Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

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Poeta
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Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon Poeta » 13.05.2007, 19:04

Kraftlinien,
sich aus allen Urwinkeln Europas
hier treffend,
ein Kraftfeld bildend,
Zerstörung,
überleben lassend
in Spuren wenigstens,
ein Ganzes bildend,
ausschließend
und umfassend,
bergend
und störend,
am Strande sich verlaufend
in die Weite des Meeres,
der Welt.
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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon yume » 14.05.2007, 21:53

Hallo Poeta,

ich möchte kurz meinen ersten Eindruck schildern. Ich habe ein mal etwas Positives und einmal was mir aufgefallen ist.

In deinem Gedicht "Wiedergeburt" schreibst du:
Kraftlos im Zentrum
Des Kraftfelds.

Hier benutzt du wieder das "Kraftfeld" und "Kraft"linien.
Hat es eine Bewandnis, dass du das Kraftfeld in beiden Texten verwendest? Rein interesse halber.

Und was so meinen ersten Eindruck abrundet:
am Strande sich verlaufend
in die Weite des Meeres,
der Welt.
Es liest sich so wie es gemeint ist :-) Diese drei Zeilen wecken wirklich die Vorstellung des Standes, des Meeres.
Das flacht natürlich die Bedrohlichkeit des Bebens etwas ab. Aber das Gedicht wird ja ohne hin immer seichter mit der Zeit.

Ich meld mich vielleicht noch mal, wenn ich mehr weiß.. :-)
koto ri-ga

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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon Poeta » 14.05.2007, 23:15

Wirf doch zum Beispiel mal einen Stein in einen See. Was siehst Du dann?

Bin gespannt, was noch kommt, 'wenn Du mehr weißt'...
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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon riemsche » 14.05.2007, 23:19

servus poeta,
ich nehm das ganze mehr persönlich, obwohl auch ich vom titel im besonderen, im text dann nur mehr ansatzweise dazu verleitet wurde, einen landesspezifischen zusammenhang zu sehen. könntest du damit verschüttet geglaubte erblinien im allgemeinen meinen? noch älteres erbgut, als das an sich selbst schon alt gewachsene wahr haben will?

obwohl die kraftlinien durch die fast bildbeschreibende und dadurch sachlich werdende formulierung zeile für zeile an wirkung verlieren. zu viele "end"ungen.
das "weltmeer" zu umschiffen - kontextsuche auf mankind im allgemeinen und individualismus im speziellen? - ist dir meiner meinung nach in bestehender form noch nicht gut gelungen. dass du das erst im finale versuchst, macht die sache nicht einfacher. der wunsch nach einem gedankenverlauf lässt dich in dieser hinsicht bestimmt noch weniger sichtbare brücken bauen ;-)

ich denk mir noch meinen teil :-))
kasparov
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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon Poeta » 15.05.2007, 00:29

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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon riemsche » 15.05.2007, 11:39

ausser, dass ich mit meiner einschätzung des themas gar nicht so daneben liege, sagt mir deine guckmalda-linkantwort aber auch schon gar nichts. würde auch sonst an meinem kommentar zum werk nix ändern. das forum selbst kenne ich schon lange - danke.
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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon yume » 15.05.2007, 11:58

Hallo Poeta,

die Frage nach dem Kraftfeld war interesse halber und keine direkte Kritik. Es hat mich nur gewundert, dass in zwei nacheinander geposteten Gedichten, das Wort Kraftfeld auftaucht. Es hätte ja einen formalen Zusammenhang geben können, der sich mir noch nicht erschlossen hat.
Und ich weiß, was Passiert, wenn man Butterstullen schmeißt :-)

Ja, aber auch trotz "des Vernetzungswillens" weiß ich - wie Kasparov - nicht mehr.
Anscheinend habe ich wohl das Gedicht nicht verstanden. Ich möchte damit nicht andeuten, dass es eine und richtig Interpretation für ein Gedicht geben muss. Nur: Das was du in literature.de geschrieben hast, kommt für mich nicht rüber. Für mich ist es zu allererst ein Beben. Die Worte sprechen dafür: Sizilien als Erdbebenregion. Kreisförmige Kraftlinien. Zerstörung, störend, etc. bis das ganze sich im Meer verläuft.
Das ist es auf der ersten Ebene.
Aber es ist mir - im Moment - nicht möglich eine zweite zu entdecken. Weder den Zusammenhang zu Sprache noch Kultur.
Ich möchte das Gedicht auch ohne Hilfe verstehen können, wenn es irgendwo gedruckt ist: Ich bin - durch das Gedicht - einfach nicht überzeugt, dass dieses geschilderte Phänomen ein Erbe der ganzen Menschheit ist. Mich hier in Deutschland erreicht das Beben in Sizilien nicht..Für die Sizilianer ist es sicher ein schweres Erbe, mit den Beben umzugehen, aber dazu
überleben lassend
in Spuren wenigstens,
ein Ganzes bildend,
[...]
bergend
einfach zu "positiv".

Grammatisch schließe ich mich Kasparov an.

Grüße,
yume
koto ri-ga

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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon Poeta » 15.05.2007, 18:01

Hallo yume und hallo kasparov,

Lasst mich Euch gemeinsam antworten. Das soll nicht heißen, dass ich Euch über einen Kamm scheren will. Aber Ihr habt ja in Euren Ansichten über meinen Text einiges gemeinsam; schließlich habt Ihr es ja mit dem selben Sujet zu tun (und da muss ich mir natürlich auch selber ein paar Fragen stellen).

Die Präsenspartizipien halte ich nach wie vor für angebracht, da sie - meiner Meinung nach - den unabgeschlossenen Prozess der Auseinandersetzung mit dem Erbe der Geschichte (und um sie und um die Anregungen daraus für die Gegenwart auch für mich selber geht es mir im Text vor allem) am angemessensten ausdrücken. Dass es sich dabei nicht nur um das spezielle Beispiel Sizilien handeln kann, darüber sind wir uns offenbar gar nicht uneins.

Ein bestimmter Schnittpunkt für die Kraftlinien der Geschichte, die sich geographisch gesehen z.B. in Sizilien kreuzen oder bündeln, scheint mir als Anlass und/oder Anregung für die Auseinandersetzung mit dem Erbe der Geschichte für unsere heutige Zeit ebenfalls sehr angemessen, wobei Sizilien und seine Umgebung schon besonders viel hergeben. Das bezieht sich z.B. auf die Auseinandersetzung zwischen der Welt des christlichen und des islamischen Erbes: Die Normannen und Staufer haben sich mit den muslimischen Arabern respektive Sarazenen (welche die Geschichte Siziliens über Jahrhunderte bestimmten) in ganz widersprüchlicher, aber eben sehr bedenkenswerter Art und Weise auseinandergesetzt. Das hat sich, wie die beiden folgenden Links zeigen sollen, über fast ein Jahrtausend in der Geschichte bemerkbar gemacht und hat auf der anderen Seite eben ganz aktuelle Bezüge. Deswegen wollte ich sie Euch nicht vorenthalten, obwohl ich durchaus der Meinung bin, dass es möglich sein müsste, meinem Text auch ohne diese speziellen Kenntnisse zu folgen, nicht im Sinne einer Zustimmung unbedingt, aber doch als Anregung dafür, die eigenen Kenntnisse über Sizilien oder den Umgang mit Erbe überhaupt dem Text folgend anzuwenden, um zu einem eigenen Urteil zu kommen.

Hier nun die beiden Links:

http://www.d-a-g.de/Friedrich-II.htm

und

Krönungsmantel

Mit lieben Grüßen in der Hoffnung, Euch nicht zugeschüttet zu haben

Poeta
medusenkind

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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon Flocke » 16.05.2007, 16:22

Hallo, Poeta.

Möchte mich mal in eure eifrige Diskussion einmischen.

Unabhängig davon, was die anderen schon sagten, mein Eindruck ist ebenfalls der, dass du ganz stark anfängst mit den Ausdrücken „Kraftlinien“ und „Kraftfeld“, was ich ohnehin in solch geballter Form als problematisch empfinde, und dann ganz stark nachlässt... Wenn man einen Stein ins Wasser wirft, laufen die Wellen am Strand aus, das willst du von deinen Linien ja auch sagen, sie bündeln sich sozusagen in Sizilien und laufen dann aus ins Mittelmeer, rein bildlich gesprochen?
Was mich auch stört, sind die vielen Partizipien, ich persönlich würde sie zumindest teilweise durch Präsensverben ersetzen. Das nimmt dem Ganzen m. E. nach auch ein wenig die Passivität, denn das strahlt der Text auch auf mich aus, Passivität. Aber deine Linien sind ja nicht passiv, oder?

Denke, das Problem dieses Gedichtes ist, dass die erste und zweite Ebene nicht miteinander funktionieren. Die erste bezieht sich auf das natürliche Phänomen Erdbeben, die zweite auf multikulturelles Erbe. Letztere kann man m. E. nur mit entsprechender Kenntnis auf diesem Gebiet erkennen, dein Titel hilft da nicht wirklich weiter. Abgesehen davon finde ich persönlich „Oder-Titel“ immer etwas problematisch, als müssten sie zusätzlich etwas erklären, was der Text als solcher eigentlich hergeben sollte.

Was sind die „Urwinkel Europas“, aus denen deine Kraftlinien kommen? Für die Erdbebentheorie nicht schlüssig, da Erdbeben in Sizilien der Plattenbewegung geschuldet sind und die betroffenen verlaufen im Bereich Mittelmeer. Spricht also eher für die kulturelle Seite, da sind es aber nicht nur die Linien Europas, sondern lt. deiner Aussage sind ja auch Araber darin verstrickt, stimmt dann also auch nicht wirklich, du müsstest die Kreise dann viel weiter ziehen.

Kraftlinien bilden ein Kraftfeld, wenn sie sich treffen, ja klar, was denn sonst? Den Ausdruck würde ich streichen oder einen besseren finden.
Zerstörung und störend finde ich auch doppelt hier. Eines davon würde ich rausnehmen.

Wenn du erlaubst, ich habe mal mit dem Text, so wie ich ihn verstehe, gespielt, hier meine Variante:

Sizilien

Kraftlinien
aus allen Urwinkeln Europas
hier gebündelt
bilden ein Ganzes
ausschließlich
umfassend
bergen
zerstören
verlaufen am Strand
in die Weite des Meeres
der Welt
lassen überleben
nur Spuren


Vielleicht habe ich's ja auch einfach nicht verstanden, obwohl es doch interessant klingt.

In diesem Sinne lieber Gruß
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

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Re: Region Sizilien - oder: Mit dem Erbe leben

Beitragvon Poeta » 16.05.2007, 17:09

Hallo Flocke,

Vielen Dank für Deine ausführlichen Bemühungen. Deine Version meines Textes ist sehr interessant (nimmt also starken Anteil an meinem Text). Nur ist es ein Teil dessen, was ich sagen will, und nicht das Ganze.

Das Erdbeben-Thema mag ein Weg sein, sich der Metapher von den Kraftlinien und den aus ihnen entstehenden Kraftfeldern (immer wieder neuen!)zu nähern; letztere sind aber nicht 'wörtlich', sondern als Metaphern zu verstehen.

Mit dem oder-Titel will ich nicht erläutern, sondern den Beispielcharakter Siziliens verdeutlichen (was allerdings tatsächlich nur funktioniert, wenn man sich mit Sizilien auseinandergesetzt hat).

Mit den Urwinkeln Europas ist es ähnlich: Wenn man die semitischen Kulturen (also die phönizisische, arabische - aber 'erst recht' jüdische) als nicht-europäisch gelten lässt, springt man meiner Meinung nach zu kurz: Die Europa wurde von Zeus aus dem phönizischen Raum Arabiens entführt; die Phönizier sind die Vermittler der ägyptischen Hieroglyyphen hin zur griechischen und dann lateinischen Schrift; ohne die arabische 'Bewahrung' des antiken Erbes - so von Friedrich II. sehr geschätzt - hätte es schließlich keine Renaissance geben können; vom Christentum (ex oriente lux!) ganz zu schweigen.

Vielleicht kann mein Text tatsächlich nur anregen, sich mit der Geschichte Siziliens und Europas (im umfassendsten Sinn) auseinanderzusetzen - oder sich einfach zu besinnen, was Erbe für die Leserin oder den Leser bedeutet. Die letzten drei Zeilen fordern dann nur dazu auf, sich mit Sizilien zu befassen, wenn man ein Beispiel erhalten will dafür, dass die Befassung mit historischem Erbe weltweit wirken kann.

Liebe Grüße
Poeta
medusenkind


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