Der dritte Aufguss Tee

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Silentium
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Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Silentium » 21.04.2007, 22:45

Die sanfte Apokalypse

Zwei Bewegungen, die gemeinsam Stillstand ergeben: die Donau, die sich vorwärts wälzt, wird durch den quellenden Nebel über ihr zu einem Schatten reduziert, ist mehr Abgrund denn Fluss. Ganz so, als wäre unsere Dimension eingerissen und man könne durch den Riss in eine lichtlose Un-Realität blicken, in die auch der Nebel nicht vordringen will. Nach oben hin, wo der Himmel in lethargischer Schwebe zwischen Nachtschwarz und Dämmerungskobalt hängt, verrinnt der Dunst, zerfließt wie Zigarettenrauch an der Zimmerdecke, gibt für einen Augenblick verlorenen Seelen Gestalt und verweht dann im Nichts. Ein Bibliothekar sitzt frühmorgens an der Bushaltestelle.

Meine Frau Laura rief mich einmal in der Arbeit an, um mir zu sagen, dass sie sich nicht wohl fühle. Sie bat mich, unsere Tochter Angelika von der Schule abzuholen und auf dem Heimweg noch ein paar Fallen zu besorgen. Sie habe den Verdacht, bei uns im Keller gäbe es Ratten. Als Angelika und ich heimkamen, sie fröhlich von der Grippewelle im Kindergarten plappernd, das Paket mit den Rattenfallen im Arm, ich ihr mit der einen Hirnhälfte zuhörend und mit der anderen die Steuererklärung noch einmal auf Fehler abklopfend, fanden wir Laura bewusstlos am Boden.
Angelika quietschte entsetzt auf, ich versicherte ihr, ihre Mama wäre wohl am Vorabend so spät zu Bett gegangen, dass sie nun völlig übermüdet mitten im Wohnzimmer eingeschlafen wäre. Ob es ihr gut gehe, fragte Angelika, was ich bejahte, noch während ich nach einem Puls suchte. Am Beispiel ihrer Mutter sei nun eben gut zu ermessen, warum es vernünftig wäre, abends früh zu Bett zu gehen, vorzugsweise dann, wenn die Eltern es empfählen, dozierte ich weiter.
Wohl auch, um mich selbst davon abzulenken, wie klamm sich Lauras Haut anfühlte. Ich schickte meine Tochter auf ihr Zimmer, sie protestierte, wollte bei ihrer Mutter bleiben, ich sah mich gezwungen, sehr streng dreinzublicken und ihr erneut zu versichern, es gäbe nicht den geringsten Grund zur Besorgnis. In dem Moment, in dem ich ihre Zimmertür zuschlagen hörte, rief ich die Rettung.
Es dauerte mehrere Stunden, bis jemand kam. Bis dahin hatte ich Laura zur Couch getragen, ihr einen kalten Lappen auf die Stirn gelegt, ihre Füße hoch gelagert, sie abwechselnd in stabile Seiten- und bequeme Rückenlage gebracht, Angelika dreimal zurück in ihr Zimmer geschickt, siebenmal die Rettung, zweimal die Feuerwehr und einmal, mehr aus Ratlosigkeit denn aus echter Hoffnung, die Polizei angerufen. Schließlich saß ich nur noch da, hielt ihre Hand und redete mir ein, ich könne zusehen, wie sie zusehends an Farbe verlor. Einmal flatterten ihre Augenlieder kurz und ich hielt den Atem an, doch sie seufzte nur leise und glitt zurück in die Bewusstlosigkeit – wenn sie denn überhaupt von dort aufgetaucht war.
Der Sanitäter, der schließlich kam, war selbst bleich und verdiente es wohl nicht, dass ich ihn geschlagene fünf Minuten lang anbrüllte, wo er denn gewesen sei und warum, zum Teufel, er alleine komme.
Es ginge nicht nur uns so, sagte er, alle fielen sie um wie die Fliegen.
Was denn alle hieße, verlangte ich zu wissen.
Alle eben, meinte er, und zuckte müde die Schultern. Er könne nichts tun. Vier seiner Kollegen sei dasselbe passiert, ein Chefarzt im Krankenhaus sei kollabiert, während er eine Bandscheibenoperation durchführte, was jedoch die Patientin nicht weiter gestört hätte, denn sie sei mysteriöserweise nicht aus der Narkose aufgetaucht. Man hätte sich, im Nachhinein betrachtet, sogar die Narkose sparen können.
Eine Seuche, sagte ich.
Eine Seuche, bestätigte er.
Ob es, sagte ich, und leckte mir dabei über die Lippen, die mir plötzlich unangemessen trocken erschienen, schon Tote gegeben hätte?
Er sah mich mit großen Augen an und fragte schließlich, ob er eine Tasse Kaffee bekommen könne.

Ein Bibliothekar sitzt frühmorgens an der Bushaltestelle. Einige Meter entfernt steht der Bus, zwei Scheiben fehlen, der Rest ist trüb. Die Reifen gibt es schon länger nicht mehr und auf den Sitzen wächst Moos. Im Rost unterm Lenkrad säugt eine Rättin ihre Jungen.

Laura Schlaf wurde einfach tiefer und tiefer, bis sie wohl einen Traum fand, der zu wundersam war, als dass es sich gelohnt hätte, ihn je wieder zu verlassen. Ich machte mir nicht die Mühe, wieder irgendwo anzurufen - als Laura um sechs Uhr abends aufhörte, zu atmen, da lagen die Toten schon auf den Straßen und die, die sie fortbringen wollten, legten sich gleich dazu. Ich hätte nicht gewusst, was tun, hätte mir Angelika die Entscheidung nicht abgenommen. Wäre sie am Leben geblieben, ich hätte dafür Sorge getragen, dass sich an diesem Zustand nichts änderte. Als ich aber in ihr Zimmer kam, um sie ein letztes Mal zu ihrer Mutter zu holen, schlief sie schon.
Ich begrub sie beide im Garten, denn mir schien dieser Platz so gut wie jeder andere. Unter dem Kastanienbaum, bei den Türkenbundlilien. Natürlich war es seltsam, dass ich mir überhaupt die Mühe machte. Den Verfall würde es ja nicht verhindern, nur verbergen, und es war ja keiner mehr da, der sie sehen konnte. Denn als ich schließlich ein paar Tulpenzwiebeln in die Erde über ihren Köpfen legte, war ich schon der letzte Mensch. Ich sprach danach nie wieder. Vielleicht sollte ich behaupten: Die Stille lastete schwer auf mir. Aber ich bekam Gelegenheit, einen uralten Irrtum zu erkennen. Der Mensch meinte, ohne ihn herrsche Stille. Er folgerte, dass menschenleer dasselbe sei wie stumm. Er war schon beeindruckt, wenn er nur lange genug dem Mund hielt, um etwas anderes als Mensch zu hören. Einer macht einen Morgenspaziergang durch eine Birkenallee und es herrscht angeblich vollkommene Stille. Aber über seinem Kopf zaust der Wind die Bäume. Ein Blatt raschelt gegen ein anderes, und dieses winzige Schallwelle hallt wieder im Gemurmel von abertausenden anderen windbewegten Blättern. Ein kaleidoskopisches Geräusch, ein labyrinthisches Geräusch, aber der Narr von Spaziergänger nennt es „Stille“. In den zerbrochenen Straßenlaternen nisteten Vögel, die hörte ich. In den verlassenen Häusern huschten Mäuse und hinterließen winzige Fußspuren im Staub, die hörte ich. Ich entdeckte die wundervolle Komplexität, die dem Regenrauschen innewohnt. Ich lauschte meinen eigenen Schritten. Eines Nachmittags entdeckte ich in einem Zeitgeschichtemuseum ein Grammophon und einige Schallplatten. Ich brachte es tatsächlich in Gang und durch den grauen Nachmittag tröpfelte dunkelvioletter Walzer. Da stellte ich fest, dass er mir lästig war. Plötzlich schien mir alle Musik wie ein trauriges Werkzeug, um eine Stille zu übertönen, die gar keine war. Es war nicht die Stille, die auf mir lastete, sondern das Schweigen und erst jetzt lernte ich Letzteres von Ersterem zu unterscheiden. Ich vermisste nicht die Stimmen, sondern die Worte. Ich vermutete zwar, dass das Gekeif der Rotkehlchen und das Jaulen der Katzen durchaus Sprachen in der menschlichen Auffassung waren – Information, Tratsch, Liebesschwur und Beleidigung – aber ich verstand sie nicht. Was mir fehlte, das waren das Muster menschlicher Sprache, mit Sinn aufgeladene Silben. Kommunikation, sozusagen. Ich sprach zwar mit meinen Katzen, aber sie neigten nicht gerade zu elaborierten Antworten. Mir wurde erst bewusst, was mir fehlte, als ich eines Tages das Zimmer meiner Tochter aufräumte und gedankenverloren fünfmal hintereinander ihr Lieblingsbilderbuch durchblätterte und eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf maulte: „Da fehlt was.“
Vor dem großen Schlafen war es schon etwas Besonderes, wenn ich einmal mehr als drei Artikel in der Tageszeitung gelesen hatte, Bücher habe ich so gut wie nie angerührt. Nicht, dass ich ungebildet gewesen wäre, nur eben nicht belesen.

Ein Bibliothekar sitzt frühmorgens an der Bushaltestelle. Den Bus gibt es nicht mehr und die Nachkommen der jungen Ratten in dreiundfünfzigster Generation werden in einigen Tagen das Feuer erfinden. Wenn man es genau nimmt, gibt es auch die Bushaltestelle nicht mehr. Nun steht dort eine Linde, knorrig und sich selbst umschlingend, als habe sie einen geheimen Kern, den sie vor der Welt verbergen wolle, in dem sie ihn nur fest genug umarme.

Schließlich ging ich in die Stadtbibliothek und blieb dort. Ich besserte die Mauern aus, als sie im Laufe der Jahre zu vermodern begannen, ich putzte einmal in der Woche die Fenster und staubte die Bücher ab, hielt Feuchtigkeit und Schimmel von ihnen fern, sodass sie die Zeit überstanden. Hin und wieder streifte ich durch die Stadt, um noch mehr Bücher zu bergen, bis es eines Tages keine Stadt mehr gab. Jeden Morgen ging ich zum Ufer der Donau, wo ich in damals, in einer anderen Welt, jeden Morgen auf den Bus gewartet hatte, und sah zu, wie die Sonne aufging, Ich stieg täglich auf das Dach der Bibliothek und sah zu, wie der Wald kam, wie sich der wilde Wein wie Brokat über die Ruinen legte und die Birken die weißen Säulen neuer Paläste wurden. Irgendwann vermeinte ich, andere, schönere Wesen in diesen Hallen zu sehen, doch ich schob es auf meine Phantasie, auf die Evolution oder meine kürzliche Shakespeare-Lektüre. Ob bunte Tücher oder Herbstlaub, ob staubiger Samt oder der Flügel eines Nachtfalters, die Dinge sind schön auch ohne Grund.

Ein Bibliothekar bleibt eines Tages länger dort am Ufer sitzen und die Sonne geht auf. Sie tränkt das Wasser mit Licht. Im Hintergrund hört der Bibliothekar das Gelächter der Rattenkinder, die von der Schule heimkommen und Fangen spielen. Er weiß natürlich längst, was es ist, das die Linde umarmt.
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Patina » 21.04.2007, 23:18

schön, der text silentium. in einem schwung gelesen. zuerst dachte ich, mich holt so fantasy-mysterium ein (gucke gerade so einen katastrophenfilm, in dem eine seltsame krankheit die menschen hinrafft) aber dem war nicht so. ein letzter mensch, der noch die bücher pflegt. wenn er videos pflegen würde wäre es nicht so schön. zuersteinmal ein paar gedanken.
lg patina
(jetzt wieder im katastrophenfilm)

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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Silentium » 22.04.2007, 00:20

Hmm... irgendwie gehts auch um diese seltsamen Katastrophenfilme, die so tun, als wäre das Ende der Menschheit gleich der Weltuntergang. Was ja doof ist, weil es den Rest der Welt nicht wirklich jucken würd. Aber um die Bücher wärs schad, wenn keiner mehr zum lesen da wär. Quasi Kompromisslösung.

Welcher Film isses denn?

Ganz lieber Gruß,
S.
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Patina » 22.04.2007, 00:30

keine ahnung, welcher film. ich schau, wenn ich dann mal schau ganz blöd ohne fernsehzeitung. eigentlich hasse ich das fernsehen. mußte mit meinem sohn in der letzten zeit immer so einen dreck wie deutschland sucht den superstar gucken. hast du kinder? dann holt dich das irgendwann auch noch ein.

aber wegen dem text: er hat eine schöne stimmung und am liebsten mag ich es, wenn der bibliothekar redet.
werde den text nochmal lesen, wenn ich morgen früh etwas fitter bin. also, so zwischen zwei actionthrillers kommt das nicht so gut. :-D

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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Silentium » 23.04.2007, 00:42

Ah, das wegen-anderen-fernschauen kenn ich. Welches Zeugs ich schon wegen meinen Brüdern gesehen hab...
Die halben Semesterferien hab ich damit verbracht, mir mit ihnen die gesamte Sherlock-Holmes-Serie mit den beiden Gfrastern anzuschauen. (Wohl auch deshalb, weil ein paar davon nicht auf Deutsch synchronisiert waren und Brüderlein Jo, des Untertitellesens nicht mächtig, einen Synchronuntertitelvorleser gebraucht hat.) Und von den Weihnachtsferien in begleitung von drei Staffeln Scrubs (die wirklich famos sind) gar nicht zu sprechen. Das wirklich teuflische ist einfach, dass Jo immer dann, wenn sie mich zum fernsehen verführen wollen, seine Muffins backt. Und es gibt nicht schrecklicheres als einen Bruder, der irre Muffins backen kann und ihren Verzehr strikt an einen gemeinsamen Fernsehabend knüpft.

Dafür hab ich in meiner Wohnung in Wien, wenn meine Brüder sicher in unserem Elternhaus in Oberösterreich verbleiben, demonstrativ keinen Fernseher angeschafft. Ich meine, ich studiere Film, da muss ich das Zeug nicht auch noch sehe. :-D
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon mög » 23.04.2007, 14:27

Mir gefällt die Stimmung auch sehr gut. Was mir aus irgendeinem Grund weniger gefällt, ist die Verklärung der Bücher. Ich glaube halt einfach nicht, dass Bücher noch Sinn haben ohne Menschen; ich glaube auch nicht, dass Mensch sein noch Sinn hat ohne Menschen. Einen Menschen überleben zu lassen scheint mir nicht ausreichend, um Bücher weiterhin zu rechtfertigen. Diese kleine Extra-Tour für die Bücher nimmt dem Ganzen an Konsequenz und es ist doch diese Konsequenz, dieser unaufhaltsame Lauf der Dinge, der den Text ansonsten sehr bezwingend macht.

Aber das ist sicherlich nichts als Geschmackssache, technisch lässt sich wohl kaum etwas einwenden.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Silentium » 23.04.2007, 20:30

Ausgesprochen berechtigter Einwand. Werde ihn gründlich überdenken.

Danke dir! :-)
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon [) i r k » 23.04.2007, 22:09

Ich möchte allein den ersten Absatz immer wieder lesen - ihn mir in Schönschrift über meinen (nicht vorhandenen) Kamin hängen. Es ist, als wärest du zwei Sprossen nach oben gefallen, in der Verbesserung dessen, was du sprachlich zu leisten imstande bist. Bin sehr beeindruckt von diesem Text.
Was mir aus irgendeinem Grund weniger gefällt, ist die Verklärung der Bücher. Ich glaube halt einfach nicht, dass Bücher noch Sinn haben ohne Menschen;

Das glaube ich auch nicht.
ich glaube auch nicht, dass Mensch sein noch Sinn hat ohne Menschen. Einen Menschen überleben zu lassen scheint mir nicht ausreichend, um Bücher weiterhin zu rechtfertigen.

Doch! Ich denke, ein Mensch, ein Überlebender reicht vollkommen. Siehe "Robinson Crusoe".

Und in Ermangelung menschlicher Gefährten, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ein Überlebender sich in fiktive Welten und erdachte Gesellschaft flüchtet, entweder in Form von Büchern (sofern vorhanden) oder in Form von Selbstgesprächen, Selbstabspaltung und Wahnsinn.

Außerdem wird das ja auch in der Geschichte selbst - wie ich finde - ganz gut antizipiert. Ich meine, nicht nur durch die Ratten, welche die evolutionäre Stelle des Menschen einnehmen, sondern auch durch die Vision des Bibliothekars:
Irgendwann vermeinte ich, andere, schönere Wesen in diesen Hallen zu sehen, doch ich schob es auf meine Phantasie,

Und davor einer meiner Lieblingssätze:
Ich stieg täglich auf das Dach der Bibliothek und sah zu, wie der Wald kam, wie sich der wilde Wein wie Brokat über die Ruinen legte und die Birken die weißen Säulen neuer Paläste wurden.

In dem Buch von Wolfgang Büscher "Berlin - Moskau" gibt es eine Schilderung der näheren Umgebung von Tschernobyl und wie sich die Natur dort in wenigen Jahren menschliches Territorium "zurückgeholt" hat. Sehr lesenswert. Ich glaube, wenn die Menschheit heute von der Erde getilgt würde, es würde sehr schnell gehen, bis die Natur die Städte und urbanen Zentren wieder verschlungen hätte.

Toller Text.

MfG,
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon mög » 23.04.2007, 22:32

Robinson Crusoe hatte doch Freitag. Und vor allem hatte er die Hoffnung auf ein Schiff, auf die Rückkehr zu den Menschen.
Ich glaube nicht, dass man das vergleichen kann.
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon riemsche » 23.04.2007, 22:50

so jetzt bin ich mal länger stille ;-)
im background der sven väth / richie hawtin sampler: the sound of the third season. minimalistik zum was dazudenken. muss deinen text erst in mir nen platz zum setzen räumen. bin selbst noch mit hey ich werd 50 aufräumarbeiten und jetzt mit einer schriftlich garantiert sehr netten bibliothekarin beschäftigt :-)
aber es kommt noch
ausführlicher
versprochen
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon [) i r k » 24.04.2007, 00:09

Hallo mög! :-)
Robinson Crusoe hatte doch Freitag. Und vor allem hatte er die Hoffnung auf ein Schiff, auf die Rückkehr zu den Menschen.
Ich glaube nicht, dass man das vergleichen kann.

Mag sein, dass man das nicht vergleichen kann, ich vergleiche es trotzdem! :-D

Also: Robinson hatte die Hoffnung, auf die Rückkehr zu den Menschen und der Bibliothekar hat die Vision von "anderen, schöneren Wesen". Das ist auch eine Hoffnung, auch wenn sie ohne den Menschen auskommt.

Mir fällt bestimmt noch ein besseres Beispiel ein ... Aber ich halte daran fest, solange es einen Überlebenden gibt, ist menschliche Schrift sinnvoll, sind Bücher "nützlich". Wenn die ganze Welt vor die Hunde geht, würde ich mich wahrscheinlich auch in einer Bibliothek verbarrikadieren. :-)

MfG,
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon mög » 24.04.2007, 13:03

Eine Hoffnung, die ohne Menschen auskommt, kommt auch ohne Bücher aus. Das ist es ja gerade: "Eine Hoffnung, die ohne Menschen auskommt" ist ja das Faznierende an dieser Geschichte, aber das wird durch die Bücher eben verwässert.
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Silentium » 27.04.2007, 00:29

Ich muss ehrlich sagen, dass ich tendenziell dazu neige, mög recht zu geben. Dass ich selbst nicht ohne Bücher ausgekommen wäre, und sie drum reingeschrieben habe, weil es mir so logisch erschien, dass einer, dessen Welt untergegangen ist, sich rein intellektuell an das klammert, was davon übrig ist. Gleichzeitig, wenn ich länger darüber nachdenke, ist das vielleicht auch feige, wenn ich solche Überbleibsel herumliegen lasse, quasi zum Trost. Es müsste eigentlich auch ohne Bücher gehen. Oder zumindest zwar mit Büchern, in der Bibliothek, weil ich irgendwie an dem Bild hänge, aber ohne die Bücher-aus-der-Stadt-Retterei. Hmhmhm.
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon riemsche » 30.04.2007, 23:51

servus stille :-)

habe probleme mit ein paar formulierten sätzen. nehme -ums nicht gleich zuu ausführlich anzugehen- einen absatz raus und versuch, dir meine grübler darüber zu posten.

zitat: //Angelika quietschte entsetzt auf, ich versicherte ihr, ihre Mama wäre wohl am Vorabend so spät zu Bett gegangen, dass sie nun völlig übermüdet mitten im Wohnzimmer eingeschlafen wäre.//
ist mir eine versicherung mit zuviel an möglichkeitsform, finde ich. wie wärs mit:
//Angelika quietschte entsetzt auf, ich versicherte ihr, ihre Mama sei am Vorabend so spät zu Bett gegangen. Kein Wunder also, dass sie nun völlig übermüdet mitten im Wohnzimmer eingeschlafen war.//

Zitat: //Am Beispiel ihrer Mutter sei nun eben gut zu ermessen, warum es vernünftig wäre, abends früh zu Bett zu gehen, vorzugsweise dann, wenn die Eltern es empfählen, dozierte ich weiter.//
ein kind wird "ermessen, vorzugsweise, empfählen (ich mag dieses wort nicht, sorry)" auch gut doziert nicht verstehen.
ein vorschlag:
//Ihrer Mutter sei jetzt ein sichtbares Beispiel dafür, warum es vernünftig ist, abends früh zu Bett zu gehen, am besten dann, wenn die Eltern es für höchste Zeit finden, dozierte ich weiter.//

irritatiert haben mich zB zuvor auch schon, dass das kind von der schule? abgeholt wird und dann über eine grippewelle im kindergarten? plappert - oder die hörende hirnhälfte, die mir mit "zugetan" mehr mit aufmerksamkeitwidmungsfunktion beschäftigt ist.

es gibt einiges, was meiner meinung nach diesem text vielleicht zu einem besseren verständnis in deinem sinn verhelfen könnte - wenn du das überhaupt willst? wenn ich dir mit sowas auf den keks gehe, sags ruhig. ich lese ihn dann einfach für mich anders :-D

lieben gruss vom
kasparov
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Re: Der dritte Aufguss Tee

Beitragvon Silentium » 01.05.2007, 01:38

Aaaargh! Also, das mit Schule und Kindergarten, das ist schon ein Nicht-Nachdenker erster Güte. 8-o das kommt davon, wenn man ein Kind so hoppladihopp ein paar Jahre älter macht und beim ältermachen nicht mal zwei zeilen weiterliest. *seufz*

Das 'ermessen' und 'empfehlen' is bewusst gespreizt, grad drum, weils so völlig unpassend für die Situation ist, in doppelter Hinsicht hat. Bin jetzt aber unsicher geworden, obs funktioniert und werde folglich ausführlich darüber medititieren. Dafür hast du mit der "wäre" Häufung wieder absolut Recht. Und Schule und Kindergarten... *michvorgramwind*

Wenn dir noch Dinge in diese Richtung aufgefallen sind - immer her damit! Bin höchst und überaus dankbar dafür!

Nächtlicher Gruß,
Silly
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