Märchenhaftes

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Flocke
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Märchenhaftes

Beitragvon Flocke » 11.02.2007, 23:08

Dies hier ist die zweite Version eines Textes, dessen erste im Ordner "Pamuk" zu finden ist. Ich stelle es jetzt mal hier rein, da diskutiert es sich leichter, glaube ich...


Das Märchen vom Dagegen


Es war einmal…
ein Wort

erdacht
ausgesprochen
abgelauscht
aufgesogen

geschliffen
weiter getragen
gefürchtet
geächtet

unerhört
und doch in aller Munde

Und wenn es nicht
verstummen soll,
dann sprich es aus –
noch heute
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

riemsche
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Re: Märchenhaftes

Beitragvon riemsche » 11.02.2007, 23:22

servus flocke :-)

durch die gerinfügige reduzierung um einige verbindungsworte haben sich abschweifende andersgedanken meinerseits verflüchtigt. das hast du super hingekriegt. mit dem "verstummen" bin ich dennoch noch nicht im reinen. kann das wort an sich verstummen? muß es nicht jemand zum verstummen bringen. damit bringst du nach der raffung des vortextes die person an sich zu früh in die nun passende schlußsequenz. eva konnte mir fast das gegenteil beweisen ;-) mich würde nicht wundern, wenn du es schaffst :-D
ich mag dein revoluzzermärchen, erinnert mich an die 60ies :-))
kasparov

korrrrrrrrektur: vom titel her ist ja nunmehr klar, dass es sich bei dem wort um das "Dagegen" handelt. dann bin ich (FÜR!) schon am verstummen :-D ignoriere bei gedichten fast gewohnheitsmässig titel, weil sie entweder zu viel verraten oder in der einen oder anderen art einfluss darauf haben, wie ich das gedicht lese.
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon Flocke » 12.02.2007, 11:21

Hallo nochmal.

Ich persönlich finde den Titel eines Gedichts sehr wichtig, er muß jedoch nicht zwangsläufig die Richtung des Textes vorgeben. Am schönsten sind die, die mich beim Lesen erstmal auf die falsche Fährte locken, einfach doppeldeutig sind.
Versuche selbst gerne, solche zu finden, wo es halt paßt.

Ansonsten :thanx: und schön, wenn du dich an alte Zeiten erinnert fühlst. In den 68ern war ich zwar noch Quark im Schaufenster, aber wenn es eine solche Stimmung transportiert, ist es ja gut.

Ich denke noch mal drüber nach, ob es verstummen kann...abgemacht.

Lieber Gruß
Flocke
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Re: Märchenhaftes

Beitragvon Silentium » 14.02.2007, 14:19

Melde höflichst - ich glaub schon, dass ein Wort verstummen kann. Weil, man kann ja auch sagen "Der Lärm verstummte", d.h. ein Geräusch kann verstummen, sprich, absterben. Und ein Wort, das immer wieder gesagt wird, definiert sich physikalisch eigentlich als Lärm, find ich. Außerdem wärs sonst ein klaffendes schwarzes Loch im Ende, wenn das verstummen weg wär, quasi verstummt.

Mag das Gedicht im übrigen. Sehr. :-)
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon riemsche » 14.02.2007, 19:12

liebe flocke + silentium!

ok - überzeugt :-))

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon gelbsucht » 16.02.2007, 22:27

Igendjemand hat in diesem Forum mal gesagt, die Worte wären unschuldig. ;-)

Text erinnert mich (fern, sehr fern) an ein Gedicht, das ich vor Ewigkeiten mal geschrieben habe, "Das Wortes Wort" hieß und heute nicht mehr zitierbar ist.

Ich überlege die ganze Zeit, ob es tatsächlich ein Wort gibt, dass ich beispielsweise in "Das Märchen vom Dagegen" (übrigens: toller Titel!) einsetzen könnte. Mir fällt aber nix ein, weil ich nie auf Worte, sondern auf Ideen, Ideologien, Dogmen komme. Vielleicht funktioniert deshalb die Dramaturgie des Gedichtes für mich nicht so richtig, weil ich das "Wort" zu wörtlich nehme. :-D

Das wirklich Interessante an diesem Gedicht ist (für mich), dass es nicht nur zu dem Aufruf von Herrn H. und Herrn W. passt, sondern auch auf ganz andere Zusammenhänge. Das ist ein Vorteil der märchenhaften Allgemeingültigkeit, die mich sonst an einem Gedicht tendenziell eher stören würde. Aber dies will ja Märchen sein und von daher ist das vollkommen okay.
mit dem "verstummen" bin ich dennoch noch nicht im reinen. kann das wort an sich verstummen?

Im historisch-übertragenen Sinne betrachtet: Auf jeden Fall! Es gab z.B. im deutschen Sprachraum mehrmals Unternehmungen und zwar nicht nur von Seiten der Nationalsozialisten die deutsche Sprache von äußeren Einflüssen (z.B. französischen oder englischen Vokabular) zu befreien. Was natürlich albern ist, weil Sprache wächst. Andersherum gehört zur ständig wachsenden und sich verändernden Sprache natürlich auch, dass Worte neue Bedeutungen bekommen, ihre Klang ändern, anders geschrieben werden oder ganz aus dem Sprachschatz der Menschen verschwinden.

Eine Zeile über die ich im Gedicht gestolpert bin: "erdacht". Werden Worte erdacht - wahrscheinlich schon, oder? Sonst würden wir ja heute nicht Ausdrücke wie "googeln" verwenden.

Kurz und gut: Gedicht passt!

;-) gelb :-)
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon Flocke » 17.02.2007, 19:42

@gelbling

Danke auch dir für deinen Kommentar, hat mich sehr gefreut.

Ich überlege die ganze Zeit, ob es tatsächlich ein Wort gibt, dass ich beispielsweise in "Das Märchen vom Dagegen" (übrigens: toller Titel!) einsetzen könnte. Mir fällt aber nix ein, weil ich nie auf Worte, sondern auf Ideen, Ideologien, Dogmen komme.


Hm, das weiß ich auch nicht, habe das "Wort" ja eigentlich auch nur sinnbildlich für Rede, Sprache, Gedankengut usw. gesetzt. Man sagt ja auch "das Wort ergreifen / übergeben" und meint damit nicht ein einzelnes, spezielles... Aber ich denke, jemand wie du weiß das und kann es rauslesen.

Das gleiche Problem hast du ja bei dem "erdacht". Wenn du das Wort als Wort siehst, wäre es zu überlegen, ob es wirklich erdacht werden kann. Wahrscheinlich ja. Aber in übertragener Bedeutung auf jeden Fall.

Das wirklich Interessante an diesem Gedicht ist (für mich), dass es nicht nur zu dem Aufruf von Herrn H. und Herrn W. passt, sondern auch auf ganz andere Zusammenhänge. Das ist ein Vorteil der märchenhaften Allgemeingültigkeit, die mich sonst an einem Gedicht tendenziell eher stören würde.


Na ja, vielleicht war euer Aufruf einfach ein guter Auslöser, ich schreibe normalerweise nur ungern solche "Auftragstexte", weil da meistens nur Murks rauskommt. Hier hatte ich schon länger eine Idee, die vielleicht nur noch den passenden Rahmen gesucht hat.

Wäre es noch ein Text für Hilbis Blog? Oder sind die so schnell wieder out, wie sie geschrieben werden? Habe keine Erfahrung damit bisher.

:thanx:

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon [) i r k » 17.02.2007, 21:43

Wäre es noch ein Text für Hilbis Blog?

Aber sicher - der Aufruf hat noch immer Gültigkeit. Fitnat und ich haben unseren Text dort auch gepostet.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon Flocke » 19.02.2007, 21:37

@DerPeter

Habe mich gerade bei sturznest registriert, wie gehts dann da weiter?

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon Hilbi » 19.02.2007, 22:28

ich füg dich dazu.....(ich mag den Name Peter)
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?

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Re: Märchenhaftes

Beitragvon Hilbi » 19.02.2007, 22:30

welchen namen hast du denn? es gibt da eine Flocke, bist Du das?
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?


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