in der tür der himmel, blau, ein paar wolken, weil die tür offen steht. vom bett aus also sichtbar und freundlich, lügt die tür oder besser: die scheibe. ich bin besoffen, zeit zu streiten. fick dich sage ich sie antwortet nicht, dass tut sie nie, sie streitet nicht wenn ich besoffen bin und ich nicht, wenn ichs nicht bin. also steh ich auf, ich schwanke nur wenig dabei und verbrenn mir die füße an der schwelle zum balkom am heißen blech. ich kletter auf die brüstung, dann folgt sie mir, sie hat angst das ich runterfall. ich leg mich hin, häng beide beine in die luft und schließ die augen vor der sonne: das duchleuchtete rot dreht linkhsherum, das tut es immer. da hör ich sie, ich stelle die flasche ab, mit der linken auf den balkon. ich nehme ihre hände, zieh mich hoch, zieh sie neben mich. was soll der mist? nie sagt sie scheiß. ich lach sie ein bisschen aus, wegen dem wort nur. sie schüttelt mich, aber lässt nicht los und dann leg ich den kopf gegen ihre brust, mit dem ohr am schlüsselbein, sag was, sag ich, sie seufzt, ich kann die luft in ihrer lunge hören, sing bettel ich. wer soll denn so singen?, du, du. ich lass eine ihrer hände los, schieb sie unter ihr t-shirt und wir tun beide so, als würde sie nichts merken, sie schüttelt mich nochmal, aber nur ein bisschen und gleich fallen wir runter, weil mein kopf so schwer ist, oder der balkon bricht ab. jetzt ist die sonne weg.
was ist denn nur los mit dir? mit mir ist gar nichts, war nie was, ich könnte jetzt sage: ich will dich küssen, das wäre wahr, oder: dieses kleid, das du anhast ist immer noch zu viel aber das ist zu kompliziert jetzt. also schling ich einfach einen arm um ihre beine, so in kniehöhe, dass sie einknickt. sie landet mit den knien auf meiner brust, stösst die luft aus mir raus. ich fang sie irgendwie auf und halt sie fest, sie wehrt sich und ich halte sie fest, das ist nie schwer, weil sie angst hat mir weh zu tun glaub ich, sie wehrt sich wie ein schmetterling, oder sonstirgendwas kleines mit flügeln, das man in der hohlen hand halten kann. ich sag sowas auch in ihr ohr, das grad praktisch vor meinem mund ist: schmetterling oder libelle, kleine drachenfliege im blauen kleid. was soll ich nur mit dir machen? ich sag nichts, hab aber vorschläge.
jetzt sitzt sie am tisch und lernt. ich sehe es an der art, wie sie den rücken beugt und wie ich nicht da bin. sie lernt, dabei kann niemand hier lernen, weil nur ein tisch da ist und eine matraze und leere flaschen. ich sage ihren namen so leise, dass sie mich hören muss, weil es dann wichtig ist. sie hört auch, aber sie tut so, als würde sie nicht. ich sehe sie an, das licht von vorn verzeichnet ihr gesicht. die schmalen schultern, ich suche ein wort dafür und kann mir nur vorstellen, dass flügel an ihren rücken gehören, weil ich keins finde. ich sage: man kann hier nicht lernen. du nicht. das ist der vorwurfston und ich sehe nach der flasche, weil man nur so streiten kann. du doch auch nicht, sage ich und lasse meine stimme schweben. nur wegen dir. aber das stimmt nicht, es liegt an dem raum, dann sieht sie weg und ich nehme die lasche und sie hört das geräusch und sieht mich und die flasche an, sagt: dann geh ich eben. bleib, bleib, ich spring auf und renne, weil ich sie fangen muss bevor sie die tür erreicht. lass das. bleib. sie schlägt mit den fäusten gegen meine schultern. das ist mir wichtig. schmetterling denke ich, sag: skarabaeus oder so. das ist ein mistkäfer. wir lachen beide und ich bin noch immer zu traurig um zu trinken.
an der decke: muster, gewobene muster der achtbeinigen schwestertiere. ich werde ihr land erobern, ihre zeichen nachmalen, dann liegen wir auf dem rücken und die farben spiegeln in ihren augen. klingeln. ich öffne nie die tür, dass ist ihre aufgabe, seufzen, aufstehen, zur tür gehen, etwas sagen und so. ich öffne nur, wenn sie nicht da ist und nur weil sie es sein könnte, weil ihr schlüssel noch in der anderen hose ist oder einfach so, damit ich aufmache und in der tür stehe, wenn sie die treppe hochkommt. ich fall über die flasche mit der kerze, jetzt ist dunkel, ich öffne und sie ist es nicht, da hilft auch das licht nicht, das von außen kommt. das flurlicht macht die frau zu einem gnom, oder einem berg vor dem himmeln, ich muss lächeln. ihre freundin ist nicht zu sprechen? ich schüttel den kopf, weil ich sonst lache. sie schnauft. gut. könnten sie ihr sagen, dass ich da war? gut. ich nicke und kreuze die finger hinter dem rücken, denn ich werde nichts sagen, sonst macht sie sie noch sorgen. ich schließ die tür, leg mich auf den boden um fertig zu warten.
warum hast du mir nichts gesagt? sie ist böse, das ist schlimmer als besorgt. ich leg den kopf in ihr haar, rieche rauch. will sie fragen wo sie war, doch sie rutscht schon weg. ich sehe sie an und sie weint, das macht sie anders als andere leute, die tränen laufen an der innenseite der augen herab. ich strecke die hände nach ihr aus. was ist denn nur mit dir? nichts, sag ich, das stimmt, sie ist traurig. nichts? jetzt schreit sie mich an, ich sag lieber nichts, weil ich nüchtern nicht streiten kann. du gehts nicht raus du isst nicht du tust nichts. ich will sagen, dass ich warte und denke. du triffst niemanden mehr. ich treffen sie. du magst nicht weggehen. singen tue ich auch. jetzt weint sie auch nach außen. ich gehe sagt sie. ich will sie nehmen und sie schlägt nach mir, so gut sie kann. ich gehe schreit sie, weil ich dich liebe durch arsch. nein, sag ich, weil ich nichts weiß, dass sie sowas sagt und sie läuft aus der tür und ich will sie fangen flügeltier, dann ist sie weg und ich lauf auf den balkon, verbrenn mir die füße am heißen blech.
libelle
Re: libelle
Hallo Ede,
toller Text. Die bedrückende Stimmung kommt gut an - authentisch.
Der Text hinterlässt einen nachdenklich und rührt an.
Was ich nur an Deinem Text nicht verstehe:
Wer ist die Frau, die klingelt, und warum war sie so wichtig, dass "sie" dann den entscheidenden Schritt zur Trennung macht?
Die Situation allein wär doch Grund genug...
*kopfkratz*
Liebe Grüsse,
Susanne
toller Text. Die bedrückende Stimmung kommt gut an - authentisch.
Der Text hinterlässt einen nachdenklich und rührt an.
Was ich nur an Deinem Text nicht verstehe:
Wer ist die Frau, die klingelt, und warum war sie so wichtig, dass "sie" dann den entscheidenden Schritt zur Trennung macht?
Die Situation allein wär doch Grund genug...
*kopfkratz*
Liebe Grüsse,
Susanne
Re: libelle
ich dachte dass sie die vermieterin ist, die irgendwie ärger macht. sie ist prinzipiell nicht so wahnsinnig wichtig sie ist mehr wie ein endgültiger auslöser. etwas das ihr klar macht, wie sehr sich das ich von der realität entfernt hat... eben weil was die eigentlich will nicht so wichtig ist hab ich das ganz rausgelassen. kann natürlich sein das man dan aber eher mehr reingeheimnist als beabsichtigt...
ddanke fürs lesen
ddanke fürs lesen
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: libelle
ah, ja. Rauslassen gefällt mir persönlich besser...
Liebe Grüsse
Liebe Grüsse
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