GLÜCK

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
DerBaum
Klio
Beiträge: 526
Registriert: 13.03.2007, 19:46

GLÜCK

Beitragvon DerBaum » 20.06.2007, 20:07

sie saßen auf einer bank
und waren sich eigentlich einig
er sagte
wenn du zu mir kämst
könnte ich dir
trockenes brot anbieten
aber
es ist nicht irgendein trockenes brot
es ist das trockene brot von meinem opa
er tunkt es immer in bier und steckt es in den mund

sie war auf all das vorbereitet
sie hatte schon oft so mit ihm dort gesessen
und immer auf derselben bank und immer erzählte er
diesen mist und sie lachte stets vergnügt
und sagte
wollen wir nicht baden gehen
(denn eins müsst ihr wissen
dort in der nähe war ein see)

er schaute sie wie immer erstaunt an und meinte
aber paula ich hab doch nichts dabei

dann schwimmen wir eben mit nichts und hinterher
sagte sie (und fing ein kleines luftbläschen ein
das war aus seinem mund gekrochen und
jetzt war es ihr)
legst du dich auf mich wie in der guten alten zeit
er wollte das nicht glauben
er berührte seine alten arbeiterhandschuhe
die hatte sein opa ihm geschenkt und nun warf er sie in die luft und hoffte
sie mögen nicht mehr zurückkommen

aber paula sagte peter
wir können uns doch nicht nackt ausziehen
wenn uns jemand sieht
der beamte im bus zum beispiel
der mochte uns sowieso nicht
bestimmt wird er über uns schreiben
alle schreiben jetzt über etwas
und dann bringen sie es als buch
jeder kann das tun
auch er

ihre heiterkeit wuchs
sie wusste dass in seinem kopf alles schon da war
sie beide waren nackt und schwammen im see
ganz lustig würde das sein weil man nichts verstecken musste

aber warum ausgerechnet der fragte sie
der soll hier vorbeikommen
so ein unsinn.. der sitzt bestimmt zuhause und schreibt tatsächlich an einem buch...er schreibt über das jungfernbad und das vögeln....keiner will
es drucken...aber wenn er dafür bezahlt machen sies doch

und wenn ihn seine frau fragt
was er da mache
sagt er
ich schreibe einen roman
und wer soll den drucken fragt seine frau
das mach ich selber
und seine frau kichert und fängt an die schafe zu zählen
denn sie hat keine lust sich das geschwätz weiter anzuhören

ganz silbern ist der mond wenn zwei ihn bedecken
ganz licht ist der stern (jenen den man am wenigsten sieht)
so saßen die zwei zwischen den ästen
irgendwo knarrte ein stuhl aber das war weit
das mussten sie gar nicht hören

die augen der beiden glänzten
als hätten sie alles richtig gemacht
kleine tropfen fielen von ihrer haut
die großen gemeinsamkeiten fängt man ganz alleine an
sagte irgendwer
die beiden waren es sicher nicht
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter

Zurück zu „Gedichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Baidu [Spider] und 21 Gäste