Von Fisch und Vogel

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Silentium
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Von Fisch und Vogel

Beitragvon Silentium » 04.07.2006, 18:40

Hm. Ich hab in dieser Form schon so lange nichts mehr gemacht, dass ich total das Gefüh dafür verloren und keine Ahnung hab, obs funktioniert oder nicht.

Kaffeehaus am Meer

Es wogt heut träg der Rhododendrontang,
ein Schwarm von Kellnern zieht vorbei.
Die alten Weiber gehn auf Tortenfang
und durch die Halle schwappt ein Schrei.

Im Trüben wabern Qualm und Quallen,
es plätschert müde ein Klavier.
Die Lichter hängen in Metallkorallen
ein Kreischen sinkt hinab zur Tür.

Die Spatzen tauchen weite Bogen,
durch Sessellehnen, Tischgebein.
Ein Käfig treibt verlassen auf den Wogen
daraus dringt Kakadugegrein.
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- Ursula Vernon

Fitnat
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Fitnat » 05.07.2006, 10:45

Super funktioniert, Super gelungenes Gedicht, Super Bilder. Gratuliere Silly :-)


Meine Lieblinsstelle, 8-o


Im Trüben wabern Qualm und Quallen,
es plätschert müde ein Klavier.
Die Lichter hängen in Metallkorallen
ein Kreischen sinkt hinab zur Tür.


Nicht verstanden habe ich nur das Wort Kakadugegrein. :-| ist es ein Kakaduvogel?


Liebe Grüße
Fitnat
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

Tuesday
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Tuesday » 05.07.2006, 12:20

Also mir gefallen die Strophen an sich schon, aber irgendwie fehlt mir auch noch etwas, damit das Gedicht vollständig ist. Ich habe das Gefühl, du hast mindestens noch drei weitere Strophen beim Einstellen unterschlagen. Die Bilder, die du sprachlich zeichnest, sind echt klasse, aber mir fehlt das, warum du sie zeichnest. Naja, vielleicht versteh ich das Gedicht auch einfach nicht wirklich...
viele Grüße
Tuesday

Silentium
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Silentium » 08.07.2006, 15:24

@Fitnat: Also, das mit dem Kakadugegrein... wenn jemand "greint" dann jammert er, ein bisserl schluchzen, ein bisser motzen, ein bisserl weinen. Und da stand dieser Käfig und drin saß dieser riesige Kakadu und konnte kaum die Flügel ausbreiten und hat dauernd geschrieen. Was auch daran gelegen sein könnte, dass bescheuerte Touristen sich vor seinem Käfig aufgebaut und ihn mit An-den-Käfig-klopfen und ähnlichem Blödsinn geärgert haben. Man hat mich zwar davon abgehalten, diesen Idioten meinen Tee über den Kopf zu schütten, aber wenn ich gedurft hätte... :-E

@Tuesday: Hmmm... wenn das so ist, dann scheint es in der Tat noch nicht so hinzuhauen, wie es sollte. Muss ich also noch drüberbügeln.

Danke euch beiden für eure Meinung! :-)
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Flocke
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Flocke » 10.07.2006, 13:33

Mahlzeit, ach nein, besser Putengeschnetzeltes mit Rösti!

Hm, ich finde das Gedicht nicht schlecht, allerdings habe ich das Gefühl, das die Silbenzahl nicht immer ganz zusammenpaßt.

Und mir geht es ähnlich wie Tuesday, irgendwie fehlt mir noch der Aha-Effekt, das berühmte Was-will-uns-der-Dichter-damit-sagen?

Habe trotzdem mal ein bißchen gebastelt und gedreht:

Kaffeehaus am Meer

Träge wogt der Rhododendrontang,
die Kellner ziehn im Schwarm vorbei.
Alte Weiber gehn auf Tortenfang
und durch die Halle schwappt ein Schrei.

Im Trüben wabern Qualm und Quallen,
es plätschert müde ein Klavier
und lichtert in Metallkorallen
ein Kreischen sinkt hinab zur Tür.

Die Spatzen tauchen weite Bogen,
durch Sessellehnen, Tischgebein.
Einsam ein Käfig treibt auf Wogen,
daraus dringt Kakadugegrein.


Ein paar Anmerkungen noch:

Rhododendrontang und Kakadugegrein sind zwar an sich schöne Worte, aber Undinger in einem Gedicht. Da kriegt man ja Knoten in der Zunge beim Lesen... ;-)

Kann der Käfig am Ende verlassen sein? Das würde für mich heißen, er ist leer, geht aber nicht, weil dann könnte es ja drinnen nicht greinen...

Aber allein die Vorstellung eines greinenden Kakadus ist köstlich. :-D

Habe mal was ähnliches in Mexiko gesehen, da stand auch ein Papageienkäfig in der Hotellobby und die armen Viecher da drin konnten die Gäste schon in der jeweiligen Landessprache begrüßen. Am besten gefiel mir immer das geschnarrte "Good morning", da hätte man mit ein bißchen Übung locker noch ein "Vietnam" dranhängen können. Aber ob das den vielen Amis dort gefallen hätte?

Lieber Gruß
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

Silentium
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Silentium » 11.07.2006, 15:02

Hm... der Rhytmus sollte eigentlich stimmen, es ist abwechselnd fünf- und vierhebiger Jambus. *fehlersuch*
Bei deiner umarbeitung wären teilweise noch Trochäen drin, ich bin nicht sicher, ob ich das nicht eh besser wäre. Grübelgrübel.
Auf jeden Fall scheint ihr euch einig zu sein und das doofe Ding noch nicht zu funktionieren. Eigentlich war es so gedacht, dass zuerst einfach nur das Geräusch da ist, und erst in der letzten Zeile wird erklärenderweise der Kakadu nachgeliefert, quasi als Gegendings zu den Spatzen. Haut offensichtlich nicht hin.

Was das nachplappern angeht... das funktioniert auch bei Kleinkindern prima. Wir haben mal meinen kleinen Bruder, als er grade sprechen konnte, drauf gedrillt, zu jedem Fremden zu sagen: "Oida, loss Kaukaubuddili ummawochsn, sunst staubts!"
(Alter, lass das Kakaofläschen herüberwachsen, sonst hast du mit ernsten Konsequenzen zu rechnen). Hatte einen gewissen Unterhaltungswert. :-D

Lieber Gruß,
Silly
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wicked irene
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon wicked irene » 25.09.2006, 23:05

Ich mag dieses Gedicht. So wie es ist.
Muss ich also noch drüberbügeln.

Ich fürchte, in der Waschanleitung zu diesem Gedicht ist das entsprechende Symbol explizit durchgestrichen. Hier "drüberzubügeln" kann doch nur bedeuten, es zu verhunzen.

Die Bilder, die du sprachlich zeichnest, sind echt klasse, aber mir fehlt das, warum du sie zeichnest.

Und mir geht es ähnlich wie Tuesday, irgendwie fehlt mir noch der Aha-Effekt, das berühmte Was-will-uns-der-Dichter-damit-sagen?

Ist das ein Mangel des Gedichtes und seiner Wirkung? Ich glaube mit Gewissheit sagen zu können: Nein! Wie oft habe ich schon in Museen vor Kunstwerken gestanden und mich gefragt: "Was soll das? Was will mir der Künstler damit sagen?" Und schon war ich ihm auf den Leim gegangen! ;-)

Wie soll ich sagen: ist es nicht gerade dieses Bedeutungsvakuum, diese herausfordende Indifferenz, die das Wesen der Kunst ausmacht? Dass man sich angesichts dieses Gedichtes solche Fragen stellt, ist für mich eher ein Zeichen, dass die Autorin mit diesem Gedicht etwas richtig gemacht hat. Warum-Fragen sind gut. Das klingt vielleicht ein bisschen platt, aber sie sind das Salz unseres Intellekts. Diese Warum- und Was-soll-das-Fragen einfach an die Autorin zurückzugeben, zeugt mir eher von einer gewissen Trägheit und Bequemlichkeit des Lesers (wie man sie auch häufig bei Besuchern von Mueseen zeitgenössischer Kunst antrifft). Wäre ich die Verfasserin dieses bezaubernden Gedichtes, ich hätte die Frage unverzüglich an meine Leser zurückgeben: Was soll das?

Ich wüsste jedenfalls nicht, was man an diesem Gedicht besser oder anders machen sollte. Ich wünschte, ich könnte so schreiben.

wicked I
All things truly wicked start from an innocence. (Hemingway)

Tuesday
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Tuesday » 26.09.2006, 03:54

Hey wicked Irene!
Ich habe nicht gesagt, dass es prinzipiell einen Mangel darstellt, sondern nur für mich. Und ich habe in Betracht gezogen, dass ich das Gedicht vielleicht einfach nicht ganz verstehe! Es wird dich nicht wundern, dass ich mit vieler zeitgenössischer Kunst, die in Museen ausgestellt wird, auch nichts anfangen kann. Ich kann es sehr gut verstehen, dass diverse Raumpfleger/innen in Museen gerne mal zeitgenössische Kunstwerke entsorgen. Ich kann den Sinn in einer mit Klopapier gefüllten Badewanne ebenso wenig entdecken wie in einem Bild, das nur aus Farbklecksen besteht. Ich wuerde dafür auch kein Geld, nicht mal Eintritt zahlen, denn aus meiner Sicht kann das wirklich jeder Affe herstellen.
Fragen aufwerfen ist eine wichtige Funktion, doch für mich ist es auch wichtig, dass zumindest ein Ansatz zur Antwort vorhanden ist, wenigstens eine Idee, von der aus man etwas entwickeln kann. Wenn ich Kunst betrachte und genieße, dann stelle ich Fragen und lasse mir Antworten durch das Werk geben (zumindest Ansätze von Antworten). Wenn das Werk mir diese Antworten nicht gibt, und ich den/die Künstler/in fragen kann und von ihm/ihr als Antwort:
Was soll das?

bekomme, spätestens dann weiß ich, dass ich mit der/der Künstler/in keinerlei ähnlich Fragen stelle. Ist das an Mangel des Kunstwerk oder des/der Künstlers/Künstlerin? Ist das meine Trägheit und Bequemlichkeit? Ich verneine beides. Es ist einfach die Nicht-Kompatibilität von Kunstwerk/Künster und Betrachter. Ich glaube nicht, dass irgendeine Seite an etwas mangelt, außer der Fähigkeit zur Kommunikation mit der anderen Seite. Ist das schlimm? Ist das schlecht? Nein, es ist vielleicht bedauernswert, aber das ist auch alles. Sollte man dann an der Kommunikation arbeiten? Ja, aber das würde bedeuten, dass der/die Künstler/in dem Betrachter keine Trägheit unterstellt und der Betrachter dem/der Künstler/in tieferen Sinn in seine/ihrnen Kunstwerken zugesteht und sie nicht als trivial und "von jedem Affen herstellbar" sieht. Ist der Erfolg der Kommunikation dann garantiert? Nein, wohl kaum...
Wenn ich einem/einer Künsterler/in sage, dass ich das Werk nicht ganz verstehe, dann erwarte ich, dass man zumindest versucht im Dialog zu klären, worum es geht. Mich mit Gegenfragen zu füttern, ist für mich unbefriedigend, genauso wie die Antwort nicht in dem Werk finden zu können. Vielleicht sollen die offenen Fragen wirklich die Wirkung seien. Dann allerdings habe ich das Werk erfasst, ohne es zu verstehen. Das macht es für mich aber auch nicht befriedigender.

@Silentium: Mir gefällt das Gedicht immer noch und trotzdem wünschte ich du würdest noch 2-3 Strophen einfügen!

Hochachtungsvoll,
Tuesday

deathflower
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon deathflower » 26.09.2006, 14:05

Kaffeehaus am Meer

Es wogt heut träg der Rhododendrontang,
ein Schwarm von Kellnern zieht vorbei.
Die alten Weiber gehn auf Tortenfang
und durch die Halle schwappt ein Schrei.


ich weiß war nicht was rhododendrontang ist aber diese strophe ist ansonsten für mich schlüssig, form und "farbe" (so nenn ich gern den inhalt) silbenzahl: 10,8,10,8)

Im Trüben wabern Qualm und Quallen,
es plätschert müde ein Klavier.
Die Lichter hängen in Metallkorallen
ein Kreischen sinkt hinab zur Tür.


ich denke ich versteh was mit dem hacken beim lesen gemeint ist, jambus trochäus was auch immer, kann ich so nicht unterscheiden und scheint nach deiner eigenen aussage ja auch zu passen, aber was mir aufgefallen ist, dass die silbenzahl nicht hinhaut (9,8,11,8) ich weiß nicht ob man das machen "kann" aber ich fände es angenehmer zu lesen wenn die 9 und die 11 ausgeglichen wären.

Die Spatzen tauchen weite Bogen,
durch Sessellehnen, Tischgebein.
Ein Käfig treibt verlassen auf den Wogen
daraus dringt Kakadugegrein.


hier hast du es mit der silbezahl wie oben gehalten (9,8,11,8) eventl ist das alles gewollt von dir und ich hab auch nichts auszusetzen daran - es ist einzig und allein mein denken dazu, wo die differenz bei den geschriebenen meinungen liegt, denn mit gleicher silbezahl bei den reimen lässt sich ein gedicht für mich immer flüssiger und leichter lesen -was nicht heißt dass es deswegen besser ist.


ansonsten von der "farbe" fehlt mir zwischen den jeweiligen strophen irgendein übergang etwas woran man sich "festhalten" kann, denn so könnte man auch die erste strophe als gedicht und die letzten zwei als extra gedicht verwenden. denn bei diesen ist das "festhalten" durch das kreischen und die spatzen gut zu bewerkstelligen


grüße deathflower

razorback
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon razorback » 26.09.2006, 18:25

Schöne Umsetzung der Metapher, Silly. Sehr, sehr gutes Bild für Trägheit, fast spürber. Das ist gelungen. An zwei Stellen aber hakt es meines erachtens:

Rhododendrontang


Das BILD stimmt, ist sogar sehr stimmig und ein guter Einstieg in die Atmosphäre. Dennoch: Das WORT ist ein Monstrum. Lies das bitte drei mal laut und artikuliert. :-D Und ein Gedicht, dessen erste Zeile schon zungebrecherisch ist, beim lauten Vorlesen... schwierig. Versuch doch, ein gut lesbares Wort zu finden, dass die Atmosphäre ebensogut überträgt. Viel Spaß dabei... :-p

Ebenso:

Kakadugegrein


Nicht ganz so zungenverstümmelnd, dafür erfordert es aber zu viele Querverbindungen. Die Frage "Was ist ein Kakadu" können sicher die meisten Deiner Leser für sich beantworten, bei "was macht er für Geräusche" wird es schon schwieriger und "kann man diese Geräusche passend als 'Gegrein' beschreiben ist sicher diskussionswürdig. Schade, denn dieses letzte Wort reisst - mich zumindest - sehr unsaft aus der trägen Ammeerinheissersonneatmosphäre des Gedichts.

Aber wie gesagt - abgesehen von den beiden Punkten: Sehr gute Idee, sehr gut bildhaft umgesetzt.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

[) i r k
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon [) i r k » 26.09.2006, 21:25

... unsaft aus der trägen Ammeerinheissersonneatmosphäre des Gedichts.

Interessant.

Ich glaube, das Gedicht zeichnet sich besonders durch seine Ambivalenz und Doppeldeutigkeit der Bilder aus. Beispielsweise habe ich beim Lesen durchaus nicht die Empfindung gehabt, am Meer in der heißen Sonne zu sitzen, sondern in einem uralten - fast möchte man sagen - anachronistischen Wiener Kaffeehaus. Und meine Empfindung ist auch nicht Wärme, sondern ein leichtes - von Kälte angehauchtes - Schaudern. Weil die Schlieren des Zigarettenrauchs und die Geräusche im Raum sich langsam überlagern und der Kaffehauszirkus vor meinen Augen zu verschwimmen beginnt. Alles dehnt und verändert sich und plötzlich werden aus Qualm Quallen, aus Kronleuchtern metallisch glänzende Korallen, aus Zierpflanzen grotesk aussehnder Tang und aus vorbeilaufenden Kellnern merkwürdige Schwärme Frack tragender Fische...

Aber auch die gesamte Sprache des Gedichtes hat etwas morbides und bedrohliches an sich: "alte Weiber", "schwappt ein Schrei", "Im Trüben wabern", "es plätschert müde", "ein Kreischen sinkt" und "Ein Käfig treibt verlassen". Das sind für mich keine angenehmen und entspannenden Bilder und Assoziationen, die in mir Fernweh und Erinnerungen an Meer und Sonne wach rufen. Vielleicht passt es daher gar nicht schlecht, wenn man genau in der ersten und der allerletzten Zeile des Gedichtes über diese Monsterwörter "stolpert". Und gerade "Rhododendrontang" hat mir sehr gefallen - vielleicht gerade weil es so sperrig ist, denn obwohl es ein langes, ja, ein monströs langes Wort ist, hat es einen interessanten Klang. Aber mit dieser Empfindung bin ich anscheinend allein.

Überhaupt gefällt mir die Sprache in diesem Gedicht außerordentlich gut. Für besonders gelungen halte ich die Metaphern und Lautmalereien, wie sie für die Bewegung und den Klang des Wassers bzw. des Meeres verwendet werden: "wogen", "schwappen", "wabern", "plätschern", "sinken", "treiben". Auch wenn das Gedicht für mich woanders spielt und einen ganz anderen Charakter hat, in gewisser Weise hat Razorback natürlich vollkommen Recht: Man kann das Meer, die Bewegung der Wellen förmlich spüren.

MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Silentium » 30.09.2006, 14:20

Ähm - hallo in die Runde!

Ich kann es sehr gut verstehen, dass diverse Raumpfleger/innen in Museen gerne mal zeitgenössische Kunstwerke entsorgen.


Hmm... hab ich da irgendeine Zeitungsmeldung verpasst? Würde mir bitte jemand erzählen, ob und wo sowas passiert ist? *neugierigsei.

Was den Rest angeht... es is ja eigentlich dichterisches Totalversagen, wenn man in Versuchung kommt, was eigenes zu interpretieren. Wenn es zu abstrakt seins sollte, dass der Sinn nimmer rauskommt, dann hab ich da ein Problem. Eigentlich gings um zwei Dinge - zum einen um dieses modrige Mischding aus Meeresgrund und Kaffeehaus , und das andere war der Kakadu. Zu dem gehört auch der Schrei in der ersten Strophe. Zuerst hat er nämlich geschrieen wie ein Mensch, dass ich mich umgeschaut hab, ob jetzt grad er ermordet wird, dann hat er herumgekreischt wie der von dämlichen Touristen gequälte Vogel der er war und am Schluss ... naja, gegreint. Herumgejammert, ganz leise in sich hineingegrummelt, als tät er sich selber ganz schrecklich leid. Um dieses arme Viech als Kaffeehausdekoration, der den herumschwirrenden Spatzen so neidig zugeschaut hat, gings irgendwie eigentlich und ähm... *herumstotter*

Kurz, ihr habt alle so dermaßen kluges Zeug gesagt, dass ich noch meh drüber nachdenken muss. :-D :-)

Dankend,
Silly
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Tuesday
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Tuesday » 17.10.2006, 02:41

Hi Silentium!
Hat leider ein bißchen gedauert, aber jetzt habe ich einen Link zu einem Artikel über eifrige Putzfrauen:

Fettecke

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass in den letzten Jahren noch andere Werke das gleiche Schicksal ereilt hat!

Viele Grüße
Tuesday

Silentium
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Re: Von Fisch und Vogel

Beitragvon Silentium » 05.11.2006, 19:47

Hallo Tuesday!

Sorry, dass es mit der Antwort so lange dauert, ich hab grad eeeewig kein Internet mehr gehabt.

Das mit der Fettecke ist ja herrlich kurios. Ich war heut im Museum für Moderne Kunst in Wien und hab mir da eine Ausstellung von einem österreichischen Skulputenheini angeschaut und mir auch die halbe Zeit gedacht: was man da alles mit einer klitzekleinen Putzfrauenaktion verbessern könnte...

Für den link herzlichst dankend,
Silly
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