Studiosus auf der Reise
Im Felde, schau nur, friert die Hammelherde.
Und ringsum siehst Du nichts als weißes Winternegligee.
Nur dort und da stehn braune Zottelpferde,
sie sind vereist und starren in den Schnee.
Vereist sind auch die Buchen, Tannen, Fichten.
Und auch in meinem Schädel spannt sich kreuz und quer
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf. Wo bring ich neue Lieder her?
Student bin ich , bin Sänger, ohne Freunde.
Vom Hunger und von Durst gequält, stapf ich die Wege hier,
Man kriegt bei Nichterfolg die schiere Räude,
vom Publikum kein Geld, nicht mal ein lackes Bier.
So lange schon bin ich ohn´ Geistesblitze!
In Düsternis versank die Kreatie.
Wie? Tät ich besser diese Skizze,
dies Bild ins Lied? Die Winterszenerie?
Hoiho! Was seh ich dort am Berges-Rande?
Ein Gasthof: Bauern, Ziegen - Schafe satt.
Klar, Winterlieder hört man gerne auf dem Lande,
Genug also des Trübsalblasens: Cut!
Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
-
Auf Eulen Schwingen
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Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
aes
(auf!eulen schwingen)
(auf!eulen schwingen)
Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Ahhh!
Herr Eulenschwinger, ich bin sehr überrascht und erfreut, Sie nach etlicher Zeit, die ins Land gegangen ist, wieder in unseren heil'gen Hallen begrüßen zu dürfen. Ich schwalle. Aber ich freu mich wirklich, mal wieder etwas von Ihnen zu lesen. Schließlich gehören ein paar Gedichte aus Ihrer Feder zu meinen persönlichen Lieblingen in diesem Forum.
Ich denke, zur technischen Seite Ihres neuen Poems brauche ich kein Wort zu verlieren. Außer vielleicht ein Lob: einige Reime finde ich wirklich sehr erfrischend, so etwa der Auftakt "Negligee/Schnee" oder auch "satt/Cut" am Ende.
Des Dichters Einsamkeit ist, das wissen Sie, das weiß ich, oft besungen. Des Dichters Schreibkrisen ebenso. Speziell die Zeile ...
... hat mich an eines meiner persönlichen Lieblingsgedichte zu diesem Topos erinnert: "Hälfte des Lebens" von Hölderlin. Sicher kennen Sie es.
Ihr Gedicht zerfällt für mich in drei Teile, die ich ambivalent bewerte. Die ersten beiden Strophen gefallen mir sprachlich und inhaltlich ausnahmslos sehr gut, wobei ich ...
... für den besonderen Glanz- und Höhepunkt des Gedichtes halte. Ich verstehe den Winter und die ergreifende Tristesse, die Sie beschreiben, durchaus symbolisch für die Vereisung und Erstarrung des in der Schreibkrise gefangenen und von früheren Versen wie Geistern heimgesuchten Dichters. Vielleicht sind damit auch die schlechten Veröffentlichungsbedingungen und das miese Image angedeutet, unter denen die Lyrik (und mit ihr mancher Lyriker) heute zu leiden hat. Aber vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein.
So weit, so gut.
Strophe drei strahlt auf mich vor allem eines aus: Selbstmitleid. Ich kenne dieses Gefühl, dennoch möchte ich mir erlauben zu bemerken, dass ich das für keinen brauchbaren Gegenstand für ein Gedicht halte. Selbstmitleid sucht zwar nach Empathie, nach echtem Mitgefühl - wenn schon nicht bei anderen, so doch wenigstens bei sich selbst, aber häufig verfehlt es dieses Ziel, weil ihm die notwendige - ich sage mal - psychologische Dramaturgie fehlt, die wirklich Identifikationspotential schafft und eine emotionale Reaktion des Lesers evoziert. Selbstmitleid ist einfach zu stumpf, zu unsexy, zu gewöhnlich. Ich weiß nicht, ob ich das richtig erklären kann, vielleicht ahnen Sie, was ich meine. Well, what ever, nevermind: Falls wir uns mal im realen Leben treffen sollten, lade ich Sie zu einem Bier ein! :cheers:
Die Strophen vier bis fünf sind nicht unintelligent, mangeln nicht an Spielerei und Wortwitz und auch das Schafmotiv aus der ersten Strophe ("Hammelherde") wird wieder aufgegriffen, was ich wieder symbolisch deuten würde: hier der Dichter, da die Herde, die ihn nicht versteht. Dennoch passen mir diese beiden Strophen nicht so richtig mit den ersten zwei zusammen. Der dritte Teil des Gedichtes wirkt sehr selbstreferentiell auf mich, aber nicht so geschlossen wie der Anfang. Themen bzw. Motive werden nochmals angeschnitten und neu umschrieben, die meines Erachtens in den Strophen vorher bereits besser gefasst und auf den Punkt gebracht wurden. Am Ende zerfasert das Gedicht durch Fragen und Ziegen, aber es passiert eigentlich nichts mehr, was noch einmal ein sprachliches/inhaltliches Highlight wie das in Strophe 2 schafft.
Ich denke, sie sollten vielleicht noch etwas an diesem Gedicht feilen, vielleicht auf Strophe 3 ganz verzichten und 4 bis 5 noch etwas eindringlicher inszenieren. Wäre mein Vorschlag.
MfG,
[) i r k
Herr Eulenschwinger, ich bin sehr überrascht und erfreut, Sie nach etlicher Zeit, die ins Land gegangen ist, wieder in unseren heil'gen Hallen begrüßen zu dürfen. Ich schwalle. Aber ich freu mich wirklich, mal wieder etwas von Ihnen zu lesen. Schließlich gehören ein paar Gedichte aus Ihrer Feder zu meinen persönlichen Lieblingen in diesem Forum.
Ich denke, zur technischen Seite Ihres neuen Poems brauche ich kein Wort zu verlieren. Außer vielleicht ein Lob: einige Reime finde ich wirklich sehr erfrischend, so etwa der Auftakt "Negligee/Schnee" oder auch "satt/Cut" am Ende.
Des Dichters Einsamkeit ist, das wissen Sie, das weiß ich, oft besungen. Des Dichters Schreibkrisen ebenso. Speziell die Zeile ...
Wo bring ich neue Lieder her?
... hat mich an eines meiner persönlichen Lieblingsgedichte zu diesem Topos erinnert: "Hälfte des Lebens" von Hölderlin. Sicher kennen Sie es.
Ihr Gedicht zerfällt für mich in drei Teile, die ich ambivalent bewerte. Die ersten beiden Strophen gefallen mir sprachlich und inhaltlich ausnahmslos sehr gut, wobei ich ...
Und auch in meinem Schädel spannt sich kreuz und quer
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf. Wo bring ich neue Lieder her?
... für den besonderen Glanz- und Höhepunkt des Gedichtes halte. Ich verstehe den Winter und die ergreifende Tristesse, die Sie beschreiben, durchaus symbolisch für die Vereisung und Erstarrung des in der Schreibkrise gefangenen und von früheren Versen wie Geistern heimgesuchten Dichters. Vielleicht sind damit auch die schlechten Veröffentlichungsbedingungen und das miese Image angedeutet, unter denen die Lyrik (und mit ihr mancher Lyriker) heute zu leiden hat. Aber vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein.
So weit, so gut.
Strophe drei strahlt auf mich vor allem eines aus: Selbstmitleid. Ich kenne dieses Gefühl, dennoch möchte ich mir erlauben zu bemerken, dass ich das für keinen brauchbaren Gegenstand für ein Gedicht halte. Selbstmitleid sucht zwar nach Empathie, nach echtem Mitgefühl - wenn schon nicht bei anderen, so doch wenigstens bei sich selbst, aber häufig verfehlt es dieses Ziel, weil ihm die notwendige - ich sage mal - psychologische Dramaturgie fehlt, die wirklich Identifikationspotential schafft und eine emotionale Reaktion des Lesers evoziert. Selbstmitleid ist einfach zu stumpf, zu unsexy, zu gewöhnlich. Ich weiß nicht, ob ich das richtig erklären kann, vielleicht ahnen Sie, was ich meine. Well, what ever, nevermind: Falls wir uns mal im realen Leben treffen sollten, lade ich Sie zu einem Bier ein! :cheers:
Die Strophen vier bis fünf sind nicht unintelligent, mangeln nicht an Spielerei und Wortwitz und auch das Schafmotiv aus der ersten Strophe ("Hammelherde") wird wieder aufgegriffen, was ich wieder symbolisch deuten würde: hier der Dichter, da die Herde, die ihn nicht versteht. Dennoch passen mir diese beiden Strophen nicht so richtig mit den ersten zwei zusammen. Der dritte Teil des Gedichtes wirkt sehr selbstreferentiell auf mich, aber nicht so geschlossen wie der Anfang. Themen bzw. Motive werden nochmals angeschnitten und neu umschrieben, die meines Erachtens in den Strophen vorher bereits besser gefasst und auf den Punkt gebracht wurden. Am Ende zerfasert das Gedicht durch Fragen und Ziegen, aber es passiert eigentlich nichts mehr, was noch einmal ein sprachliches/inhaltliches Highlight wie das in Strophe 2 schafft.
Ich denke, sie sollten vielleicht noch etwas an diesem Gedicht feilen, vielleicht auf Strophe 3 ganz verzichten und 4 bis 5 noch etwas eindringlicher inszenieren. Wäre mein Vorschlag.
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
-
Auf Eulen Schwingen
- Sphinx
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Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Niemals spiel i mehr in Wien,
Wien hat mi gar net verdient
Nun, wackerer Dirk,
tiefen Dank für die profunde würdigung.
Die Selbstreferentialität scheint mir dem Text sehr charakteristisch, das hat der Gernhardt-Kenner zu recht akzentuiert.
Was offensichtlich nicht recht rüber gekommen und oder eher misslungen ist: der Versuch mit der Selbstreferentialität zu wuchern.
- Da sind Gattungshinweise auf bündisches Liedgut und abgesunkene Vagantenlyrik (Studiosus auf der Reise, auf Songerfolge angewiesen).
- Dann die Winterszenerie, die zum Thema des Gedichtes gemacht, in einem Gasthof als Liedvortrag Erfolg verspricht.
- Die gar nicht so tiefe Depression des out-burn-poeten. Er wird beim Gasthof und seinen Schafen von einem vitalen und kreativen Schub und einem Appetitflush erfasst.
- und noch so öhnliches.
Also eher ein "work-in-progress"-poem, geschnitten mit den patterns etwa eines Viktor Scheffel, mit "Cut" aus dem Vergangenheitshorizont flugs in die Gegenwart transponiert.
Ein Pate war jenes schöne STS-Lied - Silli wird es kennen - trotzdem:
Langsam findt der Tag sei End und die Nacht beginnt
In der Kärntnerstraßn, da singt aner ""Blowin' In The Wind""
Hat a grünes Röckerl an,steht da ganz verlor'n
Und der Steffl, der schaut owi, auf den armen Steirerbuam
Der hat woll'n sei Glück probieren in der großen fremden Stadt
Hat glaubt, sei Musik bringt ihn auf's Rennbahnexpress Titelblatt
Aus der Traum, zerplatzt wie Seifenblasen, nix is blieb'n
Als wie a paar Schilling in sein Gitarrenkoffer drin
Wochenlang steh i schon da,
Wochenlang plag i mi ab
I spiel mir die Finger wund
Und sing sogar ""Da kummt die Sunn""
Doch es ist zum Narrischwerd'n,
Kaner will mi singen hör'n
Langsam krieg i wirklich g'nua,
I frag mi, was i da tua
Da geht den ganzen Tag der Wind,
Nix als Baustellen, dass ka Mensch was find't
Die Burenhäut'ln sind ein Graus
Und im Kaffeehaus brenntst di aus
I will wieder ham, fühl mi da so allan
I brauch ka große Welt, i will ham nach Fürstenfeld
In der Zeitung da habn's g'schrieb'n,
Da gibt's a Szene, da musst hin
Was die wollen, das sollen sie schreib´n,
Mir kann die Szene g'stohlen bleib'n
Da geh'i gestern ins U4,
Fangt a Dirndl an zum red'n mit mir
Schwarze Lippen, grüne Haar,
Da kannst ja Angst krieg'n, wirklich wahr
I will wieder ham...
I spiel höchstens no in Graz,
Sinalbelkirchen und Stinatz
I brauch kan Gürtel, i brauch kan Ring,
I will z'ruck hintern Semmering
I brauch nur das bissel Geld
Für die Fahrt nach Fürstenfeld
I will wieder ham...
ganz herzliche grüße
aes
Wien hat mi gar net verdient
Nun, wackerer Dirk,
tiefen Dank für die profunde würdigung.
Die Selbstreferentialität scheint mir dem Text sehr charakteristisch, das hat der Gernhardt-Kenner zu recht akzentuiert.
Was offensichtlich nicht recht rüber gekommen und oder eher misslungen ist: der Versuch mit der Selbstreferentialität zu wuchern.
- Da sind Gattungshinweise auf bündisches Liedgut und abgesunkene Vagantenlyrik (Studiosus auf der Reise, auf Songerfolge angewiesen).
- Dann die Winterszenerie, die zum Thema des Gedichtes gemacht, in einem Gasthof als Liedvortrag Erfolg verspricht.
- Die gar nicht so tiefe Depression des out-burn-poeten. Er wird beim Gasthof und seinen Schafen von einem vitalen und kreativen Schub und einem Appetitflush erfasst.
- und noch so öhnliches.
Also eher ein "work-in-progress"-poem, geschnitten mit den patterns etwa eines Viktor Scheffel, mit "Cut" aus dem Vergangenheitshorizont flugs in die Gegenwart transponiert.
Ein Pate war jenes schöne STS-Lied - Silli wird es kennen - trotzdem:
Langsam findt der Tag sei End und die Nacht beginnt
In der Kärntnerstraßn, da singt aner ""Blowin' In The Wind""
Hat a grünes Röckerl an,steht da ganz verlor'n
Und der Steffl, der schaut owi, auf den armen Steirerbuam
Der hat woll'n sei Glück probieren in der großen fremden Stadt
Hat glaubt, sei Musik bringt ihn auf's Rennbahnexpress Titelblatt
Aus der Traum, zerplatzt wie Seifenblasen, nix is blieb'n
Als wie a paar Schilling in sein Gitarrenkoffer drin
Wochenlang steh i schon da,
Wochenlang plag i mi ab
I spiel mir die Finger wund
Und sing sogar ""Da kummt die Sunn""
Doch es ist zum Narrischwerd'n,
Kaner will mi singen hör'n
Langsam krieg i wirklich g'nua,
I frag mi, was i da tua
Da geht den ganzen Tag der Wind,
Nix als Baustellen, dass ka Mensch was find't
Die Burenhäut'ln sind ein Graus
Und im Kaffeehaus brenntst di aus
I will wieder ham, fühl mi da so allan
I brauch ka große Welt, i will ham nach Fürstenfeld
In der Zeitung da habn's g'schrieb'n,
Da gibt's a Szene, da musst hin
Was die wollen, das sollen sie schreib´n,
Mir kann die Szene g'stohlen bleib'n
Da geh'i gestern ins U4,
Fangt a Dirndl an zum red'n mit mir
Schwarze Lippen, grüne Haar,
Da kannst ja Angst krieg'n, wirklich wahr
I will wieder ham...
I spiel höchstens no in Graz,
Sinalbelkirchen und Stinatz
I brauch kan Gürtel, i brauch kan Ring,
I will z'ruck hintern Semmering
I brauch nur das bissel Geld
Für die Fahrt nach Fürstenfeld
I will wieder ham...
ganz herzliche grüße
aes
aes
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Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
lieber aes (richtige anrede?)
fühlte mich gleich heimisch in deinen bildern und sah den pfiffigen wanderer förmlich vor mir, der gerade noch ein wenig mit der härte des daseins "kokettiert" und dann flugs eine möglichkeit sieht - hoiho - sein gedärm zu füllen.
finde den übergang vom allgemeinen zum selbst wirklich gekonnt, sehe da für mich oft stolpersteine.
ansonsten hat mein vorredner wortgewandt schon auf die schönheit von vers zwei hingewiesen, schließe mich an.
die betrachtungen zum selbstmitleid mögen stimmen, aber im vorliegenden charakterisiert es eher, scheint nur so obenauf zu lagern, (macht doch der dichter aus jedem kleinen läunchen ein poem!?)um gleich wieder dem nächsten impuls zu folgen.
habe es gerne gelesen und mich damit beschäftigt.
gruß von der rotfeder
fühlte mich gleich heimisch in deinen bildern und sah den pfiffigen wanderer förmlich vor mir, der gerade noch ein wenig mit der härte des daseins "kokettiert" und dann flugs eine möglichkeit sieht - hoiho - sein gedärm zu füllen.
finde den übergang vom allgemeinen zum selbst wirklich gekonnt, sehe da für mich oft stolpersteine.
ansonsten hat mein vorredner wortgewandt schon auf die schönheit von vers zwei hingewiesen, schließe mich an.
die betrachtungen zum selbstmitleid mögen stimmen, aber im vorliegenden charakterisiert es eher, scheint nur so obenauf zu lagern, (macht doch der dichter aus jedem kleinen läunchen ein poem!?)um gleich wieder dem nächsten impuls zu folgen.
habe es gerne gelesen und mich damit beschäftigt.
gruß von der rotfeder
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Auf Eulen Schwingen
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Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Dear rotfeder,
schön, wie Du das "hoiho" jenseits von Selbstmitleid ausdeutest und dem L.I. Koketterie attestierst.
Das Studiosus-L.I. ist gewiss dieser Mentalität da:
Pangur, mein Kater, und ich
sind meist sehr schlecht
bei diesem unserem Geschäft.
Ihm kommt es dabei eher auf
die Mäuse an. Mir eigentlich
auch.
schön, wie Du das "hoiho" jenseits von Selbstmitleid ausdeutest und dem L.I. Koketterie attestierst.
Das Studiosus-L.I. ist gewiss dieser Mentalität da:
Pangur, mein Kater, und ich
sind meist sehr schlecht
bei diesem unserem Geschäft.
Ihm kommt es dabei eher auf
die Mäuse an. Mir eigentlich
auch.
aes
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Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Arthur Rimbaud
Meine Bohème
Ich ging, Fäuste in Taschen löchrig wie Siebe;
Mein Mantel ward ein feingesponnen Ding;
Als dein Getreuer, Muse! ging ich unterm Himmel hin;
O la! Wie prächtig träumte mir's von Liebe!
Ein unvergleichlich Loch trug ich im Hosenkleide.
Als kleiner Däumling streifte träumend ich umher
Und pflückte Reime. Mein Gasthof war der Große Bär.
Am Himmel meine Sterne rauschten sanft wie Seide,
Und ich belauschte sie, am Wegesrande hockend
In den Septembernächten, wo der Tau verlockend
Auf meine Stirn fiel wie ein Wein von seltner Kraft;
Wo ich inmitten Schattenspiel und Reimgeplänkel,
Wie Saiten schwang die widerspenst'gen Senkel
Der wunden Schuh', den Fuß ans Herz gerafft!
Meine Bohème
Ich ging, Fäuste in Taschen löchrig wie Siebe;
Mein Mantel ward ein feingesponnen Ding;
Als dein Getreuer, Muse! ging ich unterm Himmel hin;
O la! Wie prächtig träumte mir's von Liebe!
Ein unvergleichlich Loch trug ich im Hosenkleide.
Als kleiner Däumling streifte träumend ich umher
Und pflückte Reime. Mein Gasthof war der Große Bär.
Am Himmel meine Sterne rauschten sanft wie Seide,
Und ich belauschte sie, am Wegesrande hockend
In den Septembernächten, wo der Tau verlockend
Auf meine Stirn fiel wie ein Wein von seltner Kraft;
Wo ich inmitten Schattenspiel und Reimgeplänkel,
Wie Saiten schwang die widerspenst'gen Senkel
Der wunden Schuh', den Fuß ans Herz gerafft!
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Wunderbar, Aes gibt es noch!
Witzig - ich hab Dirks Rezension noch gar nicht gelesen gehabt, da hab ich schon
mit der rechten Maustaste kopiert gehabt, um den Zeilen hier zitierenderweise als ausgesprochen genial zu huldigen.
Ich würde auch die Strophe 5 verteidigen, einfach wegen des letzen Wortes. Diese ganze Winterbauernhoffahrendersängergeschichte mit einer einzigen Silbe gebrochen und gerechtfertigt. Finde ich ausgesprochen großartig.
Bei der Strophe 3 geb ich Dirk allerdings recht, die hat mich auch unschön rausgehaut. Ich könnts nicht mal so genau bezeichnen wie er, warum. Gegen gedichtliches Selbstmitleid hab ich gar nichts, nur das mit vom Hunger und von Durst gequält und so, das wirkt irgendwie... unelegant.
@Dirk: Rimbaud schön. Wie denn auch sonst. Weißt du zufällig, von wem die Übersetzung ist?
Lieber Gruß in die Runde,
Silly
Witzig - ich hab Dirks Rezension noch gar nicht gelesen gehabt, da hab ich schon
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf
mit der rechten Maustaste kopiert gehabt, um den Zeilen hier zitierenderweise als ausgesprochen genial zu huldigen.
Ich würde auch die Strophe 5 verteidigen, einfach wegen des letzen Wortes. Diese ganze Winterbauernhoffahrendersängergeschichte mit einer einzigen Silbe gebrochen und gerechtfertigt. Finde ich ausgesprochen großartig.
Bei der Strophe 3 geb ich Dirk allerdings recht, die hat mich auch unschön rausgehaut. Ich könnts nicht mal so genau bezeichnen wie er, warum. Gegen gedichtliches Selbstmitleid hab ich gar nichts, nur das mit vom Hunger und von Durst gequält und so, das wirkt irgendwie... unelegant.
@Dirk: Rimbaud schön. Wie denn auch sonst. Weißt du zufällig, von wem die Übersetzung ist?
Lieber Gruß in die Runde,
Silly
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
@Dirk: Rimbaud schön. Wie denn auch sonst. Weißt du zufällig, von wem die Übersetzung ist?
Vom Eichhörnchen.
Thomas Eichhorn, bei DTV erschienen. Eigentlich meine Lieblingsausgabe/Übersetzung von Rimbaud. Jedenfalls größtenteils.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Die is nämlich wirklich gut.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
-
Auf Eulen Schwingen
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- Wohnort: Bayrisch-Schwaben
Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Serenissima Silentina, dear dirk,
Saftig-sinnlicher, skandierter
Schmonz, souverän schmelzender Schnickschnack - solche Sachen
sollen sein.
Winterlied
von
stud.rer.nat Berthold Bräsig
(Songwriter)
Im Felde, schau nur, friert die Hammelherde.
Und ringsum siehst Du nichts als weißes Winternegligee.
Nur dort und da stehn braune Zottelpferde,
sie sind vereist und starren in den Schnee.
Vereist sind auch die Buchen, Tannen, Fichten.
Und auch in meinem Schädel spannt sich kreuz und quer
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf. Wo bring ich neue Lieder her?
Student bin ich und Sänger ohne Freude.
Die Gegend ätzt! Das klamme Kleingetier!
Du kriegst bei Nichterfolg die schiere Räude,
vom Publikum kein Geld, nicht mal ein lackes Bier.
So lange schon bin ich ohn´ Geistesblitze!
In Düsternis versank die Kreatie.
Wie? Tät ich besser diese Skizze,
dies Bild ins Lied? Die Winterszenerie?
Hoiho! Was seh ich dort am Berges-Rande?
Ein Gasthof: Bauern, Ziegen - Schafe satt.
Klar, Winterlieder hört man gerne auf dem Lande,
Genug also des Trübsalblasens: Cut!
Amen. Greets.
aes
Saftig-sinnlicher, skandierter
Schmonz, souverän schmelzender Schnickschnack - solche Sachen
sollen sein.
Winterlied
von
stud.rer.nat Berthold Bräsig
(Songwriter)
Im Felde, schau nur, friert die Hammelherde.
Und ringsum siehst Du nichts als weißes Winternegligee.
Nur dort und da stehn braune Zottelpferde,
sie sind vereist und starren in den Schnee.
Vereist sind auch die Buchen, Tannen, Fichten.
Und auch in meinem Schädel spannt sich kreuz und quer
ein Spinnwebnetz vereister Zeilen aus Gedichten,
die ich einst schuf. Wo bring ich neue Lieder her?
Student bin ich und Sänger ohne Freude.
Die Gegend ätzt! Das klamme Kleingetier!
Du kriegst bei Nichterfolg die schiere Räude,
vom Publikum kein Geld, nicht mal ein lackes Bier.
So lange schon bin ich ohn´ Geistesblitze!
In Düsternis versank die Kreatie.
Wie? Tät ich besser diese Skizze,
dies Bild ins Lied? Die Winterszenerie?
Hoiho! Was seh ich dort am Berges-Rande?
Ein Gasthof: Bauern, Ziegen - Schafe satt.
Klar, Winterlieder hört man gerne auf dem Lande,
Genug also des Trübsalblasens: Cut!
Amen. Greets.
aes
aes
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Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Das "äzt" funktioniert, find ich. Selber Brechungeffekt wie beim Cut, sehr schön.
Gefällt,
Silly
Gefällt,
Silly
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Lied von stud. hum. phil. Berthold Bräsig
Student bin ich und Sänger ohne Freude.
Die Gegend ätzt! Das klamme Kleingetier!
Du kriegst bei Nichterfolg die schiere Räude,
vom Publikum kein Geld, nicht mal ein lackes Bier.
Besser. Dafür kriegst du ein:
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Wer ist online?
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