lösung

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
rotfeder
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lösung

Beitragvon rotfeder » 09.11.2006, 19:06

lösung

mein Leben ist mir zu anstrengend
geworden

deshalb werde ich mich demnächst erhängen

das ist vergleichsweise einfach
ich kaufe einen strick, suche einen baum
fertige zwei knoten und springe
bin tot
tot sein ist einfacher als leben

ich sehe den menschen zu
wie sie meinen zu leben
und wie sie am nasenring
zappeln
und heilsverkündungen glauben
die keine sind

ich kann das nicht
ich bin unbegabt
für diese welt

ich habe den nasenring abgelegt

[) i r k
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Re: lösung

Beitragvon [) i r k » 09.11.2006, 20:28

Och, manche Nasenringe sind doch ganz hübsch. Man muss ja nicht immer gleich an Ochsen denken. :-D
tot sein ist einfacher als leben

Tja, wenn man das so genau wissen könnte ...

Und ich glaube nicht daran, dass es so einfach ist, sich selbst umzubringen. :-)

Bei solcher Gelegenheit fällt mir gern schon mal die schönste Rechtfertigung der Feigheit in der Literaturgeschichte ein:

Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
Durch Widerstand sie enden? Sterben - schlafen -
Nichts weiter! Und zu wissen, daß ein Schlaf
Das Herzweh und die tausend Stöße endet,
Die unsers Fleisches Erbteil, 's ist ein Ziel,
Aufs innigste zu wünschen. Sterben - schlafen -
Schlafen! Vielleicht auch träumen! Ja, da liegts:
Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,
Wenn wir die irdische Verstrickung lösten,
Das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht,
Die Elend läßt zu hohen Jahren kommen.
Denn wer ertrüg der Zeiten Spott und Geißel,
Des Mächtigen Druck, des Stolzen Mißhandlungen,
Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,
Den Übermut der Ämter und die Schmach,
Die Unwert schweigendem Verdienst erweist,
Wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte
Mit einer Nadel bloß? Wer trüge Lasten
Und stöhnt' und schwitzte unter Lebensmüh?
Nur daß die Furcht vor etwas nach dem Tod,
Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,
Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.
So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;
Der angebornen Farbe der Entschließung
Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;
Und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll,
Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
Verlieren so der Handlung Namen.

(aus dem Dänenprinzen "Hamlet", aber das wisst ihr eh.)

;-)
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

riemsche
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Re: lösung

Beitragvon riemsche » 09.11.2006, 21:41

hey, lass die negative mal ausarbeiten. du wirst sehen, dann sieht´s gleich ein bisserl nach positiver aus.
"tot sein ist einfacher als leben" ??? warst du schon mal so einfach tot, um das lauthals zu promoten ? irgendwie scheint mir der galgenvogel in deinem werk zwar den nasenring abgelegt, aber dafür scheuklappen aufgesetzt zu haben.
sollte das gedicht jedoch deinen jetztzustand definieren, dann wird es zeit dass sich jemand um den häuptling kümmert. stehen bleiben, mann - statt hängen lassen!
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee

rotfeder
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Re: lösung

Beitragvon rotfeder » 10.11.2006, 16:44

ja, ja dirk, und hier noch das sonett nr. 66, auch von unserem freund:

All dessen müde, such im Tod ich Ruh.
Man sieht Verdienst zum Bettler nur geboren,
die Freude fällt dem Nichts des Lumpen zu,
der Redlichkeit wird boshaft abgeschworen.

Die güldne Würde: würdelos verbogen,
Jungfräulichkeit: zur Hurerei bestellt,
Vollkommenheit: zur Schande umgelogen,
und Kraft: vom Hinkefuß der Macht gefällt.

Die Kunst im Maulkorb der Gewalt verstummt,
gelehrte Torheit kontrolliert die Echten,
die Wahrheit scheint zur Einfalt umgedummt,
der Gute, eingekerkert, dient dem Schlechten.

All dessen müde, wär ich längst gegangen –
Allein die Liebe hält mich hier gefangen.

natürlich, alles schon dagewesen und viel besser - hm.
suizid ist ein thema, mit dem ich mich aus unterschiedlichen gründen auseinandersetze, nur nicht aus dem, kasparov, weil ich selber abdanken will, im gegenteil!
gruß von der rotfeder

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Re: lösung

Beitragvon [) i r k » 10.11.2006, 20:11

Hallo rotfeder.
ja, ja dirk

Ja-ja heißt "Leck mich am A." ...

Kann es sein, dass du meine Kritik nicht ernst nimmst? Ich meine, ich kann's auch sein lassen. Aber ich habe das, was ich gesagt habe ...
Tja, wenn man das so genau wissen könnte ...

Und ich glaube nicht daran, dass es so einfach ist, sich selbst umzubringen.

... ziemlich ernst gemeint.
natürlich, alles schon dagewesen und viel besser - hm.

Und da hast du mich offensichtlich missverstanden. Denn mir ging es keineswegs um einen Vergleich deines Gedichtes mit Shakespeare (so hoch lege ich dann doch nicht die Messlatte ;-) ), sondern um ein Argument dagegen, dass der Freitod "vergleichsweise einfach" sei. Denn die Frage ist auch, vergleichsweise wozu? Ich weiß, dass es Menschen gibt, die so etwas Schreckliches in Ihrem Leben erlebt haben oder erdulden müssen, dass sie ihr Leben lieber aufgeben. Aber von dieser Härte des Schicksals, wie ich es mal nennen will und wie es in Shakespeares Zeilen ausgemalt wird, finde ich in deinem Gedicht nichts. Da geht's nur um das tägliche Joch, dem wir wahrscheinlich alle ...
ich sehe den menschen zu
wie sie meinen zu leben

... mehr oder weniger unterliegen. Und, bei allem Respekt, das erscheint mir einfach zu wenig, um deswegen den Wert dieses Lebens zu negieren. Da fänd ich selbst den kitschigsten Herzschmerz plausibler.

Das ist meine Meinung.

Flocke hatte mal eine schöne Signatur, die ich hier gern noch zitieren würde:

"Life is what happens to you while you are busy making other plans."
(John Lennon)

Ich denke, du hast Recht, wir zappeln alle mehr oder weniger an irgendeinem Nasenring ... aber niemand bringt sich deswegen um. Selbst die Menschen, die in Neu Delhi, St. Paulo oder in Kairo in Slums oder slumähnlichen Vororten Leben unter Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können, also die das Schicksal ihrer Geburt wesentlich härter getroffen hat, bringen sich nicht einfach um. Vielleicht solltest du mal ein bisschen recherchieren, was die eigentlichen Ursachen für Selbstmord sind. Es gibt psychologische und sozialpsychologische Studien, die sich diesem Thema widmen - ich denke, das könnte deinem Gedicht u.U. mehr "Realitätsnähe" verleihen und ihm den Zahn der Pauschalität ziehen, an dem es für mich augenblicklich vor allem kränkelt, obwohl es sprachlich eigentlich nix zu Bekriteln gibt.

Beste Grüße,
[) i r k
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Re: lösung

Beitragvon riemsche » 10.11.2006, 21:07

ich bin mir nicht sicher, ob es von vorteil ist, bei bewertungen immer von zitaten bis zu ganzen werkauszügen etablierter wortakrobaten auf den tisch zu knallen. die eigene meinung zu etwas mit literaturbibelsprüchen zu untermauern, ist in fiftyfifty-joker. schon deshalb, weil diese zeilen auch bei genauestem studium und massen von abhandlungen darüber immer noch völlig anders gemeint sein könnten, als man selber wahrhaben will. immer dann, wenn einer provokation ~in diesem fall die simplifizierung suizider anwandlungen~ eine ~mit vonwemanders gesagtem gespickte~ argumentation entgegenschlägt, scheint bedarf zu bestehen, noch eine schippe drauf zu legen.
ich glaube, dass gegenwartsliteratur gerade danach schreit,zumindest im sinne der sache autobiographisch zu sein. ich gehe da sehr gerne bewusst blauäugig von mir selbst aus - habe daher auch die "lösung" zu dicht an mich heran gelassen und mir etwas -aber doch- sorgen gemacht. diese wurden in der antwort von rotfeder als nebensatzinfo lapidar, aber dafür endgültig zerstreut.
der ichfühlemichmächtigaufdiefüssegetreten -motzer von dirk ist, wie ich finde, schon mal ein guter einstieg, dass ihr euch beide auf die kreativ persönliche sinnvoller in die schillerlocken kriegt.
kasparov
;-)
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Re: lösung

Beitragvon rotfeder » 14.11.2006, 15:58

dirk, hallo,
heißt es nicht unbedingt, in diesem falle klang es ( wenn wir im gespräch gewesen wären ) eher resignativ im angesicht des verehrten meisters. du hast es anders verstanden und dir ist ziemlich der kamm geschwollen, ja?
ca 12.0000 suizide im jahr hier bei uns, trotz gefüllter kühlschränke etc, damit habe ich mich auseinander gesetzt.

kasparov, fange an, deinen humor zu mögen, schillerlocken waren in meiner kindheit meine absolute leibspeise.

gruß von der rotfeder

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Re: lösung

Beitragvon [) i r k » 14.11.2006, 20:42

du hast es anders verstanden und dir ist ziemlich der kamm geschwollen, ja?

Hmm, wie darf ich das jetzt wieder verstehen? Mir ist der Kamm geschwollen?

Ich denke, ich lass es wirklich lieber sein.

Resignative Grüße,
[) i r k
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Re: lösung

Beitragvon [) i r k » 14.11.2006, 20:45

ca 12.0000 suizide im jahr

Und das ist wahrscheinlich eine 0 zu viel.
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Re: lösung

Beitragvon riemsche » 14.11.2006, 22:25

oh jaaaaah - schillerlocken, brombeer brocken, salzburger nocken, kokosflocken, cookies blocken, indie rocken, baumwollsocken ..... bei mir im bad schwellen auch die kämme, habe eine 2 mm frisur - :-p
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Re: lösung

Beitragvon Silentium » 20.11.2006, 22:50

Wenn man da schon grad beim zitieren ist, der link scheint mir irgendwie passend und recht interessant.

http://www.corsinet.com/braincandy/dying3.html


Gruß,
Silly
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

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Re: lösung

Beitragvon riemsche » 20.11.2006, 23:17

hallo silly -
bin in dem fall (habe den link gecheckt) eher einer von der schlichten ecke. unter berücksichtigung der paar minuten mensch seit der weltidee eines wie auch immer gerne genannten masterspirits halte ich zB. auch ein: "bis gleich" ohne weiteres für angemessen.
;-) riemsche
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