
mög: hat dieser Prozess des nur mehr Abnehmens eingesetzt?
Silentium: Was ist, wenn nicht nur der Mond stehen bleibt?
Silentium: Was ist, wenn der unverrückbare, verblasste,
Silentium: ewige Vollmond nur ein Anzeichen dafür ist,
Silentium: dass die Gesamte Zeit stehen geblieben ist?
mög: Ja, das ist ein guter Ansatz!
Silentium: Dass das Haus - oder das LI oder die Schwarzbewohner
Silentium: zu ewigem Stillstand gezwungen sind?
[) i r k: Würde zur Strophe passen, denn
[) i r k: es wird ein Zustand des "Bleibens" beschrieben,
[) i r k: "muss ich … bleiben" heißt es ja.
Hamburger: Also was den Mond anbetrifft, würde ich auch wie Dirk sagen,
Hamburger: es ist ein Ablauf in den Strophen 2-4 erkennbar
Hamburger: und der Prozess ist jetzt irgendwie zum Stillstand gekommen.
Hamburger: Aber zu mögs Frage: Wieso schreibst du:
Hamburger: "dieser Prozess des nur mehr Abnehmens"?
Hamburger: Des "nie mehr Abnehmens", oder?
mög: Oje, hab mich vertan. Nur mehr Zunehmens meinte ich.
Hamburger: Ah!
mög: Aber das mit dem Stillstand ist plausibler,
mög: nach Vollmond gibt's ja nix mehr.
mög: Platzen wird er ja nicht.
Silentium: Wär aber lustig, das Platzen.
mög: Und womöglich eine Erlösung fürs LI.
[) i r k: Okay, hätten wir das geklärt ... ?
Hamburger: Okay, ist geklärt.
[) i r k: Mög, reicht dir das fürs Erste?
mög: Also, ich seh das mit Mond jetzt klarer.
mög: Die Stillstand-Theorie hat mich überzeugt.
mög: Mein Problem war nur, dass ich nicht erkannt habe,
mög: dass die letzte Aussage eben nicht allgemeingültig ist,
mög: es ist erst jetzt so, es war nicht immer so.
mög: Überzeugt.
[) i r k: Schön
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
5. Die Fassade ist Notwendigkeit
[) i r k: Dann wenden wir uns doch mal den ersten beiden Zeile zu:
[) i r k: "bleib ich doppelweltlerin / bleib ich kantenglätter"
mög: "doppelwelterin": Wir haben es hier offenbar
mög: mit einem sehr selbst-reflexiven Ich zu tun,
mög: dass sich seiner dunklen Anteile bewusster ist als die meisten.
mög: Es ist will aber die "außenaugen" nicht verstören.
mög: Und muss daher auch nach außen gehen und die Kanten glätten,
mög: also in zwei Welten leben.
mög: So seh ich das. Andere Meinungen?
[) i r k: Also erst mal frage ich mich,
[) i r k: ob wir hier es mit einer Wenn-Dann Aussage zu tun haben.
[) i r k: Wenn ich "doppelweltlerin" bleibe, dann muss ich (auch) "kantengleiter" sein?
[) i r k: Da frage ich mich, ob das LI überhaupt eine Wahl hat.
[) i r k: Lässt sich der Widerspruch von äußerer
[) i r k: und innerer Welt überhaupt aufheben?
[) i r k: Ist das nicht eine Utopie?
[) i r k: Die "doppelweltlerin" wird, glaube ich, in Strophe 2 sehr gut erklärt.
[) i r k: Nach außen hin zeigt sich das LI als "stahlverbrämt",
[) i r k: als selbstsicher und stark.
[) i r k: In ihren eigenen Augen ist sie aber eher wie Porzellan:
[) i r k: Zerbrechlich, empfindlich, schüchtern, empfindsam etc.
Hamburger: Du schummelst
Hamburger: Wir sind bei Strophe 1!
[) i r k: Ich habe nur einen Bezug hergestellt,
[) i r k: das darf doch wohl noch erlaubt sein.
[) i r k: Kantenglätter haben wir schon erklärt:
[) i r k: Das LI versucht das Negative ("die schwarzbewohner") zu bändigen,
[) i r k: um die "Fassade" nach außen hin aufrecht zu erhalten.
[) i r k: Obwohl Fassade ein bisschen drastisch ist –
[) i r k: Wie wir aus der Soziologie wissen,
[) i r k: spielen wir ja alle unsere Rollen ...
Silentium: Könnte es eigentlich sein, dass das LI
Silentium: in den ersten zwei Strophen den Schein
Silentium: gar nicht unbedingt bewahren will? Sondern
Silentium: dass der Eindruck, es sei stark, deshalb entsteht,
Silentium: weil das Licht so schlecht ist, wegen dem Neumond?
Silentium: Also, dass sie bei Neumond noch gar keine Kanten glätten muss,
Silentium: weil da das Haus ohnehin schon "zu glatt" erscheint?
mög: Ja, stimmt, seh ich auch so.
Silentium: "zu glatte wände"
Silentium: Sie sagt es, als sei das was Negatives, nicht was Gewolltes.
Silentium: Und warum gerade Porzellan?
Silentium: Heißt das wirklich "verletzlich, zart"?
mög: Weil Porzellan auch glatt ist, aber im Gegensatz
mög: zu Stahl nicht hart, sondern zerbrechlich.
mög: Aber das erklärt eben das Missverständnis.
Silentium: Ich meine, eine Teetasse zersplittert zwar schnell,
Silentium: andererseits kann Porzellan, richtig gemacht,
Silentium: ein verdammt HARTER Werkstoff werden.
mög: z.B. Porzellanmesser, das sind die Besten.
[) i r k: Aber das meint sie hier anders, denke ich.
mög: Sie werden allerdings trotzdem leicht kaputt.
[) i r k: Welches Missverständnis, meintest du, mög?
mög: Das Missverständnis, dass die Glätte als Stahl interpretiert wird.
[) i r k: Okay, jetzt darf erst mal Mirko
[) i r k: Und dann klären wir unsere Fragen!
[) i r k: Silly, warst du eigentlich fertig?
Silentium: Ähm, nicht ganz, aber wurscht.
[) i r k: Nein, dann mach erst mal zu Ende und dann Mirko.
[) i r k: Wir wollen doch die Etikette wahren
Silentium: Also, was ich zu sagen versucht habe
Silentium: und wo ich nicht mehr dazugekommen bin, ist,
Silentium: dass das Porzellan zwar für "zerbrechlich" stehen kann
Silentium: es für mich aber irgendwie ein bissi so geklungen hat,
Silentium: als wäre das LI im Moment grad Kletterer,
Silentium: dem das Porzellan deshalb zuwider ist,
Silentium: weil es so verdammt glatt ist und man
Silentium: daran dauernd abrutscht, wenn man klettern will.
Silentium: Es kann natürlich aber eben auch so sein,
Silentium: dass es schon für zerbrechlich steht.
Silentium: Dafür aber die Glätte gar nicht so vom LI gewollt ist,
Silentium: als vom Neumond vorgegeben,
Silentium: weil im Fast-kein-Licht alles so glatt ausschaut.
Silentium: Für "außenaugen" halt, die gar nicht richtig hinschauen,
Silentium: wirkt das LI – unfreiwillig – stark.
Silentium: Während es an sich selbst keinen Halt findet.
Hamburger: Nun ich zu den ersten beiden Zeilen:
Hamburger: Ich stelle fest, dass wir uns in Zukunft
Hamburger: gehörig vor Dirk in Acht nehmen sollten!
Hamburger: Er kann auf eine nicht unbeträchtliche Entfernung Gedanken lesen.
Hamburger: Als ich mir hier aufschrieb: "das ist eine Wenn-Dann-Aussage",
Hamburger: sagte er, er frage sich, ob das eine Wenn-Dann-Aussage ist.
Hamburger: Für mich ist es eine klare Wenn-Dann-Aussage.
Hamburger: Wenn ich "doppelweltlerin" bleiben muss.
Hamburger: muss ich auch kantenglätterin bleiben.
Hamburger: Als ich mir dann aufschrieb: "Hat das LI überhaupt eine Wahl?",
Hamburger: meinte Dirk, er frage sich, ob das LI überhaupt eine Wahl hat?
Hamburger: Also hütet euch vor ihm!
[) i r k: Unsere Denke ist einfach viel zu ähnlich!
Hamburger: Für mich hat das LI keine Wahl
Hamburger: und das ist vielleicht sogar ein Schwachpunkt des Gedichts.
Hamburger: Der Anfang impliziert ja – für mich jedenfalls – das LI könnte
Hamburger: den Widerspruch zwischen äußerer und innerer Welt aufheben.
Hamburger: Aber das geht nicht.
Hamburger: Es gibt sicherlich graduelle Unterschiede,
Hamburger: wie weit diese Welten entfernt sind,
Hamburger: aber eins werden sie nie.
mög: Ich fand Sillys Ansatz sehr interessant,
mög: dass die Glätte sowieso am Klettern hindert.
mög: Also bleibt das LI bei Neumond praktisch drinnen?
mög: Gibt's da für die Außenwelt nur die Fassade?
[) i r k: Am "Fenster" klettern stell ich mir
[) i r k: auch nicht so einfach vor (siehe letzte Strophe)
mög: Das wär ja wohl auch nicht das Wahre!
mög: Na ja, an den Fenstersimsen, das geht schon.
mög: Ich stell mir da jetzt sowieso eher ein altmodisches Haus vor,
mög: so eins wie es Silly zuerst beschrieben hat.
[) i r k: Aber mich würde interessieren,
[) i r k: was ihr beide zu der Frage von Mirko und mir sagt:
[) i r k: Hat das LI eine Wahl?
mög: Natürlich.
mög: Es kann sich auch für immer in sich selber einschließen.
mög: Aber wenn es mit der Außenwelt in Kontakt treten will,
mög: dann darf es nicht zu glatt sein,
mög: weil sonst das wahre Ich nicht rauskommt,
mög: muss aber eben auch die Kanten glätten.
mög: Es muss die Balance halten zwischen "zu glatt" und zu verstörend.
[) i r k: Was heißt das jetzt übersetzt?
[) i r k: Du sprichst in den Metaphern des Gedichtes, mög!
Silentium: Nö, das LI hat keine Wahl.
Silentium: Es sei denn, es würde eines von beidem aufgeben:
Silentium: Entweder würde es aufhören, sich für die Außenwelt zu glätten
Silentium: was dann passieren würde, wäre nicht wirklich abzusehen -
[) i r k: Was meint ihr jetzt mit "glätten" und damit,
[) i r k: dass das "das wahre Ich" nicht rauskommt?
mög: Okay, sich "in sich selbst einschließen",
mög: darunter kann sich erstmal jeder was vorstellen, oder?
[) i r k: Introvertiert und schüchtern sein?
Hamburger: Also wenn das ne Frage zum beantworten ist: Schon.
Hamburger: Aber ich kann mich nicht der Außenwelt entziehen.
Hamburger: Das geht gar nicht, Kontakt ist immer da.
[) i r k: Nicht seine wahren Gefühle und Emotionen preisgeben,
[) i r k: … schauspielern?
mög: Nein, nicht schauspielern. Die anderen sind einem dann wurscht.
mög: Und vor allem nicht in Kontakt mit den anderen treten,
mög: ihn so gut wie möglich vermeiden.
mög: Bis zu einem gewissen Grad geht das durchaus,
mög: bei Autisten z.B. ziemlich drastisch.
[) i r k: Das wäre aber noch was anderes.
[) i r k: Sich in sich selbst einschließen und sich abkapseln, meine ich.
mög: Das wäre die Konsequenz, wenn man nur in einer/seiner Welt leben würde.
[) i r k: Das sind aber zwei verschiedenen Sachen.
[) i r k: Ich kann auch unter den Menschen leben und mich vor ihnen verstecken.
[) i r k: Ich brauch dafür nicht ganz aus der Welt sein,
[) i r k: und ich glaube auch nicht, dass das hier gemeint ist.
[) i r k: Weil die "außenaugen" ja immer irgendwie da sind!
mög: Es gibt immer zwei Welten, meine und die meines Gegenübers,
mög: das liegt für mich daran, dass die Wirklichkeit nicht objektiv erfassbar ist,
mög: die Wirklichkeit, die Welt ist das, was ich konstruiere.
mög: Wenn ich mit dem anderen irgendwas zu tun haben will,
mög: muss ich auf seine Art, die Wirklichkeit zu konstruieren, Rücksicht nehmen.
mög: Ich muss eine Doppelweltlerin sein,
mög: weil ich auch versuchen muss, mich an seine Welt anzupassen.
mög: Habe ich also eine Wahl? Ja und nein.
mög: JA, denn ich kann mich – theoretisch – entscheiden,
mög: dass mir egal ist, ob der andere mich versteht,
mög: ob ich irgendwie durch Kompromisse mit ihm
mög: auf einen gemeinsamen Nenner komme.
mög: Ich lebe nur in meiner eigenen kleinen Welt.
mög: NEIN, weil wir ja alle irgendwie den Kontakt zu anderen suchen
mög: und dann müssen wir aus unserer eigenen Welt hinaus.
mög: Ich denke, es geht nicht nur um "Verstellung", sein Wahres-Ich-Verbergen.
mög: Fassade ist so negativ besetzt, aber es ist schlicht eine Notwendigkeit.
mög: Ich muss noch überlegen, ob ich's rübergebracht hab, sorry.
mög: Ich glaub nämlich nicht, ich bin unzufrieden mit den Formulierungen.
[) i r k: Das passt scho.
mög: Ich glaube halt einfach,
mög: dass das LI vielleicht sogar "doppelwelterlin" sein will,
mög: und deshalb das Kantenglätten eben in Kauf nimmt.
mög: Und ich glaube, die Schwierigkeit darin, sein wahres Ich zu zeigen,
mög: liegt eben darin, dass es keine objektive Wahrheit gibt.
[) i r k: Gar keine objektive Wahrheit? Alles relativ?
[) i r k: (Das ist ein anderes Thema ...)
[) i r k: Bist du durch?
Hamburger: Okay, darf Silly jetzt?
[) i r k: Wer moderiert hier eigentlich: du oder ich?
Silentium: Ich denke, ihr denkt sowieso gleich?
Silentium: Ist es da nicht wurscht, wer moderiert,
Silentium: weil ihr ohnehin zu denselben Entscheidungen kommt?
mög: Nein, nicht alles relativ, denn wir konstruieren ja
mög: die Wirklichkeit mit Erkenntniswerkzeugen,
mög: die wir auch erstmal von unserer Kultur mitkriegen müssen,
mög: deshalb gibt's schon 'ne gemeinsame Basis.
mög: Aber das führt jetzt alles zu weit?
[) i r k: Ja, führt es.
[) i r k: Wir waren bei Strophe 1 und Silly ist dran!
Silentium: Prima. Von wegen LI und Wahlmöglichkeit:
Silentium: Es hätte ja im Prinzip mehrere Möglichkeiten,
Silentium: könnte zum Beispiel aufhören, "doppelweltlerin" zu sein,
Silentium: d.h. sich völlig in sich zurückziehen, also
Silentium: in der Hausmetapher Fenster vernageln, Türen verriegeln,
Silentium: Strom und Telefonanschluss abbestellen.
Silentium: Ob das auf einen Menschenübertragen hieße,
Silentium: dass er sich einfach soweit in sich zurückzieht wie möglich,
Silentium: kein Wort mehr für den Rest seines Lebens sagt?
Silentium: Oder, weil ja im Prinzip immer ein bisschen Seele da ist,
Silentium: das wir anderen unmöglich zeigen KÖNNEN und das uns alle
Silentium: grundsätzlich immer zu Ein-wenig-Doppelweltlern macht?
Silentium: Ob es hieße, dass das LI, um überhaupt mit dem Doppelspiel
Silentium: aufhören zu können, sterben müsste?
Silentium: Das Kantenglätten scheint ein bissi wie Selbstschutz.
Silentium: Weil man ein Altes Haus oft einfach stehen lässt,
Silentium: wenn sich keiner findet, der für den Abriss bezahlt.
Silentium: Solange es nicht Einsturz gefährdet ist.
mög: Und mir wird vorgeworfen, ich spräche in den Metaphern des Gedichtes…
Silentium: Genau so, wie man einen psychisch Kranken
Silentium: oft alleine herumgeistern lässt, solange er nicht auffällig wird.
Silentium: Wenn aber das Haus anfängt, das Ortsbild erheblich zu stören
Silentium: oder der Mensch beginnt, zu sabbern und wirr Passanten zu beleidigen
Silentium: dann taucht doch jemand auf, der was dagegen tut.
Silentium: Das Haus wird abgerissen,
Silentium: (oder, im Aschacher fall, an Immigranten vermietet)
Silentium: der Mensch wird psychatriert.
Silentium: Könnte es also sein, dass das LI die Kannten glättet,
Silentium: damit keiner nachschauen kommt
Silentium: und dann die Schwarzbewohner entdeckt.
Silentium: Also, kurz auf den Punkt: Glättet das LI die Kanten,
Silentium: weil es Angst davor hat, was die "außenaugen" sonst tun würden?
Silentium: Und dass diese Angst ihm keine Wahl lässt?
Hamburger: Ich glaube, es ist unmgölich
Hamburger: nicht wenigstens ein bisschen Doppelwelter zu sein.
Hamburger: Es wird immer einen Unterschied geben
Hamburger: zwischen meiner eigenen Gefühlswelt,
Hamburger: zwischen dem was in mir ist,
Hamburger: Erfahrungen, Gedanken, Erinnerungen etc.
Hamburger: und meiner äußeren Wahrnehmung.
Hamburger: Ich kann mich natürlich zurückziehen, so weit als möglich,
Hamburger: aber selbst dann gibt es eine äußere Wahrnehmung,
Hamburger: ein Innen und ein Außen,
Hamburger: und die Welt ist auch nicht nur das, was ich konstruiere,
Hamburger: es gibt strukturelle Zwänge, denen ich nicht entgehen kann,
Hamburger: wenn ich nicht die Konsequenzen tragen will.
Hamburger: Daher bleib ich dabei: Das LI hat eigentlich keine Wahl!
Hamburger: Das Doppelspiel würde nur durch den Tod beendet.
Hamburger: Eine Frage noch ist sehr interessant: Ob das LI
Hamburger: "doppelweltlerin" sein WILL, wie mög glaubt, oder sein MUSS?
Hamburger: Dazu hätte ich gerne eure Meinung.
Silentium: Schließe mich Hams LI-hat-keine-Wahl-Argumentation an,
Silentium: weil das LI zwar nicht glücklich wirkt,
Silentium: aber auch nie die geringste Initiative zeigt,
Silentium: an seinem Zustand etwas zu ändern.
Silentium: Wegen der unabsehbaren Konsequenzen, sozusagen.
mög: Da kommt der Mond ins Spiel, find ich.
mög: Wie gesagt, ich glaub nicht, dass es so viel Spaß hat am Kanten glätten.
[) i r k: Ähm, darf ich?
Silentium: Lassen wir ihn?
Hamburger: Jupp.
mög: Gnädigerweise.
[) i r k: Ihr seid zu nett!
[) i r k: Also ich bin nicht sicher, wo ich anfangen soll …
[) i r k: Ich wollte hier nicht eine komplette Erkenntnistheorie vornehmen.
[) i r k: Fakt scheint mir aber zu sein,
[) i r k: dass sich das LI den "außenaugen" nicht entziehen kann.
[) i r k: Das heißt, die Flucht von der du gesprochen hast, mög,
[) i r k: das Ich-habe-nichts-mehr-mit-den-anderen-zu-tun,
[) i r k: fällt für dieses Gedicht aus.
[) i r k: Es geht höchstens um eine innere Flucht:
[) i r k: Das Ich als Versteck.
[) i r k: Ich bin aber auch mit dir einer Meinung,
[) i r k: dass das keine Schauspielerei ist,
[) i r k: Sondern sehe das eher wie Mirko und du:
[) i r k: Die Fassade ist Notwendigkeit.
[) i r k: Die Kante, die Grenze zwischen Ich und Außenwelt,
[) i r k: Außenaugen (Mond?) kann grundsätzlich nicht aufgehoben werden.
mög: Ja, aber will das LI das überhaupt?
mög: Ich les halt einfach auch ein gewisses Bedauern heraus,
mög: dass die Fassaden bei Neumond zu glatt sind.
mög: Sonst ständ da nicht: "zu glatt".
[) i r k: Dazu kommen wir gleich in Strophe 2,
[) i r k: ich bin immer noch bei der Frage der Wahl.
[) i r k: Würde sie aufgehoben werden,
[) i r k: wäre das ein Fall für die Psychatrie oder fürs Grab.
mög: ich seh das ja auch so, mein Beispiel mit dem Autist
mög: deutet ja auch nicht auf ein "normales" Leben hin.
mög: Und dass die beiden Welten nicht vereinbar sind, denk ich auch.
[) i r k: Was meinst du jetzt mit "vereinbar"?
mög: Falscher Ausdruck: nicht zu einer werden können.
[) i r k: *durcheinander*
[) i r k: Wir reden doch von einem deutlichen Widerspruch
[) i r k: und einem bewusst negativen Gefühl?
mög: Das resultiert für mich aus der lästigen Notwendigkeit des Kanten Glättens.
[) i r k: Das in 2-Welten-leben ist dem LI doch unangenehm, irgendwie?
mög: Das LI will – vielleicht schon – "doppelweltlerin" sein,
mög: aber es hat halt alles seinen Haken:
mög: Und der ist in diesem Fall das Kanten glätten müssen.
[) i r k: Okay, ich bin ein bisschen durcheinander
[) i r k: und komme zu keinem festen Urteil, was die Frage der Wahl angeht.
[) i r k: Ich tendiere aber zu Hams Meinung.
[) i r k: Ich interpretiere das aber nicht grundsätzlich als Schwäche des Gedichtes,
[) i r k: sondern frage mich, ob unserer Interpretation stimmt!?
mög: Ja, aber wenn sie keine "doppeltwelterin" sein wollen würde,
mög: auf welche Welt würde sie sich denn lieber beschränken?
[) i r k: Gute Frage.
mög: Das ist doch nie eine Schwäche des Gedichtes,
mög: wenn ein Aspekt ambivalent bleibt.
[) i r k: Ich frage mich die ganze Zeit, was die Alternative sein könnte ...
[) i r k: finde aber ehrlich gesagt keine Antwort.
[) i r k: Und deswegen verstehe ich auch das Wenn-Dann nicht.
[) i r k: Kann es sein, dass es gar kein Wenn-Dann ist,
[) i r k: sondern einfach eine Feststellung?
mög: Wenn es eine Wahl gibt, dann ist es ein Wenn-Dann.
mög: Wenn es keine Wahl gibt, dann ist es ein Weil-Dann.
[) i r k: Ich muss "doppelweltlerin" bleiben, es gibt keine Wahl,
[) i r k: es gefällt mir nicht, aber es geht ja trotzdem nicht anders ...
mög: Und ich finde das übrigens ausgesprochen raffiniert,
mög: dass das so offen bleibt.
Hamburger: Ich sehe das Doppelweltlerinnendasein immer noch als Muss,
Hamburger: ob das LI will oder nicht, es MUSS "doppelweltlerin" sein.
Hamburger: Aber ich möchte mögs Gedanken schon ein wenig in Schutz nehmen,
Hamburger: denn dass das LI Doppelweltlerin sein muss,
Hamburger: heißt ja nicht, dass die Frage nicht relevant ist, ob es das auch will.
Hamburger: Subjektiv, für das LI gesehen.
Hamburger: Ich muss zum Beispiel Geld verdienen, um leben zu können.
Hamburger: Also muss ich arbeiten, es gibt aber viele Menschen,
Hamburger: die wollen das auch und machen das gerne.
Hamburger: Mit anderen Worten auf das Gedicht übertragen:
Hamburger: "zu glatte wände" steht schon auch ein bisschen für diesen Zwiespalt,
Hamburger: denn so ganz ohne Außenwelt und dieses Doppelweltlerinnendasein
Hamburger: würde sich niemand von uns wohl fühlen.
[) i r k: Die glatten Wände verstehe ich nicht in diesem Zusammenhang!
[) i r k: Was hat das mit dem Unterschied von Müssen und Wollen
[) i r k: bzw. Nicht-wollen zu tun?
Hamburger: Na ja, ich denke, wie mög schon sagte,
Hamburger: dieses "zu glatte Wände" könnte Bedauern ausdrücken.
Hamburger: Gäbe es kein Doppelweltlerinnendasein,
Hamburger: wären die Innenwelt und die Außenwelt eins
Hamburger: dann wäre das dem LI auch nicht genehm.
Hamburger: Das bedauert es und das will es nicht.
Hamburger: Also will es im Umkehrschluss auch irgendwie
Hamburger: das Doppelweltlerinnendasein.
Hamburger: Frage an mög: Hast du das so gemeint wie ich es gerade beschrieb?
mög: Ja. Du hast mich überzeugt.
[) i r k:
Silentium: Darf ich das jetzt noch mal zusammenfassen?
Silentium: Das LI kann gar nicht anders, als Doppelweltlerin zu sein,
Silentium: weil alles andere es lebensunfähig machen würde?
Silentium: Das Kantenglätten aber braucht das LI,
Silentium: um das Doppelweltenleben im Gleichgewicht zu halten,
Silentium: quasi als Selbstschutz.
Silentium: Also ist die Doppelwelt etwas natürlich vorgegebenes,
Silentium: dass sich das LI zwar nicht ausgesucht hat,
Silentium: mit dem es aber leben kann,
Silentium: weil alles andere erst recht nichts wäre
Silentium: und das Kantenglätten eine Notwendigkeit,
Silentium: um das Doppelleben zu erhalten.
Silentium: Also bleibt ihr keine Wahl,
Silentium: nicht etwa deshalb, weil alle anderen Wahlen inakzeptabel wären,
Silentium: sondern weil es - von der Auslöschung abgesehen -
Silentium: gar keine andere Wahl GIBT?
Silentium: Ist das jetzt so logisch?
[) i r k: In meinen Augen schon.
mög: Find ich auch.
Hamburger: Ich auch.
[) i r k: Gibt es noch Fragen zu Strophe 1?
[) i r k: Irgendetwas, dass wir noch nicht bequatscht haben?
[) i r k: Das ungereimt ist?
Silentium: In zwei Zeilen?
Silentium: Nachdem wir beide verfügbaren Hauptwörter
Silentium: über eine Stunde lang auseinander genommen haben?
Hamburger: Ich hab noch was.
Hamburger: Und zwar interessiert mich die Verbindung,
Hamburger: der Übergang zwischen Strophe 1 und Strophe 2.
Hamburger: Seht ihr es auch so wie ich (Achtung, Suggestivfrage!),
Hamburger: dass Strophe 1 eher so was wie ein Vorspann ist?
Hamburger: Denn das Kantenglätten kommt in Strophe 2 ja gar nicht vor,
Hamburger: im Gegenteil, da sind die Wände "zu glatt".
Hamburger: Steht Strophe 1 also wie ein Vor-Aussage für sich
Hamburger: und weist auf den gesamten Prozess hin?
mög: Ja, ich seh Strophe 1 auch als ne Art Prolog.
Silentium: Jepp.
[) i r k: Ich auch, das ist das vorweggenommene Resüme!
[) i r k: Es rahmt das Gedicht quasi ein
[) i r k: und ist somit ein sehr schön angewandetes Stilmittel.
Hamburger: Also alle überzeugt.
[) i r k: Dann wenden wir uns doch mal den ersten beiden Zeile zu:
[) i r k: "bleib ich doppelweltlerin / bleib ich kantenglätter"
mög: "doppelwelterin": Wir haben es hier offenbar
mög: mit einem sehr selbst-reflexiven Ich zu tun,
mög: dass sich seiner dunklen Anteile bewusster ist als die meisten.
mög: Es ist will aber die "außenaugen" nicht verstören.
mög: Und muss daher auch nach außen gehen und die Kanten glätten,
mög: also in zwei Welten leben.
mög: So seh ich das. Andere Meinungen?
[) i r k: Also erst mal frage ich mich,
[) i r k: ob wir hier es mit einer Wenn-Dann Aussage zu tun haben.
[) i r k: Wenn ich "doppelweltlerin" bleibe, dann muss ich (auch) "kantengleiter" sein?
[) i r k: Da frage ich mich, ob das LI überhaupt eine Wahl hat.
[) i r k: Lässt sich der Widerspruch von äußerer
[) i r k: und innerer Welt überhaupt aufheben?
[) i r k: Ist das nicht eine Utopie?
[) i r k: Die "doppelweltlerin" wird, glaube ich, in Strophe 2 sehr gut erklärt.
[) i r k: Nach außen hin zeigt sich das LI als "stahlverbrämt",
[) i r k: als selbstsicher und stark.
[) i r k: In ihren eigenen Augen ist sie aber eher wie Porzellan:
[) i r k: Zerbrechlich, empfindlich, schüchtern, empfindsam etc.
Hamburger: Du schummelst
Hamburger: Wir sind bei Strophe 1!
[) i r k: Ich habe nur einen Bezug hergestellt,
[) i r k: das darf doch wohl noch erlaubt sein.
[) i r k: Kantenglätter haben wir schon erklärt:
[) i r k: Das LI versucht das Negative ("die schwarzbewohner") zu bändigen,
[) i r k: um die "Fassade" nach außen hin aufrecht zu erhalten.
[) i r k: Obwohl Fassade ein bisschen drastisch ist –
[) i r k: Wie wir aus der Soziologie wissen,
[) i r k: spielen wir ja alle unsere Rollen ...
Silentium: Könnte es eigentlich sein, dass das LI
Silentium: in den ersten zwei Strophen den Schein
Silentium: gar nicht unbedingt bewahren will? Sondern
Silentium: dass der Eindruck, es sei stark, deshalb entsteht,
Silentium: weil das Licht so schlecht ist, wegen dem Neumond?
Silentium: Also, dass sie bei Neumond noch gar keine Kanten glätten muss,
Silentium: weil da das Haus ohnehin schon "zu glatt" erscheint?
mög: Ja, stimmt, seh ich auch so.
Silentium: "zu glatte wände"
Silentium: Sie sagt es, als sei das was Negatives, nicht was Gewolltes.
Silentium: Und warum gerade Porzellan?
Silentium: Heißt das wirklich "verletzlich, zart"?
mög: Weil Porzellan auch glatt ist, aber im Gegensatz
mög: zu Stahl nicht hart, sondern zerbrechlich.
mög: Aber das erklärt eben das Missverständnis.
Silentium: Ich meine, eine Teetasse zersplittert zwar schnell,
Silentium: andererseits kann Porzellan, richtig gemacht,
Silentium: ein verdammt HARTER Werkstoff werden.
mög: z.B. Porzellanmesser, das sind die Besten.
[) i r k: Aber das meint sie hier anders, denke ich.
mög: Sie werden allerdings trotzdem leicht kaputt.
[) i r k: Welches Missverständnis, meintest du, mög?
mög: Das Missverständnis, dass die Glätte als Stahl interpretiert wird.
[) i r k: Okay, jetzt darf erst mal Mirko
[) i r k: Und dann klären wir unsere Fragen!
[) i r k: Silly, warst du eigentlich fertig?
Silentium: Ähm, nicht ganz, aber wurscht.
[) i r k: Nein, dann mach erst mal zu Ende und dann Mirko.
[) i r k: Wir wollen doch die Etikette wahren
Silentium: Also, was ich zu sagen versucht habe
Silentium: und wo ich nicht mehr dazugekommen bin, ist,
Silentium: dass das Porzellan zwar für "zerbrechlich" stehen kann
Silentium: es für mich aber irgendwie ein bissi so geklungen hat,
Silentium: als wäre das LI im Moment grad Kletterer,
Silentium: dem das Porzellan deshalb zuwider ist,
Silentium: weil es so verdammt glatt ist und man
Silentium: daran dauernd abrutscht, wenn man klettern will.
Silentium: Es kann natürlich aber eben auch so sein,
Silentium: dass es schon für zerbrechlich steht.
Silentium: Dafür aber die Glätte gar nicht so vom LI gewollt ist,
Silentium: als vom Neumond vorgegeben,
Silentium: weil im Fast-kein-Licht alles so glatt ausschaut.
Silentium: Für "außenaugen" halt, die gar nicht richtig hinschauen,
Silentium: wirkt das LI – unfreiwillig – stark.
Silentium: Während es an sich selbst keinen Halt findet.
Hamburger: Nun ich zu den ersten beiden Zeilen:
Hamburger: Ich stelle fest, dass wir uns in Zukunft
Hamburger: gehörig vor Dirk in Acht nehmen sollten!
Hamburger: Er kann auf eine nicht unbeträchtliche Entfernung Gedanken lesen.
Hamburger: Als ich mir hier aufschrieb: "das ist eine Wenn-Dann-Aussage",
Hamburger: sagte er, er frage sich, ob das eine Wenn-Dann-Aussage ist.
Hamburger: Für mich ist es eine klare Wenn-Dann-Aussage.
Hamburger: Wenn ich "doppelweltlerin" bleiben muss.
Hamburger: muss ich auch kantenglätterin bleiben.
Hamburger: Als ich mir dann aufschrieb: "Hat das LI überhaupt eine Wahl?",
Hamburger: meinte Dirk, er frage sich, ob das LI überhaupt eine Wahl hat?
Hamburger: Also hütet euch vor ihm!
[) i r k: Unsere Denke ist einfach viel zu ähnlich!
Hamburger: Für mich hat das LI keine Wahl
Hamburger: und das ist vielleicht sogar ein Schwachpunkt des Gedichts.
Hamburger: Der Anfang impliziert ja – für mich jedenfalls – das LI könnte
Hamburger: den Widerspruch zwischen äußerer und innerer Welt aufheben.
Hamburger: Aber das geht nicht.
Hamburger: Es gibt sicherlich graduelle Unterschiede,
Hamburger: wie weit diese Welten entfernt sind,
Hamburger: aber eins werden sie nie.
mög: Ich fand Sillys Ansatz sehr interessant,
mög: dass die Glätte sowieso am Klettern hindert.
mög: Also bleibt das LI bei Neumond praktisch drinnen?
mög: Gibt's da für die Außenwelt nur die Fassade?
[) i r k: Am "Fenster" klettern stell ich mir
[) i r k: auch nicht so einfach vor (siehe letzte Strophe)
mög: Das wär ja wohl auch nicht das Wahre!
mög: Na ja, an den Fenstersimsen, das geht schon.
mög: Ich stell mir da jetzt sowieso eher ein altmodisches Haus vor,
mög: so eins wie es Silly zuerst beschrieben hat.
[) i r k: Aber mich würde interessieren,
[) i r k: was ihr beide zu der Frage von Mirko und mir sagt:
[) i r k: Hat das LI eine Wahl?
mög: Natürlich.
mög: Es kann sich auch für immer in sich selber einschließen.
mög: Aber wenn es mit der Außenwelt in Kontakt treten will,
mög: dann darf es nicht zu glatt sein,
mög: weil sonst das wahre Ich nicht rauskommt,
mög: muss aber eben auch die Kanten glätten.
mög: Es muss die Balance halten zwischen "zu glatt" und zu verstörend.
[) i r k: Was heißt das jetzt übersetzt?
[) i r k: Du sprichst in den Metaphern des Gedichtes, mög!
Silentium: Nö, das LI hat keine Wahl.
Silentium: Es sei denn, es würde eines von beidem aufgeben:
Silentium: Entweder würde es aufhören, sich für die Außenwelt zu glätten
Silentium: was dann passieren würde, wäre nicht wirklich abzusehen -
[) i r k: Was meint ihr jetzt mit "glätten" und damit,
[) i r k: dass das "das wahre Ich" nicht rauskommt?
mög: Okay, sich "in sich selbst einschließen",
mög: darunter kann sich erstmal jeder was vorstellen, oder?
[) i r k: Introvertiert und schüchtern sein?
Hamburger: Also wenn das ne Frage zum beantworten ist: Schon.
Hamburger: Aber ich kann mich nicht der Außenwelt entziehen.
Hamburger: Das geht gar nicht, Kontakt ist immer da.
[) i r k: Nicht seine wahren Gefühle und Emotionen preisgeben,
[) i r k: … schauspielern?
mög: Nein, nicht schauspielern. Die anderen sind einem dann wurscht.
mög: Und vor allem nicht in Kontakt mit den anderen treten,
mög: ihn so gut wie möglich vermeiden.
mög: Bis zu einem gewissen Grad geht das durchaus,
mög: bei Autisten z.B. ziemlich drastisch.
[) i r k: Das wäre aber noch was anderes.
[) i r k: Sich in sich selbst einschließen und sich abkapseln, meine ich.
mög: Das wäre die Konsequenz, wenn man nur in einer/seiner Welt leben würde.
[) i r k: Das sind aber zwei verschiedenen Sachen.
[) i r k: Ich kann auch unter den Menschen leben und mich vor ihnen verstecken.
[) i r k: Ich brauch dafür nicht ganz aus der Welt sein,
[) i r k: und ich glaube auch nicht, dass das hier gemeint ist.
[) i r k: Weil die "außenaugen" ja immer irgendwie da sind!
mög: Es gibt immer zwei Welten, meine und die meines Gegenübers,
mög: das liegt für mich daran, dass die Wirklichkeit nicht objektiv erfassbar ist,
mög: die Wirklichkeit, die Welt ist das, was ich konstruiere.
mög: Wenn ich mit dem anderen irgendwas zu tun haben will,
mög: muss ich auf seine Art, die Wirklichkeit zu konstruieren, Rücksicht nehmen.
mög: Ich muss eine Doppelweltlerin sein,
mög: weil ich auch versuchen muss, mich an seine Welt anzupassen.
mög: Habe ich also eine Wahl? Ja und nein.
mög: JA, denn ich kann mich – theoretisch – entscheiden,
mög: dass mir egal ist, ob der andere mich versteht,
mög: ob ich irgendwie durch Kompromisse mit ihm
mög: auf einen gemeinsamen Nenner komme.
mög: Ich lebe nur in meiner eigenen kleinen Welt.
mög: NEIN, weil wir ja alle irgendwie den Kontakt zu anderen suchen
mög: und dann müssen wir aus unserer eigenen Welt hinaus.
mög: Ich denke, es geht nicht nur um "Verstellung", sein Wahres-Ich-Verbergen.
mög: Fassade ist so negativ besetzt, aber es ist schlicht eine Notwendigkeit.
mög: Ich muss noch überlegen, ob ich's rübergebracht hab, sorry.
mög: Ich glaub nämlich nicht, ich bin unzufrieden mit den Formulierungen.
[) i r k: Das passt scho.
mög: Ich glaube halt einfach,
mög: dass das LI vielleicht sogar "doppelwelterlin" sein will,
mög: und deshalb das Kantenglätten eben in Kauf nimmt.
mög: Und ich glaube, die Schwierigkeit darin, sein wahres Ich zu zeigen,
mög: liegt eben darin, dass es keine objektive Wahrheit gibt.
[) i r k: Gar keine objektive Wahrheit? Alles relativ?
[) i r k: (Das ist ein anderes Thema ...)
[) i r k: Bist du durch?
Hamburger: Okay, darf Silly jetzt?
[) i r k: Wer moderiert hier eigentlich: du oder ich?
Silentium: Ich denke, ihr denkt sowieso gleich?
Silentium: Ist es da nicht wurscht, wer moderiert,
Silentium: weil ihr ohnehin zu denselben Entscheidungen kommt?
mög: Nein, nicht alles relativ, denn wir konstruieren ja
mög: die Wirklichkeit mit Erkenntniswerkzeugen,
mög: die wir auch erstmal von unserer Kultur mitkriegen müssen,
mög: deshalb gibt's schon 'ne gemeinsame Basis.
mög: Aber das führt jetzt alles zu weit?
[) i r k: Ja, führt es.
[) i r k: Wir waren bei Strophe 1 und Silly ist dran!
Silentium: Prima. Von wegen LI und Wahlmöglichkeit:
Silentium: Es hätte ja im Prinzip mehrere Möglichkeiten,
Silentium: könnte zum Beispiel aufhören, "doppelweltlerin" zu sein,
Silentium: d.h. sich völlig in sich zurückziehen, also
Silentium: in der Hausmetapher Fenster vernageln, Türen verriegeln,
Silentium: Strom und Telefonanschluss abbestellen.
Silentium: Ob das auf einen Menschenübertragen hieße,
Silentium: dass er sich einfach soweit in sich zurückzieht wie möglich,
Silentium: kein Wort mehr für den Rest seines Lebens sagt?
Silentium: Oder, weil ja im Prinzip immer ein bisschen Seele da ist,
Silentium: das wir anderen unmöglich zeigen KÖNNEN und das uns alle
Silentium: grundsätzlich immer zu Ein-wenig-Doppelweltlern macht?
Silentium: Ob es hieße, dass das LI, um überhaupt mit dem Doppelspiel
Silentium: aufhören zu können, sterben müsste?
Silentium: Das Kantenglätten scheint ein bissi wie Selbstschutz.
Silentium: Weil man ein Altes Haus oft einfach stehen lässt,
Silentium: wenn sich keiner findet, der für den Abriss bezahlt.
Silentium: Solange es nicht Einsturz gefährdet ist.
mög: Und mir wird vorgeworfen, ich spräche in den Metaphern des Gedichtes…
Silentium: Genau so, wie man einen psychisch Kranken
Silentium: oft alleine herumgeistern lässt, solange er nicht auffällig wird.
Silentium: Wenn aber das Haus anfängt, das Ortsbild erheblich zu stören
Silentium: oder der Mensch beginnt, zu sabbern und wirr Passanten zu beleidigen
Silentium: dann taucht doch jemand auf, der was dagegen tut.
Silentium: Das Haus wird abgerissen,
Silentium: (oder, im Aschacher fall, an Immigranten vermietet)
Silentium: der Mensch wird psychatriert.
Silentium: Könnte es also sein, dass das LI die Kannten glättet,
Silentium: damit keiner nachschauen kommt
Silentium: und dann die Schwarzbewohner entdeckt.
Silentium: Also, kurz auf den Punkt: Glättet das LI die Kanten,
Silentium: weil es Angst davor hat, was die "außenaugen" sonst tun würden?
Silentium: Und dass diese Angst ihm keine Wahl lässt?
Hamburger: Ich glaube, es ist unmgölich
Hamburger: nicht wenigstens ein bisschen Doppelwelter zu sein.
Hamburger: Es wird immer einen Unterschied geben
Hamburger: zwischen meiner eigenen Gefühlswelt,
Hamburger: zwischen dem was in mir ist,
Hamburger: Erfahrungen, Gedanken, Erinnerungen etc.
Hamburger: und meiner äußeren Wahrnehmung.
Hamburger: Ich kann mich natürlich zurückziehen, so weit als möglich,
Hamburger: aber selbst dann gibt es eine äußere Wahrnehmung,
Hamburger: ein Innen und ein Außen,
Hamburger: und die Welt ist auch nicht nur das, was ich konstruiere,
Hamburger: es gibt strukturelle Zwänge, denen ich nicht entgehen kann,
Hamburger: wenn ich nicht die Konsequenzen tragen will.
Hamburger: Daher bleib ich dabei: Das LI hat eigentlich keine Wahl!
Hamburger: Das Doppelspiel würde nur durch den Tod beendet.
Hamburger: Eine Frage noch ist sehr interessant: Ob das LI
Hamburger: "doppelweltlerin" sein WILL, wie mög glaubt, oder sein MUSS?
Hamburger: Dazu hätte ich gerne eure Meinung.
Silentium: Schließe mich Hams LI-hat-keine-Wahl-Argumentation an,
Silentium: weil das LI zwar nicht glücklich wirkt,
Silentium: aber auch nie die geringste Initiative zeigt,
Silentium: an seinem Zustand etwas zu ändern.
Silentium: Wegen der unabsehbaren Konsequenzen, sozusagen.
mög: Da kommt der Mond ins Spiel, find ich.
mög: Wie gesagt, ich glaub nicht, dass es so viel Spaß hat am Kanten glätten.
[) i r k: Ähm, darf ich?
Silentium: Lassen wir ihn?
Hamburger: Jupp.
mög: Gnädigerweise.
[) i r k: Ihr seid zu nett!
[) i r k: Also ich bin nicht sicher, wo ich anfangen soll …
[) i r k: Ich wollte hier nicht eine komplette Erkenntnistheorie vornehmen.
[) i r k: Fakt scheint mir aber zu sein,
[) i r k: dass sich das LI den "außenaugen" nicht entziehen kann.
[) i r k: Das heißt, die Flucht von der du gesprochen hast, mög,
[) i r k: das Ich-habe-nichts-mehr-mit-den-anderen-zu-tun,
[) i r k: fällt für dieses Gedicht aus.
[) i r k: Es geht höchstens um eine innere Flucht:
[) i r k: Das Ich als Versteck.
[) i r k: Ich bin aber auch mit dir einer Meinung,
[) i r k: dass das keine Schauspielerei ist,
[) i r k: Sondern sehe das eher wie Mirko und du:
[) i r k: Die Fassade ist Notwendigkeit.
[) i r k: Die Kante, die Grenze zwischen Ich und Außenwelt,
[) i r k: Außenaugen (Mond?) kann grundsätzlich nicht aufgehoben werden.
mög: Ja, aber will das LI das überhaupt?
mög: Ich les halt einfach auch ein gewisses Bedauern heraus,
mög: dass die Fassaden bei Neumond zu glatt sind.
mög: Sonst ständ da nicht: "zu glatt".
[) i r k: Dazu kommen wir gleich in Strophe 2,
[) i r k: ich bin immer noch bei der Frage der Wahl.
[) i r k: Würde sie aufgehoben werden,
[) i r k: wäre das ein Fall für die Psychatrie oder fürs Grab.
mög: ich seh das ja auch so, mein Beispiel mit dem Autist
mög: deutet ja auch nicht auf ein "normales" Leben hin.
mög: Und dass die beiden Welten nicht vereinbar sind, denk ich auch.
[) i r k: Was meinst du jetzt mit "vereinbar"?
mög: Falscher Ausdruck: nicht zu einer werden können.
[) i r k: *durcheinander*
[) i r k: Wir reden doch von einem deutlichen Widerspruch
[) i r k: und einem bewusst negativen Gefühl?
mög: Das resultiert für mich aus der lästigen Notwendigkeit des Kanten Glättens.
[) i r k: Das in 2-Welten-leben ist dem LI doch unangenehm, irgendwie?
mög: Das LI will – vielleicht schon – "doppelweltlerin" sein,
mög: aber es hat halt alles seinen Haken:
mög: Und der ist in diesem Fall das Kanten glätten müssen.
[) i r k: Okay, ich bin ein bisschen durcheinander
[) i r k: und komme zu keinem festen Urteil, was die Frage der Wahl angeht.
[) i r k: Ich tendiere aber zu Hams Meinung.
[) i r k: Ich interpretiere das aber nicht grundsätzlich als Schwäche des Gedichtes,
[) i r k: sondern frage mich, ob unserer Interpretation stimmt!?
mög: Ja, aber wenn sie keine "doppeltwelterin" sein wollen würde,
mög: auf welche Welt würde sie sich denn lieber beschränken?
[) i r k: Gute Frage.
mög: Das ist doch nie eine Schwäche des Gedichtes,
mög: wenn ein Aspekt ambivalent bleibt.
[) i r k: Ich frage mich die ganze Zeit, was die Alternative sein könnte ...
[) i r k: finde aber ehrlich gesagt keine Antwort.
[) i r k: Und deswegen verstehe ich auch das Wenn-Dann nicht.
[) i r k: Kann es sein, dass es gar kein Wenn-Dann ist,
[) i r k: sondern einfach eine Feststellung?
mög: Wenn es eine Wahl gibt, dann ist es ein Wenn-Dann.
mög: Wenn es keine Wahl gibt, dann ist es ein Weil-Dann.
[) i r k: Ich muss "doppelweltlerin" bleiben, es gibt keine Wahl,
[) i r k: es gefällt mir nicht, aber es geht ja trotzdem nicht anders ...
mög: Und ich finde das übrigens ausgesprochen raffiniert,
mög: dass das so offen bleibt.
Hamburger: Ich sehe das Doppelweltlerinnendasein immer noch als Muss,
Hamburger: ob das LI will oder nicht, es MUSS "doppelweltlerin" sein.
Hamburger: Aber ich möchte mögs Gedanken schon ein wenig in Schutz nehmen,
Hamburger: denn dass das LI Doppelweltlerin sein muss,
Hamburger: heißt ja nicht, dass die Frage nicht relevant ist, ob es das auch will.
Hamburger: Subjektiv, für das LI gesehen.
Hamburger: Ich muss zum Beispiel Geld verdienen, um leben zu können.
Hamburger: Also muss ich arbeiten, es gibt aber viele Menschen,
Hamburger: die wollen das auch und machen das gerne.
Hamburger: Mit anderen Worten auf das Gedicht übertragen:
Hamburger: "zu glatte wände" steht schon auch ein bisschen für diesen Zwiespalt,
Hamburger: denn so ganz ohne Außenwelt und dieses Doppelweltlerinnendasein
Hamburger: würde sich niemand von uns wohl fühlen.
[) i r k: Die glatten Wände verstehe ich nicht in diesem Zusammenhang!
[) i r k: Was hat das mit dem Unterschied von Müssen und Wollen
[) i r k: bzw. Nicht-wollen zu tun?
Hamburger: Na ja, ich denke, wie mög schon sagte,
Hamburger: dieses "zu glatte Wände" könnte Bedauern ausdrücken.
Hamburger: Gäbe es kein Doppelweltlerinnendasein,
Hamburger: wären die Innenwelt und die Außenwelt eins
Hamburger: dann wäre das dem LI auch nicht genehm.
Hamburger: Das bedauert es und das will es nicht.
Hamburger: Also will es im Umkehrschluss auch irgendwie
Hamburger: das Doppelweltlerinnendasein.
Hamburger: Frage an mög: Hast du das so gemeint wie ich es gerade beschrieb?
mög: Ja. Du hast mich überzeugt.
[) i r k:
Silentium: Darf ich das jetzt noch mal zusammenfassen?
Silentium: Das LI kann gar nicht anders, als Doppelweltlerin zu sein,
Silentium: weil alles andere es lebensunfähig machen würde?
Silentium: Das Kantenglätten aber braucht das LI,
Silentium: um das Doppelweltenleben im Gleichgewicht zu halten,
Silentium: quasi als Selbstschutz.
Silentium: Also ist die Doppelwelt etwas natürlich vorgegebenes,
Silentium: dass sich das LI zwar nicht ausgesucht hat,
Silentium: mit dem es aber leben kann,
Silentium: weil alles andere erst recht nichts wäre
Silentium: und das Kantenglätten eine Notwendigkeit,
Silentium: um das Doppelleben zu erhalten.
Silentium: Also bleibt ihr keine Wahl,
Silentium: nicht etwa deshalb, weil alle anderen Wahlen inakzeptabel wären,
Silentium: sondern weil es - von der Auslöschung abgesehen -
Silentium: gar keine andere Wahl GIBT?
Silentium: Ist das jetzt so logisch?
[) i r k: In meinen Augen schon.
mög: Find ich auch.
Hamburger: Ich auch.
[) i r k: Gibt es noch Fragen zu Strophe 1?
[) i r k: Irgendetwas, dass wir noch nicht bequatscht haben?
[) i r k: Das ungereimt ist?
Silentium: In zwei Zeilen?
Silentium: Nachdem wir beide verfügbaren Hauptwörter
Silentium: über eine Stunde lang auseinander genommen haben?
Hamburger: Ich hab noch was.
Hamburger: Und zwar interessiert mich die Verbindung,
Hamburger: der Übergang zwischen Strophe 1 und Strophe 2.
Hamburger: Seht ihr es auch so wie ich (Achtung, Suggestivfrage!),
Hamburger: dass Strophe 1 eher so was wie ein Vorspann ist?
Hamburger: Denn das Kantenglätten kommt in Strophe 2 ja gar nicht vor,
Hamburger: im Gegenteil, da sind die Wände "zu glatt".
Hamburger: Steht Strophe 1 also wie ein Vor-Aussage für sich
Hamburger: und weist auf den gesamten Prozess hin?
mög: Ja, ich seh Strophe 1 auch als ne Art Prolog.
Silentium: Jepp.
[) i r k: Ich auch, das ist das vorweggenommene Resüme!
[) i r k: Es rahmt das Gedicht quasi ein
[) i r k: und ist somit ein sehr schön angewandetes Stilmittel.
Hamburger: Also alle überzeugt.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
6. Zeigen vs. verstecken, offenbaren vs. schützen
[) i r k: Okay, wir haben Strophe 2 schon vorweggenommen,
[) i r k: aber ich denke, das steckt noch mehr drin!
Hamburger: Wir haben ja schon gesagt, das dieses "zu glatte Wände"
Hamburger: auch Bedauern ausdrücken könnte
Hamburger: und dass hier ein Prozess anfängt.
Hamburger: Was ich nun habe, sind hauptsächlich Fragen zur Strophe:
Hamburger: 1.) Da steht "stahlverbrämt für aussenaugen".
Hamburger: Findet ihr dieses Bild nicht etwas drastisch?
Hamburger: Ich meine, wer schafft es denn nach außen so ein bombensicheres,
Hamburger: stahlverbrämtes Bild abzugeben?
Hamburger: 2.) Wofür könnte "porzellan" noch stehen, außer für Zerbrechlichkeit?
Hamburger: Das ist wieder die Schwäche/Stärke-Thematik.
Hamburger: 3.) Was soll das mit "für mich im endeffekt"?
Hamburger: Wieso "im endeffekt"?
Hamburger: Ist es für das LI sonst noch was anderes bzw.
Hamburger: sind die Wände sonst noch was anderes?
Silentium: Also, im Endeffekt erscheinen die Wände,
Silentium: die Hausmauer oder was auch immer
Silentium: den "außenaugen" ja nur "stahlverbrämt"
Silentium: und genauso SCHEINT es dann dem LI nur wie Porzellan.
Silentium: Also während für die "außenaugen"
Silentium: das Ganze einen Stahleindruck macht,
Silentium: wirkt auf das LI das Ganze eben nur im Endeffekt,
Silentium: in seiner Auswirkung wie Porzellan aus,
Silentium: weil es ja in Wirklichkeit noch immer die Hausmauer
Silentium: bzw. die Schranke zwischen Innen- und Außenwelt ist,
Silentium: die ja sowieso weder aus Stahl noch Porzellan besteht.
[) i r k: Übersetzt das mal in deine Sprache,
[) i r k: anstatt die Metaphern des Gedichtes zu wiederholen.
Silentium: Übersetzt: Das "im endeffekt" heißt nur,
Silentium: dass es auf das LI nur so wirkt
Silentium: oder sich nur darauf herauskommt.
Silentium: (Gibt's die Wendung im Piefkenesischen überhaupt?)
Silentium: Dass das "im Endeffekt" im Grunde wurscht ist?
[) i r k: Ja, und was bedeuten "stahlverbrämt" und "porzellan" für dich?
Silentium: Über's Porzellan hab ich mich ja schon ausgelassen.
Silentium: Das gibt im Grunde drei Deutungsmöglichkeiten:
Silentium: I. Zerbrechlichkeit.
Silentium: Während das LI sich nach Außen hin stark zeigt,
Silentium: ist es nach innen sehr verletzlich.
Silentium: II. Rutschig.
Silentium: Während es sich nach außen hin uneinnehmbar zeigt,
Silentium: ist es selbst nicht fähig, an sich entlang zu klettern,
Silentium: sprich: mit sich selbst, mit seiner eigenen Psyche klarzukommen.
Silentium: III. Hart, aber splitternd.
Silentium: Wenn man auf Stahl einschlägt, dann verbiegt er sich,
Silentium: wenn man Porzellan kaputtmacht, dann hat man Scherben,
Silentium: an denen sich verletzten kann.
Silentium: Das LI weiß also, dass es zwar nach außen hart wirkt,
Silentium: wenn es aber angegriffen werden würde,
Silentium: dann würde es daran zugrunde gehen,
Silentium: dabei aber noch fleißig andere verletzten.
Silentium: Das sind halt die drei Möglichkeiten, die mir akut einfallen.
mög: Also ich find übrigens, das ist ein deutliches Anzeichen
mög: für die Qualität des Gedichtes,
mög: wenn wir (Silly und ich) dauernd versucht sind,
mög: in den Metaphern des Gedichtes zu reden,
mög: weil wir offenbar fühlen, dass das die beste Art ist um es zu sagen.
[) i r k: Das mag sein, versucht aber trotzdem eure eigene Worte zu finden,
[) i r k: sonst macht das, was wir hier tun, keinen Sinn.
mög: Ja, das ist mir übrigens klar,
mög: ich wollte nur ein Kompliment an die Verfasserin anbringen.
mög: Der Endeffekt ist für mich die Zerstörung,
mög: das ist ja immer der ultimative Endeffekt.
mög: Vorläufig mag also die Fassade wirklich wie Stahl wirken,
mög: als guter Schutz also,
mög: ein bisschen auch wegen der self-fullfilling prohpecy,
mög: wenn die anderen glauben, es ist Stahl, greifen sie auch nicht an.
mög: Aber im Endeffekt, wenn's hart auf hart kommt,
mög: ist es halt doch nur Porzellan und zerbricht.
mög: Für mich sind schon Härte und Zerbrechlichkeit
mög: die wesentlichen Inhalte dieses Bildes,
mög: wenngleich ich auch die zusätzlichen Aspekte,
mög: die Silly eingebracht hat, sehr interessant finde.
mög: Und letztlich gehts ja auch um das Verhalten des Materials
mög: bei Zerstörung und das ist eben der End-Effekt.
[) i r k: Also ich glaube nicht,
[) i r k: dass es um die Eigenschaft des Materials bei Zerstörung geht.
[) i r k: Ich würde das "stahlverbrämt" vorsichtiger deuten,
[) i r k: nicht als "Härte" und "Unangreifbarkeit",
[) i r k: sondern als eine Art Selbstsicherheit,
[) i r k: als ein nach außen hin ungefährdeter, starker, selbstbewusster Mensch.
[) i r k: Das führt mich zu deiner Frage Mirko,
[) i r k: du fragtest, ob das Bild nicht zu drastisch wäre.
[) i r k: "Verbrämt" ist ein schönes Wort, ich habe es mal nachgeschlagen.
[) i r k: Wörtlich heißt es: Mit Stickerei besetzen oder verzieren.
[) i r k: Übertragen heißt es: verschleiern und verhüllen.
[) i r k: Bei der übertragenen Deutung, frage ich mich,
[) i r k: ob wir den Schauspielaspekt nicht doch noch mal diskutieren müssten.
[) i r k: Was die Deutung des Porzellans angeht,
[) i r k: ziehe ich Silentiums Variante I vor:
[) i r k: Für mich bedeutet das in erster Linie Zerbrechlichkeit.
[) i r k: Das Bild des "stahlverbrämten" Ichs ist dann nicht so drastisch,
[) i r k: weil der Unterschied tatsächlich so groß ist
[) i r k: und das LI wirklich so hart erscheint, sondern,
[) i r k: weil es den Unterschied zwischen äußerer und innerer Welt,
[) i r k: zwischen dem, was es darstellt, und dem,
[) i r k: was es fühlt, wie es eigentlich ist (sehr verletztlich)
[) i r k: so empfindet.
[) i r k: Darum finde ich das durchaus nicht übertrieben ...
[) i r k: es sind schöne Worte, die mir zu passen scheinen.
[) i r k: Und dem Kompliment von mög will ich mich natürlich gerne anschließen.
[) i r k: Und ihr habt Recht: "zu glatt" drückt ein gewisses Bedauern aus.
[) i r k: Das ist mir jetzt klar geworden.
[) i r k: Und zwar drückt es, meiner Ansicht nach, das Bedauern aus,
[) i r k: dass die "außenaugen" nicht genau hinsehen,
[) i r k: dass die "außenaugen" nicht erkennen können,
[) i r k: wie zerbrechlich und verletzlich das LI wirklich ist.
[) i r k: Das LI erscheint als glatt und abweisend
[) i r k: (das kann man verschiedentlich deuten),
[) i r k: aber es empfindet sich selbst als ganz anders.
[) i r k: Ich sehe hier den Aspekt das Angreifens nicht
[) i r k: oder der Zerstörung.
[) i r k: Es scheint mir eher darum zu gehen,
[) i r k: dass das LI möchte, genauer erkannt zu werden.
mög: Aber wenn die "außenaugen" durch den Mond symbolisiert werden,
mög: warum muss das LI dann glätten,
mög: Risse und somit Zerbrechlichkeit verbergen im Vollmond,
mög: wenn es doch eigentlich will, dass die Zerbrechlichkeit gesehen wird.
[) i r k: Mög, du nimmst mir meine letzte Frage vorweg:
[) i r k: Ist der Mond jetzt eigentlich mit den "außenaugen" identisch?
[) i r k: Steht das auch für euch fest?
[) i r k: Übrigens in Strophe 2 wird noch nicht geglättet,
[) i r k: Da ist es "zu glatt".
mög: Also für mich ist es Bedauern, weniger, dass die anderen nicht sehen,
mög: sondern mehr, dass sie es nicht zeigen kann.
[) i r k: Wie begründest du das?
[) i r k: Ich meine: das Zeigen?
mög: Weil sie sonst nicht glätten müsste,
mög: wenn sie kein Problem damit hätte, dass es im Vollmond jeder sieht.
Hamburger: Ich habe 3 Punkte.
Hamburger: 1.) Zunächst ich empfinde das Bild mit dem "stahlverbrämt"
Hamburger: jetzt auch nicht mehr als zu drastisch.
Hamburger: Vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive hinaus als ihr,
Hamburger: ich hab nämlich übersehen, dass für die "außenaugen"
Hamburger: das LI stahlverbrämt wirkt und zwar bei NEUMOND,
Hamburger: also, wie Silly schon sagte, bei "Fast-Licht",
Hamburger: wenn man kaum was sehen kann.
Hamburger: Das ist ein wichtiger Punkt.
Hamburger: Damit entfällt hier meine oben geäußerte Kritik.
Hamburger: 2.) Für mich ist der Mond nicht mit den Aussenaugen identisch.
Hamburger: Ich habe den Mond immer als Beleuchtung gesehen,
Hamburger: wie stark insgesamt hingeschaut wird, sozusagen
Hamburger: als zusammenfassendes Statement zur Beleuchtung der Szenerie.
Hamburger: Ich bin hier aber sehr unsicher
Hamburger: und hätte da gerne gleich noch mal eure Meinungen.
Hamburger: 3.) Ich finde den Punkt von mög sehr gut, was das Bedauern angeht,
Hamburger: die eigene Zerbrechlichkeit nicht anzeigen zu können,
Hamburger: denn ich meine in diesem Zwiespalt stecken wir doch alle.
Hamburger: Einerseits möchten wir gerne so gesehen werden, wie wir sind,
Hamburger: möchten, dass jemand unsere Innenwelt nachvollziehen kann,
Hamburger: sie mit uns teilt,
Hamburger: andererseits verschließen wir uns genau dem sehr oft,
Hamburger: denn das würde uns nackt erscheinen lassen,
Hamburger: angreifbar und verletzlich.
Hamburger: Dazu braucht es viel Vertrauen,
Hamburger: jemandem seine Zerbrechlichkeit anzuzeigen,
Hamburger: das ist nicht für jedermanns "außenaugen" gedacht,
Hamburger: so dass ich zum pathetischen Schluss komme:
Hamburger: dieses Vertrauen gibt es eigentlich nur in einer tiefen Liebe.
Silentium: Was ist, wenn genau das die Entwicklung in dem Gedicht ist?
Silentium: In der Strophe zwei schaut keiner her,
Silentium: da ist das Mondlicht, wie Ham schon sagte,
Silentium: die Aufmerksamkeit der Umwelt.
Silentium: Da hat das LI den vagen Wunsch,
Silentium: jemand würde seine Verletzlichkeit erkennen,
Silentium: aber weil keiner herschaut, bemerkt es auch keiner.
Silentium: Dann in der dritten Strophe
Silentium: bekommt es tatsächlich ein bisschen Aufmerksamkeit,
Silentium: aber weil es sich ja den eigenen Wunsch,
Silentium: erkannt zu werden, gar nicht eingestehen darf,
Silentium: weil es die "außenaugen" im Prinzip ja als bedrohlich empfindet,
Silentium: beginnt es gerade jetzt sich aktiv abzuschirmen,
Silentium: also die Abbruchkanten zu verstecken, zurückzuziehen.
Silentium: In der letzten Phase, bei Vollmond dann,
Silentium: brechen die mentalen Barrieren irgendwie zusammen,
Silentium: wie bei einer Psychotherapie, wo plötzlich alles hochkommt,
Silentium: von dem das LI gar nicht will, dass es jemand sieht,
Silentium: und jetzt, im Vollmond, wo das,
Silentium: was es sich noch am Anfang verstohlen gewünscht hat,
Silentium: weil im Dunkeln ohnehin keine Gefahr bestand,
Silentium: jetzt erkennt sie, dass sie gar nicht den Mut hat,
Silentium: sich wirklich zu offenbaren.
mög: Find ich gut.
Hamburger: Also die Gesamtdeutung von Silly ist auf jeden Fall interessant,
Hamburger: aber da bleiben bei mir einige Fragen,
Hamburger: im wesentlichen zwei Stück.
Hamburger: Zum Einen: Warum muss das LI dann "fensterklettrer" bleiben?
Hamburger: Es könnte sich doch auch wieder zurückziehen, oder?
Hamburger: Zum Zweiten: Wieso nimmt der Mond nicht mehr ab?
Hamburger: Wieso ist die Entwicklung unumkehrbar?
Hamburger: Auch hier frage ich mich: Wenn ich erkenne,
Hamburger: nicht den Mut zu haben, mich zu offenbaren,
Hamburger: wenn ich den Zwiespalt sehe,
Hamburger: warum bleibt das Mondlicht immer da
Hamburger: und warum ist der Prozess nicht mehr zu beeinflussen,
Hamburger: kommt zum Stillstand?
Hamburger: Das wären so meine Fragen, aber ich finde,
Hamburger: egal wie wir sie beantworten,
Hamburger: wir sollten die Deutung im Hinterkopf behalten,
Hamburger: wenn wir die Detailarbeit gleich fortsetzen.
[) i r k: Ich wollte noch was zu dem Bedauern sagen,
[) i r k: zu dem Unterschied: Bedauern, weil man nicht erkannt wird.
[) i r k: Oder: Bedauern, weil man es nicht zeigen kann.
[) i r k: Ich würde – zumindest, was die zweite Strophe angeht –
[) i r k: die erstere Variante vorziehen. Denn der Mangel besteht ja
[) i r k: aus einem fehlenden Aufmerksamkeitspotential der Außenwelt.
[) i r k: Es ist ja Neumond!
[) i r k: Wenn mir keiner Beachtung schenkt,
[) i r k: könnte ich noch so viel zeigen oder offenbaren wollen ...
[) i r k: Das wäre eh sinnlos.
mög: Für mich ist das mit dem Offenbaren
mög: nicht ausschließlich eine Frage des Mutes.
mög: Zu einem Großteil gewiss, aber nicht ausschließlich.
mög: Um das zu begründen, müsste ich jetzt aber
mög: was aus der nächsten Strophe vorweg nehmen.
mög: Nämlich: "fremdlandmesser".
mög: Mir fällt nämlich gerade auf,
mög: dass da Sillys-Porzellan-Assoziation perfekt aufgeht.
mög: Porzellan ist ja die wahre Beschaffenheit, Stahl die Verbrämung.
mög: Und, Porzellan, wenn es angegriffen wird, zersplittert,
mög: die Kanten sind scharf = gefährlich für die anderen!
mög: Ich glätte nicht nur, um mich zu schützen,
mög: sondern auch um die anderen zu schützen!
[) i r k: Das ist gut! Die Scherben ...
mög: Und das sind die "fremdlandmesser",
mög: die Messer, zu denen die Außenhülle wird,
mög: wenn das aus dem fremden Land, dem Inneren sich Bahn bricht.
Hamburger: Ich hab alles verstanden bis auf den letzten Satz,
Hamburger: der ist grammatikalisch bisschen merkwürdig.
mög: Um das mit dem Bedauern zu klären: Es ist wohl beides.
[) i r k: Mir ist das mit dem Offenbaren-Wollen nicht klar,
[) i r k: ich lese das (fast) in dem gesamten Gedicht nicht.
[) i r k: Okay, bis auf die eine Stelle mit den "zu glatten" Wänden
[) i r k: Aber sonst, wo findet ihr noch Indizien dafür,
[) i r k: dass das LI sich preigeben will oder was auch immer?
[) i r k: Und genau das ist der Punkt,
[) i r k: warum mir Sillys Deutung noch nicht so passt.
mög: Für mich ist es der tiefere Grund für die ganze düstere Stimmung.
mög: Was wäre sonst das Problem?
[) i r k: Bitte nicht mit Gegenfragen antworten,
[) i r k: ich hätte gern konkrete Beispiele am Gedicht (egal aus welcher Strophe).
[) i r k: Oder seh nur ich das so?
Hamburger: Also, ich glaube, jetzt den Punkt mit dem Fremdlandmessern
Hamburger: auch samt dem letzten Satz richtig verstanden zu haben.
Hamburger: In Verbindung mit dem, was Dirk gerade sagte
Hamburger: bzw. er forderte Beispiele, muss ich sagen:
Hamburger: ich sehe auch keine weiteren so recht.
Hamburger: Das LI beginnt sich doch ab Strophe 3 schon
Hamburger: zurückzuziehen bzw. zu verstellen.
Hamburger: Vielleicht sollten wir Sillys Deutung daher etwas abschwächen.
Hamburger: Am Anfang will das LI sich noch offenbaren (Strophe 2),
Hamburger: aber schon da, wo der Prozess beginnt (Strophe 3), zuckt es zurück
Hamburger: und zwar, wie mög sagt, nicht nur, weil es nicht den Mut hat,
Hamburger: sondern auch, um die anderen zu schützen.
Hamburger: Eine Frage habe ich dann noch dazu:
Hamburger: Wovor will es die Anderen schützen?
[) i r k: Vor den "schwarzbewohnern" vielleicht?
Hamburger: Wieso muss ich einen Fremden
Hamburger: vor dem Anblick meiner Zerbrechlichkeit schützen?
Hamburger: Oder muss ich ihn davor schützen, weil ich ihn sonst angriffe?
mög: Ja, man will die anderen nicht mit den eigenen Gespenstern belasten.
Hamburger: Genau, die Schwarzbewohner, das meinte ich mit der letzten Frage.
Hamburger: Stimme hier Dirk zu und mögs Gedanke ist auch gut.
[) i r k: Ich sage noch mal was:
[) i r k: Ich sehe zwar das Bedauern ein bisschen, aber
[) i r k: ich sehe in dem ganzen Gedicht keinen konkreten Wunsch,
[) i r k: sich offenbaren zu wollen. Am Anfang gibt es einen Zustand
[) i r k: der glatten Wände oder der Verbrämung.
[) i r k: Und als dieser Zustand sich auflöst,
[) i r k: ist das LI die ganze Zeit mit Glätten beschäftigt,
[) i r k: mit Risse stopfen ... mit Gewohnheitsmustern.
[) i r k: Das klingt nicht nach Offenbaren-Wollen für mich,
[) i r k: Sondern nur nach einer anderen Form des Versuchs,
[) i r k: alles zusammenzuhalten zu wollen
[) i r k: und die eigenen Dämonen zu bändigen
[) i r k: und ja nicht nach Außen dringen zu lassen.
[) i r k: Obwohl genau das in Strophe 4 passiert.
mög: Ja, aber es herrscht eine düstere Grundstimmung,
mög: soweit sind wir uns ja einig.
mög: Das LI ist unglücklich? Warum?
mög: Warum, wenn es kein Problem damit hat,
mög: den anderen nur einen beschränkten Teil zu zeigen?
mög: Denn es kann ja Glätten, das mit dem Glätten funktioniert ja.
mög: Wenn es sich also mit dieser glatten Außenwirkung begnügen würde,
mög: wäre doch alles in Butter? Nur deswegen unglücklich,
mög: weil das mit dem Glätten so viel Aufwand ist? Eine lästige Arbeit?
mög: Weil es eigentlich was Besseres zu tun hätte?
mög: Das ist mir zu wenig für diesen melancholischen Grundton.
mög: Wobei für Dirk und Mirkos Deutung spricht:
mög: Am Ende scheint es sich eigentlich nur zu wünschen,
mög: dass der Mond wieder weg geht.
mög: Was ich übrigens auch interessant finde:
mög: Wenn wir den Mond nehmen als Licht der allgemeinen Aufmerksamkeit,
mög: was wäre dann an der Sonne besser?
mög: Wegen "sogar tags", das LI scheint sich ja zu wünschen,
mög: dass es lieber tagsüber zumindest die Sonne hätte.
Silentium: Also erstens steht grad Papa hinter mir und hat festgestellt,
Silentium: dass wir ganz offensichtlich einen Vogel haben,
Silentium: fünf Stunden lang an einem Gedicht herumzukauen.
Hamburger:
Silentium: Banause der.
[) i r k: Liebe Grüße an den Papa (unbekannter Weise)!
Silentium: Papa lässt zurückgrüßen und sagt,
Silentium: dass ihm das Gedicht gefällt.
Silentium: Zweitens: Ich gebe mög insofern recht,
Silentium: dass allein der Kanten-Glätten-Arbeitsaufwand die
Silentium: die traurige Grundstimmung des Gedichtes nicht erklärt.
Silentium: Allerdings funktioniert das Kantenglätten ja gar nicht.
Silentium: Vielleicht wird das Mondlicht, die Aufmerksamkeit,
Silentium: genau deswegen immer größer, weil den "außenaugen",
Silentium: also der sozialen Umwelt, aufgefallen ist, dass was nicht stimmt?
Silentium: Dass sie deswegen immer mehr herschauen?
Silentium: So eine Henne-Ei Sache.
Silentium: Dass das LI zwar gar nicht erkannt werden will,
Silentium: aber dennoch vage enttäuscht ist, dass niemand sich um es schert.
Silentium: So in die Richtung: glücklich unglücklich.
Silentium: Sobald es aber Aufmerksamkeit kriegt,
Silentium: beginnt genau deswegen der Putz,
Silentium: die Schauspielerei oder was immer, zu bröckeln.
Silentium: Und deswegen wird sie erst recht unglücklich
Silentium: und am Schluss, wenn sich all ihre Täuschung aufgelöst hat,
Silentium: wenn jeder sie anschaut, wie kaputt sie doch ist,
Silentium: dann ist es zu spät,
Silentium: sich noch mal in die Anonymität des Dunkels zu flüchten.
Silentium: Weil es ja alle wissen und ein einmal verbreitetes Geheimnis
Silentium: kann keiner mehr unverbreitet machen.
Hamburger: Also einige Anmerkungen:
Hamburger: mög sprach vom melancholischen Grundton des Gedichtes.
Hamburger: Diesen Grundton sehe ich auch. Aber als Begründung
Hamburger: für das Sich-Offenbaren-Wollen ist mir das zu wenig,
Hamburger: wenn es denn nur eine konkrete Textstelle gibt.
Hamburger: Und die vielen Fragen, die du stellst mög,
Hamburger: ersetzen nicht den Beweis durch Textstellen, finde ich.
Hamburger: Zweiter Punkt: mög hatte gefragt, was an der Sonne besser wäre.
Hamburger: Das frage ich mich auch,
Hamburger: vielleicht sollten wir den Punkt ja im Hinterkopf behalten.
Hamburger: Aber davon abgesehen: Woraus liest du, mög,
Hamburger: dass das LI sich die Sonne wünscht?
Hamburger: Ein letzter Punkt: dieser Ablauf ist interessant
Hamburger: und, was Silly dazu sagte,
Hamburger: dass die Umwelt mit der Zeit immer genauer hinschaut.
Hamburger: Aber ich frage mich: ist das so?
Hamburger: Schaut man nicht gerade am Anfang bei Freundschaften,
Hamburger: überhaupt bei Kontakten ganz genau hin?
Hamburger: Macht sich dann sein Bild und steckt es in die Schublade –
Hamburger: und fertig! Ich meine, wenn das so wäre,
Hamburger: dann erscheint der ständige Mond am Schluss im anderen Licht:
Hamburger: Dann haben alle ihr Bild schon fertig
Hamburger: und man muss deshalb Kanten glätten,
Hamburger: aber nicht, weil alle so genau hinschauen,
Hamburger: sondern um dem Bild zu entsprechen.
[) i r k: Also ich sehe den melancholischen Grundton auch
[) i r k: und ich sehe auch eine/die Entwicklung.
[) i r k: Aber ich sehe das LI eher als Opfer, eher passiv.
[) i r k: Es passiert etwas mit ihm,
[) i r k: es ist in einer Rolle, in dem ihm etwas widerfährt.
[) i r k: Ein Offenbaren-Wollen wäre eine Aktion,
[) i r k: wäre aktiver und das kann ich schwer in dem Gedicht erkennen.
[) i r k: Ein anderer Punkt: Ich glaube,
[) i r k: dass wir den Mond falsch interpretieren.
[) i r k: Nicht nur, dass Mond und Außenaugen verschieden sind,
[) i r k: sondern besonders in Hinblick auf die letzte Strophe macht das keinen Sinn,
[) i r k: das als Szenerielicht oder Aufmerksamkeitspotential zu deuten.
[) i r k: Vielleicht ist das Mondlicht eher so etwas wie eine Art Selbstbewusstsein.
[) i r k: Also: wie nehme ich mich und mich in meinem Umfeld wahr.
[) i r k: Wenn wir Kinder sind,
[) i r k: haben wir kaum so eine differenzierte Selbstwahrnehmung
[) i r k: und als Kind gibt es auch nicht so eine starke Außen-Innen-Abgrenzung.
[) i r k: Die Schärfe des Randes hängt also von der Beleuchtung ab,
[) i r k: von einer (externen wie internen) Wahrnehmung
[) i r k: oder einer Art Bewusstsein, keine Ahnung.
[) i r k: Wenn ich aber einmal ein bestimmtes Bewusstsein habe,
[) i r k: meine Sinne ausgeprägt habe,
[) i r k: dann kann ich das nicht mehr rückgängig machen.
[) i r k: Ich kann mir dann nicht vorgaukeln, ich wäre aber anders,
[) i r k: das nicht mehr in den Bereich des Unbewussten verschieben/verdrängen.
[) i r k: Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausdrücke,
[) i r k: ich merke gerade, dass mir Fachwissen fehlt und Vokabeln.
mög: Doch, zuerst dacht ich, nee, aber jetzt denk ich mir, warum nicht?
Hamburger: Schon, aber ich hab einen Einwand.
Hamburger: Also, wenn wir daraus ein Modell machen,
Hamburger: die Strophe 2 wäre die Kindheit
Hamburger: und das wäre ab da die Entwicklung eines Menschen,
Hamburger: dann sehe ich in Strophe 2 ein Problem.
Hamburger: Denn "stahlverbrämt für außenaugen"
Hamburger: kann ich dann gar nicht mehr deuten
Hamburger: Auch Zeile 1 und 3, die ganze Strophe, da bräuchte ich ne Deutung.
[) i r k: So meinte ich das aber nicht, sorry.
[) i r k: Das mit der Kindheit war eher eine Veranschaulichung.
Hamburger: Die erstaunlich gut passt, finde ich, bis auf Strophe 2,
Hamburger: wenn man das als Modell nähme.
mög: Okay, also erstmal ad Ham:
mög: Schon klar, dass Textstellen schlagfertiger sind, aber
mög: dein Beharren auf Textstellen ändert jedenfalls auch nichts daran,
mög: dass du meine Fragen nicht beantworten kannst.
mög: Macht aber nix, kann ich mittlerweile selber, dank Silly's Interpretation:
mög: Die Düsternis scheint eher daran zu liegen,
mög: dass der Mond, was immer er auch sein möge, nicht mehr weggeht.
mög: Und da passt jetzt beides: Ob das nun die Aufmerksamkeit der anderen ist,
mög: die wir nicht mehr loswerden (Beispiel aus der Praxis: Elfriede Jelinek),
mög: oder das Wissen über uns selbst, das sich auch nicht mehr Verdrängen lässt.
mög: Noch mal kurz, warum ich glaube,
mög: dass sie lieber gelegentlich auch mal Sonne hätte:
mög: "steht sogar tags" usw.
mög: Wenn der Mond nicht da wäre, wär da die Sonne,
mög: da könnte man aber die ganzen Risse trotzdem sehen.
mög: Trotzdem schiene dem LI die Sonne zumindest tagsüber lieber zu sein,
mög: sonst würde sie das hier nicht erwähnen.
[) i r k: Mond und Sonne schließen sich nicht aus.
[) i r k: Der Mond kann auch am Himmel stehen, wenn die Sonne scheint.
mög: Ja, aber was brächte es tagsüber, wenn der Mond nicht da wäre
mög: und die Sonne trotzdem alles beleuchtet?
mög: Was ist das Problem beim Tagmond?
[) i r k: Ich finde die Sonne nicht bedeutsam.
[) i r k: Das ist an den Haaren herbeigezogen
[) i r k: und hat nichts mit dem Gedicht zu tun.
[) i r k: Das steht nichts von: Ich wünsche mir die Sonne o.ä.
[) i r k: Da steht nur, dass der Mond auch tagsüber am selben Fleck steht,
[) i r k: und das schließt Sonnenlicht ja gar nicht aus.
mög: Es geht mir nur darum, dass dieses "Beleuchtende"
mög: offenbar nicht das einzig wichtige am Mond ist.
[) i r k: Bei letzterem gebe ich dir Recht.
Hamburger: Also ad mög: Ich finde dieses Vorgehen,
Hamburger: fast ein Dutzend Fragen in den Raum zu stellen
Hamburger: und dann zu sagen, die kannst du aber nicht beantworten, unfair.
Hamburger: Denn in der Kürze der Zeit kann ich mir über 10-12 Fragen
Hamburger: nicht die Gedanken machen und die alle beantworten,
Hamburger: als wenn du einen Standpunkt erläuterst.
Hamburger: Mit Gegenfragen zu führen, ist zwar ein gutes rhetorisches Mittel,
Hamburger: aber daraus darfst du nicht schließen,
Hamburger: dass ich das alles nicht hätte beantworten können.
Hamburger: Das ist unfair.
mög: Okay, ich gewöhn mir das ab mit den Zwischenfragen,
mög: mir ist einfach nicht aufgefallen, dass es so viele waren.
Hamburger: Also gut, dann noch mal zur Sonne/Mond-Thematik.
Hamburger: Hier bin ich wieder eher auf mögs Seite:
Hamburger: Sogar tagsüber ist der Mond auf jeden Fall vor der Sonne dominierend.
Hamburger: Er schließt, stimmt Dirk, Sonnenlicht nicht aus,
Hamburger: aber, dass der Mond sogar tagsüber da ist,
Hamburger: erhält den melancholischen Grundton des Gedichtes.
Hamburger: Die Sonne wäre hier ein zu positives Bild gewesen.
[) i r k: Klären wir doch mal den Mond.
Silentium: Also, wir haben den Mond bisher immer als was Beleuchtendes behandelt,
Silentium: also als etwas, das nur die Offenbarungen,
Silentium: die ohnehin ablaufen, sichtbar macht.
Silentium: Was ist aber, wenn der Mond selber der Auslöser der Veränderung ist?
Silentium: Ich meine, zum Beispiel bringt der Mond
Silentium: bei einem Werwolf die haarige, animalische Seite heraus.
Silentium: Was ist, wenn das zunehmende Mondlicht
Silentium: entweder eine Art mystische Komponente ist
Silentium: oder aber für einen wachsenden Teil der LI-Psyche steht,
Silentium: beispielsweise dessen Wahnsinn oder so was?
[) i r k: Ich denke, wir sollten jetzt keinen Schritt zurückgehen in unserer Interpretation,
[) i r k: Mystisches oder Teil der LI-Psyche ist mir jetzt wieder zu unspezifisch
[) i r k: und erklärt nicht, was wir bereits versucht haben zu erklären.
[) i r k: Ich gebe zu, beim Mond liegen mystische Assoziationen nahe.
[) i r k: Aber die Interpretation von mög: Außenwahrnehmung & Wissen
[) i r k: als Doppelkomponenten gefällt mir besser.
[) i r k: Das erklärt, wenigstens einigermaßen,
[) i r k: warum der Mond am Ende sich nicht mehr bewegt und nicht mehr abnimmt.
Silentium: Ähm, das hab ich falsch formuliert.
Silentium: Ich wollt eigentlich nur die Sonne loswerden.
[) i r k: Ach so, dann hab ich dich nicht verstanden.
mög: Hm, ich find den Ansatz nicht so schlecht.
mög: Tut mir Leid wegen der Sonne,
mög: das Problem hab ich vielleicht bloß ich jetzt ein bisschen konstruiert.
Silentium: Ich wollte eigentlich nur Gründe aufzählen, warum der Mond
Silentium: als Metapher für die Selbsterkenntnis des LIs gut ist,
Silentium: während die Sonne in dem Kontext zu vernachlässigen ist.
mög: Trotzdem, es muss etwas geben, was der Mond hat, und die Sonne nicht.
Silentium: Genau das mein ich: der Mond hat diesen zusätzlichen
Silentium: Ohnehin-in-jeder-Mythologie-für-okkulte-Selbstfindung-stehend-Bonus.
Silentium: Das hat er, was die Sonne nicht hat.
[) i r k: Das würde ich unterstützen.
mög: Yep, und ich finde den Einbruch des Irrationalen
mög: grad bei dieser Thematik nicht so unangebracht.
mög: Also, warum nicht auch mythisch?
Hamburger: Einen Mini-Einwand gegen mögs Interpretation hab ich.
Hamburger: Und eine mystische Anmerkung zu Silly.
Hamburger: Zuerst die Anmerkung zu Silly, weil das nix inhaltliches ist:
Hamburger: Diese Art immer mit "Was ist, wenn das und das ist..." einzuleiten,
Hamburger: ist richtig geheimnisvoll. Bringt mich hier immer zum Gruseln
Silentium:
Hamburger: Inhaltlich zu mög: diese Doppelkomponenten
Hamburger: finde ich in der letzten Strophe nicht so wieder,
Hamburger: da heißt es: "denn der Mond nimmt HIER nicht ab" –
Hamburger: und dieses "HIER" scheint mir ein sehr spezifischer Ort zu sein,
Hamburger: da finde ich die Doppelkomponenten-Variante irgendwie...
Hamburger: hmmmm … zu unspezifisch.
mög: Hier – in meinem speziellen Fall, in der Natur natürlich schon.
mög: Ich seh keinen Widerspruch.
[) i r k: Vielleicht klärt sich das ja noch im Verlauf der Diskussion,
[) i r k: kommen wir jetzt zu Strophe 3 …
Silentium: Darf ich vorher mal was Off-Topic fragen?
Silentium: Nicht, dass es nicht lustig ist und interessant,
Silentium: aber wie lange werden wir denn ungefähr noch?
[
[) i r k: Okay, wir haben Strophe 2 schon vorweggenommen,
[) i r k: aber ich denke, das steckt noch mehr drin!
Hamburger: Wir haben ja schon gesagt, das dieses "zu glatte Wände"
Hamburger: auch Bedauern ausdrücken könnte
Hamburger: und dass hier ein Prozess anfängt.
Hamburger: Was ich nun habe, sind hauptsächlich Fragen zur Strophe:
Hamburger: 1.) Da steht "stahlverbrämt für aussenaugen".
Hamburger: Findet ihr dieses Bild nicht etwas drastisch?
Hamburger: Ich meine, wer schafft es denn nach außen so ein bombensicheres,
Hamburger: stahlverbrämtes Bild abzugeben?
Hamburger: 2.) Wofür könnte "porzellan" noch stehen, außer für Zerbrechlichkeit?
Hamburger: Das ist wieder die Schwäche/Stärke-Thematik.
Hamburger: 3.) Was soll das mit "für mich im endeffekt"?
Hamburger: Wieso "im endeffekt"?
Hamburger: Ist es für das LI sonst noch was anderes bzw.
Hamburger: sind die Wände sonst noch was anderes?
Silentium: Also, im Endeffekt erscheinen die Wände,
Silentium: die Hausmauer oder was auch immer
Silentium: den "außenaugen" ja nur "stahlverbrämt"
Silentium: und genauso SCHEINT es dann dem LI nur wie Porzellan.
Silentium: Also während für die "außenaugen"
Silentium: das Ganze einen Stahleindruck macht,
Silentium: wirkt auf das LI das Ganze eben nur im Endeffekt,
Silentium: in seiner Auswirkung wie Porzellan aus,
Silentium: weil es ja in Wirklichkeit noch immer die Hausmauer
Silentium: bzw. die Schranke zwischen Innen- und Außenwelt ist,
Silentium: die ja sowieso weder aus Stahl noch Porzellan besteht.
[) i r k: Übersetzt das mal in deine Sprache,
[) i r k: anstatt die Metaphern des Gedichtes zu wiederholen.
Silentium: Übersetzt: Das "im endeffekt" heißt nur,
Silentium: dass es auf das LI nur so wirkt
Silentium: oder sich nur darauf herauskommt.
Silentium: (Gibt's die Wendung im Piefkenesischen überhaupt?)
Silentium: Dass das "im Endeffekt" im Grunde wurscht ist?
[) i r k: Ja, und was bedeuten "stahlverbrämt" und "porzellan" für dich?
Silentium: Über's Porzellan hab ich mich ja schon ausgelassen.
Silentium: Das gibt im Grunde drei Deutungsmöglichkeiten:
Silentium: I. Zerbrechlichkeit.
Silentium: Während das LI sich nach Außen hin stark zeigt,
Silentium: ist es nach innen sehr verletzlich.
Silentium: II. Rutschig.
Silentium: Während es sich nach außen hin uneinnehmbar zeigt,
Silentium: ist es selbst nicht fähig, an sich entlang zu klettern,
Silentium: sprich: mit sich selbst, mit seiner eigenen Psyche klarzukommen.
Silentium: III. Hart, aber splitternd.
Silentium: Wenn man auf Stahl einschlägt, dann verbiegt er sich,
Silentium: wenn man Porzellan kaputtmacht, dann hat man Scherben,
Silentium: an denen sich verletzten kann.
Silentium: Das LI weiß also, dass es zwar nach außen hart wirkt,
Silentium: wenn es aber angegriffen werden würde,
Silentium: dann würde es daran zugrunde gehen,
Silentium: dabei aber noch fleißig andere verletzten.
Silentium: Das sind halt die drei Möglichkeiten, die mir akut einfallen.
mög: Also ich find übrigens, das ist ein deutliches Anzeichen
mög: für die Qualität des Gedichtes,
mög: wenn wir (Silly und ich) dauernd versucht sind,
mög: in den Metaphern des Gedichtes zu reden,
mög: weil wir offenbar fühlen, dass das die beste Art ist um es zu sagen.
[) i r k: Das mag sein, versucht aber trotzdem eure eigene Worte zu finden,
[) i r k: sonst macht das, was wir hier tun, keinen Sinn.
mög: Ja, das ist mir übrigens klar,
mög: ich wollte nur ein Kompliment an die Verfasserin anbringen.
mög: Der Endeffekt ist für mich die Zerstörung,
mög: das ist ja immer der ultimative Endeffekt.
mög: Vorläufig mag also die Fassade wirklich wie Stahl wirken,
mög: als guter Schutz also,
mög: ein bisschen auch wegen der self-fullfilling prohpecy,
mög: wenn die anderen glauben, es ist Stahl, greifen sie auch nicht an.
mög: Aber im Endeffekt, wenn's hart auf hart kommt,
mög: ist es halt doch nur Porzellan und zerbricht.
mög: Für mich sind schon Härte und Zerbrechlichkeit
mög: die wesentlichen Inhalte dieses Bildes,
mög: wenngleich ich auch die zusätzlichen Aspekte,
mög: die Silly eingebracht hat, sehr interessant finde.
mög: Und letztlich gehts ja auch um das Verhalten des Materials
mög: bei Zerstörung und das ist eben der End-Effekt.
[) i r k: Also ich glaube nicht,
[) i r k: dass es um die Eigenschaft des Materials bei Zerstörung geht.
[) i r k: Ich würde das "stahlverbrämt" vorsichtiger deuten,
[) i r k: nicht als "Härte" und "Unangreifbarkeit",
[) i r k: sondern als eine Art Selbstsicherheit,
[) i r k: als ein nach außen hin ungefährdeter, starker, selbstbewusster Mensch.
[) i r k: Das führt mich zu deiner Frage Mirko,
[) i r k: du fragtest, ob das Bild nicht zu drastisch wäre.
[) i r k: "Verbrämt" ist ein schönes Wort, ich habe es mal nachgeschlagen.
[) i r k: Wörtlich heißt es: Mit Stickerei besetzen oder verzieren.
[) i r k: Übertragen heißt es: verschleiern und verhüllen.
[) i r k: Bei der übertragenen Deutung, frage ich mich,
[) i r k: ob wir den Schauspielaspekt nicht doch noch mal diskutieren müssten.
[) i r k: Was die Deutung des Porzellans angeht,
[) i r k: ziehe ich Silentiums Variante I vor:
[) i r k: Für mich bedeutet das in erster Linie Zerbrechlichkeit.
[) i r k: Das Bild des "stahlverbrämten" Ichs ist dann nicht so drastisch,
[) i r k: weil der Unterschied tatsächlich so groß ist
[) i r k: und das LI wirklich so hart erscheint, sondern,
[) i r k: weil es den Unterschied zwischen äußerer und innerer Welt,
[) i r k: zwischen dem, was es darstellt, und dem,
[) i r k: was es fühlt, wie es eigentlich ist (sehr verletztlich)
[) i r k: so empfindet.
[) i r k: Darum finde ich das durchaus nicht übertrieben ...
[) i r k: es sind schöne Worte, die mir zu passen scheinen.
[) i r k: Und dem Kompliment von mög will ich mich natürlich gerne anschließen.
[) i r k: Und ihr habt Recht: "zu glatt" drückt ein gewisses Bedauern aus.
[) i r k: Das ist mir jetzt klar geworden.
[) i r k: Und zwar drückt es, meiner Ansicht nach, das Bedauern aus,
[) i r k: dass die "außenaugen" nicht genau hinsehen,
[) i r k: dass die "außenaugen" nicht erkennen können,
[) i r k: wie zerbrechlich und verletzlich das LI wirklich ist.
[) i r k: Das LI erscheint als glatt und abweisend
[) i r k: (das kann man verschiedentlich deuten),
[) i r k: aber es empfindet sich selbst als ganz anders.
[) i r k: Ich sehe hier den Aspekt das Angreifens nicht
[) i r k: oder der Zerstörung.
[) i r k: Es scheint mir eher darum zu gehen,
[) i r k: dass das LI möchte, genauer erkannt zu werden.
mög: Aber wenn die "außenaugen" durch den Mond symbolisiert werden,
mög: warum muss das LI dann glätten,
mög: Risse und somit Zerbrechlichkeit verbergen im Vollmond,
mög: wenn es doch eigentlich will, dass die Zerbrechlichkeit gesehen wird.
[) i r k: Mög, du nimmst mir meine letzte Frage vorweg:
[) i r k: Ist der Mond jetzt eigentlich mit den "außenaugen" identisch?
[) i r k: Steht das auch für euch fest?
[) i r k: Übrigens in Strophe 2 wird noch nicht geglättet,
[) i r k: Da ist es "zu glatt".
mög: Also für mich ist es Bedauern, weniger, dass die anderen nicht sehen,
mög: sondern mehr, dass sie es nicht zeigen kann.
[) i r k: Wie begründest du das?
[) i r k: Ich meine: das Zeigen?
mög: Weil sie sonst nicht glätten müsste,
mög: wenn sie kein Problem damit hätte, dass es im Vollmond jeder sieht.
Hamburger: Ich habe 3 Punkte.
Hamburger: 1.) Zunächst ich empfinde das Bild mit dem "stahlverbrämt"
Hamburger: jetzt auch nicht mehr als zu drastisch.
Hamburger: Vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive hinaus als ihr,
Hamburger: ich hab nämlich übersehen, dass für die "außenaugen"
Hamburger: das LI stahlverbrämt wirkt und zwar bei NEUMOND,
Hamburger: also, wie Silly schon sagte, bei "Fast-Licht",
Hamburger: wenn man kaum was sehen kann.
Hamburger: Das ist ein wichtiger Punkt.
Hamburger: Damit entfällt hier meine oben geäußerte Kritik.
Hamburger: 2.) Für mich ist der Mond nicht mit den Aussenaugen identisch.
Hamburger: Ich habe den Mond immer als Beleuchtung gesehen,
Hamburger: wie stark insgesamt hingeschaut wird, sozusagen
Hamburger: als zusammenfassendes Statement zur Beleuchtung der Szenerie.
Hamburger: Ich bin hier aber sehr unsicher
Hamburger: und hätte da gerne gleich noch mal eure Meinungen.
Hamburger: 3.) Ich finde den Punkt von mög sehr gut, was das Bedauern angeht,
Hamburger: die eigene Zerbrechlichkeit nicht anzeigen zu können,
Hamburger: denn ich meine in diesem Zwiespalt stecken wir doch alle.
Hamburger: Einerseits möchten wir gerne so gesehen werden, wie wir sind,
Hamburger: möchten, dass jemand unsere Innenwelt nachvollziehen kann,
Hamburger: sie mit uns teilt,
Hamburger: andererseits verschließen wir uns genau dem sehr oft,
Hamburger: denn das würde uns nackt erscheinen lassen,
Hamburger: angreifbar und verletzlich.
Hamburger: Dazu braucht es viel Vertrauen,
Hamburger: jemandem seine Zerbrechlichkeit anzuzeigen,
Hamburger: das ist nicht für jedermanns "außenaugen" gedacht,
Hamburger: so dass ich zum pathetischen Schluss komme:
Hamburger: dieses Vertrauen gibt es eigentlich nur in einer tiefen Liebe.
Silentium: Was ist, wenn genau das die Entwicklung in dem Gedicht ist?
Silentium: In der Strophe zwei schaut keiner her,
Silentium: da ist das Mondlicht, wie Ham schon sagte,
Silentium: die Aufmerksamkeit der Umwelt.
Silentium: Da hat das LI den vagen Wunsch,
Silentium: jemand würde seine Verletzlichkeit erkennen,
Silentium: aber weil keiner herschaut, bemerkt es auch keiner.
Silentium: Dann in der dritten Strophe
Silentium: bekommt es tatsächlich ein bisschen Aufmerksamkeit,
Silentium: aber weil es sich ja den eigenen Wunsch,
Silentium: erkannt zu werden, gar nicht eingestehen darf,
Silentium: weil es die "außenaugen" im Prinzip ja als bedrohlich empfindet,
Silentium: beginnt es gerade jetzt sich aktiv abzuschirmen,
Silentium: also die Abbruchkanten zu verstecken, zurückzuziehen.
Silentium: In der letzten Phase, bei Vollmond dann,
Silentium: brechen die mentalen Barrieren irgendwie zusammen,
Silentium: wie bei einer Psychotherapie, wo plötzlich alles hochkommt,
Silentium: von dem das LI gar nicht will, dass es jemand sieht,
Silentium: und jetzt, im Vollmond, wo das,
Silentium: was es sich noch am Anfang verstohlen gewünscht hat,
Silentium: weil im Dunkeln ohnehin keine Gefahr bestand,
Silentium: jetzt erkennt sie, dass sie gar nicht den Mut hat,
Silentium: sich wirklich zu offenbaren.
mög: Find ich gut.
Hamburger: Also die Gesamtdeutung von Silly ist auf jeden Fall interessant,
Hamburger: aber da bleiben bei mir einige Fragen,
Hamburger: im wesentlichen zwei Stück.
Hamburger: Zum Einen: Warum muss das LI dann "fensterklettrer" bleiben?
Hamburger: Es könnte sich doch auch wieder zurückziehen, oder?
Hamburger: Zum Zweiten: Wieso nimmt der Mond nicht mehr ab?
Hamburger: Wieso ist die Entwicklung unumkehrbar?
Hamburger: Auch hier frage ich mich: Wenn ich erkenne,
Hamburger: nicht den Mut zu haben, mich zu offenbaren,
Hamburger: wenn ich den Zwiespalt sehe,
Hamburger: warum bleibt das Mondlicht immer da
Hamburger: und warum ist der Prozess nicht mehr zu beeinflussen,
Hamburger: kommt zum Stillstand?
Hamburger: Das wären so meine Fragen, aber ich finde,
Hamburger: egal wie wir sie beantworten,
Hamburger: wir sollten die Deutung im Hinterkopf behalten,
Hamburger: wenn wir die Detailarbeit gleich fortsetzen.
[) i r k: Ich wollte noch was zu dem Bedauern sagen,
[) i r k: zu dem Unterschied: Bedauern, weil man nicht erkannt wird.
[) i r k: Oder: Bedauern, weil man es nicht zeigen kann.
[) i r k: Ich würde – zumindest, was die zweite Strophe angeht –
[) i r k: die erstere Variante vorziehen. Denn der Mangel besteht ja
[) i r k: aus einem fehlenden Aufmerksamkeitspotential der Außenwelt.
[) i r k: Es ist ja Neumond!
[) i r k: Wenn mir keiner Beachtung schenkt,
[) i r k: könnte ich noch so viel zeigen oder offenbaren wollen ...
[) i r k: Das wäre eh sinnlos.
mög: Für mich ist das mit dem Offenbaren
mög: nicht ausschließlich eine Frage des Mutes.
mög: Zu einem Großteil gewiss, aber nicht ausschließlich.
mög: Um das zu begründen, müsste ich jetzt aber
mög: was aus der nächsten Strophe vorweg nehmen.
mög: Nämlich: "fremdlandmesser".
mög: Mir fällt nämlich gerade auf,
mög: dass da Sillys-Porzellan-Assoziation perfekt aufgeht.
mög: Porzellan ist ja die wahre Beschaffenheit, Stahl die Verbrämung.
mög: Und, Porzellan, wenn es angegriffen wird, zersplittert,
mög: die Kanten sind scharf = gefährlich für die anderen!
mög: Ich glätte nicht nur, um mich zu schützen,
mög: sondern auch um die anderen zu schützen!
[) i r k: Das ist gut! Die Scherben ...
mög: Und das sind die "fremdlandmesser",
mög: die Messer, zu denen die Außenhülle wird,
mög: wenn das aus dem fremden Land, dem Inneren sich Bahn bricht.
Hamburger: Ich hab alles verstanden bis auf den letzten Satz,
Hamburger: der ist grammatikalisch bisschen merkwürdig.
mög: Um das mit dem Bedauern zu klären: Es ist wohl beides.
[) i r k: Mir ist das mit dem Offenbaren-Wollen nicht klar,
[) i r k: ich lese das (fast) in dem gesamten Gedicht nicht.
[) i r k: Okay, bis auf die eine Stelle mit den "zu glatten" Wänden
[) i r k: Aber sonst, wo findet ihr noch Indizien dafür,
[) i r k: dass das LI sich preigeben will oder was auch immer?
[) i r k: Und genau das ist der Punkt,
[) i r k: warum mir Sillys Deutung noch nicht so passt.
mög: Für mich ist es der tiefere Grund für die ganze düstere Stimmung.
mög: Was wäre sonst das Problem?
[) i r k: Bitte nicht mit Gegenfragen antworten,
[) i r k: ich hätte gern konkrete Beispiele am Gedicht (egal aus welcher Strophe).
[) i r k: Oder seh nur ich das so?
Hamburger: Also, ich glaube, jetzt den Punkt mit dem Fremdlandmessern
Hamburger: auch samt dem letzten Satz richtig verstanden zu haben.
Hamburger: In Verbindung mit dem, was Dirk gerade sagte
Hamburger: bzw. er forderte Beispiele, muss ich sagen:
Hamburger: ich sehe auch keine weiteren so recht.
Hamburger: Das LI beginnt sich doch ab Strophe 3 schon
Hamburger: zurückzuziehen bzw. zu verstellen.
Hamburger: Vielleicht sollten wir Sillys Deutung daher etwas abschwächen.
Hamburger: Am Anfang will das LI sich noch offenbaren (Strophe 2),
Hamburger: aber schon da, wo der Prozess beginnt (Strophe 3), zuckt es zurück
Hamburger: und zwar, wie mög sagt, nicht nur, weil es nicht den Mut hat,
Hamburger: sondern auch, um die anderen zu schützen.
Hamburger: Eine Frage habe ich dann noch dazu:
Hamburger: Wovor will es die Anderen schützen?
[) i r k: Vor den "schwarzbewohnern" vielleicht?
Hamburger: Wieso muss ich einen Fremden
Hamburger: vor dem Anblick meiner Zerbrechlichkeit schützen?
Hamburger: Oder muss ich ihn davor schützen, weil ich ihn sonst angriffe?
mög: Ja, man will die anderen nicht mit den eigenen Gespenstern belasten.
Hamburger: Genau, die Schwarzbewohner, das meinte ich mit der letzten Frage.
Hamburger: Stimme hier Dirk zu und mögs Gedanke ist auch gut.
[) i r k: Ich sage noch mal was:
[) i r k: Ich sehe zwar das Bedauern ein bisschen, aber
[) i r k: ich sehe in dem ganzen Gedicht keinen konkreten Wunsch,
[) i r k: sich offenbaren zu wollen. Am Anfang gibt es einen Zustand
[) i r k: der glatten Wände oder der Verbrämung.
[) i r k: Und als dieser Zustand sich auflöst,
[) i r k: ist das LI die ganze Zeit mit Glätten beschäftigt,
[) i r k: mit Risse stopfen ... mit Gewohnheitsmustern.
[) i r k: Das klingt nicht nach Offenbaren-Wollen für mich,
[) i r k: Sondern nur nach einer anderen Form des Versuchs,
[) i r k: alles zusammenzuhalten zu wollen
[) i r k: und die eigenen Dämonen zu bändigen
[) i r k: und ja nicht nach Außen dringen zu lassen.
[) i r k: Obwohl genau das in Strophe 4 passiert.
mög: Ja, aber es herrscht eine düstere Grundstimmung,
mög: soweit sind wir uns ja einig.
mög: Das LI ist unglücklich? Warum?
mög: Warum, wenn es kein Problem damit hat,
mög: den anderen nur einen beschränkten Teil zu zeigen?
mög: Denn es kann ja Glätten, das mit dem Glätten funktioniert ja.
mög: Wenn es sich also mit dieser glatten Außenwirkung begnügen würde,
mög: wäre doch alles in Butter? Nur deswegen unglücklich,
mög: weil das mit dem Glätten so viel Aufwand ist? Eine lästige Arbeit?
mög: Weil es eigentlich was Besseres zu tun hätte?
mög: Das ist mir zu wenig für diesen melancholischen Grundton.
mög: Wobei für Dirk und Mirkos Deutung spricht:
mög: Am Ende scheint es sich eigentlich nur zu wünschen,
mög: dass der Mond wieder weg geht.
mög: Was ich übrigens auch interessant finde:
mög: Wenn wir den Mond nehmen als Licht der allgemeinen Aufmerksamkeit,
mög: was wäre dann an der Sonne besser?
mög: Wegen "sogar tags", das LI scheint sich ja zu wünschen,
mög: dass es lieber tagsüber zumindest die Sonne hätte.
Silentium: Also erstens steht grad Papa hinter mir und hat festgestellt,
Silentium: dass wir ganz offensichtlich einen Vogel haben,
Silentium: fünf Stunden lang an einem Gedicht herumzukauen.
Hamburger:
Silentium: Banause der.
[) i r k: Liebe Grüße an den Papa (unbekannter Weise)!
Silentium: Papa lässt zurückgrüßen und sagt,
Silentium: dass ihm das Gedicht gefällt.
Silentium: Zweitens: Ich gebe mög insofern recht,
Silentium: dass allein der Kanten-Glätten-Arbeitsaufwand die
Silentium: die traurige Grundstimmung des Gedichtes nicht erklärt.
Silentium: Allerdings funktioniert das Kantenglätten ja gar nicht.
Silentium: Vielleicht wird das Mondlicht, die Aufmerksamkeit,
Silentium: genau deswegen immer größer, weil den "außenaugen",
Silentium: also der sozialen Umwelt, aufgefallen ist, dass was nicht stimmt?
Silentium: Dass sie deswegen immer mehr herschauen?
Silentium: So eine Henne-Ei Sache.
Silentium: Dass das LI zwar gar nicht erkannt werden will,
Silentium: aber dennoch vage enttäuscht ist, dass niemand sich um es schert.
Silentium: So in die Richtung: glücklich unglücklich.
Silentium: Sobald es aber Aufmerksamkeit kriegt,
Silentium: beginnt genau deswegen der Putz,
Silentium: die Schauspielerei oder was immer, zu bröckeln.
Silentium: Und deswegen wird sie erst recht unglücklich
Silentium: und am Schluss, wenn sich all ihre Täuschung aufgelöst hat,
Silentium: wenn jeder sie anschaut, wie kaputt sie doch ist,
Silentium: dann ist es zu spät,
Silentium: sich noch mal in die Anonymität des Dunkels zu flüchten.
Silentium: Weil es ja alle wissen und ein einmal verbreitetes Geheimnis
Silentium: kann keiner mehr unverbreitet machen.
Hamburger: Also einige Anmerkungen:
Hamburger: mög sprach vom melancholischen Grundton des Gedichtes.
Hamburger: Diesen Grundton sehe ich auch. Aber als Begründung
Hamburger: für das Sich-Offenbaren-Wollen ist mir das zu wenig,
Hamburger: wenn es denn nur eine konkrete Textstelle gibt.
Hamburger: Und die vielen Fragen, die du stellst mög,
Hamburger: ersetzen nicht den Beweis durch Textstellen, finde ich.
Hamburger: Zweiter Punkt: mög hatte gefragt, was an der Sonne besser wäre.
Hamburger: Das frage ich mich auch,
Hamburger: vielleicht sollten wir den Punkt ja im Hinterkopf behalten.
Hamburger: Aber davon abgesehen: Woraus liest du, mög,
Hamburger: dass das LI sich die Sonne wünscht?
Hamburger: Ein letzter Punkt: dieser Ablauf ist interessant
Hamburger: und, was Silly dazu sagte,
Hamburger: dass die Umwelt mit der Zeit immer genauer hinschaut.
Hamburger: Aber ich frage mich: ist das so?
Hamburger: Schaut man nicht gerade am Anfang bei Freundschaften,
Hamburger: überhaupt bei Kontakten ganz genau hin?
Hamburger: Macht sich dann sein Bild und steckt es in die Schublade –
Hamburger: und fertig! Ich meine, wenn das so wäre,
Hamburger: dann erscheint der ständige Mond am Schluss im anderen Licht:
Hamburger: Dann haben alle ihr Bild schon fertig
Hamburger: und man muss deshalb Kanten glätten,
Hamburger: aber nicht, weil alle so genau hinschauen,
Hamburger: sondern um dem Bild zu entsprechen.
[) i r k: Also ich sehe den melancholischen Grundton auch
[) i r k: und ich sehe auch eine/die Entwicklung.
[) i r k: Aber ich sehe das LI eher als Opfer, eher passiv.
[) i r k: Es passiert etwas mit ihm,
[) i r k: es ist in einer Rolle, in dem ihm etwas widerfährt.
[) i r k: Ein Offenbaren-Wollen wäre eine Aktion,
[) i r k: wäre aktiver und das kann ich schwer in dem Gedicht erkennen.
[) i r k: Ein anderer Punkt: Ich glaube,
[) i r k: dass wir den Mond falsch interpretieren.
[) i r k: Nicht nur, dass Mond und Außenaugen verschieden sind,
[) i r k: sondern besonders in Hinblick auf die letzte Strophe macht das keinen Sinn,
[) i r k: das als Szenerielicht oder Aufmerksamkeitspotential zu deuten.
[) i r k: Vielleicht ist das Mondlicht eher so etwas wie eine Art Selbstbewusstsein.
[) i r k: Also: wie nehme ich mich und mich in meinem Umfeld wahr.
[) i r k: Wenn wir Kinder sind,
[) i r k: haben wir kaum so eine differenzierte Selbstwahrnehmung
[) i r k: und als Kind gibt es auch nicht so eine starke Außen-Innen-Abgrenzung.
[) i r k: Die Schärfe des Randes hängt also von der Beleuchtung ab,
[) i r k: von einer (externen wie internen) Wahrnehmung
[) i r k: oder einer Art Bewusstsein, keine Ahnung.
[) i r k: Wenn ich aber einmal ein bestimmtes Bewusstsein habe,
[) i r k: meine Sinne ausgeprägt habe,
[) i r k: dann kann ich das nicht mehr rückgängig machen.
[) i r k: Ich kann mir dann nicht vorgaukeln, ich wäre aber anders,
[) i r k: das nicht mehr in den Bereich des Unbewussten verschieben/verdrängen.
[) i r k: Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausdrücke,
[) i r k: ich merke gerade, dass mir Fachwissen fehlt und Vokabeln.
mög: Doch, zuerst dacht ich, nee, aber jetzt denk ich mir, warum nicht?
Hamburger: Schon, aber ich hab einen Einwand.
Hamburger: Also, wenn wir daraus ein Modell machen,
Hamburger: die Strophe 2 wäre die Kindheit
Hamburger: und das wäre ab da die Entwicklung eines Menschen,
Hamburger: dann sehe ich in Strophe 2 ein Problem.
Hamburger: Denn "stahlverbrämt für außenaugen"
Hamburger: kann ich dann gar nicht mehr deuten
Hamburger: Auch Zeile 1 und 3, die ganze Strophe, da bräuchte ich ne Deutung.
[) i r k: So meinte ich das aber nicht, sorry.
[) i r k: Das mit der Kindheit war eher eine Veranschaulichung.
Hamburger: Die erstaunlich gut passt, finde ich, bis auf Strophe 2,
Hamburger: wenn man das als Modell nähme.
mög: Okay, also erstmal ad Ham:
mög: Schon klar, dass Textstellen schlagfertiger sind, aber
mög: dein Beharren auf Textstellen ändert jedenfalls auch nichts daran,
mög: dass du meine Fragen nicht beantworten kannst.
mög: Macht aber nix, kann ich mittlerweile selber, dank Silly's Interpretation:
mög: Die Düsternis scheint eher daran zu liegen,
mög: dass der Mond, was immer er auch sein möge, nicht mehr weggeht.
mög: Und da passt jetzt beides: Ob das nun die Aufmerksamkeit der anderen ist,
mög: die wir nicht mehr loswerden (Beispiel aus der Praxis: Elfriede Jelinek),
mög: oder das Wissen über uns selbst, das sich auch nicht mehr Verdrängen lässt.
mög: Noch mal kurz, warum ich glaube,
mög: dass sie lieber gelegentlich auch mal Sonne hätte:
mög: "steht sogar tags" usw.
mög: Wenn der Mond nicht da wäre, wär da die Sonne,
mög: da könnte man aber die ganzen Risse trotzdem sehen.
mög: Trotzdem schiene dem LI die Sonne zumindest tagsüber lieber zu sein,
mög: sonst würde sie das hier nicht erwähnen.
[) i r k: Mond und Sonne schließen sich nicht aus.
[) i r k: Der Mond kann auch am Himmel stehen, wenn die Sonne scheint.
mög: Ja, aber was brächte es tagsüber, wenn der Mond nicht da wäre
mög: und die Sonne trotzdem alles beleuchtet?
mög: Was ist das Problem beim Tagmond?
[) i r k: Ich finde die Sonne nicht bedeutsam.
[) i r k: Das ist an den Haaren herbeigezogen
[) i r k: und hat nichts mit dem Gedicht zu tun.
[) i r k: Das steht nichts von: Ich wünsche mir die Sonne o.ä.
[) i r k: Da steht nur, dass der Mond auch tagsüber am selben Fleck steht,
[) i r k: und das schließt Sonnenlicht ja gar nicht aus.
mög: Es geht mir nur darum, dass dieses "Beleuchtende"
mög: offenbar nicht das einzig wichtige am Mond ist.
[) i r k: Bei letzterem gebe ich dir Recht.
Hamburger: Also ad mög: Ich finde dieses Vorgehen,
Hamburger: fast ein Dutzend Fragen in den Raum zu stellen
Hamburger: und dann zu sagen, die kannst du aber nicht beantworten, unfair.
Hamburger: Denn in der Kürze der Zeit kann ich mir über 10-12 Fragen
Hamburger: nicht die Gedanken machen und die alle beantworten,
Hamburger: als wenn du einen Standpunkt erläuterst.
Hamburger: Mit Gegenfragen zu führen, ist zwar ein gutes rhetorisches Mittel,
Hamburger: aber daraus darfst du nicht schließen,
Hamburger: dass ich das alles nicht hätte beantworten können.
Hamburger: Das ist unfair.
mög: Okay, ich gewöhn mir das ab mit den Zwischenfragen,
mög: mir ist einfach nicht aufgefallen, dass es so viele waren.
Hamburger: Also gut, dann noch mal zur Sonne/Mond-Thematik.
Hamburger: Hier bin ich wieder eher auf mögs Seite:
Hamburger: Sogar tagsüber ist der Mond auf jeden Fall vor der Sonne dominierend.
Hamburger: Er schließt, stimmt Dirk, Sonnenlicht nicht aus,
Hamburger: aber, dass der Mond sogar tagsüber da ist,
Hamburger: erhält den melancholischen Grundton des Gedichtes.
Hamburger: Die Sonne wäre hier ein zu positives Bild gewesen.
[) i r k: Klären wir doch mal den Mond.
Silentium: Also, wir haben den Mond bisher immer als was Beleuchtendes behandelt,
Silentium: also als etwas, das nur die Offenbarungen,
Silentium: die ohnehin ablaufen, sichtbar macht.
Silentium: Was ist aber, wenn der Mond selber der Auslöser der Veränderung ist?
Silentium: Ich meine, zum Beispiel bringt der Mond
Silentium: bei einem Werwolf die haarige, animalische Seite heraus.
Silentium: Was ist, wenn das zunehmende Mondlicht
Silentium: entweder eine Art mystische Komponente ist
Silentium: oder aber für einen wachsenden Teil der LI-Psyche steht,
Silentium: beispielsweise dessen Wahnsinn oder so was?
[) i r k: Ich denke, wir sollten jetzt keinen Schritt zurückgehen in unserer Interpretation,
[) i r k: Mystisches oder Teil der LI-Psyche ist mir jetzt wieder zu unspezifisch
[) i r k: und erklärt nicht, was wir bereits versucht haben zu erklären.
[) i r k: Ich gebe zu, beim Mond liegen mystische Assoziationen nahe.
[) i r k: Aber die Interpretation von mög: Außenwahrnehmung & Wissen
[) i r k: als Doppelkomponenten gefällt mir besser.
[) i r k: Das erklärt, wenigstens einigermaßen,
[) i r k: warum der Mond am Ende sich nicht mehr bewegt und nicht mehr abnimmt.
Silentium: Ähm, das hab ich falsch formuliert.
Silentium: Ich wollt eigentlich nur die Sonne loswerden.
[) i r k: Ach so, dann hab ich dich nicht verstanden.
mög: Hm, ich find den Ansatz nicht so schlecht.
mög: Tut mir Leid wegen der Sonne,
mög: das Problem hab ich vielleicht bloß ich jetzt ein bisschen konstruiert.
Silentium: Ich wollte eigentlich nur Gründe aufzählen, warum der Mond
Silentium: als Metapher für die Selbsterkenntnis des LIs gut ist,
Silentium: während die Sonne in dem Kontext zu vernachlässigen ist.
mög: Trotzdem, es muss etwas geben, was der Mond hat, und die Sonne nicht.
Silentium: Genau das mein ich: der Mond hat diesen zusätzlichen
Silentium: Ohnehin-in-jeder-Mythologie-für-okkulte-Selbstfindung-stehend-Bonus.
Silentium: Das hat er, was die Sonne nicht hat.
[) i r k: Das würde ich unterstützen.
mög: Yep, und ich finde den Einbruch des Irrationalen
mög: grad bei dieser Thematik nicht so unangebracht.
mög: Also, warum nicht auch mythisch?
Hamburger: Einen Mini-Einwand gegen mögs Interpretation hab ich.
Hamburger: Und eine mystische Anmerkung zu Silly.
Hamburger: Zuerst die Anmerkung zu Silly, weil das nix inhaltliches ist:
Hamburger: Diese Art immer mit "Was ist, wenn das und das ist..." einzuleiten,
Hamburger: ist richtig geheimnisvoll. Bringt mich hier immer zum Gruseln
Silentium:
Hamburger: Inhaltlich zu mög: diese Doppelkomponenten
Hamburger: finde ich in der letzten Strophe nicht so wieder,
Hamburger: da heißt es: "denn der Mond nimmt HIER nicht ab" –
Hamburger: und dieses "HIER" scheint mir ein sehr spezifischer Ort zu sein,
Hamburger: da finde ich die Doppelkomponenten-Variante irgendwie...
Hamburger: hmmmm … zu unspezifisch.
mög: Hier – in meinem speziellen Fall, in der Natur natürlich schon.
mög: Ich seh keinen Widerspruch.
[) i r k: Vielleicht klärt sich das ja noch im Verlauf der Diskussion,
[) i r k: kommen wir jetzt zu Strophe 3 …
Silentium: Darf ich vorher mal was Off-Topic fragen?
Silentium: Nicht, dass es nicht lustig ist und interessant,
Silentium: aber wie lange werden wir denn ungefähr noch?
[
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Hausbesuch
7. Typen, die fremdes Land vermessen
[) i r k: Okay, machen wir jetzt ein Temporunde zu Strophe 3,
[) i r k: teilweise haben wir ja schon vorgegriffen.
[) i r k: Mög fängt an und erklärt uns noch mal die Fremdlandmesser.
mög: Wie gesagt: das Messer, zu dem die Außenhülle zersplittert,
mög: wenn sich die dunklen Kräfte
mög: aus dem fremden Land der inneren Abgründe hervorwagen,
mög: muss geglättet werden, damit sich die anderen nicht daran verletzten.
mög: Gewohnheitsmuster sind gut zum Glätten,
mög: Gewohntes ist vertraut und verstört nicht und tut nicht weh.
mög: So, das ist alles, was mir dazu einfällt.
[) i r k: Das hätte jetzt ein Satz aus "Herrn der Ringe" sein können?
[) i r k: "Die dunklen Kräfte aus dem fremden Land" usw. ...
Silentium: Die Gewohnheitsmuster, das klingt so, als würde das LI,
Silentium: um die mentalen Unebenheiten, die bröckelnde Fassade
Silentium: zu verdecken, erst recht den Alltag durchziehen.
Silentium: So wie jemand, der gerade jemanden umgebracht hat,
Silentium: besonders lieb und normal gegenüber seiner Frau ist.
Silentium: Sie verbeißt sich also in den Alltag, tötet alles,
Silentium: was sich in ihr regt, mit Routine ab.
[) i r k: "Tötet alles, was sich in ihr regt"?
[) i r k: "Dunklen Kräfte aus dem fremden Land"?
[) i r k: Leute ihr übertreibt!
[) i r k: Wo steht da bitteschön was von Emotionen abtöten?
Hamburger: kscht!
Silentium: Tu nicht jeden Satz vivisezieren!
Silentium: Zu den Fremdlandmessern:
Silentium: bin ich, ehrlich gesagt, hochgradig unsicher.
Silentium: Gewohnheitsmuster über die Kanten?
Silentium: Was sind die Kanten?
Silentium: Kanten ist das, was an ihrer Persönlichkeit nicht passt.
mög: Die entstehen, wenn die glatte Fassade zersplittert.
Silentium: Oder sind es irgendwelche Emotionen/sonst was,
Silentium: mit dem sie nicht umgehen kann,
Silentium: die sie daher der Umwelt nicht zeigen kann?
Silentium: Und über die muss sie halt drüber fahren.
Silentium: Dritter Anlauf Fremdlandmesser:
Silentium: Sind das jetzt diese scharfen Dinge aus einem fremden Land,
Silentium: mit denen irgendwer schneidet/geschnitten wird,
Silentium: oder sind das Typen, die fremdes Land verMESSEN
Silentium: mit Zollstock und Lineal?
Silentium: Also die, die etwas – vielleicht das LI – erkunden,
Silentium: vermessen, obwohl es gar nicht ihr Revier ist.
[) i r k: Ich weiß nicht, mir erscheinen eure Deutungen einfach viel zu krass.
[) i r k: Mir gefällt mögs erster Ansatz hierzu.
[) i r k: Da steht: "splittert das". Was splittert?
[) i r k: Na ja, ganz klar, die vorher erwähnte Porzellanoberfläche.
[) i r k: Und wozu splittert das?
[) i r k: Es wird eben zu scharfen Kanten, zu Messern, zu spitzen Ecken.
[) i r k: Wenn jemand zu tief in mich vordringt,
[) i r k: dann setzen sich Abwehrmechanismen in Gang.
[) i r k: Das ist ganz normal und so einen Prozess sehr ich hier auch:
[) i r k: Die Barrieren werden löchrig,
[) i r k: aber dieser Prozess ist eben auch sehr gefährlich.
[) i r k: Und das LI wahrt den Schein, es glättet die Kanten,
[) i r k: heißt es ja am Anfang des Gedichtes.
[) i r k: Gewohnheitsmuster sehe ich wie Sarah:
[) i r k: den Alltag wiederherstellen, weitermachen,
[) i r k: so tun, als wäre nicht passiert.
[) i r k: Fremdland kann ich nicht deuten,
[) i r k: aber eure Varianten überzeugen mich auch nicht wirklich.
[) i r k: Welches fremde Land? Das innere oder das äußere?
mög: Das Fremdland als die andere Welt?
mög: Ich würde sagen, die innere.
[) i r k: Oder kommen hier etwa die inneren Spitzen zum Vorschein?
[) i r k: Also das Gegenteil zur glatten Oberfläche?
Hamburger: Also drei Punkte zunächst:
Hamburger: Da splittert ganz klar die Porzellanoberfläche,
Hamburger: da gebe ich Dirk und mög Recht.
Hamburger: Hier sollten wir auch auf den "halbSICHELhimmel" schauen,
Hamburger: eine Sichel ist ein Gerät zum Schneider.
Hamburger: Schneiden. Freudscher Versprecher.
Hamburger: Wenn auch eigentlich Getreide und Gras damit geschnitten wird.
Hamburger: Zweiter Punkt: mir gefällt mögs Ansatz auch.
Hamburger: Allerdings überzeugt er mich auch nicht wirklich,
Hamburger: weil da ja steht: "IN fremdlandmesser".
Hamburger: Wieso "in"? Das ist mir überhaupt nicht klar.
Hamburger: Wenn es sich um die verdrängten Anteile handelt,
Hamburger: dann hätte da "DURCH fremdlandmesser" stehen müssen.
Hamburger: Dritter und letzter Punkt:
Hamburger: Wir sollten unseren Blick noch mal auf das LI richten
Hamburger: und auf das Kantenglätten und betonen,
Hamburger: dass es das keinesfalls nur für die Außenwelt macht,
Hamburger: das ist mir noch nicht stark genug erwähnt worden.
Hamburger: Gewohnheitsmuster sind erstmal dafür da,
Hamburger: um selber Struktur und Rhythmus zu bekommen,
Hamburger: um eigene Identität herzustellen,
Hamburger: kurz: um Selbstsicherheit zu gewinnen.
Hamburger: Wenn das LI die Kanten nicht glätten würde,
Hamburger: würde es seine Selbstsicherheit nicht erhalten können,
Hamburger: und so wirkt für mich die Strophe auch wie der Versuch,
Hamburger: das ganze System LI funktionsfähig zu halten
Silentium: Punkt für Ham. Das LI sagt ja:
Silentium: "überzieh ich mit gewohnheitsmustern FÜR Aussenaugen".
Silentium: Es sagt ja selbst, dass es das nicht für sich selbst tut.
Silentium: Da müsste es sich ja selber belügen?
Hamburger: Punkt für Silly. Frage ist, ob es sich belügt,
Hamburger: ob Rike das so intendiert hat oder nicht?
Hamburger: Aber du hast Recht.
Hamburger: Obwohl das nicht ganz zu trennen ist:
Hamburger: Sicht der Anderen und Selbstsicherheit.
mög: Also wegen "IN Messer splittern":
mög: Das Porzellan zersplittert und wird so zu Messern,
mög: man kann sich an den Scherben schneiden.
mög: Es zersplittert in Messer.
mög: Ich finde den Ansatz übrigens plausibel:
mög: Man spielt für die anderen, glaubt man,
mög: und jammert auch genügend darüber
mög: (gibt so viele Gedichte über die Masken usw.),
mög: aber man spielt immer auch ein bisschen für sich selbst.
Hamburger: Letzteres, was du sagtest mög, sehe ich auch so.
Hamburger: Silly hatte mich eigentlich sofort überzeugt,
Hamburger: aber es stimmt schon,
Hamburger: Fremdsicht und Selbstsicherheit sind einfach nicht zu trennen.
Hamburger: Was man für "außenaugen" tut, das tut man auch für sich.
Hamburger: Hätte man keinen Vorteil davon, was für "außenaugen" zu tun,
Hamburger: würde man's nicht tun. Jede Handlung hat egoistische Anteile.
Hamburger: Das mit den "fremdlandmessern" überzeugt mich immer noch nicht,
Hamburger: weil – wie drücke ich's nur aus? –
Hamburger: "in fremdlandmesser" wie eine Verwandlung klingt.
Hamburger: Die dunklen Kräfte sorgen für Zersplitterung
Hamburger: und werden zu "fremdlandmessern"?
Hamburger: Klingt irgendwie seltsam, kann's nicht besser ausdrücken.
mög: Stimmt, es ist eine ungewöhnliche Formulierung.
mög: Aber ich glaube, das Porzellan zersplittert
mög: weniger durch die dunklen Kräfte aus dem fremden Land,
mög: sondern mehr durch den Sichelmond.
mög: Dass die Sichel schneidet, hast du ja selbst,
mög: soweit ich mich erinnere, gut erklärt.
mög: Und wir haben ja festgestellt, dass wir den Mond
mög: als ein diesen Prozess antreibendes Element ansehen.
Silentium: Könnte es sein, dass ihr in die Sichel ein bissi viel hineininterpretiert?
Silentium: Ede versucht normalerweise, pathetische Ausdrücke zu vermeiden
Silentium: und "halbmond" und "vollmond" vermeidet sie ja ganz.
Silentium: Den neumond hätte sie wahrscheinlich auch ersetzt,
Silentium: wenn man dann noch gewusst hätte, dass es um den Mond geht.
Silentium: Könnte es nicht sein, dass der Halbsichelhimmel
Silentium: einfach nur eine verdammt schöne Umschreibung
Silentium: für den Halbmond ist und gar nicht mehr?
Hamburger: Gut, also einmal zu mög und einmal zu Silly...
Hamburger: Zu mög: Wenn das Porzellan wirklich durch die Sichel splittert,
Hamburger: also in diesem Konzept, dann frage ich mich,
Hamburger: welche Rolle die dunklen Kräfte spielen?
Hamburger: Zu Silentium: Ich weiß nicht, ob das überinterpretiert ist,
Hamburger: aber Fakt ist zweierlei:
Hamburger: 1.) Selbst, wenn Rike das nicht so intendiert hat,
Hamburger: passt es verdammt gut und es spricht ja nichts dagegen,
Hamburger: Lyrik neu zu entdecken, das kann der Autorin ja nur recht sein.
Hamburger: und 2.) ich finde es auch, wie gesagt, wirklich passend,
Hamburger: da ab Strophe 3 das Kantenglätten des LIs beginnt und vorher
Hamburger: die Porzellanoberfläche durch irgendwas zersprungen sein muss.
mög: Die dunklen Kräfte sind die Schärfe des Messers, das, was verletzt.
mög: Und ich finde das mit der Sichel auch extrem passend,
mög: auch wenn's nur zufällig sein sollte. Ich kenn ja die Rike nicht so gut.
Silentium: Point taken.
[) i r k: Ich finde, ihr habt gute Arbeit bei Strophe 3 geleistet
[) i r k: auf geht's zu Strophe 4!
Hamburger: Na gut. Aber den Punkt klären wir noch
Hamburger: beim nächsten O livro-Treffen, mög
[) i r k: Okay, machen wir jetzt ein Temporunde zu Strophe 3,
[) i r k: teilweise haben wir ja schon vorgegriffen.
[) i r k: Mög fängt an und erklärt uns noch mal die Fremdlandmesser.
mög: Wie gesagt: das Messer, zu dem die Außenhülle zersplittert,
mög: wenn sich die dunklen Kräfte
mög: aus dem fremden Land der inneren Abgründe hervorwagen,
mög: muss geglättet werden, damit sich die anderen nicht daran verletzten.
mög: Gewohnheitsmuster sind gut zum Glätten,
mög: Gewohntes ist vertraut und verstört nicht und tut nicht weh.
mög: So, das ist alles, was mir dazu einfällt.
[) i r k: Das hätte jetzt ein Satz aus "Herrn der Ringe" sein können?
[) i r k: "Die dunklen Kräfte aus dem fremden Land" usw. ...
Silentium: Die Gewohnheitsmuster, das klingt so, als würde das LI,
Silentium: um die mentalen Unebenheiten, die bröckelnde Fassade
Silentium: zu verdecken, erst recht den Alltag durchziehen.
Silentium: So wie jemand, der gerade jemanden umgebracht hat,
Silentium: besonders lieb und normal gegenüber seiner Frau ist.
Silentium: Sie verbeißt sich also in den Alltag, tötet alles,
Silentium: was sich in ihr regt, mit Routine ab.
[) i r k: "Tötet alles, was sich in ihr regt"?
[) i r k: "Dunklen Kräfte aus dem fremden Land"?
[) i r k: Leute ihr übertreibt!
[) i r k: Wo steht da bitteschön was von Emotionen abtöten?
Hamburger: kscht!
Silentium: Tu nicht jeden Satz vivisezieren!
Silentium: Zu den Fremdlandmessern:
Silentium: bin ich, ehrlich gesagt, hochgradig unsicher.
Silentium: Gewohnheitsmuster über die Kanten?
Silentium: Was sind die Kanten?
Silentium: Kanten ist das, was an ihrer Persönlichkeit nicht passt.
mög: Die entstehen, wenn die glatte Fassade zersplittert.
Silentium: Oder sind es irgendwelche Emotionen/sonst was,
Silentium: mit dem sie nicht umgehen kann,
Silentium: die sie daher der Umwelt nicht zeigen kann?
Silentium: Und über die muss sie halt drüber fahren.
Silentium: Dritter Anlauf Fremdlandmesser:
Silentium: Sind das jetzt diese scharfen Dinge aus einem fremden Land,
Silentium: mit denen irgendwer schneidet/geschnitten wird,
Silentium: oder sind das Typen, die fremdes Land verMESSEN
Silentium: mit Zollstock und Lineal?
Silentium: Also die, die etwas – vielleicht das LI – erkunden,
Silentium: vermessen, obwohl es gar nicht ihr Revier ist.
[) i r k: Ich weiß nicht, mir erscheinen eure Deutungen einfach viel zu krass.
[) i r k: Mir gefällt mögs erster Ansatz hierzu.
[) i r k: Da steht: "splittert das". Was splittert?
[) i r k: Na ja, ganz klar, die vorher erwähnte Porzellanoberfläche.
[) i r k: Und wozu splittert das?
[) i r k: Es wird eben zu scharfen Kanten, zu Messern, zu spitzen Ecken.
[) i r k: Wenn jemand zu tief in mich vordringt,
[) i r k: dann setzen sich Abwehrmechanismen in Gang.
[) i r k: Das ist ganz normal und so einen Prozess sehr ich hier auch:
[) i r k: Die Barrieren werden löchrig,
[) i r k: aber dieser Prozess ist eben auch sehr gefährlich.
[) i r k: Und das LI wahrt den Schein, es glättet die Kanten,
[) i r k: heißt es ja am Anfang des Gedichtes.
[) i r k: Gewohnheitsmuster sehe ich wie Sarah:
[) i r k: den Alltag wiederherstellen, weitermachen,
[) i r k: so tun, als wäre nicht passiert.
[) i r k: Fremdland kann ich nicht deuten,
[) i r k: aber eure Varianten überzeugen mich auch nicht wirklich.
[) i r k: Welches fremde Land? Das innere oder das äußere?
mög: Das Fremdland als die andere Welt?
mög: Ich würde sagen, die innere.
[) i r k: Oder kommen hier etwa die inneren Spitzen zum Vorschein?
[) i r k: Also das Gegenteil zur glatten Oberfläche?
Hamburger: Also drei Punkte zunächst:
Hamburger: Da splittert ganz klar die Porzellanoberfläche,
Hamburger: da gebe ich Dirk und mög Recht.
Hamburger: Hier sollten wir auch auf den "halbSICHELhimmel" schauen,
Hamburger: eine Sichel ist ein Gerät zum Schneider.
Hamburger: Schneiden. Freudscher Versprecher.
Hamburger: Wenn auch eigentlich Getreide und Gras damit geschnitten wird.
Hamburger: Zweiter Punkt: mir gefällt mögs Ansatz auch.
Hamburger: Allerdings überzeugt er mich auch nicht wirklich,
Hamburger: weil da ja steht: "IN fremdlandmesser".
Hamburger: Wieso "in"? Das ist mir überhaupt nicht klar.
Hamburger: Wenn es sich um die verdrängten Anteile handelt,
Hamburger: dann hätte da "DURCH fremdlandmesser" stehen müssen.
Hamburger: Dritter und letzter Punkt:
Hamburger: Wir sollten unseren Blick noch mal auf das LI richten
Hamburger: und auf das Kantenglätten und betonen,
Hamburger: dass es das keinesfalls nur für die Außenwelt macht,
Hamburger: das ist mir noch nicht stark genug erwähnt worden.
Hamburger: Gewohnheitsmuster sind erstmal dafür da,
Hamburger: um selber Struktur und Rhythmus zu bekommen,
Hamburger: um eigene Identität herzustellen,
Hamburger: kurz: um Selbstsicherheit zu gewinnen.
Hamburger: Wenn das LI die Kanten nicht glätten würde,
Hamburger: würde es seine Selbstsicherheit nicht erhalten können,
Hamburger: und so wirkt für mich die Strophe auch wie der Versuch,
Hamburger: das ganze System LI funktionsfähig zu halten
Silentium: Punkt für Ham. Das LI sagt ja:
Silentium: "überzieh ich mit gewohnheitsmustern FÜR Aussenaugen".
Silentium: Es sagt ja selbst, dass es das nicht für sich selbst tut.
Silentium: Da müsste es sich ja selber belügen?
Hamburger: Punkt für Silly. Frage ist, ob es sich belügt,
Hamburger: ob Rike das so intendiert hat oder nicht?
Hamburger: Aber du hast Recht.
Hamburger: Obwohl das nicht ganz zu trennen ist:
Hamburger: Sicht der Anderen und Selbstsicherheit.
mög: Also wegen "IN Messer splittern":
mög: Das Porzellan zersplittert und wird so zu Messern,
mög: man kann sich an den Scherben schneiden.
mög: Es zersplittert in Messer.
mög: Ich finde den Ansatz übrigens plausibel:
mög: Man spielt für die anderen, glaubt man,
mög: und jammert auch genügend darüber
mög: (gibt so viele Gedichte über die Masken usw.),
mög: aber man spielt immer auch ein bisschen für sich selbst.
Hamburger: Letzteres, was du sagtest mög, sehe ich auch so.
Hamburger: Silly hatte mich eigentlich sofort überzeugt,
Hamburger: aber es stimmt schon,
Hamburger: Fremdsicht und Selbstsicherheit sind einfach nicht zu trennen.
Hamburger: Was man für "außenaugen" tut, das tut man auch für sich.
Hamburger: Hätte man keinen Vorteil davon, was für "außenaugen" zu tun,
Hamburger: würde man's nicht tun. Jede Handlung hat egoistische Anteile.
Hamburger: Das mit den "fremdlandmessern" überzeugt mich immer noch nicht,
Hamburger: weil – wie drücke ich's nur aus? –
Hamburger: "in fremdlandmesser" wie eine Verwandlung klingt.
Hamburger: Die dunklen Kräfte sorgen für Zersplitterung
Hamburger: und werden zu "fremdlandmessern"?
Hamburger: Klingt irgendwie seltsam, kann's nicht besser ausdrücken.
mög: Stimmt, es ist eine ungewöhnliche Formulierung.
mög: Aber ich glaube, das Porzellan zersplittert
mög: weniger durch die dunklen Kräfte aus dem fremden Land,
mög: sondern mehr durch den Sichelmond.
mög: Dass die Sichel schneidet, hast du ja selbst,
mög: soweit ich mich erinnere, gut erklärt.
mög: Und wir haben ja festgestellt, dass wir den Mond
mög: als ein diesen Prozess antreibendes Element ansehen.
Silentium: Könnte es sein, dass ihr in die Sichel ein bissi viel hineininterpretiert?
Silentium: Ede versucht normalerweise, pathetische Ausdrücke zu vermeiden
Silentium: und "halbmond" und "vollmond" vermeidet sie ja ganz.
Silentium: Den neumond hätte sie wahrscheinlich auch ersetzt,
Silentium: wenn man dann noch gewusst hätte, dass es um den Mond geht.
Silentium: Könnte es nicht sein, dass der Halbsichelhimmel
Silentium: einfach nur eine verdammt schöne Umschreibung
Silentium: für den Halbmond ist und gar nicht mehr?
Hamburger: Gut, also einmal zu mög und einmal zu Silly...
Hamburger: Zu mög: Wenn das Porzellan wirklich durch die Sichel splittert,
Hamburger: also in diesem Konzept, dann frage ich mich,
Hamburger: welche Rolle die dunklen Kräfte spielen?
Hamburger: Zu Silentium: Ich weiß nicht, ob das überinterpretiert ist,
Hamburger: aber Fakt ist zweierlei:
Hamburger: 1.) Selbst, wenn Rike das nicht so intendiert hat,
Hamburger: passt es verdammt gut und es spricht ja nichts dagegen,
Hamburger: Lyrik neu zu entdecken, das kann der Autorin ja nur recht sein.
Hamburger: und 2.) ich finde es auch, wie gesagt, wirklich passend,
Hamburger: da ab Strophe 3 das Kantenglätten des LIs beginnt und vorher
Hamburger: die Porzellanoberfläche durch irgendwas zersprungen sein muss.
mög: Die dunklen Kräfte sind die Schärfe des Messers, das, was verletzt.
mög: Und ich finde das mit der Sichel auch extrem passend,
mög: auch wenn's nur zufällig sein sollte. Ich kenn ja die Rike nicht so gut.
Silentium: Point taken.
[) i r k: Ich finde, ihr habt gute Arbeit bei Strophe 3 geleistet
[) i r k: auf geht's zu Strophe 4!
Hamburger: Na gut. Aber den Punkt klären wir noch
Hamburger: beim nächsten O livro-Treffen, mög
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
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